„Polemische Kunstkritik“ über Gabalier zulässig

Artikel über den „Volks-Rock-’n‘-Roller“ sei als Kunstkritik zu verstehen, befindet der Presserat. Ein Leser hatte wegen „grob beleidigender Aussagen“ das Gremium eingeschaltet.

Eine auf kurier.at erschienene „harsche und teils polemische Kritik“ an einem Fernsehauftritt des steirischen Musikers Andreas Gabalier ist medienethisch zulässig. Das entschied der Senat 1 des Presserats. Im Artikel „Gabalier: Weihnachten auf der HNO-Ambulanz“ vom 5. Dezember des Vorjahres wird ein Auftritt des selbst ernannten „Volks-Rock-’n‘-Rollers“ in der ORF-Sendung „Winter in Österreich“ kommentiert. Der Auftritt höre sich „nach einem Fall für die HNO-Ambulanz“ an und Gabalier singe nicht, sondern raunze, schluchze und hauche um die Töne herum „wie ein neugieriges Kind ums Weihnachtspackerl“, befand der Autor.

Laut Presserat handle es sich dabei um Kunstkritik und nicht, wie von einem Leser beanstandet, um grob beleidigende Aussagen. Die Meinungsfreiheit sei bei Kritiken, die von den eigenen Empfindungen und Wertungen der Journalistin oder des Journalisten geprägt sind, weit auszulegen. Ein Kritiker darf laut Presserat auch solche Meinungen vertreten, die nicht alle teilen oder die schockieren. Zudem genieße Gabalier aufgrund seines hohen Bekanntheitsgrads weniger Persönlichkeitsschutz als eine Privatperson und habe selbst bereits polarisierende Auftritte vollzogen. Deswegen müsse er ein höheres Maß an Toleranz gegenüber scharfer Kritik aufbringen, begründete der Presserat seine Entscheidung in einer Aussendung.

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