Werbebranche erreichte im ersten Halbjahr beinahe Niveau von 2019

Nach einem schwachen Start haben die Einnahmen rund um die Fußball-Europameisterschaft die Werbewirtschaft wieder aufleben lassen. Heuer zum Halbjahr lag man beinahe wieder auf dem Niveau des ersten Halbjahrs 2019, so der Marktforscher Focus. Im EM-Monat Juni stiegen die Einnahmen gegenüber Juni 2020 um 26 Prozent und gegenüber dem selben Monat im Vorkrisenjahr 2019 um 13 Prozent. Experten prognostizieren einen weiteren werbekonjunkturellen Aufschwung für den Herbst.

Die befragten Unternehmen und Werbeagenturen rechnen für das zweite Halbjahr 2021 mit einem Wachstum von 7 Prozent in Vergleich zum Vorjahr. Insbesondere den sehr stark von den Coronamaßnahmen betroffenen Branchen Kino, Messen/Ausstellungen und Events wird für die zweite Jahreshälfte ein deutliches Werbe-Wachstum prognostiziert.

Pay-TV und bezahlte Videoinhalte wachsen auf über 5 Milliarden Euro

Die Gesamtumsätze von Pay-TV und Paid-VoD erreichten 2020 ein Gesamtvolumen von 4,2 Milliarden Euro (2019: 3,8 Mrd. Euro), für 2021 wird ein weiterer Anstieg auf rund 4,5 Milliarden Euro prognostiziert. Umsatzstärkstes Segment bleibt Pay-TV mit 2,1 Milliarden Euro, das Wachstum wird erwartungsgemäß von Video-on-Demand (VoD) getrieben. Das geht aus der Marktanalyse ‚Pay-TV und Paid-VoD in Deutschland 2020/2021‘ des Vaunet hervor.

Demnach ost das größte On-Demand-Einzelsegment Subscription-Video-on-Demand (SVoD) mit einem Umsatzvolumen von 1,6 Milliarden Euro in 2020 (2019: 1,2 Mrd. Euro). Laut Prognose 2021 wird hier mit weiterem Wachstum auf rund 1,8 Milliarden Euro gerechnet. In der gesamten DACH-Region erreichten die Umsätze aus Pay-TV und Paid-Video im Jahr 2020 erstmals 5 Milliarden Euro (2019: 4,5 Mrd. Euro) und werden laut Prognose 2021 auf etwa 5,4 Milliarden Euro ansteigen.

Bei einer stabilen Basis von rund 8 Millionen Pay-TV-Abonnenten erreichten die AGF-lizensierten Pay-TV-Programme in Deutschland im Dezember 2020 erstmals über 20 Millionen Pay-TV-Zuschauer. Im Jahresdurchschnitt erzielten sie 2020 eine durchschnittliche Reichweite von 17,4 Millionen Pay-TV-Sehern pro Monat – im Vergleich zu 2019 ist das eine Steigerung von 200.000 Zuschauern. Die Zahl der SVoD-Abonnenten lag 2020 deutschlandweit bei 17,5 Millionen und soll laut Prognose im laufenden Jahr erstmals die 20-Millionen-Marke überschreiten.

D: Zeitungsbranche verliert Werbeerlöse – aber steigert Vertriebsumsatz

Die deutschen Zeitungen haben im Corona-Jahr 2020 ein Sechstel ihres Umsatzes mit Anzeigen und Werbung verloren, diesen Rückgang aber im Vertriebsgeschäft zum Teil ausgeglichen. Das geht aus einem Branchenbericht zur Entwicklung im vergangenen Jahr hervor. Exakt gingen die Anzeigen- und Werbeerlöse demnach um 16,9 Prozent auf 1,82 Milliarden Euro zurück und steuerten im Jahr 2020 nur noch 26 Prozent zu den Einnahmen bei.

Jener Negativ-Effekt wurde aber zum Teil durch die Vertriebsumsätze aufgefangen: Diese Erlöse durch Einzelverkauf, Abos und E-Paper wuchsen dem Bericht zufolge um 4,1 Prozent auf 5,17 Milliarden Euro.

Der Gesamtumsatz erreichte damit 6,99 Milliarden Euro, 2,3 Prozent weniger als im Jahr 2019. Mit der Verschiebung setzte sich ein Trend der vergangenen Jahre fort, jedoch deutlich verstärkt durch Corona. Mit digitalen Angeboten erzielten die Zeitungsverlage 2020 laut BDZV gut zehn Prozent ihrer Umsätze. Insgesamt kamen die Zeitungsverlage auf Digital-Erlöse von 785 Millionen Euro. Davon entfiel knapp ein Drittel (248 Millionen Euro) auf die Vertriebsumsätze mit E-Paper.

Insgesamt überstieg die verkaufte E-Paper-Auflage dank eines Zuwachses von 20,8 Prozent erstmals die Zwei-Millionen-Grenze – und hat sich damit laut Verband innerhalb von vier Jahren verdoppelt.

Publizistisch war laut BDZV 2020 durchaus ein erfolgreiches Jahr: „Die Zeitungen konnten mehr als drei Millionen zusätzliche Leserinnen und Leser pro Woche gewinnen. Fast 60 Millionen Deutsche ab 14 Jahren lesen regelmäßig die gedruckte Zeitung oder nutzen mindestens wöchentlich ein digitales Zeitungsangebot. Der Zugewinn gelang mit digitalen Nachrichten-Produkten, die 63 Prozent wöchentlich nutzen, während 56 Prozent regelmäßig die gedruckte Zeitung lesen.“

In Deutschland werden den Angaben zufolge 2021 erscheinungstäglich 15,43 Millionen Print-Exemplare verkauft (zweites Quartal 2021). Das sind 12,28 Millionen Tageszeitungen, 1,53 Millionen Sonntagszeitungen und 1,62 Millionen Wochenzeitungen. Der deutsche Zeitungsmarkt ist damit der größte in Europa und der fünftgrößte der Welt.

Microsoft üglänzt dank Cloud-Geschäften

Ein starkes Cloud-Geschäft hat Microsoft im abgelaufenen Quartal zu einem Gewinn und Umsatz über den Expertenerwartungen verholfen. Die Cloud-Sparte Azure wies ein Umsatzwachstum von 51 Prozent auf.

Dagegen gab der Umsatz mit Inhalten und Diensten für die Xbox-Spielekonsole nach. Dies sei ein mögliches Zeichen, dass der Gaming-Boom während der Coronavirus-Pandemie vorbei sein könnte, sagte der Analyst Paolo Pescatore von PP Foresight.

Der Gesamtumsatz im Quartal lag bei 46,2 Mrd. Dollar (39,2 Mrd. Euro), ein Plus von 21 Prozent.

Apple: Umsatz stieg um 36 Prozent

Ein boomendes China-Geschäft und eine rege Nachfrage nach den besonders teuren 5G-fähigen iPhones haben bei Apple für klingende Kassen gesorgt. Der Umsatz kletterte in den drei Monaten zum 26. Juni um 36 Prozent auf 81,4 Milliarden Dollar. Unter dem Strich verdoppelte sich der Nettogewinn nahezu auf 21,74 Milliarden Dollar. Entgegen vorab geäußerter Befürchtungen machten sich die Lieferprobleme bei Halbleitern weniger stark bemerkbar.

Seit vielen Quartalen baut Apple seine verschiedenen Abo-Angebote wie Apple TV+ oder Versicherungs-Dienste aus und inzwischen greifen auch immer mehr Kunden zu. Mittlerweile kommt der Konzern auf 700 Millionen Bezahlkunden über seine verschiedenen Plattformen, nach 660 Millionen im Vorquartal.

Entgegen der Erwartungen schwächte sich die Nachfrage nach iPhones nicht ab. Stattdessen stiegen die Einnahmen durch Verkäufe des Alleskönner-Geräts – auch dank der etwas verspätet auf den Markt gebrachten neuen 12er-Modelle – um fast 50 Prozent auf 39,57 Milliarden Dollar und lagen damit deutlich über den Analysten-Prognosen.

Sicherheitsprobleme sorgten in EU für 841 Millionen Stunden Ausfälle

Telekommunikationsbetreiber aus 26 EU-Mitgliedsstaaten sowie aus zwei Ländern der Europäischen Freihandelsassoziation, der etwa Liechtenstein, Norwegen und die Schweiz angehören, haben den nationalen Behörden 2020 insgesamt 170 bedeutende Sicherheitsvorfälle gemeldet. Das sind elf Prozent mehr als im Vorjahr, in dem es noch 153 entsprechende Ereignisse waren. Die Zahl der dadurch bedingten Ausfälle von Nutzerstunden ist aber von 988 Millionen 2019 auf 841 Millionen 2020 zurückgegangen.

Systemfehler machten 2020 mit 419 Millionen etwa die Hälfte der gesamten verlorenen Nutzerstunden aus. Allein 346 Millionen ausgefallene Stunden gingen auf das Konto fehlerhafter Softwarewechsel beziehungsweise Updates, die insgesamt die größte Quelle von Problemen ausmachten. Dies geht aus dem am Montag veröffentlichten Bericht der EU-Cybersicherheitsbehörde Enisa zu Sicherheitsvorkommnissen im Telekommunikationssektor hervor.

26 Prozent menschliches Versagen

Durch menschliches Versagen verursachte Vorfälle bleiben demnach 2020 auf demselben Niveau wie 2019: Bei mehr als einem Viertel (26 Prozent) der gesamten Ereignisse sind sie die Ursache. 41 Prozent der gesamten verlorenen Nutzungsstunden sind auf solche Fehler zurückzuführen. Auch bei Ausfällen durch Dritte ändert sich anteilsmäßig wenig gegenüber 2019: Ein Drittel der Vorkommnisse sollen ihren Ursprung etwa bei einem Versorgungsunternehmen, einem Auftragnehmer oder einem Lieferanten gehabt haben. 2018 lag diese Quote erst bei neun Prozent. Für sieben Prozent der Ausfälle wurden 2020 Naturphänomene wie Unwetter verantwortlich gemacht.

Die Enisa beobachtet und veranschaulicht die Entwicklung mittlerweile seit zehn Jahren, innerhalb derer sie insgesamt 1263 Meldungen über signifikante Sicherheitsereignisse aus der Branche verzeichnet hat. Als einen der Trends der vergangenen paar Jahre macht sie aus, dass Systemausfälle nach wie vor mit 61 Prozent die häufigste Ursache für Zwischenfälle sind, aber ihr durchschnittlicher Umfang abnimmt. Die Gesamtzahl der gemeldeten Vorfälle stabilisiert sich seit 2014 bei etwa 160 pro Jahr, die der verlorenen Stunden bei rund 900 Millionen. Letztere hatten 2017 die Rekordzahl von 1943 Millionen erreicht.

Böswillige Handlungen machen mit rund fünf Prozent pro Jahr weiterhin eine Minderheit der Vorkommnisse aus. Der Anteil der durch menschliches Versagen verursachten Vorfälle ist seit 2016 tendenziell gestiegen.

Amazon-Verteilzentrum Graz ohne UVP

Für das von Amazon geplante Logistikzentrum Graz-Süd wird keine Umweltverträglichkeitsprüfung nötig werden. Aus dem Feststellungsbescheid der Behörde geht hervor, dass laut der Umweltanwältin der Bau „keinen Tatbestand des Anhanges 1 zum UVP-G erfüllt und daher keine Umweltverträglichkeitsprüfung erforderlich ist“. Die Grazer KPÖ sprach von einem „Schlag ins Gesicht“, die Grünen von „Bodenversiegelung auf Kosten der Grazer Lebensqualität“. Berufungen sind möglich.

Der Online-Riese Amazon will im Süden von Graz beim Liebenauer Gürtel ein Verteilzentrum mit Platz für rund 250 Mitarbeiter und knapp 1.000 Fahrer bauen. Die Flächeninanspruchnahme durch das Vorhaben beträgt etwa 5,7 Hektar, die Bruttogeschoßfläche 67.877 Quadratmeter. Geplant sind eine Lager- und eine Logistikhalle, zwei Parkflächen im Freien für die Pkw der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, Ladeflächen, eine viergeschoßige Parkgarage für 960 Lieferfahrzeuge, Verkehrserschließungsflächen und Infrastrukturanlagen.

Wikileaks-Gründer Assange verliert ecuadorianische Staatsbürgerschaft

Ein Gericht hat dem Wikileaks-Gründer Julian Assange die ecuadorianische Staatsbürgerschaft entzogen. Bei der Verleihung der Staatsbürgerschaft an den gebürtigen Australier 2017 seien verwaltungsrechtliche Fehler gemacht worden, berichtete die Zeitung El Comercio. Assanges Anwalt Carlos Poveda kündigte an, Rechtsmittel gegen die erstinstanzliche Entscheidung einzulegen.

Assange wartet derzeit im Londoner Hochsicherheitsgefängnis Belmarsh auf eine Entscheidung über den Auslieferungsantrag der US-Regierung. Die Vereinigten Staaten werfen ihm vor, gemeinsam mit der Whistleblowerin Chelsea Manning geheimes Material von US-Militäreinsätzen im Irak und in Afghanistan gestohlen und auf der Internet-Plattform Wikileaks veröffentlicht zu haben. Damit sei das Leben von Informanten in vielen Ländern in Gefahr gebracht worden. Im Falle einer Verurteilung in den USA droht ihm eine langjährige Haftstrafe.

Medienbehörde hat Presseförderung für „Österreich“ neuerlich abgelehnt

Die Medienbehörde KommAustria hat neuerliche Anträge von „Österreich“ auf Presseförderung erneut abgelehnt. Die Behörde argumentiert, die Kaufversion „Österreich“ sei nicht von der Gratisversion „Oe24“ getrennt zu betrachten. Gratiszeitungen erhalten laut Gesetz keine reguläre Presseförderung.  Im Herbst beginnen die Verfahren gegen Mitglieder des Beirats, das Verfahren gegen die Republik wird fortgesetzt. Die Medienbehörde hat die Verlage wegen des Prozessrisikos mit der aktuellen Presseförderung darauf hingewiesen, Rücklagen zu bilden.

Die Republik schüttet regulär pro Jahr folgende Summen an formellen Medienförderungen (ohne öffentliche Inserate, ohne 645 Millionen für die GIS) aus:

  • 20 Millionen für kommerzielle Privatsender (erste Förderdaten 2021 hier, rund eine Million kam im Juni noch dazu),
  • 13,5 Millionen Euro für Fernsehproduktionen (Fiction, Dokus),
  • 8,9 Millionen Presseförderung,
  • drei Millionen für nichtkommerzielle Privatsender.
  • Geplant sind zudem regulär 20 Millionen Digitalförderung an klassische Medienunternehmen, voraussichtlich ab Jahreswechsel 2021 mit einer Sonderdotierung zum Start.

Ein Gesamtbild der öffentlichen Medienförderungen insgesamt inklusive Inserate öffentlicher Stellen (2020: 222,5 Millionen Euro, davon 34 Millionen der Bundesregierung) sowie der Corona-Sondermedienförderungen 2020 zeichnet die Studie „Scheinbar transparent II“ des Medienhauses Wien. Sie kommt zum Schluss, dass vor allem Regierungswerbung den Markt „willkürlich“ zugunsten des Boulevards verzerre.

Google mit Rekordquartal

Google profitiert mit Rekordzahlen von der wachsenden Online-Aktivität der Internet-Nutzer und Unternehmen. Der Umsatz der Konzernmutter Alphabet stieg im vergangenen Quartal im Jahresvergleich um 62 Prozent auf rund 61,9 Milliarden Dollar (52,4 Milliarden Euro). Beim Gewinn gab es einen Sprung auf gut 18,5 Milliarden Dollar, von knapp 7 Milliarden Dollar ein Jahr zuvor.

Nach wie vor ist Onlinewerbung in Googles Suchmaschine und anderen Bereichen die tragende Säule des Geschäfts. Googles Werbeerlöse stiegen im zweiten Quartal um rund 69 Prozent auf gut 50,4 Milliarden Dollar, wie Alphabet nach US-Börsenschluss am Dienstag mitteilte. Die Videoplattform Youtube brachte dabei 7 Milliarden Dollar ein – nach 3,8 Milliarden Dollar vor einem Jahr.

Am stärksten hätten zu dem Anstieg die Werbeausgaben des Einzelhandels beigetragen, sagte Top-Manager Philipp Schindler in einer Telefonkonferenz mit Analysten. Zudem hätten unter anderem auch die Reisebranche und Finanzdienstleister mehr Geld für Anzeigen ausgegeben.

Der Umsatz mit Cloud-Diensten stieg um mehr als die Hälfte auf 4,6 Milliarden Dollar. Google liegt damit in dem Geschäft weiterhin deutlich hinter Amazon und Microsoft. Zugleich konnte die Sparte ihren operativen Verlust auf 591 Millionen Dollar reduzieren – von gut 1,4 Milliarden Dollar ein Jahr zuvor.

Die Reserven des Internet-Konzerns erreichten zum Quartalsende rund 136 Milliarden Dollar. Während Google genauso wie andere Tech-Riesen verstärkt ins Visier von Regulierern gerät, ist das ein üppiger Polster für mögliche Strafen.

Disney+ bereits drittgrößter Streaminganbieter

Streaming ist weiterhin beliebt in Österreich. Vor allem bei jungen Leuten haben Streaminganbieter klassisches Fernsehen längst überholt. Laut der Internetseite JustWatch.org ist Prime Video im zweiten Quartal 2021 in Österreich Marktführer mit 35 Prozent, wobei Netflix nur noch ein Prozent davon entfernt ist. Disney+ hat sich den Platz als drittgrößter Streaming-Service sichern können und liegt 14 Prozent vor AppleTV+ und SkyX. AppleTV+ hat nun die kostenlose Testphase abgeschafft, insofern wird man die Entwicklung in den kommenden Monaten abwarten müssen.

Urheberschutz: Brüssel eröffnet Verfahren gegen Österreich

Die EU-Kommission geht gegen 23 EU-Länder – darunter auch Österreich – vor, die eine Richtlinie zu Urheberrechten nicht schnell genug oder wohl unzureichend in nationalem Recht verankert haben. Man habe sich entschlossen, Vertragsverletzungsverfahren einzuleiten, teilte die Kommission mit.

Am Ende solcher Verfahren können Klagen vor dem Europäischen Gerichtshof stehen. Die EU-Kommission ist unter anderem dafür zuständig, über die Einhaltung von EU-Recht zu wachen.

Die EU hatte die Richtlinie bereits 2019 verabschiedet, sie musste eigentlich bis zum 7. Juni in nationales Recht umgesetzt werden. Im Kern geht es darum, Regeln rund um das Internet und das Verhältnis zwischen Urhebern, Internetplattformen und Nutzern festzulegen. Zu den Staaten, gegen die nun vorgegangen wird, zählen neben Österreich auch Belgien, Tschechien, Italien, Polen und Frankreich.

Vor der EU-Richtlinie hatte es vor Jahren massive Proteste und Demonstrationen in vielen Ländern gegeben. Internetnutzer befürchteten Einschränkungen durch sogenannte Upload-Filter, die Dateien beim Hochladen prüfen.

Österreich hatte der heftig umstrittenen Reform des EU-Urheberrechts im April 2019 zugestimmt. Aus Sicht der Befürworter geht es darum, Plattformen, die wissentlich mit fremden Inhalten Geld verdienen, zu einer fairen Lizenzierung zu zwingen. Die Warnung vor „Upload-Filtern“ weisen sie als Panikmache zurück.

Verlag der Schwäbischen Zeitung übernimmt den Nordkurier

Der Schwäbische Verlag übernimmt die Nordkurier Mediengruppe in Mecklenburg-Vorpommern. Wie der Verlag mitteilte, hat er dies mit den beiden bisherigen Mitgesellschaftern vereinbart, der Mediengruppe Presse-Druck in Augsburg und den Kieler Nachrichten.

