DuMont erwägt Kürzungen und „Veränderungen in der Blattstruktur“

Die Papierknappheit auf dem europäischen Markt hat nun konkrete Auswirkungen für Zeitungen der Kölner Mediengruppe DuMont. Diese erwägt jetzt Kürzungen des Umfangs einiger Zeitungen und die Zusammenlegung bestimmter Ausgaben.

Es könne dazu kommen, dass beispielsweise lokale und sublokale Berichterstattung, die bisher in zwei einzelnen Teilen erschienen sei, in einem zusammengeführt werde. Betroffen von Auswirkungen sei neben dem „Kölner Stadt-Anzeiger“ auch die „Kölnische Rundschau“. Die ebenfalls zu dem Medienhaus gehörende Boulevardzeitung „Express“ spürt auch die Folgen: „Beim gedruckten ‚Express‘ kann es dazu kommen, dass wir kurzfristig den Umfang der Zeitung leicht reduzieren werden“, teilte die Sprecherin weiter mit.

Die Zeitungen informierten in ihren Ausgaben ihre Leser über die Papierknappheit. Das Medienhaus machte zugleich klar, dass eine vollumfängliche Berichterstattung auf den digitalen Plattformen der Zeitungstitel weiter gewährleistet werde.

Auch Magazine fürchten Papiermangel

Die Papierknappheit beschäftigt derzeit die gesamte Buch- wie die Pressebranche in Deutschland. Zeitschriftenverlage sehen für 2022 die Gefahr eines Papiermangels für Magazine.

Der Hauptgeschäftsführer des Verbands Deutscher Zeitschriftenverleger (VDZ), Stephan Scherzer, hatte unlängst der dpa gesagt: „Neben der nicht vorhersehbaren Preissteigerung besteht die Gefahr, dass es 2022 nicht genügend Papier geben wird. Die Papierbranche muss sich jetzt als verlässlicher Partner erweisen, der die Preisschraube nicht überdreht und die Versorgungssicherheit mit grafischen Papieren gewährleistet. Es ist noch nicht abzusehen, ob sich die Situation im Laufe des Jahres 2022 entspannen wird.“

Paypall verschiebt Pinterest-Kauf

Paypal will zunächst die Finger von Pinterest lassen. In der Nacht auf den 25.10. gab der US-Internet-Bezahldienst bekannt, die milliardenschwere Übernahme zunächst nicht mehr zu verfolgen. Mehr teilte Paypal nicht mit. Bisher hatten nur Insider von den Bemühungen berichtet. Demnach habe Paypal 70 Dollar je Pinterest-Aktie geboten und damit rund 45 Milliarden Dollar (39 Milliarden Euro). Es wäre die größte Übernahme eines sozialen Netzwerks bisher gewesen.

Beide Unternehmen gelten als Gewinner der Corona-Pandemie. In Zeiten von Ausgangs- und Kontaktbeschränkungen kauften mehr Menschen online ein und bezahlten häufiger über PayPal. Auf Pinterest waren im Lockdown mehr Nutzer unterwegs, die sich dort unter anderem für Bastel- oder Heimwerkprojekte inspirieren ließen.

Google soll E-Privacy und Werbemarkt manipuliert haben

Unter der Führung des US-Bundesstaates Texas haben elf weitere Bundesstaaten eine Klage gegen den IT-Konzern Google eingereicht. Darin wird dem Unternehmen in zahlreichen Fälle vorgeworfen, seine Marktmacht ausgenutzt zu haben, um gegen die Konkurrenz und die gesetzliche Regulierung vorzugehen. Nach Pressebeschwerden hat das zuständige Gericht die Klageschrift nun fast vollständig ohne Schwärzungen veröffentlicht.

Aus einer internen Notiz von Google, aus der in der Klage zitiert wird, heißt es demnach etwa: „Wir haben es geschafft, den Prozess der (ePrivacy-Verordnung) zu verlangsamen und zu verzögern und haben hinter den Kulissen Hand in Hand mit den anderen Unternehmen gearbeitet“. Die sogenannte E-E-Privacy-Verordnung soll auf EU-Ebene den Schutz von Kommunikationsdaten regeln, was sich bereits seit Jahren hinzieht.

Das zitierte Dokument stammt aus dem Jahr 2019. Google sagte der NYT dazu, nur weil der Generalstaatsanwalt von Texas, Ken Paxton, „etwas sagt, wird es nicht wahr“. Und weiter heißt es: „Wir haben deutlich gemacht, dass wir weltweit einheitliche Datenschutzregeln unterstützen“, sagte der Sprecher.

Aus der Klage geht darüber hinaus hervor, dass Google und Facebook ein bisher unbekanntes Abkommen geschlossen haben, um sich gegenseitig bei Wettbewerbs- und Kartellrechtssachen zu unterstützen. Die Vereinbarung wird Jedi Blue genannt.

Außerdem soll Google den für den Konzern extrem wichtigen Werbemarkt auf vielfältige Weise manipuliert haben. So soll eine gesamte Abteilung mit dem Namen gTrade die von Kunden zu zahlenden Preise mit Hilfe von Insiderwissen manipuliert haben.

Ebenso soll Google Kunden dazu gedrängt haben, die Ad-Server des Unternehmens zu lizenzieren und zu verwenden. Auch das seit Jahren übliche Bieten und Ersteigern von Werbeplätzen soll Google systematisch manipuliert haben.

Auch das von Google initiierte AMP-Projekt soll der Suchmaschinenbetreiber in seinem Sinne verändert haben. So sei AMP so gestaltet, dass deren Nutzer nur schwer andere Werbemarktplätze nutzen könnten als jene von Google. Die vom Unternehmen versprochenen Geschwindigkeitsvorteile von AMP sollen unter anderem dadurch erreicht worden sein, dass die Ladezeiten von Werbung gedrosselt wurde, die nicht direkt über AMP verteilt wird.

Mit dem Project Nera soll Google außerdem versucht haben, aus dem sonst offenen Web einen sogenannten Walled Garden zu machen, um seine eigenen Gewinnmargen zu schützen. Ein wichtiger Teil der Strategie dabei sei der in den Chrome-Browser integrierte Google-Login. Ziel war demnach die komplette Werbefläche von Publikationen im Netz zu kontrollieren. Als interner Spitzname sei dafür „nicht im Besitz, nur betrieben“ („Nobo“, „not-owned-but-operated“) genutzt worden.

Neue Enthüllungen zu Facebooks Umgang mit Hass

Nach den ersten Enthüllungen der früheren Facebook-Mitarbeiterin Frances Haugen im September legen nun weitere interne Dokumente und Aussagen von Angestellten nahe, dass der Konzern immer wieder bewusst Profit über Allgemeinwohl gestellt haben könnte. Und das auch nach der US-Wahl, die ein Wendepunkt in Facebooks Kampf gegen Falschinformationen sein sollte.

Der Konzern selbst hat nie offengelegt, wie seine Plattformen – darunter auch Instagram und WhatsApp – den Sturm auf das US-Kapitol befeuert haben könnten. Eine Herausgabe der entsprechenden Daten an eine Untersuchungskommission des US-Kongresses hatte Facebook entgegen der Empfehlung seines Oversight Boards abgelehnt, ein Gremium zur Überprüfung ausgewählter, symbolträchtiger Inhaltsentscheidungen. In einer Liveveranstaltung sagte Sheryl Sandberg, Chief Operating Officer von Facebook, der Sturm sei auf anderen Plattformen organisiert worden, „die nicht unsere Kapazitäten haben, Hass zu stoppen“.

Weiterhin zeigen interne Studien Facebooks effektive Möglichkeiten, um politische Polarisierung, Verschwörungstheorien und Hassaufrufe zu mindern. In vielen Fällen hätten Verantwortliche es aber abgelehnt, entsprechende Schritte auch umzusetzen. Demnach zeigen zum Beispiel Nutzungsdaten von 2019, dass Falschinformationen durch Politikerinnen und Politiker mehr Schaden anrichten können als Falschinformationen, die normale Profile verbreiten. Dennoch erlaubte Facebook in einer Richtlinie falsche Informationen bei Politikerinnen und Politikern; deren Kampagnen mussten sich nicht wie andere Quellen möglichen Faktenchecks unterziehen.

Die frühere Facebook-Mitarbeiterin Frances Haugen wirft ihrem Ex-Arbeitgeber vor, eigene Gewinne über die Sicherheit von Menschen zu stellen. „Ich glaube, dass die Produkte von Facebook Kindern schaden, Spaltung anheizen und unsere Demokratie schwächen“, sagte sie Anfang Oktober bei einer Anhörung im US-Kongress. Seitdem werden immer mehr interne Dokumente öffentlich, die sie an den Kongress und an Medien weitergegeben hat.

Intel kratzt dank Steuertricks an Rekordgewinn

Intels Bekanntgabe der Geschäftszahlen ist kurios wie lange nicht mehr, angefangen beim Umsatz und Gewinn: Die Firma hat den Umsatz im Jahresvergleich um 5 Prozent auf 19,2 Milliarden US-Dollar gesteigert, während der Gewinn um verblüffende 60 Prozent auf 6,8 Milliarden US-Dollar stieg. Nur im vierten Quartal 2019 hatte Intel mit gut 6,9 Milliarden US-Dollar einen höheren Gewinn.

Das Plus erreichte Intel mithilfe eines stark verringerten Steuersatzes von gerade einmal 0,5 Prozent statt üblicherweise rund 15 Prozent. Infolge stieg auch die Bruttomarge von 53,1 auf 56 Prozent. In der Bekanntgabe zu den Geschäftszahlen geht Intel nicht weiter auf den Steuersatz ein.

Der Ausblick auf das kommende Quartal offenbart allerdings, dass Intel umlegt: Der Steuersatz soll da bei hohen 37 Prozent liegen und die Bruttomarge auf 51,4 Prozent fallen. So niedrig war Intels Bruttomarge zuletzt im Sommer 2019. Der erwartete Umsatz soll unverändert bleiben, der Gewinn dürfte jedoch einbrechen.

D: Bei Radiowerbung auch 2021 coronabedingte Umsatzrückgänge erwartet

Radioanbieter in Deutschland werden einer Prognose zufolge wegen der Corona-Pandemie auch in diesem Jahr mit rückläufigen Umsätzen aus Werbung rechnen müssen. Die Erlöse mit Radiowerbung werden 2021 voraussichtlich um fünf Prozent auf 677 Millionen Euro zurückgehen.

Alle audiovisuellen Werbeumsätze zusammengenommen werden laut Vaunet insgesamt 6,04 Milliarden Euro in diesem Jahr betragen – das entspricht einem Wachstum von 6,5 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Der Wert liege dann wieder leicht über dem Vorkrisenniveau von 2019 mit 6,02 Milliarden Euro. Treiber ist vor allem das Wachstum bei den Streamingumsätzen.

Die Gesamtumsätze, also nicht nur Werbung, aller Audio- und audiovisuellen Medien einschließlich Streaming, Pay-Angebote und Teleshopping werden laut Prognose auf 14,31 Milliarden Euro steigen (plus fast 7 Prozent). 2020 hatten die Erlöse der Gesamtbranche bei 13,38 Milliarden Euro gelegen. Damals waren die Umsätze um 3,7 Prozent gewachsen. Der Streaming-Markt wächst.

Twitter-Studie: Algorithmus bevorzugt konservative Parteien – außer im Bundestag

Twitters Algorithmen verstärken mehrheitlich die Reichweite von Abgeordneten konservativer beziehungsweise rechter Parteien stärker als von solchen aus dem linken Spektrum – mit dem Bundestag als Ausnahme. Das ist das Ergebnis einer weiteren Analyse von Twitter, die der US-Konzern durchgeführt hat, um die Folgen von maschinellem Lernen besser zu verstehen.

In sechs von sieben untersuchten Staaten profitieren moderate Parteien aus dem politisch rechten Spektrum demnach stärker von der KI als linke. In den USA gilt das demnach auch marginal für Publikationen mit konservativer beziehungsweise rechter Ausrichtung. Welchen Grund diese Bevorzugung hat, weiß man bei Twitter demnach nicht. Möglich sei, dass die Ungleichbehandlung Folge unterschiedlicher Strategien beim Twittern seien.

Bei der nun vorgestellten Analyse ging es Twitter um den von Algorithmen befüllten Feed, den sich Nutzer und Nutzerinnen als Alternative zur strikt chronologischen Auflistung der Tweets von abonnierten Accounts anzeigen lassen können. Die Anzeige in dieser Ansicht basiere auf der Interaktion mit dem Algorithmus und der Funktionsweise der Technik selbst.

Wie genau Politiker und Politikerinnen von dem System profitieren, sei aber auch bei Twitter nicht bekannt, begründete der US-Konzern die Analyse. Deswegen habe er Kurzmitteilungen von Abgeordneten der nationalen Parlamente aus Deutschland, Frankreich, Kanada, Japan, Spanien, Großbritannien und den Vereinigten Staaten aus dem Jahr 2020 genauer untersucht sowie politische Inhalte von US-Nachrichtenseiten.

Bei einer Gegenüberstellung der Verstärkung der Reichweite von Tweets in Abhängigkeit von der jeweiligen Partei fällt demnach auf, dass – mit der Ausnahme Deutschlands – in allen Staaten konservative Parteien stärker profitieren. Am stärksten ist das Ungleichgewicht demnach in Kanada, wo Tweets von Liberalen um 43 Prozent verstärkt werden, die von Konservativen aber um über 160 Prozent – die des separatistischen, sozialdemokratischen Bloc Québécois jedoch noch stärker. Auch in Großbritannien sei das Missverhältnis groß (112 Prozent für Labour, 176 Prozent für die Konservativen).

In Deutschland profitiert demnach die FDP am stärksten, vor der SPD und den Unionsparteien. AfD und Linke liegen ungefähr gleichauf am Ende. Nimmt man nur jeweils die größten Parteien des linken und rechten Spektrums, gebe es nur in der Bundesrepublik eine leichte – statistisch nicht signifikante – Bevorzugung der linken Seite (SPD gegenüber CDU/CSU).

