Microsofts deutsche Treuhänder-Cloud rentiert sich kaum

Mit einer „deutschen Cloud“ bietet Microsoft seit 2015 seinen Kunden zusammen mit der Telekom als Datentreuhänder eine besonders geschützte Plattform für ihre Cloud-Strategie. Das Angebot wird sich kaum rentieren. Es sei „zu teuer, zu rückständig“ laute das Fazit vieler Kunden, berichtet die Zeitung unter Berufung auf Branchenkenner.

Das reguläre Cloud-Angebot würden die Partner des Softwarekonzerns demnach besser verkaufen. Mit zwei neuen Rechenzentren in Deutschland wolle Microsoft deshalb gegensteuern.

Mit dem Angebot hatte Microsoft Ende 2015 nach den Enthüllungen des Whistleblowers Edward Snowden und der folgenden NSA-Affäre einen Nerv getroffen. Mit der Telekom als Treuhänder sollte sichergestellt sein, dass die Daten der Kunden im Land gesichert sind und kein Zugriff von außen möglich ist, auch nicht von dem amerikanischen Unternehmen selbst. An einer deutschen Cloud gab es großes Interesse. Die Vorbehalte gegenüber einem amerikanischen Konzern seien greifbar gewesen. Inzwischen hätten die Kunden jedoch eine „pragmatischere Einstellung entwickelt“.

ARD-Vorsitzender Wilhelm schlägt engere Kooperation mit Verlagen vor

Der ARD-Vorsitzende Ulrich Wilhelm hat sich für eine Zusammenarbeit mit den Zeitungsverlagen ausgesprochen. Sinnvoll wäre eine Vernetzung der Plattformen, sagte Wilhelm.

Der ARD sei es gesetzlich verboten, Werbung im Netz zu betreiben. „Aber wir könnten natürlich mit unserer Reichweite den Verlagen dabei helfen, auch eventuell eine Finanzquelle durch gewachsene Werbeumsätze wieder auf diesen vernetzten Plattformen zu bekommen.“

Der digitale öffentliche Raum gerate in den USA immer stärker in private Hand, warnte Wilhelm. Reichweite erziele, wer Facebook, Google und YouTube kostenlos seine eigenen, wertvollen Inhalte gebe. „Ein Gegenrezept kann sein, eigene Plattformen zu stärken“, sagte der BR-Intendant. „Als die vielen Einzelnen sind wir zu schwach.“ Aber eine Vernetzung über Deutschland hinaus ermögliche eine „europäische Selbstbehauptung, um auch kulturell tatsächlich überdauern zu können“. Neben den Verlagen seien auch Universitäten, Museen und andere Anbieter dafür zu gewinnen.

Bezahlen beim Online-Shopping: Kauf auf Rechnung beliebter als Kreditkarte

Wenn es ans Bezahlen geht, zeigen sich die Bundesbürger beim Shoppen im Internet eher konservativ: Am liebsten kaufen sie auf Rechnung ein. Das geht aus einer Umfrage des Kölner Handelsforschungsinstituts ECC hervor. Rund 41 Prozent der Befragten bevorzugten diese „klassische“ Bezahlmethode. Erst mit einigem Abstand folgte auf Rang zwei des Beliebtheitsrankings Paypal, das von 32 Prozent der Befragten favorisiert wurde. Andere Bezahlmethoden wie Kreditkarte, Lastschrift oder Sofortüberweisung spielten nur eine untergeordnete Rolle.

„Trotz ständiger Innovationen im Payment-Markt kann aus Konsumentensicht kein Zahlungsverfahren die Rechnung und Paypal vom Thron stoßen. Im Gegenteil: Die Präferenzen festigen sich bei der Mehrheit der Online-Shopper weiter erkennbar“, berichtete der Mitverfasser der Studie, Malte Krüger.

Im Schnitt haben die Verbraucher beim Einkauf in deutschen Online-Shops der Studie zufolge die Auswahl zwischen sieben Zahlungsverfahren. Am häufigsten angeboten werden demnach Paypal und Vorkasse. Den bei Verbrauchern besonders beliebten Kauf auf Rechnung bieten dagegen nur 71 Prozent der Shops an. Hier bestehe noch immer eine deutliche Diskrepanz zwischen den Wünschen der Käufer und dem Angebot der Händler, heißt es in der Studie.

Jeder Deutsche kauft jährlich 20 Zeitschriften

Über mangelndes Leserinteresse können sich die Zeitschriftenverlage nicht beschweren. 94 Prozent der Deutschen lesen nach Angaben des Verbandes Deutscher Zeitschriftenverleger (VDZ) regelmäßig Magazine, bei den Jüngeren (14 bis 19 Jahre) sind es 87 Prozent.

Statistisch gesehen kauft jeder Einwohner damit 20 Zeitschriften pro Jahr, sagte VDZ-Hauptgeschäftsführer Stephan Scherzer in Berlin.

Im vergangenen Jahr erwirtschafteten 60 000 Mitarbeiter der Zeitschriftenbranche einen Umsatz von 14,8 Milliarden Euro, für 2018 wird eine stabile Entwicklung prognostiziert. Das Digitalgeschäft wächst weiter stark, das Zusatzgeschäft unter anderem mit Konferenzen wird immer wichtiger. Für das klassische Printgeschäft wird ein kleines Minus erwartet, zum Gesamtumsatz tragen Vertriebs- und Anzeigenerlöse noch 55 Prozent bei. Hauptwachstumsmotor ist das mobile Internet, das Smartphone bindet viel Aufmerksamkeit auf sich, so Scherzer. Fast die Hälfte der Verlage plant 2018 darum neue redaktionelle Digital-Angebote.

Spotify bereinigt Daten mit Hilfe seiner Nutzer

Spotify geht mit einem neuen Feature namens „Line-In“ an den Start, mit dem User künftig Metadaten zu den Musiktiteln komplettieren beziehungsweise verbessern können. Die Streamer können unter anderem Informationen zu Genre und Stimmung des Musiktitels und die Herkunft des Künstlers beisteuern.

Das Ziel, das der Streaming-Anbieter damit in erste Linie verfolgt, ist es seine Datenbasis zu optimieren. Spotify verspricht sich damit einen klaren Vorteil gegen Mitbewerber wie Apple Music oder Amazon Music. Zudem bindet das Unternehmen mit dem Schritt seine Kunden stärker an sich.

Im gleichen Zug erhalten die User bessere sowie detaillierte Informationen zu Songs und deren Künstler. Möchte ein Nutzer Informationen bearbeiten oder hinzufügen, kann er dafür auf die drei Punkte klicken, die sich neben dem Song, Album oder Künstlernamen befinden. Im Bearbeitungsfeld können die User dann die Musik des Künstlers beschreiben, seine Spitznamen oder das Herkunftsland angeben etc.

Wolfgang Ainetter wird Ministeriumssprecher in Deutschland

Ex-„Heute“- und „News“-Chefredakteur Wolfgang Ainetter wird neuer Sprecher im deutschen Verkehrsministerium, das künftig unter der Leitung des CSU-Politikers Andreas Scheuer steht.

Ainetter hatte die Bild-Regionalausgaben seit Februar 2016 koordiniert. Von 2005 bis 2011 war Ainetter schon „Bild“-Nachrichtenleiter gewesen. Bis März 2012 leitete er dann in Wien die Redaktion der Gratiszeitung „Heute“, die er laut damaligen Medienberichten im Streit mit Herausgeberin Eva Dichand verließ. Danach wurde er Chefredakteur des Nachrichtenmagazins „News“. Diesen Posten gab er Ende 2014 auf, als sich Verlagschef Horst Pirker eine Neuausrichtung des Blattes wünschte.

Pinterest bringt Pincodes nach Deutschland

Pinterest führt auch in Deutschland seine sogenannten Pincodes ein, mit denen Unternehmen Nutzer von physischen Produkten zu ihren Inhalten bei der Fotoplattform lotsen können.

Die runden Codes können zum Beispiel auf Verpackungen, Preisschildern oder in Zeitschriften platziert werden. Hält man ein Smartphone bei laufender Kamera-Funktion der Pinterest-App darauf, öffnen sich damit verknüpfte Bilder oder Kollektionen.
Zusammen mit den Codes bringt Pinterest auch seine „Lens“-Funktion nach Deutschland: Wenn man einen Gegenstand mit der Kamera erfasst, werden aus dem Bildbestand des Dienstes ähnliche Objekte herausgesucht und angezeigt.

Kooperation mit drei Marken
Die Pincodes sollen zum Deutschland-Start über eine Kooperation mit drei Marken bekannter gemacht werden. Die Zeitschrift „Brigitte“ druckt die Codes in der Oster-Ausgabe, Maggi und der Inneneinrichtungs-Anbieter Urbanara platzieren die Codes jeweils in ihren Flaggschiff-Läden.

US: Neue Nachrichten-Medien punkten mit Qualität

In den USA feiern neue Nachrichtenportale wie Axios Erfolge. Selbst Apple folgt dem Trend und engagiert sich bei Qualitätsmedien.

Axios ist Griechisch und heißt „würdig“. Den leicht hochtrabenden Namen wählten Mike Allen, Jim VandeHei und Roy Schwartz, um ihre Mission zu unterstreichen: nur Geschichten auf die Website bringen, die es würdig sind, gelesen zu werden. Dazu müssen sie nicht nur gut und informativ sein, sondern sie sollen auch nicht zu lang ausfallen.

Die Nachrichtenwebsite ist keine 14 Monate alt, sie startete zwei Tage vor dem Amtsantritt von Präsident Donald Trump. In der kurzen Zeit etablierte sich Axios in den USA und heuerte bereits hundert Mitarbeiter an, darunter zahlreiche namhafte Journalisten. „Der Erfolg ist größer, als wir gedacht hatten“, sagt Allen.

Ob Fox News oder NBC: Axios-Mitarbeiter werden im Fernsehen gerne als Experten interviewt. Auf Konferenzen wie der Digitalmesse South by Southwest (SxSW) moderieren Gründer Allen oder Designchefin Alexis Lloyd Diskussionsrunden mit namhaften Teilnehmern. Bei Investoren hat Axios bislang 30 Millionen Dollar eingesammelt. „Sie sind eine Erfolgsgeschichte“, sagt Emily Bell, Expertin für Digitaljournalismus von der Columbia University. „Ich lese sie jeden Tag.“

Der Fokus auf Qualität zahlt sich aus, wird zum neuen Trend im Mediengeschäft. Nicht mehr Reichweite zählt, der Leser wird nicht mit Bildergalerien und anderen Tricks zu vielen Klicks verleitet. „Crap Trap“ nennt das Axios-Gründer VandeHei, die „Schrott-Falle“. Billige Inhalte verwässern die Marke, seiner Meinung nach liegt die Zukunft in bezahlten Inhalten. Die müssen daher gut und vertrauenswürdig sein, damit der Leser dafür Geld bezahlt.
Die Nachfrage ist da. In Zeiten der „Fake News“ suchen die Menschen nach vertrauenswürdigen Quellen. Vor allem Sozialnetzwerke und digitale Plattformen wie Facebook, Twitter und Google stehen in der Kritik, vorsätzlich verfälschte Nachrichten zu verbreiten.

Selbst Apple nutzt das Versagen der Konkurrenz, um sich als Alternative für Medienunternehmer in Szene zu setzen. Softwarechef Eddy Cue warb auf der SxSW für die eigene Nachrichten-App Apple News und ausgeruhten Journalismus. „Wir unterstützen Qualitätsjournalismus von glaubhaften Quellen“, sagte er. Auf die Frage, ob Facebook und Twitter genug gegen die Verbreitung von Falschnachrichten unternähmen, erklärte er: „Wer eine riesige Plattform besitzt, hat große Verantwortung.“

Im Mediengeschäft wird Apple immer mehr zur festen Größe. Der amerikanische TV-Sender CNN erhalte 60 Prozent seiner Lesezugriffe via Apple News, wie Cue erklärte. Der „Washington Post“ strömen laut ihres Produktmanagers Shailesh Prakash durch Apple News täglich Hunderte neue Abonnenten zu.

Mit einem neuen Investment baut Apple die Strategie weiter aus. Der Hersteller übernimmt Texture, einen Abodienst für Magazine. Über die App können Kunden auf etwa 200 Zeitschriften zugreifen, darunter „Wired“, „Vogue“ oder „The New Yorker“. Sie zahlen einen monatlichen Preis von 9,99 Dollar. Statt auf schnelle Klicks, Kommentare und Reichweite setze Apple auf Auswahl, kommentierte Cue den Deal. „Wir wollen die besten Artikel aus glaubwürdigen Quellen, damit wir kein Problem mit Fake News bekommen.“

Wenn Cue spricht, horcht die digitale Wirtschaft auf. Der 53-Jährige zählt zu den Führungsfiguren bei Apple und gilt als enger Vertrauter von Tim Cook. Er führt die Konzernsparte, die immer mehr ins Zentrum der Strategie rückt: das Geschäft mit Software und Services.

Cue soll Apples Gewinne auch nach dem Ende des Smartphonebooms sichern, der sich langsam abzeichnet. Apple verkaufte zuletzt weniger iPhones, erlöste aber pro Gerät mehr, dank steigender Einnahmen aus dem Softwaregeschäft, mit Apps wie Apple News.

Als Chefredakteurin News heuerte Apple die einflussreiche Journalistin Lauren Kern an, frühere leitende Redakteurin des „New York Magazine“. Bislang greifen Nutzer des Angebots von Apples Betriebssystem iOS und Android kostenlos auf Apple News und Inhalte zu, die von den Medienhäusern kostenlos angeboten werden. Schließt ein Kunde über Apple News ein Abo bei einer Zeitschrift oder Zeitung ab, streicht Apple 30 Prozent der Aboumsätze ein. Das entspricht dem Anteil, den es auch von den Entwicklern im App Store verlangt.