Mehr als 30 Jahre lang hielten die drei Verlagshäuser jeweils ein Drittel an der Mediengruppe in Neubrandenburg. Rückwirkend zum 1. Januar 2021 ist der Schwäbische Verlag demnach nun alleiniger Gesellschafter.

Outbrain startet an der Börse

Die Native-Advertising-Plattform Outbrain wird seit 24.7. an der US-Börse NASDAQ gehandelt. Somit reiht sich das Unternehmen in eine Serie an Börsengängen aus der Adtech-Welt ein. Citigroup, Jefferies, Barclays und Evercore ISI begleiten den IPO.

Outbrain gibt zum Start 8 Millionen Stammaktien aus, wobei Anleger am ersten Handelstag 20 US-Dollar pro Stück zahlen mussten. Der Eintritt an der Börse soll also 160 Millionen US-Dollar frisches Kapital in die Kassen des Unternehmens spülen, das mit 1,25 Milliarden US-Dollar bewertet wird. Diese hohe Bewertung kommt nicht von ungefähr. Die Technologieplattform sorgt seit 2006 sehr erfolgreich für das Matchmaking im Native Advertising und fungiert damit als Vermittler zwischen Werbetreibenden und Publishern. Sie ermöglicht die Einbindung nativer Werbung und Content-Empfehlungen im redaktionellen Umfeld. Den sogenannten “Discovery Feed” sieht man unter anderem bei Kunden wie Spiegel, Focus oder der Zeit. 2020 setzte Outbrain 767 Millionen US-Dollar bei einem schmalen Nettogewinn von 4,4 Millionen um. Im ersten Quartal 2021 betrug das Umsatzplus jedoch bereits knapp 30 Prozent, was einen Gewinn von elf Millionen US-Dollar einbrachte und den Vorjahresgewinn also verdreifachte.

Online-Marktplätze boomen wie noch nie

Eine neue Studie vom Handelsverband, der TU und der Uni Wien bestätigt: Webshops verdienen im Schnitt 56 Prozent ihrer Umsätze über Plattformen.

Viele KundInnen suchen Produkte nicht mehr über klassische Suchmaschinen, sondern direkt bei vertrauten Online-Marktplätzen. Eine neue Studie des Handelsverbandes, der Universität Wien sowie der TU Wien hat den Status Quo von Online-Marktplätzen und Produktplattformen in Österreich aus Sicht der Handelsbetriebe analysiert. Die Studienergebnisse zeigen, dass 59 Prozent der befragten Händler Online-Marktplätze als Vertriebsweg nutzen. 70 Prozent derjenigen, die noch nie auf Marktplätzen vertrieben haben, wollen diesen Kanal in Zukunft bespielen.

Amazon und Sky verkünden Partnerschaft

Sky und Amazon haben eine langfristige Partnerschaft angekündigt, in deren Rahmen Prime Video auf Sky Q-, Now TV- und Sky X-Geräten eingeführt wird.

Die Neuerung gilt für Kunden in Österreich, Großbritannien, Irland, Deutschland und Italien, teilte Sky in einer Aussendung am Montag mit. Damit sind Prime-Video-TV-Serien, -Filme und weitere Inhalte neben Sky-Originals und Netflix-Inhalten sowie Apps wie YouTube an einem Ort zu sehen. Zudem wird die Now-TV-App auch auf kompatiblen Fire-TV-Geräten eingeführt.

Zu wenige Betriebe haben Digitalstrategie für Pandemie

Die Coronapandemie hat die Digitalisierung der Unternehmen in den Fokus gerückt, bei den Klein- und Mittelbetrieben ist das aber nur eingeschränkt angekommen, legt eine aktuelle Umfrage von Marketagent und medienmanager.at nahe. Demnach haben lediglich 8,8 Prozent der 480 Befragten Unternehmer/IT-Beauftragten eine Digitalstrategie im Zuge der Pandemie erarbeitet, bei 16,7 Prozent ist sie künftig geplant.

Gut ein Drittel hatte schon vor der Krise eine Digitalisierungsstrategie im Unternehmen implementiert, bei 36,7 Prozent ist sie auch in Zukunft nicht geplant. „Dabei ist rund ein Viertel der Ansicht, dass die Corona-Krise Auslöser für das Setzen längst nötiger Digitalisierungsschritte war. 23,5 Prozent der Befragten bezeichneten sie gar als Weckruf für ihr Unternehmen. Und das zurecht, denn ein Drittel ist davon überzeugt, dass bereits in der Vergangenheit gesetzte Maßnahmen im Bereich der Digitalisierung ihr Unternehmen vor stärkeren Rückschlägen bewahrt haben“, so Marketagent zum Umfrageergebnis. Elf Prozent der Befragten meinten übrigens, dass sie durch die Corona-Krise zu einer digitaleren Arbeitsweise gezwungen wurden, die sie gerne wieder rückgängig machen würden.

Sport1 sichert sich kurzfristig Europapokal-Rechtepaket

Neben den neuen Samstagabendspielen der 2. Bundesliga und dem Auftakt im DFB-Pokal präsentiert Sport1 in den kommenden Wochen auch hochkarätige internationale Fußball-Highlights live im Free-TV.

Dazu hat sich die Sport1 GmbH ein Rechtepaket mit Quali-Spielen von Champions bis Conference League für Deutschland, Österreich und die Schweiz von Sportfive gesichert. Sport1 kann daher ausgewählte Partien der ausstehenden Qualifikationsrunden in aller drei Europapokal-Wettbewerben sowie der anschließenden Play-offs der Europa League und Europa Conference League. Neben der Free-TV-Abbildung werden auch Highlight-Clips auf den digitalen Plattformen sowie Wiederholungen auf dem Pay-TV-Sender Sport1+ gezeigt.

Informationsportal für österreichische Gemeinden

Mit ihrem Online-Portal meinbezirk.at liefern die Regionalmedien Austria (RMA) lokale Nachrichten für das Online-Gemeindeportal kommunalnet.at und ergänzen mit dieser Einbindung ihr breites Angebot. Im Zuge der Kooperation werden regionalisierte Nachrichten von meinbezirk.at über kommunalnet.at ausgespielt. Für die Leser bedeutet dies einen besseren Informationsfluss zwischen öffentlichen Einrichtungen und meinbezirk.at. Kommunalnet bietet den Gemeinden mit der Anbindung des Nachrichten-Portals ein weiteres Service, um lokale Informationen schnell und zentral zu erhalten. Die Plattform ist mit rund 2.100 Gemeinden und Gemeindeverbänden das größte Arbeits- und Informationsportal im Kommunalbereich. Dahinter stehen der Österreichische Gemeindebund, seine Landesverbände und die Kommunalkredit Austria.

E-Commerce: Shopware veröffentlicht VoD-Plattform

Shopware TV will eine Infotainment-Plattform für E-Commerce-Interessierte sein und Kooperationen unter allen Marktteilnehmern fördern. „Einen Schwerpunkt legen wir auf die Marktbetrachtung des Konsumenten“, sagt Hamann. „Denn die Art und Weise, wie Menschen einkaufen, verändert sich ebenso stark wie die konsumierten Produkte oder die Wahrnehmung einer Marke. Shopware TV soll dazu beitragen, diese Prozesse zu verstehen und von dem Wissen langfristig zu profitieren.“

Garantie ist wichtigstes Kriterium für den Kauf von gebrauchten Smartphones

Der Kauf eines gebrauchten Smartphones schont zwar den Geldbeutel und ist nachhaltiger, als sich immer wieder ein neues Gerät zu besorgen – und doch schwingt immer ein wenig die Angst vor mangelnder Qualität mit. Das bestätigt auch eine Umfrage des Elektronik-Recommerce-Unternehmens rebuy: Über 66 Prozent der befragten Konsumenten geben dies als Hauptgrund für ihre Bedenken an, wenn es um den Kauf gebrauchter Smartphones auf privaten Flohmärkten oder anderen Marktplätzen geht.

44 Prozent schreckt dagegen die Angst, auf Betrüger oder Abzocker reinzufallen, ab. Dass auf dem Smartphone-Gebrauchtmarkt alte bzw. technisch und optisch nicht mehr zeitgemäße Modelle gehandelt werden, vermuten 39 Prozent der Befragten. Gleichzeitig sind Bedenken der Konsumenten auch die größten Verkaufsargumente von professionellen Resellern: Die Mehrheit (61 Prozent) kauft ihr Smartphone dort, weil sie eine meist langjährige Garantie erhalten. Für 37 Prozent der Befragten ist die hohe Qualität der geprüften und häufig vom Reseller technisch und optisch aufbereiteten Smartphones der Kaufgrund. Fast ein Drittel (29 Prozent) entscheidet sich für einen professionellen Reseller, da man dort die geringsten Bedenken in puncto Datensicherheit hat. Umweltschutz ist jedoch nur für 14 Prozent ein relevantes Kriterium.

Auch Händler können von der nachhaltigen Kreislaufwirtschaft profitieren, indem sie ihre Erträge maximieren und sowohl Retouren als auch Überbestände schnellstmöglich abverkaufen.

Bibliotheken in der Pandemie: Gedrucktes schlägt E-Books

In der Corona-Krise stand in den Bibliotheken analoger Lesestoff hoch im Kurs. „Bücher, die seit Jahren nicht ausgeliehen wurden, waren plötzlich wieder gefragt“, erklärte die Leiterin der Landesfachstelle für öffentliche Bibliotheken in Thüringen, Sabine Brunner. Unter anderem habe die Bibliothek in Bad Heiligenstadt (Landkreis Eichsfeld) während des Lockdowns mehr Bücher verliehen als im Regelbetrieb. Generell hätten viele Nutzerinnen und Nutzer gedruckte Bücher den E-Books vorgezogen.

Über die Gründe kann Brunner nur spekulieren: „Vielleicht liegt es daran, dass die Menschen in dieser Zeit ohnehin so viel Zeit an Laptops oder Handys verbrachten. Vielleicht spendet ein Buch in solchen Zeiten auch einfach mehr Trost als die digitale Version.“ Die Bibliotheken würden nun die weitere Entwicklung beobachten. Eventuell sei aber zumindest eine teilweise Rückbesinnung auf die analogen Formate sinnvoll.

Die Corona-Krise habe zudem gezeigt, wie wichtig Beratung und persönlicher Kontakt sei. Möglicherweise müssten sich Bibliotheken wieder stärker auf die eigentlichen Kompetenzen wie Recherche- und Lesekompetenzen und Hilfe zur Selbsthilfe konzentrieren, anstatt auf neue digitale Trends. „Wir werden uns das anschauen, wenn die Krise vorbei ist“, sagte Brunner.

Als besonders erfolgreich hätten sich Angebote wie „Date mit einem Buch“ ausgewirkt. Dabei wählen die Bibliothekare Bücher nach den Vorlieben der Nutzer aus. „Die Rückmeldungen dabei waren fast ausschließlich positiv, viele schätzten die Gelegenheit, ein unbekanntes Buch kennenzulernen.“ Bedauerlich ist aus der Sicht der Bibliothekare, dass die Bücherbusse während des Lockdowns die ländlichen Regionen nicht mit Lesestoff versorgen konnten. „Leider war kein Hygienekonzept möglich, das mit den Vorgaben vereinbar gewesen wäre.“
Schub für digitale Angebote

Bibliotheksschließungen wird es nach bisherigem Stand in Thüringen nicht geben. Auch die elf Universitätsbibliotheken seien gut durch die Corona-Krise gekommen, sagte die Vorsitzende im Landesverband Thüringen im deutschen Bibliotheksverband, Milena Pfafferott. Wegen der Schließungen seien die Nutzungszahlen von 3,2 Millionen in 2019 auf 600.000 in 2020 zurückgegangen. Die Entleihungen sanken hingegen nur von 1,5 Millionen auf etwa 1,1 Millionen.

Für das digitale Angebot habe die Krise einen deutlichen Schub gebracht. Viele Bibliotheken hätten Selbstlernvideos, etwa für Schulungen zu wissenschaftlicher Recherche oder anderen Grundlagen erstellt. „Diese Formate werden sicher auch in Zukunft erhalten bleiben.“

In Thüringen gab es der Landesfachstelle zufolge im Jahr 2019 insgesamt 240 Stadt- und Gemeindebibliotheken mit rund 2,1 Millionen Besuchern und 6,3 Millionen Entleihungen. 82 Prozent der Thüringer leben demnach in Kommunen mit mindestens einer öffentlichen Bibliothek.

Albrecht Frenzel wird neuer Vize-Intendant des BR

BR-Verwaltungsdirektor Albrecht Frenzel wird neuer Stellvertreter von Intendantin Katja Wildermuth, das hat der Rundfunkrat des Senders nun beschlossen. Frenzel folgt in dieser Position Albrecht Hesse, der Ende Februar 2022 in den Ruhestand geht. Hesse hatte das Amt bislang neben seinem Posten als Juristischer Direktor ausgeübt. Das Justiziariat des Senders wird ab März 2022 von Eva Majuntke geleitet, auch das hat der Rundfunkrat nun so beschlossen

Bertelsmann scheitert mit Investment in der Food Delivery-Branche

So hat die 2018 gegründete chinesische E-Commerce-Plattform Tongcheng Life, zu deren Investoren u.a. der Fonds Bertelsmann Asia Investments (BAI) gehörte, schon nach drei Jahren Bankrott angemeldet. Das Geschäftsmodell von Tongcheng Life beruhte auf dem Prinzip des ‚Community Pick-up‘. Selbstständige Verkäufer und kleine Läden organisierten per Wechat Bestellung und Abholung von Lebensmitteln in ihrer jeweiligen Nachbarschaft und erhielten dafür eine Umsatzbeteiligung.

Hintergrund der aktuellen Pleite ist ein heftiger Preiskampf im chinesischen Markt, der viele Food-Lieferanten unter Druck setzt.

„faz.net“-Beiträge werden ab sofort auch über Apple CarPlay und Android Auto ausgespielt

Die Inhalte des Nachrichtenportals „faz.net“ sind ab sofort auch zum Anhören im Auto verfügbar. Als laut eigenen Angaben erste deutsche Tageszeitung bietet die „FAZ“ seine Online-Beiträge über Apple CarPlay und Android Auto an.

Im vergangenen Jahr wurden bereits die Inhalte der App „FAZ Der Tag“ über Apple CarPlay und Android Auto zum Anhören verfügbar gemacht, „faz.net“ zieht mit seinen Inhalten nun nach: Über Apple CarPlay und Android Auto können Abonnenten mit Digitalzugang alle aktuellen Artikel des Nachrichtenportals als Audio-Format abspielen.

Neben den aktuellen Nachrichten aus allen Ressorts sind über die „faz.net“-App im Auto auch die elf Podcasts der „FAZ“ zugänglich. Gleichfalls können sich Fahrer die gespeicherten Artikel des eigenen Merkzettels sowie Beiträge des individualisierten redaktionellen Angebots im Bereich „Entdecken“ vorlesen lassen: Hier sind die Top-5-Lese-Empfehlungen auf Basis der persönlichen Themen- und Autorenauswahl zu finden.

W24 launchte Werbemanager

Beim Wiener Stadtsender W24 können Kunden ab sofort mit dem Werbemanager auf w24.at Werbezeiten buchen. Der Vorgang ist simpel: Man muss nur ein Paket auswählen, das Werbemittel hochladen, einen Link ergänzen, erforderliche Kundendaten angeben und online bezahlen. Etwa vier Tage später ist die eigene Werbung im Splitscreen mindestens 50 Mal in der Woche beziehungsweise 200 Mal im Monat für jeweils 15 Sekunden auf W24 zu sehen und wird noch dazu in einem Karussell auf der Homepage rund um die Uhr ausgespielt, heißt es in einer Aussendung.

WDR: Taskforce soll Wetterangebot verbessern

Der WDR war wegen der ungenügenden Berichterstattung in der Katastrophennacht immens in die Kritik geraten. Erst verspätet gestand man eigene Fehler ein. Schnell sollten Maßnahmen ergriffen werden. Vertreter des WDR, des NRW-Innenministeriums und des Bundesamts für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe hatten in der vergangenen Woche dann die Abläufe rund um die Bevölkerungswarnung bei der Unwetterlage in der Nacht vom 14. auf den 15. Juli erörtert.

Es wurde dabei verabredet, gemeinsam die Analyse fortzusetzen und abgestimmte Empfehlungen zur Weiterentwicklung zu erarbeiten. Mit sofortiger Wirkung wurde vom WDR dafür jetzt eine entsprechende Taskforce eingesetzt. Man erklärt sich dabei offen für Kooperationen, insbesondere in Richtung des Katastrophenschutz und der Behörden.

Intendant Tom Buhrow zum Beschluss der WDR-Geschäftsführung: „Wir wollen den behördlichen Katastrophenschutz künftig moderner und noch besser unterstützen. Das gehört zu den selbstkritischen Lehren, die wir jetzt ziehen. […] Jetzt für die Zukunft ein Angebot zu entwickeln, ist der nächste ganz wichtige Schritt.“

Portal Pornhub im Museum : Kunst als Porno

Das Internetportal Pornhub versucht verzweifelt, seinen anrüchigen Ruf aufzupolieren. Jetzt müssen Meisterwerke der Kunstgeschichte dafür herhalten.

Mancher Museumsbesucher ahnt, dass in gewissen Nächten die Bilder von den Leinwänden steigen, um miteinander zu sprechen, zu feiern, zu tanzen. August Mackes Dame im blauen Mantel lässt sich nieder auf einem schwarzen Quadrat, Marinettis futuristischer Rennradfahrer jagt der Nike von Samothrake hinterher. Menschen sind bei den Feiern nicht zugelassen, aber dass es dort nicht immer brav zugeht, sehen geübte Kunstkritiker sofort – wenn am Morgen danach zum Beispiel Gustave Moreaus Galatea noch ein bisschen seliger lächelt, als sie das an gewöhnlichen Tagen tut.

Keine Überwachungskamera hat das je gefilmt. Und genau das will die Firma Pornhub jetzt ändern, das Internetportal, dessen Geschäftsmodell der Handel mit genau solchen Bildern ist, die zeigen, was eigentlich im Verborgenen geschieht: Pornhub verkauft Sex, und weil dieser Handel nicht das beste Image hat, engagiert sich die Firma auch gegen Brustkrebs und lässt Strände vom Plastikmüll säubern. Den schlechten Ruf wird Pornhub trotzdem nicht los. Im Juni erst haben 34 Frauen Klage eingereicht; in den meisten Fällen geht es darum, dass ihre Männer sie ohne ihr Wissen gefilmt und gegen ihren Willen die Videos der Plattform zur Verfügung gestellt hätten.

Vollkommene Keuschheit

Noch ist nichts entschieden – aber falls die Frauen recht bekommen, wird das Image der Firma auch damit nicht zu retten sein, dass sie neuerdings den Kunstsinn befeuern will. „Classic Nudes“ heißt das neueste Projekt. Es ist ein Onlineführer zu den bedeutendsten und vielleicht auch schönsten Nackten der Kunstgeschichte, mit Kommentaren, die die Entstehungsgeschichte in angemessener Knappheit referieren.

Und wenn es eher um die erotische als um die kunsthistorische Wirkungs¬geschichten dieser Bilder geht, ist dagegen ja nichts zu sagen. Wer glaubt, man dürfe sich dieser Kunst nur im Zustand vollkommener Keuschheit nähern, hat weder die Intentionen der Auftraggeber noch die der Werke verstanden. Im Gegenteil, genau daher kommt ja die ästhetische Herausforderung beim Betrachten dieser Bilder: dass man ihren Reizen erliegen und zugleich widerstehen muss; dass sie das Begehren fordern und zugleich sublimieren.