Eine Erklärung für das teilweise außerordentliche Missverhältnis liefert die von Twitter beauftragte Forschungsgruppe nicht. Sie versichert aber, dass sie gleichzeitig keine Belege dafür gefunden habe, dass die Algorithmen extreme Parteien an den Rändern gegenüber moderateren bevorzugen würden. Gleichzeitig habe sie aber noch ermittelt, dass Nachrichtenseiten, die von unabhängiger Seite als eher rechts eingeordnet würden, gegenüber linken bevorzugt würden. Wie groß das Missverhältnis ist, hänge aber auch daran, wie die analysierten Meldungen jeweils einsortiert würden.

Twitter bekommt eine Newsletterfunktion

Per Tweet teilte der Newsletterdienst Revue mit, dass Twitter-Leser und -Follower ab jetzt über Twitter-Profile auch Newsletter abonnieren können. Falls im Twitter-Konto des Newsletter-Interessenten eine E-Mail-Adresse hinterlegt ist, genügt dafür ein einzelner Klick.

Das neue Angebot war seit August getestet worden. Nun steht es für alle Twitter-Schreiber und -Leser zur Verfügung, zunächst allerdings nur bei Zugriff vom Desktop und mit einem Browser. Für Android und iOS soll die neue Funktion bald folgen.

Neuer Subscribe-Button

Für den typischen Inhalt eines Newsletters ist das Markenzeichen von Twitter, die Beschränkung auf 280 Zeichen pro Mitteilung, ungeeignet. Wer seinen Lesern auf Twitter künftig zusätzlich zu kurzen Tweets einen journalistischen Newsletter zum Abo anbieten möchte, muss die neue Funktion dafür in seinem Revue-Konto aktivieren. Sein Twitter-Profil wird dadurch um einen Subscribe-Button ergänzt.

ARD/ZDF sollen mehr Flexibilität bekommen

Die Ministerpräsidentinnen und -präsidenten der Länder haben sich in der Debatte um die Neuformulierung des Auftrags von ARD und ZDF auf einen Entwurfs-Text für den nächsten Medienänderungsstaatsvertrag geeinigt – der nun aber ab Mitte November noch öffentlich zur Diskussion gestellt und danch durch alle Länderparlamente verabschiedet werden soll. Unter anderem wird den Sendern darin der Wunsch erfüllt, dass sie künftig – in Abstimmung mit ihren Aufsichtsgremien – selbst über den Fortbestand ihrer kleineren linearen Spartensender entscheiden dürfen.

Direkt beauftragt werden sollen demnach nur noch Das Erste, das ZDF-Hauptprogramm, die Dritten sowie aufgrund der internationalen Verflechtungen auch 3sat und Arte. Ob es aber die kleineren Sender wie ARD One, ZDFinfo, ZDFneo, ARD-Alpha, Tagesschau24 oder auch Phoenix weiter als linearen Kanal geben soll oder ob man irgendwann deren lineare Ausstrahlung einstellt und die Inhalte direkt auf Plattformen im Netz veröffentlicht, kann dann durch Sender und Aufsichtsgremien selbst entschieden werden, ohne dass hier die Medienpolitik nochmal befragt werden müsste.

Malu Dreyer, Vorsitzende der Rundfunkkommission der Länder, erklärte dazu: „Eine staatsvertragliche Einzelbeauftragung jedes einzelnen Rundfunkprogramms bis hin zum Programmnamen passt nicht mehr zum geänderten Nutzungsverhalten der Menschen. Diese Flexibilisierung ist also gerade kein Freifahrtschein, sondern bedeutet mehr Verantwortung für die Anstalten.“

Dass die Sender ihre erfolgreichsten Beiboote einfach so aufgeben, scheint dabei kaum wahrscheinlich – doch bei einem Sender wie ARD-alpha ist schon eher fraglich, wie lange der noch als linearer Kanal weitersenden würde. BR-Intendantin Katja Wildermuth kündigte jüngst bereits an, sich einen Umbau zu einem Online-Portal für Bildungsinhalte vorstellen zu können. Eine Einstellung linearer Verbreitung wäre in jedem Fall mit geringeren Kosten verbunden, die dann anderweitig investiert oder generell eingespart werden könnten.

Dabei müssen sich die Sender auch an der Vorgabe orientieren, ein Gesamtangebot für alle Bevölkerungsgruppen zu machen, sie dürfen also weder die ganz jungen, noch die älteren Menschen aus dem Auge verlieren. Verpflichtet werden sollen die Anstalten unter anderem auch zu einem besseren Qualitätsmanagement mit klaren Zielvorgaben, die Pflicht zu einer unabhängigen, sachlichen, wahrheitsgemäßen und umfassenden Information und Berichterstattung sowie zu Objektivität und Unparteilichkeit sind ebenfalls explizit aufgeführt.

Trumps „Truth Social“ wird Ultimatum gestellt, um Lizenzverstöße zu beenden

Im November will Trump sein lange angedeutetes und zuletzt offiziell angekündigtes Social Network an den Start bringen. Es trägt – ironischerweise – den Namen „Truth Social“. Noch bevor der erste Nutzer ein Posting auf der fertigen Seite abgesetzt hat, steht dem Projekt Ärger ins Haus, berichtet The Verge.

Wie es aussieht haben sich die Entwickler kräftig beim dezentralen, quelloffenen Netzwerk Mastodon bedient.

30 Tage

Laut Mastodon und der Software Freedom Conservacy verstößt Truth dagegen und bezeichnet sich selbst gar noch als proprietäre Eigenentwicklung. Doch es gibt Hinweise darauf, dass die Entwickler schlicht versuchen, alle Referenzen im Code, die auf seine Herkunft schließen lassen, zu entfernen. Gesichtet wurde etwa ein Bug-Eintrag für das Mastodon-Logo.

Die Software Freedom Conservacy (SFC) hat nun der Trump Media & Technology Group per 22. Oktober ein 30-tägiges Ultimatum gesetzt. Sollte Truth bis dahin nicht allen Nutzern seinen Quellcode zugänglich machen oder auf nachweislich eigenen Code umrüsten, so will man der Plattform den Zugang zum Quellcode entziehen und rechtliche Schritte einleiten. Die SFC spricht davon, dass Trumps Firma die zum Wohle aller aufgestellten Regeln ignoriert.

Initiative »Fair Lesen« legt im E-Leihe-Streit nach

Die Initiatoren und Initiatorinnen von „Fair Lesen“ unterfüttern ihr Anliegen, dass die Rechte der Onleihe nicht ausgeweitet werden sollen, jetzt mit weiteren Zahlen.

Im neuen Schreiben heißt es: „Die Frage, wie das Gemeinwohl, der Zugang zu Literatur und Fachwissen sowie der Funktionsauftrag der Bibliotheken einerseits gestützt werden können, ohne dass gleichzeitig die Buchschaffenden, die Autorinnen und Autoren, Übersetzerinnen und Übersetzer und ihre Verlage einseitig belastet und in ihren Handlungsmöglichkeiten durch eine Angebotspflicht stark beschränkt werden, gehört mit zu den großen Herausforderungen der kommenden Regierung im Bereich der digitalen Transformation im Kultur- und Bildungsbereich.“

Aus Sicht der Buchschaffenden ergebe sich folgende Gemengelage:

  • Rund 7200 Verlage lizenzierten heute bereits freiwillig eine halbe Mio Titel innerhalb der digitalen Leihe für Bibliotheken, wie etwa der „Onleihe“. 75% der Nutzerinnen und Nutzer sind mit dem Titel-Angebot der Onleihe „sehr zufrieden“ bis „zufrieden“, zwei Drittel sind „zufrieden“ mit der Aktualität des Angebots (GfK 2019).
  • Im Jahr 2020 wurden rund 30,2 Mio E-Books über Öffentliche Bibliotheken entliehen (buchreport.express 4/2021).
  • Im selben Zeitraum wurden 35,8 Mio E-Books regulär gekauft. Somit deckte die digitale Leihe mit 30,2 Mio entliehenen Titeln ca. 46% aller rund 66 Mio konsumierten E-Books in 2020 ab – fast die Hälfte aller in Deutschland gelesenen E-Books werden folglich über Öffentliche Bibliotheken bereitgestellt. Was aber bedeutet das für Buchschaffende?
  • 2020 wurde mit diesen 30,2 Mio entliehenen E-Books nur ein Erlös von 16,1 Mio Euro erwirtschaftet. Dies entspricht ca. 6% des gesamten E-Book Marktes (E-Gesamtmarkt in 2020: 253,7 Mio. Euro laut Börsenverein des Deutschen Buchhandels e.V.). Das Missverhältnis zwischen Nutzungszahlen und Erlösen sei unübersehbar.
  • Teilt man die Erlöse i.H.v. 16,1 Mio Euro durch die 30,2 Mio entliehenen E-Books, so ergibt sich rein rechnerisch ein Erlös von 0,53 € je entliehenes Buch. Der Buchhandel bleibt hierbei außen vor, im Gegensatz zu E-Book-Verkäufen.

Aufgrund dieser sehr geringen Erlöse und der wirtschaftlichen Relevanz der neu erscheinenden Titel, böten Verlage mitunter ihre Novitäten mit einer Verzögerung von 6 bis maximal 12 Monaten in der digitalen Leihe an. Dieses Zeitfenster, auch „Windowing“ genannt, ist einer der Debattenstreitpunkte, um die es nun politisch geht:

  • Da die Nutzung der Onleihe in Konkurrenz zu den Buchverkäufen steht, wie es aus den Zahlen der GfK-Studie aus dem November 2019 hervorgeht, wonach 45% der Onleihe-Nutzer weniger bzw. gar keine physischen Bücher mehr kaufen und 46% der Onleihe-Nutzer den Kauf von E-Books reduzieren bzw. gänzlich einstellten, und die Erlöse der Leihe (6% der Gesamterlöse) in einem eklatanten Missverhältnis zum Marktanteil konsumierter E-Books stünden (46% Marktanteil der Onleihe), sehen die Unterstützer und Unterstützerinnen von „Fair Lesen“ die Forderungen des Deutschen Bibliotheksverbandes nach einer Zwangslizensierung bzw. „Angebotspflicht“ aller E-Books ab Tag des Erscheinens, kritisch.

Drei steigt in den Online-Elektrohandel ein

Laut „e-Commerce Studie Österreich 2021“ des Handelsverbands wuchs das Online-Shopping im Pandemiejahr um zehn Prozent, während Shopping via Smartphone sogar um 67 Prozent anstieg. Doch der heimische Online-Handel profitiert von diesem Boom nur begrenzt, da 55 Prozent der Umsätze ins Ausland gehen. Um diesen Kaufkraftabfluss ein wenig zu bremsen, steigt jetzt der Mobilfunker Drei groß in den österreichischen Online-Elektrohandel ein.

Ab sofort präsentiert sich dreiland.at mit einem massiv vergrößerten Sortiment als heimische Alternative zu internationalen Platzhirschen wie Amazon & Co. Dreiland umfasst neben TV, Computer, IT und Refurbished-Ware auch Waschmaschinen, Geschirrspüler und Sportartikel. Neben wöchentlich neuen Angeboten soll es einmal pro Monat einen Super-Sale geben. Neben einem weiteren Ausbau des Sortiments plant dreiland.at auch eigene Markenwelten und Themen-Schwerpunkte.

„Als Komplettanbieter mit hohem digitalen Anspruch haben wir in einem sehr kompetitiven Markt jahrelange Expertise bei Produkten und Dienstleistungen für Privathaushalte sowie Geschäftskunden gesammelt, die wir in das neue Dreiland einfließen lassen. Wir schaffen damit einen neuen österreichischen Online-Megastore mit zahlreichen Vorteilen für Kunden in ganz Österreich“, erklärt Drei-CEO Rudolf Schrefl.

Threat Intelligence ist gefragt

Threat Intelligence ist derzeit das wichtigste Thema für Managed Service Provider, die ihre Cybersecurity-Angebote ausbauen wollen. Auf den Plätzen folgen Malware-Analysen, Sicherheitsbewertungen und die Entdeckung zielgerichteter Angriffe.

Managed Service Provider (MSP) wollen ihr Cybersecurity-Portfolio um neue Dienste erweitern, wobei Threat Intelligence mit einem Anteil von 44 Prozent die erste Wahl darstellt. Dies zeigt die neue Kaspersky-Studie „MSP market focus in 2021“ Da der wahrgenommene Wettbewerb auf dem europäischen Markt seit dem Jahr 2019 zugenommen hat, haben sich die Preisgestaltung, die Qualität des Schutzes und die Fähigkeit, zusätzliche Dienste anzubieten, zu Schlüsselfaktoren für die Auswahl eines Cybersecurity-Anbieters entwickelt.

Cybersicherheit ist eine der wichtigsten Wachstumsbereiche für MSPs. Zusammen mit der Einrichtung von Remote-Arbeitsstrukturen – insbesondere bei kleinen und mittelständischen Betrieben – bietet dieser Bereich die größten Wachstumschancen im laufenden Jahr. 65 Prozent der MSPs berichten, dass die Einnahmen aus Sicherheitsdienstleistungen dadurch steigen. Die Kaspersky-Umfrage ergab darüber hinaus, dass Threat Intelligence (TI) für MSPs von größtem Interesse sind. Laut Gartner handelt es sich dabei „um einen Schlüsselaspekt innerhalb einer unternehmerischen Sicherheitsarchitektur, der technischen Fachkräften im Bereich Sicherheit und Risikomanagement dabei hilft, Bedrohungen zu erkennen, zu segmentieren und genau zu untersuchen.“

Zooplus: Hellman & Friedman verbündet sich mit Rivalen EQT

Der Finanzinvestor Hellman & Friedman und die schwedische Beteiligungsgesellschaft EQT wollen gemeinsam den Online-Tierbedarfshändler Zooplus übernehmen. Es würden 480 Euro je Zooplus-Aktie geboten, teilten Zooplus sowie die beiden Finanzinvestoren überraschend mit. Das entspricht einem Börsenwert von etwas weniger als 3,7 Milliarden Euro inklusive Schulden.

Das gemeinsame Angebot der beiden Investoren liegt zehn Euro über der bisherigen Offerte von 470 Euro je Anteilschein. Am 22.10. war das Papier bei 475,40 Euro aus dem Handel gegangen.

Bisher haben sich EQT und Hellman & Friedman ein Bieterrennen um Zooplus geliefert. Im Gegensatz zu EQT besitzen die Kalifornier bereits gut 17 Prozent der Zooplus-Anteile.

