Deutsche Kette Flash Coffee will Starbucks in Asien Konkurrenz machen

David Bruniers Kampfansage an Starbucks erstrahlt in grellem Gelb zwischen Bangkoks grauen Häuserschluchten. Es ist ein regnerischer Tag, die Wolken hängen tief in der thailändischen Millionenmetropole. Die in leuchtenden Signalfarben gestaltete Filiale von Flash Coffee sticht auf einen Blick aus der Szenerie heraus. Eine neue Marke muss bereits aus großer Entfernung auffallen, sagt der 30 Jahre alte Gründer aus Deutschland – je größer der Knalleffekt, umso besser.

In Asiens Großstädten ragt das Start-up aber nicht nur aus optischen Gründen hervor. Bemerkenswert ist vor allem die hohe Geschwindigkeit, mit der Flash Coffee in der Region expandiert. Im Januar 2020 startete Brunier mit seiner ersten Niederlassung in der indonesischen Hauptstadt Jakarta. Inzwischen ist die Kaffeekette in Thailand, Indonesien und Singapur bereits mit rund 50 Filialen vertreten.

Jetzt will Brunier das Wachstum weiter beschleunigen: Für dieses Jahr plane er 300 zusätzliche Niederlassungen, sagt der Unternehmer dem Handelsblatt. Bis Jahresende will er mit Flash Coffee in sieben weiteren asiatischen Märkten präsent sein. Die Umsätze sollen seinen Prognosen zufolge bis zum Jahresende um das 24-Fache zulegen, 1850 Mitarbeiter will das Unternehmen dann beschäftigen.

Den Turbostart verdankt Brunier zwei namhaften Unterstützern, die Erfahrung damit haben, Länder in Asien blitzschnell mit ihren Geschäftsmodellen zu überziehen: Rocket Internet und Delivery Hero. Die beiden Konzerne aus Berlin gehören zu den Investoren der ersten Stunde.

Rocket-Internet-Chef Oliver Samwer, der in Südostasien zuvor unter anderem den inzwischen an Alibaba verkauften E-Commerce-Konzern Lazada aufgebaut hatte, habe ihn persönlich zur Firmengründung ermutigt und ihm bei der Ausarbeitung des Geschäftsmodells geholfen, erzählt Brunier.

Auch bei ihrem finanziellen Engagement legen die Partner nun noch einmal nach: Mit ihren Risikokapitalfirmen Global Founders Capital und DX Ventures beteiligen sich Rocket Internet und Delivery Hero an einer 15 Millionen Dollar schweren Investitionsrunde, wie Flash Coffee an diesem Mittwoch offiziell bekanntgeben will. Weitere Geldgeber sind White Star Capital aus den USA und der deutsche Finanzinvestor Cornelius Boersch.

Software spart Mitarbeiter

Insgesamt haben Brunier und sein Co-Gründer Sebastian Hannecker damit seit dem Start 20 Millionen Dollar an Investorengeldern eingesammelt – für ein Kaffeeunternehmen eine stolze Summe. Brunier, der an der Wiesbadener Privatuniversität EBS studierte und vor seiner Gründung als Marketingchef von Delivery Hero in Asien im Einsatz war, sieht sein Unternehmen aber weniger als Gastronomiebetrieb, sondern eher als Technologie-Start-up.

Kern seines Geschäftsmodells ist eine App, mit der Kunden ihren Kaffee bestellen und bezahlen können, während sie noch im Büro sitzen – ein paar Minuten später steht das Getränk dann am nächstgelegenen Flash-Coffee-Tresen bereit. Im Hintergrund bestellt das Softwaresystem des Unternehmens auch automatisch Nachschub, wenn in einem Laden die Kaffeebohnen ausgehen oder die Milch knapp wird.

Bruniers Start-up braucht so weniger Mitarbeiter vor Ort und kann damit Personalkosten sparen. Während bei Starbucks meist ein ganzes Team im Einsatz ist, kommen Flash-Coffee-Läden schon mal mit nur einem Mitarbeiter aus.

Auch bei der Gestaltung der Läden will sich der Gründer absetzen: Im Gegensatz zur Konkurrenz, die Kunden mit Wohnzimmeratmosphäre anlockt, begrenzt sich Flash Coffee auf zehn bis 15 Quadratmeter mit höchstens einer Handvoll Stühle. „Auch bei Starbucks kaufen 80 Prozent der Kunden ihren Kaffee nur zum Mitnehmen“, sagt Brunier. Großräumige Filialen machen für ihn unternehmerisch deshalb keinen Sinn: „Wir haben erhebliche Ersparnisse bei den Mietkosten und können sie an die Kunden weitergeben.“

Preislich hebt sich Flash Coffee deutlich vom Marktführer ab: In Thailand kostet ein kleiner Cappuccino-Eiskaffee bei einem der rund 400 Starbucks-Läden umgerechnet 3,25 Euro – das entspricht mehr als einem Drittel des lokalen Mindestlohns pro Tag. Bei Brunier ist das Getränk für 1,35 Euro zu haben – ohne bei der Kaffeequalität Abstriche zu machen, verspricht der Gründer. „Wir können damit in Asien einen riesigen Markt erschließen mit einer großen Mittelschicht, die sich die Premiumpreise bei Starbucks einfach nicht leisten kann.“

Brunier erwägt auch Expansion nach Europa

Zu den neuen Märkten, in die Flash Coffee in diesem Jahr expandieren möchte, gehören die Schwellenländer Malaysia, die Philippinen und Vietnam. Zudem plant das Start-up auch Niederlassungen in Hongkong, Taiwan, Japan und Südkorea.

Bei der Expansion hilft die Partnerschaft mit Delivery Hero, das in der Region unter der Marke Foodpanda aktiv ist: Die Bestelldaten von Foodpanda können Flash Coffee wertvolle Hinweise liefern, welche Gegenden mit Coffeeshops noch unterversorgt sind. „Wir freuen uns, Flash Coffee bei der rasanten regionalen Expansion zu unterstützen“, sagt Brendon Blacker, Partner bei Delivery Heros Investmentarm DX Ventures.

Bruniers Pläne gehen noch weiter: Nach der nächsten Finanzierungsrunde könnte er das Geschäft auch nach Europa bringen, sagt er. Bewährt habe sich das Modell bereits: Die Mehrzahl der Niederlassungen sei schon profitabel. Betrieben werden die Lokale komplett in Eigenregie – ein Franchisemodell kommt für Brunier derzeit nicht infrage.

Ganz ohne Schwierigkeiten läuft das rasante Wachstum aber nicht: Von dem technologiegetriebenen Ansatz ist in Thailand noch nicht viel zu spüren. Die App, die in Indonesien bereits verfügbar ist, ist für Thailand nicht rechtzeitig fertig geworden. Beim Besuch einer Filiale nahe dem Bangkoker Botschaftsviertel sind die einzige sichtbare Technik die Flachbildschirme mit der Preisliste – und eine Digitaluhr am Tresen, die mehrere Stunden vorgeht und als Datum den 28. Januar zeigt, obwohl es schon April ist.

Irritierend ist zudem ein Teil der Werbestrategie: Flash-Coffee-Mitarbeiter haben bei Google Maps reihenweise Fünf-Sterne-Bewertungen für ihre eigenen Läden veröffentlicht: „Ich liebe ihren Kaffee wirklich“, schrieb der Marketingchef. In der Branche sei das ein typisches Vorgehen, sagt Brunier.

Flash Coffee ist bereits seine zweite Gründung: Nach dem Studium betrieb er in Berlin einen Onlinehändler für Weinspezialitäten. Die Welt des Genusses und des Luxus ist ihm seit Längerem nahe. Mit 17 arbeitete er eine Zeit lang als Model, lief auf der „Paris Fashion Week“ und lernte bei dem Job unter anderem US-Rapper Kanye West kennen.

Das Leben als Start-up-Chef scheint nun weniger glamourös zu sein – was auch an der Coronakrise liegt: Im vergangenen Jahr saß Brunier nach einer Deutschlandreise wegen Einreisesperren in Asien fast ein halbes Jahr in Berlin fest und musste sein Unternehmen mit sechs Stunden Zeitunterschied aus 10.000 Kilometer Entfernung lenken. Im Team habe man ihm den Spitznamen „Vampir“ gegeben, weil er immer nachts arbeitete, sagt er.

Corona-Lockdowns brachten der Kette nur einen kurzen Rückschlag. Zwar musste die erste Filiale in Jakarta schon wenige Wochen nach dem Start wieder schließen – doch inzwischen profitiere das Unternehmen davon, in einer Region aktiv zu sein, die die Pandemie vergleichsweise gut eingedämmt habe, sagt Brunier.

Dass die konjunkturellen Aussichten in einigen Märkten dennoch trübe sind, stört ihn nicht besonders: „Wir kommen jetzt immerhin sehr günstig an Ladenflächen.“

Bertelsmann Content Alliance startet Marketingkampagne zu ‚JAhr zur Wahrheit‘

Unter dem Motto „JAhr zur Wahrheit. Weil’s stimmen muss“ wollen die Unternehmen der Bertelsmann Content Alliance 2021 ein Zeichen für guten Journalismus setzen. Begleitend dazu startete am 2. April 2021 eine crossmediale Marketingkampagne in Radio, TV und Print. Sie rückt die Rolle der professionellen Medien und ihre gesellschaftliche Verantwortung in den Fokus.

Im Mittelpunkt der Kampagne stehen Mitarbeiter in den Unternehmen der Bertelsmann Content Alliance, die sich in ihrem beruflichen Alltag täglich mit der Bedeutung von Wahrheit und Lüge für die Gesellschaft auseinandersetzen.

Googles smartes Display kommt nach Österreich

Der neue Google Nest Hub soll ab Anfang Mai auch in Österreich erhältlich sein. Dies kündigte Google im Rahmen eines Pressegesprächs gegenüber Medienvertretern an. Österreich ist dabei Teil der zweiten Welle an unterstützten Ländern, zu der sonst unter anderem Spanien, die Niederlande und die Schweiz zählen.

Rein äußerlich ähnelt der neue Nest Hub der ersten Hardwaregeneration aus dem Jahr 2018 stark. Die wirklich relevanten Unterschiede gibt es insofern im Inneren, und dabei sticht vor allem ein Name hervor: Project Soli. Jener Radar-Chip, der im Smartphone Pixel 4 sein Debüt gegeben hatte – und für das Pixel 5 wieder gestrichen wurde –, hat nun einen neuen Einsatzort gefunden. Beim neuen Nest Hub ist er zunächst einmal für Gestenerkennung zuständig. So ist es berührungslos möglich, abgespielte Inhalte zu pausieren oder auch einen Wecker in der Früh zu snoozen.

Seinen interessantesten Einsatzort findet Soli jedoch an anderer Stelle: für die Schlafanalyse. Der neue Nest Hub kann nun den Schlaf seiner Nutzer überwachen und anschließend Daten über dessen Qualität liefern. So wird nicht nur darüber informiert, wie lange man geschlafen hat, sondern auch, wie die Atemfrequenz des Nutzers war. Auch Schnarchen, Husten und Licht werden verzeichnet, durch die Erfassung kleiner Bewegungen soll dabei sogar unterschieden werden können, ob man wach herumliegt oder tatsächlich schläft.

Google versichert dabei, dass man hierbei zuverlässig die Daten einer einzelnen Person analysieren kann. Um dies zu garantieren, nimmt die Schlafanalyse zunächst eine Kalibrierung vor, um zu sehen, in welchem Bereich der jeweilige Nutzer schläft.

Zu den weiteren Neuerungen gehört ein verbesserter Klang, Google spricht von einem 50 Prozent stärkeren Bass. Die Erkennung von Sprachbefehlen wurde mithilfe eines dritten Mikrofons verbessert. Gerne betont Google auch, dass sich diese Mikrofone über einen mechanischen Schalter deaktivieren lassen, wenn man etwa ganz auf Fernsteuerung via App oder die Nutzung per Touchscreen setzen will – was auch aus Privacy-Gründen interessant sein kann.

Der Nest Hub der zweiten Generation soll ab dem 4. Mai im österreichischen Google Store zum Kauf stehen. Der Preis liegt erneut bei 99,99 Euro, es wird wieder Farbausführungen in Schwarz und Grau geben, die Varianten in hellem Rot und Blau sind hingegen anderen Ländern vorbehalten. Gerne betont Google auch seine Umweltschutzbemühungen – so seien 54 Prozent des Gehäuses aus recyceltem Kunststoff.

Reporter ohne Grenzen setzt sich für Unabhängigkeit der APA ein

Die Austria Presse Agentur (APA) hat vor einer möglichen staatlichen Finanzkontrolle der Nachrichtenagentur gewarnt und im Begutachtungsverfahren zum Informationsfreiheitsgesetz eine Klarstellung durch die Regierung gefordert. Dabei geht es um mögliche, künftige Kompetenzen des Rechnungshofs. Unabhängige Medien dürfen von einer Ausweitung der staatlichen Finanzkontrolle nicht betroffen sein, fordert nun auch die Organisation Reporter ohne Grenzen (RSF). Österreich: „Die APA als Genossenschaft muss unabhängig bleiben. Auf keinen Fall darf es eine staatliche Kontrolle durch die Hintertür geben“, so RSF-Österreich-Präsidentin Rubina Möhring.

Bei einer Einbeziehung der APA in die Kontrolle des Rechnungshofs stehe zu befürchten, „dass damit die Politik ihre Einflusssphäre auf unabhängige Medien ausdehnt“. Möhring verweist dabei auf Ungarn: „Unter Ministerpräsident Orban wurde die nationale Nachrichtenagentur schließlich mit dem staatlich gewordenen Rundfunk und Fernsehen unter einem Dach fusioniert. Für Österreich gilt: Wehret den Anfängen!“

Egmont und Disney setzen Lizenzgeschäft fort

Die Verlage Egmont und Disney haben die seit 1948 bestehenden Disney-Lizenzrechte für Kindermagazine und Comics erneuert und erweitert. Das teilt Egmont Ehapa nun mit.

Zum Geschäft zählen unter anderem die sogenannten klassischen Standard Character-Comics aus der Welt von Entenhausen, einschließlich der Walt Disney-Taschenbücher sowie das „Micky Maus-Magazin“.

Der Vertrag enthält zudem die gedruckte und digitale Veröffentlichung der Disney-Franchise-Lizenzen für Kinderzeitschriften. Das Magazin-Portfolio umfasst weltweit führende Lizenzmarken wie „Die Eiskönigin“, „Disney Prinzessin“, „Winnie Puuh“, und „Disney Pixar Cars“.

Am Standort Berlin verlegt die Egmont Ehapa Media zahlreiche Disney Magazine und Comics für die Märkte Deutschland, Österreich und die Schweiz.

„Europäische Rundschau“ wurde digitalisiert

Die „Europäische Rundschau“, die 1973 gegründete und im Vorjahr aus Finanzgründen eingestellte Vierteljahreszeitschrift für Politik, Wirtschaft und Zeitgeschichte, ist ab sofort vollinhaltlich online in der Sammlung der historischen Zeitungen und Zeitschriften der Österreichischen Nationalbibliothek (Anno) verfügbar. Gründungschefredakteur Paul Lendvai begrüßt die Digitalisierung der Zeitschrift, die damit weiterhin von einem interessierten Publikum gelesen werden kann. Von 1990 bis 2006 war auch eine ungarische Ausgabe mit den wichtigsten Artikeln in Budapest erschienen.

A1 bringt Cloud-Gaming-Service Blacknut nach Österreich

Man kennt es schon von Google Stadia, nun bringt A1 mit Blacknut einen weiteren Cloud-Gaming-Service nach Österreich: Dieser bietet für A1-Kunden um 9,99 Euro pro Monat Zugriff auf 500 Spiele unterschiedlicher Genres. Wer kein A1-Kunde ist, kann den Dienst um 14,99 Euro pro Monat abonnieren (was übrigens auch dem regulären Preis von Blacknut entspricht). Das Abo-Modell ist monatlich kündbar.

Ähnlich wie bei Google Stadia stehen die Spiele im Browser auf PC, Mac oder Linux-Rechner, als App am Android Smartphone oder am Fire TV-Stick bzw. auf Google Chromecast zur Verfügung, ein Download ist nicht nötig. Die Spielstände und Favoriten werden zentral gespeichert und werden so auf jedem Gerät synchronisiert. Bis zu fünf unterschiedliche Konten für Familienmitglieder können angelegt werden.

Laut A1 wird die Spielesammlung laufend erweitert. Derzeit sind etwa Disney Epic Mickey – the Power of 2, Frozen Rush, LEGO Star Wars, der Farming Simulator, WRC8, das DSA-inspirierte RPG Blackguards und der Racing Titel Asphalt 9 verfügbar. Einen Überblick über alle in Blacknut enthaltenen Spiele gibt es unter diesem Link. Die kompatiblen Controller werden unter diesem Link angegeben.

Lenovo und Nokia legen Patentstreit bei

Der PC-Marktführer Lenovo und Nokia haben ihren jahrelangen Patentstreit beigelegt. Die Unternehmen gewähren sich gegenseitig Zugang zu ihren Patenten.

Lenovo werde zudem eine Ausgleichszahlung an den Netzwerk-Ausrüster leisten, wie Nokia mitteilte. Der Betrag wurde nicht genannt.

Nokia hatte Lenovo unter anderem in München und den USA mit dem Vorwurf von Patentverletzungen verklagt. Der finnische Konzern besitzt unter anderem als einstiger Handy-Weltmarktführer Schutzrechte für diverse grundlegende Technologien – und zieht auch oft vor Gericht, um Lizenzdeals zu erzwingen. Zu Lenovo gehört unter anderem die Smartphone-Marke Motorola.

Signal bekommt Bezahlfunktion via Kryptowährung

Signal bekommt einen eigenen Bezahldienst namens Signal Payments. Dieser nutzt das Mobilecoin-Netzwerk beziehungsweise dessen Kryptowährung MOB, um Überweisungen zwischen zwei Usern zu ermöglichen. Signal selbst stelle dabei nur den Vermittler dar, betont man. Das bedeute, dass man keinerlei Daten über Transaktionen sammle, genau genommen sei dies durch den Aufbau von Mobilecoin auch gar nicht möglich.

Und doch gab es umgehend auch Kritik an der Entscheidung von Signal. Zwar ist das auf Blockchain-Technologie basierende Mobilecoin größtenteils Open Source, es nutzt aber auch Intels proprietäre SGX-Lösung. Dabei handelt es sich um eine Art Hochsicherheitsbereich in aktuellen Intel-CPUs, den Signal auch für andere Dinge wie die Kontakterkennung nutzt. Kritik daran gab es immer wieder, da SGX unter Sicherheitsexperten nicht unbedingt einen guten Ruf hat.

Beschränkung

Signal Payments ist Teil der aktuellen Beta-Versionen des Messengers für Android und iOS. Allerdings gibt es dabei eine wichtige Einschränkung zu beachten: Fürs Erste geht all das nur in Großbritannien. Wann sich das ändern soll, lässt man derzeit noch offen. Interessant ist zudem, dass die Entwickler in Zusammenhang mit Mobilecoin vom ersten unterstützten Bezahlprotokoll sprechen. Es könnte also durchaus sein, dass Signal Payments später auch andere Kryptowährungen unterstützen wird.

Google legt extrem effizienten Sprachcodec offen

Google hat den auf KI-Technik und Machine-Learning aufbauenden Sprachcodec Lyra als Open Source veröffentlicht. Den Lyra-Codec selbst hatte das Unternehmen bereits im Februar dieses Jahres vorgestellt und diesen als „revolutionären neuen Audio-Codec“ beschrieben, mit dem sich qualitativ hochwertige Anrufe umsetzen lassen sollen. Tatsächlich ermöglicht Lyra eine Kodierung von Sprache noch mit 3 kbit/s.

Der als Open-Source-Software verfügbare Code zur Nutzung enthält die notwendigen Werkzeuge, um selbst Sprache mit Lyra zu kodieren sowie zu dekodieren. Der Code ist dabei für 64-Bit-ARM-Plattformen optimiert, also etwa Smartphones. Außerdem wird zur Entwicklung Linux genutzt. Das Team von Lyra hofft aber auch, den Codec künftig plattformübergreifend umsetzen zu können.

Der Code ist in C++ geschrieben und nutzt sowohl Googles Build-Tool Bazel als auch die eigene C++-Bibliothek Abseil. Die Kern-API ermöglicht das En- und Decoding ganzer Dateien oder als Pakete. Darüber hinaus bietet Google auch Filter und diverse Transformationsfunktionen zur Signalverarbeitung.

Es gibt auch eine Beispiel-App, die die Nutzung zusammen mit dem Android-NDK demonstriert. Das Team weist außerdem darauf hin, dass ein kleiner Teil des Codes für mathematische Funktionen derzeit noch nicht frei verfügbar ist. Diese Bibliothek soll ebenfalls als Open Source nachgeliefert werden. Der restliche Open-Source-Code findet sich auf Github.

Yahoo Answers wird nach 15 Jahren endgültig eingestellt

In den letzten Jahren entwickelte sich das Forum zunehmend zu einer Plattform für Verschwörungserzählungen und politische Meinungen.

Auf der Startseite von Yahoo Answers befindet sich seit 6.4. ein Hinweis auf die nahende Stilllegung der Webseite. Schon ab dem 20. April wird es nicht mehr möglich sein, neue Fragen einzureichen. Nutzer, die Zugriff auf ihre Daten erlangen möchten, können diese bis zum 30. Juni herunterladen. Danach werden alle Fragen, Antworten, und Bilder, die von Nutzern generiert wurden, nicht mehr zugänglich sein, schreibt Yahoo im FAQ.

Ressourcen für andere Produkte

In einer Benachrichtigung für registrierte Nutzer gibt Yahoo Details zum Grund für das Ende der Plattform preis. Yahoo Answers sei lange Zeit ein wichtiger Bestandteil der Produktpalette des Unternehmens, das 2017 von Verizon übernommen wurde, gewesen, doch über die Jahre habe es an Beliebtheit verloren, schreibt das Team des Forums. Nun wolle man die Ressourcen des Unternehmens für andere Produkte einsetzen, berichtet „The Verge“.

Verschwörungserzählungen

2005 ging Yahoo Answers das erste Mal online und galt lange Zeit als Anlaufstelle für alle Fragen, die mit einer einfachen Google-Suche nicht gelöst werden konnten. In den letzten Jahren entwickelte sich das Forum jedoch zunehmend zum Meinungsportal für politische Fragen und Verschwörungstheorien.

G+J veröffentlicht erste Verkaufszahlen für ‚Guidos Deko Queen‘

Gruner + Jahr hat für sein neues Wohn- und Lifestyle-Magazin ‚Guidos Deko Queen‘ erste Verkaufszahlen vorgelegt. Wie das Hamburger Verlagshaus mitteilte, habe sich die Erstausgabe, ersten Hochrechnungszahlen zufolge über 70.000 Mal verkauft und damit „ein überdurchschnittliches Verkaufsergebnis“ erzielt.

Der neue Titel startete am 18. März 2021 mit einer Druckauflage von 130.000 Exemplaren und soll fortan zehn Mal im Jahr erscheinen. Das Premierenheft ist zum Einführungspreis von 2,00 Euro erhältlich. Anders als angekündigt gilt dieses Angebot auch für die zweite Ausgabe, die am 22. April 2021 erscheint. Regulär soll der Copypreis bei 3,50 Euro liegen.

Schützenhilfe bekommt der Print-Titel vom gleichnamigen TV-Format, das seit kurzem samstagnachmittags bei Vox läuft. Die erste Folge am 20. März 2021 schalteten 7,8 Prozent der 14- bis 49-jährigen Zuschauer ein. In der Zielgruppe der 14- bis 29-jährigen Frauen waren es sogar 22,4 Prozent. Insgesamt sahen 0,73 Millionen Zuschauer die Sendung, was beim Gesamtpublikum einem Marktanteil von 4,1 Prozent entspricht.

Verbraucherverhalten: Covid-19 beflügelt E-Commerce

Corona hat dem E-Commerce einen deutlichen Schub verliehen. In Deutschland kaufen derzeit 87 Prozent aller Verbraucher regelmäßig online ein. Das zeigt eine repräsentative Verivox-Umfrage. Dafür hat die Innofact AG im März 2021 insgesamt 1.015 Personen im Alter von 18 bis 69 Jahren online befragt. Etwa die Hälfte der Befragten (47 %) ordert dabei mindestens einmal im Monat Waren über das Internet, weitere 37 Prozent sogar wöchentlich. Verstärkt wird die digitale Shoppinglust durch die Auswirkungen der Corona-Pandemie. Zwei von drei Befragten kaufen heute viel (24 %) oder etwas häufiger (41 %) im Internet ein als vor dem Ausbruch der Pandemie. Bei einem knappen Drittel der Befragten (32 %) blieb die Häufigkeit von Online-Einkäufen unverändert. Nur drei Prozent bestellen heute seltener im Internet als vor Corona.