Allerdings läuft das Kunstprojekt der Firma auf direktere Formen der Rezeption hinaus. Und so stehen da jetzt erste kleine Filme, die so tun, als ob sie wüssten, was geschieht, wenn Courbets „Ursprung der Welt“ oder Goyas „Nackte Maya“ in Bewegung geraten. Ein Mann tritt ins Bild, und dann wird getan, was in Pornos eben getan werden muss. Die Spannung ist heraus, die Herausforderung hat sich erledigt. Man bekommt Lust, mit Jackson Pollocks Farbspritzern zu flirten und ein schönes Rot von Rothko in den Arm zu nehmen, in einer dieser Nächte, wenn die Bilder erwachen.

Russland sperrt dutzende Internetseiten von Kreml-Kritikern

Russland hat dutzende Internetseiten von Kreml-Kritikern – vor allem um den inhaftierten Oppositionellen Alexej Nawalny – gesperrt. Auf Beschluss der Generalstaatsanwaltschaft in Moskau seien insgesamt 49 Seiten in Russland blockiert worden, teilte die unabhängige Organisation Roskomswoboda mit. Die Organisation setzt sich für einen freien Zugang zum Internet ein. Gesperrt worden sind demnach auch alle Seiten Nawalnys, darunter jene in den Regionen.

Zuvor hatten die Behörden Nawalnys Organisationen als extremistisch eingestuft. Nawalnys Mitarbeiter Leonid Wolkow meinte, dass wohl vor der Parlamentswahl am 19. September bald noch die Seite zur sogenannten smarten Abstimmung gesperrt werde. Dort will die Opposition Wählern Empfehlungen geben, für welchen Kandidaten sie am besten ihre Stimme abgeben sollten, um den Bewerber der Kreml-Partei Einiges Russland am Einzug in die neue Staatsduma zu hindern.

In Russland sind tausende Internetseiten gesperrt, darunter viele von Oppositionellen, aber auch von unabhängigen und kritischen Medien. Die Behörden begründen die Sperren mit Verstößen gegen russische Gesetze, nach denen etwa Seiten mit extremistischen Inhalten nicht zugänglich sein dürfen. Andersdenkende beklagen dagegen, dass Kritik am russischen Machtapparat zunehmend kriminalisiert und die Meinungsfreiheit insgesamt immer stärker bedroht werde.

Hörbücher und Podcasts: Jeder hört für sich allein

Hörbücher und Podcasts erobern die Aufmerksamkeit des lesenden Publikums. Woran liegt das? Und wie gelingt die Konzentration?

Ein Buch selbst zu lesen oder es von jemandem vorgelesen zu bekommen ist nicht dasselbe, denn in den verschiedenen Rezeptionsformen sind wir verschiedene Wesen. Beim Selbstlesen wählen wir die eigene Geschwindigkeit, handhaben einen Gegenstand, springen mit dem Blick auf der ganzen Seite herum, blättern vor oder zurück, alles in kaum bewussten Mikroprozessen, die zur inneren Motorik des individuellen Lektürevorgangs gehören. Die einen sitzen, andere hocken oder liegen, wieder andere stehen beim Lesen. Augen, Kopf und Nacken, die Diener der lesenden Aufmerksamkeit, sind in ständiger Bewegung.

Wie es ist, all diese Tätigkeiten zurückzufahren und sich der Stimme eines Vorlesers oder einer Vorleserin zu überlassen – kaum jemand befragt diesen anderen Zustand, weil das Zuhören ähnlich unbewusst erfolgt wie das meiste, was auf unsere Außenhülle einstürmt. Neu daran ist, dass Zuhören dank Digitalisierung und Bluetooth-Technologie zu einer immer häufigeren Tätigkeit geworden ist, manche würden sagen: zur bevorzugten Form des gesellschaftlichen Rückzugs, also wie gemacht für die vergangenen sechzehn Monate. Stör mich nicht! Siehst du nicht, dass ich höre? Nicht nur die soziale Isolation durch die Corona-Pandemie, auch die Individualisierung der Lebensstile und vielleicht ja auch ein gewisser Solipsismus einer vereinsamenden Gesellschaft ermöglichen es heute vielen, sich ständig einem Hörbuch oder einem Podcast zu überlassen: beim Gehen, Radeln, im Auto und im Zug, beim Bügeln, Karottenschnippeln oder vor dem Einschlafen.

Auf die Lesestimme kommt es an

Der Schauspieler Hanns Zischler las einmal in einem gut gefüllten Saal in Berlin Passagen aus einem mittelmäßigen Roman des Nobelpreisträgers Mario Vargas Llosa vor; er las so gut, dass die gravierenden Stilmängel des Buches verborgen blieben. So verwandelt eine kompetente Lesestimme den grauen Text und macht daraus etwas Neues, das plötzlich glänzt. Für die wachsende Audiogemeinde sind Werk und Stimme so sehr zu einer Einheit verwachsen, dass viele Deutsche bei Nennung der Harry-Potter-Saga gleich den Schauspieler Rufus Beck hinzudenken und Briten ihren geliebten Stephen Fry. Beck gibt eher den jugendlichen Vorleser, dessen stimmliche Eigenheiten an den vorwitzigen Geist des Helden Harry Potter erinnern; Fry bewegt sich mehr in Richtung Märchenonkel und verkörpert damit gewissermaßen die ironische Weisheit des Textes. So gegensätzlich diese Zugriffe sind, beide sind durchdacht und in ihren jeweiligen Ländern überragend erfolgreich.

Vor vielen Jahren, nach einer Augenoperation, war ich Hörbüchern schon einmal für ein paar Wochen verfallen; dann kehrte ich zur gedruckten Seite zurück. Die zweite, diesmal ernstere Suchtgeschichte begann letztes Jahr mit dem Zusammenfallen zweier Faktoren: der Bequemlichkeit von Hörbuch-Apps und der Benutzung eines kabellosen Ohrhörers. Den Anbieter für Hörinhalte, also den Streamingdienst beziehungsweise die Plattform, muss sich jeder selbst suchen, er hängt von der Sprache und den Interessengebieten ab.

Bei der Amazon-Tochter Audible, die schon seit Langem auf dem amerikanischen Markt ist und weltweit über den größten Katalog deutscher und fremdsprachiger Bücher verfügt, zahlt man pro Titel meist 9,95 Euro und muss mindestens einen pro Monat abnehmen. Anbieter wie BookBeat von der Bonnier Verlagsgruppe, die Nummer zwei in Deutschland, und die kleineren Konkurrenten arbeiten mit einem reinen Abosystem: Je nach Hörstunden zahlt man höhere oder niedrigere Monatsbeträge. Wer sehr viel hört, fährt bei BookBeat und den anderen besser und scheut auch kürzere Formate nicht, die bei Audible ziemlich ins Geld gehen. Kostenlose Probeabos bieten alle an, sodass man sich ohne Risiko einen Überblick verschaffen kann.

Im inneren Theater

Was ist das Besondere am Hören von Literatur? Ich kann nur auf die Intensität des Erlebnisses durch eine fremde Stimme, einen fremden Vortrag und die Dramatisierung durch eine außerhalb meiner selbst liegenden Quelle verweisen. Es ist wie inneres Theater, bei dem ich abwechselnd auf dem Zuschauersitz und dem Regiestuhl sitze, eine privilegierte Vorführung, die bei jedem auf etwas andere Weise in die Ritzen des Lebens kriecht. Angesprochen auf seine Kunst der Spannungserzeugung, hat Hitchcock gern von Andeutung und Auslassung gesprochen; er wollte das Publikum dazu bringen, die Filmszenen mit eigenen Schreckensbildern aufzuladen.

Dass Hören mehr Raum für die Phantasie lässt als Sehen, für diese nur auf den ersten Blick überraschende These hat eine Studie des University College London im Auftrag von Audible inzwischen den wissenschaftlichen Beleg geliefert: Wer eine Geschichte nicht über Film oder Fernsehen, sondern via Hörbuch oder Podcast aufnimmt, empfindet nachweislich eine stärkere emotionale Beteiligung am Erzählten. Die Erregung hat direkte körperliche Folgen, nämlich eine höhere Herzfrequenz und eine um 1,6 Grad gestiegene Hauttemperatur. Will man das? Aber natürlich will man das! Von Gesundheitsgefährdung durch übermäßige Spannung war in der Studie nicht die Rede.

Hinzu kommt, dass alle Arten von Bildschirmen unsere Augen ermüden und wir bei Hörbüchern aktiven Gebrauch eines anderen Sinnesorgans machen. Das entlastet für die übrigen Tätigkeiten. Zuhören erlaubt äußerste körperliche Trägheit bei gespanntester Geisteskonzentration. Man kann aber auch körperlich aktiv sein, darf nur die eigenen Gedanken nicht ziellos wandern lassen, dann verliert man den Anschluss. Kochen zum Beispiel geht. Kochen nach Rezept: eher nein, es sei denn, man hörte dabei flaches Geplapper, aber wer will das schon? Wer innerlich vagabundiert, behält nichts und muss im Text zurückspringen. Die entsprechenden Apps haben für dieses Vor- oder Zurückspringen im Text fünfzehn Sekunden voreingestellt, doch das ist ebenso variierbar wie der Einschlaftimer oder das Tempo der Vorlesestimme. Bei Günter Grass, der seine Werke bekanntlich selbst einlas, tut den späten Texten etwas mehr Speed durchaus gut.

Es ist nicht übertrieben, bei Hörbüchern und Podcasts von einer kleinen Medienrevolution zu sprechen, zunächst auf dem englischsprachigen Markt, dann auf dem skandinavischen und deutschen. In der ersten Corona-Phase hat in Deutschland eine Million Menschen zum ersten Mal im Leben Hörbücher oder Podcasts gehört. Fast drei Viertel der neuen Nutzer sind unter 34 Jahre alt. Laut einer Statista-Studie liegt der Zuwachs in diesem Land zwischen 2017 und 2020 sogar bei satten acht Millionen Menschen, und 2019 haben Audio-Downloads erstmals die CD als Träger von Hörinhalten übertroffen.

Immer nur Rekordjahre

Diese Kurve wird auch in Zukunft nach oben zeigen. Im Grunde gebe es für sein Unternehmen seit 2005 nur Rekordjahre, schwärmt Audibles Deutschland-Chef Oliver Daniel im Gespräch mit der F.A.Z.: „Und unsere Partner – Verlage, Produzenten, Regisseure, Schauspieler und Sprecher – wachsen mit uns.“

Das trifft sicherlich zu, aber dasselbe ließe sich auch über die Amazon-Versandzentren sagen, die surreale Dimensionen angenommen haben und wegen der dort herrschenden Arbeitsbedingungen in die Kritik geraten sind. Bei der Frage, wie viel vom Kuchen denn für die Audible-Partner übrig bleibt, macht Daniel zu und beschränkt sich auf die dünnlippige Formulierung, die Verlage erhielten einen „angemessenen Vergütungsanteil“. Genaueres ist nicht zu erfahren, auch Umsatzzahlen werden nicht veröffentlicht. Stattdessen erklingt das frohgemute Wachstumslied eines globalen Verkaufsgiganten. „Wir stehen am Jahresende immer besser da als am Jahresbeginn“, sagt der Audible-Boss, „mit mehr Hörerinnen und Hörern und mehr Titeln.“

Da verfährt die Konkurrenz von Bonnier transparenter. Im April meldete BookBeat, das Kunden in 28 europäischen Ländern hat, für das erste Quartal 2021 ein Wachstum der zahlenden Nutzer von 66 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Das bedeutet ein Umsatzplus von 45 Prozent. Besonderen Wert legt Deutschland-Geschäftsführerin Kathrin Rüstig auf den Umstand, dass BookBeat eine „verlagsfreundliche Vergütung“ biete. Im Klartext: Für jede gehörte Stunde wandern dreißig Cent an den lizenzgebenden Verlag, bei neueren Titeln bis zu 35 Cent. „Wir wollen ein fairer Partner sein“, sagt Rüstig im Gespräch und beeilt sich hinzuzufügen, das sei nicht als Spitze gegen die Kollegen von Audible zu verstehen – sie hat selbst dreizehn Jahre dort gearbeitet. Und Audibles Verträge sind geheime Kommandosache.

Doch eine Untersuchung der Website Basicthinking zeigt, wie groß die Vergütungsunterschiede zwischen den internationalen Streamingdiensten tatsächlich sind. Während BookBeat für ein Zehnstundenbuch bei jeweils dreiminütigen Tracks, die einem einzelnen Stream entsprechen, insgesamt drei Euro weiterreicht, sind es bei Apple Music 1,15 Euro, bei Amazon Music 72 Cent und bei Spotify nur 59 Cent. Was daran angemessen ist, können am besten die von der Digitalindustrie geknebelten Künstler und Produzenten sagen.

Umkehr der Verwertungskette

Ein wichtiger Unterschied zwischen dem Hörbuch-Marktführer und der Konkurrenz ist, dass Audible auch selbst produziert, darunter in einem neuen Studio in Berlin-Mitte. Allein 2021 werden es sechshundert Titel sein, davon 150 „Originals“, bei denen kein Federstrich aus fremden Quellen stammt. „Neuerdings werden Werke gleich vom Audioformat her gedacht“, sagt Audible-Chef Oliver Daniel. Der Bestsellerautor Sebastian Fitzek zum Beispiel hat sein Werk „Auris“ für Audio konzipiert, erst danach als Buch. Und es ist kein Zufall, dass mit der Audible-Produktion „Im Untergrund“ von Patrizia Schlosser, einer Geschichte über die letzten Mitglieder der RAF, erstmals ein Podcast den Deutschen Radiopreis gewonnen hat. „Auch hier“, sagt Daniel, „gab es anschließend das Buch zum Podcast.“ Noch besser: Das hochkomische Werk „When You Finish Saving the World“ von Jesse Eisenberg wandert vom Audio gleich in die Verfilmung.

Diese Umkehrung der Verwertungskette ist kein Spleen, sondern eine unmissverständliche Aussage über die steigende Attraktivität – und die wachsenden dramaturgischen Möglichkeiten – des Audioformats. Es ist, als hätten die Erleichterungen der Technologie das heimelige Gefühl beim Lauschen alter Radiohörspiele zurückgebracht, nur dass es die Küche mit dem Röhrengerät und die andächtig um das Gerät versammelte Familie so kaum noch gibt: Jeder hört für sich allein. Aber warum eigentlich? Ist es so ausgeschlossen, dass Menschen sich künftig in Audio-Klubs und Hörvereinen organisieren, um gemeinsam einem Buch zu lauschen?

Ein kurzer Blick zurück. Wer Literatur früher nicht im Radio hörte, aber nicht mit eigenen Augen lesen mochte, war auf die „Sprechplatten“ längst versunkener Zeiten angewiesen, und außer den Kriegsreden Thomas Manns („Deutsche Hörer!“) oder Gedichtzyklen wie Heines „Deutschland, ein Wintermärchen“, die ein virtuoser Rezitator wie Lutz Görner auf seinen Tourneen vortrug, schafften es nicht viele Bücher ins akustische Format. Görners Platten etwa entstanden vorzugsweise als Mitschnitt aus dem Theatersaal, nicht im Tonstudio. Und dicke Romane? Niemand hätte die drei bis vier Dutzend Schallplatten, die für „Moby-Dick“ oder den „Zauberberg“ erforderlich gewesen wären, nach Hause schleppen wollen, vom astronomischen Kaufpreis zu schweigen. Das schaffte erst die CD mit ihrem unbestrittenen Helden Gert Westphal.

Doch all das ist Vergangenheit. Der Hörbuchmarkt ist Teil der digitalen Umwälzung geworden, die Jahr um Jahr tiefer in unser Privatleben, unsere Lebens- und Konsumgewohnheiten eingreift. Mehrere technische Entwicklungssprünge sind den Audiobooks und Podcasts zu Hilfe gekommen. Erst wurde aus dem Walkman der Discman und schließlich das allgegenwärtige Smartphone mit riesigem Datenspeicher. Dann kamen der kabellose Kopf- oder Ohrhörer, die bedienfreundliche App und mit ihr, durch ausreichende Downloadspeicher, die Unabhängigkeit vom Ort der Datenquelle.

Den Stimmen folgen

Wenn ich auf die Audible-Website gehe und das Angebot vor mir sehe, könnte ich glauben, mich in einer gutsortierten Buchhandlung zu befinden. Ich kann Tolstoi in zehn Sprachen hören, auch auf Dänisch („Krig og fred“ ) oder auf Rumänisch. Nur zu wissen, dass es da ist, freut mich für Dänen und Rumänen. Für deutsche Hörer ist Ulrich Noethens großartige Lesung der Neuübersetzung von „Anna Karenina“ dabei, für englischsprachige Hörer „Resurrection“, gelesen von Simon Vance. Der Mann ist so gut, dass ich kurz darauf die von ihm aufgenommene Version der tausendseitigen Churchill-Biographie von Roy Jenkins hören musste. Natürlich lässt sich systematisch nach Lieblingsschauspielern suchen, auch bei deutschen Produktionen: Nina Kunzendorf, Maria Schrader, Matthias Brandt, Joachim Król, Peter Simonischek, es sind alle dabei. Auch die Radioarchive geben alte Schätze preis, und man bedauert, dass Heiner Schmidt, der Fontanes Roman „Cécile“ mit so hinreißender Vornehmheit gelesen hat, nicht mehr unter uns ist.

Das ist eine weitere Folge der Hörbuchkultur: Ich folge den Stimmen, die ich mag, frage mich, was sie sonst noch eingelesen haben, überlege sogar, wie viel Zufall oder persönliche Neigung in der Verbindung von Sprechern und Büchern liegt. Ist jemand auf bestimmte Autoren abonniert? War es nur ein Auftrag, der gelegen kam? Klar ist jedenfalls, dass sich für das Schauspielgewerbe in den vergangenen Jahren ein ganz neuer Markt aufgetan hat. Frank Arnold zum Beispiel – angenehme Stimme, gutes Textverständnis, exzellenter Sinn für Tempi – gehört sicherlich zu Recht zu den Vielbeschäftigten dieses Universums. Er hat fast dreihundert Hörbücher eingelesen, darunter anspruchsvolle Wälzer wie Christopher Clarkes „Die Schlafwandler“, Dostojewskis „Schuld und Sühne“ und Stendhals „Rot und Schwarz“. Jedes dieser Bücher ist zwischen zwanzig und dreißig Stunden lang.

640 Stunden Sägemehl-Prosa

Aber am bekanntesten dürfte Arnold als Serienleser der patriotischen Jack-Ryan-Reihe des amerikanischen Vielschreibers Tom Clancy sein. Natürlich würde ich ihn gern mal nach der literarischen Fallhöhe zwischen Stendhal und Clancy fragen und was das für die Gehirnwindungen des Interpreten bedeutet, aber vielleicht würde er antworten, im Leben gebe es eben mal dieses, mal jenes, und man müsse beides mit Haltung zu nehmen wissen. So hat Frank Arnold tapfer 640 Stunden (mehr als 26 volle Tage!) der Sägemehl-Prosa von Tom Clancy eingelesen und sie dabei sicherlich besser konsumierbar gemacht.

Ein kurzer Check in anderen Bereichen zeigt, dass es solche Phänomene häufig gibt: Stimmexperten und Monopolisten. Der Amerikaner Eduardo Ballerini zum Beispiel hat zahlreiche englischsprachige Titel über Meditation und Nachhaltigkeit vorgelesen, weil er so eine cremige Stimme hat, bei der man nicht das winzigste falsche Atmen hört, und Nina Schöne mit ihrem mädchenhaften Hauchen und Seufzen ist die Dauerbeschäftigte für erotische Trivialliteratur. Die Werke, denen sie ihre Stimme leiht, tragen Titel wie „Sinnliches Versprechen“ „Quälende Besessenheit“, „Gefährliches Verlangen“ oder Artverwandtes und stehen unverhüllt in der Nachfolge der Serie „Fifty Shades of Grey“.

Manche der Audible-Erotika sind mit der Warnung vor „Gewaltdarstellungen, Kraftausdrücken und Sexszenen mit grenzwertigem Einvernehmen“ versehen. Der Rat des Unternehmens lautet: „Sensible Hörer sollten ein anderes Hörbuch wählen!“ Danke für die Fürsorge. Wir sind sensible Hörer und wollen es bleiben. „Grenzwertiges Einvernehmen“, das wäre mal ein erotischer Buchtitel für ein aufgeschlossenes Pu­blikum.