„Wir machen gute Erfahrungen mit Apple News“, sagte Evan Ryan, die bei Axios für das Marketing verantwortlich ist.
Axios wendet sich vor allem an Entscheidungsträger, an Menschen mit wenig Zeit. Alle drei Gründer kommen von Politico, der 2007 ins Leben gerufenen Politik-Webseite, die schon nach kurzer Zeit nicht mehr aus Washington wegzudenken war.

Mike Allen war der Weiße-Haus-Korrespondent von Politico, machte mit dem Newsletter „Playbook“ auf sich aufmerksam. Der 53-Jährige ist eine Legende in Washington, arbeitet rund um die Uhr, strotzt nur so vor Energie und Ungeduld. Auch Axios-Mitbegründer Jim VandeHei kann auf eine Karriere beim „Wall Street Journal“ und der „Washington Post“ zurückblicken, bis er 2007 Politico mit ins Leben rief, dort lange Zeit Chefredakteur war. Der Dritte im Bunde ist Roy Schwartz, einst der „Chief Revenue Officer“ von Politico.

Die Gründer spielten ihre Kontakte in der Branche aus, heuerten IT-Spezialistin Ina Fried in San Francisco von Recode an, holten Dan Primack vom Wirtschaftsmagazin „Fortune“, der bestens in der Risikokapitalszene verdrahtet ist, oder David Nather von Politico, der über Gesundheit schreibt. Vom „Wall Street Journal“ lockten sie Energieexpertin Amy Harder.

Noch ist der gesamte Inhalt von Axios umsonst zu lesen. Die Website finanziert sich mit Anzeigen, in den ersten sieben Monaten nahm sie zehn Millionen Dollar ein. Das ist viel Geld dafür, dass Axios bewusst auf offensive Werbung wie Banner oder Pop-ups verzichtet. Das erhöht die Qualität der Werbung auch zum Vorteil des Werbetreibenden, wie Designchefin Lloyd sagt: „Wer in Anzeigen Respekt vor dem Leser zeigt, der erhält mehr Aufmerksamkeit und Interesse.“

Die Zukunft soll aber in bezahlten Inhalten liegen. Vorher aber muss Axios „seine Reichweite erhöhen“, wie Digitaljournalismus-Expertin Bell sagt, „um dann später Abogebühren erheben zu können.“

Mitbegründer VandeHei sagte, dass Axios eines Tages die Hälfte seiner Einnahmen per Abonnements erzielen will. Daher gründete es bereits zahlreiche Newsletter, die maßgeschneidert auf einzelne Branchen wie Gesundheit oder Energie sind – und damit zahlungskräftige Zielgruppen ansprechen.

„Wir wollen eine sehr spezielle Leserschaft mit hoher Genauigkeit erobern“, sagte VandeHei. Dabei verriet er auch den Preis für die teuersten Newsletter, er könne nicht „super interessiert sein bei weniger als 10.000 Dollar“. Das war 2016. Vor wenigen Tagen wollte Gründerkollege Allen dazu nicht viel sagen. Gefragt, wie lange er denn die Inhalte gratis anbieten wolle, antwortete er nur: „Eines Tages wollen wir das ändern.“

Aldi baut das Online-Geschäft in den USA aus

Der deutsche Discounter Aldi entwickelt sich in den USA immer mehr zum Online-Händler. So wird es seine Zusammenarbeit mit dem Online-Lieferdienst Instacart nach erfolgreichen Pilotprojekten im Süden des Landes nun auch für 200 Filialen in Chicago und Umgebung anbieten.

Aldi ist seit vielen Jahren erfolgreich in den USA unterwegs. Im vergangenen Sommer hat der Einzelhändler seine Kooperation mit Lieferdienst Instacart angekündigt. Zunächst wurde in drei Städten ausprobiert, wie die Kunden ein Online-Angebot von Aldi annehmen. Das soll nun massiv ausgebaut werden.

Auf der Internetseite von Instacart können sich Kunden unter den Supermarktketten Aldi aussuchen und sich die Produkte innerhalb von einer Stunde liefern lassen. Aldi Süd betreibt heute mehr als 1750 Geschäfte in 35 US-Bundesstaaten. Der Edel-Discounter Trader Joe’s gehört der deutschen Firmenschwester Aldi Nord. In Deutschland ist Aldi dagegen kaum im E-Commerce aktiv.

Marktaufsicht nimmt ProSiebenSat1-Kritiker Viceroy ins Visier

Die Attacke des Analysehauses Viceroy Research gegen ProSiebenSat1 war nach Darstellung der deutschen Finanzmarkaufsicht Bafin illegal. Eine am 6. März von Viceroy veröffentlichte Verkaufsempfehlung für Aktien des deutschen Fernsehkonzerns habe gegen das Wertpapierhandelsgesetz verstoßen, teilte die Bafin mit.

Denn das Unternehmen habe die Bafin nicht über seine Tätigkeit als Analysehaus informiert. Zudem enthalte die Internetseite von Viceroy kein Impressum, so dass der Sitz des Analysehauses unbekannt sei.
In einem 37-seitigen Papier hatte Viceroy ProSiebenSat1 eine fragwürdige Bilanzierung vorgeworfen. Zugleich hatte Viceroy mit Leerverkäufen auf einen Kursverfall der Aktie gewettet. Sie stürzte am Tag der Veröffentlichung um bis zu acht Prozent ab. ProSiebenSat1 hatte die Kritik zurückgewiesen und die Prüfung juristischer Schritte angekündigt. Die Vorwürfe und die Schlüsse, die Viceroy daraus ziehe, seien unbegründet und falsch.

Burdas Schmuck-Finder „Prettique“ ist gestartet

Die Burda-Tochter BurdaStudios, hier hat der Verlag seine TV- und Digitalgeschäfte vereint, hat nun eine E-Commerce-Plattform für Schmuck gestartet. Diese heißt „Prettique“ – eine Mischung aus den Worten pretty und unique. Die Plattform wurde von Burdas selbsternanntem „Fashion-Performance-Netzwerk“ Tracdelight entwickelt und bündelt ausgewählte Schmuckstücke aus einer Vielzahl von Online-Shops auf einer Seite. Zum Start sind die Waren von 16 Online-Shops auf prettique.de zu finden.

MDR launcht TV-Sendung „Unter Büchern“

Der MDR testet ein neues TV-Format: Am 17. März wird anlässlich der Leipziger Buchmesse die neue Literatursendung „Unter Büchern“ ausgestrahlt (Sendetermine: 22.10 Uhr bei 3sat, 23.15 Uhr im MDR). Sie soll auch die Lücke schließen, die in diesem Jahr durch den Wegfall der Leipziger Buchnacht mit Denis Scheck entsteht.

Metropolitan Opera feuert Stardirigent Levine

Mehr als vier Jahrzehnte war James Levine der Stardirigent an der Metropolitan Opera in New York (Met) – nun hat ihn die Theater-Gesellschaft gefeuert. Die Ermittlungen hätten „glaubhafte Beweise“ hervorgebracht, dass Levine sich des sexuellen Missbrauchs schuldig gemacht habe.

Anfang Dezember 2017 hatte das Opernhaus Levine suspendiert. Zuvor wurde berichtet, dass er einen Jugendlichen von 1985 bis 1993 sexuell missbraucht haben soll. Der Missbrauch habe den heute 48-Jährigen fast in den Suizid getrieben. Zudem hatten sich drei weitere Musiker geäußert und ähnliche Erfahrungen geschildert.

Cancom stärkt mit Zukauf seine Dienstleistungen

Der deutsche IT-Dienstleister Cancom will sein Geschäft mit Dienstleistungen mit einem Zukauf ausbauen. Cancom kaufe 82,1 Prozent der britischen Ocean Intelligent Communications Ltd.

Cancom macht derzeit 85 Prozent seines Geschäfts in Deutschland, Österreich und in der Schweiz. Mit dem Ocean-Kauf will das Unternehmen auch sein internationales Geschäft ausweiten, vor allem in Europa. Cancom entwirft und betreibt IT-Systeme für Kunden. Schwerpunkt soll das Geschäft mit Cloud-Lösungen werden.

Dieser Mann steckt hinter dem Telegram-Messenger

Es war am 27. Mai 2012, als der junge russische Internetunternehmer Pawel Durow einem Kollegen zeigte, wie man richtig Geld aus dem Fenster wirft.

Er faltete mehrere rote Rubelscheine zu Papierfliegern, jeder der Scheine war zu dieser Zeit 125 Euro wert. Dann lehnte er sich aus dem Fenster im sechsten Stock eines klassizistischen Prachtbaus – und ließ die Scheine fliegen. In kleinen Halbkreisen – das belegen Fotos und Videos von überraschten Passanten – segelten die Scheine auf den Sankt Petersburger Newski-Prospekt, einen Prachtboulevard im Stadtzentrum.

Diese Episode verrät viel über einen Mann, dessen Vermögen das Wirtschaftsmagazin Forbes auf 1,7 Milliarden US-Dollar schätzt. „Für mich ist Geld eine absolut virtuelle Einheit“, gab Durow dem Magazin einst zu Protokoll. Trotzdem hat er nun bei Investoren die Rekordsumme von 850 Millionen US-Dollar eingeworben. Nicht etwa für Anteile an seinem Internetunternehmen. Sondern für Münzen einer Kryptowährung, die es noch nicht gibt.

Initial Coin Offering, erstes Münzangebot, so nennen Experten dieses Verfahren im Netz: Start-ups bewerben Krypto-Münzen und Investoren greifen zu. Bislang konnten sich in einem Vorverkauf nur Großinvestoren Durows Münzen sichern. Und trotzdem hat der 33-Jährige auf diese Weise bereits so viel Geld eingeworben wie niemand zuvor. Schon wollen Investoren ihm noch mehr Geld geben. Zig Millionen Dollar für einen Jungspund, der sich selbst mit Geheimdiensten anlegt?

Chuzpe zeigte Durow schon in der Schule, wo er den Startbildschirm auf allen Computern manipulierte. Zu sehen war dann das Bild des Informatiklehrers, geschmückt mit dem Zusatz „must die“. Später lenkte Durow sein technisches Wissen in gewinnbringendere Aktivitäten: 2006 gründet er das soziale Netzwerk VKontakte, eine dreiste Facebook-Kopie, nur besser.

Nutzer können Videos, Filme und Fotos hochladen. Urheberrechte? Sie zählten – zunächst – nicht viel. Schon in den ersten Monaten strömten Hunderttausende auf die Seite, im zweiten Jahr tummelten sich mehr als drei Millionen Nutzer auf VKontakte. Nach fünf Jahren brachte es das Netzwerk auf mehr als 80 Millionen Mitglieder – und Durow in Probleme.

Als der russische Geheimdienst FSB an einem Wochenende im Dezember 2011 an Durows Tür klopfte, war er, so schilderte er es später, gerade alleine. Der junge Technikfreak schlich zur Tür, linste durch den Spion und sah Männer in Camouflage, bewaffnet mit Gewehren. Dann schlich er zum Fenster, doch dort war die Aussicht ähnlich: mehr Männer mit mehr Gewehren. Durow sagte später, er habe einfach gewartet. Nach einer Stunde sei der Geheimdienst abgezogen.

Telegram ist vielen autoritären Regimen ein Dorn im Auge
Er war vorgewarnt: Tage zuvor hatte der FSB ihn per Post aufgefordert, einige Gruppen in seinem sozialen Netzwerk zu schließen, auf denen russische Oppositionelle zu Protesten gegen die Wahlfälschungen bei der Präsidentenwahl aufgerufen hatten. Durow setzt auf die Macht der Massen und veröffentlicht den Brief im Internet. „Für einen russischen Unternehmer ist das ein vollkommen ungewöhnlicher Schritt“, sagt der Durow-Biograf Nikolai Kononow, der 2012 das Buch Der Durow-Code veröffentlichte. Der staatliche Nachrichtendienst gegen Durows Nachrichtendienst.

Es ist nur ein Beispiel aus einer ganzen Liste von Auseinandersetzungen mit autoritären Regimen rund um den Globus, die Durow führt. Immer wieder wollen die Behörden Chatprotokolle der Nutzer oder Durows Plattform gleich ganz sperren. Zum Beispiel, als Oppositionelle im Iran bei den Protesten Anfang des Jahres über Durows Messenger Telegram kommunizierten.

Diese App verschaffte ihm den internationalen Durchbruch, weil sich Nachrichten dort verschlüsseln lassen. Aktivisten, Journalisten nutzen Durows Messenger. Auch Terroristen. „Keine Regierung und kein Geheimdienst haben je auch nur ein Bit von uns bekommen“, lässt Durow regelmäßig mitteilen.

Wie ernst ist es Durow wirklich mit Sicherheit und Datenschutz?
Ein Unternehmer, der für die Freiheit des Wortes kämpft? Durow-Biograf Kononow glaubt, dass dem IT-Wunderkind die Redefreiheit zwar wichtig ist, er mit den markigen Sprüchen aber eigentlich andere Ziele verfolgt. „Seine Unabhängigkeit zu verteidigen, ist für ihn schlicht gewinnbringend“, sagt Kononow. Datenschutz, Datenschutz, Datenschutz – immer wieder verweist Durow auf den vermeintlichen Vorteil seines Messengers, sonst wäre Telegram schnell entvölkert.

Experten haben jedoch Zweifel, ob es Durow mit der Sicherheit tatsächlich ernst meint. Gruppenchats lassen sich bei Telegram zum Beispiel nicht verschlüsseln, was bei Konkurrenten bereits möglich ist. „Wenn Oppositionelle bei Telegram einen Chat mit mehreren Personen aufmachen, wäre das brandgefährlich“, sagt Thomas Lohninger von der österreichischen Bürgerrechtsinitiative Epicenter Works.