Zum Bezahlen im Internet stehen Verbrauchern viele verschiedene Verfahren zur Verfügung. Mit Abstand am beliebtesten sind Online-Bezahldienstleister wie PayPal oder Sofortüberweisung. Wenn sie die freie Auswahl haben, würden 47 Prozent der Befragten einen Einkauf von 50 Euro über einen Online-Bezahldienst wie PayPal und Co. begleichen. Deutlich weniger bevorzugen andere Bezahloptionen wie den Kauf auf Rechnung (23 %), Kreditkarte (14 %) oder Lastschrift (8 %).

Pressefreiheit in Italien : Staatsanwalt hört Journalisten ab

Die sizilianische Staatsanwaltschaft ermittelt gegen private Seenotretter. Nun wurde aufgedeckt, dass sie dabei Journalisten systematisch belauschte und überwachte. Die Justizministerin ist alarmiert.

Bei Ermittlungen gegen private Seenotretter hat die Staatsanwaltschaft auf Sizilien systematisch Journalisten abhören lassen. Mit der Sache befasst sich jetzt die Justizministerin Marta Cartabia. Auch das Parlament in Rom dürfte einen Untersuchungsausschuss einsetzen. Es geht um den „Lauschangriff“ auf mehrere italienische Journalisten, veranlasst 2017 von der Staatsanwaltschaft der sizilianischen Hafenstadt Trapani.

Aufgedeckt hat die Angelegenheit der Investigativ-Journalist Andrea Palladino von der Tageszeitung „Domani“ kurz vor Ostern. Danach befindet sich in den umfangreichen Akten im Zusammenhang mit der Anklage gegen private Seenotretter – vorab die Berliner Organisation „Jugend Rettet“ – wegen des Verdachts der Beihilfe zur illegalen Einwanderung auch ein umfangreiches Dossier mit den abgehörten Gesprächen von mindestens sieben italienischen Journalisten.

Hauptziel der Abhöraktion war die freie Journalistin Nancy Porsia, die sich seit Jahren mit der Migration über das Mittelmeer von Nordafrika nach Europa befasst. Sie ist mit einem Libyer verheiratet und hält sich selbst immer wieder in Libyen auf. In Italien werden ihre Beiträge unter anderem von der Tageszeitung „La Repubblica“, dem privaten Nachrichtensender Sky Tg24, dem Nachrichtenportal TPI und der Mailänder Denkfabrik ISPI veröffentlicht. Zu ihren internationalen Auftraggebern gehören „Al Dschazira“ und der „Guardian“.

Über die Ostertage hatte Nancy Porsia Gelegenheit, das von ihrem Kollegen Andrea Palladino beschaffte Dossier zu sichten. Die Lektüre der rund dreihundert Seiten hat sie schockiert: „Mindestens 150 Seiten bestehen aus Abschriften meiner abgehörten Telefongespräche. Sie haben alles transkribiert.“ Die Abhöraktion begann im Juni 2017, als Porsia sich an Bord eines Rettungsschiffes von „Ärzte ohne Grenzen“ befand, um über deren Tätigkeit im zentralen Mittelmeer zu berichten. Das letzte Abhörprotokoll datiert nach Porsias Angaben vom Dezember 2017. Zu den abgehörten Gesprächen gehört auch ein Telefonat der Journalistin mit ihrer Anwältin Alessandra Ballerini. Außerdem wurden verschiedene ihrer Reiserouten dokumentiert, mittels der Verbindungsdaten ihres Mobiltelefons.

Rechtsstaat in Gefahr

In den Mitschriften der Ermittler von Trapani tauchen die Namen weiterer sechs Journalisten auf: von den Tageszeitungen „Il Giornale“, „Il Fatto Quotidiano“ und „Avvenire“, von der Wochenzeitschrift „L’Espresso“ sowie vom Fernsehsender Rai Tre und von Radio Radicale. Andrea Di Pietro, Rechtsanwalt bei „Ossigeno per l’informazione“, dem Pressefreiheits-Watchdog des Journalistenverbands, sprach von „einem der schwersten Angriffe auf die Presse in der Geschichte unseres Landes“. Giuseppe Giulietti, Präsident der Journalistengewerkschaft FNSI, prangerte besonders die Verletzung des Anwaltsgeheimnisses an und verlangte vom Justizministerium in Rom Aufklärung darüber, wer diese Abhöraktion befohlen habe. Sergio Scandura, der abgehörte Mitarbeiter von Radio Radicale, klagte: „So stirbt nicht nur die Pressefreiheit, sondern der Rechtsstaat insgesamt.“ Grundsätzlich ist nach geltendem Recht die Überwachung von Journalisten möglich, sofern ein konkreter Verdacht auf eine begangene Straftat besteht und ein Richter die Abhöraktion genehmigt. Doch keiner der im Zusammenhang mit den Ermittlungen von Trapani überwachten Journalisten ist je angeklagt worden. Ausgangspunkt des „Lauschangriffs“ auf die Journalisten waren die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft von Trapani gegen „Ärzte ohne Grenzen“, „Jugend rettet“ und „Save the Children“. Die Organisationen standen – und stehen – unter dem Verdacht, bei Rettungseinsätzen vor der libyschen Küste mit Schlepperbanden zusammengearbeitet zu haben.

Ermittlungen gegen private Seenotretter gab es seit 2017 in verschiedenen sizilianischen Städten – es war die Zeit unmittelbar nach dem Höhepunkt der Flüchtlingskrise im zentralen Mittelmeer mit bis zu 180.000 Bootsmigranten, die in den Jahren 2015 und 2016 jeweils Italiens Küsten erreicht hatten. Italiens Innenminister, der Sozialdemokrat Marco Minniti, hatte von Januar bis März 2017 mit der Regierung in Tripolis sowie mit Stämmen und Milizen im Westen Libyens Abkommen zur Kontrolle der Flüchtlingsrouten geschlossen. Aus Italien floss viel Geld nach Libyen, um den Flüchtlingsfluss nach Italien zu bremsen. Gewissermaßen komplementär wurden private Seenotretter von den italienischen Behörden verstärkt unter die Lupe genommen. Das Narrativ, die privaten Rettungsschiffe seien so etwas wie „Taxis über das Mittelmeer“, wurde genährt.

Die meisten Ermittlungen gegen die privaten Seenotretter verliefen im Sande. Nicht jedoch die von Trapani: Nach gut dreieinhalb Jahren Ermittlungen erhoben die Strafverfolger unter Leitung von Oberstaatsanwalt Maurizio Agnello Anfang März Anklage gegen 21 Personen wegen des Verdachts der Beihilfe zur illegalen Einreise. Im Falle eines Schuldspruchs drohen bis zu zwanzig Jahre Gefängnis. Bei den Angeklagten handelt es sich um zehn ehemalige Besatzungsmitglieder des Rettungsschiffes „Iuventa“ von „Jugend Rettet“: Die übrigen Angeklagten sind Mitarbeiter von „Ärzte ohne Grenzen“ und „Save the Children“. Die Ankläger werfen den Helfern vor, sich mit Lichtzeichen vor der libyschen Küste mit den Schleusern verständigt zu haben. Die Migranten seien mithin nicht aus Seenot gerettet, sondern direkt von den Schleusern übernommen worden. Die Hilfsorganisationen sehen in dem Verfahren eine „politische Kampfansage mit der Absicht, Solidarität zu kriminalisieren“.

Den Ermittlern von Trapani gelang es, mehrere Informanten in den jeweiligen Besatzungen der Rettungsschiffe zu plazieren. Offenbar gehörte auch die Überwachung von Journalisten, die regelmäßig über Migration, den Maghreb und die Arbeit von privaten Hilfsorganisationen berichteten, zur Ermittlungstaktik.

Oberstaatsanwalt Agnello versicherte, die Mitschriften der abgehörten Telefonate der Journalisten würden in dem Verfahren nicht verwendet. Der frühere Innenminister Minniti, der zum Zeitpunkt der Aufnahme der Ermittlungen von Trapani gegen die Hilfsorganisationen und während der Abhöraktionen gegen die Journalisten alle Aspekte der italienischen Migrationspolitik kontrollierte, wollte sich auf Anfrage der Zeitung „Domani“ zu dem „Lauschangriff“ nicht äußern.

Google gewinnt milliardenschweres Verfahren gegen Oracle

Der Online-Gigant Google hat eine milliardenschwere Klage des Softwarekonzerns Oracle wegen angeblicher Urheberrechtsverletzungen beim Smartphone-System Android vor dem Obersten US-Gerichtshof abgewehrt. Der Supreme Court entschied, dass Google keine Rechtsverstöße begangen habe und überstimmte damit ein Urteil aus unterer Instanz.

Streit seit 2010

Für Google und den Mutterkonzern Alphabet ist das ein großer Sieg. Oracle hatte rund neun Milliarden Dollar an Entschädigungszahlungen gefordert. Google hatte für Android ungefähr 11.000 Zeilen Software-Code der Programmiersprache Java verwendet.

Oracle, das Java 2010 mit der Übernahme von Sun Microsystems gekauft hatte, hatte Google noch im selben Jahr verklagt. Der zuständige Richter hatte zunächst entschieden, dass die Java-Schnittstellen grundsätzlich nicht urheberrechtlich schützbar gewesen seien. In Berufungsverfahren wurde dieses Urteil jedoch gekippt. Die Richter des Supreme Courts entschieden jetzt mit sechs zu zwei Stimmen zugunsten von Google.

Streit um Programmierschnittstellen

Gestritten wurde konkret um Programmbibliotheken, welche die Android-Macher selbst zur geschrieben hatten, anstatt die Standardbibliotheken von Sun Microsystems zu nutzen. Oracle ortete Plagiarismus und forderte für die Verwendung der Programmierschnittstellen (APIs) Lizenzgebühren.

Netflix stellt die TV-Branche Europas auf den Kopf

In „Lupin“ macht ein charmanter Meisterdieb das als Postkartenidyll inszenierte Paris unsicher. Die französische Netflix-Produktion avancierte in vielen Ländern schnell zur meistgesehene Serie des Streamingdienstes und in den USA immerhin zur erfolgreichsten französischsprachigen Produktion. Dieser Erfolg steht exemplarisch für die Strategie des US-Unternehmens – und dafür, wie es den europäischen TV-Sektor aufwirbelt, in den man enorme Summen investiert.

Nach Angaben des Unternehmens befinden sich in der EU derzeit rund hundert Filme und Serien in verschiedenen Produktionsstadien. Eigenständige Produktionsteams sind in Frankreich, Spanien, Deutschland und Italien angesiedelt. Allerdings hat das Unternehmen genau wie seine Konkurrenten Disney+ und Amazon Prime eigentlich keine Wahl: Seit 2018 schreibt eine EU-Richtlinie vor, dass die Plattformen ihren Abonnenten mindestens 30 Prozent europäische Inhalte anbieten und in lokale Produktionen investieren müssen.

Entstanden ist so ein Modell, das sich radikal vom alten Hollywood unterscheidet, dessen Produktionsfirmen ihre US-Blockbuster und -Serien ohne Interesse an lokalen Produktionen auf den Markt brachten. „Wir fragen uns wirklich ‚Okay, was ist eine Show, die in Frankreich riesig wird und die unsere französischen Kunden lieben werden? Oder in Deutschland?“, sagt Larry Tanz, der für die Originalprogramme von Netflix in Europa verantwortlich ist.

Tanz zufolge lassen sich die nicht englischsprachigen Filme und Serien dann häufig in zwei Kategorien einteilen: Solche mit hauptsächlich lokaler Reichweite wie im deutschsprachigen Raum etwa die Dramaserie „Dogs of Berlin“ – und solche, die international geschaut werden – zum Beispiel die mit dem Grimme-Preis ausgezeichnete deutsche Produktion „Dark“, das österreichische Format „Freud“ oder das spanische „Casa de Papel“.

Der belgischen Drehbuchautorin Sanne Nuyens bescherte diese Entwicklung einen Überraschungserfolg. Ihre Serie „Zimmer 108“, ein stimmungsvoller Fantasythriller produziert vom flämischen öffentlich-rechtlichen Sender VRT, erreichte bei Ausstrahlung auf Netflix international Millionen von Zuschauern. „Man schreibt eine Show für ein bestimmtes Publikum und wenn das Publikum größer wird, wenn es nicht nur Flandern oder Belgien ist, sondern auch Europa und die ganze Welt, dann ist das fantastisch“, erzählt sie.

Aber Qualitätsinhalte kosten Geld, was die Produktionsfirmen dazu zwingt, sich zusammenzuschließen. Elly Vervloet ist bei VRT verantwortlich für internationale Produktionen und damit an vorderster Front dieser neuen Dynamik. Im Rahmen des Verbandes Europäische Rundfunkunion hat sie eine Initiative geschaffen, die Gelder bündelt, um Sendern teure Projekte zu ermöglichen – und Netflix so die Stirn zu bieten.

Wenn die Koproduktion nicht klappt, sagt Vervloet, sei das US-Unternehmen dennoch ein „guter Partner“. „Aber man muss hart verhandeln“, etwa über Rechte und Branding. „Außerdem sind Inhalte, die an eine Plattform verkauft wurden, für andere öffentlich-rechtliche Sender weniger zugänglich, und das ist die Sorge auf europäischer Ebene.“

Hier bestehe dann doch eine Parallele zu Hollywood, sagt Jerome Dechesne vom Verband für europäische Filmschaffende (Cepi). „Netflix finanziert alles und behält am Ende den Löwenanteil.“ Allerdings lobt er das US-Unternehmen dafür, das „Oligopol“ der großen Sender wie der BBC oder Frankreichs TF1 gebrochen zu haben, die jahrzehntelang Europas Film- und TV-Sektor kontrollierten. Positiv sei auch, dass Netflix dem „Minderwertigkeitskomplex“ von Sendungen, die nicht auf Englisch produziert wurden, ein Ende gesetzt habe, sagt Dechesne.

Außerdem drängen die EU-Regeln die Plattformen dazu, nicht nur in eigene Inhalte, sondern auch kleine, unabhängige Produktionen zu investieren. Die Netflix-Blockbuster koexistieren also mit innovativen kleineren Inhalten – „das ist super interessant“, sagt Dechesne.

„DSDS“ hat einen Sieger – und Gottschalk veralbert Bohlen

Der Azubi Jan-Marten Block aus Nordfriesland hat mit Unterstützung von Showmaster Thomas Gottschalk die RTL-Castingshow „Deutschland sucht den Superstar“ gewonnen. Der 25-Jährige setzte sich im Finale der 18. Staffel gegen seine drei verbliebenen Konkurrenten durch. Zum Triumph verhalf ihm seine ungemein tiefe Stimme – und sein neu eingespieltes Sieger-Lied „Never Not Try“. „Ich glaube, ich erkenne einen Hit, wenn ich einen höre“, sagte Gottschalk (70), der in der Show den früheren Chef-Juroren Dieter Bohlen (67) vertrat. „Und das ist einer.“

Die Entscheidung, die Block 100 000 Euro und einen Plattenvertrag einbrachte, traf am Ende allerdings das Publikum. Ein Drittel (33,38 Prozent) votierte nach RTL-Angaben für den Sänger.

Gottschalk hatte sich in der Finalshow für Block stark gemacht. Auch Schlagersängerin Maite Kelly, die neben dem Showdino in der Jury saß, lobte ihn. Sie nannte Jan-Marten – nicht gerade Typ Schlaks – „big Kuschelbär“, der aber auch eine Star-Aura habe.

Dass Gottschalk bei der Inthronisierung des „Superstars“ dabei sein und seinen Jury-Stuhl mit einer Luftgitarren-Nummer zur Musik von Status Quo einnehmen konnte, lag an der Abwesenheit von Langzeit-Juror Dieter Bohlen. RTL hatte vor Wochen angekündigt, dass seine Zeit bei dem Format nach der aktuellen Staffel ende. Generell soll die ganze Show einen komplett neuen Anstrich bekommen.

Fast hätte man im Finale auch vergessen können, dass Bohlen einmal der Chef in der Manege war. Größeres Thema war er nicht – bis Gottschalk sich dem Finalisten Kevin Jenewein (27) widmete, der von einer „Blase“ gesprochen hatte, in der er sich befinde. Der Showmaster konnte sich eine Spitze gegen Bohlen nicht verkneifen. „Wenn die Blase platzt – entspann dich. Sie platzt für jeden irgendwann mal“, erklärte Gottschalk Kevin. „Der Dieter sitzt auch in Mallorca und sortiert seine Camp-David-Hemden jetzt.“

1,1 Milliarden Euro für Digitalwerbung bei Google, Facebook und Co aus Österreich

Google, Facebook und andere internationale Onlinekonzerne haben allein in Österreich fast 1,2 Milliarden Euro mit Digitalwerbung umgesetzt. Die 2020 erstmals eingehobene Digitalsteuer – fünf Prozent für solche Onlineriesen – brachte laut den jüngsten (und noch vorläufigen) Monatsdaten des Finanzministeriums 56,6 Millionen Euro*. Daraus lässt sich auf die Werbeumsätze schließen – und auf die dominierende Position im österreichischen Werbemarkt.

1,1 Milliarden an Digitalriesen

Aus dem Digitalsteueraufkommen lassen sich die Onlinewerbeeinnahmen von Google, Facebook, Amazon und Co in Österreich errechnen: Ohne die Digitalsteuer kommt man da auf 1,1232 Milliarden. Mit den fünf Prozent Digitalsteuer kommt man auf 1,1886 Millionen Euro Digitalwerbevolumen internationaler Onlinekonzerne.

Ein Fünftel weniger klassische Werbung

Die Werbeabgabe beträgt ebenfalls fünf Prozent auf Buchungen in klassischen Medien (TV, Radio, Zeitungen, Zeitschriften, Plakat) sowie Prospektwerbung, aber ohne Onlinewerbung auf österreichischen (und anderen kleineren) Plattformen. Die Werbeabgabe brachte der Republik im Gesamtjahr 2020 laut vorläufigen Daten des Finanzministeriums 86,3 Millionen Euro. 2019 waren das noch 105,9 Millionen Euro.

Im ersten Jahr der Pandemie gingen die Einnahmen aus Werbeabgabe – und damit auch klassische Werbung in Österreich ohne Onlinewerbung – um mehr als ein Fünftel zurück.

Die Hochrechnung aus der Werbeabgabe: 2020 betrug das klassische Werbevolumen inklusive Prospekt, aber ohne österreichische Onlinewerbung rund 1,8 Milliarden Euro nach 2,2 Milliarden ein Jahr zuvor – gut 400 Millionen Euro weniger.

40 Prozent Marktanteil

Und wie sind nun die Größenverhältnisse im Werbemarkt Österreich im Gesamtjahr 2020 zwischen Klassik und Digitalriesen? Rein aus der Digitalsteuer Werbesteuer hochgerechnet und damit ohne Onlinewerbung kleinerer Medien/Plattformen in Österreich, aber einschließlich Prospektwerbung machen die Werbeumsätze von Google, Facebook, Amazon und Co in Österreich fast 40 Prozent des Nettowerbevolumens aus.

Hochrechnung mit österreichischer Onlinewerbung

Und wie stehen die Verhältnisse, wenn man versucht, die Onlinewerbung bei kleineren, insbesondere auch österreichischen Medien/Plattformen einzubeziehen? Aus den Bruttowerbedaten von Focus MR kann man eine grobe Größenordnung der österreichischen Onlinewerbung und der Marktanteile der übrigen Mediengattungen ableiten.

Mit rund 38 Prozent am gesamten österreichischen Werbevolumen (inklusive Prospekt) fällt der Anteil der internationalen Digitalriesen kaum geringer aus. Die Printmedien insgesamt kommen auf rund 24 Prozent Anteil an diesem Gesamtvolumen, die Tageszeitungen als werbestärkster Printsektor auf etwas mehr als 14 Prozent, Fernsehen insgesamt auf knapp unter 14 Prozent Werbemarktanteil.

Klassik ohne Prospektwerbung

Wenn man nun noch – wiederum nach Focus-Größenordnungen – die Prospektwerbung herausrechnet, um klassisches Above-the-Line-Werbevolumen mit Digitalriesen zu vergleichen, wird das Verhältnis noch ein bisschen drastischer: Fast 42 Prozent Marktanteil entfallen auf internationale Digitalriesen, Print insgesamt kommt kaum auf 28 Prozent (davon fast 17 Prozentpunkte Tageszeitungen), das Fernsehen liegt knapp unter 18 Prozent Marktanteil.

Digitalsteuer und Digitalförderung

Die Einnahmen aus der Digitalsteuer liegen mit 56,6 Millionen deutlich über den zunächst prognostizierten 20 Millionen Euro. Die Steuer soll auch die für 2021 angekündigte Digitaltransformationsförderung finanzieren, die laut Begutachtungsentwurf 15 Millionen pro Jahr betragen soll, 2021 zusätzlich einmalig 19 Millionen nachträglich für 2020.

GoDaddy-Studie: Kleine Unternehmen wünschen sich Unterstützung beim Aufbau ihrer Online-Präsenz

Laut einer Umfrage des Website-Anbieters GoDaddy herrscht bei Kleinunternehmern in Deutschland Unterstützungsbedarf in Sachen Digitalisierung. Für einen Großteil sei es eine Herausforderung, digitale Lösungen zu etablieren und ihre technische Expertise auszubauen.

Eine internationale Studie des Website- und Domain-Anbieters GoDaddy zeigt, dass Kleinunternehmer in Deutschland Unterstützung bei der Digitalisierung ihres Unternehmens benötigen. In der Umfrage geben 85 Prozent der Befragten, die bereits eine Website besitzen, an, dass diese ein wichtiger Schlüsselfaktor für den Erfolg ihres Unternehmens sei. Gleichzeitig sehen wiederum knapp 60 Prozent eine Herausforderung für ihr Unternehmen darin, digitale Lösungen zu etablieren und ihre technische Expertise auszubauen.

Welche Bedeutung die Digitalisierung für den Unternehmenserfolg hat, zeigen die Umfrageergebnisse mit Bezug auf die Auswirkungen der Vertriebskanäle. Für den Großteil der deutschen Befragten (63 Prozent) ist die Unternehmenswebsite der meistgenutzte Vertriebskanal. Danach folgen Social-Media-Kanäle (36 Prozent).

„Wenn wir kleine Unternehmen dabei unterstützen, unabhängiger zu werden, indem wir ihnen eine eigene, selbstbestimmte Online-Präsenz ermöglichen, können wir gleichzeitig Deutschland dabei helfen, wirtschaftlich erfolgreicher zu werden“, so Paul Ashcroft, Senior Director Europe von GoDaddy. „Allerdings sollte dabei das Digitale nicht mehr Zeit in Anspruch nehmen als nötig. Digitalisierung darf keine Wachstumshürde sein. Deshalb unterstützen wir deutsche Gründer*innen und kleine Unternehmen auf ihrem Weg zu einer professionellen Online-Präsenz mit unseren Tools, unseren Lösungen sowie unserer Kundenbetreuung. Damit möchten wir zeigen, wie einfach es heutzutage ist, digital erfolgreich zu werden.“

Die europaweite Umfrage wurde von dem Marktforschungsunternehmen Kantar durchgeführt. Dafür wurden insgesamt 5.104 Menschen interviewt, wovon 1.201 Teilnehmer in Deutschland leben.

LG baut keine Smartphones mehr

Aus dem Smartphone mit dem t-förmigen Bildschirm wird nichts: Der südkoreanische Konzern LG Electronics stellt die Produktion von Handys ein. Die Sparte soll bis Ende Juli geschlossen werden.

LG ziehe sich „aus dem äußerst wettbewerbsintensiven Mobiltelefonsektor“ zurück, heißt es in einer Mitteilung des Konzerns. Das Unternehmen wolle sich auf andere Bereiche konzentrieren. Dazu gehöre die Herstellung von Komponenten für Elektroautos, von vernetzten Geräten oder Robotern. Auch Smart Homes und künstliche Intelligenz wurden genannt.

Gerüchte über ein Ende von LGs Smartphone-Sparte gab es schon länger: Anfang des Jahres war ein internes Dokument aufgetaucht, in dem die Rede davon war, dass der Unternehmensbereich verkleinert, verkauft oder geschlossen werden könnte.

LG war Anfang der 2010er Jahre noch einer der größten Smartphone-Produzenten. Seither hat der südkoreanische Konzern jedoch stark an Marktanteilen verloren. Da halfen auch ungewöhnliche Smartphone-Konzepte nicht, wie etwa das LG Wing mit einem drehbaren Display und einem darunter liegenden zweiten Bildschirm.

Die Smartphone-Bereich macht hohe Verluste

Die Smartphone-Sparte von LG ist seit Jahren defizitär: Seit 2015 wurde in jedem Quartal operative Verluste gemeldet. In den vergangenen sechs Jahren soll der Bereich Einbußen von insgesamt rund 4,5 Milliarden US-Dollar gehabt haben.

Die vorhandenen Bestände an Smartphones will LG noch weiterhin zum Verkauf anbieten. Auch würden „für einen bestimmten Zeitraum, der nach Region variiert“, Support und Software-Updates angeboten, teilte der Konzern mit.