Amazon investiert weiteren Milliardenbetrag in Tesla-Konkurrent Rivian

Das Elektrofahrzeug Start-up Rivian hat eine weitere Finanzierungsrunde in Höhe von 2,5 Milliarden US-Dollar abgeschlossen. Dabei ließ das Unternehmen die Öffentlichkeit wissen, dass es seit dem Jahr 2019 knapp 10,5 Milliarden US-Dollar von Investoren gesammelt habe.

Die größten Finanziers des potenziellen Tesla-Konkurrenten heißen Amazon, Ford Motor und T. Rowe Price. Bevor neues Geld in die Kasse des Start-ups gespielt wird, gab Rivian auch bekannt, dass es bereits eine zweite Produktionsstätte in den USA eröffnen werde. Mehrere US-Bundesstaaten haben Angebote für die Anlage eingereicht, die intern als „Projekt Tera“ bezeichnet wird. Rivian betreibt im Moment ein Werk in Illinois.

Im November 2020 verkündete Rivian, dass die beiden Modelle der „Launch Edition“ gänzlich ausverkauft waren. Der elektrische Pickup R1T, der lediglich in den USA verkauft wird, besitzt einen Akku mit einer Kapazität von 135 kWh und soll die Fahrer über eine Distanz von 481 Kilometer bringen. Potenzielle Käufer müssen dafür 75.000 US-Dollar auf den virtuellen Ladentisch legen. Der SUV R1S soll mit einem Akku mit 180 kWh und derselben Reichweite wie der R1T ausgeliefert werden.
Europastart

In der Vergangenheit gab das Unternehmen bekannt, dass Anfang 2022 auch der Europa-Start folgen werde, ohne exakte Details zu nennen. Das Elektrofahrzeug-Magazin „electrive“ berichtete, dass Rivian nach einem Produktionsstandort in Ungarn, Deutschland oder im Vereinigten Königreich suche. Offenbar überlegt Rivian dabei auch, eigene Baureihen für den chinesischen und europäischen Markt zu bauen, aber hier fehlen ebenfalls genauere Details zu den Plänen.

Zuletzt konnte ein Wagen von Rivian bei Jeff Bezos’ Ausflug ins All bestaunt werden. Der ehemalige CEO von Amazon fuhr mit dem E-SUV des Start-ups zur Startrampe. Amazon glaubt bereits seit dem Jahr 2019 an die Technologie von Rivian. Da bestellte das Unternehmen 100.000 E-Lieferwagen, um zukünftig vollständig auf elektrische Fahrzeuge zu setzen.

Barbara Schöneberger moderiert ab 2022 „Verstehen Sie Spaß?“

Barbara Schöneberger moderiert künftig „Verstehen Sie Spaß?“. Die erste Samstagabendshow mit der neuen Gastgeberin ist für den 2. April 2022 geplant, teilte der Südwestrundfunk (SWR) mit. Mit ihr zusammen soll auch das Sendekonzept weiterentwickelt werden. „Für mich geht mit dieser neuen Aufgabe am Samstagabend ein Kindheitstraum in Erfüllung“, wird Schöneberger in der Mitteilung zitiert. Die 47-Jährige folgt nach zwölf Jahren auf Guido Cantz.

Finanz-Medien: Nebenwerte-Journal bekommt neuen Gesellschafter

Das Thema Geldanlage gewinnt angesichts der historisch niedrigen Zinsen und der gewaltigen Geldmenge im Markt sowohl für die Fach-Community als auch für die interessierte Privat-Klientel stark an Bedeutung. Das haben auch die Medien-Unternehmen erkannt. So hat Roularta Media Deutschland mit Sitz in Augusburg kürzlich das Ratgeber-Magazin ‚Unser Geld‘ gegründet und Inspring Network aus Hamburg hat das crossmediale Angebot ‚Finanzielle von Emotion‘ gestartet.

Auch im Bereich B-to-B gab es eine Bewegung: Gruner + Jahr beteiligte sich Anfang Juli 2021 am Branchendienst ‚Finanz-Szene‘. Ein weiterer Deal ging eher still über die Bühne: Die PVM Private Values Media AG aus Frankfurt hat die Mehrheit an der NWM Nebenwerte Nachrichten AG in Haar bei München erworben.

Die NWM AG bringt das ‚Nebenwerte-Journal‘ auf den Markt, das 1993 von Klaus Hellwig gegründet wurde. 2006 ging die Mehrheit der Comapny an den damals neuen Chefredakteur Carsten Stern. Nun steigt die PVM AG bei der NWM AG ein und sorgt somit für eine Nachfolge-Regelung.

MTV wird 40

Der einflussreichste Musiksender der Welt begann stilbewusst mit den Worten: ‚Ladies and Gentlemen, Rock’n Roll.‘ Und umso selbstironischer folgte die britische New-Wave-Band The Buggles mit dem Song ‚Video Killed the Radio Star‘. Vor 40 Jahren ging mit MTV das erste reine Musikfernsehen an den Start. Es sollte die Industrie revolutionieren und Musiker zu Weltstars machen – doch bekam es in den letzten Jahrzehnten übermächtige Konkurrenz.

Dem Aufsehen der ersten Stunden folgten aber recht schwierige erste Jahre. Einerseits lag das daran, dass Musikvideos noch kein Standard waren, sodass das 24-Stunden-Programm irgendwann recht öde und eintönig wurde. Andererseits konnte MTV als Kabelsender in den USA zunächst nur von einer begrenzten Zahl von Menschen empfangen werden. MTV antwortete damit, sich vom Rock-Fokus zu verabschieden und verstärkt auch R’n’B zu spielen. Auch Videos zu Liedern wie „Billie Jean“ und „Beat It“ von Michael Jackson schlugen ein. Es zeigte zudem, wie groß der Einfluss von MTV darauf wurde, Karrieren von Musikern wie Madonna voranzutreiben.

Die goldenen Jahre von MTV brachten schließlich mehrere Schwesterkanäle und 1987 den Ableger MTV Europe in die Welt. Der deutschsprachige Konkurrenzsender Viva übte dann sogar so viel Druck auf das Original aus, dass 1997 MTV Germany startete. In dieser Zeit begann der Sender auch in den USA damit, mehr und mehr Inhalte ohne Musik zu senden: Plötzlich liefen Seifenopern, Quiz- und Realityshows und Cartoons – Musik als Grund, einzuschalten, wurde immer nebensächlicher.

BR mit Verlust – Altersversorgung belastet

Der Verlust betrug im vergangenen Jahr 79,6 Millionen Euro nach einem Minus von 99,0 Millionen Euro in 2019. Die Gelder aus dem Rundfunkbeitrag stiegen 2020 leicht auf 925,2 (plus 0,5 Prozent), sie machen den Angaben nach 85 Prozent der Einnahmen aus. Die gesamten Aufwendungen lagen mit knapp 1,15 Milliarden Euro um 33,5 Millionen Euro unter dem Vorjahr.

Ohne den Sondereffekt für die Altersversorgung war das rein operative Ergebnis des BR positiv, wie der Sender betonte. Durch das weiter niedrige Zinsniveau werde sich an den zusätzlichen Rückstellungen absehbar nichts ändern. Viele Unternehmen werden dadurch belastet.

Aktuell größter Unsicherheitsfaktor ist für den BR wie für alle öffentlich-rechtlichen Sender der Streit um einen höheren Rundfunkbeitrag. Das Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe muss darüber entscheiden.

Bitcoin kratzt an der 40.000-Dollar-Grenze

Die Digitalwährung Bitcoin hat deutlich zugelegt. Auf der Handelsplattform Bitstamp kostete die nach Marktwert größte Kyptowährung am 26. Juli 2021 bis zu 39.850 US-Dollar. Das ist der höchste Stand seit Mitte Juni 2021; zu diesem Zeitpunkt wurde die Grenze von 40.000 US-Dollar überschritten.

Auf Grundlage einer Stellenanzeige für eine Führungsposition im Kryptobereich machten Überlegungen die Runde, Amazon könnte künftig Digitalwährungen wie Bitcoin als Zahlungsmittel akzeptieren. Das Gerücht erinnert an die vorübergehende Annahme von Bitcoin durch den Elektroautobauer Tesla, die für das Rekordhoch im April 2021 von knapp 65.000 Dollar mitverantwortlich war. Alleine die Aussicht auf eine mögliche höhere Nachfrage reicht bei Kryptowährungen meist aus, um den Kurs sofort in die Höhe zu treiben.

Unterstützung erhielten Kryptoanlagen zuletzt auch durch Äußerungen von Tesla-Chef Elon Musk, der sich gegenüber Bitcoin etwas versöhnlicher zeigte. Galt Musk lange als Unterstützer der Ur-Kryptowährung, sorgte er im Mai 2021 mit einer überraschenden Abkehr für einen Kurseinbruch.

Threema bietet On-Premises-Variante an

Unternehmen und Behörden können den Messenger Threema ab sofort auch auf einem hauseigenen Server betreiben. Beim neuen Produkt „Threema OnPrem“ laufe der Nachrichtenversand ausschließlich über den Server des Kunden, auch die Administration erfolge komplett dort, erklärt die Schweizer Threema GmbH in einem Blogeintrag.

Threema-Nachrichten sind – unabhängig von der Produktvariante – stets Ende-zu-Ende-verschlüsselt. Mit Threema Work gibt es außerdem schon seit 2016 ein Angebot für Unternehmen und Behörden. Nachrichtenvermittlung und Administration laufen dabei über Threema-Server in der Schweiz.

Manche Unternehmen und Behörden hätten aber noch höhere Ansprüche an die Datenhoheit und sähen Software-as-a-Service (Saas) kritisch, erklärte Threema-Chef Martin Blatter im Gespräch mit heise online. Für diese biete man nun zusätzlich die On-Prem-Variante an. „Zum Beispiel wollen manche Kunden das Administrationsportal lieber auf einem eigenen Server hosten.“

Als Grundvoraussetzung für Threema OnPrem nennt das Unternehmen einen Linux-Server mit Docker. Für bis zu 1000 Nutzer sollen 4 CPU-Kerne und 8 GByte RAM ausreichen, für bis zu 100.000 Nutzer 8 weitere CPU-Kerne und 32 GByte zusätzlicher Arbeitsspeicher.

Auch Konkurrenten bieten On-Premise-Messenger

Für die Server-Lizenz, Support und Updates verlangt der Threema eine jährliche Grundpauschale. Hinzu kommen Lizenzen für die Endnutzer. Konkrete Summen will Threema auf Anfrage nennen. Die Saas-Variante Threema Work wird dem Anbieter zufolge von über 5000 Organisationen genutzt, zum Beispiel von Bosch, Daimler und Edeka.

Die kostspielige Immobilienwelt der ARD

Die Sanierungskosten des WDR-Filmhauses in Köln vervielfachen sich. Und der SWR will in Tübingen ein überdimensioniertes Regionalstudio bauen. Zwei ganz unterschiedliche Projekte, die von beitragsfinanziertem Prestigedenken getrieben sind. Eine Recherche.

Zum Österberg hoch ist es von der Tübinger Innenstadt ein Stückchen. Früher war der Ortsteil eine Villengegend, heute ist die begehrte Wohngegend durchmischter. Auf dem Österberg befindet sich auch ein Regionalstudio des öffentlich-rechtlichen Südwestrundfunks (SWR), der dort 1954 gebaut hat. Jetzt soll modernisiert, sogar bis Ende 2024 auf einem Grundstück in Hanglage gleich neu gebaut werden, das alte Gebäude sei marode. Ein großer Teil des neuen Grundstücks ist bisher als Grünfläche ausgewiesen. Die Baukosten werden mit maximal 11,5 Millionen Euro veranschlagt.

Am 28. Juli will eine Jury die drei derzeit noch im Verfahren befindlichen Entwürfe bewerten. Bis Jahresende soll eine Entscheidung fallen, teilt der SWR mit. Vorausgegangen war ein städtebaulicher Wettbewerb um die Gestaltung des bisherigen SWR-Areals – hier sollen nun auch im Sinne der Stadt Wohnungen entstehen. Der SWR wird vermutlich versuchen, den Neubau auch mit dem Erlös des Verkaufs an Investoren zu finanzieren. Der Gemeinderat, in dem die Grünen die größte Fraktion stellen, hat bereits seine Zustimmung für eine Änderung des Bebauungsplans gegeben.

Doch es gibt Zweifel an der Sinnhaftigkeit des Neubaus. Denn das Projekt erscheint reichlich überdimensioniert, gemessen an der überschaubaren Zahl der Mitarbeiter, zudem teuer und wegen seiner Lage auf dem Berg von den allfälligen Versprechungen der öffentlich-rechtlichen Anstalten, bürgernah und dem Gemeinwohl verpflichtet zu sein, buchstäblich meilenweit entfernt. In einer Charakterisierung des Baus durch ein Architekturbüro heißt es, der Bau solle die Maßstäblichkeit der „mondänen Villen“ der Umgebung aufnehmen. Ein anderes Büro schreibt: „Die Setzung von großen Häusern wird fortgeführt und zeitgemäß weiterentwickelt.“ Groß denken, groß bauen.

In der Ausschreibung vorgegeben ist dann ein dreigeschossiger Bau mit einer Bruttogrundfläche von 1900 Quadratmetern. Der SWR teilt mit, derzeit gebe es 56 Stellen im Studio, diese Zahl schwanke aber durch Anteile fester Freier und Volontäre. Auf Nachfrage, ob es sich dabei um Vollzeitstellen handele, heißt es: „Im Studio Tübingen werden 56 Funktionen in Vollzeit benötigt.“ Ob sie nur benötigt werden oder auch besetzt sind, bleibt unklar. Die Zahl der sogenannten „Vollzeitäquivalente“ ist deshalb so zentral und wichtig, weil sie einen Hinweis darauf gibt, ob die geplante Größe des Gebäudes angemessen ist oder nicht. Eingerichtet werden sollen jedenfalls 69 Schreibtischarbeitsplätze – also deutlich mehr, als es derzeit Stellen gibt.

Mit den mittlerweile üblichen Wechselarbeitsplätzen, mit denen auch in anderen Medienunternehmen gearbeitet wird, bräuchte man deutlich weniger Plätze und Fläche. Und auch keine Einzelbüros. Doch in Tübingen soll es laut Planung noch mehr geben, etwa Terrasse, Loggia und Kantine. Von einer „digitalen Akropolis“ schwärmt ein Architekturbüro, gegen einen „Luxustraum im Grünen“ richtet sich eine Bürgerinitiative. Der SWR widerspricht dem, man plane ein „wirtschaftliches, innovatives und richtungsweisendes Gebäude“ und „kein architektonisches Juwel“.

Ein Prestigebau bleibt das Vorhaben auf jeden Fall. Doch für den öffentlich-rechtlichen Rundfunk sollte nicht Prestige, sondern Pragmatismus als neues Ideal gelten. In der Jahresbilanz 2019 wies der SWR einen Verlust von 109 Millionen Euro aus, das lag auch an hohen Rückstellungen für die Altersversorgung der Mitarbeiter. Wäre eine kleinere Variante des Studios an einem anderen Standort möglich gewesen? Der SWR antwortet: „Natürlich wäre auch ein anderer Standort denkbar gewesen, aber trotz intensiver Suche war ein Grundstück oder eine Immobilie in zentralerer Lage nicht zu bekommen.“

Das bestätigt Baubürgermeister Cord Soehlke (parteilos). Der Bau, schreibt er, sei transparent geplant und plausibel. Dass die Stadt den SWR halten will, ist verständlich. Schwer verständlich ist vor allem die Größe des Vorhabens. Der SWR hätte aber auch komplett auf einen Bau in der Stadt, die knapp 90.000 Einwohner zählt, verzichten können. Das Funkhaus Stuttgart befindet sich etwa 50 Autokilometer entfernt, der SWR betreibt mit Tübingen acht Regionalstudios allein in Baden-Württemberg. Braucht es die noch alle? Ja, sagt der SWR, denn Regionalität sei neben Aktualität „der Kern unserer Berichterstattung“. Und mobiles Arbeiten ersetze keinen Gesamtstandort.

Vorzugsbehandlung?

Eine „Vorzugsbehandlung“ des SWR durch die Stadt witterten Vertreter der Fraktion der Tübinger Liste, nach eigener Positionierung „unabhängig“ und „ideologiefrei“, bereits Ende 2018. So sieht das Reinhard von Brunn, der dem Gemeinderat seit 2019 angehört, auch heute noch. „Nach meiner Bewertung handelt es sich um ein kommerzielles Immobilienprojekt zur Finanzierung eines Neubaus des SWR. Einen Beitrag im Sinne des öffentlich-rechtlichen Gedankens böte dieses Projekt höchstens als Nebeneffekt. Tübingen erhält keine Garantie, dass der SWR dauerhaft hierbleibt. Dieser Studio-Neubau und die geplante Wohnbebauung passen nicht zum Österberg.“

Werde dieses Bauprojekt umgesetzt, habe das vor allem mit dem „Geltungsbedürfnis“ der Vertreter der Stadt und des SWR zu tun. Zwar sagt auch er, der SWR solle in Tübingen bleiben – in diesem Fall diene der Neubau in dieser Lage aber nicht der Allgemeinheit, sagt von Brunn. Der Jurist hat knapp 20 Jahre im Ausland gelebt, als ehemaliger leitender Mitarbeiter der Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit (GTZ) kennt er sich mit dem Wert nachhaltiger Entwicklung aus. Und nachhaltig sei hier wenig, denn vor allem führe die Bebauung zu „unwiderruflicher Naturzerstörung“.

Tübingen ist bei Weitem nicht das einzige Bauvorhaben der öffentlich-rechtlichen Anstalten. An Neubauten arbeitet man beim Bayerischen Rundfunk (die angemeldete Höhe der „Großinvestition“ liegt laut Angaben der Kommission zur Ermittlung des Finanzbedarfs KEF bei 197 Millionen Euro), beim Norddeutschen Rundfunk (50,1 Mio. Euro), beim RBB in der Hauptstadt (63 Mio. Euro) und noch zweimal beim SWR – mit einem Neubau in Baden-Baden (56,7 Mio. Euro) und einer Sanierung in Mainz (37,7 Mio. Euro).

Die größte Baustelle aber steht in Köln, das WDR-Filmhaus von 1974. Ziel sei, das Gebäude in der Kölner Innenstadt, die von WDR-Gebäuden nur so wimmelt, einer Grundsanierung zu unterziehen und zu einem „modernen Medienhaus“ umzubauen. Denn das Gebäude entspreche „in vielen technischen Bereichen nicht mehr den Anforderungen“. Ende 2017 sollte der Umbau beginnen und 2020 abgeschlossen sein. Heute wird mit einer Fertigstellung nicht vor Ende 2024 gerechnet. Die Kosten sind von zunächst kommunizierten 65 Millionen auf derzeit geschätzte 240 Millionen Euro gestiegen.

Das WDR-Filmhaus ist damit so etwas wie der Berliner Flughafen der Medienbranche. Kölner verweisen auch auf die Oper, deren Sanierung statt drei Jahren nun zwölf dauern soll. In einem Schreiben an den Rundfunkrat vom Herbst 2019 informierte der WDR-Intendant Tom Buhrow seinen Rundfunkrat lapidar, die damals schon deutlich teurere Sanierung koste jetzt noch mal knapp 76 Millionen Euro mehr. Als Grund führte Buhrow die „anhaltend hohe Auslastung der Baubranche“ an. Selbstkritik am völlig aus dem Ruder gelaufenen Vorhaben war nicht zu lesen, der Rundfunkrat wurde nur knapp in Kenntnis gesetzt.