Bei Durows Kryptowährung bleiben viele Fragen offen
Diesen Worten lässt er nun Taten folgen – mit seinem Vorschlag für eine grenzenlose Digitalwährung unter dem Namen Gram, die er dieser Tage skizzierte. Damit sollen die 170 Millionen Nutzer seines Messengers irgendwann bezahlen können. „Durch die riesige Nutzerbasis wird aus Gram sofort ein Riesenprojekt“, sagt Wladimir Smerkis, Mitgründer des Kryptofonds Tokenbox.

Smerkis will investieren, denn Durow will in Telegram ein ganzes Ökosystem rund um die Krypto-Münzen aufbauen. Viele Experten jedoch zweifeln an dem Projekt: „Es ist völlig unklar, wie das Team die Gelder verwenden will und warum sie für ihre Ideen so unfassbar viel Geld brauchen“, sagt Volker Brühl, Geschäftsführer des Frankfurt Centre for Financial Studies.

Die Anleger müssen hoffen, dass Durow aus ihrem Geld nicht wieder Fliegerchen bastelt. Dabei dürfte ihm die Anekdote täglich vor Augen stehen: Im Logo der Telegram-App schwebt, ausgerechnet, ein kleiner Papierflieger.

Google-Gründer startet Tests für Flugtaxis

Eine von Google-Mitgründer Larry Page finanzierte Firma namens Kitty Hawk will in Neuseeland einen Flugdienst mit Lufttaxis aus eigener Entwicklung starten. Die kleinen elektrischen Maschinen für zwei Personen können senkrecht starten und dann wie ein Flugzeug fliegen.

Den kommerziellen Flugdienst in Neuseeland wolle Kitty Hawk in drei Jahren an den Start bringen.

Das von Page privat finanzierte Flugprojekt wird von Sebastian Thrun geleitet – einem aus Deutschland stammenden Wissenschaftler, der einst Googles Roboterwagen-Programm mitbegründete.

Finnland stärkt mit Anteilskauf Einfluss auf Nokia

Finnland hat sich mit einer Minderheitsbeteiligung an Nokia mehr Einfluss auf den Telekom-Netzwerkausrüster gesichert.

Der Staatsfonds Solidium kaufte nach eigenen Angaben für 844 Mio. Euro einen Anteil von 3,3 Prozent an dem größten finnischen Unternehmen. Zunächst sei kein Sitz im Führungsgremium von Nokia geplant, sagte Solidium-Chef Antti Makinen.

Der einstige Handy-Pionier war früher eine tragende Stütze der finnischen Wirtschaft. Nach dem Verkauf seines Handygeschäfts an Microsoft hat Nokia den Netzwerkbereich ausgebaut und konkurriert in diesem Bereich sowohl mit dem chinesischen Anbieter Huawei als auch dem schwedischen Ausrüster Ericsson. Nokias Internetseite zufolge halten drei finnische Pensionsfonds weniger als drei Prozent an dem Unternehmen.

Vizekanzler Strache entschuldigt sich bei Armin Wolf für „Lügen“-Posting

Der Streit zwischen ORF-Moderator Armin Wolf und Vizekanzler Heinz-Christian Strache nimmt eine überraschende Wende: Die beiden haben sich gütlich geeinigt und treffen einander nicht vor Gericht.

Strache entschuldigt sich bei Wolf, dieser zieht im Gegenzug seine Klage wegen Kreditschädigung, Ehrenbeleidigung und übler Nachrede zurück.

Wie Armin Wolf auf seiner Webseite berichtet, ist Strache bereit, sich öffentlich für sein Facebook-Posting vom Faschingsdienstag zu entschuldigen, sämtliche Kosten des bisherigen Verfahrens zu tragen und eine Entschädigung in Höhe von 10.000 Euro zu bezahlen. Wolf will diese Summe an das Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstandes (DÖW) spenden. Seine Webseite war kurz nach der Veröffentlichung der Neuigkeiten wegen Überlastung nicht erreichbar.

VDZ: Zeitschriftenverlage rechnen 2018 mit insgesamt stabilem Geschäft

Die deutschen Zeitungsverleger erzielten im vergangenen Jahr zusammen einen Umsatz von 14,8 Milliarden Euro Umsatz. Damit konnten die Einnahmen in etwa auf Vorjahreshöhe gehalten werden. Das gab der Verband Deutscher Zeitschriftenverleger e.V. im Rahmen der Jahrespressekonferenz bekannt.

Wie der VDZ mitteilte, plant die Mehrheit der Verleger in den nächsten zwei Jahren verlagsübergreifende Kooperationen in nicht-journalistischen Geschäftsfeldern. „Zu den globalen Mega-Playern, den Duopolen im Privat-TV oder der Konzentration bei den Media-Agenturen lassen sich jetzt erstmals Gegenentwürfe realisieren, die zu einem faireren Marktgleichgewicht beitragen können“, führt Scherzer aus.

Laut der VDZ-Trendumfrage rechnen die Fach- und Publikumsverleger mit einer insgesamt stabilen Geschäftsentwicklung im Jahr 2018. Neben dem weiteren Wachstum im Digitalgeschäft von 7,5 Prozent erwarten die Verlage auch im Geschäft mit Konferenzen, Datenbank-Services und Leadgenerierung ein Plus von 2,2 Prozent. In den klassischen Geschäftsfeldern Vertrieb und Anzeigen gehen die Befragten von einem Umsatzminus in Höhe von 1,7 bzw. 1,8 Prozent aus. Das klassische Printgeschäft (Anzeigen und Vertrieb) wird den Prognosen zufolge im diesem Jahr einen Anteil von 55 Prozent am Gesamtumsatz einnehmen. Das Digitalgeschäft trägt 21,5 Prozent zum Umsatz bei und das sonstige Geschäft 23,5 Prozent.

Tamedia 2017 dank Sondereffekten mit deutlich mehr Gewinn

Die Schweizer Mediengruppe Tamedia, die in Österreich an „Heute“ beteiligt ist, hat 2017 ihren Reingewinn vor allem dank Sondereffekten um 39 Prozent auf 170,2 Millionen Franken (138,4 Millionen Euro) gesteigert.

Der Umsatzanteil der digitalen Angebote erhöhte sich binnen Jahresfrist von 31 auf 37,5 Prozent. Im angestammten publizistischen Kerngeschäft mit gedruckten Zeitungen und Zeitschriften kämpfte der Konzern mit einem deutlichen Rückgang des Printwerbemarkts.

Der Gesamtumsatz verminderte sich 2017 um 3 Prozent auf 974,2 Millionen Franken, die Printwerbeumsätze fielen dabei im Vorjahresvergleich um 35 Millionen Franken tiefer aus.

Das Betriebsergebnis (Ebit) nahm um über 59 Prozent auf 180,7 Millionen Franken zu, die Ebit-Marge erhöhte sich damit von 11,3 auf 18,6 Prozent – der Anstieg ist allerdings größtenteils auf buchhalterische Sondereffekte zurückzuführen.

Unter dem Strich verblieb ein um 39 Prozent höherer Reingewinn von 170,2 Millionen Franken, den Aktionären von Tamedia stehen davon 146,9 Millionen Franken zu. Auch unter Ausklammerung der Sondereffekte liegen sowohl Ebit und Reingewinn über dem Vorjahr, heißt es in der Mitteilung.

Google will keine Werbung für Bitcoin & Co. mehr anzeigen

Nach dem Online-Netzwerk Facebook will auch Google künftig keine Werbung rund um Bitcoin & Co. mehr anzeigen. Auch Anzeigen für andere unregulierte oder spekulative Finanzprodukte werde Nutzern nicht mehr angezeigt, teilte der Suchmaschinen-Betreiber mit.

Facebook hatte Ende Januar angekündigt, keine Werbung für Kryptowährungen mehr anzeigen zu wollen. Dies gelte auch für andere Plattformen des Konzerns wie Instagram.

EU-Experten: Kein Werbegeld für Fake-News

Die von der EU-Kommission eingesetzte Expertengruppe zum Thema Fake-News hat ihren Endbericht präsentiert. Die 39-köpfige Gruppe spricht sich darin für einen Grundsatzkatalog aus, dem sich Plattformen und soziale Medien freiwillig verpflichten sollen.

„Die Bürger Europas müssen in der Lage sein, fundierte Entscheidungen zu treffen. Egal, ob es um die Schule des eigenen Kindes, Finanz- oder Wahlentscheidungen geht“, sagte Madeleine de Cock Buning und hob die Wichtigkeit vertrauenswürdiger Informationsquellen hervor. Die niederländische Wissenschafterin ist die Vorsitzende der Expertengruppe.

Die Runde fordert Plattformen dazu auf, vertrauenswürdige Inhalte besser zu kennzeichnen und zu verhindern, dass Werbegeld an die Produzenten von Falschinformationen fließt. Sie sollen zudem transparenter werden und ihre Algorithmen offenlegen.

Die Experten plädieren auch für mehr Forschung in diesem Bereich im Bereich der Falschinformation. Sie fordern ein internationales Netzwerk für unabhängige Forschungszentren, die sich mit Desinformation beschäftigen.

Die Verbreitung von Halbwahrheiten und gezielten Falschmeldungen im Internet sorgt laut dem ebenfalls am Montag veröffentlichten Eurobarometer zufolge viele Europäer. So sagten 83 Prozent der rund 26.000 Teilnehmer, das Phänomen sei eine Bedrohung für die Demokratie. Traditionelle Medien gelten demnach als relativ glaubwürdige Nachrichtenquellen: Im Eurobarometer nannten 70 Prozent das Radio, 66 Prozent Fernsehen und 63 Prozent Printmedien, während reine Onlinequellen nur bei 26 bis 27 Prozent der Befragten Vertrauen genossen.

Condé Nast Verlag überarbeitet Cover-Design von ‚AD Architectural Digest‘

Das zum Condé Nast Verlag gehörende Interior-Design-Magazin ‚AD Architectural Digest‘ präsentiert sich mit den April-Ausgaben weltweit in einer neuen Cover-Optik.

Das Design wurde inhouse von den Chefredaktionen der elf internationalen Editionen entwickelt. Im Zuge des Relaunches erhält das Magazin-Logo auf allen Ausgaben noch mehr Präsenz. Zugleich wird das Titelmotiv künftig stärker in Szene gesetzt, indem der charakteristische weiße Rahmen zurücktritt.

Slowakischer Innenminister tritt zurück

Der slowakische Innenminister Robert Kalinak hat nach dem Doppelmord an dem Journalisten Jan Kuciak und dessen Verlobter Konsequenzen gezogen und seinen Rücktritt erklärt.

Er erklärte den Schritt mit dem immensen öffentlichen Druck, der seit dem Mord an dem Enthüllungsjournalisten auf der Regierung laste. „Eigentlich gibt es für einen Innenminister nur eine Lösung – den Mordfall zu untersuchen und die Täter zu finden“, sagte Kalinak. Sein Mandat als Parlamentsabgeordneter will er jedoch nicht niederlegen.

Kalinak gehört der sozialdemokratischen Partei Smer des Regierungschefs Robert Fico an. Zuletzt war der Ruf nach politischen Konsequenzen nach dem erschütternden Mord lauter geworden. Bei den größten Demonstrationen seit der demokratischen Wende von 1989 mehr als 30.000 Menschen in der Hauptstadt Bratislava auf die Straße gegangen.

Facebook schließt Lizenzvertrag mit Warner Music

Facebook weitet seine Partnerschaften mit der Musikbranche aus. Der Internetkonzern schloss nun einen Lizenzvertrag mit Warner Music. Die Facebook-Nutzer können damit künftig auf legale Weise Musik und Videos aus dem Warner-Katalog auf ihre Facebook-Seite hochladen.

Ähnliche Verträge hatte Facebook in den vergangenen Monaten bereits mit den Warner-Konkurrenten Universal Music and Sony Music geschlossen. Durch die Partnerschaften will Facebook stärker als bisher in direkte Konkurrenz zu YouTube treten, der bisher populärsten Onlineplattform für Musikvideos.

YouTube hat seinerseits Lizenzverträge mit den größten Musiklabels abgeschlossen. Zudem will Facebook mittels der Musik-Partnerschaften seinen Rückstand gegenüber anderen Internetgiganten wie Apple oder Google beim sogenannten Musikstreaming aufholen.

Zum Deal mit Facebook erklärte Warner-Digitalchef Ole Obermann, dadurch würden „das Universum des Musikstreamings erweitert und zusätzliche Einnahmen für Künstler geschaffen“. Zu den finanziellen Konditionen des Vertrages äußerten sich die beiden Unternehmen allerdings nicht.

Lidl: 750 Millionen Euro E-Commerce-Umsatz

Der Discounter erwirtschaftet immer mehr Umsatz über das Internet. „Im abgelaufenen Geschäftsjahr sind wir im Vergleich zum Vorjahr mehr als 50 Prozent gewachsen“, sagte Digital-Chef Thorsten Reichle.

In konkreten Zahlen bedeutet das einen internationalen E-Commerce-Umsatz von rund 750 Millionen Euro. In diesem Jahr will Lidl die Milliardengrenze knacken. Mittel zum Zweck sind unter anderem neue Webshops in zahlreichen europäischen Ländern

ORF-Journalistin Teschl wird Landesrätin in Niederösterreich

Die niederösterreichische Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner holt die ORF-Journalistin Christiane Teschl in die neue Landesregierung. Teschl war bis 2015 Chefredakteurin des ORF Niederösterreich und arbeitete danach im ORF-Zentrum beim Frühprogramm des Senders und zuletzt als Bundesländer-Koordinatorin.