Der Analyst der Baader Bank, Volker Bosse, sieht den Übernahmekampf bei Zooplus auf ein Ende zulaufen. Er empfiehlt, das Angebot anzunehmen, es entspreche einem Aufschlag von 85 Prozent auf den letzten Börsenkurs vor dem ersten Übernahmeangebot von Hellman & Friedman.

Mitte August hatte Zorro Bidco, eine Holdinggesellschaft, die derzeit durch von Hellman & Friedman beratene Fonds kontrolliert wird, ihre Absicht angekündigt, ein freiwilliges öffentliches Übernahmeangebot für Zooplus zu unterbreiten. Anfang Oktober wurde das Angebot von Pet Bidco, einer indirekt von EQT Private Equity gehaltenen Holdinggesellschaft übertroffen, dann zog H&F einen Tag später gleich.

Das neue erhöhte Angebot habe keine Auswirkungen auf den bestehenden Zeitplan des erhöhten Angebots, insbesondere nicht auf die bis zum 3. November 2021 andauernde Annahmefrist, heißt es in der gemeinsamen Erklärung der Investoren. Auf dieser Grundlage werde die Abwicklung des erhöhten Angebots voraussichtlich bis Mitte November 2021 erfolgen. Das ursprüngliche Angebot von EQT über Pet Bidco werde dagegen nicht vollzogen.

Nun werden beide Finanzinvestoren gemeinsam die Übernahme versuchen, was in der Investorenbranche durchaus selten vorkommt. Dafür müssen sie nach wie vor eine Mindestannahmeschwelle von 50 Prozent plus einer Zooplus-Aktie erreichen. Zorro Bidco von H&F verfügt bereits über alle regulatorischen Freigaben, sodass bei Erreichen der Mindestannahmeschwelle sämtliche Bedingungen für den Vollzug erfüllt sind, heißt es in der gemeinsamen Erklärung der beiden Investoren.

Buchmesse-Bilanz: 73.500 Besucher in den Hallen, 130.000 online

Die Frankfurter Buchmesse zieht eine erste Bilanz: Angesichts der weltweit geltenden Reisebeschränkungen habe die Resonanz die Erwartungen „weit übertroffen“, freut sich Messedirektor Juergen Boos.

Die Kennzahlen im Überblick:

  • Insgesamt kamen in diesem Jahr rund 73.500 Besucher auf das Messegelände, davon 36.000 Fachbesucher aus 105 Ländern. Zum Vergleich: Bei der letzten „normalen“ Ausgabe der Messe vor der Pandemie waren es 144.572.
  • Die 37.500 Privatbesucher kamen aus 85 Ländern (2019 waren es 157.695).
  • Insgesamt 2013 Unternehmen aus 80 Ländern präsentierten sich in den Hallen, im LitAg, an den neuen Workstations oder als digitale Aussteller im Netz.
  • 2.500 Medienvertreter aus 39 Ländern waren für die diesjährige Frankfurter Buchmesse akkreditiert.

Boos bewertet die Resonanz positiv: Der Zuspruch habe gezeigt, „wie resilient und kreativ unsere Branche ist“. Viele Aussteller und Fachbesucher hätten sich sich sehr zufrieden über die Qualität der Gespräche geäußert, so Boos weiter.

Journalismus in der Pandemie: Konstruktiv berichten allein reicht nicht

Eine Studie der Otto-Brenner-Stiftung analysiert Beispiele konstruktiver Berichterstattung während der Corona-Pandemie. Die Autoren sehen Potenziale für mehr Dialog, kritisieren aber auch eine drohende Déformation professionelle für den journalistischen Berufsstand.

Was macht Corona mit den Medien – und warum? In den vergangenen Monaten hat es viel Anlass zur Kritik an den phasenweise gleichförmigen Berichten gegeben: Die konkrete Umsetzung der Corona-Maßnahmen steht beispielhaft dafür, aber auch, dass der Staat der Automobil-, Luftfahrt- und Reiseindustrie in der Krise zur Seite gesprungen ist, während die strukturellen Ursachen der sozialen Spaltung weitgehend unhinterfragt bleiben. Die Pandemie war aber auch für die Medien selbst ein Beschleuniger – im Guten wie im Schlechten: nicht nur in puncto Talfahrt ihrer Umsätze, sondern auch für den Zuwachs neuer Nutzergruppen.

Nie war das Interesse an Nachrichten auf allen gesellschaftlichen Ebenen größer. Trotz – oder vielleicht: gerade wegen der anhaltenden Medienkritik hat sich im Zuge des „Corona-Bumps“ eine neue Medienbewegung etabliert, die sich der Suche nach Lösungsansätzen widmet. Nicht weichspülen will der sogenannte Konstruktive Journalismus, sondern engere Beziehungen zwischen Redaktion und Publikum knüpfen. Ergebnisorientierter, transparenter, dialogischer, auch um die zunehmende Polarisierung in der Debattenkultur einzudämmen.

Adrian Feuerbacher, seit 2020 Chefredakteur des NDR Hörfunks, äußert sich in unserer Studie dazu, wie die Pandemie den lösungsorientierten Medien dezidiert Vorschub leistete: „Ganz ohne Zweifel hat eine Fülle von Redaktionen und Journalisten im Angesicht dieser Pandemie damit begonnen, ein großes Gewicht auf mögliche Lösungen zu legen.“ Er selbst betreibe „seit Beginn der Pandemie im Frühjahr 2020 eigentlich fast nichts anderes: Wir berichten über die Suche nach, über die Beschäftigung mit, die Analyse von und die Debatte über mögliche Lösungen.“ Aber wozu braucht es überhaupt konstruktiveren Journalismus?
Gegenentwurf zum herkömmlichen Journalismus

Die Bewegung versteht sich als eine Art Gegenentwurf zum herkömmlichen Geschäft, weil sich während Krisen die Negativschlagzeilen zu übertrumpfen drohen. Dies führt beim Publikum langfristig zu depressiven Verstimmungen: Hoffnungslosigkeit, Desorientierung und Ohnmachtsgefühle treten als Folgen klassischer Krisen-News auf. Es ist empirisch nachgewiesen, dass sich aus diesem Grund auch immer mehr, vor allem jüngere Nutzer vom Nachrichtengeschehen abwenden. Lösungen ausfindig machen, Wendepunkte konstruktiver zu bewerten und auch Neuperspektivierungen zu formulieren, sollen Abhilfe schaffen. Das allerdings bedeutet für viele Journalisten einen Vorstoß aus ihrer gewohnten Komfortzone.

Der konstruktive Ansatz will nun durch differenziertere Recherchen, bei denen Lösungen von Missständen gleich mitgedacht werden, einen alternativen Blick eröffnen. Medienhäuser, die diesen Ansatz schon praktizieren, wollen zudem festgestellt haben, dass eine konstruktive Berichterstattung beim Publikum eher verfängt, dass sich die Menschen etwa in produktivere Dialoge mit den Redaktionen einbinden lassen. „Die Zeit“ macht seit vielen Jahren vor, wie sie mit der Gesprächsreihe „Deutschland spricht“ Menschen mit unterschiedlichen politischen Weltanschauungen zu konstruktiven Dialogen zusammenführt – ohne dies allerdings als Teil einer konstruktiven Strategie auszuflaggen. In der Pandemie überzeugte die Hamburger Wochenzeitung indes durch eine ausbalancierte Tonalität ihrer Aufmacherthemen, reflektierte Rekonstruktionen der Krisengeschehnisse und ausbalancierte Meinungsartikel, die Kontext und Zukunftsorientierung boten. All dies wurde mit einem Rekordauflagenzuwachs belohnt.

Um derlei Vorgehensweisen und Strategien zu durchleuchten, haben wir für unsere Studie „Konstruktiv durch Krisen?“ verschiedene Nachrichtenangebote von „Apotheken Umschau“ über NDR Info und „Krautreporter“ bis zum ZDF in den entscheidenden Phasen der Corona-Berichterstattung analysiert, die sich im Feld des konstruktiven Journalismus verorten lassen.

Die Schattierungen dieser Spielart sind, wie sich an unseren analysierten Fallbeispielen zeigt, vielfältig und zuweilen schillernd. Die journalistische Startup-Gründerin Astrid Csuraji aus Lüneburg gibt an, dass die Pandemie vor allem im Lokaljournalismus zu einem Sinneswandel geführt habe: „Corona hat bewirkt, dass sich Redaktionen vor allem auf die Informationen konzentrieren, die die Leute wirklich brauchen, also: Inzidenzwert? Hat die Schule noch auf? Darf ich einkaufen gehen? Gerade Lokalredaktionen hatten sofort richtig im Blick, was die Menschen wissen wollten, weil die Journalisten vor Ort in derselben Situation steckten.“

Die Pandemie als Innovationstreiber

Die Corona-Pandemie habe somit im Lokal- und Regionalzeitungsbereich viel Innovatives angestoßen, sagt Csuraji: „So sind Visualisierungen komplexer Daten und das Online-First-Prinzip mittlerweile gang und gäbe. Gleichzeitig hat die wirtschaftliche Verunsicherung bei vielen Kolleg:innen zugenommen. Die Krise hat dahingehend also mindestens zwei Seiten.“

Nicht zu leugnen ist auch, dass – offenbar unter dem Druck der angespannten Wirtschaftslage und dank des wachsenden Orientierungsbedürfnisses der Menschen – redaktionelle Angebote aktivistische Züge kultivierten – in offener oder verdeckter Form: Etwa in Gestalt einer gezielten Agenda, die beinahe programmatisch anmutet wie bei der ZDF-Reihe „plan b“ oder, wie bei der „Berliner Morgenpost“, in dem sehr persönlichen Coaching-Podcast von Hajo Schumacher und Ehefrau Suse mit beigefügter Anleitung zum Glücklichsein für deren Hörer.

In extremer Weise hat den aktivistischen Journalismus seither das Magazin „Stern“ praktiziert – für eine vermeintlich „gute Sache“: Die redaktionelle Linie in der Corona-Krise wanderte auf einem äußerst schmalen Grat zwischen Aktivismus und Kampagnenjournalismus – es gab Titelgeschichten mit der Fridays-for-Future-Bewegung, zur Pflegepetition und zum Impfen. Kritiker monierten: Die Grenzen zwischen Journalismus und Aktivismus seien im freien Fall.

Der „Stern“ ist damit transparent umgegangen. Wir halten es demgegenüber für bedenklich, wenn solcherlei Journalismus in seiner Positionierung intransparent bleibt. Kritikwürdig ist der konstruktive Ansatz nämlich überall dort, wo es zu einer Vereinfachung oder Umdeutung der Wirklichkeit in Form positiver Schematisierung kommt. Auch weil sich beim Publikum der Eindruck einstellen könnte, das nachrichtliche Weltgeschehen sei tatsächlich „nur halb so schlimm“. Das Risiko besteht darin, dass Journalisten bei der aktiven Suche nach Lösungen in die Falle des autoritären Moralismus laufen können, indem Meinungen vorgekaut und Nutzer bevormundet werden, was moralisch richtig ist oder wie wir als Gesellschaft zu leben haben.

Was muss getan werden, die Welt zu einem besseren Ort zu machen? Wie sollten wir uns den herausfordernden Problemen der Gegenwart wie Klimawandel, sozialer Gleichheit und Rassismus stellen? Wie müssen die Menschen hoch relevante Themen wie Gerechtigkeit und Verhältnismäßigkeit als Folgen der Pandemie bewerten? Solche Fragen rahmen nicht selten das Vorgehen, aber auch das Spektrum konstruktiver Medienangebote. Mitunter drohen sie sogar, das journalistische Neutralitäts- und Objektivitätsgebot in sein Gegenteil zu verkehren.

Mehr Einordnung gegen die Polarisierung

Konstruktiver Journalismus hat somit auch die Debatte um eine „Haltung“ verschärft, weil sich zugleich das Lagerdenken innerhalb der Medien durch die anhaltende Corona-Phase zugespitzt hat – und damit die Polarisierung auf Publikumsseite. Wir wissen heute nicht nur, dass in der Berichterstattung nicht immer alle der unterschiedlichen Befindlichkeiten und Sichtweisen auf die Pandemie wiedergegeben wurden. Klar ist auch, dass es zuweilen einer stärkeren Einordnung bedurft hätte. Mitunter drängte sich der Eindruck auf, Debatten würden verengt, abseitige Meinungen ignoriert oder über soziale Medien abgestraft. Ein Desaster für den demokratischen Diskurs. Das galt und gilt im Hinblick auf die Lösungswege zur Virus-Bekämpfung genauso wie den Umgang mit den politischen und gesellschaftlichen Folgen.

Niemand kann ernsthaft wollen, das Kind mit dem Bade auszuschütten. Die Ambivalenz konstruktiver Ansätze ist somit klar erkennbar. Wir kommen deshalb zu dem Schluss, dass sich konstruktiver Journalismus dann lohnt, wenn er professionell betrieben wird, indem er

1. aktivistische Tendenzen in Sonderformen und -formaten transparent macht,

2. mit seiner Fokussierung auf Lösungen und Perspektiven authentisch bleibt und keine ‚Positivschere im Kopf‘ begünstigt,

3. zum Wohle einer konstruktiven Debattenkultur auf Augenhöhe mit dem Publikum weiterentwickelt wird,

4. in Form von Rubrizierungen oder Kolumnisierungen nicht ghettoisiert wird und

5. sich bei der – kritischen – Einordnung und Erarbeitung von Lösungen auf recherchierte Fakten und solides Expertenwissen stützt.

„Bio kaufen allein reicht nicht“, hieß es in einem Graffito in Berlin-Mitte als Kommentar zum Engagement gegen die Klimakrise. Analog könnte man für den an Lösungen interessierten Journalismus formulieren: „Konstruktiv berichten allein reicht nicht.“ Es sollte darum gehen, die Experimente der vergangenen Jahre in ein ganzheitliches Konzept zu überführen, das die genannten Empfehlungen berücksichtigt. Nur das kann eine Déformation professionelle im Journalismus vermeiden, die möglicherweise dazu führt, dass sich weitere Bevölkerungsteile von den professionellen Medien abwenden, weil sie ihnen keinen Glauben mehr schenken.
Resilienter durch Medien?