Ursprünglich hatte der ehemalige WDR-Intendant Fritz Pleitgen einen Umzug nach Köln-Bocklemünd ins Auge gefasst, für den Publikumsverkehr hätten Teile des Senders in der Innenstadt bleiben können. Pleitgens Nachfolgerin Monika Piel kassierte das Vorhaben, der WDR gehöre in die Innenstadt. So wurde versucht, moderne Studio- und Redaktionsplanung an eine inkompatible Architektur anzupassen.

Die Finanzkommission KEF sperrte dem WDR bereits 2020 Mittel in Höhe von 69,1 Millionen Euro und kritisierte das Anmeldeverfahren zum Projekt Filmhaus als „regelwidrig“. Weitergebaut wird natürlich trotzdem. Die KEF, in deren Reihen sich amtierende und ehemalige Präsidenten von Rechnungshöfen befinden, arbeitet derzeit an einem Vergleich von Baukosten verschiedener ARD-Bauprojekte. Darüber berichtete zuerst der Kölner Presseclub in seinem Newsletter.

Das Ergebnis sollte allen, die für die Kontrolle des öffentlich-rechtlichen Rundfunks zuständig sind, in Rundfunkräten und der Politik, zu denken geben. Die Gesamtbaukosten beim WDR-Filmhaus liegen nach KEF-Berechnungen mit 9256 Euro pro Quadratmeter Nutzungsfläche weit vor anderen Neubauten wie dem BR (6973 Euro/qm) oder NDR (5566 Euro/qm).

Microsoft kommt nach Vösendorf

Der US-Technologiekonzern Microsoft dürfte sich in Vösendorf im niederösterreichischen Bezirk Mödling ansiedeln. Errichtet wird im Bereich der Brunner Heide ein in der Rechenzentrum-Strategie des Unternehmens vorgesehener Standort. Bürgermeister Hannes Koza (ÖVP) bezeichnete das Projekt via Facebook als „Erfolg für Vösendorf“. Microsoft selbst hielt sich am Samstag bedeckt.

Beansprucht werden soll vom geplanten Objekt laut den Medienberichten eine Fläche von rund sechs Hektar. Das Gebäude wird Umweltstandards erfüllen und der Öko-Linie von Microsoft entsprechen. Die zuletzt ebenfalls angedachte Errichtung eines Logistikzentrums auf der Brunner Heide ist damit nun vom Tisch.

Der US-Technologiekonzern hatte im Oktober 2020 angekündigt, hierzulande in den nächsten zwei bis vier Jahren eine Cloud-Rechenzentrumsregion schaffen zu wollen. Das Gesamtinvestment wurde mit rund einer Milliarde Euro beziffert.

Globaler Werbemarkt: Erholung in USA am stärksten

669 Milliarden Dollar – das sind 40 Milliarden Dollar mehr als vor der Pandemie im Jahr 2019. Die Zahlen gehen aus einem Forecast-Report von Zenith hervor. Demnach soll das Werbe-Wachstum mittelfristig robust bleiben: Für 2022 prognostiziert das Media-Networks ein Plus von 6,9 Prozent und für 2023 von 5,6 Prozent.

So soll Social-Media-Werbung in diesem Jahr um 25 Prozent auf 137 Milliarden Dollar steigen und damit zum ersten Mal Search überholen. Search wird nur um 19 Prozent wachsen und 135 Milliarden Dollar erreichen.

Ein großer Teil davon sei neues Geld für den Werbemarkt, das von kleinen Unternehmen stammt, die sich schnell auf E-Commerce umstellen mussten, um den Lockdown zu überleben. Gerade kleine E-Retailer müssten aber Data & Analytics für ihre Werbung noch ausbauen. Ein weiterer Teil dieses neuen Geldes stamme aus Budgets, die Marken früher an Einzelhändler vergeben haben, um sich physische Regalflächen zu sichern. Die Verlagerung zum E-Commerce werde sich zwar verlangsamen, wenn die Corona-Einschränkungen komplett aufgehoben sind, aber umkehren werde sich diese Entwicklung nicht. Zenith geht davon aus, dass E-Commerce den Werbemarkt auch befeuern wird, was bis 2022 zu einem Wachstum von 13 Prozent bei Social Media und 12 Prozent bei Search führen wird.

TV-Zuschauer – auch ältere – wandern weiter in digitale Kanäle ab, und die Zahl der Online-Videos steigt rapide an. Werbungtreibende schätzen Online-Videos als Mittel, um die erforderliche Reichweite in allen Zielgruppen zu erreichen. Dem steht die Popularität von abonnementfinanziertem Video-on-Demand-Diensten entgegen, denn diese Popularität hat das Angebot an qualitativ hochwertigen Online-Video-Platzierungen begrenzt. Zenith prognostiziert, dass Online-Videowerbung im Jahr 2021 mit einem Anstieg von 26 Prozent auf 63 Milliarden Dollar der am schnellsten wachsende digitale Kanal sein wird.

Online-Banner verlieren immer mehr gegenüber Social Media und Online-Videos

Social Media und Online-Videos haben die traditionellen Online-Banner immer mehr abgelöst. Für diese wird in diesem Jahr ein Rückgang von 15 Prozent prognostiziert wird, während die Online-Rubrikenmärkte um 4 Prozent wachsen. Insgesamt erwartet Zenith, dass die digitale Werbung im Jahr 2021 um 19 Prozent wachsen und ihren Anteil an den gesamten Werbeausgaben auf 58 Prozent erhöhen wird, gegenüber 48 Prozent im Jahr 2019 und 54 Prozent im Jahr 2020.

Die meisten anderen Medien verzeichnen in diesem Jahr ein Wachstum, da sich die Ausgaben vom 16-prozentigen Rückgang der Werbeausgaben für traditionelle Medien im Jahr 2020 erholen. Kino und Out-of-Home waren von den Corona-bedingten Einschränkungen am stärksten betroffen und schrumpften um 72 Prozent bzw. 28 Prozent. 2021 werden sie sich mit Wachstumsraten von 116 Prozent bzw. 16 Prozent am schnellsten erholen. Für Radiowerbung, die 2020 um 22 Prozent schrumpfte, wird für 2021 ein Wachstum von 4 Prozent prognostiziert, während Fernsehen 2020 um 8 Prozent schrumpfte und 2021 um 1 Prozent wachsen soll. Print wird 2021 nun schon im vierzehnten Jahr in Folge seine lange Talfahrt fortsetzen – mit einem Rückgang der Werbeausgaben um 8 Prozent. Im Jahr 2023 werden die Werbeausgaben in all diesen Medien immer noch unter dem Niveau von 2019 liegen, obwohl Kino und Out-of-Home fast den gesamten verlorenen Boden wieder gutgemacht haben werden.

Das Wachstum der digitalen Kanäle wird dagegen hauptsächlich durch steigende Nutzerzahlen und eine umfangreichere Monetarisierung angetrieben, wobei die Inflation bei Online-Videos durchschnittlich 7 Prozent beträgt und Social Media mit 26 Prozent beziehungsweise 25 Prozent Wachstum bei den Werbeausgaben in etwa gleich bleiben.

Alle Weltregionen werden 2021 ein robustes Adspend-Wachstum verzeichnen, das von 9 Prozent im asiatisch-pazifischen Raum bis zu 15 Prozent im Nahen Osten und Nordafrika reicht, der sich vom stärksten Rückgang im Jahr 2020 mit 21 Prozent erholt. Das stärkste Wachstum seit 2019 findet in Nordamerika statt, für das Zenith in diesem Jahr ein Plus von 13 Prozent prognostiziert, obwohl der Markt im letzten Jahr nur um 1 Prozent geschrumpft ist. Das Wachstum in Nordamerika wird durch das sehr schnelle Tempo der digitalen Transformation in den dortigen Branchen sowie durch starke Investitionen in Connected TV und werbefinanziertes Video-on-Demand angetrieben.

Die USA werden im Jahr 2021 mit Abstand den größten Beitrag zum globalen Wachstum leisten und für 46 Prozent der 67 Milliarden Dollar verantwortlich sein, die in diesem Jahr zum globalen Werbemarkt hinzukommen (im Vergleich zu 2020). China folgt mit 11 Prozent, Japan und Großbritannien kommen auf jeweils 6 Prozent.

 

Tiefpunkt bei Chipengpässen kommt noch

Als Hauptgrund wird immer wieder die durch die Pandemie verursachte starke Nachfrage nach Computerhardware genannt. Da Computerchips mittlerweile in fast jedem technischen Gerät und in Autos verbaut werden, übersteigt die Nachfrage mittlerweile seit Monaten das Angebot.

Firmen wie Intel haben zudem ein Problem mit ihrer Fertigung: Die Einführung modernerer Produktionsprozesse verzögert sich wegen Rückschlägen bei der Entwicklung. Zugleich wächst die Konkurrenz, die mittlerweile auch aus ehemaligen Kunden besteht, zum Beispiel Apple, die mittlerweile eigene Chips entwickeln.

Speziell die Smartphone-Branche wird laut Analysten im nächsten Jahr unter dem Chipmangel leiden. In der Automobilindustrie taucht man 2020 gerade durch dieses Jammertal, das man jedoch bis zum nächsten Jahr überwunden haben will. Grund für die Zuversicht sind die in China hochgezogenen Fabriken taiwanesischer Halbleiterfirmen, wird etwa die Ökonomin Iris Pang in einer Reuters-Meldung zitiert.

Prognosen sagen der Chipindustrie ein Wachstum von bis zu 25 Prozent im Jahr 2021 voraus. „Elektronische Geräte haben ihr bestes Jahr seit 2010,“ sagt dazu auch Dan Hutchenson, CEO von VLSI Research.

Zuckerberg lässt sich persönlichen Sicherheitsdienst 20 Millionen Dollar kosten

Während früher Prominente wie Politiker oder Popstars die Ausgaben in diesem Bereich dominierten, sind es jetzt die Führungskräfte diverser Tech-Firmen. Wie absurd hoch die Ausgaben von Zuckerberg sind, zeigt der direkte Vergleich mit beispielsweise Ex-Amazon-CEO Jeff Bezos. Dieser ließ sich seine Sicherheit letztes Jahr vergleichsweise geringe 1,6 Millionen Dollar kosten.

Wie wichtig das Thema für Facebook ist, zeigt, dass auch der zweite Platz von einer Mitarbeiterin des US-Konzerns besetzt ist. Für COO Sheryl Sandberg gab das Unternehmen etwa 7,6 Millionen Dollar für diverse Sicherheitsmaßnahmen aus.

Grund für die verschärften Maßnahmen waren zuletzt formulierte Drohungen gegen Zuckerberg und Facebook. Abgesehen von diversen Gerichtsprozessen wird Facebook immer wieder vorgeworfen, den öffentlichen Diskurs zu bestimmten Themen bewusst anzuheizen. Aktuellstes Beispiel waren Fehlinformationen zur Covid-19-Impfung, die vom Unternehmen nicht gelöscht wurden.

Die Zunahme von Spyware ist selbstredend auch für die Führungskräfte im Silicon Valley ein wachsendes Problem. 2020 wurde etwa das Smartphone von Jeff Bezos gehackt.

Die Ausgabenliste für Sicherheitsmaßnahmen enthält insgesamt elf Personen. Am dritten Platz ist Sundar Pichai von Google (5,4 Millionen Dollar), gefolgt von John Zimmer, Präsident von Lyft (zwei Millionen Dollar). Der CEO von Apple, Tim Cook belegt, mit rund 470.000 Dollar den letzten Platz auf der Liste.

Amazon geht juristisch gegen falsche Kundenbewertungen vor

Der US-Onlinehändler Amazon hat im vergangenen Jahr weltweit mehr als 200 Millionen gefälschter Produktrezensionen auf seinen Webseiten gelöscht. Das zeigten interne Angaben. Noch vor wenigen Jahren habe die von Amazon kommunizierte Zahl bei 13 Millionen gelegen.

Das Unternehmen klagt auch gegen Agenturen, die falsche oder erfundene Bewertungen verkaufen: Der Konzern hat seit 2018 allein in Deutschland 30 Prozesse gegen derartige Unternehmen angestrengt und in den vergangenen Jahren 17 einstweilige Verfügungen erwirkt, wie Amazon mitteilte. Gegen solche Versuche, den Absatz auf illegale Weise zu manipulieren, habe der Onlinehändler 150.000 Euro an Ordnungsgeldern durchgesetzt.

Nicht nur Amazon, sondern auch andere Unternehmen gehen gerichtlich gegen Verkäufer sogenannter fake reviews vor. Ein Problem ist dies auch für Reiseportale, wenn sich dort erfundene Hotelbewertungen finden. Zivilklagen gegen die Bewertungsverkäufer sind jedoch mitunter schwierig, weil sie oft im Ausland arbeiten. Laut Amazon wurden 2020 erheblich mehr falsche Bewertungen gelöscht als noch vor wenigen Jahren.

Amazon gibt mittlerweile weltweit 700 Millionen Dollar im Jahr für Mitarbeiter und Software aus, um Betrug und Manipulationen vorzubeugen beziehungsweise aufzudecken.

Ad Fraud in Deutschland deutlich zurückgegangen

In der jährlich erscheinenden Studie “Global Insights Report“ versucht Doubleverify eine aktuelle Marktübersicht zu den Themen Brand Safety, Ad Fraud und Viewability zu liefern. Das Unternehmen ist Anbieter von Mess-Software für die datenbasierte Analyse der Qualität und Effektivität digitaler Werbung. Der Bericht umfasst 80 Länder in Nordamerika, Lateinamerika, dem asiatisch-pazifischen Raum (APAC) und der EMEA-Region. Die Daten dazu wurden von über 2.100 Unternehmen im Zeitraum zwischen Mai 2020 und April 2021 erhoben und analysiert.

Für Deutschland verzeichnet die Studie einen Anstieg der Brand-Suitability-Verstöße um 8 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Gleichzeitig geht Ad Fraud hierzulande aber deutlich zurück. Demnach sind die Post-Bid Fraud-Verstöße in Deutschland um 24 Prozent im Vergleich zur letzten Auswertung gesunken. Aktuell liegt die Fraud-Rate hierzulande bei 1,2 Prozent. Weltweit sank weiterhin der Anteil an Brand-Safety-Verstößen um 4 Prozent.

Taboola kauft die E-Commerce-Plattform Connexity

Taboola ubernimmt Connexity für 800 Millionen Dollar zu übernehmen. Connexity arbeitet nach Taboola-Angaben mit 1.600 Unternehmen zusammen und hilft Marken und Händlern wie Walmart, Wayfair, Skechers, Macy’s, E-Bay und Otto, ihre Zielgruppen im Open Web zu erreichen. Das Unternehmen unterstütze 6.000 Publisher wie Condé Nast, DotDash, Hearst, Vox Media, Meredith, News Corp Australia bei der Entwicklung von Content-Commerce-Strategien, indem sie Produkte neben redaktionellen Inhalten präsentieren. Pro Monat würden eine Million Transaktionen erzielt. Die Vorteile für Anzeigenkunden und Publisher sind laut Taboola: Es können zukünftig neue Anzeigenkunden mit der Zielgruppe von Taboola, die aus 500 Millionen täglich aktiven Nutzern besteht, in Kontakt treten.

Hannelore-Elsner-Preis geht an Birgit Minichmayr

Die österreichische Starschauspielerin Birgit Minichmayr erhält den diesjährigen, vom Fünf Seen Filmfestival in Starnberg (Deutschland) vergebenen und mit 5.000 Euro dotieren Hannelore-Elsner-Preis. Die Auszeichnung wurde am 25.7. überreicht. Im Anschluss wurde das Schweizer Familiendrama „Wanda, mein Wunder“ von Bettina Oberli gezeigt, in dem Minichmayr die Tochter des bettlägerigen Pensionisten und Familienpatriarchen Josef spielt.

Der Hannelore-Eslner-Preis wurde 2019 erstmals im Andenken an die im selben Jahr verstorbene deutsche Schauspielerin vergeben. Er ging damals an Barbara Auer, im Vorjahr wurde Nina Hoss mit der Auszeichnung gewürdigt.

Pegasus-Affäre: Journalisten fordern EU-Verbot der Software

Die „Vereinigung der Europajournalisten/Association of European Journalists“ (AEJ) hat ein sofortiges EU-weites Einfuhr-Verbot der Überwachungssoftware Pegasus des israelischen Anbieters NSO gefordert. In einem offenen Brief an EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen verlangte die Organisation überdies eine offizielle Untersuchung darüber, inwieweit die Software oder andere Formen elektronischer Überwachung von den EU-Staaten verwendet werden, vor allem in Ungarn.

Außerdem forderte AEJ ein wirksames Verbot gegen rechtsmissbräuchliche Form von Klagen, die den Zweck haben, Kritiker einzuschüchtern. „Zusätzlich zu einer Serie von Morden an unseren Kollegen – zuletzt an den großartigen Peter R. De Vries in Holland – muss die Aufdeckung des Pegasus-Skandals der Punkt sein, an dem Europa Ernst macht mit dem Schutz von Journalisten und freien Medien, die essenziell für unsere Demokratien sind“, sagte AEJ-Präsidentin Saia Tsaousidou.

Mit der Software Pegasus sollen nach Recherchen eines internationalen Journalistenkonsortiums Smartphones von Journalisten, Menschenrechtlern, Politikern und Geschäftsleuten ausgespäht worden sein. Der Anbieter der Software wies die Vorwürfe zurück und bestritt einzelne Details aus den Berichten. In Ungarn wurde laut Medienberichten die israelischen Spähsoftware gegen regierungskritische Journalisten eingesetzt.

Tsinghua Unigroup: Bankrottes Chip-Konglomerat sucht Investoren

Die bankrotte Tsinghua Unigroup muss bis zum 15. September 2021 einen oder mehrere Investoren finden, um die knapp 31 Milliarden US-Dollar an Schulden zu tilgen. Das teilte die National Enterprise Bankruptcy Information Disclosure Platform des Obersten Volksgerichts Chinas mit, das in solchen Fällen eingreift.

Um als Investor die Tsinghua Unigroup unterstützen zu können, muss dieser vergangenes Jahr mindestens über Vermögenswerte von 50 Milliarden Yuan (7,7 Milliarden US-Dollar) verfügt haben oder aber aktuell Assets im Wert von 20 Milliarden Yuan (3,1 Milliarden US-Dollar) halten.

Laut einem der bisherigen Kreditgeber – der Hongkonger Huishang Bank – ist die Tsinghua Unigroup nicht in der Lage, ihre Anleihen zu bezahlen, seit November 2020 würden mehrere in Folge ausstehen. Die Tsinghua Unigroup soll bis Sommer vergangenen Jahres rund 31 Milliarden US-Dollar an Schulden angehäuft, aber nur rund 8 Milliarden US-Dollar bar zur Verfügung haben.

Staatlich unterstütztes Chip-Konglomerat

Bei der Tsinghua Unigroup handelt es sich um ein Firmengeflecht, das mit 51 Prozent mehrheitlich der Tsinghua Holdings und damit der staatlichen Tsinghua University gehört. Die anderen 49 Prozent hält die Beijing Jiankun Investment Group, deren Vorsitzender wiederum der CEO der Tsinghua Unigroup ist.

Zu den wichtigsten Abteilungen der Tsinghua Unigroup zählen UniSoC (einst Spreadtrum) als Entwickler von Smartphone-Chips und die Yangtze Memory Technologies Company, kurz YMTC. Diese entwirft und produziert Flash-Speicher, die Serienfertigung des 128-lagigen Xtacking-NAND ging jedoch verspätet in die Serienfertigung und YMTC erreicht nicht die gewünschte Menge an Wafer-Starts. Weitere Firmen der Tsinghua Unigroup sind Unicloud und Unisplendour, zu denen auch H3C Technologies gehört.