Sie wird Soziallandesrätin anstelle von Barbara Schwarz, die aus der Regierung ausscheidet. Teschl sei „unabhängig und kein ÖVP-Mitglied“, sagte Mikl-Leitner.

Mikl-Leitner sei „vor sehr kurzer Zeit“ mit dem Angebot, Landesrätin zu werden, zu ihr gekommen, sagte Teschl bei einer Pressekonferenz der ÖVP. Sie habe einen halben Tag nachgedacht und sich besprochen, dann aber „natürlich sofort Ja gesagt“ – schließlich schätze sie Mikl-Leitner „schon sehr lange“ als Politikerin und Landeshauptfrau.

Beim ORF hat man offenbar keine Zeit zu verlieren, was Teschls Abschied betrifft: „In den nächsten Tagen“ werde die Journalistin ihre aktuellen Aufgaben dort beenden, Anfang der kommenden Woche soll es „ein Gespräch über die Details ihres Ausscheidens aus dem Unternehmen“ geben, heißt es aus dem Unternehmen. Dort betont man auch, dass Teschl seit September 2017 nicht mehr für das Frühprogramm zuständig und „nicht direkt journalistisch tätig“ sei.

Basler Zeitung vor Verkauf an Tamedia

Tamedia hat mit Christoph Blocher über einen Kauf der Basler Zeitung verhandelt. Als Tausch soll das Zürcher Medienhaus das Tagblatt der Stadt Zürich angeboten haben.

Unter „größter Geheimhaltung“ sollen die Verhandlungen über die Bühne gegangen sein. Auf der einen Seite Christoph Blocher und Rolf Bollmann, auf der anderen Pietro Supino und Christoph Tonini.

Der Deal: Blocher & Co. verkaufen Tamedia die Basler Zeitung und erhalten im Gegenzug den Gratis-Anzeiger Tagblatt der Stadt Zürich, sowie eine finanzielle Entschädigung, „wohl in Millionenhöhe“.

Blocher habe in Basel seine Ziele nicht erreicht. Chefredaktor Markus Somm habe mit seinem „rechten Kampfblatt“ seit Jahren auf eine „bürgerliche Wende“ hingeschrieben – dennoch sei die Stadt Basel nach wie vor fest in rot-grüner Hand. Ausserdem hat sich die Auflage seit 2010 fast halbiert. Wirtschaftlich steht es um die BaZ aber nicht schlecht: Chefredaktor Markus Somm betont immer wieder, die Basler Zeitung sei eine der wenigen rentablen Zeitungen der Schweiz.

Sollte zu Blochers Gratiszeitungen, die er der Zehner-Gruppe abkaufte und die 720.000 Haushalte erreichen, auch noch das Tagblatt der Stadt Zürich hinzukommen, würde er auf einen Schlag Zugang zu weiteren 127.000 Haushalten erhalten. Insgesamt gibt es in der Schweiz ungefähr 3,7 Millionen Haushalte.

Online-Glücksspielanbieter GVC 2017 mit mehr Umsatz und Gewinn

Der Kauf des Online-Glücksspielanbieters bwin.party vor drei Jahren hat sich für die in London börsennotierte GVC Holdings ausgezahlt.

2017 stieg der Nettospielertrag des Konzerns um 17 Prozent auf 926 Mio. Euro. Das bereinigte Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) legte um 40 Prozent auf knapp 240 Mio. Euro zu, nach Steuern blieben dem Konzern 169 Mio. nach 51 Mio. Euro.
Die auf der Isle of Man ansässige GVC Holdings ist weiter auf Einkaufstour. So stimmten die Aktionäre dem Kauf des Rivalen Ladbrokes Coral, Großbritanniens größtem Wettanbieter, zu. GVC Holdings will dafür bis zu 4 Mrd. Pfund (4,5 Mrd. Euro) hinblättern.

„Bild“ will auf selbstproduzierte „Oben ohne“-Bilder von Frauen verzichten

Die deutsche „Bild“ will in Zukunft keine selbstproduzierten „Oben ohne“-Fotos von Frauen mehr zeigen. Das „Bild“-Mädchen soll es weiter geben, aber in Dessous oder im Bikini.

„Unser Gefühl in den letzten Monaten war zunehmend, dass viele Frauen diese Bilder als kränkend oder herabwürdigend empfinden, sowohl bei uns in der Redaktion, aber auch unter unseren Leserinnen“, sagt dazu die Zeitung, „wir bei ‚Bild‘ glauben nicht, dass die Unterhaltung von Männern die Kränkung von Frauen in Kauf nehmen sollte (und natürlich auch nicht umgekehrt). Deswegen werden wir solche Fotos auch nicht mehr produzieren“.

RTL trennt sich in Belgien von 88 Mitarbeitern

Die belgische Tochter der RTL Group trennt sich aufgrund der angespannten Marktlage von 88 Mitarbeitern. Für das TV-Unternehmen hat sich die Situation in dem Land ungünstig entwickelt.

Zum einen ist der Werbemarkt rückläufig, und zum anderen trat dort mit TF1 vor Kurzem ein neuer Markt-Teilnehmer auf den Plan. Diese beiden Faktoren zwangen RTL Belgium, mit einem Umbauplan zu reagieren. Jetzt haben sich Personalvertretung, Gewerkschaften und Unternehmensleitung von RTL Belgium auf Konditionen für die Beschäftigten verständigt, die im Rahmen des sogenannten „Kollektiv-Entlassungsverfahrens“ aus dem Unternehmen ausscheiden.

Das Fernsehgerät bleibt Spitzenreiter beim Bewegtbild

93 Prozent der Deutschen nutzen das klassische Fernsehgerät, um Bewegtbild zu konsumieren. Es folgen Computer (67 Prozent), Smartphone (36 Prozent) und Tablets (22 Prozent).

Auch über alle Altersgruppen hinweg ist das TV-Gerät das beliebteste Gerät, wenn es um Bewegtbilder geht.

Die Befragung ergab, dass 95 Prozent der Menschen das Bewegtbild zu Hause konsumieren und nur fünf Prozent dies unterwegs machen. Ein Grund hierfür könnte die Netzqualität und das begrenzte Highspeed-Datenvolumen sein.

Die Nutzung des Smartphones für Bewegtbildinhalte hängt ganz stark vom Alter ab. Während bei den 18- bis 29-Jährigen 64 Prozent das Mobiltelefon zum Videostreamen nuten, sind es bei den 30 bis 39-Jährigen noch 46 Prozent und bei der ältesten Vergleichsgruppe (50 bis 65 Jahre) nur noch 18 Prozent.

72 Prozent der Befragten wählen ganz gezielt Sendungen und Formate aus, während 28 Prozent das Bewegtbild nebenbei schauen, während sie andere Dinge tun.

Eine deutliche Mehrheit von 86 Prozent der Befragten guckt klassisches TV. Auch bei der jüngeren Gruppe sind es noch 72 Prozent. Knapp die Hälfte der Befragten nutzt Video-on-Demand-Dienste.

Bündnis soll deutsches Glasfaser-Internet vorantreiben

Der Internet-Milliardär Ralph Dommermuth will mit einem Bündnis den Ausbau des Hochgeschwindigkeits-Internets in Deutschland beschleunigen.

„Um jetzt schneller vorwärtszukommen, schlagen wir einen Gigabit-Ausbaufonds vor, für ein nationales Netz-Bündnis“, sagte der Chef des Internet- und Mobilfunkanbieters United Internet.

Im Koalitionsvertrag haben sich Union und SPD auf den flächendeckenden Ausbau mit Gigabit-Netzen bis 2025 geeinigt. Die notwendigen öffentlichen Mittel werden in dieser Legislaturperiode auf zehn bis zwölf Milliarden Euro geschätzt, die aus einem Gigabit-Fonds kommen sollen, der wiederum mit den Erlösen aus den UMTS- und 5G-Auktion gespeist wird. Dommermuth schätzt die Kosten für einen flächendeckenden Glasfaserausbau auf 80 Milliarden Euro. Für den Fonds kalkuliert er mit einem Volumen von rund 30 Milliarden Euro.

NDR will seine Nachrichten-Standorte zusammenführen

Der NDR hat angekündigt, die Standorte seiner Nachrichten-Redaktionen für Fernsehen, Radio und Online zusammenführen zu wollen. Ab 2020 sollen sie gemeinsam von Hamburg-Lokstedt aus arbeiten – dort sitzen derzeit noch die Kollegen von ARD-aktuell.

Nicht von den Änderungen betroffen sein sollen die vier NDR-Landesfunkhäuser mit ihrem Fokus auf landesspezifische Nachrichten. Derzeit laufen die Vorbereitungen auf dem Umzug. So erarbeiten Projektgruppen, wie die Produktion der Nachrichten künftig organisiert werden soll und welche Arbeitsabläufe dafür sinnvoll sind. Rund 250 Mitarbeiter sind von den Veränderungen betroffen – sie können ihre Vorschläge in Arbeitsgruppe und Workshops einbringen, so der NDR.

Zusammengezogen werden die Redaktionen am NDR-Standort in Hamburg-Lokstedt, dort sitzen derzeit noch die Journalisten von ARD-aktuell, für die allerdings bereits angebaut wird. Die Kosten des Neubaus werden sich voraussichtlich auf rund 13,7 Millionen Euro belaufen. Wenn die Redaktionen von „Tagesschau“, „Tagesthemen“, tagesschau24 und tagesschau.de dann im kommenden Jahr in den neuen crossmedialen Newsroom ziehen, werden im alten Gebäude die Flächen frei, in die der NDR seine Redaktionen zusammenziehen will.

ÖWA Basic Februar 2018: Orf.at on Top

Über die meisten Leser kann sich Orf.at freuen, wo die Nutzer knapp 10 Millionen Stunden verweilten. Das entspricht einem Minus von 3,8 Prozent im Vergleich zum Vormonat.

Auf Platz Zwei liegen die Portale des derStandard.at-Networks, wo die User im Februar mehr als 3,2 Millionen Stunden verbrachten, was zwar ein Plus von knapp fünf Prozent gegenüber dem Vorjahr darstellt, jedoch auch ein Minus von 13 Prozentpunkten im Vergleich zum Januar 2018. Auf Platz Drei finden sich die Angebote von krone.at mit 3,04 Millionen verbrachten User-Stunden im Februar. Auf Platz Vier kommt das Dachangebot von styria digital one mit 1.624.073 Besucherstunden.

Bei den Page-Visits zeichnet sich ein ähnliches Bild ab: Der ORF liegt mit 83.653.756 Visits vorne und macht damit knapp 12 Prozent im Vergleich zum Vorjahr gut. Gefolgt von krone.at mit rund 32 Millionen Aufrufen und einem satten Plus von 23 Prozent gegenüber dem Februar 2017. Knapp darunter liegen die Dachangebote von styria digital one mit 30.934.731 Visits, was ein leichtes Plus von rund vier Prozent im Vergleich zum Februar des Vorjahres darstellt.

Familie wehrt sich gegen Frida-Kahlo-Barbie

Streit um eine geplante Barbie-Puppe in Gestalt der mexikanischen Malerin Frida Kahlo (1907-1954): Der Hersteller Mattel habe nicht die notwendigen Rechte zur Produktion der Puppe eingeholt, hieß es in einer per Kurznachrichtendienst Twitter veröffentlichten Mitteilung der Familie Kahlo. Diese lägen ausschließlich bei Kahlos Großnichte, Mara de Anda Romeo.

Mattel wies die Vorwürfe zurück. Das Unternehmen habe die Rechte eingeholt und die Puppe in enger Zusammenarbeit mit Frida Kahlo Corporation erstellt, hieß es. Pineda Kahlo war die Erbin von Frida Kahlo und hatte ihre Rechte vor ihrem Tod an die Frida Kahlo Corporation verkauft. Pineda Kahlos Tochter und Enkelin behaupten allerdings, die Rechte lägen seit 2010 wieder bei ihnen, die Frida Kahlo Corporation bestreitet das.

Die Kahlo-Barbie hatte Mattel anlässlich des Weltfrauentags im Zuge von neuen Puppen zu „weiblichen Vorbildern“ vorgestellt – mit dicken, dunklen Augenbrauen und roten Blumen im Haar. 14 der Puppen sind Unikate, drei sollten von Herbst an auch in Deutschland zu kaufen sein. Neben Kahlo sind das US-Mathematikerin Katherine Johnson und US-Flugpionierin Amelia Earhart.

Ob die Kahlo-Puppe nun wie geplant in den Handel kommen kann, war zunächst noch nicht klar.

„New York Times“ holt Nachrufe berühmter Frauen nach

„Männlich und weiß“ – so sind nach Angaben der „New York Times“ die meisten Nachrufe in der Geschichte der Zeitung. Das soll sich nun ändern: Passend zum Weltfrauentag startete die Zeitung eine Artikelserie, die unter dem Titel „Übersehen“ die Nachrufe bemerkenswerter Frauen nachholt.

„Nachrufe sind mehr über das Leben als den Tod“, schreiben die verantwortlichen Redakteurinnen Amisha Padnani und Jessica Bennett.

Zum Start der Artikelserie am 08.03. wurden die Nachrufe 15 einflussreicher Frauen veröffentlicht. Vertreten sind beispielsweise Charlotte Bronte, die Autorin von „Jane Eyre“, und die Mathematikerin Ada Lovelace, die als eine der ersten Computerprogrammiererinnen gilt. Die Serie soll künftig wöchentlich um neue Nachrufe ergänzt werden.

Funke Medien bringt junges Wohnmagazin auf den Markt

Die in Essen ansässige Funke Mediengruppe erweitert ihr Print-Portfolio um die Wohnzeitschrift ‚Cosy‘. Das Magazin erscheint ab sofort zweimonatlich im Maxipocket-Format und wendet sich an einrichtungsbegeisterte Leser ab 25 Jahren.