Im besten Fall halten die Medien unsere Welt in Krisen zusammen. Sie leisten Impulse, um Wendepunkte zu verstehen, sie auch gesamtgesellschaftlich zu verarbeiten. Im schlechtesten Fall tragen sie zur sozialen Spaltung bei. Weil in jeder Krise eine Chance auf ein besseres Leben steckt, ein Aufruf, unsere Verhaltensweisen gründlich zu überdenken, können Medien Gesellschaften auch dabei unterstützen, resilienter zu werden. Dabei ist es keinesfalls ihre professionelle Aufgabe, Gesellschaft nach ihren persönlichen Vorstellungen zu gestalten. Der Journalismus könnte jedoch einen konstruktiven Resonanzraum für mehr Resilienz schaffen, um so Krisen besser zu meistern. Die kritische Prüfung der Begleitumstände, Besonnenheit und auch Fürsorge, was die Nachrichtenlage angeht, sind dafür notwendige Bedingungen.

Mediennutzer müssen damit zurechtkommen, dass es nicht für jedes Problem eine Lösung gibt, genauso wie die Realität aus vielen Graustufen besteht. Sie ist komplex. Manchem mag das kompliziert erscheinen. Absolute Gewissheiten kann und wird es aber niemals geben. Mit dieser Unsicherheit umzugehen, gehört zu unserer Existenz. Den Menschen, die mehr denn je von Ängsten und Sorgen geplagt sind, zu erklären, was wirklich wichtig und was verzichtbar ist, macht das Vertrauen in den Journalismus aus. Darauf fußt seine ethische Verantwortung.

London will soziale Netzwerke bei Online-Hass in die Pflicht nehmen

Im Kampf gegen Hass im Netz will die britische Regierung die sozialen Netzwerke stärker in die Pflicht nehmen. „Social-Media-Unternehmen müssen viel schneller Daten herausgeben und die Inhalte selbst schnell entfernen“, schrieb die britische Kulturministerin Nadine Dorries am Samstag in der „Daily Mail“. Außerdem soll ein geplantes Gesetz verbieten, dass Algorithmen Hass-Inhalte weiter verbreiten.

„Wenn Social-Media-Konzerne bei diesen Pflichten versagen, droht ihnen ein finanzieller Schlag.“ Die britische Regulierungsbehörde solle Strafen in Höhe von zehn Prozent des jeweiligen weltweiten Umsatzes des Unternehmens verhängen können.

Die Debatte über Hass und Radikalisierung im Internet hatte nach dem tödlichen Angriff auf den britischen Abgeordneten David Amess in Großbritannien Fahrt aufgenommen. Der mutmaßliche Täter soll sich im Netz radikalisiert haben.

Die Chefin von Twitter UK sagte der BBC, die angekündigten Strafen würden eine „fast existenzielle Bedrohung“ darstellen. Die Vorgaben müssten dringend konkretisiert werden.

Kerstin Weng wird Chefredakteurin der deutschen „Vogue“

Die deutsche Ausgabe der „Vogue“ bekommt eine neue redaktionelle Führung: Kerstin Weng beginnt in den nächsten Monaten als Head of Editorial Content, wie Condé Nast am 22.10. mitteilte. Sie verlässt Burda, wo sie seit 2016 als Chefredakteurin der „InStyle“ tätig war.

Als Head of Editorial Content – vergleichbar mit der Chefredakteursstelle – ist sie für die redaktionellen Inhalte, die Strategie und die Vision von „Vogue Germany“ verantwortlich, wie es in der Mitteilung heißt. Dazu soll sie in Zusammenarbeit mit der redaktionellen Leitung von „Vogue“, den Journalismus lokal und global weiterentwickeln.

Weng verlässt für die neue Stelle Hubert Burda Media, wo sie bei „InStyle“ seit 2016 als Chefredakteurin tätig war. Davor leitete sie die Redaktion von „Cosmopolitan“. Laut Mitteilung soll sie innerhalb der nächsten Monaten starten.

Langjährige Chefredakteurin Arp hat Ende 2020 Condé Nast verlassen

Zusammen mit Eugénie Trochu, Francesca Ragazzi und Inés Lorenzo wird Weng ein Führungsteam für ‚Vogue‘ in Europa bilden. Dieses wird eng mit Edward Enninful, European Editorial Director bei „Vogue“, zusammenarbeiten, um neue Zielgruppen zu erschließen und die Reichweite der Marke über alle Plattformen zu steigern, so Anna Wintour, Global Editorial Director bei „Vogue“ und Chief Content Officer von Condé Nast.

Bei der „Vogue“ ist es der nächste Wechsel an der Spitze des Magazins: Ende 2020 erst hatte die jahrelange Chefredakteurin Christiane Arp Condé Nast überraschend verlassen. Sie hatte das Magazin mehr als 20 Jahre begleitet. Danach hatte die erfahrene Stephanie Neureuter die Leitung bei der „Vogue“ übernommen, als Chief Creative Director und Chief Creative Beauty. Nach 19 Jahren bei Condé Nast wechselt sie nun die Branche.

Bis Ende des Jahres wird sie den Übergang in der „Vogue“-Redaktion begleiten, ehe sie den Verlag auf eigenen Wunsch verlassen wird, heißt es auf Nachfrage. Sie wechselt in das Unternehmen ihrer Familie, wo sie als Geschäftsführerin beginnen wird. Dabei handelt es sich um die Firma Premium Kliniken und Praxen, die in einem Netzwerk Privatkliniken und Praxen verschiedener Fakultäten zusammenbringt. Zudem soll Neureuter eigene Consulting-Projekte verfolgen.

Concordia fordert Reform des Presseförderdschungels

Angesichts der jüngsten Ereignisse rund um die Inseratenaffäre, erneuert die Concordia seine Forderung nach einer Reform der Medienförderung. Der Presseclub fordert in einer Aussendung ein Ende des Förder-Fleckerl-Teppichs bestehend aus Presse-, Publizistik und Privatrundfunk-Förderungen von Bund, Ländern und öffentlichen Stellen und die Zusammenfassung in ein Gesamtgesetz. Die derzeit von der Regierung geplante Transformationsförderung müsse Teil dieses Pakets sein.

Die aktuelle Gesamtwirkung sei weder an klaren Zielen ausgerichtet noch erkennbar. Es fehle beispielsweise eine dringend notwendige Qualitätsdefinition, die gleichermaßen allen Arten von Förderungen zugrunde gelegt werden müsse.

Die Mittel für Inserate – und zwar aller öffentlichen Stellen – müsse gedeckelt und für Journalismusförderung gewidmet werden. Zentral für die neue Journalismusförderung müsse die Unterstützung journalistischer Arbeitsplätze, die Einhaltung professioneller und ethischer Grundsätze (Mitgliedschaft beim Österreichischen Presserat, Vorhandensein ethischer Richtlinien wie Redaktionsstatuten, Ombudspersonen, Ethikkodizes etc.) und insbesondere die strikte Trennung von Redaktion und Werbung sowie nachweisbare Qualitätssicherungssysteme in den Redaktionen (Qualitätsmanagement, Weiterbildung, F&E, Evaluierungssysteme) sein. Darüberhinaus müssten neue journalistische Projekte besonders unterstützt und Innovation und Transformation in bestehenden Medienhäusern gefördert werden.

‚Linz ist Linz‘ – Top-5 der YouTube-Werbespots

Um die Top-fünf zu ermitteln, hat YouTube die Zahl der aus Österreich erfolgten Abrufzahlen auf YouTube-Werbevideos im dritten Quartal 2021, also von Juli bis September, gemessen.

Für das Ranking wurden nur Videos berücksichtigt, die einen Mindestanteil an unbezahlten Views aufweisen konnten. Vierteljährlich veröffentlicht Google jene YouTube Werbevideos, die bei YouTube-Zuschauern besonders beliebt sind. Das Anzeigen-Ranking wird durch einen Algorithmus bestimmt, der bezahlte und organische Aufrufe sowie die Zuschauerbindung berücksichtigt.

Blizzard benennt „Overwatch“-Helden McCree um

Schwere Vorwürfe bezüglich sexueller Übergriffe erschütterten in den letzten Monaten den Spieleriesen Activision-Blizzard. Das sorgte auch für einige personelle Änderungen. Zuletzt erklärte das Unternehmen, sich aufgrund der Causa von mittlerweile 20 Personen getrennt zu haben. Im August räumte Blizzards Studiochef Allen Brack seinen Platz und wurde vom Duo Jen Oneal und Mike Ybarra ersetzt.

Aber auch auf die Spiele wirkt sich die Angelegenheit aus. So wurden etwa eine Reihe von Charakteren im MMO World of Warcraft umbenannt, nun macht man auch Ernst mit einer Änderung im Multiplayer-Shooter Overwatch. Ab 26. Oktober wird Jesse McCree, ein Cowboy, der als einer der besten Duelisten im Spiel gilt, unter einer neuen Identität auftreten. Sein neuer Name lautet Cole Cassidy. Damit einher gehen offenbar auch leichte ästhetische Anpassungen.

Blizzard versucht dabei auch, eine konsistente Hintergrundgeschichte zur Spielfigur zu wahren. Demnach war Jesse McCree stets nur eine vorgeschobene Identität, die der Charakter nun zugunsten seines echten Namens aufgibt. Dazu musste die Lore auch nicht geändert werden. „Entgegen dem, was du gehört hast, mein echter Name ist nicht Joel“, sagte die Spielfigur nämlich schon lange bei einem Dialog mit der Heldin Sombra, in Anlehnung auf den vermuteten „wahren“ Namen.

Getauft worden war der nun umbenannte McCree nach einem gleichnamigen Blizzard-Mitarbeiter, der zuletzt vor seinem Abgang noch der führende Leveldesigner für Diablo 4 war. Sein Name taucht auch in einer Klage des California Department of Fair Employment gegen Activision-Blizzard, in der es um Übergriffen, ungerechte Bezahlung gegenüber Frauen und problematisches Firmenkultur geht.

Antenne Bayern wird zur Group

Weg mit dem Wort „Unternehmensgruppe“: Die Dachmarke von Antenne Bayern wird umbenannt. Künftig heißt sie Antenne Bayern Group. In dem Zuge gibt es natürlich auch ein neues Logo.

Unternehmensgruppe Antenne Bayern – bislang klang der Dachmarkenname tatsächlich etwas sperrig. Dies ändert das Unternehmen nun, zu dem neben der Vermarktungstochter SpotCom auch Sender wie Antenne Bayern und Rock Antenne gehören. Die neue Dachmarke lautet Antenne Bayern Group und soll sukzessive eingeführt werden. Die Medientage 2021, die am 25. Oktober beginnen, sind der Startpunkt für den externen Rollout. Dieser soll 2022 abgeschlossen werden, wie das Unternehmen am 22.10. mitteilte.

Der neue Name soll vor allem eine zeitgemäßere Form darstellen und betonten, „dass alle Unternehmen, vor allem jedoch unser Team miteinander verbunden sind“, so CEO Felix Kovac zum Relaunch. Zur weiteren Fahrplan sagte er: „Im Fokus haben wir die digitale Marken- und Reichweitenentwicklung für unsere B2C-Brands. Dementsprechend bauen wir unsere Audio-Welt konsequent und nachhaltig aus – hauptsächlich über alle digitalen Ausspielwege.“

Das nun präsentierte Logo soll dabei charakteristischer und moderner wirken als das bisherige. Raphael Doderer, Leiter Marketing und Kommunikation, sagt dazu: „Dies ist insofern wichtig, da wir aus der starken Marke von Antenne Bayern weitere neue Audio-Angebote entwickeln, zuletzt Antenne NRW und Oldie Antenne.“

Cordula Schmitz verlässt den „Stern“

Ein Abgang, der beim „Stern“ schmerzt. Cordula Schmitz, ehemals stellvertretende Chefredakteurin „stern.de“ und zuletzt Leitende Redakteurin für Plus-Inhalte, verlässt das G+J-Magazin. Die Nachfolge ist aber bereits geregelt.

Künftig werden sich Julia Rieke und Cornelia Fuchs beim „Stern“ um die digitalen Plus-Inhalte kümmern. Fuchs ist schon seit Juni Leitende Redakteurin Plus.

Breuninger und Karstadt werben mit Secondhand-Mode um junge Kunden

Der Handel mit gebrauchten Klamotten liegt im Trend. Die großen Online-Modeketten haben das Geschäft längst für sich entdeckt: Zalando verkauft Gebrauchtes unter dem Titel „Pre-Owned“, die Otto-Tochter About You bietet getragene Textilien als „Second Love“. Der Fast-Fashion-Riese H&M hat sich die Mehrheit an der schwedischen Secondhand-Online-Plattform Sellpy gesichert.

Davon wollen jetzt auch Kaufhausketten wie Breuninger, Galeria oder C&A profitieren. Denn insbesondere junge Konsumenten finden das attraktiv. Und genau diese Kundschaft fehlt in den Warenhäusern.

Breuninger kooperiert dazu mit dem Secondhand-Spezialisten Vite en Vogue, der sich auf Edelmarken wie Chanel, Prada oder Gucci spezialisiert hat. An verschiedenen Standorten werden immer wieder Vite-en-Vogue-Verkaufsflächen in Form von Pop-up-Stores integriert. Das kommt bei den Kunden offenbar gut an. Inzwischen diskutiere man darüber, das Angebot in einigen Filialen dauerhaft einzuführen, heißt es bei Vite en Vogue.

Auch Karstadt hat den Vintage-Trend erkannt und angenommen. In Berlin gibt es im Karstadt-Haus gleich eine ganze Etage für Gebrauchtes. Das Angebot reicht von Toastern über Möbel bis zu Mode. Darüber hinaus gibt es Workshops – etwa zur Retourenrettung von Textilien und zur Lebensmittelrettung.

Der Modehändler C&A bietet seit Mitte Juni in seiner Filiale in Hamburg-Altona neben der aktuellen Kollektion auch gebrauchte Kleidung an. Dazu arbeitet das Unternehmen mit dem Onlineanbieter Carou zusammen. Zuvor hatte C&A die Carou-Ware bereits online angeboten.