Direktvertrieb übersteht Corona-Krise ohne große Schäden

Das Coronajahr 2020 war eigentlich keine gute Zeit für Unternehmen, die ihre Waren direkt an den Kunden verkaufen: Denn die branchentypischen Verkaufspartys und Vertreterbesuche mussten pandemiebedingt oft ausfallen. Dennoch konnte die Direktvertriebsbranche ihre Umsätze im vergangenen Jahr um rund ein Prozent auf 18,7 Milliarden Euro steigern, wie aus einer Studie der Universität Mannheim im Auftrag des Bundesverbandes Direktvertrieb Deutschland (BDD) hervorgeht.

Das leichte Wachstum sei „ein unglaublicher Erfolg“, wenn man berücksichtige wie stark der Direktvertrieb durch die Beschränkungen bei der persönlichen Beratung beeinträchtigt gewesen sei, urteilte Studienautor Florian Kraus.

Den Hauptgrund für den Erfolg sieht die Branche in dem Digitalisierungsschub, den sie in der Pandemie erfahren hat. „Viele Unternehmen haben im Vertrieb erfolgreich auf Online-Partys gesetzt sowie auf den Austausch in den sozialen Medien und so den Kunden auch während des Lockdowns eine persönliche Beratung ermöglicht“, sagte der BDD-Vorstandsvorsitzende, Jochen Acker. Der Studie zufolge haben rund zwei Drittel der Unternehmen während der Pandemie über Social Media Kontakt zu ihren Kunden gesucht und 59 Prozent Online-Partys im Vertrieb eingesetzt.

Besonders nachgefragt waren in der Pandemie Haushaltswaren, Energie- und Telekommunikationsdienstleistungen, Bekleidung, Accessoires und Wellnessprodukte. Für die Zukunft ist die Branche zuversichtlich. Für das laufende Jahr rechnen die Unternehmen der Studie zufolge mit einem Umsatzwachstum von 12,1 Prozent. Die Branche gehe „gestärkt aus der Krise hervor“, meinte Acker.

In der Direktvertriebsbranche arbeiteten 2020 hierzulande den Angaben zufolge 911.000 Menschen als Vertriebspartner, das waren rund 20.000 weniger als ein Jahr zuvor. Zu den bekanntesten Direktvertriebsfirmen gehören der Haushaltsgerätehersteller Vorwerk und die Plastikboxen-Firma Tupperware. Weitere Beispiele sind der Schlankheitsprodukte-Anbieter Nahrin und die Kosmetikfirma Younique. Seit 2011 hat sich der Umsatz der Branche der Studie zufolge um rund 50 Prozent erhöht.

Snap treibt Social-Media-Aktien an

Starke Quartalszahlen sowohl aus der „Old Economy“ als auch aus der neuen Tech- und Social-Media-Welt um Twitter, Snap & Co. haben die Aktien-Rally befeuert. Der Dow Jones Industrial, der technologielastige Nasdaq 100 und der marktbreite S&P 500 schwangen sich zu Höchstmarken auf. Der Dow schaffte den Rekord erst in den letzten Handelsminuten.

„Die Quartalsberichte überraschen nach wie vor auf positive Weise“, schrieb Analyst Craig Erlam vom Broker Oanda. Die Investoren seien von den Zahlen der Unternehmen begeistert und auch mit Blick auf die kommenden Wochen optimistisch gestimmt.

Der Dow legte um 0,68 Prozent auf 35.061,55 Zähler zu. Auf Wochensicht steht für den Index ein Gewinn von gut 1 Prozent zu Buche. Der S&P 500 stieg um 1,01 Prozent auf 4411,79 Zähler. Für den Nasdaq 100 ging es mit 1,15 Prozent auf 15.111,79 Zähler noch etwas weiter nach oben.

Für Furore sorgten die Aktien von Snap: Sie schossen um fast 24 Prozent auf den höchsten Stand seit dem Börsengang vor mehr als vier Jahren. Das Technologie- und Social-Media-Unternehmen hatte zuletzt mit neuen Angeboten vor allem viele junge neue Anhänger gefunden. Analyst Stephen Ju von der Bank Credit Suisse meinte, das Unternehmen stehe erst am Anfang eines zehnjährigen Aufwärtszyklus.

Auch der Kurznachrichtendienst Twitter hatte zuletzt erheblich von Anzeigenkunden profitiert. Der Umsatz stieg im zweiten Quartal im Jahresvergleich um 74 Prozent auf knapp 1,2 Milliarden Dollar. Für die Aktien ging es um gut drei Prozent nach oben. Analyst Doug Anmuth von der Investmentbank JPMorgan schrieb, nun zahle sich aus, dass das Management konsequent darauf gesetzt habe, die Angebote für die Nutzer auch in bare Münze zu verwandeln.

Facebook-Aktie auf Rekordhoch

Angesichts der guten Nachrichten von Twitter und Snap legten auch die Kurse anderer Branchengrößen wie des Online-Fotodienstes Pinterest und Facebook kräftig zu. Facebook stiegen um 5,3 Prozent auf ein Rekordhoch. Hier rief Credit Suisse mit 480 Dollar das höchste Kursziel aus, das derzeit am Markt kursiert. Es räumt dem Kurs weiteres Aufwärtspotenzial von fast 30 Prozent ein.

Alfred Biolek mit 87 gestorben

Seine Sendungen hießen „Bios Bahnhof“, „Boulevard Bio“ und „Alfredissimo!“, er versammelte das Publikum in seiner Fernsehküche und brachte seine Gäste zum Plaudern: Alfred Biolek, Entertainer, Talkmaster und TV-Küchenchef, starb nun im Alter von 87 Jahren.

Biolek startete beim deutschen Fernsehen als Produzent der beliebten Rudi-Carrell-Show „Am laufenden Band“ 1974. Im Jahr 1978 bekam er seine erste eigene Fernsehshow „Bios Bahnhof“ beim WDR. Von 1994 bis 2003 kam Deutschlands Prominenz zu „Boulevard Bio“. 1994 begrüßte er zum ersten Mal Gäste in der Fernsehküche von „Alfredissimo!“.

Lange war Biolek ein fester Bestandteil der Berliner Gesellschaft. Wenn er eines seiner rauschenden Feste gab, kamen alle: der regierende Bürgermeister, der Ex-Kanzler, der Bundespräsident. 2007 verabschiedete sich Alfred Biolek mit der letzten Folge der Kochsendung „Alfredissimo!“. Doch dann veränderte sich sein Leben von einem Tag auf den anderen: 2010 stürzte er auf der Treppe, zog sich Kopfverletzungen zu und fiel ins Koma. Danach war sein Gedächtnis weg. Erst beim Lesen seiner Autobiografie kehrte die Erinnerung zurück.

Vodafone: Geschäft läuft

Im ersten Quartal des neuen Geschäftsjahres 2021/22 stieg der für die Branche wichtige Service-Umsatz im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 1,4 Prozent auf 2,87 Milliarden Euro.

Der Service-Umsatz im Festnetzbereich – dazu zählen auch die Glasfaser-Anschlüsse – ging dabei leicht um 0,6 Prozent auf 1,62 Milliarden Euro hoch. Auch im Mobilfunkgeschäft erholten sich die Erlöse, weil Menschen wieder vermehrt reisen können. Dadurch steigen die Roaming-Umsätze, die in der Corona-Pandemie branchenweit weggefallen waren.

Beim Thema 5G teilte Vodafone Deutschland mit, das superschnelle Internet bereits 25 Millionen Menschen anbieten zu können. Bis Jahresende will das Unternehmen sein 5G-Netz für 30 Millionen Menschen zugänglich machen.

EU verurteilt Vorgehen Russlands gegen unabhängige Medien

Die EU hat das jüngste Vorgehen russischer Behörden gegen unabhängige Medien und Organisationen der Zivilgesellschaft scharf verurteilt. Dass abweichende Meinungen, Opposition, kritische Stimmen und unabhängige Institutionen zunehmend zum Verstummen gebracht würden, sei insbesondere vor den Wahlen zur Staatsduma im September besorgniserregend, teilte eine Sprecherin des EU-Außenbeauftragten Josep Borrell mit.

Die Europäische Union fordere die russischen Behörden auf, die Beschlüsse rückgängig zu machen und das harte Vorgehen gegen die Zivilgesellschaft und unabhängige Medien zu stoppen. Konkret genannt wurden in der Erklärung die Entscheidungen, den Thinktank ILPP und mehrere Journalisten als „ausländische Agenten“ einzustufen und die Investigativplattform „Proekt“ zu einer „unerwünschten Organisation“ zu erklären. Außerdem verwies die EU darauf, dass die Bürgerrechts- und Anwaltsgruppe Komanda 29 infolge von Druck und ungerechtfertigten Anschuldigungen ihre Arbeit einstellte.

ARD und ZDF erlassen Flutopfern die Rundfunkgebühr

Flutopfer können unter bestimmten Voraussetzungen ab sofort von ihren Rundfunkgebühren befreit werden. ARD, ZDF und Deutschlandradio hätten sich auf unbürokratische Entlastungen geeinigt. Gebührenzahler, deren beitragspflichtige Wohnungen, Betriebsstätten oder Kraftfahrzeuge aufgrund von Hochwasserschäden nicht mehr nutzbar seien, könnten eine Abmeldung ihres Kontos beantragen.

Konkret gelten demnach folgende Regeln: Sind eine Wohnung, eine Betriebsstätte oder ein Auto nur vorübergehend nicht nutzbar, besteht für diesen Zeitraum die Möglichkeit einer befristeten Abmeldung des entsprechenden Beitragskontos. Dafür reiche ein Anruf aus.

»Karstadt« und »Kaufhof« werden verschwinden

Reihenweise Filialschließungen und ein Staatskredit – die Coronakrise hat auch Galeria Karstadt Kaufhof hart getroffen. Nun kündigt der Vorstandschef des angeschlagenen Warenhauskonzerns ein Zukunftskonzept an. »Wir werden uns Ende Oktober mit unserem Konzept Galeria 2.0 strategisch neu aufstellen«, sagte Vorstandschef Miguel Müllenbach.

Die Standorte sollen dann in drei Kategorien eingeteilt werden: Weltstadthaus, regionaler Magnet und lokales Forum. Entsprechende Pilotfilialen gibt es bereits in Frankfurt am Main, Kassel und Kleve. Bis zu 60 der 131 Häuser sollen komplett umgebaut werden, der Rest zumindest teilweise.

Müllenbach kündigte zudem einen neuen Onlineauftritt des Gesamtkonzerns an, der bereits jetzt unter dem Namen galeria.de läuft. Mit diesem Markennamen könnte der Warenhauskonzern künftig auftreten, deutete Müllenbach an. »Es ist Zeit, dass man auch an der Marke sieht, dass wir jetzt ein Unternehmen sind«, sagte er. Noch heißen einige Filialen Kaufhof, andere Karstadt.

Sky weist Dahlmanns Mobbing-Vorwurf zurück

„Was sie mit mir gemacht haben, ist allerfeinstes Mobbing“, sagte Dahlmann in einem Interview der „Bild am Sonntag“. Sky hatte den zum Ende der vergangenen Bundesliga-Saison auslaufenden Vertrag des Reporters nicht verlängert und ihn nach umstrittenen Äußerungen bei einer Zweitliga-Übertragung bereits ab Mitte März nicht mehr eingesetzt.

Sky wies die Anschuldigungen am Sonntag zurück. „Die wiederholten Äußerungen von Jörg Dahlmann entsprechen nicht den Tatsachen und sind als klar diffamierend einzustufen“, sagte ein Sprecher des Senders der Deutschen Presse-Agentur. „Ganz entschieden weisen wir vor allem jeglichen Vorwurf des Mobbings zurück sowie, dass Sky Jörg Dahlmann in der Diskussion jemals mit Rassismus in Verbindung gebracht habe.“

Dahlmann hatte in dem Interview zum vorzeitigen Ende seiner Tätigkeit gesagt: „Der Sender hat den Riesenfehler gemacht, sich zu sehr durch Twitter-Hater leiten zu lassen. Diese Empörungsgemeinde hat die Politik des Senders beeinflusst.“ Er stufte die Reaktionen von Sky „einerseits als traurig, andererseits als unprofessionell“ ein. Der 62 Jahre alte Reporter nannte es „eine journalistische Bankrott-Erklärung“. Dahlmann hatte zuletzt häufiger mit umstrittenen Kommentaren für Aufsehen gesorgt und kurz vor der Trennung Japan als „Land der Sushis“ bezeichnet.

Joe Biden will Kanter als Kartellwächter für die USA einsetzen

Der US-Präsident Joe Biden will den Google-Kritiker Jonathan Kanter als Kartellwächter einsetzen. Laufende Fälle gegen Google und Apple würde er direkt übernehmen und weitere Klagen prüfen. Der Kartellrechtsanwalt Kanter vertrat bereits Unternehmen gegen Google und machte sich dafür stark, schädliche Fusionen rückgängig zu machen und Monopole aufzubrechen.

Laufende Klagen gegen Google und Apple

Kanter wäre damit für laufende Verfahren zuständig wie wegen Wettbewerbsverstößen im Google Play Store und eine Monopolklage gegen Google im Bereich digitaler Anzeigenmarkt. Dazu kommen Wettbewerbsuntersuchungen gegen Apple und deren Anforderungen an Entwickler im App Store.

Als stellvertretender Generalstaatsanwalt wäre Kanter in der Lage, eigene Klagen einzureichen, um Fusionen zu stoppen. „Die Kartellrechtsdurchsetzung ist kaum noch am Leben“, sagte Kanter bei einer Veranstaltung über Amazon im Jahr 2016 laut Bloomberg Law.

„Wann war das letzte Mal, dass Sie sich daran erinnern können, dass eine große Kartellbehörde einen Monopolisierungsfall gebracht hat? Der Grund, warum Sie sich nicht daran erinnern können, ist, dass sie es nicht getan haben“, kritisierte der Kartellanwalt. Kanters Nominierung muss noch vom Senat genehmigt werden.

Spektrometer-Chip für Handys entlarvt Fake-Medikamente

Am Fraunhofer-Institut für elektronische Nanosysteme (ENAS) haben Forscher ein Infrarotspektrometer in Chipbauweise hergestellt. Der Prototyp wiegt nur etwa ein Gramm und sollte sich in der Massenfertigung für etwa einen Euro pro Stück produzieren lassen, glaubt Abteilungsleiter Dr. Alexander Weiß.

Wie auch herkömmliche große IR-Spektrometer sendet das Bauteil Infrarotlicht aus. Ein durchstimmbarer Filter zerlegt das zurückgeworfene Licht und integrierte Wellenleiter führen die Strahlen zu einem Detektor. Eine Software, die speichert, wie viel Licht welcher Wellenlänge den Detektor erreicht, kann daraus das spezifische Spektrum ermitteln.

Fäulnis und Schadstoffe erkennen

Damit lassen sich beispielsweise gefälschte Arzneimittel aufgrund ihrer Zusammensetzung mit einer sekundenschnellen Analyse von Originalpräparaten unterscheiden. An Nahrungsmitteln könnte ein Anwender den Grad der mikrobiellen Zersetzung ablesen. Für Luftanalysen haben die Forscher eigens eine Absorptionszelle in der Ebene integriert. Damit kann der Spektrometerchip auch Absorptionsspektren erstellen, um beispielsweise Schadstoffe in der Luft zu detektieren.

Um die Handhabung des Minispektrometers in Zukunft auch Laien zu eröffnen, planen die Forscher einen lernenden Algorithmus. Das bedeutet, dass eine Smartphone-App nicht nur das spezifische Spektrum aus den Chipdaten ausliest, sondern den Anwender auch anleitet, wie er mit dem Spektrometer Messungen ausführt. Zudem könnte die App Messungen mit schon bekannten Spektren in einer Datenbank vergleichen. Mit der Zahl der Nutzer könnte diese Vergleichsdatenbank anwachsen.

Neue „Doctor Who“-Staffel bei Comic-Con-Messe vorgestellt

Bei der Comic-Con-Filmmesse im kalifornischen San Diego feierte der Trailer Premiere. Neben Whittaker („Broadchurch“) ist von der alten Besetzung unter anderem die Britin Mandip Gill wieder dabei. Neu stoßen der Komiker John Bishop und „Game of Thrones“-Schauspieler Jacob Anderson als Gaststar dazu.

Die 13. Staffel der am längsten laufenden Science-Fiction-Serie der Welt (seit 1963) soll in diesem Jahr starten, der genaue Termin ist aber noch nicht bekannt. Das Team um „Doctor Who“ muss sich erneut außerirdischen Bedrohungen stellen. Als erste Frau in der Geschichte der Kultserie hatte Whittaker 2017 die Hauptrolle als außerirdischer Timelord übernommen.

Bloss nicht erziehen: «Bild» startet ihren eigenen Fernsehsender

Mit Katastrophen, Sex und hoher Politik will die «Bild»-Zeitung den TV-Markt aufmischen. Die Kampfansage gilt vor allem den öffentlichrechtlichen Anstalten. Ein Besuch bei den Machern des künftigen Senders, Julian Reichelt und Claus Strunz.

Wenn am 22. August aus der Marke «Bild» ein Fernsehsender gleichen Namens werden soll, startet eines der ehrgeizigsten Projekte der jüngeren deutschen Mediengeschichte. In einem Markt, in dem die öffentlichrechtlichen Medien unter erhöhtem Rechtfertigungsdruck stehen, die privaten Sender aufrüsten und Verlage nach Konzepten der Kundenbindung suchen, setzt der Axel-Springer-Konzern auf Risiko – und auf die Flucht nach vorne. Die Auflage der «Bild»-Zeitung sinkt zwar mit zuletzt gebremstem Tempo weiterhin, doch sie ist das reichweitenstärkste, einflussreichste deutsche Printmedium geblieben. Im Fernsehen wird «Bild» eine Nische besetzen. Der Platzhirsch startet als Startup. Niemand weiss, ob der Atem der Macher lang genug und das Interesse des Publikums hoch genug ist, damit das Experiment eines Boulevard-Senders nachhaltig glücken kann.

Niemand? Im 16. Stock des Axel-Springer-Hochhauses in Berlin-Kreuzberg wissen Julian Reichelt und Claus Strunz ihren Optimismus kaum zu bändigen. «Die Marke ‹Bild›», sagt Chefredaktor Reichelt, «passt in ihrer Emotionalität zu keinem Medium besser als zum Fernsehen. Wir wollen mit Bild und Wort emotionale Erlebnisse erzeugen.» Kaum geringer sind die Ansprüche von Claus Strunz, dem ehemaligen Chefredaktor der «Bild am Sonntag», ehemaligen Moderator des «Sat.1-Frühstücksfernsehens» und jetzigen Geschäftsführer TV/Video bei Axel Springer sowie Programmchef des neuen Senders: «Unser Ziel ist es, jeden Tag spannende, unterhaltsame, aufregende, bildstarke Geschichten zu erzählen, die den Menschen etwas bedeuten.»

Werktäglich von 9 bis 14 Uhr wird der Sender unter dem Titel «Bild Live» eine aktuelle Berichterstattung bieten, sonst Reportagen und Dokumentationen und immer dann sich melden, wenn Aussergewöhnliches sich ankündigt. «Wir wollen», so Reichelt, «die Heimat von Breaking News in Deutschland werden.» Der Tod eines Stars aus dem Reality-TV kann das offenbar ebenso sein wie die neuste Wendung in der Corona-Krise.

Wie kam die Leiche in den Nazi-Bunker?

Wo viel Wille ist, findet sich ein Weg – doch führt er zu hinreichend vielen Zuschauern? N24, der mittlerweile von Axel Springer unter dem Titel «Welt TV» übernommene Nachrichtensender, brauchte rund zehn Jahre, ehe er eine Einschaltquote von einem Prozent erreichte. Bei «Bild» vertraut man darauf, dass man nicht aus dem Trainingslager, sondern mitten im Spiel den Vertriebskanal ausweitet. Das Format «Bild Live» gibt es online seit über einem Jahr, momentan werktäglich von 9 bis 11 Uhr. Bis Mitte August will man sich an die 5-Stunden-Strecke heranrobben.