Ganz aus dem Mobilfunkbereich zurückziehen wird sich LG aber nicht: Der Konzern will nach eigenen Angaben „Mobilfunk-Technologien wie 6G“ entwickeln.

E-Commerce im DACH-Raum überspringt erstmals 100 Milliarden Euro

Erstmals hat der E-Commerce allein mit Waren, die an Endverbraucher verkauft werden, in Deutschland, Österreich und der Schweiz im Jahr 2020 ein konsolidiertes Volumen von mehr als 100 Milliarden Euro (inklusive Umsatzsteuer) erreicht. Der deutschsprachige E-Commerce setzt damit mehr um als jeder andere Sprachraum in Europa. Pro Kopf wurde in den drei Ländern im Mittel etwa für 1000 Euro im Jahr bestellt – deutlich mehr als beispielsweise in Frankreich (67 Millionen Einwohner und etwa 46,4 Milliarden Euro vergleichbares E-Commerce-Volumen), aber noch erheblich weniger als in England (82,6 Milliarden Euro Marktvolumen, ca. 1233 Euro pro Kopf und Jahr). Zusammen bringen es die deutschsprachigen Märkte auf ein Viertel des E-Commerce-Warenumsatzes in den USA.

Prozentual am Stärksten fiel das Wachstum 2020 in der Schweiz mit einem Sprung um 27,9 Prozent aus, gefolgt von Österreich (+17,4 Prozent) und Deutschland (+14,6 Prozent). Der Anteil des E-Commerce am Einzelhandel steigt in allen drei Märkten weiterhin konstant an.

Das Einkaufsverhalten in Österreich, Deutschland und der Schweiz

Dabei unterscheiden sich Deutschland, Österreich und die Schweiz im Einkaufsverhalten durchaus. Um die Unterschiede in den Ländern darzustellen, haben die Branchenverbände Bundesverband E-Commerce und Versandhandel Deutschland e.V. (bevh), Handelsverband – Verband österreichischer Handelsunternehmen sowie Verband des HANDELSVERBAND.swiss die Zahlen verglichen.

Die Verbraucher in der Schweiz kauften in 2020 Waren für 13,1 Milliarden Schweizer Franken (umgerechnet 11,84 Milliarden Euro, +27,2 Prozent) online ein. Die Online-Einkäufe haben sich somit innerhalb von sechs Jahren verdoppelt. Die Branche in Österreich konnte im Vorjahr erstmals mehr als 8,5 Milliarden Euro im E-Commerce erwirtschaften. Der über mobile Endgeräte generierte Umsatz hat sich um mehr als 50 Prozent erhöht – mehr als in Deutschland, wo das Volumen nur um 11,1 Prozent stieg. Allerdings liegt der Anteil des Mobile Commerce am gesamten E-Commerce-Umsatz hierzulande mehr als doppelt so hoch wie in Österreich. In Deutschland liegen die Online-Umsätze mit Waren für 2020 bei 83,3 Milliarden Euro. Dies ergibt einen prozentualen Anstieg von 14,6 Prozent gegenüber dem Jahr 2019.

Rainer Will, Geschäftsführer des österreichischen Handelsverbands: „Der Online-Handel ist im Corona-Jahr 2020 in Österreich mit 17,4 Prozent so stark gewachsen wie nie zuvor. Damit hat die Pandemie den E-Commerce hierzulande noch weit stärker befeuert als in Deutschland. Mittlerweile shoppen alle Altersklassen im Internet und das wird auch nach Covid-19 so bleiben. Der Trend zum regionalen Einkauf hält ebenfalls an – eine große Chance für die Webshops der DACH-Region, mit europäischer Qualität zu überzeugen.“

Welche Branchen profitieren am meisten?

Während in Deutschland das Fashion-Segment trotz der anfänglichen Schwäche seinen Abstand auf die ehemals führende Haus- und Heimelektronik (Braune und Weiße Ware sowie Telekommunikation) ausbauen konnte, ist in der Schweiz genau der gegenteilige Effekt eingetreten. Erneut wurde in der Schweiz online deutlich mehr in der Kategorie Heimelektronik bestellt. Ein Umsatzvolumen von über 3 Milliarden Schweizer Franken (+48 Prozent) macht diesen Bereich umsatzmäßig zum beliebtesten Onlinehandels-Sortiment. In Deutschland erreichten die entsprechenden Sortimente ein konsolidiertes Volumen von 20,5 Milliarden Euro, 12,6 Prozent mehr als vor Jahresfrist. Bekleidung und Schuhe hingegen wurden in der Schweiz für 2,5 Milliarden Schweizer Franken (+15 Prozent) online eingekauft. Die deutschen Verbraucher haben online in 2020 für 21,2 Milliarden Euro (+13,2 Prozent) Bekleidung und Schuhe gekauft.

Chatkontakt erzeugt mehr Nähe als ein Videocall

In Pandemie-Zeiten ersetzt die digitale Kommunikation einen großen Teil der sonst selbstverständlichen persönlichen Kontakte. Wie können Menschen sich dabei trotz Distanz verbunden fühlen? Das war eine der Fragestellungen, der Sozialpsychologen von der Universität Duisburg-Essen nachgegangen sind. Außerdem wollten die Wissenschaftler herausfinden, welche Art der digitalen Kommunikation am ehesten dabei hilft, strikte Corona-Bestimmungen und Kontaktbeschränkungen zu befolgen.

Obwohl Videoanrufe das Gegenüber zeigen und mehrere Sinne ansprechen, sind sie nicht immer der beste Weg, um in Kontakt zu bleiben – so lautet das Fazit der Wissenschaftler um Studienleiterin Nicole Krämer, Professorin für Sozialpsychologie an der Universität Duisburg-Essen. „Wir haben herausgefunden, dass das Verschicken von kleinen Nachrichten über Messenger – das können Texte sein oder Videos – besser hilft, um in Kontakt zu bleiben, als Videokonferenzen“, sagte sie gegenüber der dpa. „So eine schnell verschickte Textnachricht kann eher dazu führen, dass man das Gefühl hat, ‚andere sind mir nahe‘“, so Krämer.

Videoanrufe seien aufwendiger zu planen und daher seltener. Für das Gefühl „andere Leute sind da, die mit mir verbunden sind“ genüge es, über den Tag verteilt etwas von den Menschen zu hören. Außerdem zeige die Studie auf Basis mehrerer Online-Befragungen, dass Videoanrufe es den Menschen nicht unbedingt leichter machten, strikte Corona-Auflagen einzuhalten, sagt Krämer: „Da sind alle Nachrichten, die über Messenger kommen, offensichtlich hilfreicher, um die Leute bei der Stange zu halten.“ Das könne daran liegen, dass die Nutzung audiovisueller Kanäle die Sehnsucht nach persönlichem Kontakt verstärkt und den Impuls „ich will raus“ erzeugt.

Der Text der Studie, die auf Basis mehrerer Online-Befragungen während des ersten Lockdowns 2020 durchgeführt wurde, stehen auf Englisch unter dem Titel „Putting the social back into physical distancing: The role of digital connections in a pandemic crisis” als PDF zum Download zur Verfügung.

E3 bleibt heuer digital und kostenlos

Die jährliche Electronic Entertainment Expo (E3) in Los Angeles ist eines der größten Events der Gaming-Branche. Aufgrund der Pandemie fand die Konferenz, auf der sonst zahlreiche Entwicklerstudios neue Hardware, Games und zugehörige Trailer präsentieren, zuletzt nicht statt. Wie viele andere Veranstaltungen verlagert sich auch die E3 heuer ins Internet – und das kostenlos.

Fraglich bleibt, welche Publisher sich auf der E3 präsentieren werden. Schon vor Ausbruch der Pandemie zog sich Sony 2019 aus dem Event zurück und nahm die Präsentation von Exklusivtiteln in die eigene Hand. Mit seinem Nintendo-Direct-Stream hat auch Nintendo schon länger das Konzept von Live-Konferenzen aufgegeben.

Die E3 ist heuer für 15. bis 17. Juni angesetzt. Wie bereits 2020 angekündigt, wird die ESA das Event „transformieren“. Konkrete Pläne für die Umsetzung und das Programm sind noch nicht bekannt. Auch wurde noch nicht bestätigt, ob die diesjährige E3 für die Öffentlichkeit zugänglich sein wird.

EU verurteilt „Schikanen“ gegen ausländische Journalisten in China

Die Europäische Union hat China der Schikane ausländischer Journalisten bezichtigt. Die EU habe den chinesischen Behörden „wiederholt ihre Besorgnis“ angesichts „unzulässiger Arbeitsbeschränkungen sowie berichteter Schikanen“ gegen ausländische Journalisten mitgeteilt, erklärte der EU-Außenbeauftragte Josep Borrell.

Auslandskorrespondenten spielten „eine wichtige Rolle“ bei der Vermittlung von Informationen über Grenzen hinweg und trügen zur „Stärkung des wechselseitigen Verständnisses zwischen der EU und China“ bei, betonte er.

Hintergrund von Borrells Äußerungen ist die Ausreise des BBC-Korrespondenten John Sudworth aus Festland-China. Sudworth und seine irische Frau, die ebenfalls als Journalistin arbeitet, waren nach eigenen Angaben nach einer „schonungslosen Propaganda-Attacke“ der chinesischen Behörden von Festland-China nach Taiwan gezogen. Sudworth, der neun Jahre lang aus Peking berichtet hatte, klagte über behördlichen Druck und einen drohenden Prozess wegen seiner Berichterstattung über Menschenrechtsverletzungen in der nordchinesischen Provinz Xinjiang.

„Dies ist der jüngste Fall eines ausländischen Korrespondenten, der als Ergebnis anhaltender Schikanen und Behinderung seiner Arbeit aus China vertrieben wurde“, erklärte Borrell, der auch an die Ausweisung von mindestens 18 ausländischen Korrespondenten aus der Volksrepublik im vergangenen Jahr erinnerte.

Chinesische Staatsmedien und Politiker hatten Sudworth wiederholt für seine Berichterstattung über Xinjiang angegriffen. Sudworth prangerte in seinen Artikeln vor allem Zwangsarbeit in der Baumwollindustrie in Xinjiang an. Menschenrechtsorganisationen kritisieren seit langem die Unterdrückung der muslimischen Uiguren in der Provinz.

Eine Sprecherin des chinesischen Außenministeriums warf der BBC vor, „von starker ideologischer Voreingenommenheit geprägte Falschnachrichten“ zu verbreiten. Sie bestritt jedoch, dass die Regierung in Peking die treibende Kraft hinter der juristischen Verfolgung Sudworths sei. Sudworth warf sie vor, das Land Hals über Kopf verlassen zu haben, statt seinen Namen reinzuwaschen.

Pressefreiheitsorganisationen beklagen zunehmend schwierige Arbeitsbedingungen für Journalisten in China. Demnach weiten die Behörden ihre Kontrolle über Journalisten immer weiter aus. Reporter geben an, dass ihnen auf der Straße gefolgt wird, sie im Internet belästigt werden oder die Behörden ihnen Visa verwehren.

Umfrage: Potenzial zum bargeldlosen Bezahlen noch nicht ausgeschöpft

Sechs von zehn Menschen in Deutschland würden einer Umfrage zufolge grundsätzlich häufiger mit Karte oder Smartphone bezahlen – allerdings gibt es eine Reihe von Hemmnissen. Beim Bäcker oder Metzger, im Taxi oder im Nahverkehr, aber auch in mancher Gaststätte sind Verbraucher nach eigener Erfahrung noch auf Bargeld angewiesen. 26 Prozent der mehr als 2000 vom Meinungsforschungsinstitut YouGov befragten Erwachsenen gaben an, sie würden Karte und Smartphone häufiger zum Bezahlen nutzen, „wenn es mehr Möglichkeiten gäbe“. 14 Prozent würde diesen Weg stärker nutzen, wenn sie gleichzeitig an der Kasse Bargeld abheben könnten.
Geeignete Kartenterminals noch nicht flächendeckend vorhanden

„Unter Pandemiebedingungen wird aus Gründen der Hygiene beziehungsweise des Gesundheitsschutzes das Vermeiden von Barzahlungen empfohlen. Hier bietet die Schaffung einer möglichst flächendeckenden Infrastruktur mit kontaktlosfähigen Kartenterminals ein erhebliches Potenzial“, kommentierte Jürgen Wache vom Genossenschaftsverband die Ergebnisse der Erhebung, die im Auftrag der Volks- und Raiffeisenbanken im Verband durchgeführt wurde.

Der Verband mit Sitz in Neu-Isenburg vertritt Institute in allen Bundesländern mit Ausnahme von Bayern und Baden-Württemberg. Wache ist Sprecher des Vorstands der Hannoverschen Volksbank und leitet im Genossenschaftsverband den Arbeitsausschuss Markt und Produkte.

Pandemie beschleunigt Digitalisierung der Branche

Beim kontaktlosen Verfahren muss die Bezahlkarte nicht in ein Gerät eingeschoben werden. Die Daten werden verschlüsselt mit dem Terminal an der Kasse ausgetauscht, wenn die Karte vor das Lesegerät gehalten wird. Bei geringen Beträgen ist nicht einmal die Eingabe der Geheimnummer (PIN) nötig. Die Deutsche Kreditwirtschaft hatte während der Pandemie das Limit für die Kartenzahlung ohne PIN-Eingabe im Handel von 25 auf 50 Euro pro Nutzung verdoppelt.

Die Pandemie hat in der gesamten Branche den Trend zur Digitalisierung beschleunigt, viele Institute dünnen ihr Filialnetz weiter aus. In der Umfrage gab ein Fünftel (22 Prozent) der Befragten an, seit Beginn der Pandemie im März 2020 seltener in einer Bankfiliale gewesen zu sein, um Bankgeschäfte mit einem persönlichen Ansprechpartner zu erledigen. Gut ein Drittel (36 Prozent) der Befragten waren mindestens genauso häufig in der Filiale wie in Vor-Corona-Zeiten.
Offen für elektronische Bankdienste

Insgesamt zeigen die Umfrageteilnehmer überwiegend Offenheit für elektronische Zugangswege zur Bank: 55 Prozent können sich vorstellen, einfache Serviceleistungen wie Freistellungs- oder Daueraufträge telefonisch zu erledigen, 29 Prozent sehen das anders. 49 Prozent würden sich zum Beispiel per Video-Chat zu Altersvorsorge oder Finanzierungen beraten lassen, ein Drittel ist da zurückhaltend.

10 Jahre Terra Mater: Mit Leonardo DiCaprio zum Welterfolg

In diesen Tagen feiert der kleine Privatsender ServusTV das Jubiläum seiner Senderreihe „Terra Mater“. Darin gibt es regelmäßig Natur- und Tierdokus zu sehen, die die Terra Mater Factual Studios, das Unternehmen hinter den Filmen, produzieren und in die ganze Welt verkaufen. Die Dokus haben lange maßgeblich dazu beigetragen, ServusTV ein gutes Image zu verschaffen. Die Filme sorgen aber auch für hohe Quoten, in Deutschland kam die Reihe im vergangenen Jahr auf durchschnittlich 0,6 Prozent Marktanteil beim Gesamtpublikum (14-49: 0,4 Prozent), in Österreich waren es sogar 3,9 Prozent (12-49: 2,4 Prozent). In allen Fällen liegt „Terra Mater“ damit weit über den Durchschnittswerten von ServusTV.

„Terra Mater“ ist aber mehr als nur eine visuell hochwertig produzierte Senderreihe mit Feelgood-Dokus über süße Eisbären, Katzen oder die Alpen. Die Terra Mater Factual Studios sind Anfang 2011 als 100-prozentige Tochter von Red Bull gegründet worden und produzieren auch Dokumentarfilme für das Kino. Dort geht es dann weniger friedlich zu. In „The Ivory Game“ etwa ist das Thema der Elfenbein-Schmuggel in Ostafrika. In „Sea of Shadows“ geht es darum, wie mexikanische Drogenkartelle und die chinesische Mafia einen seltenen Fisch im Golf von Kalifornien wildern und damit den kleinsten Wal der Welt ausrotten.

Man wolle bei diesen Kinofilmen von Anfang an für einen „politischen Impact“ sorgen, sagt Walter Köhler im Gespräch mit DWDL.de. Er ist Geschäftsführer der Terra Mater Factual Studios und hatte das Unternehmen 2011 unter dem Dach von Red Bull gegründet. In den beiden genannten Fällen ist ihm das auch gelungen: Der legale Markt für Elfenbein in China ist mittlerweile verboten worden – auch dank „The Ivory Game“. Und die Allianz zwischen mexikanischen Drogenkartellen und chinesischer Mafia sei durch den politischen Druck von „Sea of Shadows“ inzwischen weitgehend gebrochen, sagt Köhler.

„Ungefährlich ist es nicht“

Doch mit den investigativen Dokus macht sich das Unternehmen nicht nur Freunde. Für den Dreh in Mexiko habe man erstmals ein Risikotraining für die gesamte Mannschaft durchgeführt, den Dreh brach man dann aber doch vorzeitig ab. So musste man innerhalb von zwei Stunden das Land verlassen, weil die Drohungen der Kartelle zu stark wurden. „Das war nicht mehr zu verantworten“, sagt Köhler, der über die Dreharbeiten zu solchen Dokus auch folgenden Satz sagt: „Ungefährlich ist es nicht.“ Aktuell steht ein IMAX-Dokufilm über das Arctic National Wildlife Refuge vor der Weltpremiere. Die Trump-Administration wollte dort im letzten Moment große Ölreserven anbohren. Mit der Champion Foundation sammelte man daraufhin 6,5 Millionen Unterschriften gegen dieses Vorhaben, der aktuelle US-Präsident Joe Biden hat das Bohrprojekt mittlerweile gestoppt.

Im Verlauf der Zeit haben die Terra Mater Factual Studios viele Preise gewonnen. Von Emmys über den Sundance Audience Award bis hin zu den Jackson Wild Media Awards und den Goldenen Pandas von Wildscreen, die beide als Oscars des Naturfilms gelten, war alles dabei. Mit „The Ivory Game“ schaffte man es sogar auf die Shortlist des traditionellen Oscars. In der weltweiten Wahrnehmung der Filme hat sicherlich auch geholfen, dass Leonardo DiCaprio hier und da seine Finger mit im Spiel hatte. Bei „The Ivory Game“ etwa habe er im Marketing unterstützt, weil ihm das Thema am Herzen gelegen sei, sagt Walter Köhler gegenüber DWDL.de.

Und auch bei „Sea of Shadows“ saß der US-Schauspieler mit im Boot. Das Thema hatten Köhler und sein Team gar nicht auf dem Schirm, bis DiCaprio anrief und ihn darauf aufmerksam machte, sagt der Chef der Produktionsfirma. Köhler musste danach nicht lange überlegen. Er schickte ein Team los und die Dreharbeiten begannen. DiCaprio begleitete erneut das Marketing, insbesondere in den USA, sodass auch dieser Film ein weltweiter Erfolg wurde. Dass der US-Schauspieler aus Sicherheitsgründen wohl eher nicht mehr öffentlichkeitswirksam nach Mexiko reist, ist ebenfalls dem Film und seinen Auswirkungen geschuldet.

Vom ORF ging es rüber zu Red Bull

Dass die Terra Mater Factual Studios heute zu den Großen des Dokufilm-Business gehören, war vor zehn Jahren längst keine ausgemachte Sache. Köhler leitete damals die „Universum“-Redaktion im ORF und wollte schon zu dieser Zeit eine Subfirma für Naturfilme gründen, doch das gelang unter dem Dach der öffentlich-rechtlichen Anstalt aus mehreren Gründen nicht. Und so zog Köhler mit dem gesamten „Universum“-Team zu Red Bull und baute etwas völlig Neues auf. „Wir haben uns immer schon mehr als Produzenten gesehen und weniger als Fernsehredakteure“, sagt Köhler heute.

Bei Red Bull selbst habe er keine Bedenken gehabt, sagt Köhler. Nun ist das vor allem als Hersteller eines Energydrinks bekannte Unternehmen weder berühmt noch berüchtigt für sein Engagement in Sachen Natur- und Umweltschutz. So unterhält man unter anderem ja auch einen eigenen Formel-1-Rennstall. Er, sagt Köhler, habe aber schon früh gewusst, das Red Bull in Sachen Umwelt zumindest bei der Produktion der Getränke-Dose weit vorne mit dabei sei. „Mir war klar, dass der Markt bei der Meldung nicht ganz ruhig bleibt. Aber ich wusste auch, dass wir mit keinen Nachteilen zu rechnen hatten.“ Bleibt die Frage, wie viel Einfluss der Mutterkonzern auf die Terra Mater Factual Studios hat? Bei ServusTV soll Red-Bull-Boss Dietrich Mateschitz ja immer wieder mitreden, hört man. „Eine Einflussnahme gibt es nicht. Was es gibt, sind immer wieder Gespräche, die ich nicht missen will“, sagt Walter Köhler gegenüber DWDL.de.
Immer mehr fiktionale Stoffe

Seit dem Start vor zehn Jahren – in der Zeit ist das Unternehmen von 13 auf 40 feste Mitarbeiter angewachsen – gibt es aber auch immer vereinzelte Fiction-Projekte der Terra Mater Factual Studios. Vier solcher Produktionen habe man seither in die Kinos gebracht. Einige davon sind naturnah, andere weniger. Das 2016 erschienene Drama „Wie Brüder im Wind“ war der erfolgreichste österreichische Film im Jahr 2016. Aktuell arbeite man an einer Serie über Wildlife-Crime und an zwei Spielfilmen mit Naturthemen. Und dann hatte man zuletzt ja auch noch die Verfilmung des Bestsellers „Hummeldumm“ angekündigt (DWDL.de berichtete). In dem Buch von Tommy Jaud geht es um eine neunköpfige Reisegruppe, die eine vierzehntägige Rundreise durch Namibia unternimmt. „Das bietet eine große Möglichkeit, die Menschen über den Weg der Komödie für Naturschutz zu begeistern“, sagt Köhler im Hinblick auf die Verfilmung.

Die Ideen für fiktionale Stoffe dürften Köhler so schnell wohl nicht ausgehen. Man wisse durch die Recherchen zu den Dokus teilweise sehr vieles, das man nicht zeigen könne. Weil das Risiko groß sei, könne man diese Geschichten nur fiktional erzählen. „Und weil wir auf fiktionalem Weg auch Publikum für die Sache des Naturschutzes begeistern können, die nicht typische Doku-Konsumenten sind.“ Der Start der fiktionalen Projekte verlief vor einigen Jahren aber nicht ohne Probleme. Als das Unternehmen 2011 an den Start ging, war der DVD-Markt noch intakt – und damit eine wichtige Refinanzierungsquelle für viele Kinofilme. Heute sieht das durch die vielen Streaminganbieter ganz anders aus. Aber Terra Mater Factual Studios hat sich auch hier behauptet, natürlich immer mit einem finanzstarken Investor im Rücken.

Und dann wäre da ja auch noch dieses eine Thema, über das man heutzutage mit jedem Produzenten sprechen muss, denn es hat große Auswirkungen auf so ziemlich alles: Corona. Die Pandemie trifft Naturfilmer hart, die es ja gewohnt sind, das ganze Jahr zu reisen und überall auf der Welt zu drehen. Deshalb mache ihn Corona auch nicht sonderlich glücklich, sagt Köhler im Gespräch mit DWDL.de. Aber: „Glücklicherweise sind die Auswirkungen durch Corona auf unser Unternehmen nicht so groß, wie man annehmen könnte.“ So habe man schon früh damit begonnen, mit lokalen Crews vor Ort zu produzieren. Außerdem seien die Projekte des Unternehmens meist sowieso sehr langwierig in der Produktion. So habe es auch in der Vergangenheit Unterbrechungen gegeben, etwa durch Wetterumschwünge. Die Kundschaft ist Verzögerungen also eher gewohnt als ein Sender, der all seine Formate nur im Studio produziert.

Aber natürlich hat Corona auch bei Terra Mater Factual Studios seine Spuren hinterlassen. So musste man die Arbeiten an zwei großen Dokumentarfilmen vorübergehend einstellen, weil man beispielsweise nicht nach Russland reisen konnte. In einem anderen Fall musste Walter Köhler ein Team aus Indien evakuieren. Das Equipment kam erst ein halbes Jahr später zurück nach Wien, hier hat das Unternehmen seinen Hauptsitz. Mit „Corona, die Pandemie und das Pangolin“ hat man aber auch eine Doku aus dem Lockdown heraus umgesetzt. Genauso wie wöchentlich neue Videos für den Youtube Channel „Terra Mater“, der in den letzten Monaten auf mehr als 200.000 Abonnenten gewachsen ist und der laut Köhler bei zuletzt rund 20 Millionen Views im Monat lag. Dennoch sei die Pandemie „kein Geschäft“, sagt Köhler – übrigens ebenso wenig wie der Klimawandel.