‚Cosy‘ bietet nach eigenen Angaben Inspirationen, Trends, Ratgeber- und Selfmade-Geschichten, Shoppingadressen und Wohnreportagen.

Verantwortet wird das Heft von einem Team aus dem Landidee Verlag, Ismaning, um Chefredakteurin Lina Eberl, 32. ‚Cosy‘ umfasst 132 Seiten startet mit einer gedruckten Auflage von 150.000 Exemplaren und kostet zum Start 2,50 Euro.

OGH bestätigt: Sammelklage gegen Facebook ist unzulässig

Max Schrems ist mit einer Sammelklage gegen Facebook auch in Österreich endgültig abgeblitzt. Der Oberste Gerichtshof (OGH) hat der Vorinstanz recht gegeben, wonach die Sammelklage unzulässig ist.

Schrems darf nur hinsichtlich der eigenen Ansprüche klagen, nicht aber für an ihn abgetretene Ansprüche. Der OGH bestätigte damit das Oberlandesgericht Wien. Dieses hatte im Oktober 2015 ähnlich erkannt. Im Jänner dieses Jahres hatte auch der Europäische Gerichtshof (EuGH) diese Rechtsmeinung kundgetan.

Studie zu freien Journalisten: Prekäre Lage

Für Leser und Zuschauer sind sie praktisch unsichtbar: Die geschätzt 9600 hauptberuflich freien Journalisten in Deutschland.

In der Forschung galten sie lange als „Black Box“. Nun haben sich Wissenschaftler der Ludwig-Maximilians-Universität München in einer Studie mit freien Journalisten in Deutschland beschäftigt, die in der ersten Ausgabe der neuen Online-Fachzeitschrift „Journalistik“ erschien. Derzufolge ist der typische Freelancer überwiegend männlich (58,5 Prozent) und steht politisch eher links der Mitte. 82 Prozent der Freien haben einen Hochschulabschluss, bei Festangestellten sind es rund 74 Prozent.

Ein Drittel (32,6 Prozent) geht einer nicht-journalistischen Nebentätigkeit nach, mehr als sechs Prozentpunkte mehr als noch vor 20 Jahren. „Zusammen mit überschaubaren Netto-Gehältern, die sie im Journalismus erzielen, wirft dies erneut die Frage einer zunehmenden Prekarisierung im Journalismus auf“, bemerken die Forscher.

Laut der Erhebung verdienen rund 28 Prozent der Freien unter 1800 Euro monatlich, bei Festangestellten sind es 15 Prozent. Vor allem bei Lokalmedien ist der Geringverdiener-Anteil unter Freelancern mit rund 52 Prozent deutlich höher als in nationalen Medien (rund 20 Prozent). Den sogenannten Gender Pay Gap, also die unterschiedliche Bezahlung nach Geschlecht gibt es auch im Journalismus: Rund 35 Prozent der weiblichen Freelancer sind Geringverdiener, bei ihren männlichen Kollegen sind es etwa 23 Prozent.

„Bestechende Ähnlichkeit“ würden beide Gruppen, neben ihrer politischen Einstellung, in ihrem Selbstverständnis aufweisen: Die Unterhaltungs- und Ratgeberrolle wird von rund einem Drittel der Freien als wichtig empfunden, bei den Festangestellten von mehr als der Hälfte. Dies sei, so die Autoren, „durchaus beachtlich, bedenkt man, dass sich die Relevanz der Unterhaltungs- und Ratgeberrolle in der Wahrnehmung deutscher Journalist*innen insgesamt seit 1993 durchweg erhöht hat.““ Für beide Gruppen ist auch die neutrale Vermittlerrolle von großer Bedeutung, darunter die Aussagen „Dinge so berichten, wie sie sind“, „das aktuelle Geschehen einordnen und analysieren“ und „ein unparteiischer Beobachter sein“.

Patentklage nimmt Spracherkennung von Apples Siri ins Visier

Die Firma Portal Communications reichte eine Klage gegen Apple in Texas ein. Sie wirft dem iPhone-Konzern vor, die Spracherkennung von Apples Assistenzsoftware Siri verletze drei ihrer Patente.

Dabei geht es speziell um technische Details davon, wie natürliche Sprache in für Maschinen verständliche Befehle umgewandelt wird. Die Patente von Portal Communications beschreiben Verfahren, die auf Geräten, Servern und in Datenbanken laufen. Die Firma geht auf breiter Front Apples Produktpalette vom iPhone, iPad und Mac bis hin zur Computer-Uhr Apple Watch und dem neuen vernetzten Lautsprecher HomePod an.

Bereits im vergangenen Jahr hatte die kleine Firma Word to Info anderen großen Playern bei der Spracherkennung wie Amazon, Google oder Nuance die Verletzung ähnlicher Patente vorgeworfen.

Unternehmen, die Patente in ihrem Besitz nicht in eigenen Produkten nutzen, sondern bevorzugt in Klagen einsetzen, werden in der Branche oft auch als Patent-Trolle bezeichnet. Tech-Schwergewichte, für die solche Attacken in den vergangenen Jahren zunehmend zum Problem wurden, fordern eine Reform des amerikanischen Patentsystems.

Intel erwägt Broadcom-Übernahme

Der US-Chip-Riese Intel könnte sich in den erbitterten Übernahmekampf zwischen Broadcom und Qualcomm einmischen. Der Branchenführer denke über ein Gebot für Broadcom nach. Es gebe derzeit aber keine Übernahmegespräche und ein Gebot sei auch nicht das wahrscheinlichste Ereignis.

Der in Singapur ansässige Chip-Konzern Broadcom versucht zur Zeit, den US-Rivalen Qualcomm zu übernehmen. Dabei stößt er allerdings auf Widerstand sowohl vom Objekt der Begierde als auch von der US-Regierung. Die amerikanische Behörde CFIUS, die ausländische Investitionen in die USA kontrolliert, hatte den Aufschub der möglicherweise entscheidenden Hauptversammlung bei Broadcoms Übernahmeziel Qualcomm um 30 Tage gefordert. Bei dem ursprünglich für geplanten Aktionärstreffen strebt Broadcom die Mehrheit im Qualcomm-Verwaltungsrat an. Die Hauptversammlung ist nun für den 5. April angesetzt.

Broadcom hatte für Qualcomm in der Spitze 121 Milliarden Dollar geboten, plus die Übernahme von Schulden in Höhe von 25 Milliarden Dollar. Qualcomm wiederum will den Chip-Spezialisten NXP kaufen und erhöhte zuletzt hierfür sein Angebot. Daraufhin zog Broadcom kurzerhand vier Milliarden Dollar von der Qualcomm-Bewertung ab, da Geld an fremde Aktionäre abfließen solle. Auch so wäre es noch die mit Abstand größte Übernahme in der Technologie-Industrie.

Zeitschrift für jüdische Berlin-Emigranten mit Jubiläumsausgabe

„Uffjefordert und injeladen“: Von „aktuell“, der Zeitschrift für jüdische Emigranten aus Berlin, ist jetzt die 100. Ausgabe erschienen.

Der erste Brief an die Leser von „aktuell“ trägt die Unterschrift von Klaus Schütz. Im Editorial erklärte Berlins Regierender Bürgermeister im März 1970, was es mit dieser außergewöhnlichen Publikation auf sich hat: Sie flankiert einen Beschluss des Abgeordnetenhauses, mit dem Berlin einen wichtigen Schritt zur Aussöhnung mit den Überlebenden des Holocaust gehen wollte. Das West-Berliner Parlament hatte 1969 beschlossen, die jüdischen Berliner, die die Stadt während der Zeit der Nazi-Diktatur verlassen mussten, zu einem Besuch einzuladen – auf Kosten der Stadt. „Fast 12.000 ehemalige Mitbürger haben schon jetzt den Wunsch bekundet, ihre alte Heimat wiederzusehen“, freute sich Schütz.

Seither haben mehr als 35.000 vor den Nazis geflohene Berliner die Gelegenheit genutzt, ihre Heimat zu besuchen. „Das ist ein großer Erfolg“, schreibt wieder ein Regierender Bürgermeister, bei dem es sich diesmal um Michael Müller, den amtierenden Regierungschef des wiedervereinigten Berlin, handelt. Sein Editorial findet sich in der 100. Ausgabe der zweimal jährlich erscheinenden Zeitschrift. Das über 60 Seiten starke Heft wird gerade an 7000 Abonnenten in 43 Ländern verschickt.

Kopfhörer sollen Sprache in Echtzeit übersetzen

Die „Pilot“-Kopfhörer des Unternehmens Waverly Labs sollen Sprachbarrieren aus der Welt schaffen zu können. Zumindest verspricht das Unternehmen das – denn die Kopfhörer sollen es erlauben, Sprache in Echtzeit zu übersetzen.

In der Theorie bedeutet das, dass zwei Menschen mit komplett unterschiedlichen Sprachkenntnissen miteinander kommunizieren könnten.

Die Kopfhörer sind ursprünglich über eine Crowdfunding-Kampagne auf Indiegogo ermöglicht worden. 27.000 Stück sollen bisher erworben worden sein und würden nun an Kunden ausgeliefert werden. Sie kosten 249 US-Dollar und unterstützen laut Hersteller über 15 Sprachen. Deutsch ist allerdings in der Basisversion nicht dabei und muss zusätzlich erworben werden. Zugang gibt es zu Beginn nur für Englisch, Französisch, Italienisch, Spanisch und Portugiesisch.

Äußerlich erinnern die Kopfhörer an eine Mischung aus Apples Airpods und Boxhandschuhen. Zur Auswahl stehen die Farben Rot, Weiß und Schwarz. Der Akku der kabellosen Bluetooth-Luxuskopfhörer soll einen Tag lang halten.

Die sittsamen Verbrecher im „Silicon Wadi“

Israel ist eine High-Tech-Weltmacht. Hunderte Firmen sind hier, die Startup-Szene boomt, das „Silicon Wadi“ hat längst zum „Silicon Valley“ aufgeschlossen, das ganze Land befindet sich in einem wunderbaren Taumel der Innovation. Klar, dass hier auch die Hacker-Szene blüht. Viele versuchen, Online-Sicherheitssysteme zu überwinden. Und hier kommen White Hat und all die Unternehmen ins Spiel, die diese Firmen schützen. Das tun sie, wie Reut Menashe erklärt, indem sie originell („out of the box“) denken und in die Gehirnwindungen von Hackern schlüpfen. Doch auch die Kunden selber werden bearbeitet. Oft muss man den Firmen klarmachen, dass eine gute Firewall und ein Antivirenprogramm längst nicht mehr genügen. Heute kommt der alles lahmlegende Virus über den neuen Drucker ins System oder über ein unscheinbares Gerät, das irgendein Mitarbeiter fernab von den großen Computern ahnungslos in eine Buchse seines Autos steckt. Das kann genügen, um eine riesige Firma praktisch zu vernichten.

Die Weißen Hüte sind also die Guten. Oder etwa nicht? Doch, doch, sagt Reut Menashe. Eindeutig. Man bietet die Produkte an, man zwingt sie niemandem auf. Man macht mit beim berauschenden israelischen High-Tech-Boom, was im Großen und Ganzen eine gute Sache ist. Das Leben ist gut. Man ist jung und hip, man chillt beim Pingpong oder auf weichen, farbigen Kissen und hört gute Musik. Und man ist in Tel Aviv, was sowieso supergut ist. Weniger in Ordnung für Reut Menashe ist, dass auch in Israel im High-Tech-Sektor noch weit weniger Frauen arbeiten als Männer. Bei White Hat sind es zwei. Was kann man tun? Das werde sich geben, sagt die Technik-Offizierin, man müsse Geduld haben. Die Regierung tue viel, um die Frauen in eine gute Ausgangslage zu befördern. Allgemein seien Frauen am Computer „positiv konnotiert“. Gemeinschaftsprogramme wie „She codes“, von Frauen mit dem Ziel gegründet, dafür zu sorgen, dass es unter Israels Software-Entwicklern ebenso viele Frauen wie Männer gibt, boomen. Bereits im Kindergarten lernen Knirpse, Mädchen wie Jungs, einen Computer zu programmieren und Hackerangriffe abzuwehren. „Cyber Tech ist eine nationale Aufgabe.“

Ein High-Tech-Traum ganz in Pink also? Nicht ganz. Wechseln wir kurz in die Vereinigten Arabischen Emirate. Ahmed Mansur ist Menschenrechtsaktivist. Inspiriert vom frischen Wind des Arabischen Frühlings, unterzeichnete er 2011 zusammen mit einigen Mitkämpfern eine Petition für ein demokratisch gewähltes Parlament. Er wurde verhaftet und zu drei Jahren Haft verurteilt. Um ihm auf die Schliche zu kommen, hatte Abu Dhabi Malware des Typs „Pegasus“ verwendet, die von der Firma NSO Group Technologies hergestellt wird. NSO, gegründet 2010, ist eine Firma mit Sitz in Herzliya, nördlich von Tel Aviv. Dass Mansur einen Tag nach seiner Verurteilung 2011 begnadigt wurde, tut hier nichts zur Sache. Relevant ist, dass Israel Cyber-Tech-Überwachungssysteme entwickelt, die gleichsam vom Regal weg zu haben sind, und dass Regime mit üblem Ruf sie kaufen, um missliebige Journalisten zu überwachen.