Strunz und Reichelt sind oft auf dem Schirm zu sehen, wenn sie aus dem kleinen Studio, ebenfalls im 16. Stock, die Weltlage kommentieren. Reichelt geisselt scharf und ungeduldig das «Impfversagen» der Bundesregierung oder das «Warn-Desaster» bei der Flutkatastrophe, Strunz scheut vor komödiantischen Elementen nicht zurück. Er formt mit beiden Händen einen Trichter vor dem Mund und imitiert den Ruf der Polizei durch ein Megafon.
Noch voller nimmt den Mund die Eigenwerbung. «Wir gehen für euch an unsere Grenzen», heisst es im Videoclip, «jetzt. Für euch. Vor Ort.» Die weibliche Stimme aus dem Off ist rauchig, laut und übertrieben schrill, klingt nach Jahrmarkt oder Actionfilm: «Was hinter dem irren Rassismus-Workshop steckt, gleich bei ‹Bild Live›.» Später geht es um eine «Leiche im Nazi-Bunker», Markus Söders Regierungserklärung zur Umweltpolitik – «Bayern ist im Klimastress» –, heftige, aber kurioserweise nicht näher lokalisierte Überschwemmungen «in China» und Florian Silbereisens «rote Unterhose».

Davor war fast eine halbe Stunde der FDP-Vorsitzende Christian Lindner zu Gast im 16. Stock und liess sich von Reichelt nicht aufs Glatteis locken: «Ich werde diese Frage nicht auf der Basis der Zeitungslektüre der ‹Bild› seriös beantworten, weil es eben nur Zeitungsrecherche ist.» Er warte auf eine amtliche Untersuchung in der Frage, ob das Warnsystem in der Flutkatastrophe wirklich versagt habe. Da war Reichelt nicht erfreut.

Der neue Sender ist zum Erfolg verdammt

Andererseits zeigt der Schlagabtausch zwischen ihm und Lindner, wie das System funktioniert. Wenige Minuten später waren die beiden Top-Plätze bei bild.de mit einem «Bild Live»-Zitat von Lindner belegt («müssen über eine Klima-Haftpflicht sprechen») und mit Reichelts Live-Kommentar («Warn-Desaster Grund für einen Rücktritt»). Auch für die gedruckte «Bild» oder «Bild am Sonntag» wirft «Bild Live» Zitate ab, und bei Youtube brummt der Laden einigermassen.

Dort hat Strunz’ Kommentar über den «Tod durch E-Mail-Verteiler» in der Flutkatastrophe fünf Tage später rund 260 000 Aufrufe. Wer ihn bis zu Ende anschaut, wird von Anchorman Kai Weise begrüsst, vollbärtig, hemdsärmelig: «Wir sind ‹Bild›, und wir liefern dir deine News auf Youtube. Zum nächsten Video kommst du hier» – er deutet auf das eingeblendete Konterfei Reichelts rechts oben –, «und vergiss bitte nicht, unseren Kanal zu abonnieren.» Mittlerweile haben es 760 000 Menschen getan.

So greifen die Kanäle, Ausspielplätze und Verdienstmöglichkeiten ineinander. Mit dem Fernsehsender «Bild» wird laut Strunz ein schneller Vertriebsweg hinzugefügt, «der uns in die Lage versetzt, Geld zu verdienen, wo wir es bis jetzt nicht tun.» Das «Schwungrad der journalistischen Verwertungskette» erhalte einen zusätzlichen Antrieb. Reichelt nennt es «nicht hinnehmbar, dass die grösste Medienmarke in Deutschland vom grössten Werbekuchen in Deutschland nichts hat».

Zwischen dem online verteilten Etat und den Summen, die die Unternehmen für Fernsehwerbung bereitstellen, liegt etwa der Faktor 15: Da stehen 300 Millionen Euro viereinhalb Milliarden gegenüber. Die Werbespots, die «Bild Live» zeigt, stammen von Bierbrauereien, Brokern und Mineralwasserherstellern. Auch insofern ist der neue Sender zum Erfolg verdammt. Die Einnahmen liessen sich, wie es neudeutsch heisst, besser skalieren.

Angriff auf «Anne Will»

Mit dem unaufhörlichen Bilderhunger eines Fernsehsenders wird sich das schmale Portfolio eigener Dokumentationen erweitern, die später dann gewinnbringend verkauft werden könnten, möglicherweise an ausländische Abnehmer. Die online derzeit angebotenen Videos aus Eigenproduktion deuten an, wohin die Reise auch beim Fernsehsender gehen wird: «Die Wahrheit über Deutschlands Fitness-Influencer», «Wenn der Traummann zum Zuhälter wird», «Waldsterben in Deutschland».

Später könnten hier gegen Entgelt aufwendigere Dokumentationen stehen, etwa der filmische Ertrag von Paul Ronzheimers jüngster Recherche-Reise nach Afghanistan. In der Programmvorschau für die erste Sendewoche finden sich eingekaufte Dokumentationen über einen «Horrorurlaub im Paradies» oder «Helden im Cockpit». Nachmittags heisst es «Grillen extrem», nachts dann «Let’s talk about Sex. Von Masturbation bis zum ersten Mal».

An solche Produktionen denkt Julian Reichelt gewiss nicht, wenn er beim Blick über Berlin in seinem Büro, dessen grünes Feldbett unlängst durch eine siebenteilige Serie bei Amazon berühmt wurde, sagt: «Eine der grössten Marktlücken im deutschen Journalismus ist derzeit Journalismus: hingehen, unideologisch schauen, was passiert, und darüber berichten.» Man glaube bei «Bild» nicht an «Erziehungsjournalismus». Es komme darauf an, Ideologie offenzulegen. An diesem Anspruch wird sich «Bild Live» messen lassen müssen und erst recht die Talkshow «Die richtigen Fragen» am Sonntagabend um 21 Uhr 45 – zu exakt jener Zeit, da im Ersten Anne Will zum politischen Hochamt der Berliner Republik lädt, freilich nicht jede Woche.

An guten Abenden sind «Die richtigen Fragen» schon heute die bessere «Anne Will». Der Moderator Kai Weise war Redaktionsleiter bei der ARD-Talkshow «Günther Jauch». Heute befragt er die zugeschalteten Politiker härter als Will und lässt im Gegensatz zu dieser ein Gespräch entstehen. Der Erfolg von «Bild», dem Fernsehsender, wäre auch der Erfolg Kai Weises – oder beider Misserfolg. Über eine weitere Talkshow denkt der künftige Sender bereits nach.

Die Devise heisst «TV first»

Weise verhalf «Bild Live» zu einem Überraschungserfolg gegenüber den Öffentlichrechtlichen im Zuge der Hochwasserkatastrophe. Während der Westdeutsche Rundfunk und der Südwestrundfunk ihre Gebührenzahler in der ersten Flutnacht nur sporadisch informierten, blieb «Bild Live» in der «Sommer-Katastrophen-Flut» kontinuierlich auf Sendung. Dank einem teuer angemieteten Helikopter gab es, in Weises Worten, «unglaubliche Bilder», «dramatische Bilder», «spektakuläre Rettungsbilder». Frei von Voyeurismus war das nicht.

Die jungen Reporter am Ort des Geschehens zeigten mitunter unfreiwillig komisch, welche Herausforderungen auf dem Weg zum Fernsehjournalisten lauern und welch aufwendiger Umschulungs- und Trainingsmassnahmen es bedarf. «Noch schön zu sehen», sagte eine Aussenreporterin, seien «die Auswirkungen der Geröll». Da gebe es «ganz, ganz viele katastrophale Zustände noch». Das Wort, das laut Reichelt gemeinsam mit dem Bild emotionale Erlebnisse erzeugen soll, sperrt sich an vielen Stellen gegen eine solche Indienstnahme. Die Live-Berichterstattung zur Flutkatastrophe hatte ein Publikum von rund einer halben Million Menschen, die im Schnitt 13 Minuten lang dabeiblieben.

Nicht alle Mitarbeiter sollen von der neuen Devise «TV first» begeistert sein. Schliesslich gilt es weiterhin, eine Zeitung zu füllen. Nicht jeder Journalist ist davon angetan, für einen «Aufsager» vor der eigenen Handykamera bereit sein zu müssen, wo immer er geht oder steht. Auch dass es nun an Sendetagen von «Bild Live» eine frühmorgendliche Redaktionskonferenz um sechs Uhr geben wird, könnte noch für Turbulenzen sorgen. Dem Zusammenspiel zwischen dem Studio im 16., der Regie im 10. und der Redaktion im 3. Stock steht seine Belastungsprobe noch bevor. Und ob krawallige Dokumentation als Dutzendware eine signifikante Minderheit zum Programmieren und Einschalten eines neuen Senders animiert, scheint fraglich. Die freudig kommunizierte «technische Reichweite von rund 85 Prozent der deutschen TV-Haushalte» ist eine sehr theoretische Grösse.
Hinab vom 16. Stock führen zwei Fahrstühle und ein Paternoster. Auch bei «Bild» enden alle Wege auf dem Erdboden.

EU-Kartellaufsicht könnte Facebooks Kustomer-Übernahme untersuchen

Die EU-Kartellaufsicht erhöht Insidern zufolge den Druck auf Facebook. Die Behörde dürfte eine umfangreiche Untersuchung der Übernahme des US-Start-ups Kustomer durch Facebook starten, wenn eine erste Überprüfung im kommenden Monat ende. Der US-Internetkonzern hatte die Kundendienst-Plattform im November übernommen und dafür laut Medien eine Milliarde Dollar (850 Millionen Euro) gezahlt.

Besonders in der Digitalwirtschaft seien viele Märkte bereits heute stark konzentriert. „Deshalb ist eine stringente Kontrolle unverzichtbar“, betone Mundt. Die 2015 gegründete Firma mit Sitz in New York stellt Plattformen für Kundenservice und sogenannte Chatbots bereit, die Kundenanfragen automatisiert beantworten können sollen.

EU-Datenschutzstrafen für TikTok und französische Versicherungsgruppe

Die niederländische Aufsichtsbehörde hat ein Bußgeld von 750.000 Euro gegen TikTok verhängt, die französische 1,75 Millionen Euro gegen AG2R La Mondiale.

Die AP wirft TikTok vor, die Privatsphäre vor allem von Kindern verletzt zu haben. Die Informationen, die niederländische Nutzer bei der Installation und Nutzung der App erhielten, seien lange Zeit nur auf Englisch und daher schwer verständlich gewesen. Indem der Betreiber seine Datenschutzerklärung nicht auf Niederländisch angeboten habe, sei gerade den zahlreichen jüngeren Anwendern nicht ausreichend klar geworden, „wie die App personenbezogene Daten erhebt, verarbeitet und weiter nutzt“. Dies sei unvereinbar mit der Datenschutzgesetzgebung.

TikTok hat Einspruch gegen den Bußgeldbescheid eingelegt. Das Unternehmen verweist darauf, dass die Datenschutzerklärung und eine besonders leicht verständliche, gekürzte Version für jüngere Anwender bereits seit Juli 2020 auf Niederländisch zur Verfügung stünden. Insgesamt haben in Holland 3,5 Millionen Nutzer von Mobiltelefonen die App installiert.

Versicherer verstößt mehrfach gegen den Datenschutz

Die französische Aufsichtsbehörde CNIL begründet ihre Millionenstrafe für AG2R La Mondiale damit, dass der vor allem im Bereich Altersvorsorge, Renten- und Krankenversicherung tätige Konzern die Daten von Millionen von Personen „über einen übermäßig langen Zeitraum aufbewahrt“ sowie Informationspflichten bei Telefon-Marketingkampagnen nicht nachgekommen sei. Das Unternehmen habe die monierten Praktiken inzwischen abgestellt.

AG2R La Mondiale hatte laut der CNIL in seinen Kundendatenbanken keine Löschfristen implementiert. Der im Sportsponsoring sehr aktive Konzern habe teils sensible Informationen aus den Bereichen Gesundheit und Finanzen von mehr als zwei Millionen Kunden über das Vertragsende hinaus gespeichert. Zudem seien Daten von knapp 2000 Interessenten archiviert worden, obwohl diese seit mehr als drei bis fünf Jahren keinen Kontakt mehr zu dem Unternehmen gehabt hätten.

Impfen dominiert die Top 5 Werbespots auf YouTube

Das YouTube Ads Leaderboard Österreich listet die Top 5 Werbevideos auf YouTube. Für das zweite Quartal 2021 lauten die Abrufzahlen in absteigender Reihenfolge:

  1. Initiative Österreich impft – Sprechstunde mit Justizwachebeamtin Ebru
  2. Österreichische Gesundheitskasse – Freuen wir uns zurück – #lassunsimpfen
  3. Initiative Österreich impft – Werden die Mutanten alles ruinieren?
  4. Blumenbüro Österreich – „Shine on“ mit Blumen und Pflanzen
  5. GoStudent Tutoring – Dieter Bohlen und die Nachhilfe, die alles verändert hat | Der Pop-Titan in jungen Jahren

Um die Top 5 zu ermitteln, hat YouTube die Zahl der aus Österreich erfolgten Abrufzahlen auf YouTube-Werbevideos im zweiten Quartal gemessen. Für das Ranking wurden nur Videos berücksichtigt, die einen Mindestanteil an unbezahlten Views aufweisen konnten. Das Anzeigen-Ranking wird durch einen Algorithmus bestimmt, der bezahlte und organische Aufrufe sowie die Zuschauerbindung berücksichtigt.

Designberatungsagentur Fjord kommt nach Wien

Accenture Interactive erweitert mit der Design- und Innovationsberatungsagentur Fjord ihr Service- und Beratungsangebot in Österreich. Als weltweit tätige Agentur verfügt Fjord bereits über mehr als 40 Studios rund um den Globus. Im kürzlich neu bezogenen Interactive Studio in der Wiener Börse arbeitet das internationale Fjord-Team aus Service-, Business- und User-Experience-Designern an der Entwicklung von virtuellen und realen Serviceerlebnissen, sowie dem Design von neuen und innovativen Produkten sowie Dienstleistungen.

Geleitet wird das Team von Chris Böhnke, der als Managing & Group Director auch die Fjord Studios in Deutschland verantwortet. Das Leistungsportfolio der Agentur reicht von der Entwicklung digitaler Produkte, bis hin zur strategischen Beratung mit Designmethoden bei Innovationen, Geschäftstransformation und interner Neuausrichtung. Zu den internationalen Kunden gehören unter anderem Generali, Velux und VW Group.

TikTok wird offizieller Content-Partner der IAA

Die chinesische Kurzvideo-Plattform TikTok wird offizieller Partner der IAA Mobility 2021 und der Messe München. Schwerpunkt der Partnerschaft sind Formate und Inhalte in der App, die von der Messe, aus der Community sowie von Marken gestaltet werden können. In Zusammenarbeit mit Creators sowie Persönlichkeiten aus der Automobil- und Tech-Branche sollen lehrreiche und kreative Inhalte rund um Mobilität, Innovationen, Design und Nachhaltigkeit entstehen.

Die Zukunft von Amazon: In diese Geschäftsfelder investiert der Riese

Jeff Bezos hat den Amazon-Chefposten vor Kurzem an Andy Jassy abgegeben. Nach seinem erfolgreichen Ausflug ins All wird der Firmengründer jedoch auch weiterhin die nächsten Schritte in der Entwicklung des Unternehmens maßgeblich beeinflussen. Ein Überblick.

Als Online-Buchverkäufer 1994 gestartet, ist Amazon heute ein Konglomerat an service-basierten (Tochter-)Unternehmen und Geschäftsbereichen, das sich zunehmend in verschiedensten Branchen ausbreitet. Angetrieben von der hauseigenen „customer obsession“ dringt Amazon dabei zunehmend umfassender in das Alltagsleben seiner B2C-Kunden vor. Aber auch aus B2B-Sicht wird der Konzern nicht nur mit Blick auf die eigene Cloud-Sparte Amazon Web Services (AWS) immer stärker.

Advertising ist das neue AWS

Amazons neuer CEO ist maßgeblich für den Erfolg von AWS verantwortlich. Seit 2006 war Andy Jassy Chef des Tochterunternehmens, das über die Jahre erheblich zu Amazons Profitabilität und Entwicklung als Tech-Unternehmen beigetragen hat. Nun findet Jassy in seiner neuen Rolle einen aufstrebenden Bereich vor, der gewissermaßen an die Entwicklung von AWS erinnert: Amazon Advertising.

Mit einem Umsatzwachstum von 77 Prozent im Vergleich zum Vorjahr wurde in 2020 bereits sehr deutlich, was für ein Potenzial in Amazons eigenen Werbemöglichkeiten liegt, die nun zunehmend weiterentwickelt und geöffnet werden. Der Konzern aus Seattle schließt dabei mit hohem Tempo zu anderen Tech-Giganten wie Google und Facebook auf, deren Marge hauptsächlich vom Geschäft mit Ad-Lösungen getrieben wird. Als zukunftsweisende Beispiele des Amazon Advertising seien hier Amazon DSP und Amazon Attribution genannt. Unter diesen Voraussetzungen wird Andy Jassy seinen bisherigen Erfolg mit AWS in den kommenden Jahren sicherlich nun in diesem Segment wiederholen wollen – was jedoch nicht bedeutet, dass AWS weniger wichtig werden wird.

Mehr Entertainment für die Kundenbindung

Eng verbunden mit Amazon Advertising wird in naher Zukunft vor allem der Weiterentwicklung der Entertainment-Sparte besondere Bedeutung zukommen. Die Integration der für 8,5 Milliarden US-Dollar erworbenen MGM Studios wird dabei richtungsweisend sein. Amazon bietet mit seinem Streaming-Angebot und der Filmdatenbank IMDb bereits Zugang zu zahlreichen Serien, Filmen, und Hintergrundinformationen.

Die Erweiterung des Prime-Video-Angebots sowie der eigenen Produktionskapazitäten verspricht vor allem in Kombination mit dem wachsenden Werbegeschäft jedoch ein noch größeres Umsatzpotenzial als zuvor. Aus dieser Sicht ist zum Beispiel auch der Kauf der Übertragungsrechte der beiden höchsten Ligen im französischen Fußball ein strategisch cleverer Schachzug. Gute Unterhaltung soll neue Kunden gewinnen und bestehende binden. Die wachsende Zahl an weltweiten Prime-Abonnements wird Lock-In-Effekte erzeugen, die zu weiteren, wachsenden Einnahmen führen.

Vor diesem Hintergrund darf man auch gespannt sein, ob der Konzern Spotify und Apple im boomenden Podcast-Markt noch einholen wird. Die Akquisitionen der Produktionsfirma Wondery und beliebter Podcasts wie „SmartLess“ (für 80 Millionen US-Dollar!) lassen auf jeden Fall darauf schließen, dass man hier noch großes Potenzial sieht, das nicht kampflos der Konkurrenz überlassen werden soll. Die Rückholaktion von Jeff Blackburn untermauert dies: Nach kurzem Intermezzo als Startup-Investor soll der Amazon-Veteran als Senior Vice President die neu geordnete „Global Media & Entertainment“-Division leiten und für die Zukunft zielgerichtet aufstellen.

Gaming, Twitch und Social Commerce

Doch nicht nur eher traditionelle Unterhaltungsformate wie Audio oder Video, die on-demand angehört oder angeschaut werden können, stehen in den nächsten Jahren in Amazons Fokus. Mit der bereits vor einigen Jahren getätigten Übernahme von Twitch hat sich der Konzern frühzeitig im wachsenden Gaming-Markt einen wichtigen Player einverleibt. Von „Online Creators“ betriebenes Livestreaming erfreut sich wachsender Beliebtheit auch weit über den Fokus auf Videospiel-Inhalte hinaus. Je nachdem, wo die Aufmerksamkeit von bestimmten Zielgruppen liegt, lässt sich mit Werbung gutes Geld verdienen – so auch im Falle von Twitch. Die Plattform wird für Amazons Advertising-Business in den kommenden Jahren noch wichtiger werden als sie bereits schon ist.