Es ist Zeit, über die Journalismus-Lehrbücher zu gehen

Im Journalismus ist eine Tendenz zur Deprofessionalisierung zu beobachten: Neue Schulen wurden in den letzten Jahren kaum gegründet, und viele Lehrmittel haben Patina angesetzt. Einige wenige sind aber auch neu erschienen – ein Blick auf den Stand der Dinge.

Die Professionalisierung des Journalismus ist kein kontinuierlicher Prozess. Sie erfolgt schubweise. Es gab Phasen, da schossen – als Alternative zum herkömmlichen On-the-Job-Training des Volontariats – neue Journalistenschulen und Studiengänge wie Pilze aus dem Boden. Damit einhergehend vermehrten sich ähnlich sprunghaft auch die Lehrbücher und -materialien.

Inzwischen sind leider Tendenzen der Prekarisierung und Deprofessionalisierung des Journalismus zu beobachten. Auch bei der Studienfachspezialisierung macht sich das bemerkbar: War früher «was mit Medien» gleichbedeutend mit Journalismus, drängen heute bei der Studienwahl sehr viel mehr junge Leute in andere Kommunikationsberufe – zum Beispiel ins «Kommunikationsmanagement», also in die Public Relations.

Das schlägt sich nicht zuletzt in Studienangeboten und Lehrmaterialien nieder: Neue Journalistenschulen wurden in den letzten Jahren kaum mehr gegründet, und viele der inzwischen zahlreichen deutschsprachigen Lehrbücher haben Patina angesetzt. Die wenigen, die in den letzten drei Jahren entweder überarbeitet und neu aufgelegt oder ganz neu erschienen sind, sollten hingegen Aufschluss darüber geben, wie sich das Berufsfeld und die Anforderungen an den Journalismus verändern. Dies war jedenfalls der Anlass, die neuen und aktualisierten Titel hier vorzustellen.

Praktiker als Co-Autoren

Unterscheiden lassen sich inzwischen grob drei Generationen von Lehrbüchern. Von den Klassikern, die seit Jahrzehnten auf dem Markt sind und ganze Generationen von Journalisten ins Handwerk eingeführt haben, wurde in jüngster Zeit nur Claudia Masts «ABC des Journalismus» aktualisiert. Es liegt inzwischen in der 13. Auflage vor.

Zu seinen Stärken zählt, dass die Herausgeberin, die seit vielen Jahren an der Universität Hohenheim Journalismus und Kommunikationsmanagement lehrt, in einem eigenen Kapitel prominente Medienpraktiker als Co-Autoren um sich schart: Zu den «aktuellen Herausforderungen im Journalismus» äussern sich unter anderen Rainald Becker, der für die ARD die Wahlberichterstattung koordinierte, der ZDF-Chefredakteur Peter Frey sowie Tanit Koch, die bei «Bild» und RTL Spitzenpositionen innehatte, bevor sie als Wahlkampf-Managerin bei Armin Laschet anheuerte.

Auch bezieht Mast PR sowie Redaktionsmanagement in ihr Handbuch mit ein. Man merkt ihm gleichwohl an, dass es in die Jahre gekommen ist: Es ist mit 594 Seiten ein dicker Wälzer, es ist textlastig und gediegen – aber bereits in der optischen Anmutung «old style».

Was die Optik betrifft, gilt das auch für Gabriele Hooffackers «Online-Journalismus». Inhaltlich widmet sich die Autorin indes sehr entschieden all dem, was beim Publizieren im Netz anders ist als bei herkömmlichen Medien. Besonders am Herzen liegen ihr die partizipativen Möglichkeiten, also die Wege, wie sich Nutzer in den journalistischen Online-Produktionsprozess einbinden lassen.

Nur noch Betaversionen

Der Newcomer zum Online-Journalismus von Hektor Haarkötter besticht im Vergleich zu den Einführungen von Mast und Hooffacker schon vom Outfit her: Der Band ist bunt wie eine Boulevardzeitung. Mit «herkömmlichem» Print-, TV- und Radiojournalismus gibt er sich erst gar nicht ab, sondern fokussiert wie Hooffacker von vornherein auf Online-Angebote. Beim Durchblättern wirkt Haarkötters Werk fast schon mehr wie ein Web-Auftritt als ein Buch.

Gleich zu Beginn stellt er klar: «Im Online-Zeitalter gilt die Minutenaktualität und wird Journalismus in Echtzeit betrieben.» Der Anspruch des Journalismus auf Wahrheit werde relativiert: Wer sich darauf einlasse, über Ereignisse im Prozess zu berichten, der besitze gar nicht die vollständigen Informationen, die für eine abschliessende Beurteilung eines Sachverhaltes nötig seien: «In diesem Sinne sind journalistische Texte heute permanent beta. Wie die Betaversionen von Computerprogrammen können sie noch nachgebessert, ergänzt und verändert werden.»

Womit auch die Achillesferse des heutigen Journalismus bereits genannt ist: Der Zeitdruck macht es leicht, den Redaktionen Halb- und Viertelwahrheiten unterzujubeln, und sind diese erst einmal im Netz, kommen Nachbesserungsversuche halt oft zu spät.

Zwei Neuauflagen widmen sich dem Reportage-Journalismus, der seit dem Fälschungsskandal von Claas Relotius ganz besonders ins Kreuzfeuer der Medienkritik geraten ist. Michael Haller packt in seinem Klassiker den Stier bei den Hörnern: Ein ganzes Kapitel ist der Renaissance und der Kritik der Reportage gewidmet. Haller macht deutlich, dass es beim Erzähljournalismus neben der Faktenrichtigkeit vor allem auf Transparenz ankommt. Der Reporter, so Haller, müsse seinem Publikum stets klarmachen, welche Erzählerrolle er einnehme: «Was ist authentisch, was ist kolportiert? Was ist faktisch nachprüfbar, was nur empfunden?»

Auch Marie Lampert und Rolf Wespe widmen sich in der fünften Auflage ihres Lehrbuchs dezidiert dem Verhältnis von Fakten und Storytelling – sowie der Frage, wie Storytelling multimedial und digital erfolgt. Ihr Buch ist so bunt wie Haarkötters Werk illustriert. Andererseits aber vermisst man mitunter das, worauf es beim Storytelling besonders ankäme und was gerade auch im Online-Journalismus oftmals fehlt: den roten Faden.

Was glaubt das Buch?

Lehrbücher sind Wegweiser der Professionalisierung, aber mitunter hinken sie auch dem «Stand der Kunst» hinterher, statt dessen Kronzeuge zu sein. Sie sind ihrer Zeit voraus, wenn die Beobachter, die Journalismus in der Etappe erforschen und lehren, Trends schneller erkennen als diejenigen, die sich tagtäglich im Maschinenraum des Ungeheuers mit Nachrichtenjournalismus und Tagesaktualitäten abplacken. Im 24/7-Rhythmus haben sie kaum eine Chance, reflektiert über den Tellerrand hinauszugucken.

Lehrbuchautoren sind aber meist auch entkoppelt vom realen, tagtäglichen Redaktionsbetrieb. Veränderungen wie die Arbeit im Home-Office, Diskussionen um Haltungsjournalismus und Wokeness sowie die journalistische Präsenz in sozialen Netzwerken sollten sich wohl im künftigen Lehrmaterial noch stärker niederschlagen. Ausführlichere Würdigung verdiente auch die Rolle, die Algorithmen bei der Zuteilung von Aufmerksamkeit spielen. Insbesondere wie die inzwischen mögliche Erfolgsmessung von Veröffentlichungen in Echtzeit die Nachrichtenauswahl beeinflusst und wie mit ihr umzugehen wäre, ist Stoff für die nächste Lehrbuch-Generation.

Noch eine erfreuliche und eine betrübliche Beobachtung: Da und dort hat inzwischen Journalismusforschung Eingang in die Lehrbücher gefunden – was erwähnenswert ist angesichts der skeptischen, ja mitunter feindseligen Haltung von Praktikern ihrer Mutterdisziplin Journalistik gegenüber.

Der Umgang mit Sprache scheint dagegen schludriger zu werden. Haarkötter gendert, was das Zeug hält. Und bei Mast finden sich schon im Vorwort zwei Ungenauigkeiten, die dem Rezensenten seine Lehrmeister an der Deutschen Journalistenschule vor knapp fünfzig Jahren nicht hätten durchgehen lassen: Es ist von zwei Alternativen die Rede, dann wird aber nur eine präsentiert – entweder werde der Journalismus «besser oder überflüssig». Sodann heisst es: «Die vorliegende Publikation glaubt an die Zukunft des Journalismus.» Wie schön, wenn das die Autorin tut. Eine Publikation dagegen glaubt, so ist jedenfalls weiterhin zu vermuten, schlichtweg an gar nichts.

WhatsApp führt Kollektionen für die Katalogfunktion ein

Ab sofort können Händler, die den Katalog auf WhatsApp zur Präsentation von Waren und Angeboten nutzen, dieses Sortiment in sogenannte Kollektionen (Collections) aufteilen und so noch übersichtlicher gestalten. Im vergangenen Jahr hatte die Facebook-Tochter WhatsApp die Katalogfunktion inklusive Warenkorb eingeführt und so Shopping direkt im Messenger gestartet.

Bislang erscheinen alle Angebote, die im Katalog enthalten sind, in einer Liste untereinander. Ab sofort kann der Anbieter die einzelnen Artikel in Kollektionen zusammenfassen und so übersichtlicher präsentieren. Voraussetzung für den Katalog ist nach wie vor die kostenlose WhatsApp Business App, die es in den gängigen App-Shops zum Download gibt. Sie richtet sich vorwiegend an kleinere Händler.

Der Checkout erschöpft sich bei dieser App darin, dass der Anbieter die Bestellung per Message erhält. Nachteil bei der WhatsApp Business App ist, dass sie immer an einen einzigen WhatsApp-Account und an eine einzige Telefonnummer gebunden ist, sie lässt sich deshalb kaum von einer größeren Anzahl Mitarbeiter verwalten. Für größere Sortimente bietet WhatsApp eine kostenpflichtige API (Programmschnittstelle) an.

Aufregung um TV-Sperre für oststeirischen Pfarrer

Der in der Bevölkerung beliebte Pfarrer Josef Reisenhofer aus dem oststeirischen Hartberg wird vorerst bei keinen Messen im ORF mehr zu sehen sein. Die Diözese Graz-Seckau bestätigte einen entsprechenden Bericht der „Kleinen Zeitung“. Demnach habe der Geistliche die liturgischen Kriterien mehrfach nicht eingehalten, obwohl man bereits Gespräche mit ihm geführt hatte. Außerdem sollen auch andere steirische Pfarren zum Zug kommen, sagte Sprecher Thomas Stanzer.

Reisenhofer gilt seit Jahren als ungewöhnlicher Pfarrer. Er hat beispielsweise schon 2009 einen Gottesdienst in einer großen Disco nahe Hartberg abgehalten und er ist auch sonst für seine Nähe zur Bevölkerung bekannt. Um ihn gibt es eine große Fan-Gemeinde, die ihn zuletzt auch immer wieder bei Übertragungen im ORF sehen konnte. Bereits mehrmals wurden Messen von Reisenhofer übertragen – auch deshalb, weil seine Pfarre eine große Erfahrung hat und die Abwicklung technisch sehr gut funktioniere, unterstrich Stanzer.

Hintergrund dürfte auch Sorge um Post aus Rom sein, denn wird die Liturgie nicht eingehalten, könnten Konsequenzen aus Rom drohen. Reisenhofer darf nun zwar weiterhin Gottesdienste abhalten und diese auch per Livestream im Internet übertragen. Im ORF wird er vorerst aber nicht so schnell wieder zu sehen sein.

DAB Plus: Oldie-Sender kommt

Bei dem geplanten Programm „Oldie Antenne“ handelt es sich um ein Oldie-AC-Format mit breiter musikalischer Ausrichtung von den späten 50ern bis in die frühen 90er Jahre. Im Internet wird es bereits als Webchannel unter dem Titel „Antenne Bayern – Oldies but Goldies“ ausgestrahlt. Perspektivisch soll das Webradio auch über DAB Plus verbreitet werden.

Der Marken-Relaunch ist für den Jahreswechsel 2022 geplant. Eine DAB-Plus-Verbreitung in Nordrhein-Westfalen und im Saarland ist zudem bereits fest vereinbart. Der Start in NRW wird dabei voraussichtlich in den kommenden Monaten erfolgen. Die Verbreitung über weitere regionale DAB-Plus-Multiplexe oder Plattformen ist angestrebt.

Oldie Antenne ist somit das dritte deutschlandweit ausgerichtete Radioprogramm aus dem Audio Center Bayern in Ismaning. Die Unternehmensgruppe ist bereits mit Deutschlands meistgehörtem Privatradio Antenne Bayern sowie Rock Antenne bundesweit via DAB Plus vertreten.

RTL startet SVoD-Angebot Geo Wild

Schon vor sieben Jahren brachten RTL und Gruner+Jahr das Magazin „Geo“ ins Fernsehen. Damals startete der Pay-TV-Sender Geo Television, der bis heute auf ein vielfältiges Doku-Angebot setzt. Daran soll jetzt ein neues SVoD-Angebot aufbauen, das den Namen Geo Wild tragen wird: Wie RTL Deutschland mitteilte, startet der Geo Wild bereits am 25.10. – zunächst im Kabelnetz von Vodafone. Ziel sei es, das Angebot von Geo Television um „vertiefende, bildgewaltige und hochwertige Natur- und Tierdokumentationen“ zu erweitern.

Perspektivisch will RTL das neue Angebot auch auf andere Plattformen bringen, darunter der hauseigene TVNow-Nachfolger RTL+. Dass der Name möglicherweise Verwechslungsgefahr mit dem konkurrierenden Pay-TV-Sender NatGeo Wild birgt, scheint man in Köln und Hamburg offensichtlich in Kauf zu nehmen.

Nach Greyhound-Kauf steht Flixbus vor der Grundsatzfrage

In den USA hat die Marke Legenden-Status: Mit dem Kauf von Greyhound ist Flixmobility ein bemerkenswerter Vorstoß gelungen. Doch plötzlich steht das deutsche Unternehmen vor einer wichtigen Entscheidung.