Es gibt andere Beispiele. Äthiopien zählt zu den ärmsten Ländern der Welt. Nur rund 5 Prozent der Bevölkerung haben Zugang zum Internet. Doch die Regierung kontrolliert viele Dissidenten mit ausgeklügelter Software. Jeder Schritt, den die Opfer auf ihrem Computer tun, wird verfolgt, sogar Kameras und Mikrofone können fernbedient werden. Eingekauft hat die Regierung in Addis Abeba diese Technik bei Cyberbit Security Solutions, einer hundertprozentigen Tochter des in Haifa basierten, multinational agierenden Elektronikriesen Elbit Systems, dessen über 12.000 Mitarbeiter Militärtechnik, Überwachungsgerät, Drohnen, Elektrooptik und mehr herstellen. Cyberbit Security Solutions, gegründet 2015, ist in Ra’anana am Mittelmeer zu Hause und hilft laut Eigenwerbung Firmen, Bedrohungen im Internet schon im Voraus zu entdecken, und zwar „in Sekunden“.

Cyber-Stadt in der Wüste
Das also ist die Kehrseite des „guten“ Booms. Technik, die zerstörerische Viren findet, kann auch kritische Journalisten zum Schweigen bringen. Der Nichtregierungsorganisation „Reporter ohne Grenzen“ ist dies schon vor langer Zeit aufgefallen. Bereits 2013 wies sie darauf hin, dass im Arabischen Frühling 2011 Länder wie Libyen, Tunesien, Syrien und Ägypten Journalisten mit Programmen ausspionierten, die in Deutschland entwickelt wurden. Inzwischen hat Israel Deutschland überholt. Zwar ist der Export geregelt, doch haben weder NSO noch Cyberbit Mühe, ihre Produkte loszuwerden. Beide Firmen geben sich widerborstig, mehr als ein „Kein Kommentar“ hat ihnen der Korrespondent nicht entlocken können. Gegenüber „Citizen Lab“, einer Gruppe von Wissenschaftern der Universität Toronto, haben die Verantwortlichen von Cyberbit immerhin klargestellt, man verkaufe nur an souveräne Regierungen. Für den Umgang mit diesen System seien diese selber verantwortlich.

Ob solches Verhalten mehr Entrüstung verdient als beispielsweise der großzügige Verkauf von „Rüstungsgütern“ – man könnte auch „Kriegsgerät“ sagen – aus der Schweiz oder Deutschland an Länder wie Saudiarabien oder Katar, darüber ließe sich diskutieren. In Beer Sheva aber interessieren solche Fragen kaum. Nirgendwo in Israel ist die Begeisterung über High Tech und Cyber Tech größer als in dieser eigenartigen, faszinierenden Wüstenstadt. Hier befindet sich das neue nationale Cyber-Tech-Zentrum, und gerne erinnert man sich daran, dass schon Ben Gurion sagte, die Zukunft Israels liege im Negev. Netanyahu will, dass Beer Sheva zum Magneten für Firmen aus Israel und der ganzen Welt wird. Wer kommt, erhält Steuererleichterungen. Und alle sind da. Das Militär hat seine größten und prestigeträchtigsten Anlagen hierhergebracht, ganz in die Nähe der Ben-Gurion-Universität. Dell EMC, Lockheed Martin, Paypal und die Deutsche Telekom sind in Beer Sheva, und selbstverständlich auch das Israeli National Cyber Bureau.

Dies ist der richtige Ort, um sich nach den Gründen und Voraussetzungen des israelischen Cyber-Tech-Booms zu erkundigen. Amos Stern ist Mitbegründer und Geschäftsführer der Firma Siemplify und ehemaliger Anführer einer Computer-Sondereinheit der Armee. Sein Lebenslauf erklärt im Grunde schon alles. Viel, fast alles eigentlich, was sich heute im Startup-Sektor etabliert, hat in der Armee oder beim Mossad, dem Geheimdienst, angefangen. Stern hat die Erkenntnisse, die er im Militär gewonnen hat, auf den Zivilsektor übertragen. Seine Produkte reduzieren oder eliminieren Hintergrundgeräusche. Die anderer neuer Firmen konzentrieren sich auf den Empfang schwacher, weit entfernter Signale, auf die säuberliche Trennung sich überlagernder Geräuschquellen oder auf das Sehen ohne Licht.

Das zweite ist die konsequente staatliche Förderung. Man kann Netanyahu viel vorwerfen, aber nicht, dass er die Bedeutung des Sektors verkennt. Schon 2011 gab er die Losung aus, Israel in einer konzertierten Aktion zu einem der fünf mächtigsten Cyber-Staaten zu machen. Die National Cyber Defense Authority koordiniert Kontakte zwischen der Regierung, dem Sicherheits-Establishment und dem Privatsektor zum Wohle des Landes, wobei die Behörde laut Netanyahu die klare Aufgabe hat, nationale Sicherheitsbedürfnisse und demokratische Grundrechte gegeneinander aufzuwiegen. Dass dies immer gelingt, glauben nicht alle, aber in dieser Hinsicht steht Israel wahrhaftig nicht allein da. Der Mossad befeuert den Ideenreichtum noch zusätzlich mit Lockangeboten. Im Sommer 2016 kreierte er einen Investment-Fonds für neue Spionage-Techniken. Vielversprechende Erfinder erhalten bis zu 2 Millionen Schekel pro Projekt.

Den Russen auf der Spur
Das Resultat aller dieser Bemühungen sind Firmen wie White Hat und Eldorados der Innovation wie Beer Sheva, Haifa oder Tel Aviv. Cyber Tech blüht. Israel hat weltweit die zweithöchste Dichte an Cyber-Tech-Firmen nach den USA. Ein Viertel aller mit Venture Capital finanzierten Startups weltweit befindet sich in Israel. Der Wert der aufsummierten Anti-Hacking-Exporte beträgt derzeit um die 5 Milliarden Dollar. Und das alles ist nur ein Teil des boomenden High-Tech-Bereichs mit seiner mittlerweile bekannten, geradezu notorischen Risikobereitschaft. Was illustrierte es besser als der Begriff Venture Capital? Was im Englischen grandios nach Abenteuer klingt, nach Eroberung und neuen Horizonten, wird im Deutschen zu „Risikokapital“, zu etwas potenziell Gefährlichem also, das man besser vermeidet. In Israel nimmt man einen, der nicht schon zwei, drei Firmen in den Sand gesetzt hat, gar nicht erst ernst, und Venture Capital fließt auch nach der fünften Pleite. Das ist günstig, denn der Weltmarkt ist gigantisch, und er lässt sich leichter erobern, wenn man mehrere Anläufe nehmen kann. Laut «Forbes» wird der Weltumsatz im Cyber-Tech-Bereich bis 2020 auf 170 Milliarden Dollar anwachsen. Mindestens.

Ein indirektes Erbe des Holocausts
Dass die Israeli gute Hacker sind, weiß die Welt inzwischen sehr genau. Es waren Mossad-Beamte, die herausfanden, dass sich die russischen Regierungs-Hacker, die sie gerade ausspionierten, auf Antiviren-Software der Firma Kaspersky stützten. Diese Software wird von 400 Millionen Usern weltweit verwendet, aber auch von amerikanischen Regierungsstellen. Die Israeli informierten umgehend die Amerikaner, und die Welt war um eine Internet-Sensation reicher. Als Antonio Forzieri, Sicherheitschef des Software-Giganten Symantec, sagte, er habe Hacker auf der ganzen Welt gesehen, aber die israelischen seien die besten. Sie seien jünger, schneller und gescheiter als fast alle andern, da wurde dies von Haifa bis Eilat zitiert, und das Einzige, was die Menschen verblüffte, war dieses irritierende „fast“ in Forzieris Lob. Eben war der frühere CIA-Chef David Petraeus in Tel Aviv an der alljährlichen Cyber-Tech-Konferenz. Es ist ein Riesen-Event, aus 80 Ländern kamen 15.000 Aficionados angereist, und die Israeli hörten stolz, dass Petraeus ihnen attestierte, sie seien eine „Cyber-Supermacht“. Allerdings: Wer viel austeilt, muss auch einstecken. Israel ist eines der am meisten im Internet attackierten Länder der Welt.

Aber warum? Genügen die Hinweise aufs Militär, den Mossad und den spendablen Staat wirklich? Warum soll ausgerechnet dieses winzige Mittelmeerland, fern von den übrigen Zentren der Forschung, eine solche Expertise entwickeln? Wir fragen bei Daniel Cohen nach, dem Leiter der Sicherheitsabteilung von RSA Security, einer amerikanischen Cyber-Firma, die 1992 in Bedford, Massachusetts, von Adi Shamir, Ron Rivest und Leonard Adleman gegründet wurde. Cohen stellt sich im Netz als „Maker of ways, paver of paths“ vor und nennt zunächst ebenfalls die üblichen Verdächtigen, das Militär, den Staat, die Risikobereitschaft. Doch dann räumt er ein, dass natürlich auch die einzigartige Geschichte der Juden ein Grund sei, weshalb der Cyber-Tech-Sektor derart blüht. Und nun schwebt schon etwas Pathos durch den Raum. Die prägende Wirkung des Holocausts könne gar nicht überschätzt werden, sagt Cohen. Juden hätten halt stets die persönliche Sicherheit im Kopf. Sie sei ihr Mantra. „Den andern einen Schritt voraus zu sein: Das ist unsere Lebensversicherung.“

Facebook bringt Anzeigen für seinen Marktplatz

In den USA wurde der Facebook Marketplace im Oktober 2016 eröffnet. Spekulationen über Werbung im Kleinanzeigenportal gab es schon im Sommer 2017, doch jetzt scheint es wirklich so weit zu sein: Facebook will Anzeigen dort einblenden, wo auch eingekauft wird.

Der Name „Marketplace Ads“ sagt es schon: Die neuen Anzeigen sollen innerhalb des Kleinanzeigenmarkts „Marketplace“ bei Facebook positioniert werden. Entsprechende Tests laufen bereits in den USA und Großbritannien.

Dabei sind bisher Ads mit Bild oder mit Carousel-Anzeige gesichtet worden, die laut Allfacebook nach Traffic, Conversions oder Catalog Sales optimiert werden können. Die Ads seien zunächst aber nicht einzeln buchbar, sondern können nur im Bündel mit einer Feed-Anzeige gebucht werden.

Den Facebook Marketplace gibt es in Deutschland auch. Im August 2018 wurde er hierzulande freigegeben, nachdem das Feature im US-amerikanischen Stammmarkt bereits in kurzer Zeit Millionen von Kleinanzeigen angezogen hatte.

Daniel Kehlmann erhält Frank-Schirrmacher-Preis

Bestsellerautor Daniel Kehlmann („Tyll“, „Die Vermessung der Welt“) erhält den Frank-Schirrmacher-Preis 2018. Die Auszeichnung ist mit 20.000 Franken (17.202,82 Euro) dotiert.

Mit der Vergabe werde Kehlmanns „virtuose Beherrschung der deutschen Sprache ebenso gewürdigt wie seine subtile Analyse der deutschen Vergangenheit und Gegenwart“, begründete die Stiftung. Die Verleihung ist für den 3. September in Berlin geplant. Die Laudatio soll der deutsche Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier halten.

Der Preis wird für herausragende Leistungen zum Verständnis des Zeitgeschehens verliehen. Er soll an den 2014 gestorbenen Publizisten Frank Schirrmacher erinnern, der seit 1994 einer der Herausgeber der „FAZ“ war.

Schauspieler Siegfried Rauch mit 85 Jahren gestorben

Mehr als sechs Jahrzehnte stand Siegfried Rauch vor der Kamera und begeisterte bis zuletzt ein Millionenpublikum, jetzt ist der Schauspieler im Alter von 85 Jahren gestorben.

Große Publikumserfolge feierte der Schauspieler auch in der Fernsehserie „Es muss nicht immer Kaviar sein“ und in der Karl-May-Serie „Mein Freund Winnetou“, in der Siegfried Rauch neben Pierre Brice den Old Shatterhand spielte. Auch in den Serien „Die glückliche Familie“, „Wildbach“ und „Der Bergdoktor“ wirkte er mit. Bis 2013 war er darüber hinaus als Jakob Paulsen im ZDF-Dauerbrenner „Das Traumschiff“ zu sehen, zuletzt hatte er zudem Rollen in der Sat.1-Sketchcomedy „Knallerkerle“.

Bauer verkauft ‚Australian Geographic‘, Rebel Wilson will noch mehr Geld

Die Hamburger Bauer Media Group gibt in Australien eine weitere Zeitschrift ab. So wechselt das ‚Australian Geographic‘-Magazin vom Bauer-Tochterverlag in Sydney zu dem kanadischen Unternehmen Blue Ant Media mit Hauptsitz in Toronto.

Die 2011 gegründete Blue Ant Media-Gruppe, hinter der mehrere Investment-Firmen stehen, ist bereits mit anderen Aktivitäten in Australien vertreten. Bekannt ist das Unternehmen u.a. durch zahlreiche Video- und TV-Produktionen – von Factual Entertainment bis zu Kinder-Formaten.

Die zweimonatlich erscheinende Natur-Zeitschrift ‚Australian Geographic‘ erreicht nach Verlagsangaben über 540.000 Leser.

Unterdessen fordert die Schauspielerin Rebel Wilson (‚Pitch Perfect‘) jetzt eine weitere Millionen-Zahlung von Bauer in Australien. Im vergangenen Jahr hatte bereits ein Gericht im Bundesstaat Victoria geurteilt, der 37-jährige Hollywood-Star sei in mehreren Artikeln der Bauer-Zeitschriften ‚Women’s Weekly‘, ‚Woman’s Day‘ sowie ‚OK‘ diffamiert worden.

Studie: Android-User sind loyaler als iPhone-Nutzer

Bis 2014 galt: Apple-User bleiben ihrem iPhone treu, während Android-Nutzer gelegentlich das Lager wechseln. Einer aktuellen Studie zufolge hat sich das aber in den vergangenen Jahren deutlich geändert. Mit Ende 2017 liegt die Betriebssystem-Loyalität von Android bei 91 Prozent. Beim iPhone sind es 86 Prozent.