Aber auch der Videospiele-Markt als solches wird von Amazon vermehrt ins Visier genommen: Mit Amazon Luna will das Unternehmen seit letztem Oktober vor allem „casual gamers“ ansprechen. Der Cloud-Gaming-Service funktioniert dabei wie Amazon Prime und eröffnet Nutzern Zugang zu einer Vielzahl an Online-Spielen. Bei einem globalen Umsatz, der größer ist als der der weltweiten Filmindustrie, wird die Gaming-Branche mit hoher Wahrscheinlichkeit noch mehr Aufmerksamkeit von Andy Jassy und seinem Führungsteam bekommen.

Mit Blick auf Amazons Streaming-Aktivitäten muss ebenso die wachsende Bedeutung von „Social Commerce“ erwähnt werden. Was in Asien bereits der Normalfall ist, findet langsam aber sicher immer mehr Einzug im Kerngeschäft Amazons – Livestreams von Influencern, die Produkte für den Online-Kauf vorstellen. Anders als Konkurrent Walmart, der bereits Tests mit Shopping-Möglichkeiten innerhalb der Kurzvideo-App TikTok durchgeführt hat, versucht Amazon die Social-Elemente auf seiner Plattform einzubinden. Auch wenn der E-Commerce-Gigant hier im Vergleich aktuell noch etwas hinterher sein mag, darf man in den kommenden Jahren Schritt für Schritt die Einführung neuer Entwicklungen erwarten, die vor allem jüngere Shopper der Gen Z ansprechen sollten.

Von FBA zu mehr Seller Services

Mittlerweile wird ein Großteil der Umsätze auf dem Marktplatz von Sellern generiert, die die Vorzüge des „Fulfilment by Amazon“ (FBA) nutzen. Kein Wunder also, dass Shop-Aufkäufer wie Thrasio noch viel ungehobenes Potenzial für den Verkauf auf dem Marketplace sehen und in den letzten anderthalb Jahren einen regelrechten Hype mit massiven Finanzierungsrunden ausgelöst haben.

Dass Amazon die Händler auf seiner Plattform jedoch teils mit harten Bandagen auf Linie trimmt, ist gemeinhin bekannt. Dennoch scheint Amazon sich zukünftig noch mehr auf seine Seller-Kunden fokussieren zu wollen.

Kaseya hat Generalschlüssel für Ransomware

Vor über zwei Wochen hatte die Ransomware-Gruppe Revil den IT-Dienstleister Kaseya gehackt und etliche Systeme von Kunden verschlüsselt. Nun konnte Kaseya Generalschlüssel erlangen, mit dem sich die betroffenen Geräte entschlüsseln lassen. Damit dürften Dutzende Kunden wieder an ihre Daten gelangen.

Da viele der Kaseya-Kunden wiederum selbst IT-Dienstleister für andere Unternehmen sind, reichten die Auswirkungen bis nach Schweden, wo die Supermarkt-Kette Coop Hunderte Läden wegen nicht funktionierender Kassensysteme nicht öffnen konnte.

Revil wollte 70 Millionen US-Dollar für Generalschlüssel

Die Ransomware-Gruppe Revil hatte für den Generalschlüssel 70 Millionen US-Dollar in Form von Digitalwährungen wie Bitcoin gefordert. Vergangene Woche verschwand die Online-Präsenz der Erpresser dann plötzlich aus dem Netz.

Die Gruppe Revil, die als Drahtzieher der Attacke gilt, wird von Experten in Russland verortet. Kurz bevor Revil offline ging, hatte US-Präsident Joe Biden Moskau aufgefordert, keine kriminellen Hacker zu tolerieren und mit Konsequenzen gedroht.

Betroffene Unternehmen, die entgegen Empfehlungen von Experten und Behörden bereit gewesen wären, den Erpressern Lösegeld für die Entschlüsselung ihrer Daten zu zahlen, verloren mit dem Abtauchen der Gruppe die Möglichkeit dazu. Jetzt will Kaseya sie nach und nach kontaktieren, um ihre Computer zu retten.

Olympia als Marken-Hindernislauf: Partner und Sponsoren bei Olympia

Corona konnte der Fußball-EM nichts anhaben – Olympia schon. Die Japaner sind mehrheitlich gegen die Spiele, die vor leeren Stadien stattfinden. Die Sponsoren und Partner des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) hatten viel Zeit, sich auf das Schlimmste einzustellen.

Für Hochleistungssportler ist es der Sinn ihres Lebens: sich für Olympia zu qualifizieren und dann im Wettkampf Bestleistung zu bringen. Doch Corona ist auch im Sommer 2021 noch allgegenwärtig, die ersten Dutzend positiv-getesten Sportler hat Olympia in Tokio schon vor dem Beginn der Spiele. Es muss wie ein Damoklesschwert für jeden Teilnehmer sein. Hinzu kommen die Ablehnung der Spiele durch die Mehrheit der Japaner.

In dieser Gemengelage ist die Allianz SE erstmals – seit Anfang diesen Jahres – als weltweiter Versicherungspartner der Olympischen und Paraolympischen Spiele mit im Rennen um Aufmerksamkeit und Imagepunkte. Der Beginn dieser Kooperation folgt auf ein 2019 gestartetes Pilotprojekt in vier Märkten, in Australien, China, Frankreich und Spanien. Der Softlaunch sollte es dem Münchner Konzern ermöglichen, das Potenzial der Partnerschaft in Bezug auf Mitarbeiter, Geschäft und Markenziele zu durchdringen. Die bisherigen lokalen Initiativen weitet Allianz nach eigenem Bekunden auf mehr als 200 Territorien aus, um eine Verbindung zwischen Athleten und Fans herzustellen.

Als ein Beispiel nennt der Versicherer seine Spark-Confidence-Bewegung, bei der er Athleten, Mitarbeiter, Freiwillige und Fans dazu ermutigt, ihre Geschichte darüber zu erzählen, was oder wer ihnen Selbstvertrauen gibt. „Da die Partnerschaft nun global ist, können wir dies sowohl global verbreiten als auch Athleten aus aller Welt in der Kommunikation einsetzen, wie wir es zum Beispiel mit Matt Stutzman aus USA getan haben“, sagt Eike Bürgel, Global Head of Olympic and Paralympic Program Management bei der Allianz.

Allianz knüpft enge Beziehungen zu Athleten

Ein Ziel des Finanzdienstleisters ist es, die Allianz Community wachsen lassen. So wurde damit begonnen, Athleten einzustellen und in verschiedenen Märkten das sogenannte Athleten-Buddy-Programm durchzuführen. Dieses bietet laut Bürgel Mitarbeitern die Möglichkeit, von einem Athleten als Mentor betreut zu werden und Athleten die Chance, sich auf das Leben nach dem Wettkampf vorzubereiten, indem sie gemeinsam verschiedene Entwicklungsthemen erarbeiten: „Wir möchten der Versicherer des Sport-Ökosystems werden.“

Durch die Olympia-Partnerschaft sollen Versicherungslösungen und -dienstleistungen für die Olympischen und Paralympischen Spiele, Sportfans, Nationalmannschaften und Athleten entwickelt und ihnen angeboten werden. „Wir wollen Menschen vermitteln, dass Allianz da ist, und ihnen Zuversicht geben für das, was vor ihnen liegt.“ Das passt zum kommunikativen Rahmenkonzept „Behind you for what’s ahead“, das Anfang 2021 global startete. Das neue Konzept und die Olympia-Partner stärken „unsere Ambition, bis 2025 im Interbrand-Ranking zu den Top 25 Marken zu gehören“, so Bürgel.

Ein Beispiel für eine Umsetzung innerhalb des Rahmenkonzepts ist der Podcast von Allianz und dem IPC-Verband „A Winning Mindset: Lessons From The Paralympics“, der 2021 einen Webby Award sowie einen Digiday Media Europe Award gewonnen hat. Die Serie umfasst 20 Episoden und geht über die Leistungen der Paralympioniken auf dem Spielfeld hinaus: Die Athleten sprechen über Selbstakzeptanz, mentale Gesundheit und Körperbild. „Solche und ähnliche Initiativen helfen uns, mit mehr Menschen in Kontakt zu treten. Damit bringen wir Menschen als Teil der Allianz Community zusammen und bieten ihnen Expertise, nicht nur in Sachen Versicherung“, so Bürgel.

Dass bei den diesjährigen Olympischen Spielen keine Zuschauer zugelassen sind (im Gegensatz zur Fußball-EM mit teils randvollen Stadien), ist ein mehr oder weniger großes Handicap für alle Unternehmen, die sich als Partner und Sponsoren an Olympia ranhängen. Abgesehen von Allianz, denn der Versicherer hätte als Anfang 2021 gestarteter Partner regulär erst 2024 seine ersten Olympischen Spiele vermarkten können. So bekommen die Münchener für die Vertragslaufzeit 2021 bis 2028 einmal Olympia „geschenkt“. Als Reaktion auf die wegen Corona eingeschränkten diesjährigen Spiele will Allianz auf verstärktes Engagement gegenüber den Sportlern setzen. Als ein Beispiel nennt Bürgel das SparkConfidence-Programm. Und das DogSquad-Programm, in dessen Rahmen Allianz „ausgebildete emotionale Unterstützungshunde“ zur Verfügung stellt, um den Sportlern bei ihren psychischen Herausforderungen zu helfen.

GoDaddy ist erstmals Key Partner des DOSB

Ebenfalls neu im Olympiageschäft ist GoDaddy, ein Webseitenverwalter mit weltweit über 20 Millionen Kunden und mehr als 82 Millionen verwalteten Domainnamen. Das Unternehmen ist Key Partner des Deutschen Olympischen Sportbunds (DOSB) und fördert darüber hinaus die Kunstturnerin Elisabeth Seitz.

Paul Ashcroft, Senior Director EMEA von GoDaddy, sagt: „Mit unserem integrierten Angebot an Online-Produkten und -Diensten und unserem kompetenten Kundensupport unterstützen wir deutsche Gründer und Kleinunternehmer bei der Digitalisierung und befähigen sie, ihre Ideen online umzusetzen.“ Letztlich sei auch jeder Sportler ein kleines Business. GoDaddy flankiert die Partnerschaft mit Team Deutschland und Elisabeth Seitz durch PR-Aktivitäten, Onlinewerbemaßnahmen auf Plattformen, eigene Social-Media-Kanäle und den GoDaddy-Blog, Medienpartnerschaften sowie eine Out-of-Home-Kampagne. Seit dem 20. Juli thematisiert das Unternehmen sein Engagement auf über 1.500 Outdoor-Flächen (Agentur: FischerAppelt). Wie schlecht auch immer die Nachrichten aus Japan sein mögen – keine Zuschauer zugelassen oder steigend Coronazahlen – diese in Deutschland laufende und ihren Fokus auf Sportler setzende Kampagne dürfte davon relativ unbeeinträchtigt bleiben.

Die Sparkassen schicken ihren Fan-Reporter wieder los

Der DOSB mit Sitz in Frankfurt schickt die deutschen Athleten als Team Deutschland zu den Spielen. Einer der Top-Partner von Team Deutschland ist die Sparkassen-Finanzgruppe, neben Adidas, Allianz und Toyota. Die Sparkassen wollen die Fans über TV-Presenting sowie Beiträge im Internet und in den sozialen Medien erreichen. Schon bei früheren Olympischen Spielen haben die Sparkassen ihren „Fan-Reporter“ losgeschickt, um die Verbindung zwischen den Sport-Ereignissen und den Fans daheim zu stärken. Während der Spiele in Tokio kommt er ebenfalls zum Einsatz, so Heike Kramer, im DSGV Abteilungsleiterin für Gesellschaftliches Engagement und Veranstaltungsmanagement (DSGV ist der Dachverband der Sparkassen-Finanzgruppe): „Wie, wird noch nicht verraten. Sicher ist, dass wir auf die Gesundheit der Athletinnen und Athleten ebenso Rücksicht nehmen wie auf die der japanischen Bevölkerung. Viele befürchten, dass es den Spielen vor leeren Rängen an Emotionen fehlen wird – wir können versichern, dass die Clips mit unserem Fanreporter einige Emotionen bieten werden.“

Des weiteren starten die Sparkassen zu Beginn der Spiele einen mit den digitalen DOSB-Maßnahmen vernetzten Auftritt, der den Sportsgeist in den Mittelpunkt stellt. Die gleichnamige Plattform dient als langfristiger Hub für die Kommunikation rund um die Partnerschaft mit dem DOSB. „Das Herzstück der Sportsgeist-Seite bilden exklusive Reportagen und Inszenierungen wichtiger materieller Wegbegleiter der Athletinnen und Athleten – angereichert mit aktuellen und historischen Beiträgen rund um die Olympischen und Paralympischen Spiele unter dem Motto Sportsgeist. Für Tokio finden hier ebenso die gemeinsamen kommunikativen Maßnahmen mit dem DOSB ihr Zuhause, zum Beispiel der Podcast „Mehr als Gold, Silber und Bronze“ oder die Beiträge unseres Fanreporters“, so Kramer. Die Website ist seit 21. Juli unter der URL https://sportsgeist.sparkasse.de und über die übergeordnete Seite https://mehralsgeld.sparkasse.de/sportfoerderung erreichbar. Bei den Übertragungen der Spiele selbst werden die Sparkassen als TV-Presenter mit kurzen Einspielern für das Publikum zu sehen sein.

Coronabedingt gibt es in diesem Jahr kein Deutsches Haus bei den Olympischen Spielen, in und aus dem ein Top-Partner wie die Sparkassen kommunizieren können. „Und leider auch keine Möglichkeit des Zusammentreffens und der direkten Unterstützung unserer Teams“, so Kramer. „Interessanterweise hat es uns die Pandemie allerdings auch ermöglicht, einige lokale Kommunikationsmaßnahmen in Deutschland umzusetzen. So ist zum Beispiel eine Sparkassen-Lounge mit dem Einkleidungstruck durchs Land getourt und hat an sieben Olympiastützpunkten die Mitglieder von Team Deutschland zum Entspannen eingeladen. Auch Begegnungen mit Vertretern der lokalen Sparkassen vor Ort und nachgelagerte Kommunikationsmaßnahmen wie hochwertige Verlosungen über Social Media waren in diesem Rahmen möglich.“ Die Sparkassen geben nach eigenem Bekunden jährlich rund 90 Millionen Euro für Sportförderung in Deutschland aus. Dieses Engagement wird in der Öffentlichkeit „positiv bewertet“, wie laut Kramer die Marktforschungsergebnisse kontinuierlich zeigen.

Zu den Olympischen Spielen oder anderen sportlichen Großereignissen denken sich Unternehmen und ihre Agenturen immer wieder Aktionen aus, wie sie die Sportbegeisterung der Massen für ihre Werbung nutzen können – obwohl die betreffenden Unternehmen keine offiziellen Partner der Spiele oder Athleten sind. Man spricht hier von Ambush Marketing. So düpierte der Sprintstar Usain Bolt 2016 den Olympia-Sponsor Nike, indem er nach gewonnenem Lauf seinen Schuh seines Ausrüsters Puma in die Höhe hielt – so ein Bild geht freilich per Social Media um die Welt und ist beste Werbung für Puma.

Die Sparkassen stehen solchen Aktionen gelassen gegenüber. Das „jahrelange, breite und nachhaltige gesellschaftliche Engagement“ des Finanzhauses sei durch „vereinzelte, aufmerksamkeitsheischende Aktionen ohnehin nicht zu erschüttern oder zu kopieren“. Und „groben Verstößen wird in Abstimmung mit unseren Partnern nachgegangen“, so Kramer.

Social Media lädt zu Ambush Marketing ein

Der DOSB beobachtet, dass die Bemühungen von Unternehmen in Richtung Ambush Marketing durchaus zunehmen. Der Grund: Medien stellen Ambush Marketing als „kreativen Weg der Werbung dar, die eher als positiv“ angesehen wird. „In den letzten Jahren konnten wir gerade zu den Olympischen Spielen im Sommer eine Vielzahl von Verstößen feststellen, die nach Möglichkeit auch entsprechend geahndet werden, um die Rechte der offiziellen Partner zu schützen. Auch die Kurzlebigkeit in den Social Media lädt immer wieder Unternehmen ein, sich mit der Olympischen Bewegung zu verbinden ohne Rechte an der Veranstaltung und dem Team Deutschland zu haben“, so der DOSB.

Edeka ist seit 2016 Key Partner von Team Deutschland. Das „große Highlight“ zu den diesjährigen Spielen bildet laut Rolf Lange, Leiter der Unternehmenskommunikation, die „Revanche zwischen #teamfruchtig und #teamkernig für ein zweites offizielles Team Deutschland-Eigenmarkenprodukt“. Beachvolleyball-Olympiasiegerin Laura Ludwig und Deutschland-Achter-Ruderer Hannes Ocik einerseits sowie Speerwurf-Weltmeister Johannes Vetter und Beachvolleyballerin Maggie Kozuch andererseits bildeten die Teams in dem Wettstreit, in dem es um den „offiziellen Riegel“ für Team Deutschland geht. Das Ergebnis ist seit dem 19. Juli 2021 auf edeka.de/energyballs zu sehen.

Nach den Spielen in Tokio setzt Edeka weitere Aktivitäten im Rahmen der Partnerschaft um, beispielsweise einen Foodguide für das Team Deutschland oder einen monatlichen Newsletter rund um Food-Know-how, Rezeptinspiration sowie den Wissensaustausch unter den Athleten.

Kolle Rebbe entwickelte Kampagne für Aktionen im Olympia-Vorfeld

Auch der DOSB tat das Seinige, um im Vorfeld die Aufmerksamkeit auf Tokio und die Sportler zu lenken. Anfang Mai startete die „Mein Weg“-Kampagne (Kommunikations-Kampagne zu Tokio), gestaltet von der Hamburger Kreativagentur Kolle Rebbe. Neue Wege ging der DOSB mit der Einkleidung von Team Deutschland, die er dezentral als Roadshow umsetzte. Dazu wurde ein gebrandeter Truck als fahrender Showroom ausgestattet, der rund vier Wochen lang Olympiastützpunkte in Deutschland angefahren ist und die Athleten und Athletinnen mit den Outfits zur Anprobe versorgte. Angedockt waren jeweils Medientage an jedem Stopp und verschiedene Partner-Aktivierungen.

Dabei haben Partner wie Edeka, Toyota und die Sparkassen die Tour vor allem als Plattform genutzt, um eigenen Content zu produzieren und die Partnerschaft inhaltlich zu füllen. Die Sportler wiederum haben ebenfalls auf ihren Kanälen vom „Erlebnis Einkleidung“ berichtet und Bilder und Videos dazu gepostet. „Durch diese neuartige Umsetzung haben wir den Partnern bereits vor Beginn der Spiele über eine attraktive Bühne die Möglichkeit geboten, Content zu produzieren und ihre Partnerschaft authentisch mit ganz viel Nähe zu den Athleten und Athletinnen zu verbinden“, so der DOSB. Über diesen Weg habe man die Reichweiten der Partner „deutlich steigern“ können.

Da es während der Spiele kein Deutsches Haus als Hospitality-Plattform gibt, verlagert der DOSB den Auftritt in den digitalen Raum. Mit Verlosungen und „innovativen Interaktionsideen“ zum Beispiel soll Olympia von Tokio nach Deutschland transportiert werden. Darüber hinaus bindet der Sportbund die Partner inhaltlich und über Presentings in bestehende und geplante Team Deutschland-Medienformate wie Podcasts, Bilder des Tages, Medal M(ov)ment, Prediction Game, Zeitplan und Leistungsbilanz ein. Zudem realisierte er in Kooperation mit Oliver Wurm mit dem Magazin „Tokio 2021“ (3. Ausgabe der Reihe) sowie dem Team Deutschland-Panini-Sammelalbum zwei Formate, bei denen sich die Partner beteiligt haben.