„Wir profitieren nicht vom Klimawandel“, so Köhler. Er mache den Job seit 35 Jahren und der Klimawandel sei immer Thema gewesen. Dennoch seien die Unwägbarkeiten in den letzten Jahren größer geworden. Was er damit meint? Im Dezember ist man mit einer zweiteiligen Alpengeschichte fertig geworden – der Weg dorthin war aber äußerst mühsam. „Das war eine der schwierigsten Produktionen, die wir jemals hatten“, sagt Köhler. Zwei Jahre zuvor lag in den Alpen der Schnee zwölf Meter hoch, deshalb war ein Dreh nicht möglich. Ein Jahr später war der Schnee weg und kam auch nicht wieder – auch hier musste man die geplanten Drehs absagen.
Deutschland als wichtigster Markt der Welt

Den deutschen Markt bezeichnet der Naturfilm-Produzent übrigens als den „mit Abstand wichtigsten auf der Welt“. Ohne die USA oder Deutschland an Bord könne man einen großen Naturfilm „kaum umsetzen“. Köhler: „Meistens müssen beide Länder mit dabei sein.“ Doch warum ist Deutschland so wichtig? Walter Köhler führt das auf das hohe Interesse der deutschen Zuschauer an entsprechenden Inhalten zurück. Und dann muss es natürlich auch Abnehmer geben, die sich das „Schmuckstück“ Naturfilm leisten wollen und können. Mit Unwägbarkeiten und Drehzeiten zwischen 100 und 200 Tagen ist es eher eine der teureren Disziplinen in der Branche. Da zahlt es sich aus, dass es in Deutschland einen starken öffentlich-rechtlichen Rundfunk gibt.

Und so werden die Terra Mater Factual Studios auch in der Zukunft auf mehreren Hochzeiten tanzen. Im Fernsehen bedient man auch weiterhin den Wunsch der Zuschauer nach Eskapismus – und das gerne auch mit süßen Tieren und großen Landschaften in fernen Teilen der Welt. „Gerade in Corona-Zeiten kann das TV-Publikum auf der Couch hinaus in die Natur reisen“, sagt Köhler. Und im Kino-Bereich triggert man die Emotionen der Zuschauer durch investigative Recherchen, die aufrütteln. Oder wie es Walter Köhler formuliert: „Irgendwann muss man der Natur etwas zurückgeben, wenn man 30 Jahre lang gut von ihr gelebt hat.“

Filmförderung: Deutschland will mehr große Serien anlocken

Mit mehr Bundesförderung soll die Produktion großer Serien wie den in weiten Teilen in Berlin gedrehten Netflix-Erfolg „Das Damengambit“ verstärkt nach Deutschland gelockt werden. Nach einer neu gefassten Richtlinie kann mit bis zu zehn Millionen Euro künftig ein Viertel der in Deutschland entstehenden Kosten durch Bundesmittel abgedeckt werden.

„Deutsche oder europäische Prägung“ förderwürdig

„In Deutschland produzierte Serien sind weltweit erfolgreich. Sie stehen für authentische, fesselnde Stoffe, großartige Talente und innovative Erzählformen“, sagte Kulturstaatsministerin Monika Grütters der Deutschen Presse-Agentur in Berlin. Die Förderhöchstsumme des German Motion Picture Fund sei von vier auf zehn Millionen Euro erhöht worden, „um auch für hoch budgetierte Serien einen attraktiven Produktionsstandort bieten zu können“.

Voraussetzung sei, dass die Produktion eine besondere deutsche oder europäische Prägung nachweisen könne.

Die besondere deutsche oder europäische Prägung will der Bund durch einen „kulturellen Eigenschaftstest“ sicherstellen, heißt es in der Richtlinie (PDF-Datei). Ziel ist, teure Serien wie etwa die Netflix-Serie „1899“ der „Dark“-Macher in Deutschland zu halten oder hierherzuholen.

Daten von mehr als 500 Millionen Facebook-Nutzern erneut im Netz entdeckt

Die Daten von mehr als 500 Millionen Facebook-Nutzern, die 2019 erbeutet worden waren, sind im Internet in einem Hacker-Forum veröffentlicht worden. Zu den veröffentlichten Nutzerdaten zählen auch vollständige Nutzernamen, Geburtsdaten und Beziehungsstatus.

Telefonnummern, E-Mail-Adressen und andere Daten von Hunderten Millionen Facebook-Nutzern sind am Wochenende erneut in einem Hacker-Forum entdeckt worden. Zu den veröffentlichten Nutzerdaten zählten unter anderem auch vollständige Nutzernamen, Geburtsdaten und mitunter auch der Beziehungsstatus.

„Das sind alte Daten, über die bereits 2019 berichtet wurde. Wir haben das Problem im August 2019 entdeckt und behoben“, schrieb eine Sprecherin des Online-Netzwerks daraufhin am Samstag (Ortszeit) bei Twitter.

Zuvor hatte die IT-Sicherheitsfirma Hudson Rock Daten von 533 Millionen Facebook-Nutzern im Netz entdeckt, wie die Nachrichtenseite „Business Insider“ berichtete. Einige der Daten seien noch aktuell, hieß es in dem Bericht.

Alon Gal, Technologie-Chef des Unternehmens Hudson Rock, das Informationen über Cyberkriminalität zusammenträgt, warf Facebook „absolute Nachlässigkeit“ vor. „Das bedeutet, dass wenn du einen Facebook-Account hast, es äußerst wahrscheinlich ist, dass die für den Account genutzte Telefonnummer durchgesickert ist“, erklärte Gal. „Schlechte Akteure werden die Informationen sicherlich für Social Engineering, Betrug, Hacken und Marketing nutzen.“

Facebook hat 2,8 Milliarden aktive Nutzer

Wenn persönliche Informationen wie E-Mail-Adressen und Telefonnummern im Umlauf sind, steigt die Gefahr, dass Menschen auf gefälschte E-Mails reinfallen, weil sie authentischer gestaltet werden können. Facebook hat nach jüngsten Angaben 2,8 Milliarden Nutzer, die mindestens einmal im Monat aktiv sind.

Schon 2019 waren Telefonnummern von 420 Millionen Nutzern im Netz aufgetaucht, nachdem eine Funktion zur Freundessuche für den Datenabgriff missbraucht worden war. Die Telefonnummern waren zwar nicht offen sichtbar, konnten jedoch über automatisierte Anfragen – sogenanntes „Scraping“ – in großem Stil abgerufen werden. Das verstieß gegen die Facebook-Regeln, war aber technisch möglich, bis das Online-Netzwerk die Funktion schließlich abschaltete. Sind solche Daten erst einmal abgegriffen, kann ihre Verbreitung im Netz kaum noch gestoppt werden.

Scraping wurde für Facebook immer wieder zum Problem. So musste das Online-Netzwerk 2018 einräumen, dass vermutlich alle öffentlich zugänglichen Daten der damals bereits mehr als zwei Milliarden Nutzer durch automatische Abrufe systematisch eingesammelt wurden.

Später gab es Datenschutzdebatten über die Firma Clearview AI, die öffentlich sichtbare Bilder unter anderem von Facebooks Fotoplattform Instagram sammelte und auf dieser Basis eine Datenbank zur Gesichtserkennung zusammenstellte. Unter den Kunden von Clearview AI sind unter anderem US-Polizeibehörden.

Xing-Mutter New Work SE baut Kiez-Kneipe

Die Burda-Tochter New Work SE (früher Xing SE) wird in Kürze ihr Headquarter in das ehemalige Unilever-Gebäude in der Hamburger HafenCity verlagern. In einem der oberen Stockwerke der New Work Harbour (so leutet der neue Name des Büro-Hauses) mit Blick auf die Elbbrücken wird derzeit eine Kiez-Kneipe „im Flair einer Bar wie auf dem Hamburger Berg mit Holz und verwinkelten Ecken“ gebaut. Das erklärte Petra von Strombeck, seit Mai 2020 neue CEO der New York SE, im Interview mit dem ‚Hamburger Abendblatt‘. Darüber hinaus wird es im neuen New Work-Hauptsitz auch noch ein Fitness-Studio sowie einen Raum der Stille geben, in die Möglichkeit zum Meditieren gegeben ist.

Derzeit stehen bei der börsennotierten Burda-Tochter rund 1.900 Beschäftigte aus über 50 Nationen auf der Pay-roll, von denen ca. 1.000 in die neue Zentrale umziehen werden. Der 2003 gegründete Internet-Portal-Betreiber ist gut durch die Corona-Krise gekommen. Nach vorläufigen Zahlen stiegen die Erlöse 2020 um zwei Prozent auf 276 Millionen Euro, das Konzern-Ergebnis wuchs doppelt so schnell: um vier Prozent auf beachtliche 37,4 Millionen Euro.

Waymo-Chef John Krafcik hört auf

Der Chef von Googles Schwesterfirma Waymo, John Krafcik, verlässt das Unternehmen. „Nach fünfeinhalb aufregenden Jahren als Leiter dieses Teams habe ich mich entschlossen, meine Position als CEO bei Waymo aufzugeben und mich neuen Herausforderungen zu stellen“, schrieb Krafcik in einem Blogbeitrag.

Die Waymo-Manager Dmitri Dolgov und Tekedra Mawakana sollen als Doppelspitze seinen Posten übernehmen. Krafcik hatte Googles Projekt für autonomes Fahren im September 2015 übernommen und im Dezember 2016 unter dem Namen Waymo ausgegliedert.

Krafcik hält die Umsetzung des autonomen Fahrens inzwischen für deutlich schwieriger als noch zu seinem Amtsantritt. „Es ist eine außergewöhnliche Plackerei“, sagte Krafcik in einem Interview Anfang dieses Jahres und fügte hinzu: „Ich würde sagen, es ist eine größere Herausforderung, als eine Rakete zu starten und sie in eine Umlaufbahn um die Erde zu bringen.“ Denn es müsse immer und immer wieder auf die Sicherheit geachtet werden.

Tourismusbranche initiiert Kampagne mit 13 Ländern

Die Reiselust der Österreicher ist groß, nicht minder groß ist aber auch der Informationsbedarf hinsichtlich Reisebe- und einschränkungen. Aus eben diesem Grund haben das Corps Touristique Austria und Oruvision eine Kommunikationskampagne initiiert, in der die teilnehmenden Destinationen den großen Informationsbedarf decken.

Mit Frankreich, Israel, Italien, Katalonien, Kroatien, Malta, Polen, Portugal, der Schweiz, Slowenien, der Tschechische Republik, Tunesien und Visit USA nahmen 13 Mitglieder des CTA an dieser Kommunikationsaktion teil. Somit werden im Aktionszeitraum März und April über die Oruvision-Flächen gesamt 512.000 Werbeminuten – für die teilnehmenden Ländervertretungen ergeben sich pro Destination rund 128.000 Wiederholungen, die nach dem Zufallsprinzip gleichermaßen verteil angezeigt werden – mit 1,5 Millionen Werbewiederholungen und 7,3 Millionen Brutto-Kontaktchancen ermöglicht.

„Auch, wenn die Reisebüros derzeit nicht geöffnet sind, können sich die Kunden dennoch am Point of Sales, an dem der Content beworben werden, informieren. Da die meisten Screens in unmittelbarer Nähe systemrelevanter Geschäftslokale wie Supermarkt, Bankomat, Haltestellen u.v.m. platziert sind, ist auch im Lockdown eine große Aufmerksamkeit garantiert“, erläutert Oruvison-Geschäftsführer Mahmut Orucoglu.

Amazon heuert Twittertrolle an

Amazon beschäftigt verdeckt Trolle, die auf Twitter das Unternehmen gegen Kritik an den Arbeitsbedingungen in den Lagerhäusern verteidigen.

Amazon steht in der Kritik, weil die Arbeitsbedingungen für Lagerarbeiter umstritten sind und das Unternehmen die Gründung von Gewerkschaften verhindern will. Mit einer umstrittenen Taktik schlägt die Firma jetzt zurück.

Das Magazin „The Intercept“ hat interne Dokumente aufgespürt, nach denen Amazon unter dem Codenamen „Veritas“ eine Spezialtruppe als „Botschafter“ ausgebildet hat, die gezielt gegen Kritik am Unternehmen und an CEO Jeff Bezos als Person vorgehen soll.

Diese Amazon-Botschafter zogen diese Woche die Aufmerksamkeit auf sich, als sie auf eine Welle von Online-Kritik für die Behandlung von Arbeitern durch das Unternehmen anlässlich einer Gewerkschaftsaktion in einem Amazon-Lagerhaus in Bessemer, Alabama, reagierten.

Zu den Grundsätzen des Veritas-Programms gehört das Versprechen, keine irreführenen oder falschen Botschaften anzubieten, stattdessen werden die Botschafter aufgefordert, „die Wahrheit zu sagen“. Es gibt jedoch einige Themen, die sie nicht ansprechen dürfen. Das Dokument weist die Mitarbeiter an, nicht auf „Kontakte über das Recht, sich gewerkschaftlich zu organisieren“ zu antworten – einer von nur drei Fällen, in denen ihnen gesagt wird, sie sollen nicht antworten. Ein Beispiel zum Ignorieren wird gegeben: „@Amazon lassen Sie Ihre FC-Mitarbeiter sich gewerkschaftlich organisieren, wenn Sie nichts zu verbergen haben.“

Playground TV startet deutschsprachigen Streaming-Kanal

Playground TV startet einen deutschsprachigen Streaming-Kanal mit Zeichentrickserien von Your Family Entertainment. Durch die Kooperation mit YFE kann die schwedische Streaming- und App-Platform ab sofort Kindern in ganz Europa Zugriff auf deutschsprachige Inhalte wie „Fix & Foxi“, „Die Drachenjäger“ oder „Sherm!“ anbieten.

Der Kanal auf Playground TV wird „Die Kleine Neun“ heißen. Die schwedische Streaming-Plattform richtet sich im Speziellen auf mehrsprachige Familien. Unternehmensziel sei es, Kindern Zeichentrick-Inhalte in ihrer Muttersprache zugänglich zu machen. Neben dem neuen deutschen Kanal enthält die Plattform Angebote unter anderem auf Englisch, Mandarin und Persisch. „Die deutsche Sprache ist eine der wichtigsten Sprachen und Muttersprache von fast 100 Millionen Menschen weltweit. Mit dem neuen Kanal „Die Kleine Neun“ auf Playground TV […] können wir deutschsprachigen Kindern in ganz Europa Animationsserien in ihrer Muttersprache bieten“, sagt Daniel Nordberg, CEO von Playground TV. Der deutschstämmige Chief Editor wuchs nach eigenen Angaben mit Fix & Foxi auf.

Die Your Family Entertainment AG, ursprünglich gestartet als Ravensburger TV, besitzt zahlreiche Lizenzen für beliebte Trickserien. Neben „Fix & Foxi“ zählen dazu auch das „Urmel“, „Cosmo & Wanda“. Das Unternehmen betreibt auch bereits den Sender „Fix & Foxi“, der sich laut Anbieter auf vier Kontinenten empfangen lässt.

USA und Japan planen Halbleiter-Abkommen

Angesichts der Lieferengpässe der Chipindustrie planen die USA und Japan ein Abkommen über die Versorgung mit kritischen Halbleiterkomponenten. Für den Antrittsbesuch des japanischen Ministerpräsidenten Yoshihide Suga beim neuen US-Präsidenten Joe Biden in diesem Monat strebten beide Regierungen eine entsprechende Vereinbarung an.

Das Treffen, das ursprünglich für den 09. April geplant war, wird nach Angaben der Regierung in Tokio auf den 16. April verschoben. Suga ist voraussichtlich der erste ausländische Regierungschef, den Biden empfängt. Regierungskreisen zufolge ist Sugas Abreise in Japan am 15. April und seine Abreise in Washington am 17. April geplant. Nachschubprobleme mit Halbleitern und ihren Komponenten haben unter anderem die Autoindustrie empfindlich getroffen.

Apple: Update-Blockade für Apps, die Anti-Tracking-Regeln umgehen

Mittlerweile dürfen nur mehr Updates in den App Store hochgeladen werden, wenn diese sich an die neuen Transparenzregeln halten. Konkret bedeutet dies, dass sie entweder kein app- oder webseitenübergreifendes Tracking durchführen, oder aber die Nutzer zumindest explizit davor warnen. Dabei geht es vor allem um den Zugriff auf Apples eigenen Identifier for Advertisers (IDFA). Will eine App diesen nutzen, zeigt iOS künftig einen Warndialog an, der sehr deutlich macht, dass hier Daten an Dritte weitergegeben werden.

Bis zuletzt gab es Fragen, wie strikt Apple die ATT durchsetzen wird, und nun zeigt sich: Ziemlich strikt. So berichten laut Macrumors mehrer App-Entwickler, dass ihre aktuellen Updates abgelehnt wurden. Dies mit dem Hinweis: „Ihre App nutzt algorithmisch konvertierte Geräte- und Nutzungsdaten, um die User eindeutig zu identifizieren und zu tracken“. In Folge wird dann auch angezeigt, welche Daten konkret gesammelt werden. Zudem werden die Entwickler aufgefordert, diese Maßnahmen zu beenden, so sie weiter im App Store verbleiben wollen – oder die Nutzer davor zu warnen.

Was die Situation allerdings etwas komplizierter macht: Viele der betroffenen Entwickler waren von dieser Nachricht offenbar überrascht. Das liegt daran, dass es gar nicht ihr App-Code selbst ist, der als problematisch erkannt wird, sondern von Drittherstellern integrierte Software Development Kits (SDKs). Und das ist kein Randproblem. So wird etwa das SDK der Firma Adjust, das zu den Betroffenen zählt, von mehr als 50.000 Apps genutzt.

„Eigentor“: Amazon entschuldigt sich für „Pinkeln in Flaschen“-Tweet

Amazon nennt es ein „Eigentor“ und entschuldigt sich nach einer Twitter-Auseinandersetzung darüber, wo und wie Beschäftigte ihre Notdurft verrichten, bei einem US-Abgeordneten. Der Online-Händler bestätigte das „Pinkelproblem“ und versprach, diese in Angriff zu nehmen.

Der Konflikt hatte vorletzte Woche mit einem kritischen Tweet des Abgeordneten Marc Pocan von der demokratischen Partei begonnen: „Mitarbeitern 15 US-Dollar Stundenlohn zu zahlen, macht einen nicht zu einem „fortschrittlichen Arbeitsplatz“, wenn man gegen Gewerkschaften vorgeht und Beschäftigte in Wasserflaschen urinieren“. Amazon hatte zunächst in ungewöhnlich scharfem Ton bei Twitter gekontert: „Sie glauben nicht wirklich die Sache mit dem Pinkeln in Flaschen?“. Und weiter: „Wenn das wahr wäre, würde niemand für uns arbeiten.“

Branchenweites Problem

Nun zeigte sich der Bezos-Konzern zwar einsichtig: „Wir entschuldigen uns beim Abgeordneten Pocan“. Eine Entschuldigung an die betroffenen Mitarbeiter enthält das Statement zwar nicht, allerdings kündigte Amazon an, das Pinkelproblem in Angriff nehmen zu wollen. „Wir wissen bislang noch nicht wie, aber wir werden nach Lösungen suchen.“ Das Unternehmen betonte jedoch auch, dass es sich um ein branchenweites Problem handele, das sich nicht auf Amazon beschränke und sich durch die Schließung öffentlicher WCs in der Corona-Krise verschärft habe.

Bibel-Magazin: Frohe Botschaft in Infografiken

Am Anfang war ein Nachtkastl. Und auf diesem lag eine Bibel. Die brachte Journalist Oliver Wurm einmal seinem Kompagnon Andreas Volleritsch mit: „Dann hat er mich gefragt, ob man daraus auch ein Magazin machen könnte.“ Für Volleritsch war die Bibel kein unbekanntes Metier: „Ich bin neben einer Kirche aufgewachsen, mein Opa war Leiter von dem Kirchenstandort, meine Mutter beim Pfarrgemeinderat, meine Großtante ist Nonne – also natürlich weiß ich, was da drin steht.“ Aber die Frage, ob man ein Magazin daraus machen könnte, darauf war die Antwort erst mal „Puh.“

Und warum das? „Normalerweise, wenn man ein Magazin macht, sind die Texte verhandelbar – was die Länge betrifft oder wie man einen Titel ausstattet“, erklärt der Creative Director. „Aber ich kann ja nicht bei Lukas oder Matthäus nachfragen.“ Und trotzdem haben Wurm und Volleritsch es durchgezogen – bereits vor zehn Jahren. In den vergangenen Jahren sind sie mit zwei anderen Projekten beschäftigt gewesen – nicht minder komplexen Texten, aber nicht ganz so weitreichend in der Wirkung. Sie brachten sowohl das deutsche Grundgesetz als auch die österreichische Verfassung in Magazinform heraus.

Theater zum Blättern

Im Zuge der Aufmerksamkeit interessierten sich auch wieder mehr Menschen für das Bibel-Magazin, also eigentlich das Neue Testament als Magazin. Ein Neudruck kam nicht in Frage, da sich in der Zwischenzeit die Einheitsübersetzung geändert hatte. Also machte das Verlagsteam – bestehend aus nur drei Personen, Volleritsch, Wurm und Michaela Pernegger – einen kompletten Neustart. Den Text bekamen sie als Lizenz vom Bibelwerk und Volleritsch steckte 700 Arbeitstunden hinein, sich die Evangelien und Co so anzueignen, dass er sie in eine neue, leserfreundliche Form gießen konnte. Das passiert in „Das Neue Testament als Magazin“ vor allem durch typographische Aufbereitung. „Wir sehen das auch wie eine theatralische Inszenierung. Wenn jemand auftritt, wird er lauter. Wir haben uns etwa entschieden, dass, wenn der Name Jesus zum ersten Mal vorkommt, er wirklich ganz groß da steht.“ Die Hervorhebungen führen nicht nur dazu, dass man bekannte Zitate schnell findet, sondern auch zu einer neuen Form des Lesens: „Man bleibt bei den Kernsätzen hängen und arbeitet sich dann rundherum.“

Auch die Fotos strukturieren den Text. Sie stammen aus dem Film „Jesus cries“ von Brigitte Maria Mayer. Er holt das Neue Testament in die Gegenwart: „Da kommt dann statt römischen Soldaten ein Sondereinsatzkommando“, so Volleritsch. Zur Abrundung des Magazinösen gibt es am Ende des Hefts – das man kaum so nennen kann bei 350 Seiten und einem Kilo Gewicht – einen Infografikteil. Der widmet sich zum Beispiel in einer hochinteressanten Grafik den Frauen, die im Neuen Testament eine Rolle spielen. Es sind ziemlich viele.

„Das Neue Testament“ ist ein einzigartiges Projekt – was Volleritsch überraschte, gibt es doch die Bibel in jeder vorstellbaren Version weltweit. Nur einer hatte jemals eine ähnliche Idee: „In Schweden hat einer nur das Lukas-Evangelium herausgegriffen und wie eine ‚Gala‘ oder ‚Bunte‘ gestaltet.“

D: Gesetze gegen Hass und zur Passwortherausgabe treten in Kraft

Das Paket besteht aus dem „Gesetz zur Bekämpfung des Rechtsextremismus und der Hasskriminalität“, das am 3.4. in weiten Teilen in Kraft tritt, sowie dem ab 2.4. geltenden „Gesetz zur Anpassung der Regelungen über die Bestandsdatenauskunft an die Vorgaben aus der Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts vom 27. Mai 2020“.

Mit dem Anti-Hass-Gesetz wird das Strafgesetzbuch erweitert und verschärft. Schon das „Billigen“ oder Androhen von Straftaten etwa in sozialen Netzwerken gilt wieder als Verbrechen, wenn entsprechende Äußerungen geeignet sind, den öffentlichen Frieden zu stören. Drohungen mit Taten gegen die sexuelle Selbstbestimmung, die körperliche Unversehrtheit, die persönliche Freiheit oder gegen Sachen von bedeutendem Wert, die sich gegen die Betroffenen oder ihnen nahestehende Personen richten, werden ebenfalls strafbar.

Wer öffentlich im Netz andere beleidigt, dem drohen bis zu zwei Jahre Haft. Den Katalog der rechtswidrigen Inhalte im Netzwerkdurchsetzungsgesetz hat der Gesetzgeber um das „Delikt der Verunglimpfung des Andenkens Verstorbener“ ergänzt.
Pflicht zur Passwortherausgabe

Anbieter von Telemediendiensten wie WhatsApp, Google, Facebook, Tinder & Co. müssen sensible Daten von Verdächtigen wie IP-Adressen und Passwörter künftig an Sicherheitsbehörden herausgeben. Dazu kommt eine Pflicht für Betreiber großer sozialer Netzwerke wie Facebook, TikTok und Twitter, strafrechtlich relevante Inhalte wie Hassbeiträge, Terrorismuspropaganda oder Bedrohungen und Darstellungen sexuellen Kindesmissbrauchs nicht mehr nur zu löschen, sondern parallel unaufgefordert –zusammen mit aussagekräftigen Internetkennungen inklusive Portnummern – ans Bundeskriminalamt (BKA) zu melden.