Es ist eine amerikanische Ikone, die sich das deutsche Bus-Start-up Flixmobility in dieser Woche gekauft hat – allerdings eine, die ihre besten Zeiten hinter sich hat. Es ist lange her, dass Chuck Berry, Billy Joel oder John Denver die Fernbusse besungen haben, als die Greyhounds noch ein Symbol der Freiheit und des Abenteuers waren.

Nicht nur die Pandemie hat den amerikanischen Fernbussen zugesetzt. Schon drei Mal war das Unternehmen insolvent, immer wieder erholte sich die Buslinie dann doch noch einmal. Zuletzt gehörte die US-Marke zum britischen Verkehrskonzern First Group, der noch 2007 rund 3,6 Milliarden Dollar bezahlt hatte, um Greyhound zu bekommen.

Seitdem ging es weiter abwärts, vor allem der Konkurrenz durch günstige inneramerikanische Flüge hat Greyhound wenig entgegenzusetzen. Schon vor Corona machte die Buslinie mehr als 15 Millionen Dollar Verlust. Und doch sieht Flixbus ausgerechnet in der US-Ikone die Chance, von einem ambitionierten deutschen Start-up zum globalen Konzern zu werden.

Seit 2018 war Flixbus als Konkurrent von Greyhound in den USA aktiv, doch das Start-up blieb vor allem ein europäisches Unternehmen. „Greyhound bringt einiges mit, was uns unsere Ziele in den USA noch schneller erreichen lässt“, sagt Chef André Schwämmlein.

„Die Netze ergänzen sich sehr gut, während Flixbus stark auf den Hauptstrecken zwischen den Metropolen ist, hat Greyhound ein landesweites Netz.“ Außerdem sei Greyhound eine in den gesamten USA bekannte Marke. „Es hätte sehr lange gedauert, das für Flixbus aufzubauen“, gibt Schwämmlein zu.

Dass das Windhund-Logo einiges wert ist, steht fest. Die Frage ist nur, was sich Flixmobility – wie das Unternehmen hinter Flixbus offiziell heißt – noch eingekauft hat für 172 Millionen Dollar. Immerhin konnten die Deutschen einige Altlasten wie die Pensionsverpflichtungen bei den britischen Vorbesitzern zurücklassen. Den Besitzer wechselten aber neben der Marke auch etwa 1300 Busse, und auch 2400 Mitarbeiter gehören künftig zu Flixmobility.

Flixmobility steht vor zentraler Entscheidung

Das ist eine Revolution für das Geschäftsmodell von Flixbus. Das Start-up wurde in Europa damit erfolgreich, dass es selbst keine Busse besitzt oder Fahrer bezahlen muss. Stattdessen werden die Fahrten, die sich über die Plattform von Flixbus buchen lassen, an Busunternehmer vermittelt. In der Pandemie war das ein riesiger Vorteil, schließlich waren die Fixkosten für Flixmobility niedrig, als die Kunden ausblieben.

Mit dem Greyhound-Kauf stellt sich die Frage, wie sich die Firma weiter entwickelt: Bleibt Flixmobility selbst Busunternehmer oder setzt das Unternehmen womöglich auch in den USA künftig nur auf die Vermittlung und verkauft die Busse wieder? Angeblich hat Schwämmlein noch keine Antwort auf diese Kernfrage: „Wir werden Monate brauchen, um die richtige Strategie gemeinsam mit dem Greyhound-Team zu finden“, sagt er.

„Wir wollen in jedem Fall gemeinsam wachsen.“ Das Greyhound-Geschäft funktioniere operativ, sagt Schwämmlein und muss dabei schmunzeln, denn natürlich kann man kaum von einem funktionierenden Betrieb sprechen, wenn das Unternehmen Millionenverluste einfährt. „Wir gehen da sehr agnostisch ran: Der Kauf von Greyhound bedeutet keinerlei Strategieänderungen für Europa, selbstverständlich bleiben wir da genau bei dem Modell, das wir heute haben“, beteuert Schwämmlein. „Aber wie es in den USA in einigen Jahren weitergehen wird, das müssen wir sehen.“

Vor allem die Plattform, mit der Flixbus in Europa Preise und Auslastung steuert, soll künftig auch die Amerikaner profitabler machen. „Wir bringen Technologie mit, die wir sehr gut nutzen können, um Greyhound ins 21. Jahrhundert zu bringen“, sagt Schwämmlein. „Damit Greyhound wieder ein profitables Unternehmen wird, muss es wachsen. Wir sind sehr optimistisch, dass das funktionieren wird.“

Tatsächlich hat Flixbus einen günstigen Zeitpunkt abgepasst, um Greyhound zu kaufen. Die bisherigen Eigentümer haben die Pandemie genutzt, um die US-Ikone zu schrumpfen: Das Kanada-Geschäft wurde geschlossen, 600 ältere Busse verkauft, noch vor vier Jahren lag das Durchschnittsalter der Fahrzeuge bei knapp zehn Jahren.

„Die Busflotte von Greyhound ist jetzt im Schnitt nur noch gut fünf Jahre alt, das ist eine Basis am Ende der Pandemie, von der aus man das Geschäft besser wieder aufbauen kann als vielleicht noch vor zwei, drei Jahren“, sagt Schwämmlein. Alles hänge jetzt davon ab, wie die Integration gelinge.

Davon dürfte auch abhängen, wann Flixmobility an die Börse geht. Zu den Investoren gehören viele großen Namen des US-Risikokapitals von General Atlantic bis Blackrock, und die wollen ihr Geld irgendwann mit guter Rendite zurück. Das Münchner Start-up wurde zuletzt mit drei Milliarden Euro bewertet, durch Greyhound dürfte der Wert gestiegen sein.

„Wir sind gut finanziert und investieren das Geld in Wachstum – nicht nur in den USA“, sagt Schwämmlein. Allerdings habe man in der Pandemie „massive Schäden“ erlitten. „Grundsätzlich stehen wir jetzt als globale Firma da, nicht mehr nur als europäische. Das ist aber nur attraktiv, wenn wir am Ende auch liefern“, sagt er. „In den nächsten Monaten gilt unsere ganze Energie der Integration von Greyhound, deshalb steht ein Börsengang für uns gerade nicht auf der Agenda.“

Radio Orange 94.0 erhielt Preis der freien Szene Wiens

Die multilinguale Radio-Show „Corona Information Vienna“ von Radio Orange 94.0 hat am 22.10. in der Arena Wien den Preis der freien Szene 2021 der IG Kultur erhalten. Die Förderpreise gingen an die Anarchistische Bibliothek und das Creative Cluster Margareten, die Sonderpreise der freien Szene für Clubkultur erhielten „Kultur for President“, der „Nachtigall Podcast“ und die Kulturterrasse WERK.

Vergeben werden die durch die Stadt Wien finanzierten Preisgelder seit 2004, insgesamt waren die Auszeichnungen diesmal mit 7.000 Euro dotiert. Heuer wurden zusätzlich drei Sonderpreise der freien Szene für Clubkultur verliehen. Dabei wurden insgesamt 4.500 Euro vergeben, die bei einer Spendensammlung zur Unterstützung der Clubkultur in der Corona-Krise zusammengekommen sind.

Frankfurter Buchmesse: Buchhandelsfriedenspreis an Dangarembga

Zum Abschluss der Frankfurter Buchmesse wurde der simbabwischen Autorin Tsitsi Dangarembga der Friedenspreis des Deutschen Buchhandels verliehen. Dangarembga war im deutschsprachigen Raum bis dato eher unbekannt, was sich mit der mit 20.000 Euro dotierten Auszeichnung ändern dürfte.

Dangarembga, 1959 im damaligen Rhodesien geboren, ist die bekannteste Autorin ihres Landes und zugleich als Filmemacherin und Frauenrechtlerin engagiert. Die weibliche Selbstbestimmung in einem zunächst vom Kolonialismus bestimmten, später von Krieg und Korruption zersetzten Land ist auch Thema von Dangarembgas Literatur.

Auf Englisch veröffentlichte die Autorin ab 1988 eine autobiografisch geprägte Trilogie: Auf den ersten Band „Nervous Conditions“ folgten 2006 „The Book of Not“ und 2018 „This Mournable Body“. Der Debütroman wurde von der BBC in die Liste der „100 wichtigsten Bücher, die die Welt geprägt haben“, aufgenommen, Nobelpreisträgerin Doris Lessing urteilte: „Das ist der Roman, auf den wir gewartet haben.“

Am deutschen Markt ging ihr Erfolg zunächst vorbei. Zwar wurde das Buch 1991 unter dem Titel „Der Preis der Freiheit“, übersetzt von Autor Ilija Trojanow, bei Rowohlt veröffentlicht, verschwand aber schnell aus dem öffentlichen Bewusstsein. Die Wiederentdeckung ist dem Berliner Orlanda Verlag zu verdanken. Schon vor Bekanntgabe des Friedenspreises hatte der kleine Verlag, der sich besonders um Frauen und Weltkultur bemüht, Dangarembgas Debüt unter dem Titel „Aufbrechen“ neu herausgebracht.

Rechtzeitig vor der Buchmesse 2021 erschien nun „Überleben“, der dritte Band ihrer Triologie, auf Deutsch. Der mittlere Band werde im Herbst 2022 erscheinen, sagte Orlanda-Verlegerin Annette Michael der dpa. Dass die ursprüngliche Reihenfolge – die ja auch der Entwicklung der Hauptfigur entsprechen – nicht eingehalten wurde, sei, so Michael, einer unklaren Rechtelage geschuldet. „Überleben“ handelt von dem schwierigen Leben einer Frau, die sich in Simbabwes Hauptstadt Harare der Gegenwart durchschlägt.

Bei einer Präsentation auf der Frankfurter Buchmesse sprach sich Dangarembga einmal mehr für gleiche Rechte für alle in einer globalisierten Welt aus. Die Strukturen des Rassismus müssten überwunden werden, sagte die Autorin: „Wenn wir eine globalisierte Gesellschaft haben, dann haben wir wirklich eine globalisierte Gesellschaft“, so Dangarembga, die in Harare lebt, in Berlin studiert hat und mit einem Deutschen verheiratet ist.

Trumps soziales Netz bekommt Probleme mit Hackern und Lizenz

Das vom ehemaligen US-Präsidenten Donald Trump angekündigte Twitter-artige eigene soziale Netzwerk, Truth Social, hat schon vor dem Start mit zahlreichen Problemen zu kämpfen.

In nur wenigen Stunden gelang es etlichen Hackern und Angreifern, sich Zugang zu dem noch nicht öffentlichen Netzwerk zu verschaffen. Bereits kurz nach der Ankündigung wurden etwa viele wichtige Nutzerprofile wie DonaldTrump übernommen. Laut der New York Times (NYT) handelte es sich dabei teils sogar um eine koordinierte Aktion von Hackern, die sich selbst zum Anonymous-Kollektiv zählen.

Mit den erstellten und fingierten Accounts wurden zahlreiche Memes veröffentlicht, außerdem Bilder kotender Schweine oder Fragen zum Verbleib von Melania Trump. Laut dem Bericht der NYT wurde dies als „Online-Krieg gegen Hass“ bezeichnet. Mit ihrem Trolling zeigen die Aktivisten darüber hinaus den schlechten Sicherheitszustand von Trumps geplantem Netzwerk auf.

Technisch scheint das soziale Netzwerk des ehemaligen US-Präsidenten auf der freien Software Mastodon zu basieren. Das bestätigte der Mastodon-Gründer Eugen Rochko dem Magazin Motherboard. Er verwies etwa auf Fehler-Meldungen, die noch das Original-Branding von Mastodon verwendeten. Auch im Code der Seite selbst fanden sich wohl noch direkte Verweise darauf.

BLM-Chef: Private und Öffentlich-Rechtliche sollen kooperieren

Der Präsident der Bayerischen Landeszentrale für neue Medien (BLM), Thorsten Schmiege, schlägt mehr Zusammenarbeit zwischen Öffentlich-Rechtlichen und Privaten vor. Publizistischer Wettbewerb sei gut und wichtig, aber in anderen Bereichen wie Technik und Ausbildung sei mehr Kooperation möglich. „Der Schulterschluss zwischen den Anbietern ist wichtig und bringt alle voran“, sagte Schmiege in einem Interview.

Zugleich wies Schmiege auch klar auf Gegensätze hin – wie etwa die hohe Bedeutung von Werbung zur Finanzierung der Privatsender. Für die Öffentlich-Rechtlichen ist der Rundfunkbeitrag Haupteinnahmequelle. „Da unterscheiden sich Öffentlich-Rechtliche und Private ganz zentral.“ Mehr Werbung bei ARD und ZDF würde „auf jeden Fall zu weiteren Schwierigkeiten und neuen Konfliktlinien führen“, warnte Schmiege.

Bei allen Überlegungen zu Kooperationen gelte zudem für das Verhältnis zwischen Öffentlich-Rechtlichen und privaten Anbietern weiterhin: „Natürlich ist man Wettbewerber.“ Publizistischer Wettbewerb um Qualitätsinhalte tue der gesamten Medienbranche gut. „Dazu gehört auch die Erkenntnis, dass die Öffentlich-Rechtlichen kein Monopol auf guten Content haben.“

Das Verhältnis der Sendergruppen untereinander wird auch bei den Medientagen München eine große Rolle spielen. Die Veranstaltung ist einer der größten Konferenzen der Medienbranche in Deutschland. Die BLM ist Hauptträgerin der Medientage.

Michael Berger leitet Weltverband der Digitalmarktplätze

Michael Berger übernimmt zusätzlich zu seiner Rolle als Head of Styria Marketplaces in der Styria Media Group die Funktion des Chairman of the Board der International Classified Marketplace Association (ICMA). Die ICMA hat ihren Sitz in Amsterdam und vertritt als Verband die Interessen von Global Playern der digitalen Kleinanzeigen-Branche.

Berger folgt damit auf Sang-Woo Pai, dem CEO der deutschen Doctari-Gruppe. Er ist aber bereits seit mehreren Jahren im Vorstand des ICMA tätig und gestaltete auch den Weg durch die Corona-Pandemie mit: „Covid hatte Auswirkungen auf die gesamte Marktplatzbranche und damit natürlich auch auf die ICMA. Als die Pandemie aufkam, haben wir als Verband sehr rasch reagiert und neue digitale Veranstaltungsformate entwickelt, die unsere bislang rein physischen Meetings ersetzt haben. Dadurch ist es uns gelungen, unseren Mitgliedern und unserer Branche großartige Inhalte und Lernerfahrungen zu bieten.“

Im toten Winkel der Wokeness

Wokeness ist das Gebot der Stunde. Heute gehört es unter Progressiven zum guten Ton, die eigenen Privilegien als Diskriminierung anderer zu reflektieren und jede nur denkbare Form von Ungleichheit und Übergriffigkeit rhetorisch zu verdammen.