Laut Analysten könnte das damit zu tun haben, dass Android-User mehr Auswahl haben. Wenn ihnen ein Smartphone nicht zusagt, können sie zu einem Gerät eines anderen Herstellers wechseln, ohne das Android-Ökosystem verlassen zu müssen. Apple-User haben diese Freiheit nur bedingt. Bei aktuellen Geräten können sie zwischen dem iPhone 8 (in zwei Größen) und dem iPhone X wählen.

Die paar Prozente Unterschied seien laut den Analysten aber derzeit für die Hersteller vernachlässigbar. Die meisten User haben ihre Betriebssystem gefunden und bleiben dabei. Google und Apple konzentrieren sich deshalb verstärkt darauf ihren Bestandskunden Services zu verkaufen, anstatt der Konkurrenz User abspenstig zu machen. Die Macher der Studie weisen noch darauf hin, dass in absoluten Zahlen mehr Android-User zu iOS wechseln, da weltweit das Android-Betriebssystem viel mehr Nutzer hat.

Wie Netflix die TV-Produktion revolutionieren will

Die Organisation von Film- und TV-Produktionen ist eine Herausforderung – zig Gewerke und unzählige Beteiligte müssen am Set und bei der Postproduktion koordiniert werden.

Der Streamingdienst Netflix will sich auch in diesem Bereich an die Spitze setzen und Produktionsprozesse mit einer selbst entwickelten Softwarelösung vereinfachen.

„Aus historischer Sicht ist das Metier des Filmemachens ein harter, komplexer und (aufgrund zahlreicher Überschneidungen) ineffizienter Prozess“, beschreibt Chris Goss, Director of Studio Technology bei Netflix das Grundproblem in einem Blogeintrag. „Hunderte von Menschen, die nie zuvor zusammengearbeitet haben, finden sich an einem neuen Ort irgendwo auf der Welt ein und investieren Millionen von Dollar in eine einzige Idee. Film- und Serienproduktionen mit mehreren globalen Drehorten sorgen aufgrund der Notwendigkeit des Reisens, der verschiedenen Zeitzonen, der kulturell verschiedenen Geschäftspraktiken und vielem mehr für zusätzliches Chaos.“

Moderne Technologien, um TV-Produktionen zu managen und zu koordinieren, kommen dabei im Vergleich zu anderen Branchen noch vergleichsweise selten zum Einsatz – vieles wird noch klassisch per E-Mail koordiniert. Zwar gebe es speziell für Filmproduktionen entwickelte Softwarelösungen, diese seien aber nicht robust oder modular genug gestaltet, um die Bedürfnisse komplexer Produktionsprozesse zu befriedigen, moniert der Manager.

Netflix hat daher in den vergangenen zwei Jahren eine eigene Softwarelösung entwickelt, mit der die zahlreichen Eigenproduktionen künftig effizienter organisiert werden sollen. Dreh- und Angelpunkt ist die selbstentwickelte App Prodicle Move. Diese stellt allen an der Produktion Beteiligten sämtliche Schlüsseldaten zu den aktuellen Dreharbeiten zur Verfügung. „Die zentrale Erfassung und Bereitstellung von Informationen, die einst nur in Form von E-Mails und PDFs bereitgestellt wurden, eröffnet uns zahllose Möglichkeiten zur Effizienzsteigerung – sowohl für die Produktions- als auch für die Studioteams“, schwämt Goss.

Es gehe darum, Lösungen zu erarbeiten, die sowohl für die Produktions- als auch für die Studioabläufe gleichermaßen von Nutzen sind. „Wir setzen auf die Macht der Technik, um unseren Kreativteams mehr Freiraum zu geben und die organisatorischen Hürden der Produktionsverwaltung für Darsteller und Crews zu verringern. Auf diese Weise sollen alle Beteiligten dazu befähigt werden, bei der Arbeit für Netflix die bestmögliche Leistung zu vollbringen“, erklärt der Manager.

Bislang wurde die Software bei den Netflix-Eigenproduktionen „Glow“ und „Eine Reihe betrüblicher Ereignisse“ getestet und soll nun weiter verbessert werden. Für den weltweit größten Streamingdienst geht es dabei nicht zuletzt um viel Geld: Für 2018 hat das Unternehmen Investitionen in Höhe von sieben bis acht Milliarden Dollar in Serien und Filme angekündigt, um die Konkurrenz auf Distanz zu halten.

Samsungs Galaxy S9 verkauft sich bis zu 50 Prozent schlechter als das Vorgängermodell

Die Reaktionen auf Samsungs neues Galaxy S9 waren nach der Vorstellung verhalten, nun folgt offenbar die Rechnung. So gingen für Samsungs neues Smartphone-Flaggschiff deutlich weniger Vorbestellungen ein als für das Vorgängermodell Galaxy S8. Der koreanische Verbraucherelektronik-Pionier hatte wegen der enttäuschenden Absätze des iPhone X, für das Samsung die OLED-Displays fertigt, bereits einen schwachen Start ins neue Börsenjahr.

999 Dollar bzw. 1150 Euro kostet die Einstiegsversion von Apples neuem Smartphone-Flaggschiff iPhone X, das nach anfänglicher Euphorie unter treuen Apple-Fanboys auf immer schwächere Nachfrage trifft, wie Analysten übereinstimmend berichten.

Der Grund: Selbst für viele iPhone-Besitzer, die grundsätzlich mit einem Upgrade liebäugeln, ist das iPhone X schlicht zu teuer, wie die Investmentbank Piper Jaffray vergangene Woche in einer Studie herausgefunden hat.

Freilassung von zwei „Cumhuriyet“-Journalisten aus U-Haft angeordnet

Im Prozess gegen die regierungskritische Zeitung „Cumhuriyet“ hat ein türkisches Gericht die Freilassung von Chefredakteur Murat Sabuncu und Investigativjournalist Ahmet Sik angeordnet.

18 Mitarbeitern der Zeitung wird Unterstützung verschiedener Terrororganisationen vorgeworfen. Zuletzt saßen drei davon in Silivri in Untersuchungshaft. Sabuncu und Atalay waren vor mehr als 490 Tagen in U-Haft genommen worden, Sik vor mehr als 430 Tagen. Nach Angaben von Reporter ohne Grenzen (ROG) drohen den Angeklagten bis zu 43 Jahre Haft. Die Staatsanwaltschaft hatte die Fortsetzung der U-Haft für alle drei Inhaftierten gefordert.

Mehr Beschwerden beim Presserat

Die Zahl der Fälle vor dem Presserat steigt kontinuierlich. Ging das Gremium 2016 noch 307 Meldungen nach, waren es im vergangenen Jahr schon 320. Gesunken ist allerdings die Zahl der tatsächlichen Verstöße: Von 34 auf 27. Hauptsächlich betroffen waren Boulevardzeitungen, verletzt wurden vor allem Persönlichkeitsrechte.

Angeführt wird die Rangliste im Tätigkeitsbericht des Presserats von der „Kronen Zeitung“, die die Schiedsgerichtsbarkeit des Presserats jedoch nicht akzeptiert. 69 Fälle wurden gemeldet, davon erwiesen sich zehn als tatsächliche Verstöße. Auf Platz Zwei rangiert die Tageszeitung „Österreich“ mitsamt ihrer Online-Präsenz „oe24.at“. Von 42 Meldungen wurde sechs Mal der Ehrenkodex verletzt. Den dritten Platz belegt die Gratis-Zeitung „Heute“ mit drei Verstößen bei 22 Meldungen.

Bei anderen Zeitungen wurden maximal zwei Mal gegen das Medium entschieden. Thomas Götz, stellvertretender Chefredakteur der „Kleinen Zeitung“ und seit Dienstag neuer Präsident des Österreichischen Presserats, nannte es mittlerweile eine Selbstverständlichkeit, dass sich Medien dem Ehrenkodex der Organisation freiwillig verpflichten, denn: „Es ist eine wichtige Selbstreinigungsfunktion für die Presse.“

Presserat-Geschäftsführer Alexander Warzilek berichtete, dass nunmehr größtenteils Persönlichkeitsverletzungen vor den Presserat getragen würden. Die Zahl mutmaßlicher Diskriminierungen sei hingegen zurückgegangen, was auch mit dem Abebben des Flüchtlings-Themas zusammenhängen könnte. Nur in 17 der insgesamt 320 Fälle hätten sich persönlich Betroffene gemeldet, ansonsten großteils aufmerksame Leser.

Obama verhandelt mit Netflix über eigene Show

Der ehemalige US-Präsident Barack Obama befindet sich in fortgeschrittenen Verhandlungen mit Netflix über eine eigene Show. Eine solche Serie könnte ihm über den weltgrößten Streamingdienst und dessen 118 Millionen Abonnenten eine globale Plattform verschaffen.

Obama wolle mit der geplanten Show nicht direkt auf die Politik seines Nachfolgers Donald Trump reagieren. Themen könnten allerdings maßgeblich die Felder sein, die Obama auch als Präsident am Herzen gelegen seien, etwa Gesundheitspolitik, Einwanderung oder das Wahlrecht. Auch seine Frau Michelle Obama solle teilnehmen.

Die Obamas haben sich nach ihrem Abschied aus dem Weißen Haus öffentlich sehr zurückgehalten. Sie leben zwar weiterhin in Washington, sind dort aber kaum zu sehen.

Digitale Audio-Werbung wächst um 40 Prozent

Der Markt für digitale Audio-Werbung wuchs 2017 um satte 40 Prozent im Vergleich zum Vorjahr und erreichte damit das Umsatzziel von rund 35 Millionen Euro.

Für das laufende Jahr rechnen die BVDW-Experten mit einem Wachstum in vergleichbarer Höhe, womit der Markt auf ein Volumen von 49 Millionen Euro klettern würde. Damit entspricht die Entwicklung in Deutschland auch dem internationalen Trend. „Der Online-Audio-Markt wächst derzeit sehr dynamisch und wird nochmal einen deutlichen Schub durch die Smart Speaker von Google, Telekom, Amazon und Co. erhalten“, ist Carsten Achterfeld von Publicis Media überzeugt. Der Stellvertretende Vorsitzende der Fokusgruppe Audio ergänzt: „Neben Sprachsteuerung lauten die Top-Trends derzeit Podcasts und Programmatic Audio.“

A1 bei Datenschutzbehörde angezeigt

Jahrelang soll A1 Kundendaten sowie deren Surfverhalten gespeichert haben. Das Unternehmen wurde von Anwalt Ewald Scheucher angezeigt.

A1 soll jahrelang illegal die Verbindungsdaten zigtausender Kunden gespeichert haben. Die A1 Telekom Austria ist bei der Datenschutzbehörde angezeigt worden. Die Speicherung verletze das Grundrecht der Kunden auf Datenschutz, meint Anwalt Ewald Scheucher. „Ohne Tätigwerden der Datenschutzbehörde besteht die Gefahr, dass sich die Zahl der Betroffenen, deren Grundrecht auf Datenschutz verletzt wird, stetig vergrößert“, heißt es in der Anzeige.

Demzufolge sollen zigtausende Kunden von A1 Mobil, A1 Festnetz, Bob und Red Bull Mobile betroffen sein. Vornehmlich sind Kunden betroffen, die sich beim Anbieter über langsame Datenverbindungen, -abbrüche und Fehler in Abrechnungen beschwert haben. In diesem Fall wird eine Bearbeitungsakte angelegt und alle möglichen Daten gesammelt. Es betrifft Kundendaten aus den Jahren 2013, 2014, 2015 und jünger. Dabei wird der A1-Kunde zum gläsernen Menschen. Bei Durchsicht der 14.328 Akten offenbarte sich, dass der Senderstandort des Handykunden gespeichert wurde und jegliche Suchanfragen. So speicherte A1 auch das Suchverhalten seiner Kunden. Welche Seiten wurden angesurft und wie lange verweilte er auf diesen.

„Daten gesichert und aus der Datenbank gelöscht“
Scheucher wirft nun der Telekom vor, Kundendaten teilweise seit dem Jahr 2013 aufgehoben zu haben, wenn sich diese Kunden z.B. über Abrechnungsfehler bei Gesprächs- oder Internetverbindungen beschwert hatten. Er halte das für illegal, sagte Scheucher.

A1 erklärte dazu, dass grundsätzlich in allen operativen Systemen die Daten innerhalb der gesetzlichen Frist gelöscht werden. „Nur bei Einsprüchen werden die dafür relevanten Daten in eine geschützte Datenbank übertragen“, erklärt A1 in einem weiteren Statement in Bezug auf die Anzeige. Die Daten wurden nun gesichert und der internen Revision weitergegeben und zudem umgehend aus den Datenbanken gelöscht. Es habe immer nur „ein kleiner Mitarbeiterkreis“ Zugriff auf diese lange gespeicherten Daten gehabt.

Für Scheucher ist das Argument nur teilweise gültig. Dem Anwalt zufolge sei es durchaus legitim formale Rechnungsanfechtungen zu speichern, jedoch aber Kundenanfragen oder -beschwerden fallen nicht unter diese gesetzliche Ausnahmeregelung: „Wir bedauern die nicht fristgerechte Löschung dieser Daten außerordentlich und haben nach derzeitigem Wissensstand nun alle notwendigen Schritte eingeleitet.“

Disney-Aktionäre stimmen gegen Gehaltssprung für den Chef

Die Aktionäre von Walt Disney haben dem langjährigen Konzernchef Bob Iger einen Denkzettel verpasst. In einem unverbindlichen Votum stimmten die Anteilseigner überraschend gegen den fürs laufende Jahr vorgesehenen Gehaltssprung auf mehr als 50 Millionen Dollar jährlich. So etwas passiert selten.

Nach Daten des einflussreichen Aktionärsberaters ISS war dies im vergangenen Jahr lediglich bei 1,2 Prozent der im S&P 500 gelisteten Unternehmen der Fall.