Für diese lange besonders umstrittene Bestimmung gilt eine Übergangsklausel bis zum 1. Februar 2022, damit die Provider und das BKA ihre Prozesse umstellen können. Netzpolitisch aktive Vereine hatten gewarnt, dass dort eine umfassende „Verdachtsdatenbank“ in Form eines polizeilichen Zentralregisters entstehe. Die Grünen forderten daher ein entschärftes zweistufiges Verfahren, fanden dafür aber auch im Vermittlungsausschuss keine Mehrheit.

Wegen enthaltener Vorschriften zur Bestandsdatenauskunft hing auch das neue Zollfahndungsdienstgesetz bei Steinmeier fest. Dieses trägt mit den Korrekturen von Bund und Ländern nun ebenfalls die Unterschrift des Bundespräsidenten. Es tritt so am Freitag in Kraft. Die Kompetenzen des Zollkriminalamts und der Zollfahndungsämter etwa bei der – auch präventiven – Überwachung der Telekommunikation sowie des Brief- und Postverkehrs hat der Gesetzgeber hier deutlich ausgeweitet. Verbunden ist damit erstmals auch die Befugnis, Staatstrojaner für die Quellen-TKÜ nutzen zu dürfen.

Microsoft und US-Militär schließen Milliardendeal ab

Das Pentagon hat für bis zu 21,9 Milliarden Dollar (18,6 Mrd. Euro) Headsets und Cloud-Dienste bei Microsoft bestellt. Der Vertrag läuft über bis zu zehn Jahre und umfasst unter anderem die Produktion von rund 120.000 auf Microsofts Hololens-Hardware aufbauenden Augmented-Reality-Brillen, wie ein Unternehmenssprecher erklärte. Microsoft hatte 2018 zunächst für rund 480 Millionen Dollar die Entwicklung von Prototypen vereinbart.

Eine Hololens-Brille kostet im normalen Handel 3.500 Dollar, doch der Deal mit dem Militär geht weit darüber hinaus.

Das Integrated Visual Augmentation System (IVAS) genannte Programm basiert auf Microsofts Cloud-Diensten rund um die Plattform Azure.

Wegscheider: ‚Nur weil man mehr bietet, bekommt man so einen Bewerb nicht‘

Sportrechte-Coup von ServusTV. Der Salzburger Privatsender im Eigentum von Dietrich Mateschitz holt sich die Übertragungsrechte für die Fußball-Europameisterschaften 2024 und 2028 exklusiv. Was Sender-Intendant Ferdinand Wegscheider dazu sagt.

Branchenkennern zufolge wird ServusTV rund 50 Millionen Euro ins neue Rechtepaket investieren, beinahe das Doppelte von dem, was der ORF bislang für die vergleichbaren Rechte aufbringt. Servus-Intendant Ferdinand Wegscheider selbst will sich zu Zahlen nicht äußern, ihm geht es um anderes …

Weil ein Sportthema, die Sportreporterfrage zum Einstieg: Was fühlen Sie nach Abschluss des Rechte-Deals mit der UEFA: Triumph, Stolz, Genugtuung?

Primär große Freude, weil es durchaus ein Meilenstein ist.

Das größte Investment des Senders bisher …

Über Zahlen will ich ganz bewusst nicht sprechen. Erstens ist das unsere Philosophie, zweitens vereinbart man das mit den Partnern.

Sie sprechen von einer neuen Ära für ServusTV. Inwiefern?

Eine Europameisterschaftsendrunde ist nochmal etwas anderes als der Fußballalltag. Da geht es uns sicher allen gleich: Bei EM und WM herrscht ein Monat lang Ausnahmezustand. Auch Leute, die sonst keine Fans sind, werden da mitgezogen. Man sitzt in Gastgärten, bei Public Viewings und und und … Das ist das Sahnehäubchen im Fußball. Das den Österreichern als Privatsender bei zwei Europameisterschaften zu bieten, ist aus meiner Sicht schon der Beginn einer neuen Ära.

Was ist die Strategie dahinter: Wachstum um jeden Preis?

Der Mitbewerb muss sich jetzt rechtfertigen, und jeder will plötzlich einen Preis wissen. Aber es ist nicht so, wie sich das der kleine Maxi vorstellt: dass ein frischg’fangter Sender einen Rucksack Geld auf den Tisch stellt und die Rechte bekommt. Das ist naiv und kündet davon, dass man vom Sportrechtebereich keine Ahnung hat. Nur mit Geld oder weil man mehr bietet, bekommt man so einen Bewerb nicht.

Ihr Sportrechte-Chef David Morgenbesser meinte bei den Österreichischen Medientagen, dass es beim Rechtekauf immer auf das Gesamtpaket ankäme. Wie sieht das im Fall der UEFA-Euro aus?

Genau, es geht immer ums Paket, und wie das Produkt bestmöglich bei den Zuschauern ankommt. Das macht uns schon sehr stolz, dass wir uns als relativ junger Sender international den Ruf erarbeiten konnten, dieses bestmögliche Paket für die Zuschauer anbieten zu können. Ich denke, dass wir das in der Vergangenheit – von der MotoGP bis zuletzt bei der Formel1 – unter Beweis gestellt haben. Und was nützt das beste Marketing, wenn der Inhalt nicht überzeugt?

Die Frage nach einer Refinanzierung – ob monetär oder in Imagewerten ausgedrückt – stellt sich dennoch.

Es geht auch aus Sicht des Senders darum, das beste Gesamtpaket zu schnüren, um den Sender erfolgreich zu machen und weiter zu wachsen. Aber Wachstum um jeden Preis ist es eben genau nicht. Wir schwimmen nicht auf der „Koste es, was es wolle“-Welle, sondern die Kosten-Nutzen-Relation muss passen, und das Produkt gleichzeitig zu unserem Senderbild. Wenn das gegeben ist, bemühen wir uns um solche Rechte. Wobei wir nach wie vor weit davon entfernt sind, ein Sportsender zu sein. Aber natürlich weiß man, dass attraktive Sportrechte einen Sender ordentlich nach vorne bringen können. Letztlich haben attraktive und große Sportrechte dafür gesorgt, dass der ORF jahrzehntelang seine gute Performance hatte. Österreich war eines der letzten Länder, wo sich alle großen Sportrechte beim öffentlich-rechtlichen Sender befanden.

Insofern also eher der Schlusspunkt einer Ära?

Ja.

Ist eine Sublizensierung von Teilen Ihres Rechtepaketes denkbar? Und falls ja, lieber ORF oder Fellner?

Wie wir mit allfälligen Parallelspielen in der Vorrunde der EM umgehen, werden wir sehen. Aber grundsätzlich: Jeder seriöse Partner ist uns willkommen.

Next step dann die Rechte an der Fußball-WM 2026?

Die ist nicht ausgeschrieben. Aber, Sie kennen unseren Satz dazu: An attraktiven Sportrechten sind wir immer interessiert (lacht).

Inwieweit müssen Sie jetzt bei anderen Programmgenres wie Information, Serie oder Show sparen?

Auch hier geht’s um ein wohlaustariertes Gesamtpaket. Wir müssen nirgendwo kürzen, um uns den Fußball leisten zu können. Das war nie unser Ansatz.

Aktuell kommt ServusTV auf 3,5 Prozent Marktanteil. Wie sieht Ihr konkretes Szenario für das Senderwachstum aus? Wie soll sich die Quotenkurve mit Formel 1, Fußball und Co. in den nächsten fünf Jahren entwickeln?

Natürlich bergauf, und durchaus – wenn ich’s mir wünschen darf – steil bergauf. Aber in Zahlen ist das immer schwer auszudrücken. Unsere Planungen, Hoffnungen und Wünsche bei der Formel 1 zum Beispiel sahen vor, dass wir zu Ende der Saison bei den Rennen die Flughöhe des ORF erreichen. Das haben wir schon am ersten Rennwochenende geschafft – und hätten wir nie zu träumen gewagt. Wenn das so weiter geht, könnte natürlich schon ein ordentlicher Sprung drinnen sein.

Zuletzt zum Thema Corona-Berichterstattung bei ServusTV. Ihr Sender hat unbestritten Erfolg, Sie bauen an einer Alternative zum ORF. Setzt man mit der Einladung von sogenannten Corona-Leugnern in Talk-Formate hier nicht mutwillig Image aufs Spiel – oder ist das eine bewusste Strategie?

Ich glaube nicht, dass das unser Senderimage beschädigt. Abgesehen von Einzelfällen. Es ist aber auch keine bewusste Strategie im Sinne einer Marketingstrategie. Wie damals bei meinem Hungerstreik gegen ORF-Monopol und Sendeverbot ist das ein spontanes Reagieren. Als Journalist – und nicht als Marketingexperte oder Senderleiter – sage ich: Wenn mehr als 90 Prozent aller Medien in eine Richtung berichten, dann ist es für mich ein journalistisches Erfordernis, auch die andere Seite zu hören.
Das passt für mich in die aktuelle demokratiepolitische Diskussion. Wir leben in einer Zeit, wo an den Universitäten – eigentlich ein Hort der freien Meinungsäußerung und der offenen Diskussion – gewisse Gruppierungen aus ideologischen Gründen es verweigern, mit Andersdenkenden zu sprechen oder zu diskutieren. Hier wird es eng in einer Gesellschaft. Das erklärte Ziel unseres Senders ist es aber, diese offene Diskussion zu ermöglichen. Bei allen Themen, auch bei Corona. Wir werden keine Sprechverbote erlassen.

Leipzig: Gastlandauftritt von Portugal auf 2022 verschoben

Aufgrund der pandemiebedingten Absage der Leipziger Buchmesse 2021 wird der für dieses Jahr geplante Gastlandauftritt von Portugal um ein Jahr auf 2022 verschoben, geben die Organisatoren bekannt.

Im Rahmen des diesjährigen Lesefestes Leipzig liest extra (27. Mai bis 30. Mai 2021) werde sich das Gastland aber bereits mit einigen digitalen und analogen Veranstaltungen präsentieren.

„Die Entscheidung Portugals, den Gastlandauftritt im Jahr 2022 nachzuholen, freut uns sehr“, erklärt Oliver Zille, Direktor der Leipziger Buchmesse. Die Zeiten seien extrem schwierig, um Literatur Sichtbarkeit zu verleihen. Mit der Verschiebung habe man nun die Möglichkeit, schon in diesem Jahr einen Vorgeschmack auf die vielfältige portugiesisch-sprachige Literatur zu geben.

Bei dem Gastlandauftritt mit dem Motto „Unerwartete Begegnungen“ stehe nicht nur die Literatur eines einzelnen Landes im Fokus, sondern vor allem die Literatur in portugiesischer Sprache.

  • Bereits in diesem Jahr erscheinen rund 50 neue Bücher aus Portugal sowie weiteren portugiesisch-sprachigen Ländern in deutscher Sprache.
  • Mit dabei sind Klassiker aber auch Newcomer, darunter Afonso Reis Cabral, Patrícia Portela, Ondjaki, José Luís Peixoto, Margarida Vale de Gato oder Gonçalo M. Tavares sowie bekannte Stimmen wie Isabela Figueiredo, Dulce Maria Cardoso oder die Camões-Preisträger Mia Couto und Germano de Almeida.

„Wir werden in diesem Jahr diese neuen Bücher durch verschiedene Maßnahmen in den Fokus stellen und hoffen, im kommenden Jahr dann einige der Autorinnen und Autoren persönlich in Leipzig vor Ort begrüßen zu können“, sagt Patricia Severino, die Kuratorin des Gastlandauftrittes.

Der rasante Einhorn-Aufstieg des deutschen Zehn-Minuten-Lieferdienstes

Der Berliner Lieferdienst Gorillas hat 245 Millionen Euro eingesammelt. Hochrangige Investoren bewerten den Lebensmittel-Lieferanten jetzt mit einer Milliarde Dollar. Doch gleichzeitig gibt es Beschwerden von Mitarbeitern über die Arbeitsbedingungen.

Damit ist der Zehn-Minuten-Lieferdienst nur neun Monate nach der ersten Bestellung bereits ein Unicorn. Das hat bisher noch kein deutsches Start-up geschafft.

Neu dabei ist der chinesische Tech-Konzern Tencent, der hierzulande etwa beim Fintech Clark und dem Flugtaxi-Bauer Lilium beteiligt ist. Neben kleineren Fonds sind sämtliche Altgesellschafter mitgegangen, auch der Seed-Investor Atlantic Food Labs hat Geld aufgetrieben.

Eine Gorillas-Sprecherin wollte das Investment auf „Gründerszene“-Anfrage zunächst nicht kommentieren. Erst im Dezember steckten Investoren 36 Millionen Euro in das Start-up, allen voran der New Yorker Hedgefonds Coatue und die Private-Equity-Firma DST Global, bekannt für Investments in Facebook und Auto1.

Hunderte Stellen bei Gorillas ausgeschrieben

Einschließlich des Seed-Investments von Atlantic Food Labs im Sommer hat der Blitzlieferdienst nun rund 250 Millionen Euro eingesammelt. Dabei ist die Idee von Chef Sümer erst gut ein Jahr alt, die finale Eintragung im Handelsregister erfolgte sogar erst im Mai 2020.

Und seitdem ging es heiß her: Mitgründer Jörg Kattner hat das Unternehmen bereits im Januar verlassen. Gleichzeitig holte Sümer weitere Geschäftsführer an Bord. Ex-Deliveroo-Deutschlandchef Felix Chrobog hat im Dezember den Posten als Chief Operating Officer übernommen.

Der ehemalige Lidl-Chef für den britischen Markt Ronny Gottschlich wurde als Chief Commercial Officer eingestellt, der frühere Director von Delivery Hero Canberk Donmez kümmert sich nun um die Expansion.

Und die schreitet voran. Das Start-up ist in 13 Städten aktiv, unterhält 40 Standorte. Mittlerweile eröffnet der Lieferdienst wöchentlich mindestens ein neues Lager. Mehr als 250 Stellen hat Gorillas momentan auf seiner Website ausgeschrieben plus zahlreiche Fahrerjobs.

Im Februar hieß es noch, dass die Berliner Firma etwa 1000 Mitarbeiter beschäftigt. Einen Monat später dürften es weitaus mehr sein. Das Herzstück seien die Kurierfahrer, heißt es immer wieder vom Unternehmen und den Investoren. Gründer Sümer sagt, er sei leidenschaftlicher Fahrradfahrer, teste den Verkehr und die Strecken selbst aus, bevor er einen neuen Stadtteil in seiner App aufnimmt.

Er verstehe sich als einer von ihnen, ein Fahrer, der selbst ein Unternehmen gegründet hat. Daher setze Gorillas nicht auf auffällige Taschen und Kleidung, sondern auf eine moderne Ausrüstung.

Initiative Gorillas United

Laut der Website bekommen Kuriere einen Stundenlohn von 10,50 Euro plus Trinkgeld – ohne Hinweis auf einen Bonus, wie es etwa Foodora früher ab einer bestimmten Anzahl an Fahrten anbot. Die E-Bikes stellt die Firma, obendrein gibt es einen monatlichen Zuschlag für die Internetgebühren von höchstens 15 Euro.

Der junge Berliner Konkurrent Flink zahlt laut Jobbeschreibung ebenfalls 10,50 Euro plus Bonus, so auch das Restaurantportal Lieferando. Die Takeaway-Tochter und ihre Fahrer führen seit mehreren Jahren einen Streit über die Arbeitsbedingungen. Das könnte nun auch auf Gorillas zukommen.

Kuriere des Start-ups vereinen sich unter der Initiative Gorillas United, die auf Twitter laut auf sich aufmerksam macht. Als es in Deutschland Anfang Februar Minusgrade und Schnee gab, stellte der Online-Supermarkt den Service nach eigenen Angaben aus Sicherheitsgründen ein.

Laut der Fahrergemeinschaft geschah dies allerdings nicht aus Empathie, sondern weil sich die Kollegen geweigert hätten, bei den vereisten und schneebedeckten Straßen Einkäufe auszufahren. Gorillas stritt das auf Nachfrage des Supermarktblogs ab.

Gorillas-Kuriere planen Betriebsrat

Über Twitter haben die Fahrer ein Protokoll veröffentlicht, das ein Treffen mit dem Flottenmanager abbildet. Demnach beschweren sich die Mitarbeiter unter anderem darüber, dass die Fahrer-App den Standort nachvollziehen könne, auch wenn sie nicht arbeiten. Gorillas widerspricht dem laut der Mitschrift.

Außerdem seien die Bezahlung und die Kommunikation schlecht, Verbesserungsvorschläge würden nicht angenommen. Das Gewicht der Einkäufe sei zu schwer. Ähnliche Anschuldigungen, wie sie auch die Lieferando-Kuriere seit Jahren anführen. In einem offenen Brief an die Gründer weist die Vereinigung darauf hin, dass die Mitarbeiter einen Betriebsrat bilden wollen, und fragen nach dem Einverständnis der Chefs.

Die Macher des Twitter-Profils Riders United Gorillas wollen anonym bleiben. Die Texte auf dem Kurznachrichtendienst haben einen aggressiven Ton. Das Profilbild zeigt eine erhobene Faust, die das Gorillas-Logo spaltet.

Fortbestand der „Wiener Zeitung“ unwahrscheinlich

Eine E-Mail des Geschäftsführers der „Wiener Zeitung“ an die Belegschaft zeichnet eine negative Zukunft. Finanziell wäre eine Fortführung der Zeitung in der heutigen Form nicht mehr möglich.

Der Fortbestand der „Wiener Zeitung“ als gedruckte Tageszeitung ist in weite Ferne gerückt. Das geht aus einer E-Mail des Geschäftsführers Martin Fleischhacker an die Belegschaft hervor. Darin schreibt er von einer „heiklen Situation“. Es sei davon auszugehen, dass die finanziellen Rahmenbedingungen die Fortführung einer Tageszeitung in der heutigen Form nicht mehr möglich machen, so Fleischhacker.

Auslöser ist die im Regierungsprogramm vorgesehene Abschaffung der Pflichtinserate im Amtsblatt der „Wiener Zeitung“, die einen großen Teil der Einnahmen ausmachen. Vor zwei Jahren seien bereits Konzepte für eine Fortführung der Tageszeitung unter geänderten Rahmenbedingungen, aber auch alternative Konzepte für ein Medium dem Aufsichtsrat präsentiert worden. Man wolle nun Konzepte, „die einer geringeren Finanzierung bedürfen“, weiter ausarbeiten und diese mit den „bestmöglichen Ressourcen“ ausstatten, schrieb Fleischhacker.

„Noch nichts vom Tisch“

Der Geschäftsführer präzisierte, dass „noch nichts vom Tisch“ sei. „Ich muss mich den Rahmenbedingungen stellen und auch Alternativen erarbeiten“, sagte Fleischhacker. Gute Ideen seien für den Erhalt als Tageszeitung, aber auch für alternative Modelle vorhanden. Wenn ihn noch weitere Konzepte erreichen, würden diese auch ausgearbeitet. Sein Ziel sei jedenfalls, das Beste für das Unternehmen und die Angestellten aus der Situation zu machen.

„Es ist sehr ernst“, sagte Walter Hämmerle, Chefredakteur der „Wiener Zeitung“, im Gespräch mit der APA. „Wenn der E-Mail des Geschäftsführers Glauben zu schenken ist, dann ist die Tageszeitung vom Tisch“, erklärte er. Glauben wolle er das aber noch nicht. Ihm sei mitgeteilt worden, dass es im Aufsichtsrat einen Aufruf gab, erneut nachzudenken und Optionen zu prüfen. Die äußerst irritierte Redaktion wolle weiterkämpfen und erarbeite Konzepte.

Bis Ende 2022 solle nichts mit der Redaktion passieren, hieß es laut Ö1-Morgenjournal von der ÖVP-Seite in der Bundesregierung. Der Kommunikationswissenschafter Josef Trappel von der Universität Salzburg hoffte im Gespräch mit dem Radiosender, dass es noch nicht zu Ende sei. „Wir haben gestern Hugo Portisch verloren, jetzt können wir unmöglich auch noch die ‚Wiener Zeitung‘ verlieren“, meinte er mit Verweis auf einen „nicht überbesetzten Qualitätszeitungsmarkt“ in Österreich. „Die Zeitung einfach einzustellen, hielte ich für ein fatales Zeichen“, so der Medienexperte. Man solle sich überlegen, welche Möglichkeiten noch offen stehen – etwa eine öffentlich-rechtliche Finanzierung.

Gewerkschaft: „Geschäftsführer ungeeignet“

Die Journalistengewerkschaft in der GPA forderte angesichts des Schreibens Konsequenzen für den Geschäftsführer. Er sei für diesen Job ungeeignet, wurde Eike-Clemens Kullmann, Vorsitzender der Journalistengewerkschaft in der GPA, in einer Aussendung zitiert. Aufsichtsrat und Eigentümer sollten Konsequenzen ziehen, meinte Kullmann und forderte die Bundesregierung auf, den Fortbestand der „Wiener Zeitung“ in Printform abzusichern.

Auch Reporter ohne Grenzen (RSF) Österreich setzte sich in einer Aussendung für den Erhalt der ältesten Tageszeitung der Welt ein. „Auf dem ohnehin sehr kleinen und nur 14 Titel umfassenden Tageszeitungsmarkt Österreichs darf ein besonderes Medium wie die ‚Wiener Zeitung‘, die für qualitativ hochwertige und ausgewogene Berichterstattung steht, nicht einfach wegfallen“, so RSF-Österreich-Präsidentin Rubina Möhring. Sie zeigte sich irritiert über die E-Mail Fleischhackers: „Damit lässt er die redaktionellen Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen im Regen. Von einem Geschäftsführer muss man sich mehr Kampfbereitschaft erwarten dürfen.“

Abschaffung der Pflichtinserate als Auslöser

Das Ende der republikseigenen „Wiener Zeitung“ als Tageszeitung bzw. in gedruckter Form steht seit mehreren Wochen im Raum. Das Regierungsprogramm sieht eine Abschaffung der Pflichtinserate im Amtsblatt der Zeitung vor, wodurch ein großer Teil der Einnahmen für das Qualitätsblatt wegfallen würde. Eine von der Regierung ins Treffen geführte EU-Richtlinie, die eine zentrale Stelle für die Dokumentation von Unternehmensinformationen vorsieht, sei jedoch keine rechtliche Hürde, meinte der Chefredakteur der „Wiener Zeitung“, Walter Hämmerle, jüngst bei einer Diskussion des Presseclub Concordia.

„Es läuft darauf hinaus, ob es einen politischen Willen gibt, die Zeitung zu erhalten oder nicht“, betonte Hämmerle am Freitag erneut gegenüber der APA. Eine Digitalisierung des Amtsblatts erachtet er als richtig. „Die Frage ist nur, muss das zwingend zum Tod der Zeitung führen?“, fragte der Chefredakteur. Dass der Eigentümer keine Freude an der Zeitung hat, liege aber mittlerweile auf der Hand, meinte er.

‚MediaMagazin‘ mit Relaunch

Das „MediaMagazin“, das seit über 10 Jahren seine Leser mit Trends und News aus der Welt der Technik versorgt, präsentiert sich mit der neuen Ausgabe ab April 2021 in einem frischen Erscheinungsbild. Inhaltlich legt das Magazin künftig einen noch stärkeren Schwerpunkt auf Ratgeber-Geschichten. „MediaMarkt steht für starke Beratungs- und Servicekompetenz und digitalen Lifestyle. Diese Kompetenz unterstreichen wir mit Freude und Leidenschaft auch mit unseren redaktionellen Magazin-Inhalten“, so Andreas Höglinger, Marketing Director von MediaMarkt Österreich. Auch der Markenkern von MediaMarkt, der für Vergnügen im Umgang mit Consumer Electronics steht, wird durch konsequentes Storytelling transportiert. Um diesen Ansprüchen gerecht zu werden, wurde die Struktur des Magazins überarbeitet. Einen Neuanstrich hat auch das Layout des Magazins erfahren: Das Design wurde modernisiert, der Bildanteil erhöht. Bei der Typografie spielt die markante Schrift von MediaMarkt eine zentrale Rolle. Höglinger dazu: „Unser Magazin ist das Herzstück unserer umfassenden Content Marketing Aktivitäten. Wir freuen uns neben der redaktionellen Neuausrichtung über den frischen, neuen Look unseres reichweitenstarken Magazins, das gleichzeitig die Brücke zum starken Markenauftritt von MediaMarkt schlägt.“

Microsoft stellt Cortana auf Android und iOS ein

Seit 31. März 2021 sind via Cortana erstellte Inhalte – etwa To-Do-Listen und Erinnerungen – nicht mehr auf den Smartphones verfügbar, können aber nach wie vor via Windows abgerufen werden.

Außerdem werden Listen, Aufgaben und Erinnerungen automatisch mit Microsofts To-Do-App synchronisiert, die in den Stores der beiden Mobile-Betriebssysteme heruntergeladen werden kann, wie Microsoft mitteilt.