Die Welt, in der wir leben, ist dadurch komplizierter geworden, aber auch bunter und in vieler Hinsicht besser. MeToo kämpft gegen sexuelle Übergriffe. Weiße Menschen lernen, was Alltagsrassismus ist. Das Humboldt-Forum, geplant als kulturelles Glanzstück des wiedervereinigten Deutschlands, stellt sich seiner kolonialen Vergangenheit. Transgender zieht in den Bundestag ein. Es geht voran mit der Aufklärung und dem Respekt vor anderen.

Richtig oder falsch? Während die Progressiven die toten Winkel des gesellschaftlichen Diskurses ausleuchten, haben sie selbst einen blinden Fleck. Sie sehen nicht, dass Wokeness ein Effekt der Plattformen ist und deshalb denselben Mechanismen gehorcht wie Twitter und Instagram, Airbnb und Uber. Dabei verdrängen die Progressiven, dass die Plattformen uns rund um die Uhr überwachen und sich an unseren Daten vergreifen. Ein Daten-MeToo ist aber nirgendwo in Sicht.

Warum sehen die Progressiven den plattformökonomischen Wald vor lauter aktivistischen Bäumen nicht? Sie gehen dem ersten Augenschein auf den Leim. Sie halten die Digitalgiganten für liberal, weil ihre Angestellten topausgebildete Akademiker sind, progressiv wählen und gegen Trump waren. Google ist doch so ein toller LGBTQ+-Arbeitgeber. Der Campus ist bunt und CO2-neutral. Es gibt Hafermilch und bienenkorbförmige Ruhewaben aus Recyclingpappe.

So sieht sie aus, die schöne neue Welt der Headquarters, blitzblank und ökologisch korrekt. Deshalb rechnen die Progressiven die von den Digitalkonzernen zur Schau gestellte politisch korrekte Moral den Plattformen selbst zu, ja halten sie sogar für natürliche Verbündete im Kampf um eine höhere Moral. Tatsächlich ist die liberale Attitüde der Digitalgiganten nichts als ein Feigenblatt, unter dem sie ihre Monopolmacht noch weiter ausbauen. Wokeness und Weltverbesserung sind die Potemkinschen Dörfer der Plattformgiganten.

Früher hätte man es „pharisäerhaft“ genannt

Social-Media-Gutmenschentum hat nichts zu tun mit der Empathie und der alten nachbarschaftlichen Hilfsbereitschaft, die viele Deutsche – Linke wie Konservative – seit 2015 geflüchteten Menschen entgegengebracht haben. Wer aus der digitalen Komfortzone heraus zum millionsten Mal #refugeeswelcome postet, zielt damit auf nichts anderes als öffentliche Anerkennung in Form von Likes, um den eigenen Narzissmus zu befriedigen. Etwas ganz anderes ist es, einen Menschen ohne Pass und Deutschkenntnisse beim Gang zum Jobcenter zu begleiten, ohne dass irgendjemand dieses Engagement sieht.

Social Media liefert die Bühne für hohles, verlogenes Moral Grandstanding und selbstgerechten Digitalnarzissmus auf der permanenten Jagd nach Belohnung durch Likes. Früher hätte man das Pharisäerhaftigkeit genannt.

Solche heuchlerische „Pseudopolitik“, wie der Politikwissenschaftler Mark Lilla das nennt, wird zu Recht kritisiert. Doch mit Argumenten ist ihr gar nicht beizukommen. Denn anders als wir dachten (und hofften), gehorcht Wokeness als Produkt der Plattformökonomie nicht den diskursiven Regeln von Argument und Abwägung, sondern ökonomischen Regeln.

Was heißt das? Die digitale Ökonomie unterscheidet sich grundsätzlich von der Logik des industriellen Zeitalters. Google, Facebook und Co. funktionieren über Netzwerkeffekte und Selbstverstärkung, nicht mehr über die Skaleneffekte der industriellen Zeit. Der Skaleneffekt bewirkt Kostenvorteile: Mit immer höheren Produktionszahlen sinkt der Preis für das Einzelstück. Der Netzwerkeffekt der digitalen Ökonomie hingegen bedeutet: Der, der einmal aufgrund einer kritischen Kunden- und Datenmasse zum Stärksten geworden ist, verstärkt sich immer weiter selbst.

Das ist das Winner-takes-it-all-Prinzip der Plattformökonomie. Es erklärt, warum innerhalb weniger Jahre aus einer Handvoll Plattformen globale Monopole geworden sind. In der westlichen Welt ist heute Google die Suchmaschine, Amazon der Onlinehändler und Facebook das soziale Netzwerk. Wettbewerb im industriellen Sinne gibt es nicht mehr.

Auch für Social Media gelten die Gesetze von Netzwerkeffekt und Selbstverstärkung. Dabei zielen die Algorithmen einzig darauf, das „Engagement“ der User zu steigern, um sie an die Bildschirme zu fesseln und damit Werbeeinnahmen zu generieren. Um das Engagement zu pushen, belohnen die Algorithmen Emotionalisierung und Eskalation. Umso polarisierender ein Post und umso kontroverser und aggressiver die Kommentare, desto mehr Aufmerksamkeit und Zeit widmen die Nutzer der Plattform und desto häufiger werden die Posts geteilt. Diese Wallungsdynamik ist nicht linear, sondern exponentiell. Studien zeigen, dass sich Fake News sechsmal so schnell auf Social Media verbreiten wie Meldungen, die auf Tatsachen beruhen.

Häufig sind es einzelne ikonische Bilder oder Video-Snippets von nur wenigen Sekunden Länge, tendenziös und manchmal hart an der Grenze zu Fake News, die sich durch Selbstverstärkung zu kollektiven Narrativen verfestigen, die niemand wieder aus dem Netz und aus der Welt kriegt. Je schneller und je lauter ein Post auf ein Ereignis reagiert, desto größer die Wahrscheinlichkeit, dass er sich durchsetzt und leisere, differenzierende, abwartende und abwägende Reaktionen verdrängt.

Diese Dynamik kennzeichnet mittlerweile nicht nur Social Media, sondern färbt durch Spillover-Effekte auf alle Medien ab. Ob sie wollen oder nicht, sie werden zum Sammelbecken algorithmisch generierter Erregungsthemen.

So ging es mit dem über Twitter verbreiteten Bild, das Laschet unterm Regenschirm im Gespräch mit einem Flutopfer ohne Schirm zeigte. Aus dem Bild entstand qua Selbstverstärkung das Narrativ: Laschet lässt das Opfer im Regen stehen. Andere Bilder derselben Szene zeigen, dass auch Laschets Gesprächspartner unter einem Schirm stand – zurückholen ließ sich das Anti-Laschet-Narrativ damit nicht. Die Selbstverstärkung in Netzwerken kennt keine Gegendarstellung.

Aber gibt es nicht doch eine Stimmenvielfalt auf Twitter, kann nicht jeder mitreden, und bereichert das nicht die Debatte? Ist nicht ohnehin nur Geschwätz, was nicht in 200 thesenhaft zugespitzte Zeichen passt? So behauptet es Sascha Lobo – und liegt damit falsch.

Friedrich Nietzsche hat festgestellt, dass nicht nur wir Menschen unsere Medien formen, sondern auch die Medien uns. „Unser Schreibzeug arbeitet mit an unseren Gedanken“, hatte Nietzsche in Großbuchstaben in seine Schreibmaschine getippt. Heute gilt: Twitter und Co. arbeiten an unseren Gedanken mit. Die Technologie formatiert unsere Gedanken. Sie spricht mit, sie schreibt mit, und sie schreit mit, weil die Algorithmen zur Eskalation anheizen. Deshalb ist es ist scheinheilig, wenn Mark Zuckerberg sagt: Wir bei Facebook sind liberal, was können wir dafür, wenn die User unsere Plattform für Hass und Hetze missbrauchen? Tatsächlich pushen Zuckerbergs Algorithmen den Hass.

Dass nur Substanz hat, was in 200 oder in die 280 Zeichen eines Tweets passt, ist eine bizarre Vorstellung. Als gäbe es nur Thesen, aber nicht Argument und Abwägung, Einordnung und Erklärung. Das zwanghafte Thesenposten sind die Bikini-Kacheln des politischen Diskurses: Instagram-Logik ersetzt, um es mit Habermas zu sagen, die kommunikative Vernunft und den zwanglosen Zwang des besseren Arguments.

Eine Art Staatsstreich

Twitter-Thesen sind ein permanentes Schaulaufen, ein Vorzeigen von moralischer Schönheit, rhetorischer Stärke und spöttischer Lässigkeit. Auch das zielt auf Likes und Anerkennung, das heißt auf die Befriedigung des eigenen Narzissmus.

Und nicht nur der Narzissmus korrumpiert die Progressiven, die auf Social Media Erfolg haben. Ihr Dilemma ist, dass sie nicht gegen die Plattformen wettern können, die ihnen Follower und Reichweite verschaffen. Ohne Reach keine Macht bei der Freedom of Speech. Wer vom Twittergefolge lebt, wird die Verwahrlosung seiner Kultur nicht kritisieren. Die großen Twitterati, die als Digitalexperten auftreten, sind eines nicht: unabhängig.

So stark sind die Digitalplattformen heute, dass sie jetzt schon nach staatlicher Macht greifen. Facebook arbeitet an einer globalen Digitalwährung, mittlerweile heißt sie nicht mehr Libra, sondern Diem. Bei Einführung soll sie auf einen Schlag von drei Milliarden Menschen genutzt werden. Das wäre eine Art globaler Staatsstreich. Denn es sind Staaten, die Währungen ausgeben.

Doch nicht nur von außen setzen die Digitalgiganten den Staat unter Druck, sondern auch von innen. Die von Social Media erzeugte Wokeness hat in kürzester Zeit eine Cancel Culture geschaffen, die auf die Abschaffung von zivilisatorischen Errungenschaften zielt, die bis in die Antike zurückreichen.

Wir sehen das in den USA: Universitäten degradieren und entlassen Professoren aufgrund bloßer Anschuldigungen, ohne Verfahren. Unschuldsvermutung, „Im Zweifel für den Angeklagten“, „Gehört werde auch der andere Teil“: Diese römischen Rechtsprinzipien, die den Kern der strafprozessualen Rechtsprechung ausmachen, gelten plötzlich nicht mehr. Die Harvard University hat dem Law-School-Professor Ronald Sullivan und seiner Frau das Amt der Faculty Deans eines Undergraduate House entzogen, weil Sullivan den der Vergewaltigung angeklagten Harvey Weinstein verteidigen wollte. Sullivan zog sich aus dem Verteidigerteam zurück.

Selbst wenn man nichts politisch Unkorrektes sagt, ist man heute nicht sicher. Falsche oder auch nur unglücklich schiefe Formulierungen von früher können einen jederzeit einholen. Das Netz vergisst nicht und wird ständig nachgefüttert – und immer geht es um den ersten Augenschein und seine Emotionen. Social Media kennt nur Gut und Schlecht, Rein und Unrein, das heißt plattformökonomisch: Gewinner und Verlierer, weil sich die Algorithmen gierig auf die Extreme stürzen. Differenzierung und Aushalten von Widersprüchen sind ihnen fremd.

Weil die Moderatorin Nemi El-Hassan vor Jahren an israelfeindlichen Demonstrationen teilgenommen hat, darf sie jetzt nicht das WDR-Wissenschaftsmagazin „Quarks“ moderieren. Eine junge Muslima mit palästinensischen Wurzeln kämpft sich von Fürstenwalde in Ostbrandenburg durch bis zur Charité und macht in bildungsbürgerlichen Medien journalistisch Karriere – bis sie, ausgerechnet, vom WDR gecancelt wird. Damit widerspricht der unter Wokeness-Druck geratene Sender dem aufklärerischen Gedanken, dass Bildung den Menschen klüger macht, ihn seine Irrtümer einsehen und sich weiterentwickeln lässt.

Ironie der Geschichte: Die Progressiven, meist noch Profiteure des traditionellen Bildungssystems, unterwerfen sich im Wettbewerb um Anerkennung freiwillig, in vorauseilendem Gehorsam gerade den Plattform-Regeln, deren woker Furor sich gegen das alte „weiße“, „sexistische“, „klassistische“ Bildungssystem richtet. Die Progressiven machen es genau so wie die anderen User: Sie nutzen Social Media für ihren eigenen kurzfristigen Vorteil, aber schaden damit langfristig allen.

So zerstören die Progressiven das liberale System, das ihre eigene Bildung und ihren eigenen sozialen Aufstieg hervorgebracht hat. Sie sägen nicht den Ast ab, auf dem sie in ihrer moralischen Überlegenheit sitzen, sondern gleich den ganzen Baum.

Aufsichtsgremium fordert mehr Transparenz von Facebook

Das Online-Netzwerk sei mit seinen Informationen zu dem entsprechenden Inhalte-Programm „nicht vollständig entgegenkommend“ gewesen, beschied das Gremium. Es forderte von Facebook auch insgesamt mehr Transparenz rund um die Frage, warum Beiträge entfernt oder auf der Plattform belassen werden.

Das werde für viele Nutzer aus Facebooks Kommunikation nicht klar. Das Gremium besteht aus Rechtsexperten, Aktivisten und ehemaligen Politikern und ist eine Art „Oberstes Gericht“ von Facebook, dessen Beschlüsse auch Gründer und Chef Mark Zuckerberg nicht überstimmen kann.

Das „Wall Street Journal“ hatte unlängst unter Berufung auf interne Unterlagen des Online-Netzwerks geschrieben, Facebook habe ein System geschaffen, bei dem zahlreiche Nutzer faktisch von der Anwendung der Inhalte-Regeln ausgenommen waren. Dadurch hätten sie sich Fehltritte erlauben können, die für gewöhnliche Mitglieder Konsequenzen gehabt hätten. Facebooks Regeln verbieten unter anderem Beiträge mit Beleidigungen oder Drohungen sowie die Verletzung der Privatsphäre anderer Menschen.

