Wie die Praxis der Schattenwebsites Restaurants, Hotels und Einzelhandel schadet

Lieferando betreibt Schattenwebseiten seiner Kundenrestaurants. Ist das noch Service oder schon Profitklau? Außerdem: Booking.com, Kaufda und andere gehen ähnliche Wege.

Der Bestellservice Lieferando ist gerade in der Coronakrise ein rettender Strohhalm für viele Restaurants geworden, sollte man meinen. Denn jetzt kam massive Kritik auf. Wie eine Recherche des Bayrischen Rundfunks ergab, könnte der erfolgreiche Lieferservice ein Profiteur mit fragwürdiger Praxis sein.

Mit Schattenwebseiten schadet Lieferando Restaurants

Wie der BR berichtet, hat die niederländische Konzernmutter Just Eat Takeaway europaweit über 120.000 Schattenwebseiten eingerichtet. In Deutschland sollen es gut 51.000 sein. Schattenwebseiten ähneln in der Domain denen der Restaurants, führen aber in diesem Fall zu Lieferando. Im Beispiel des BR handelt es sich um das vietnamesische Restaurant Jack Glockenbach aus München. Gibt man den Namen bei Google ein, erscheint zuerst der Anzeigenlink von Lieferando, danach folgt eine Anzeige für „Jackglockenbach.de“ und danach die Webseite „jackglockenbach.de“. Das Problem: Diese Seite gehört gar nicht dem Restaurant, sondern ist eine der genannten Schattenwebseiten von Lieferando. Das Restaurant selbst findet sich unter: Jackglockenbach.live“.

Das ist kein Einzelfall. Die Journalist*innen des BR fanden heraus, dass rund 18.000 der registrierten deutschen Seiten mit einer Bestellfunktion versehen seien, die den Vorgang direkt über Lieferando abwickeln, die anderen seien mit dem Lieferando-Logo ausgestattet, das direkt auf die Seite des Lieferservice verlinkt. Letzteres ist auch im Fall von Jack Glockenbach so. Der Vorwurf der Betreiber*innen: Lieferando lasse die Restaurants im Unklaren über die Existenz dieser Schattenwebseiten. Außerdem handele es sich eben nicht mehr um einen Service, sondern man beraube die Restaurants ihrer Kund*innen. Und tatsächlich ranken die suchmaschinenoptimierten Schattenseiten in der Regel besser in der Google-Suche als die Restaurantseiten und teilweise werden sie von den Kund*innen gar nicht als Lieferando-Seiten wahrgenommen.

Lieferando strebt nach der Provision

In jedem Fall ist der Bestellservice der Gewinner, denn Lieferando erhält laut BR-Recherche 13 Prozent Provision pro Bestellung, sobald der Service im Spiel ist. Wenn Fahrer von Lieferando liefern, dann erhält der Service laut BR bis zu 30 Prozent Provision. Es besteht also ein gesteigertes wirtschaftliches Interesse daran, möglichst oft als Mittelsmann zu fungieren. Hinzu kommt, der Dienst kooperiert zusätzlich mit Google. Wer Restaurants in der Suchmaschine sucht, bekommt ein prominentes Ergebnis angezeigt – mit allen nötigen Informationen und oft mit einer Bestellfunktion. Kund*innen müssen nicht mehr auf die Seite des Restaurants gehen, sie bestellen direkt in der Suchmaschine. Das ist bequem, abgewickelt wird der Vorgang aber auch in diesem Fall über Lieferando. Und da spielt es keine Rolle, ob geliefert oder selbst abgeholt wird. Die 13 Prozent Provision erhält der Lieferservice in jedem Fall.

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