Cortana war ursprünglich als ein Smart Assistant entwickelt worden, der unter anderem als Brücke zwischen Windows-PCs und Windows Phones fungieren sollte. Aus den Windows Phone-Plänen wurde bekanntermaßen nichts. Für Android und iOS wurde Cortana dann ab Ende 2015 bereitgestellt.

Nun dürfte man vor allem damit zu kämpfen haben, dass die Konkurrenz schlichtweg stärker vertreten ist. Amazon hat mit Alexa in diversen Echo-Geräten den Markt der Smart Speaker erobert, der Google Assistant beherrscht die Android-Smartphones sowie diverser anderer Google-Geräte und innerhalb des Apple-Ökosystems hat Siri die Nase vorn.

Protestaufrufe für Kremlkritiker Nawalny: Russland droht Twitter und Facebook

In Moskau ist Twitter zu einer Geldstrafe verurteilt worden. Es geht um nicht gelöschte Protestaufrufe gegen die Inhaftierung von Kremlgegner Alexej Nawalny. Auch Facebook blüht Ärger.

Kritiker sehen darin einen weiteren Versuch, die Meinungsfreiheit in sozialen Netzwerken einzuschränken: Ein Moskauer Gericht hat Twitter zu 8,9 Millionen Rubel Strafe verurteilt. Als Begründung nannten die Richter Demonstrations-Aufrufe an Minderjährige, die Russland gelöscht haben wollte. Die umgerechnet rund 99.200 Euro dürften für den US-Konzern kein Problem sein. Eine Sperrung seines Angebots schon.

Der Medienaufsichtsbehörde Roskomnadsor zufolge droht Twitter bald sogar eine vollständige Blockade. Die russischen Medienwächter rechtfertigen dies nicht nur mit Tweets und Protestaufrufen gegen die Inhaftierung des Kremlgegners Alexej Nawalny. Twitter soll auch andere verbotene Beiträge – darunter angeblich kinderpornografisches Material – nicht gelöscht haben.

Seit Wochen schon werden einige Twitter-Inhalte in Russland auf viele Geräte nur noch mit geringerer Datengeschwindigkeit übertragen.

„Suez Canal Simulator“ lässt Schicksal von gestrandetem Schiff nachspielen

Fast eine Woche lang konnte der Suezkanal nicht befahren werden, weil ein Containerschiff ihn blockierte. Am 29.3. konnte der gestrandete Frachter freigelegt werden, seitdem ist der Verkehrsweg wieder offen. Einen Spieleentwickler hat das nun zu einem Spiel zu dem Thema inspiriert: dem Suez Canal Simulator. Das Spiel soll am 20. April erscheinen und Spielern ermöglichen, mit Wasserfahrzeugen über den Suezkanal zu fahren und womöglich auch das Schicksal des verunglückten Containerschiffs Ever Given nachzustellen.

Insgesamt sollen „600 Kilometer ununterbrochene Schiffswege“ für „hunderte Spielstunden Vergnügen“ sorgen. Neben dem Suezkanal sollen auch Routen im „Mittelmeer oder im Roten Meer“ verfügbar gemacht werden. Die Idee für das Spiel dürfte allerdings erst durch die aktuellen Ereignisse entstanden sein und sich in einer frühen Entwicklungsphase befinden: So zeigen bisherige Screenshots noch sehr unscharfe Texturen.

Der Entwickler kündigte bereits jetzt eine Erweiterung an, die im August erscheinen und den Namen Panama Canal Simulator tragen soll. Zudem fragte er nach Unterstützern, die dabei helfen wollen, Schiffe nachzubauen, „die den Suezkanal befahren“. Diese sollen als DLC in das Spiel integriert werden, wobei offen sei, ob das kostenpflichtig oder nicht geschehen soll.

Quantencomputer – es wird ernst

Quantencomputer gelten schon länger als eine mögliche Schlüsseltechnologie des 21. Jahrhunderts. In den kommenden Monaten könnte der Durchbruch gelingen.

Es ist das Zeitalter der großen Zahlen, aber die Summe von 450 Milliarden Dollar lässt dann doch aufhorchen. So viel Wert schaffen laut Unternehmensberatung BCG Quantencomputer: pro Jahr ab dem Jahr 2050, zum Teil durch neue Umsätze, zum Teil durch Kostenersparnisse.

Es gibt Marktschätzungen, wonach bis 2030 die Branche selbst, also die Hersteller von Quantencomputern, auf einen Umsatz von 65 Milliarden Dollar kommt.

Entsprechend alarmiert sind Investoren: Rund 200 Mio. Dollar Wagniskapital investierten sie in den vergangenen Jahren jährlich in Startups, die Quantencomputer entwickeln. Im vergangenen Jahr dann, 2020, folgte die Verdoppelung: Da wurden rund 500 Mio. Dollar investiert. Jüngst hat ein Hersteller, IonQ, bekannt gegeben, an die Börse zu gehen. Investoren sind etwa der Fonds-Riese Fidelity und Google Ventures.

Live-Schalte: „Querdenker“ greifen „Tagesschau“-Team an

Als sich an Karsamstag in Stuttgart mehrere tausend Menschen versammelt haben, um gegen die aktuellen Corona-Beschränkungen zu protestieren, ist nicht nur gegen geltende Hygiene- und Abstandsregeln verstoßen worden, es wurden zudem auch Menschen tätlich angegriffen. Betroffen war unter anderem Thomas Denzel, der für ARD-aktuell von vor Ort berichtet hat und in Folge der Angriffe sogar eine Live-Schalte zu Tagesschau24 abbrechen musste. „Jetzt werden hier Steine geworfen, ich glaube wir müssen die Live-Schalte abbrechen“, unterbrach der Reporter seine Ausführungen. Schon während der Schalte waren „Lügenpresse“-Rufe aus der Menge zu hören. Im Internet kursieren zudem Videos, in denen das ARD-Team als „Dreck“ bezeichnet wurde. Sie zeigen auch, wie ein Stein nur knapp über dem Kamerateam hinweg fliegt.

Marcus Bornheim, Erster Chefredakteur von ARD-aktuell, erklärte dazu: „Wir verurteilen die Angriffe auf unseren Reporter. Es ist ein Armutszeugnis, wenn solche Veranstaltungen genutzt werden, um die Pressefreiheit zu attackieren. Wir verlangen von der Polizei eine Aufklärung zu diesen Vorfällen.“ Ein Journalist sei bei der Veranstaltung am Samstag sogar geschlagen worden, die Polizei habe in Folge einen 37-Jährigen vorläufig festgenommen.

Frank Überall, Bundesvorsitzender des Deutschen Journalisten Verbandes, zeigt sich besorgt: „Wieder einmal kennen die selbsternannten Querdenker keine Hemmungen, Berichterstatter als Ziel ihrer Wut anzugreifen.“

Wiener ORF-Direktorin will ehemaligen „ZiB“-Verantwortlichen als Chefredakteur vorschlagen

Die Wiener ORF-Landesdirektorin Brigitte Wolf hat ihren Kandidaten für die Chefredaktion des Landesstudios gefunden und bei ORF-Generaldirektor Alexander Wrabetz deponiert. Wolf hat den früheren „Zeit im Bild“-Sendungsverantwortlichen Oliver Ortner vorgeschlagen. Doch weder das Votum der Redaktion noch der Vorschlag der Landesdirektorin muss der ORF-General bei der Besetzung berücksichtigen.
Pohanka und das Rathaus

Als zumindest aussichtsreicher Kandidat für den Job des Chefredakteurs in Wien wird wie berichtet ein anderer Kandidat gehandelt: Markus Pohanka. Er moderierte 2002 bis 2009 „Wien heute“ und wechselte dann zur Austro Control als Kommunikationsmanager. Pohanka pflegt sehr gute Kontakte ins Rathaus, er moderiert etwa Veranstaltungen für die Rathaus-SPÖ.

Die Länder und der ORF-General

Pohanka könnte die Chefredaktion auch nur als Zwischenstation zur Bestellung des ORF-Landesdirektors oder der -direktorin im September dieses Jahres sehen. ORF-Direktorin Wolf dürfte voraussichtlich nicht mehr antreten. Die im Herbst anstehende Bestellung der Landesdirektorinnen und -direktoren spielt auch bei der Wahl des ORF-Generaldirektors im Sommer eine wesentliche Rolle.

Im Stiftungsrat des ORF entscheidet im Sommer eine ÖVP-Mehrheit, ob der Sozialdemokrat wiederbestellt wird. Jedes Bundesland hat ein Mandat im ORF-Stiftungsrat.

Oliver Ortner hat unter den Bewerberinnen und Bewerbern für die Chefredaktion die größte professionelle Erfahrung bei, und das kann insbesondere im ORF ein Nachteil sein, nicht wahrnehmbarem politischem Rückenwind.

Ortner war von 2014 bis 2018 Sendungsverantwortlicher der meistgesehenen Nachrichtensendung in Österreich, der „Zeit im Bild“. 2018 verschwand sein Job – der neue ORF-2-Chefredakteur Matthias Schrom legte die Sendungsverantwortung der Tages-„ZiB“s und der Hauptnachrichten zusammen und besetzte den Job mit Christian Braun-Staudinger, inzwischen Chefredakteur von ORF.at. Ortner ging ins Channel Management von ORF 2.

Von 1986 bis 2004 arbeitete Ortner bei Radio Wien, als Beitragsgestalter und Chef vom Dienst von „Wien heute“, als Moderator und Chef vom Dienst der Radio-Wien-Nachrichten. 000 übernahm er die Leitung der Radio-Wien-Wortredaktion und war somit für alle Nachrichten und anderen Wort- bzw. Magazinbeiträge verantwortlich. 2003 wurde er Sendungsverantwortlicher von „Wien heute“, dessen Relaunch und Re-Design er federführend begleitet hat.

Im September 2004 wechselte Ortner in die Innenpolitik- und Chronikredaktion der „Zeit im Bild“. 2007 entwickelte er gemeinsam mit einem Projektteam das damals neue ORF-eins-Format „ZiB 24“, das er bis Dezember 2009 als Sendungsplaner und Chef vom Dienst betreute. Im Dezember 2009 wechselt er als Chef vom Dienst ins Team der „Zeit im Bild 1“. 2014 wurde er deren Sendungsverantwortlicher. In dieser Funktion hat er bis zuletzt – beginnend mit der Europawahl 2014 – auch alle bundesweit ausgestrahlten Wahlsendungen als Planer und Chef vom Dienst betreut.

Die Stimmen in der Redaktion

Bei der Abstimmung unter den rund 70 Redakteurinnen und Redakteuren des ORF Wien war Ortner unter den Kandidaten mit den meisten Stimmen. Die Stimmen in der Redaktion nach STANDARD-Infos:

16 für „Wien heute“-Sendungschef Peter Unger
15 für Oliver Ortner
15 für Politikredakteur Jörg Hofer
11 für „Wien heute“-Moderatorin Elisabeth Vogel
2 für Markus Pohanka
2 für ORF-Wien-Redakteur Karl Reis.

ORF-Landesdirektorin Brigitte Wolf antwortete nicht auf STANDARD-Anfrage zu ihrem kolportierten Besetzungsvorschlag für die Chefredaktion des Landesstudios Wien.

Siri wird ab iOS 14.5 divers

Apples Sprachassistent Siri ist bisher in der Voreinstellung weiblich, doch das ändert sich ab iOS 14.5, dessen sechste Beta vor einigen Tagen erschienen ist. Wie Apple ankündigte, soll das Sprachassistenzsystem in Zukunft diverser werden. Nutzer müssen bei der Einrichtung des Geräts wählen, mit welcher Stimme Siri spricht, die weibliche Voreinstellung wurde abgeschafft. Das wird künftig auch bei anderen Apple-Geräten so sein.

Die Maßnahme sei die Fortsetzung von Apples „anhaltendem Commitment zu Diversität und Inklusion“, teilte das Unternehmen mit. Die Produkte würden so konzipiert, dass sie „die Diversität der Welt, in der wir leben, besser reflektieren“.

Bislang war die weibliche Stimme die Standardeinstellung. Auch vor iOS 14.5 konnte aber eine männliche Stimme gewählt werden. Ob Apple den Set-up-Prozess in allen Ländern einführt, ist nicht bekannt.

Im Rahmen der Beta-Veröffentlichung sind auch noch zwei englischsprachige Stimmen hinzugekommen, die die Text-to-Speech-Engine von Apple nutzen. Diese kann mittels der Neutral Engine aus Wortfragmenten Sätze bilden. Auch Russisch und Italienisch sollen davon profitieren.

Die neue Beta 6 von iOS 14.5 enthält außerdem ein neues Feature für die iPhone-11-Gerätefamilie. Dabei werden Akkuprobleme bei einigen iPhones adressiert. Durch eine Rekalibrierung der maximalen Kapazität und der Höchstleistungsfähigkeit des Akkus sollen Probleme beim iPhone 11, iPhone 11 Pro und iPhone 11 Pro Max beseitigt werden.

BR sorgt mit „Blackfacing“-Satire für Empörung

Es macht den Betrachter einigermaßen fassungslos. Das öffentlich-rechtliche Fernsehen hat es wieder einmal geschafft, sich unter Rassismus-Verdacht zu stellen. Konkret geht es um die Satiresendung „SchleichFernsehen“ des Bayerischen Rundfunks (BR).

In der Ausgabe vom Donnerstag spielt der Satiriker Helmut Schleich einen schwarzen Despoten, der Deutschland Tipps im Umgang mit der Coronapandemie gibt. Er empfiehlt unter anderem, neben Shutdowns auch die Praxis des „Shut up“ für Kritiker zu entwickeln – sie sollen „das Maul halten“, wird entsprechend untertitelt.

Schleich trägt die Fantasieuniform eines Diktators und wedelt mit einem ausgestopften Babykrokodil. Sein Gesicht ist schwarz angemalt. Sein Diktator Maxwell Strauß sei eine Karikatur auf Franz Josef Strauß.

Diese Praxis, „Blackfacing“ genannt, bedeutet, dass weiße Schauspieler in der Rolle von Schwarzen auftreten. Sie hat einen rassistischen Ursprung, weiße Darsteller nutzten die Aufmachung in den „Minstrel Shows“ des 18. und 19. Jahrhunderts, um sich über Schwarze lustig zu machen. „Blackfacing“ gilt heutzutage als No-Go.

Der „Spiegel“ berichtet, dass die Satire-Nummer am Karfreitag im Netz empörte Reaktionen ausgelöst hat. So schreibe der Journalist Malcolm Ohanwe schreibe, er sei „fassungslos“: „Bevor im Bayerischen Fernsehen ein Schwarzer Mann eine Sendung moderiert, malt sich die Redaktion lieber Schwarz an und verarscht afrikanische Staaten. Muss man das verstehen?“

Der Marburger SPD-Politiker Liban Farah sagte, er wünsche sich, mal eine Sendung des öffentlich-rechtlichen Fernsehens zu sehen, „ohne Angst zu haben, dass meine Vorfahren und ich rassistisch beleidigt werden“. Die Rapperin Lady Bitch Ray fragte ebenfalls auf Twitter, ob das Fernsehen es „nie lerne“ und „Blackfacing-Bullshit“ weiterhin ausstrahle.
BR und Schleich verteidigen sich

Eine Sprecherin des BR teilte mit, die Diskussionen zum Thema „Blackfacing“ und der damit verbundenen Problematik seien der Redaktion bewusst gewesen und im Vorfeld der Sendung intensiv mit Helmut Schleich diskutiert worden. „In einem Satireformat muss dem Künstler aber auch ein bestimmter Freiraum für satirische Überhöhungen zugebilligt werden. Die künstlerische Freiheit ist ein hohes Gut, lotet aber manchmal auch Grenzen aus.“

Hugo Portisch: „Instanz der politischen Aufklärung“

Viele heimische Politiker und Journalisten kondolierten der Familie und den Freunden der Journalistenlegende Hugo Portisch, dessen Ableben im 95. Lebensjahr Donnerstagnachmittag bekannt geworden war. Der ORF trauert um einen „seiner klügsten Journalisten, Analytiker des Weltgeschehens und einen der vehementesten Proponenten für einen reformierten Rundfunk“.

Ohne ihn wäre die Institutionalisierung des unabhängigen Journalismus jahrelang Chimäre geblieben, teilte das größte Medienunternehmen des Landes in einer Aussendung mit. „Hugo Portisch war einer der bedeutendsten Journalisten in der Geschichte der Zweiten Republik und eine der prägendsten und wichtigsten Persönlichkeiten in der Geschichte des ORF“, so ORF-Generaldirektor Alexander Wrabetz.

Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) sah in Portisch eine „der ganz großen Persönlichkeiten unseres Landes“. Mit ihm verliere Österreich einen „Jahrhundertjournalisten“. Portisch sei für Generationen der Erklärer der Nation gewesen. „Er hat nicht nur Zeitgeschichte erzählt und erklärt, Hugo Portisch selbst ist ein Teil österreichischer Zeitgeschichte“, so der Bundeskanzler.

Einen der „ganz Großen“, einen „herausragenden Journalisten, der uns die Welt ins Wohnzimmer gebracht hat“ habe man verloren, bedauerte Vizekanzler Werner Kogler (Grüne). „Er war eine Instanz der politischen Aufklärung und eine engagierte Stimme, die den demokratischen Aufbruch in Osteuropa begleitet hat“, würdigte ihn Kogler. „Wir werden seine Stimme und Analysen vermissen.“

Der Nationalratspräsident Wolfgang Sobotka (ÖVP) sprach von einem traurigen Tag für Österreich. „Hugo Portisch hat die Politik Österreichs und der Welt den Menschen ins Wohnzimmer geliefert. Er hat Politik so erklärt, dass sie jeder verstanden hat“, so Sobotka.

Eine große, schmerzende Lücke hinterlasse der Tod von Hugo Portisch, reagierte SPÖ-Vorsitzende Pamela Rendi-Wagner. „Ein Jahrhundert-Journalist, eine moralische Instanz, ein standhafter Humanist. Uns alle hat er bereichert“, so Rendi-Wagner. Die Stadt Wien sichert dem „Journalisten-Doyen“ ein Ehrengrab, wie der Wiener Bürgermeister Michael Ludwig (SPÖ) in einer Aussendung mitteilte. „Er war ein Vorbild für Generationen kritischer Journalisten. Keine und keiner erklärte so gut wie er komplizierte politische Zusammenhänge“, sagte Ludwig.

„Österreich II und später Österreich I haben bei vielen jungen Menschen, wie auch bei mir persönlich, das Interesse für die Auseinandersetzung mit der Zeitgeschichte geweckt und gefördert. Wir verlieren in ihm einen großen Analysten und Kenner der österreichischen Politik, geschätzt und verehrt weit über die Grenzen Österreichs hinaus“, ließ Innenminister Karl Nehammer (ÖVP) wissen. Außenminister Alexander Schallenberg (ÖVP) erinnerte sich in einer Aussendung, wie er als junger Bub vor dem Fernseher saß und nicht zuletzt durch Portisch unsere Geschichte kennenlernte. Sein Tod hinterlasse eine Lücke, die nicht zu schließen sei. „Für all das, was er für unser Land geleistet hat, können wir ihm nicht genug danken“, meinte der Außenminister.

In Gedanken bei seinen Angehörigen ist auch Kunst- und Kulturstaatssekretärin Andrea Mayer (Grüne): „Es ist selten, dass journalistische Beobachter den öffentlichen Diskurs so stark prägen, dass man von einem eigenen Genre, einer eigenen Kunstform sprechen kann. Hugo Portisch hat das vor allem, aber nicht nur mit den Fernsehserien ‚Österreich I‘ und ‚Österreich II‘ geschafft, und er hinterlässt Österreich damit einen großen – auch kulturellen – Schatz.“

„Ich habe wie viele österreichische Journalistinnen und Journalisten einen Freund verloren, die Bevölkerung hat mit dem Tod von Hugo Portisch ihren Geschichtslehrer verloren. Ich darf im Namen der NEOS, aber auch ganz persönlich, der Familie dieses großartigen Menschen unser herzlichstes Beileid ausdrücken. Er war uns allen ein großes Vorbild“, würdigte ihn NEOS-Nationalratsabgeordneter Helmut Brandstätter.

Als einer „der wichtigsten und prägendsten Journalisten Österreichs“ wurde Portisch am Donnerstag von Niederösterreichs Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner (ÖVP) bezeichnet. Darüber hinaus sei Portisch ein für viele Generationen unverzichtbarer Begleiter und hochkompetenter Erklärer gewesen und habe „unser Geschichtsbewusstsein und unser Weltbild“ geprägt.

Warum der Rückzug von G+J-Chefin Julia Jäkel konsequent ist

Der Abgang von Julia Jäkel zeigt, dass Gruner + Jahr als eigenständiges Zeitschriftenhaus bei Bertelsmann keine Chance mehr hat. Mit Stephan Schäfer an der Spitze wird der Verlag zum Anhängsel beim TV-Konzern RTL. Jäkels Rückzug ist daher konsequent.

Julia Jäkel steht für Gruner + Jahr wie keine andere Managerin. Jahrelang war die Medienfrau in der Branche das Aushängeschild für ein traditionsreiches Haus, das mit dem „Stern“ als publizistisches Flaggschiff glänzte. Energisch verteidigte sie den Qualitäts-Journalismus. Sie setzte sich mit Initiativen gegen Fake-News ein, stellte das Medienhaus digitaler auf. Doch der Strukturwandel überrollte sie. Erst die Printkrise, dann die wachsende Marktmacht der Tech-Riesen Google, Facebook & Co. – immer schwerer fiel es ihr, sich gegen den radikalen Umbruch im Mediengeschäft zu behaupten.

Vom Mutterkonzern Bertelsmann konnte sie kaum Rückendeckung erwarten. Als 100-prozentige Tochter von Bertelsmann hängt der Kurs bei G+J von den Vorgaben der Konzernzentrale in Gütersloh ab. Und Konzernchef Thomas Rabe hatte bereits zu Beginn ihrer Amtszeit als G+J-Geschäftsführerin andere Pläne mit dem Verlag. Unter dem Eindruck schwindender Renditen im Mediengeschäft wurde am Baumwall immer mehr gespart. Rabe setzte lieber Schwerpunkte jenseits des klassischen, werbefinanzierten Verlagsgeschäfts. Er investierte lieber in Geschäftsfelder wie das Buchgeschäft oder RTL, die mehr Gewinn erwirtschaften. Daher gab es keine Zukäufe in größerem Stil aus, die G+J zu altem Glanz hätten verhelfen können.

Jäkel blieb nichts anderes übrig, als den Rückwärtsgang einzulegen. Erst zog sie bei der „Financial Times Deutschland“ die Reißleine, dann trennte sie sich von diversen Tochterfirmen. Sukzessive hat die Geschäftsführerin G+J im In – und Ausland von einem Großverlag zu einem Mittelständler zusammengekürzt. Dadurch verlor das Printhaus im Wettbewerb gegen Branchenriesen wie Axel Springer, Burda, Bauer & Co. immer mehr an Bedeutung und Reputation.

Vor zwei Jahren machte Bertelsmann-Chef Rabe den langjährigen Produktchef Stephan Schäfer dann überraschend zum neuen Inhalte-Chef von Gruner + Jahr und RTL, der mit neuen Printideen wie „Barbara“ und „Guido“ in Gütersloh punktete. Damit brachte er sich bei Rabe in Position, das Zepter am Baumwall zu übernehmen. Jetzt geht der Bertelsmann-Chef einen weiteren Schritt. Er wünscht sich, RTL und Gruner + Jahr zu einer Einheit zu verschmelzen. Ein Prozess, den Schäfer begleiten soll. Dass sich Jäkel jetzt in dieser Gemengelage aus der Führung von G+J zurückzieht, ist daher nur konsequent.

Wie es weitergeht, ist klar. Bertelsmann-Chef Rabe bringt vermutlich die letzten renditestarken Firmenteile wie die „Stern“-Gruppe in das RTL-Geflecht ein. Alles andere wird verkauft oder muss aufs Abstellgleis. Und die Kommunikation über die Reste des einstigen G+J-Printimperiums wird künftig von Köln aus gesteuert. Damit bliebe für Jäkel nichts mehr übrig, wofür sie einst antrat. Sie wäre nur noch ein kleinen Rädchen im Getriebe von RTL. Das ist wohl kaum in ihrem Sinne.

Newsletter-Boom: Mit Abonennten gegen Algorithmen

In Amerika machen prominente Journalisten mit E-Mail-Newslettern spektakuläre Umsätze. Kann der Direktverkauf von Texten an Abonnenten auch bei uns funktionieren?

