Wie es mit der Mopo weitergehen könnte

Susan Molzow, die Geschäftsführerin der Hamburger Boulevardzeitung, verhandelt über ein Management-Buy-out. Der Name, unter dem das Projekt firmiert, lautet Mars. Er ist womöglich inspiriert von der wirtschaftlichen Situation des Verlags.

Bei der Hamburger Morgenpost haben sich schon viele ausprobiert: Chefredakteure wie Wolfgang Clement und Mathias Döpfner ebenso wie wechselnde Eigentümer, darunter die SPD, Gruner + Jahr und der Investor David Montgomery. Jeder hinterließ bei dem Blatt Blessuren; Döpfner räumte jüngst in der Sonderausgabe zum 70. Geburtstag sogar ein: „Ich war eine Fehlbesetzung.“

DuMont, der derzeitige Besitzer, sucht seit einem Jahr einen Ausweg aus dem Zeitungsgeschäft im Allgemeinen und dem Hamburger Boulevard im Besonderen. Ein Management-Buy-out (MBO) könnte die Lösung sein. Für die Kölner wird sie wohl nur umzusetzen sein, wenn sie eine Mitgift zahlen. Der zunächst bereitstehende Vermarktungschef Martin Stedler hat bereits entnervt gekündigt, nun wird mit der Geschäftsführerin Susan Molzow verhandelt. Mars lautet der Name, unter dem das Vorhaben firmiert.

Molzow hat sich verpflichtet, auf eigene Rechnung zu agieren. Sie ist demnach nicht Teil eines Konsortiums, über das in der Hansestadt seit einiger Zeit spekuliert wird. Mithilfe des Medienunternehmers Frank Otto, so heißt es, könnte ein Gebilde aus Zeitung, Digital-Auftritt, Audio und TV geformt werden. Womöglich kam der Name des Versandhauserben aus anderen Gründen ins Spiel. Zum einen war er von 1999 an schon einmal Eigentümer der Mopo – damals zusammen mit dem 2015 gestorbenen Bildhauer-Erben Hans Barlach; zum anderen ist seine ältere Schwester Ingvild, eine Kunstsammlerin, verheiratet mit Stephan Goetz, dessen Münchner Beratungsunternehmen Goetzpartners im Auftrag von DuMont 2018 den Verkaufsprospekt für die Regionalmedien erstellte.

Publizistisch ist die Mopo längst nicht mehr die Anti-Bild, die der links wählende Hamburger schon am Vorabend auf dem Heimweg von der Kneipe liest. Wirtschaftlich ist sie defizitär, wie eh und je. Rund 15 Millionen Euro setzt der Verlag noch um. Und unterm Strich stehen Zahlen, die so rot sind wie der Planet, nach dem das Projekt benannt ist. Auf rund 1,4 Millionen Euro summiert sich der Jahresfehlbetrag. Schuld ist auch die rückläufige Print-Auflage. Im Einzelverkauf werden knapp 37.000 Exemplare abgesetzt. Die 3.000 Abonnenten fallen kaum ins Gewicht. Digital dagegen ist Mopo.de Reichweitenführer im Norden. Wäre also die Einstellung der gedruckten Zeitung eine Lösung?

Der Gedanke kursiert. Nicht ohne Grund wurde der taz-Geschäftsführer Karl-Heinz Ruch um Rat gefragt, nachdem er angekündigt hatte, mittelfristig auf die werktägliche Print-Zeitung verzichten zu wollen. Im Gespräch mit HORIZONT sagte Ruch: „In deren Situation möchte ich nicht stecken: Boulevardzeitung, kein Marktführer in Hamburg, keine treuen Abonnenten und ein maues Anzeigengeschäft, aber aufs Internet hoffen? Na ja.“

Der Verzicht auf Print würde zwar auch bei der Mopo Zustellkosten einsparen. Allerdings erwirtschaftet Print immer noch rund 9 Millionen Euro Vertriebserlöse. Das Digitalgeschäft bringt dagegen magere 2,5 Millionen Euro. Eine Redaktion lässt sich damit nicht finanzieren, das wird auch Susan Molzow wissen.

Die 53-Jährige arbeitete lange für G+J, bevor sie 2010 Geschäftsführerin der Mopo wurde. Ein Management-Buy-out ohne die lukrative 5-Prozent-Beteiligung an Radio Hamburg, die DuMont gern behalten würde, und einige Millionen Euro Mitgift werden kaum realistisch sein. Ende November könnte es Klarheit geben.

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