Ein neuer Vergütungsplan sieht vor, dass Iger von 2018 bis 2021 bis zu 48,5 Millionen Dollar pro Jahr sowie rund 100 Millionen Dollar an Eigenkapital über den gesamten Zeitraum verteilt erhält. ISS bezeichnete dies als „exzessiv“.

Im vergangenen Jahr landeten 36,3 Millionen Dollar auf dem Konto von Iger, der den US-Unterhaltungskonzern seit 2005 leitet. Die höhere Vergütung ist unter anderem daran gebunden, dass Disney die mehr als 50 Milliarden Dollar schwere Übernahme von Teilen des Medienkonzerns Twenty-First Century Fox stemmt.

Axel Springer steigert Umsatz und Gewinn

Der Medienkonzern Axel Springer (WELT, „Bild“) hat Umsatz und Gewinn im vergangenen Jahr gesteigert. So erhöhte sich der Konzernumsatz bereinigt um Konsolidierungs- und Währungseffekte um 6,3 Prozent. Das um Kaufpreisallokationen und Sondereffekte bereinigte Ergebnis vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen (EBITDA) wies ein Plus von 8,5 Prozent auf. Damit seien alle Ziele erreicht worden.

Die digitalen Geschäftsmodelle gewannen bei Springer weiter an Bedeutung. Im abgelaufenen Geschäftsjahr hätten sie 71,5 Prozent der Umsatzerlöse, 87,1 Prozent der Werbeerlöse und 80 Prozent des bereinigten Konzernergebnisses geliefert.

Bei einem Gesamtumsatz von rund 3,6 Milliarden Euro wurde ein Ergebnis von etwa 650 Millionen Euro erzielt. Die bereinigte EBITDA-Rendite habe mit 18,1 Prozent auf dem Niveau des Vorjahres gelegen, teilte Springer mit.
Die durchschnittliche Zahl der Mitarbeiter erhöhte sich von rund 15.300 auf 15.800. Für das laufende Geschäftsjahr rechnet der Konzern nach eigenen Angaben mit einem Anstieg der Umsatzerlöse im niedrigen bis mittleren einstelligen Prozentbereich.

Snapchat feuert zehn Prozent der Entwickler

Die Wall Street misstraut dem chronisch defizitären App-Anbieter, der auch im jüngsten Quartal unter dem Strich happige 350 Millionen Dollar verbrannt hat, offenkundig weiter.

Als vertrauensbildende Maßnahme setzt Snap-Chef Evan Spiegel, der im vergangenen Jahr durch Sonderzahlungen im Rahmen des Börsengangs selbst 638 Millionen Dollar ‚verdiente‘, den Rotstift an – bei seiner Belegschaft.
So müssen gleich 100 Mitarbeiter bei Snap gehen. CNBC bestätigte die Kündigungen wenig später.

Es ist bereits die dritte und gleichzeitig größte Kündigungsrunde bei Snap seit vergangenem September.

Tillmann Fuchs wird Programmgeschäftsführer bei Oe24TV

Der ATV-Gründungsgeschäftsführer Tillmann Fuchs wird mit 1. April Geschäftsführer Programm bei Fellners Oe24TV. Fuchs war bereits in Vergangenheit in die Konzeption des Fernsehsenders involviert.

Der gelernte KfZ-Mechaniker war an der Gründung der „Ganzen Woche“ beteiligt und wechselte 1993 zur RTL, wo er für den Aufbau von ATV verantwortlich war. Für die Nationalratswahl 2013 engagierte ihn das Team Stronach als Wahlkampfmanager, er selbst kandidierte auf Platz zwei der niederösterreichischen Landesliste. Seit 21. Mai 2015 ist er niederösterreichischer Landesrat für Baurecht und Veranstaltungen. Mit seinem Antritt als Programmgeschäftsführer scheidet er als Landesrat aus.

Ein Drittel der Deutschen hört regelmäßig Podcasts

Die Nutzung von Podcasts hat sich offenbar im Massenmarkt durchgesetzt: Ein Drittel (31 %) der Bundesbürger greift regelmäßig auf On-Demand-Sendungen zurück. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie des Hamburger Marktforschungsinstituts Splendid Research. Für die Untersuchung wurden im Januar 2018 insgesamt 1.022 Deutsche zwischen 18 und 69 Jahren zu ihrem Podcast-Nutzungsverhalten befragt. Themen der Umfrage waren unter anderem, welche Sendungen am häufigsten angehört und welche Geräte dazu verwendet werden und wie die Hörer mit Werbung umgehen.

Laut der Umfrage werden am häufigsten Podcasts mit Nachrichten-Inhalten abgerufen (43 %). Ebenfalls gefragt sind Unterhaltungsangebote (41 %) und Musiksendungen (40 %). Unter den Top 3 der meistabonnierten Podcasts dominieren die öffentlich-rechtlichen Formate ‚Tagesschau‘, ‚Quarks und Co‘ sowie ‚Die Sendung mit der Maus‘.

Für das Streaming von Podcasts werden vor allem Smartphones verwendet: Knapp zwei Drittel der User verfolgen On-Demand-Sendungen über mobile Devices. Etwa die Hälfte verwendet einen Laptop. Auch in den eigenen vier Wänden werden Podcasts über Mobilgeräte gehört: 31 Prozent der Nutzer hören sie am häufigsten neben anderen Tätigkeiten wie Essen, Putzen oder Heimwerken.

Werberat rief 2017 in 18 Fällen zum Stopp einer Kampagne auf

2017 sind beim Werberat mehr Beschwerden als in den Jahren zuvor eingegangen. 504 – nach 308 im Jahr 2016 – hatte das Gremium zu bearbeiten, zu 228 Fällen wurden Entscheidungen getroffen. 18-mal (2016: 11) forderten die Werberäte 2017 zu einem Stopp auf. Darunter die Palmers-“ Osterhöschen“, die im April in sozialen Netzwerken für Wirbel sorgten.

Auch eine Kampagne der Arbeiterkammer Oberösterreich bescherte dem Werberat Arbeit, das Gremium forderte die Verantwortlichen zum Stopp der Kampagne auf. Ebenfalls vom Werberat mit einer Stopp-Aufforderung konfrontiert war der Agrarmarkt Austria (AMA).

23 Mal forderte der Werberat 2017 dazu auf, sensibler vorzugehen, zum Beispiel im Fall der Lutz-Kampagne, in der man der Oma mit dem Heim droht, oder eines Mömax-Spots, in dem eine minderjährige Tochter ihren Eltern mitteilt, dass sie mit ihrem Lehrer schläft. In 74 Beschwerdefällen sah der Werberat keinen Grund zum Einschreiten.

Häufigster Beschwerdegrund war auch 2017 geschlechterdiskriminierende Werbung, gefolgt von Ethik und Moral vor Irreführung und Täuschung, Rechtswidriges Werbeumfeld (hier geht es um Sujets auf illegalen Online-Umfeldern), Gefährdung von Kindern und Jugendlichen, Gewalt.

Von Werberat-Entscheidungen betroffen war 2017 vor allem das Medium Internet (mit 52 Entscheidungen gegenüber 25 im Jahr 2016), vor Plakat mit 39 Entscheidungen (2016: 47), TV-Spot, Printanzeige, Radiospot.

Standard will investigative Recherche verstärken

Der neue Standard-Chefredakteur Martin Kotynek plant einen schrittweisen Relaunch der Printausgaben und deutliche Neuerungen für derStandard.at. Mit Online-Bezahlmodellen will er „experimentieren“, eine „klassische Paywall“ ist derzeit keine Option. Die Chefredaktion wird aufgestockt, er sucht zwei zusätzliche Stellvertreter.

Kotynek ist seit November im Amt, er kam von „Zeit Online“ und folgte auf die langjährige Chefredakteurin Alexandra Föderl-Schmid. Sein Ziel: „Der Standard soll das relevanteste Diskursmedium im deutschsprachigen Raum werden.“ Die 2013 am neuen Standort realisierte Integration von Print und Online funktioniere in einigen Ressorts schon gut. „Es gibt aber noch Punkte, an denen wir arbeiten werden. Das gilt auch für die Konferenz- und Planungsstruktur.“ Kotynek, der seine berufliche Laufbahn bei der „Süddeutschen Zeitung“ gestartet hatte, hält fest: „Ich denke integrativ – ich habe sieben Jahre Print und drei Jahre Online gemacht, und jetzt bringe ich diese Erfahrung zusammen.“

„Den Wettkampf um Vollständigkeit mit Online“ allerdings könne die gedruckte Zeitung nicht gewinnen. Ihre Stärken liege in der „Gewichtung und Schwerpunktsetzung. Und dazu gehört auch eine hochwertige Optik. Wir sind schon mitten in einem Relaunchprozess.“ Das Motto dabei: „Wir machen das Große groß und das Kleine klein.“

Online ist ein deutlicher Relaunch geplant. „Wir werden hier neue Akzente setzen, stärker auf interaktive Erzählformate setzen, den Online-Auftritt stark weiterentwickeln“, so der Chefredakteur. Die im Vorjahr auch als Labor lancierte Deutschland-Ausgabe derStandard.de liefere hier „wichtige Erkenntnisse über die Bedürfnisse der Nutzer“. Dennoch soll derStandard.at „anders sein als das jetzige Konzept für Deutschland“. Details und den Zeithorizont für die Umsetzung nennt Kotynek noch nicht.

Investieren will er in investigative Recherche: „Für den Standardwird das relevanter werden.“ Kotynek selbst war nach seinem Wechsel zur „Zeit“ Redakteur im Investigativressort und findet: „Es ist Zeit, dass Österreich wieder ein großes, investigatives Medium bekommt. Ich möchte, dass es uns öfter gelingt, hier den Ton anzugeben. Da werden wir uns klar positionieren.“

D: Webradiosender gewinnen, SWR3 überholt 1Live

SWR3 erreichte im Monats-Durchschnitt des vierten Quartals 7,775 Mio. Sessions, rund 941.000 mehr als im dritten Quartal. Dank dieses Zuwachses von 13,8% und dem gleichzeitigen 2,1%-Minus von 1Live eroberte sich der Sender den ersten Platz zurück, den er im dritten Quartal an 1Live verloren hatte.

Die größten prozentualen Wachstumsraten erzielten innerhalb der Top 20 Bayern 1 mit einem Plus von über 20%, sowie Schlagersender Radio Paloma und SWR1 mit einem von über 30%. Sessions eingebüßt haben gegenüber dem dritten Quartal neben 1 Live nur der reine Internet-Sender I Love Radio, sowie minimal bigFM.

Telecom Italia startet Neuausrichtung – Abspaltung von Festnetzsparte

Die hoch verschuldete Telecom Italia (TIM) treibt die Abspaltung ihrer Festnetzsparte voran. Damit läutet der neue Firmenchef Amos Genish eine umfassende strategische Neuausrichtung ein.

Telecom Italia sitzt auf einem Schuldenberg von etwa 26 Milliarden Euro. Seit dem Einstieg der französischen Mediengruppe Vivendi Mitte 2015 zum mittlerweile größten Anteilseigner hat der italienische Telekomkonzern zudem mehr als ein Drittel an Börsenwert verloren. Der Großaktionär und das TIM-Management hatten sich immer wieder über die Ausrichtung der Firma gestritten.

Genish will nun die Digitalisierung des Unternehmens und den Breitbandausbau vorantreiben sowie mehr Musik- und Video-Inhalte anbieten. Dafür will das Unternehmen in den nächsten drei Jahren 9 Mrd. Euro in Italien sowie weitere 3 Mrd. Euro auf dem einzigen Auslandsmarkt Brasilien in die Hand nehmen. Telecom Italia kämpft mit starker Konkurrenz durch Vodafone und den Anbieter Wind Tre. Nun will offenbar auch noch Iliad aus Frankreich den Markt aufmischen. Trotz des harten Wettbewerbs stieg der Umsatz von Telecom Italia im vergangenen Jahr um 4,2 Prozent auf 19,8 Mrd. Euro. Der Betriebsgewinn (Ebitda) fiel hingegen um 2,6 Prozent auf knapp 7,8 Mrd. Euro.

Europäische Medienverbände laufen gegen E-Privacy-Verordnung Sturm

Der Widerstand gegen die geplante E-Privacy-Verordnung wächst. Zahlreiche europäische Medienverbände, Organisationen und Unternehmen haben sich in einem offenen Brief gegen die Pläne der Europäischen Union ausgesprochen. Zu den Unterzeichnern gehören unter anderem der VDZ, der BDZV und Zalando. Die Kritikpunkte, die in dem Schreiben an die Entscheidungsträger in der EU genannt werden, sind bekannt: Die E-Privacy-Verordnung biete in der geplanten Fassung keinen wirksamen Verbraucherschutz und benachteilige vor allem mittelständische und national agierende Unternehmen, während ausgerechnet die international agierenden Internetkonzerne weiter gestärkt würden. Außerdem gefährde der vorliegende Entwurf einer Datenschutzgrundverordnung (DSGVO) die Entwicklung europäischer Start-ups und innovativer Unternehmen im Bereich der Onlinewerbung. Außerdem werde die „wesentlich Rolle“ der Presse und der Medien in den demokratisch europäischen Gesellschaft unterminiert.

Zu den Unterzeichnern gehören zahlreiche große Medien- und Digitalverbände, Organisationen und Unternehmen aus der Digitalindustrie. Aus Deutschland haben der Verband Deutscher Zeitschriftenverleger VDZ, der Bundesverband Deutscher Zeitungsverleger BDZV, Zalando und die Website Deutsche Startups den offenen Brief unterschrieben. Zum Kreis der Unterstützer zählen außerdem der Mobilfunkbetreiber Orange, der französische TV-Sender TF 1 und IAB Europe.