Es klingt, als hätte jemand die Uhr zurückgedreht, fünfzehn, zwanzig Jahre. Wie zu den Zeiten, in denen die Entwicklung der Blogs als Emanzipation von alten Medieninstitutionen euphorisch begrüßt wurde, soll wieder einmal der Diskurs befreit werden, soll alles freier, direkter, unabhängiger werden. „Newsletter“ heißt das neue Zauberwort: Jeder kann sein eigener Verleger werden, versprechen Plattformen namens Substack oder Steady. Was, einerseits, keine besonders spektakuläre Neuigkeit ist, schließlich braucht man schon lange keine besonderen Ressourcen mehr, um das Internet vollzuschreiben. Und andererseits kommen die Parolen diesmal mit Zahlen daher, die in den Ohren krisengeplagter Journalisten wie ein Traum klingen:

Auf der amerikanischen Plattform Substack erwirtschaften die zehn erfolgreichsten Autoren und Autorinnen mittlerweile 15 Millionen Dollar jährlich mit ihren Briefen an die Leser. Ganz oben auf dem „Leaderboard“ steht die Historikerin Heather Cox Richardson, das Poster-Girl der neuen Medienrevolution, die mit ihren „Letters from an American“ mittlerweile rund zwei Millionen Dollar jährlich verdienen dürfte.

Dass ausgerechnet das etwas angestaubte Format des Newsletters die Antwort auf die lange und bisher ziemlich frustrierende Suche nach einem Geschäftsmodell für Journalismus im Internet sein soll, ist vielleicht die größte Überraschung. Die Anbieter führen seine Beliebtheit genau auf dieses vergleichsweise zurückhaltende Auftreten zurück, auf das Angebot eines Gegengift zum lauten und durch die Algorithmen der sozialen Medien aufgepeitschten Wettbewerb um reißerische Nachrichten und steile Thesen. „Einer der Gründe, warum wir Substack gegründet haben, ist, dass wir frustriert darüber waren, wie sehr die Qualität der Diskussion in den sozialen Medien gesunken ist. Wir sind in den sozialen Medien dümmer als im echten Leben“, schreibt Substack-Mitbegründer Hamish McKenzie im Firmenblog.

Substack dagegen sei als „ruhiger Ort, der zum Nachdenken anregt“, entworfen worden, frei von Anzeigen und Clickbait, ein Ort, an dem jeder noch ohne Manipulation durch digitale Psychotricks entscheiden könne, welche Informationen er in seinen Kopf lasse. Der ehemalige Technik-Journalist McKenzie war für ein gutes Jahr lang „Lead Writer“ beim Autohersteller Tesla, bevor er 2017 mit den Softwareentwicklern Chris Best und Jairaj Sethi das Unternehmen gründete.

Erfolgsrezept Durchschnittlichkeit

Ob tatsächlich so viel Idealismus hinter der Plattform steckt oder vor allem ein guter Geschäftssinn, auf jeden Fall hat Substack einen Nerv getroffen: 500.000 zahlende Abonnenten verzeichnet die Website heute, alleine in den vergangenen zwölf Monaten wuchs diese Zahl um das Fünffache. Thematisch decken die Newsletter eine Bandbreite ab, die von Investoren-Tipps von Profis bis zu Insiderberichten über die Eishockeymannschaft der Arizona Coyotes reichen, vom „Brown Girl Bookshelf“ mit Literaturempfehlungen südostasiatischer Schriftsteller bis zu jüdischen Kochrezepten. Stilistisch schlägt sich der direkte Draht zu den Abonnenten oft in einem persönlichen und freundlichen Ton nieder, schließlich sprechen die Autoren hier zu ihren Fans.

In dieser Hinsicht ist Richardson durchaus paradigmatisch: Die 59 Jahre alte Geschichtsprofessorin vom Boston College fasst täglich das politische Geschehen zusammen und erklärt parlamentarische Debatten mit einer an Gleichgültigkeit grenzenden Distanz. Im aufgeheizten politischen Klima ist diese Objektivität offensichtlich eine Marktnische. Sie übersetze „aktuelle Ereignisse in normale Sprache“, schreibt Richardson auf ihrer Facebook-Seite. Vor allem ihre engagierte Community, eine „Gemeinschaft durchschnittlicher Amerikaner“ unterscheide ihr Projekt von klassischem Journalismus. Diese Community, das sind vor allem, wie sie selbst sagt, andere Frauen ihres Alters, denen selbst der Ton seriöser amerikanischen Zeitungen zu krawallig geworden ist und für die Richardsons Appelle zur Versöhnung auch eine Art therapeutische Wirkung haben.

Exil für notorische Nonkonformisten

Seit einiger Zeit jedoch hat sich auch in der lärmberuhigten Zone von Substack der Ton ziemlich verschärft: In den vergangenen Monaten hat sich die Plattform zum komfortablen Exil für prominente Renegaten traditioneller Publikationen entwickelt, darunter viele, die sich gerne als Opfer politisch überkorrekter Zustände in den amerikanischen Redaktionen stilisieren. Der ehemalige „New York Magazine“-Kolumnist Andrew Sullivan, der mit seinem Blog „The Daily Dish“ schon vor fünf Jahren gezeigt hatte, wie lukrativ die Finanzierung durch treue Abonnenten sein kann, bevor er sein Glück beim „New York Magazine“ versuchte, publiziert nun wöchentlich sein „Weekly Dish“ ebenso auf Substack wie Bari Weiss, die ehemalige Nonkonformistin vom Dienst bei der „New York Times“, und die jüngst angeblich wegen ihres Biden-Gänsehaut-Tweets entlassene ehemalige „New York Times“-Mitarbeiterin Lauren Wolfe.

Matt Yglesias, der Mitbegründer des Nachrichtenportals „Vox“, zog genauso zu Substack um wie der durch die Snowden-Enthüllungen berühmt gewordene Journalist Glenn Greenwald von der von ihm mitgegründeten Website „The Intercept“ – beide fühlten sich in ihren eigenen Publikationen von den Sensibilitäten der jüngeren Kollegen in ihrer Unabhängigkeit beschränkt oder gar zensiert.

Für einige, auch für viele der weniger berühmten Autoren und Autorinnen auf der Plattform, wirkt das wie ein verlegerisches Kalkül, vor allem seit bekannt wurde, dass Substack viele der großen Namen im Programm „Substack Pro“ direkt bezahlt. Manche halten es sogar für eine politische Agenda. Die Chefs verteidigen die Honorare als Anreiz, um Autoren mit großem Publikum anzulocken und damit die Bekanntheit des Dienstes zum Wohle aller zu steigern.

Die Verträge seien eine geschäftliche Entscheidung, keine redaktionelle. Sosehr man sich nämlich als Gegenmodell zu den sozialen Medien präsentiert, so will doch Substack, genau wie Facebook und Co., verhindern, in die Rolle des Verlegers zu geraten, um sich anstrengende Diskussionen über publizistische Verantwortung und die inhaltliche Ausrichtung zu sparen. Das Verhältnis zwischen dem Unternehmen und seinen Vertragspartnern entspricht eher dem bekannten Ideal der Gig Economy: Substack nimmt zehn Prozent Provision der Einnahmen und betrachtet die Newsletter-Produzenten wie Uber seine Fahrer: als eigenständige Unternehmer. Daran kann man auch ganz gut ablesen, für welche Art von Journalismus das Modell interessant ist: Nur wer sich schon heute als „Marke“ versteht und im besten Fall eine solide Menge an Followers mit an den Start bringt, hat Chancen, ein eigenes „Mini-Medienimperium“ aufzubauen, wie McKenzie es in einem Interview nannte.

Für die meisten dürfte es eher auf einen Zuschuss zur Miete hinauslaufen. Für alle, die mit Newsletters Geld verdienen wollen, ist das Modell die Weiterentwicklung jener Aufmerksamkeitsökonomie, gegen die es sich positioniert. Auch deshalb überrascht es nicht, dass auch Facebook gerade angekündigt hat, in den kommenden Monaten eine neues Angebot für unabhängige Autoren einzuführen und einige von ihnen auch zu bezahlen. Auch Twitter will ins Geschäft einsteigen und hat dazu im Januar den Newsletter-Dienst Revue gekauft.

Leser zahlen auch für ein Dankeschön

In Deutschland, wo das Publikum naturgemäß viel kleiner ist und das Nutzerverhalten amerikanischen Trends in der Regel rund drei Jahre hinterherhinkt, ist der Wettbewerb um die Abonnenten noch schwieriger. Zwar beeindruckt auch hier der Erfolg des „Morning Briefing“-Newsletters des ehemaligen „Handelsblatt“-Chef Gabor Steingart mit 230.000 Abonnenten, aber noch bietet Steingart seine morgendlichen Meditationen kostenlos und mit ordentlicher Unterstützung des Springer-Verlags an.

Trotzdem klingt die Aussicht auf einen nur durch treue Leser und Leserinnen finanzierten Journalismus so attraktiv, dass in den kommenden Monaten auch hier eine Menge neuer Newsletter erscheinen wird. Vergangene Woche hat das Berliner Unternehmen Steady, das bisher vor allem Abo-Management und Zahlungsabwicklung für unabhängige journalistische Websites abwickelte, ein neues Programm für den Newsletter-Vertrieb gestartet und 39 mehr oder weniger bekannte „Publisher“ vorgestellt, die auf diesem Weg ihr Publikum erreichen wollen: bekannte Journalisten wie Teresa Bücker, Hajo Schumacher oder Nils Minkmar, aber auch der auf Twitter sehr agile CDU-Politiker Ruprecht Polenz.

Dass die amerikanischen Erfolgsgeschichten auf dem deutschen Markt nicht so leicht zu wiederholen sind, glaubt auch Steady-Mitbegründer Gabriel Yoran, dennoch sieht er ein stetiges Wachstum. Schon jetzt kann das Unternehmen alle sechs Wochen einen Umsatz von rund einer Million Euro an die 1200 Medien ausschütten, die es betreut. Websites wie „Perlentaucher“, „Übermedien“ oder das Satiremagazin „Titanic“ nutzen den Dienst, bei insgesamt rund 110.000 zahlenden Abonnenten liegt der Erlös im Schnitt bei gut 400 Euro monatlich, das erfolgreichste Projekt verdient im Monat immerhin 90.000 Euro. Mit den Newsletters will man nun auch Einzelnen die Angst nehmen, sich selbständig zu machen. Und setzt auf die zunehmende Zahlungsbereitschaft des Publikums. Dabei, sagt Yoran, komme es gar nicht so sehr auf exklusive Angebote für die Unterstützer an: „Fünf bis zehn Prozent der Abonnenten sind zahlungswillig, ein Großteil davon zahlt sogar auch, ohne dass es dafür eine handfeste Gegenleistung gibt, einfach, damit die Autoren ihre Arbeit weitermachen können.“

Für das „Bildblog“ etwa zahlen 775 Mitglieder insgesamt 3685 Euro im Monat im Gegenzug für ein herzliches Dankeschön. Auch die Newsletter-Millionärin Richardson verschickt ihre Texte kostenlos; wer zahlt, bekommt dafür lediglich die Lizenz, ihre Beiträge im Forum zu kommentieren.

Immerhin scheint die Gefahr, dass auch Steady mit dem Versprechen, Journalisten „unabhängig von Algorithmen und Medienhäusern“ zu machen, zum Auffangbecken notorischer Andersdenkender wird, verhältnismäßig gering. Zwar legt man auch bei Steady Wert darauf, „möglichst wenig“ in die Freiheit der Autoren einzugreifen, und weiß, dass dazu auch die Toleranz für Inhalte gehört, mit welchen man selbst nicht übereinstimmt. Und doch versucht die deutsche Plattform die Grenzen erheblich enger zu definieren als das amerikanisches Pendant, ohne in den Verdacht zu geraten, inhaltliche Leitlinien zu ziehen. Nachdem Steady im vergangenen April nach mehreren Beschwerden die Zusammenarbeit mit dem Verschwörungsportal „KenFM“ gekündigt hatte, überarbeitete man im Oktober die eigenen Richtlinien und ergänzte sie unter anderem mit der Vorgabe, keine „Verschwörungsmythen“ zu verbreiten.

Ob das eine Entwicklung aufhält, wie sie bei Substack zu beobachten ist, wird sich zeigen. Aber womöglich brauchen die Kämpfer für die Meinungsfreiheit in Deutschland gar keine neue Plattform. Bisher haben sie noch immer eine Zeitung gefunden, die ihre Texte druckt.

Das Frühlingserwachen der deutschen Medienaktien

Die Letzten werden die Ersten sein: So lautet das Börsen-Fazit des ersten Vierteljahres aus Sicht der wertvollsten deutschen Medienkonzerne. Während ProSiebenSat.1 und die RTL Group ihren Aktionären zweistellige Gewinne bescherten, bricht eine Burda-Beteiligung an den Kapitalmärkten unerwartet schwer ein.

New Work SE: – 20 %

Es ist ein Anblick, der Fragen aufwirft: Der jahrelange Börsendarling New Work, der bis 2019 noch als XING firmierte, hat sich im ersten Quartal unter den deutschen Medienaktien zum Kursgift verwandelt. Gingen die Hamburger noch bei Kursen von 280 Euro ins neue Jahr, sind Anteilsscheine von New Work nach den ersten 13 Wochen des Börsenjahres 2021 plötzlich nur noch 223 Euro wert – ein happiger Abschlag von 20 Prozent.
Corona hat fraglos auch beim Business-Netzwerk seine Spuren hinterlassen. Vor dem Ausbruch der Pandemie standen alle Zeichen auf Wachstum. Dann kam der Lockdown, der nicht nur das gesellschaftliche Leben lahmlegte, sondern auch den Arbeitsmarkt veränderte. Die Xing-Mutter New Work, die mit 50 Prozent dem Burda Verlag gehört, spürte die Folgen des Konjunktureinbruchs in Euro und Cent.
Legten die Umsätze im vorvergangenen Geschäftsjahr noch um 16 Prozent zu, betrug das Erlöswachstum 2020 nur noch ganze 2 Prozent, während der Nettogewinn gar um happige 40 Prozent wegbrach. Nicht nur Corona hat die neue CEO Petra von Strombeck unter Druck gesetzt – auch Branchenprimus LinkedIn ist Xing mit inzwischen 16 Millionen Mitgliedern im DACH-Raum immer dichter auf den Fersen. Entsprechend verhalten reagierte die Börse zuletzt.

Ströer – 14 %

Rückläufig entwickelten sich im Corona-Jahr unterdessen die Geschäfte des Außenwerbevermarkters Ströer. Die Umsätze gaben 2020 um 9 Prozent auf 1,44 Milliarden Euro nach. Das Konzernergebnis brach unterdessen gar um mehr als die Hälfte auf nur noch 49 Millionen Euro ein.
„Die Entwicklungen in den herausfordernden Pandemiezeiten im abgelaufenen Geschäftsjahr zeigen deutlich die Stärke unserer strategischen Aufstellung.“, versuchte Udo Müller, Gründer und Co-CEO von Ströer, bei Bilanzvorlage im Februar Zuversicht zu verströmen. „Unsere Marktkenntnis, unser striktes und konsequent umgesetztes Kostenmanagement sowie unsere engagierten Mitarbeiter tragen dazu bei, dass wir mit Zuversicht durch die Pandemie steuern“, äußert sich Christian Schmalzl, Co-CEO des Kölner Unternehmens, unisono.
Gleichzeitig räumte Schmalzl aber auch ein: „Der Start ins aktuelle Geschäftsjahr bleibt (zwar) weiterhin herausfordernd für unser Kerngeschäft.“ Die Botschaft wurde an den Märkten nicht überhört: Seit Jahresbeginn befinden sich die Anteilsscheine des MDax-Mitglieds im Abwärtstrend, der Ende des ersten Quartals mit einem Minus von 14 Prozent zu Buche schlägt. Großbanken wie Goldman Sachs und Barclays stufen die Aktie lediglich als Halteposition ein.

RTL Group: + 26 Prozent

Eine der überraschendsten Turnaroundstories an den deutschen Aktienmärkte gelang in den vergangenen drei Monaten der RTL Group. Dabei war der Altstar des deutschen Privatfernsehens von Corona nicht weniger betroffen als die gesamte Medienlandschaft.
Die Folgen in Euro und Cent waren schließlich erst bei der Mitte März vorgelegten Jahresbilanz zu besichtigen. So ging der Umsatz um knapp ein Zehntel auf sechs Milliarden Euro zurück. Der Nettogewinn sank gar um 28 Prozent auf 625 Millionen Euro. Die rückläufige Konzernbilanz der RTL Group hatte maßgeblichen Anteil an den schrumpfenden Erlösen der Konzernmutter Bertelsmann 2020.
Aber: Aufgrund der deutlichen Erholung im Werbegeschäft in den vergangenen zwei Quartalen blickt CEO Thomas Rabe optimistisch auf das laufende Geschäftsjahr. So sollen die Erlöse 2021 um rund acht Prozent auf 6,2 Milliarden Euro steigen und das bereinigte Ebita (Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Firmenwertabschreibungen) gar um rund 14 Prozent auf 975 Millionen Euro zulegen. Die Rückkehr des Wachstums hat Anleger beflügelt und den Kurs der RTL-Aktie im ersten Quartal um 26 Prozent nach oben befördert.

ProSiebenSat.1: + 27 Prozent

Noch ein Prozent höher fiel das Plus des Quartalsgewinners unter den deutschen Medienaktien aus: Anteilscheine von ProSiebenSat.1 legten in den ersten 13 Wochen 2021 gar um 27 Prozent zu. Der Grund dafür war weniger in der Geschäftsentwicklung des Vorjahres zu suchen, der Anfang März in der Gesamtheit verkündet wurde.
So musste der neue Vorstandsvorsitzende Rainer Beaujean, der im vergangenen Jahr auf Max Conze gefolgt war, für 2020 einen Umsatzrückgang von zwei Prozent auf vier Milliarden Euro verkünden. Der Konzerngewinn sank unterdessen um 39 Prozent auf 252 Millionen Euro.
Allein: Das Momentum zeigt wieder deutlich nach oben. Im Schlussquartal des vergangenen Jahres konnten die Münchner immerhin wieder zweistelliges Wachstum bei Umsatz und Gewinn (Ebitda) ausweisen. 2021 strebt das MDax-Mitglied Erlöse zwischen 4,15 und 4,35 Milliarden Euro und ein Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen zwischen 720 und 780 Millionen Euro an.
Unter Analysten ist das weitere Potenzial der P7S1-Aktie, die sich seit den Tiefs in der Corona-Krise vor einem Jahr in der Spitze mehr als verdreifacht hat, unterdessen umstritten. Goldman Sachs, die Deutsche Bank und Warburg Research empfehlen mit Kurszielen von bis zu 22 Euro weiter den Kauf der Aktie, während die Credit Suisse und Independent Research eine Zielmarke zwischen 9,80 und 15 Euro ausgeben. Das Papier notiert aktuell bei 18 Euro.

ORF nahm 313,7 Millionen Euro mit kommerziellen Tätigkeiten ein

Den größten Teil der ORF-Einnahmen machen die GIS-Gebühren aus: Die Programmentgelte für den öffentlich-rechtlichen Milliardenkonzern brachten 2020 fast 645 Millionen. Die kommerziellen Aktivitäten des ORF steuerten 2020 insgesamt weitere 313,7 Millionen bei, geht aus dem Mittwoch veröffentlichten Jahresbericht an den Nationalrat hervor.

Die 313,7 Millionen Euro sind deutlich weniger als 2019 – da meldete der ORF in seinem Jahresbericht noch 355,4 Millionen aus kommerziellen Tätigkeiten.

Woher kommt der Rückgang?

Werbeumsätze in TV und Radio sanken laut ORF-Jahresberichten von 203,3 Millionen Euro 2019 auf nun 181,9 Millionen.

Onlinewerbeumsätze stiegen von 16,1 auf 18,4 Millionen Euro.

Sonderwerbeformen gingen von 39,3 auf 32,4 Millionen zurück – wohl auch ein Effekt der 2020 verschobenen Sportgroßevents Fußballeuropameisterschaft und Olympische Spiele.

Werbung erklärt rund 26 Millionen des Rückgangs der kommerziellen Einnahmen ingesamt um 41,7 Millionen Euro seit 2019. Einnahmen aus Koproduktionen spielten im Corona-Jahr 2020 zudem deutlich weniger ein.

Koproduktionen und Lizenzen gingen um neun Millionen zurück – sie brachten 2020 15,9 Millionen nach 25 Millionen 2019. 8,2 Millionen brachten Koproduktionen mit anderen Rundfunksendern – nach 14,2 Millionen im Jahr zuvor.

Die Einnahmen aus Programmverwertung blieben mit 11,5 Millionen Euro praktisch stabil gegenüber 2019. Darunter fallen in der ORF-Definition 6,1 Millionen aus „medialer Verwertung“ (das sind üblicherweise Zahlungen der Lotterien für Lotto-Sendungen, 2019 waren das noch 7,5 Millionen Euro), drei Millionen von Kabelnetzen für die Einspeisung von ORF-Programmen, weitere 2,4 Millionen kamen 2020 laut ORF aus Panorama TV, Verwertungsgesellschaft Rundfunk und „sonstige Verwertungen“ (2019: 1,3 Millionen).

Smartcards brachten dem ORF 2020 etwas weniger als 2019 – 12,2 Millionen Euro nach 13,5 Millionen im Jahr zuvor.

Für Kurzarbeit im Corona-Jahr erhielt der ORF laut Jahresbericht 4,5 Millionen Euro vom AMS.

Geld aus Immo-Verkauf und Casinos

2020 verkaufte der ORF ein Wohnhaus in der Argentinierstraße im vierten Wiener Bezirk. Die Einnahmen aus dem Immobiliengeschäft weist der ORF in seinem Jahresbericht gemeinsam mit den Ausschüttung seiner Casinos-Austria-Beteiligung und der kommerziellen ORF-Sendertochter ORS-comm (Simpli) aus: 23,2 Millionen insgesamt 2020 nach 17,1 Millionen 2019 ohne Immo-Verkauf.

Kostenpunkte

Simpli/ORS-comm werden im Jahresbericht aber auch 17,3 Millionen Euro kommerzielle Kosten zugeordnet.

Klassikportal Fidelio: 900.000 Euro an kommerziellen Kosten weist der Jahresbericht auch für die 50-Prozent-Beteiligung an der Klassikstreamingplattform Fidelio aus, Partner ist hier die Unitel (Beta Film).

Das Streamingportal Flimmit wird mit 600.000 Euro kommerziellen Kosten im Jahresbericht geführt.

Im März legen ORF 1, Servus TV, ATV und Oe24 TV zu

Die ORF-Sendergruppe hat im März leicht an Marktanteil verloren. Sie erzielte 35,7 Prozent, was einem Rückgang von 0,3 Prozentpunkten gegenüber dem Vorjahr entspricht. Damals dominierte erstmals die Coronaberichterstattung. ORF 2 verzeichnete einen Rückgang von 3,9 Prozentpunkten auf 22,2 Prozent in der Gesamtzielgruppe. ORF 1 legte von 7,1 Prozent auf 10,7 Prozent zu.

Stärkster heimischer Privatsender bei den Zusehern ab 12 Jahren war Servus TV mit 3,5 Prozent Marktanteil (plus 0,2 Prozentpunkte). Auch in der Kernzielgruppe legte der Privatsender leicht zu (2,6 Prozent, plus 0,3 Prozentpunkte). Das Formel 1-Debüt von Servus TV in Bahrain sahen im Schnitt 639.000 Personen. Dabei wurde ein Marktanteil von 35 Prozent erreicht – der Höchstwert für den Privatsender im heurigen März.

Puls 4 verlor sowohl in der Gesamtzielgruppe (3,2 Prozent Marktanteil) als auch in der Kernzielgruppe (4,9 Prozent Marktanteil) 0,3 Prozentpunkte. Dennoch bleibt Puls 4 mit Shows wie zuletzt „The Masked Singer Austria“ bei den 12- bis 49-Jährigen stärkster Privatsender. ATV näherte sich mit 4,6 Prozent Marktanteil in der Kernzielgruppe (plus 0,8 Prozent) an. Der Sender verzeichnete den stärksten März seit Jahren.

Der Nachrichtensender oe24.tv legte bei den Über-12-Jährigen auf 1,2 Prozent (plus 0,3 Prozentpunkte) und in der Kernzielgruppe auf 1,6 Prozent (plus 0,3 Prozentpunkte) zu. Am 23. März feierte der Sender der Mediengruppe Familie Fellner mit 3,7 Prozent (12-49) bzw. 2,6 Prozent (12+) Marktanteil den besten Tag seit Bestehen.

Die Marktanteile von Puls 24 sind mit 0,7 Prozent (12+) bzw. 1,0 Prozent (12-49) weitgehend stabil. Die ProSiebenSat.1Puls4-Gruppe kam mit ihren vier Österreichsendern (ATV, ATV 2, Puls 4, Puls 24) in der Gesamtzielgruppe auf 8 Prozent Marktanteil (minus 0,3 Prozentpunkte). Bei den 12- bis 49-Jährigen, auf denen der Fokus der Gruppe liegt, steigerte man sich auf 12 Prozent Marktanteil (plus 0,4 Prozent).

Private Rundfunksender wollen 5G-Broadcast durchdrücken

Private Radioveranstalter aus Deutschland, Österreich und der Schweiz wollen ihre Programme unbedingt mit dem Rundfunkmodus 5G verbreiten. Das gaben die vier Verbände Vaunet (Verband Privater Medien), AG Privater Rundfunk (APR) aus Deutschland, der Verband Österreichischer Privatsender (VÖP) und der Verband Schweizer Privatradios (VSP) am 31. März 2021 bekannt. Beim 5G-Broadcast ist bisher hauptsächlich die Verbreitung von linearen TV-Programmen geplant.

Der europäische Rundfunk engagiert sich seit Jahren, um den 5G-Standard so zu erweitern, dass die Verbreitung von linearen TV-Programmen zukünftig möglich sein wird. Die 5G-Broadcast Technologie ermöglicht es, die Vorteile von Rundfunk (one-to-many) mit mobilem Breitband (one-to-one) zu kombinieren. Dazu können existierende Rundfunksendeanlagen (High Tower High Power) verwendet werden, von denen ähnlich wie bei DVB-T2 ein Signal von einem Sender gleichzeitig an eine unbegrenzte Anzahl von Empfängern gesendet wird. Dies erlaube einen unabhängigen Netzbetrieb durch Rundfunknetzbetreiber über große Funkzellen mit Radien von bis zu 60 Kilometern. 5G Broadcast, eine Erweiterungen des globalen 5G-Standards, ist technisch gesehen FeMBMS (Further evolved Multimedia Broadcast Multicast Service).

Ein Konsortium wollte bisher bestehende UHF-Frequenzen für 5G-Broadcast einsetzen. Bis 2030 bleiben diese Frequenzblöcke für die terrestrische digitale Fernsehversorgung in Nutzung mit DVB-T2. Der Frequenzbereich von DVB-T2 liegt bei 470 MHz bis 690 MHz.

5G: Freier Empfang von Rundfunkprogrammen auf allen relevanten Empfangswegen

„Der freie Empfang von Rundfunkprogrammen auf allen relevanten Empfangswegen muss langfristig sichergestellt werden“, hieß es in dem gemeinsamen Positionspapier der Vertreter des privaten Rundfunks der drei Länder. Es gehe um eine zukunftssichere Multiplattformstrategie für den Rundfunk. Neben der Verbreitung über analoge und digitale Terrestrik, IP, Satellit und Kabel sei „die Verbreitung via 5G-Broadcast für den Rundfunk zukunftsentscheidend“.

Die notwendigen Frequenzen für die 5G-Rundfunkübertragung im Bereich 470 – 694 MHz müssen langfristig abgesichert werden. Marco Maier von Vaunet forderte: „Die verantwortlichen Institutionen und Politik in Deutschland, Österreich und der Schweiz müssen sich auf EU-Ebene und insbesondere bei der World Radio Conference 2023 dafür einsetzen, dass das Frequenzspektrum für den Rundfunk und auch für drahtlose PMSE-Geräte erhalten bleibt, um den Sendern 5G-Broadcast zu ermöglichen.“

Weiter sprachen sich die Verbände für eine Must-Carry-Regelung für lizenzierte Rundfunkprogramme bei 5G Broadcast aus. Zudem forderten sie für die Übertragung von 5G-Broadcast eine Pflicht zur Zusammenschaltung und Interoperabilität der benötigten Rundfunk – und Mobilfunknetze.

Hugo Portisch verstorben

Der Journalist Hugo Portisch ist tot. Vielen Österreichern galt Portisch als der Vermittler österreichischer Zeitgeschichte schlechthin. In die Annalen der Medienpolitik hat er sich als Initiator des Rundfunk-Volksbegehrens eingetragen. Nun starb er im Alter von 95 Jahren.

Der breiten Öffentlichkeit wurde Portisch als Chef-Kommentator des ORF-Fernsehens bekannt. Wie kein Zweiter beherrschte er die Kunst, komplizierte Sachverhalte in einfachen Worten zu erklären und Wissen mit hoher Kompetenz, aber ohne erhobenen Zeigefinger zu vermitteln. Mit seinen Fernsehserien „Österreich I“ und „Österreich II“ wurde er zur Inkarnation eines kollektiven österreichischen Geschichtsbewusstseins.

1955 holte ihn Hans Dichand, damals Chefredakteur, als Stellvertreter in den neugegründeten Kurier. Nach Dichands Abgang aus der damals größten Tageszeitung wurde Portisch 1958 Chefredakteur. 1967 wechselte er als Chefkommentator in den ORF – und wurde eines der Aushängeschilder der Bacher’schen Informationsoffensive.

ServusTV holt sich die UEFA Europameisterschaft

ServusTV, der Sender von Red-Bull-Chef Dietrich Mateschitz, sichert sich die exklusiven TV-Rechte an der UEFA Europameisterschaft 2024 als auch 2028, dazu zeigt der Sender die Qualifikationsspiele dazu sowie auch jene zur FIFA Weltmeisterschaft 2026. Die UEFA EURO 2024 wird in Deutschland ausgetragen und von 24 Nationen in 51 Spielen bestritten, die Quali-Spiele dazu starten im März 2023. ServusTV zeigt im Rahmen der „European Qualifiers to UEFA EURO 2024“ mit die Top-Spiele des ÖFB-Teams live. Dabei hat der Sender das Erstauswahlrecht erstanden, wie man in einer Aussendung kommunizierte.

Der Sender setzt seine Einkaufstour in Sachen Sportrechte damit fort, neben diversen Tennis-Rechten und der Moto GP läuft seit dieser Saison auch die Formel 1 beim Sender. Diese teilt man sich mit dem ORF. Der ORF zeigt die auf heuer verschobene UEFA Europameisterschaft 2020 als auch die FIFA Weltmeisterschaft 2022 und bleibt mit aktuellen Spielen des ÖFB-Teams, des ÖFB-Cups als auch der Frauennationalmannschaft exklusiver Medien- und Kooperationspartner des ÖFB, wie man dort betont.

„Der ORF hat sich die von der UEFA zentral vermarkteten Rechte für mehr als zwei Drittel aller ÖFB-Länderspiele im Zeitraum von Juni 2022 bis Juni 2028 gesichert“, heißt es beim öffentlich-rechtlichen Rundfunk.

Trotz US-Sanktionen: Huawei macht Milliardengewinn

Huawei hat trotz harter Sanktionen der USA das vergangene Jahr mit einem Milliardengewinn abgeschlossen. Der chinesische Technologiekonzern profitierte dabei von der starken Position im Heimatmarkt, während international unter anderem der Smartphone-Absatz absackte.

Der Umsatz des Unternehmens aus dem südchinesischen Shenzhen stieg 2020 um 3,8 Prozent auf 891,4 Milliarden Yuan (rund 115,8 Mrd. Euro). Der Gewinn stieg um 3,2 Prozent auf 64,6 Milliarden Yuan (8,4 Mrd. Euro), wie Huawei mitteilte.

Im Großen und Ganzen sei das Geschäft ganz gut gelaufen, sagte der Chefsekretär des Huawei-Vorstands, Jiang Xisheng, der Deutschen Presse-Agentur. Doch „natürlich haben wir wegen der US-Sanktionen viele Schwierigkeiten“, sagte der Top-Manager. Insbesondere der Rückgang beim Absatz von High-End-Smartphones sei „relativ groß“.

Nach Berechnungen der Marktforschungsfirma IDC fiel der Smartphone-Absatz von Huawei 2020 um mehr als ein Fünftel auf 189 Millionen Geräte. Huawei, das einst Marktführer werden wollte, lag damit weltweit auf dem dritten Platz nach Samsung und Apple. Zum vierten Quartal mit dem Weihnachtsgeschäft beschleunigte sich die Talfahrt demnach auf ein Minus von mehr als 40 Prozent.

Auslöser für den Absturz auf dem Weltmarkt war, dass Huawei wegen der US-Sanktionen keine Smartphones mit vorinstallierten Google-Diensten mehr verkaufen kann. Dazu gehört auch die App-Plattform Play Store, über die die Nutzer von Android-Telefonen im Westen meist ihre Anwendungen laden.

Derweil helfen andere Geschäftsbereiche, einen Teil der Rückgänge auszugleichen. Das Geschäft mit Wearables wie Computer-Uhren oder anderen Endgeräten im Konsumentenbereich wie Kopfhörern, Laptops und smarten Bildschirmen entwickle sich „sehr gut“.

Zudem arbeite Huawei etwa an Produkten für vernetzte Autos und intelligente Fahrzeuge. „Wir möchten in Zukunft auch einen Fokus auf diesen Bereich legen“, sagte Jiang Xisheng. Ausdrücklich wolle Huawei nicht selbst Fahrzeuge produzieren, sondern verstärkt als Zulieferer mit Herstellern zusammenarbeiten. Auch an weiteren Kooperationen mit deutschen Autobauern habe man Interesse.

Durch Pandemie deutlich mehr Laptops im Einsatz

Ausgelöst durch die Coronapandemie werden in Zukunft nach Einschätzung von Marktforschern deutlich mehr Laptop-Computer im Einsatz sein als bisher. In diesem Jahr werde die Zahl der weltweit genutzten Notebooks von 796 Millionen auf 866 Millionen steigen, prognostizierte die Analysefirma Gartner. Für 2022 rechnen die Marktforscher mit einem weiteren Zuwachs auf 929 Millionen Geräte.

Dabei geht es um mehr als nur den Austausch existierender Tisch-Rechner durch mobile Computer. Die Zahl der eingesetzten Desktops sinkt zwar – aber nicht so schnell wie zusätzliche Notebooks dazukommen. In diesem Jahr werde die Zahl der Desktop-Computer von 522 auf 495 Millionen sinken und 2022 auf 470 Millionen, lautet die Gartner-Prognose.

Mit dem Arbeiten und Lernen von zuhause seit Beginn der Coronakrise hätten viel mehr Menschen als bisher Computer gebraucht, sagte Gartner-Analyst Ranjit Atwal. Und die Erkenntnis, dass viele bisherige Arbeitsmodelle veraltet waren, werde die Laptop-Nachfrage weiter stärken.

Desktops nicht am Aussterben

Zugleich sei auch der Desktop-PC noch lange nicht am Ende: In manchen Bereichen werde man – zum Beispiel bei einem höheren Leistungsbedarf – weiterhin auf sie zurückgreifen. Es gebe auch regionale Unterschiede: So seien Tischrechner zum Beispiel in China und Deutschland mehr gefragt als in anderen Ländern.

Deliveroo legt bei Börsengang in London Bauchlandung hin

Es hätte einer der größten Börsengänge der letzten Jahre an der London Stock Exchange werden sollen. Doch der Gang aufs Parkett ging für den britischen Lieferdienst Deliveroo daneben. Vom Absturz der Deliveroo-Papiere war auch die Konkurrenz betroffen.

Zwischen 3,90 und 4,60 britischen Pfund hatten die Emissionsbanken den Ausgabepreis für die Deliveroo-Aktie festgelegt, doch nach Handelsstart am 31.3. gab es kein Halten mehr. Unmittelbar nach Öffnung der Londoner Börse fiel der Kurs des Papiers um fast 30 Prozent – und erholte sich danach nur wenig. Damit wurden binnen weniger Stunden rund zwei Milliarden Pfund Marktkapitalisierung „ausgelöscht“, wie es die britischen Medien formulierten. Betroffen sind davon auch geschätzte 70.000 Deliveroo-Kunden, die im Vorfeld des Börsenganges ein Angebot wahrgenommen hatten, zum Kleinaktionär zu werden und sich für einen Aufpreis von 50 Pfund auf ihre Essensrechnung an dem Lieferdienst zu beteiligen.

Bereits im Vorfeld des Börsengangs war spekuliert worden, dass die ehrgeizigen Pläne von Deliveroo-Gründer William Shu von anhaltenden Protesten der Auslieferfahrer durchkreuzt werden könnten. Die fordern von Deliveroo bessere Arbeitsbedingungen und mehr Geld. Das „Handelsblatt“ hatte spekuliert, die Proteste könnten dafür sorgen, dass der Firmenwert um bis zu 950 Millionen Pfund sinkt. Kritisch aufgenommen wurden auch die Pläne von Firmengründer Shu, durch Einführung zweier Klassen von Wertpapieren auch nach dem Börsengang die Kontrolle über das Unternehmen zu behalten.

Der Absturz der Deliveroo-Papiere ging auch an den Wettbewerbern nicht vorbei. Der Kurs von Just Eat Takeaway, zu dem in Deutschland Lieferando gehört, gab 31.3. ebenfalls kurzfristig um rund sieben Prozent nach, erholte sich im weiteren Verlauf des Handels aber wieder. Dabei betrifft das Problem, das Deliveroo mit seinen Fahrern in Großbritannien hat, Just Eat Takeaway eigentlich nicht wirklich. Die Deliveroo-Fahrer, die auch am Mittwoch protestierten, fordern eine Behandlung als Mitarbeiter und feste Arbeitszeiten. Deliveroos Umgang mit ihnen könnte als „sozial unethisch“ eingestuft werden, was Großinvestoren den Einstieg bei Deliveroo erschweren könnte, denn deren interne Regeln sehen oft vor, nur bei Firmen zu investieren, die Sozialstandards einhalten.

Handelsblatt-Verleger Dieter von Holtzbrinck beteiligt Michael Grabner

Die Holding DvH Medien erweitert zum 1. April ihren Gesellschafterkreis. Verleger Dieter von Holtzbrinck veräußert als Alleingesellschafter jeweils fünf Prozent der Anteile an den Aufsichtsratsvorsitzenden Michael Grabner und an Geschäftsführer Oliver Finsterwalder.

Die beiden Top-Führungskräfte der Mediengruppe seien Garanten für eine langfristige erfolgreiche Weiterverfolgung der publizistischen und strategischen Ziele, teilte die DvH Medien mit.

„Michael Grabner hat seit fast drei Jahrzehnten die Zeitungsverlage meiner ehemaligen und heutigen Mediengruppe maßgeblich und mit großem Erfolg zu im digitalen Zeitalter zukunftssicheren Medienhäusern entwickelt“, begründete von Holtzbrinck die Veränderung im Gesellschafterkreis.

„Oliver Finsterwalder erwies sich in seiner zehnjährigen Zugehörigkeit zur Mediengruppe nicht nur als exzellenter CFO, er erwarb sich auch höchste Anerkennung als fachkundiger, fairer Sparringspartner und als kluger Stratege.“ Die Gesellschafterbenennung sei ein Ausdruck von großer Anerkennung und großem Dank.

Die von Dieter von Holtzbrinck 2009 gegründete DvH Medien ist die Dachgesellschaft für die Tochterfirmen Handelsblatt Media Group in Düsseldorf (unter anderem Handelsblatt, „Wirtschaftswoche“, Handelsblatt Research Institute, Ada und Euroforum) und die Berliner Tagesspiegel-Gruppe („Der Tagesspiegel“, „Potsdamer Neueste Nachrichten“).

Darüber hinaus hält DvH Medien eine unternehmerische 50-Prozent-Beteiligung am Hamburger Zeit-Verlag („Die Zeit“). Insgesamt beschäftigt die Holding rund 2600 Mitarbeiter.

Verlagschefin Julia Jäkel verlässt Gruner + Jahr

Julia Jäkel, CEO von Gruner+Jahr, und das Hamburger Verlagshaus gehen getrennte Wege. Diesem steht eine engere Verzahnung mit der Mediengruppe RTL Deutschland bevor.

Am Ende ging es dann ganz schnell: Die Verlagschefin Julia Jäkel verlässt Gruner + Jahr, nach insgesamt 23 Jahren im Unternehmen. Die 49-Jährige gehe „in ihrem zehnten Jahr an der Spitze freundschaftlich und auf eigenen Wunsch“, teilte das Hamburger Verlagshaus am Mittwoch mit.

Jäkels Nachfolger wird zum 1. April Stephan Schäfer. Der 46-Jährige ist bereits Mitglied der Geschäftsführung von Gruner + Jahr gewesen. Seit Februar 2019 ist er zusätzlich Geschäftsführer Inhalte & Marken der Mediengruppe RTL Deutschland. Diesen Posten behält Schäfer.

Die Personalie ist durchaus im Zusammenhang mit größeren Unternehmensumbrüchen zu sehen. Jäkels Abschied folgt der vor sechs Wochen öffentlich gemachten Ankündigung von Sondierungsgesprächen zwischen Gruner+Jahr und der Mediengruppe RTL Deutschland.

Es geht dabei um eine noch engere Zusammenarbeit, was auch eine Fusion der beiden Medienhäuser bedeuten kann. In Frage steht damit die eigenständige Zukunft von Gruner+Jahr in Hamburg und damit auch die Rolle von Julia Jäkel. Nun der Abschied.

„Mein Schritt, G+J zu verlassen, ist eine ganz persönliche Lebensentscheidung“, sagte Jäkel laut Mitteilung. „Das vergangene Jahr hat auch bei mir Gedanken darüber ausgelöst, was das Leben noch mit einem anstellen kann.“ Diesen Gedanken wolle sie mehr Raum geben. „Darum habe ich Bertelsmann gebeten, mir dies zu ermöglichen.“

Jäkel verlässt zugleich auch Bertelsmann, (Mutterkonzern von Gruner + Jahr ), wie das Unternehmen in Gütersloh mitteilte. Schäfer übernehme dort ihren Posten in dem Gremium Group Management Committee, das den Bertelsmann-Vorstand zu Konzernstrategie unterstützt und berät. Gruner + Jahr ist eine 100-prozentige Tochter von Bertelsmann, zu den Zeitschriftenmarken zählen unter anderen „Stern“, „Geo“ und „Capital“.

2012 der Aufstieg in den Vorstand von Gruner + Jahr

Damit gehen 23 Jahre Julia Jäkel bei Gruner-Jahr zu Ende. 1997 durchlief Jäkel das Bertelsmann Entrepreneurs Program und wechselte anschließend zu dem Verlagshaus. 1999 war sie im Gründungsteam der „Financial Times Deutschland“.

Nach diversen Stationen im Haus dann 2012 der Aufstieg in den Vorstand von Gruner + Jahr. Jäkel führte es seit 2013 und agierte seit 2015 als CEO. In ihre Amtszeit fällt der Ausbau des Digitalgeschäfts sowie der Vorstoß von G+J in neue Marken und Titel. 2016 wurde Julia Jäkel von Kress als „Medienmanagerin des Jahres“ ausgezeichnet.

In den vergangenen Jahren rückte die Zusammenarbeit mit der Mediengruppe RTL Deutschland in den Vordergrund, eine Entwicklung, der Jäkel offenbar nicht im Wege stehen wollte. Mit Schäfer an der Spitze wachsen RTL und Gruner + Jahr weiter zusammen.

Vor rund einem Monat hatte Bertelsmann-Boss Rabe im „Spiegel“ angekündigt, dass eine Fusion von Gruner + Jahr und RTL möglich sei. Darüber sei „noch nicht entschieden“, Rabe hielt es auch für denkbar „nur einige Geschäftsbereiche zu vereinen“.

„Wiener Zeitung“: Geschäftsführer rechnet nicht mit Fortbestand der Tageszeitung in heutiger Form

Der Geschäftsführer der republikseigenen „Wiener Zeitung“, Martin Fleischhacker, hat sich nach einer Betriebsversammlung zur Zukunft der Zeitung mit einer Mail an die Belegschaft gewandt. Darin heißt es: „Es ist davon auszugehen, dass die finanziellen Rahmenbedingungen die Fortführung einer Tageszeitung in der heutigen Form nicht mehr möglich machen.“ Die Journalistengewerkschaft mahnt in einer Aussendung Konzepte für den Fortbestand ein und forderte „Konsequenzen“ für Fleischhacker.

Die „Wiener Zeitung“ wird wesentlich finanziert aus Pflichtveröffentlichungen von Unternehmen im Amtsblatt in der republikseigenen Zeitung. Das Justizministerium plante – in Umsetzung einer EU-Richtlinie –, die Pflicht für große Aktiengesellschaften zu streichen, ihre Jahresabschlüsse im Amtsblatt zu veröffentlichen. Das hätte rund sieben von 18 Millionen Jahresbudget gekostet. Die Streichung wurde vorerst vertagt. Das Koalitionsabkommen von ÖVP und Grünen sieht aber die Abschaffung der Pflichtveröffentlichungen vor.

In der Betriebsversammlung soll es eine Diskussion über Konzepte für den Fortbestand der Tageszeitung gegeben haben – und ob die Geschäftsführung solche Konzepte überhaupt habe.

Fleischhacker schreibt nun der Belegschaft: „Wir haben in den letzten Jahren sehr viele Konzepte entwickelt, auch für die Zeitung mit unterschiedlichen Schwerpunkten. Darunter waren natürlich auch Konzepte für die Fortführung einer Tageszeitung unter geänderten Rahmenbedingungen, aber auch alternative Konzepte für ein Medium.“ Diese Konzepte habe er schon vor zwei Jahren dem Aufsichtsrat präsentiert und seither „weiterentwickelt“.

Fleischhacker erklärt jedoch: „Fakt ist aber, dass die Situation heikel ist. Es ist davon auszugehen, dass die finanziellen Rahmenbedingungen die Fortführung einer Tageszeitung in der heutigen Form nicht mehr möglich machen. Es ist daher jetzt wichtig, die Konzepte, die einer geringeren Finanzierung bedürfen, weiter auszuarbeiten. Diese Produktentwicklung werden wir mit den bestmöglichen Ressourcen ausstatten, Näheres dazu folgt noch diese Woche.“

„Klar“ sei das Ziel, „das bestmögliche Ergebnis für das gesamte Unternehmen zu erreichen“, schreibt Geschäftsführer Fleischhacker.

TSMC investiert 100 Milliarden Dollar in Ausbau von Fertigung

Der taiwanische Chipproduzent will in den kommenden drei Jahren 100 Milliarden Dollar in den Ausbau seiner Fertigungsstätten stecken. So solle die Kapazität der Produktion gesteigert werden. Man erwarte eine sehr hohe Nachfrage angesichts von 5G und dem Trend zu sehr leistungsfähigen Computern, erklärte der Konzern, zu dessen Kunden unter anderem Apple und Qualcomm gehören.

„Außerdem beschleunigt die Covid-19-Pandemie die Digitalisierung in allen Bereichen.“ TSMC hatte bereits angekündigt, in diesem Jahr zwischen 25 und 28 Milliarden Dollar für die Entwicklung und Produktion moderner Chips auszugeben.

Slowenischer Nachrichtenagentur STA droht Insolvenz

Der slowenischen Nachrichtenagentur STA droht wegen der eingestellten staatlichen Finanzierung die Insolvenz. Aufsichtsratschef Mladen Tercelj warnte, dass die Nachrichtenagentur wenige Wochen vor ihrem 30. Jubiläum zahlungsunfähig werden könnte. Die STA feiert im Juni ihr 30-jähriges Bestehen.

Der Aufsichtsrat rief deswegen die slowenische Regierung auf, umgehend die ausstehenden Verbindlichkeiten gegenüber der STA zu begleichen. Die Regierung, die die öffentlichen Dienstleistungen der Nachrichtenagentur finanziert, lag am heutigen Donnerstag mit der Zahlung bereits 33 Tage im Verzug. Dies geht aus einem Zähler hervor, der auf der STA-Internetseite läuft.

Die STA ist im Rahmen ihres öffentliches Dienstes gesetzlich verpflichtet, über wichtige Ereignisse im Land zu berichten, wofür sie aus dem Staatsbudget finanziert wird. Das bringt der Agentur jährlich rund zwei Mio. Euro ein und macht die Hälfte ihres Gesamtumsatzes aus. Heuer hat die STA vom Staat dafür noch kein Geld erhalten, obwohl sie ihre Verpflichtungen ununterbrochen erfüllt. Der Aufsichtsrat stellte laut Medien fest, dass keine der möglichen Maßnahmen den Ausfall von Staatsmitteln ersetzen könne.

Das Presseamt der Regierung (UKOM) begründet die Ablehnung der Zahlungen damit, dass es für 2021 keinen Vertrag mit der STA gäbe. Allerdings wurde die Regierung mit einem der Corona-Gesetzespakete explizit zur Finanzierung von den öffentlichen Dienstleistungen der STA auch ohne einen Vertrag verpflichtet.

90 Beschäftigte

Die Regierung halte sich nicht an ihr eigenes Gesetz, das vom Parlament verabschiedet wurde, kritisierte Tercelj. Deswegen sei in der Nachrichtenagentur „die Existenz von 90 Beschäftigten und ihren Familien gefährdet“, mahnte er. „Die Aussetzung der Finanzierung ohne nachgewiesenes Fehlverhalten ist inakzeptabel und verstößt gegen die Grundsätze der Rechtsstaatlichkeit“, betonte er.

In Hinblick auf den Zankapfel in dem Finanzierungsstreit verwies Trercelj darauf hin, dass der Regierung in ihrer Rolle als STA-Gründer und Alleineigentümer alle gewünschten Dokumente und Informationen zu Verfügung stehen würden. Seines Wissens nach habe aber UKOM, das bisher die Dokumente verlangt habe, dafür keine Autorisierung der Regierung. Das Presseamt forderte von der STA diverse Unterlagen über ihre Geschäftstätigkeit, darunter Kundenverträge sowie eine Liste mit den Gehältern aller Mitarbeiter.