Das System mit Namen „Cross-Check“ wurde Facebook zufolge eingerichtet, um durch eine zweite Prüfung von Entscheidungen über einzelne Beiträge Fehler zu vermeiden. Einem vom „Wall Street Journal“ zitierten internen Facebook-Dokument zufolge wurde dies in vielen Fällen zu einer Art Freifahrtschein für Prominente.

So sind mindestens 5,8 Millionen Facebook-Nutzer im „Cross-Check“-Programm. Bevor der Zeitungsbericht die Aufmerksamkeit auf das System lenkte, teilte Facebook dem Oversight Board auf Anfrage mit, dass es nur bei einer geringen Zahl von Entscheidungen zum Einsatz gekommen sei. Nach der Kritik bat Facebook das Gremium, „Cross-Check“ auf den Prüfstand zu stellen.

Projekt „Green Motion“: Film und Fernsehen sind jetzt Öko

In Berlin wird gerade über eine Koalition verhandelt, in der deutschen Medienlandschaft ist sie beschlossene Sache. Es ist eine Koalition, die sich vorgenommen hat, die ökologische Wende zu schaffen. „Green Motion“ lautet das Motto. Es bedeutet, dass die deutschen Film-, Fernseh- und Video-on-Demand-Anbieter nachhaltig und ökologisch sauber produzieren wollen. Sie haben eine Selbstverpflichtungserklärung zum Klimaschutz unterschrieben, der zufolge sie vom 1. Januar 2022 an Mindeststandards einhalten wollen, um die Kohlendioxid-Emission, welche die Branche verursacht, deutlich zu reduzieren. Es gibt einen umfassenden Verhaltenskatalog, der bis ins Detail regelt, wie gedreht und produziert werden soll. Wer die Kriterien erfüllt, darf sich – nach entsprechender Prüfung – mit dem Label „Green Motion“ schmücken.

Bei der Koalition der Ökowilligen sind tatsächlich fast alle dabei: Bavaria Film, Constantin Film, Studio Hamburg, die UFA, We Are Era und Ziegler Film auf Seiten der Produzenten. Die Liste der Sender und Plattformen ist ebenfalls lang: ProSiebenSat.1, RTL Deutschland, Sky, Netflix, die Degeto Film der ARD, Bayerischer Rundfunk, MDR, NDR, RBB, SWR, WDR und das ZDF. Mit von der Partie sind ebenfalls die Filmförderungen: Hessen Film und Medien, Mitteldeutsche Medienförderung, die MFG Medien- und Filmgesellschaft Baden-Württemberg, die MOIN Filmförderung Hamburg Schleswig-Holstein, MV Filmförderung Mecklenburg-Vorpommern und die nordmedia Film- und Mediengesellschaft. Unterstützt wird das Ganze von den Berufsverbänden, dem Bundesverband Schauspiel, dem Bundesverband Filmschnitt Editor, der Allianz Deutscher Produzenten, der Deutschen Filmakademie und dem Verband Technischer Betriebe für Film & Fernsehen.

„Die ökologischen Mindeststandards und das Label ,green motion‘ sind ein starkes, freiwilliges Bekenntnis der deutschen Film-, TV- und VoD-Branche zu mehr Klimaschutz“, sagt Carl Bergengruen, der das Bündnis initiiert hat. „Unsere in der Branche entwickelten Vorgaben sind ambitioniert und zugleich in der Praxis umsetzbar“, sagt der Geschäftsführer der MFG Medien- und Filmgesellschaft Baden-Württemberg, die vom Land und vom Südwestrundfunk getragen wird. Er leitet den Arbeitskreis „Green Shooting“, der umfassende Leitlinien für das Projekt entwickelt hat. Dies sei „ein erster wichtiger Schritt, verbunden mit dem Ziel, die ökologischen Mindeststandards kontinuierlich weiterzuentwickeln. Außerdem wollen wir weitere Partner für diese Initiative gewinnen. Deutschland braucht einen gemeinsamen ökologischen Standard für alle seine Film-, TV- und VoD-Produktionen.“

Und wie sieht das im Einzelnen aus? Es gibt 21 „Muss-Vorgaben“ und darüber hinaus etliche „Soll-Vorgaben“. Es beginnt beim Licht, das auf LED-Scheinwerfer umgestellt werden soll, es soll mehr Bahnfahrten und keine Kurzstreckenflüge mehr geben, umweltfreundliche Fahrzeuge, vegetarisches Essen (ein fleischloser Tag pro Woche ist beim Catering Pflicht), keine Dieselgeneratoren mehr, kein Einweggeschirr, Berechnung des Kohlendioxid-Fußabdrucks, Beratung durch Nachhaltigkeitsexperten, die bei sämtlichen Produktionen dabei sind. Das Ganze schätzen die Produzenten vor Beginn einer Produktion ein, bilanzieren es und legen es dem Sender, Streamingdienst oder Filmförderer zur Prüfung vor, die Prüfung wird auch extern von der Beratungsfirma PricewaterhouseCoopers vorgenommen. Zur Begutachtung wurde eigens ein Rechenmodell entwickelt, das den CO2-Fußabdruck messbar machen soll. Erst dann kommt der grüne Stempel, und er kommt nur, wenn 18 der 21 „Muss-Vorgaben“ erfüllt worden sind.

Die Branche erzeugt nicht nur schöne Bilder

Entwickelt hat diese der Arbeitskreis „Green Shooting“, geleitet von Carl Bergengruen, der sich dem Megaprojekt in den letzten Jahren verschrieben hat, es vorantrieb und fast alle in der Branche zum Mitmachen bewog. „Green Motion“ ist sein Baby. Er kam durch eine französische Studie darauf, wie er sagt. Diese habe festgestellt, „dass die dortige Film- und Fernsehbranche für genauso hohe CO2-Emissionen verantwortlich“ sei „wie der gesamte Telekommunikationssektor. Diese erschreckende Studie war damals für mich ein Wake-up Call, um 2017 den deutschlandweiten Arbeitskreis ,Green Shooting‘ zu gründen. Wir haben alle zu lange gedacht, diese Branche erzeugt schöne Bilder, aber im Vergleich mit anderen Branchen doch vernachlässigbare CO2-Emissionen. Weit gefehlt.“

Der Arbeitskreis „Green Shooting“ hat, bevor es nun zum Branchenbündnis kommen konnte, ein Pilotprojekt mit „100 grünen Produktionen“ betrieben, bei dem in den Jahren 2020 und 2021 alle deutschen Daily Soaps, 22 Serien sowie viele Einzelfilme und Sendungen auf eine nachhaltige Arbeitsweise setzten. Die daraus gewonnenen Erfahrungen flossen in die Verabredung der gesamten Branche ein. Deshalb sind Bergengruen und seine Mitstreiter auch der Überzeugung, dass es praktikabel ist.

„Die Mindeststandards sind von Praktikern für die Praxis entwickelt worden, alles ist umsetzbar, wenn man ambitioniert rangeht“, sagt Bergengruen. Das Ziel sei es, ergänzt der Regisseur und Producer Philip Gassmann, der im Arbeitskreis mitgewirkt hat, „die Produktionen zu verbessern. Die LED-Technologie kann nicht alles ersetzen, macht aber gewaltige Schritte, und auch bei den Generatoren gibt es mittlerweile tolle Alternativen mit Gasantrieb oder als Hybridsystem. Das muss jetzt flächendeckend eingeführt werden, und dafür brauchen die Dienstleister dringend Unterstützung. Das wird durch die Mindeststandards viel besser einzufordern sein. Ein großer Hebel sind die Fahrzeuge. Da haben manche Dienstleister schon angefangen, ihre Flotten umzurüsten, aber auch das könnte viel schneller gehen, wenn wir uns auf einheitliche Standards einigen, und das haben wir ja jetzt getan.“ Es gebe kaum eine Branche, meint Gassmann, „bei der sich der CO2-Fußabdruck so schnell verbessern lässt. Wir haben Produktionen erfasst, bei denen auf einen Schlag 50 Prozent weniger CO2 emittiert wurde. Im Schnitt sollten es im ersten Jahr mindestens 10 Prozent weniger CO2 sein. Tendenz eher mehr.“

CO2-Reduzierung von 20 Prozent

Nils König, der im Umweltbundesamt ein Forschungsprojekt zur Quecksilberbelastung des Waldes leitet, bei Scientists for Future und beim Arbeitskreis „Green Shooting“ mitwirkt, meint, es könnte im ersten Jahr von „Green Motion“ schon eine CO2-Reduzierung von 20 Prozent geben, mit einem jährlichen Anstieg von fünf bis zehn Prozent. Der Polar- und Klimaforscher Dirk Notz vom Max-Planck-Institut für Meteorologie, einer der Leitautoren des Berichts des Weltklimarats, betont das Grundsätzliche. „Um die globale Klimaerwärmung zu stoppen“, sagt er, „,muss der Netto-CO2-Ausstoß auf null sinken. Dazu gibt es physikalisch keine Alternative – und das gilt für jede Branche. Insofern ist es absolut sinnvoll, wenn erste Branchen eigenständig die Initiative ergreifen, und sich somit zukunftssicher aufstellen.“

Und was kostet das, wer bezahlt den Ökoaufwand, oder macht sich dieser umgekehrt bezahlt? „Durch den schnell steigenden CO2-Preis“, meint Nils König, werde es „bald zu finanziellen Einsparungen kommen“. Bei der Rechnung, sagt Dirk Notz, sei es sinnvoll, „sich die Kosten einzelner Naturkatastrophen zu vergegenwärtigen: Allein 30 Milliarden wird den Steuerzahler die Flutkatastrophe in Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen mindestens kosten. Die Zahl von entsprechenden Wetterextremen wird mit zunehmender Erwärmung immer weiter zunehmen und damit auch deren Kosten.“ Die Kosten für Klimaschutz lägen „in den entsprechenden Wirtschaftsmodellen immer deutlich unter den Kosten für verhinderte Klimaschäden“.

Doch wie verhindert man „Greenwashing“, also dass es bei Lippenbekenntnissen bleibt, beim schönen Schein, und es hinter den Kulissen weitergeht wie bisher? Carl Bergengruen ist da ganz strikt. „Greenwashing“ zu vermeiden sei ein wichtiges Thema. Deshalb habe man „ein unbürokratisches, aber effektives System etabliert, um Missbrauch zu vermeiden“. Das fange damit an, „dass die sogenannten Muss-Vorgaben so eindeutig und klar definiert sind, dass es hier keine Spielräume gibt, um sie zu umgehen. Außerdem haben wir für die Vergabe des Logos ,Green Motion‘ bei der PwC eine Prüfstelle eingerichtet, die Stichproben macht. In allen Fällen muss die entsprechende Produktionsfirma einen Abschlussbericht abgeben, ob bei der Produktion mindestens 18 von 21 verpflichtenden Vorgaben eingehalten wurden oder nicht. Diesen Abschlussbericht überprüft dann der an der Produktion beteiligte Sender, Video-on-Demand-Dienst oder Förderer. Dieser kann die Prüfung auch an die PwC delegieren. In jedem Fall ist es nachher der Sender, Video-on-Demand-Dienst oder Förderer, der dann die Verwendung des Logos durch die Produktionsfirma freigibt.“

Jetzt müssen es die Beteiligten nur noch machen. Es soll keine Show sein, sondern, wie Carl Bergengruen sagt, sich zeigen, „dass eine wichtige Branche CO2-Emissionen und Ressourcenverbräuche signifikant reduziert. Es ist eine Branche mit einem großen CO2-Verbrauch – und großer Strahlkraft.“ Das dürfte wohl niemand bestreiten.

Nach Rauswurf von „Bild“-Chef Reichelt: Wer im Glashaus sitzt

Fragen hatte niemand. Dabei war das, was sich am Dienstagmorgen um 10.30 Uhr im 16. Stock des Springer-Hochhauses abspielte, die Folge einer gewaltigen Implosion der Bild-Führung. An diesem Morgen trat erstmals der neue Bild-Chefredakteur vor die Belegschaft: Johannes Boie, 37. Jener Mann, der bis zum Abend zuvor noch Chefredakteur der Welt am Sonntag gewesen war.

Dieses Land brauche die Bild heute mehr denn je, sagte Boie in seinem kurzen Vortrag. So erzählen es Personen, die zugehört haben. Bild müsse die Politik hart attackieren. Aber auch den Sportteil und die Promiberichterstattung lobte er. Scoops, wie der, dass Helene Fischer schwanger ist, seien „der Hammer“, zitiert ein Branchenmagazin Boies Antrittsrede.

Boie ist der neue Mann an der Spitze der Bild, der größten Boulevardzeitung des Landes. Ihre gedruckte Auflage liegt bei rund einer Million, mehr als 500.000 Menschen haben sie digital abonniert. Boies Vorgänger, Julian Reichelt, war am Montag freigestellt worden. Am Sonntag hatte die New York Times exklusiv berichtet, wie Reichelt in der Bild ein Klima geschaffen hatte, das „Sex, Journalismus und Firmengelder“ vermische. Julian Reichelt habe Affären mit Volontärinnen und Redakteurinnen gehabt, für die er ihnen Geld oder Posten verschafft habe. Einer Kollegin, mit der er eine Beziehung gehabt haben soll, habe er gefälschte Scheidungspapiere vorgelegt.

Auch deutsche Medien hatten schon länger zu Reichelts Affären recherchiert. Eines davon war das Investigativteam der Ippen-Verlagsgruppe. Dessen Rechercheurin Juliane Löffler sagte in dieser Woche in einem Interview, einige der betroffenen Frauen hätten so große Angst vor Reichelt gehabt, dass sie zum Zeitpunkt, an dem die Journalistin den Springer-Verlag mit den Vorwürfen konfrontiert hatte, die Stadt verlassen hatten.

Drogen, Sex und nichts geschah

Anfang des Jahres standen schon einmal massive Vorwürfe gegen Julian Reichelt im Raum: Drogenmissbrauch, Machtmissbrauch, Sex gegen Geld und Beförderung. Nach Hinweisen aus dem eigenen Haus hatte der Springer-Konzern Julian Reichelt im März vorübergehend freigestellt und die Vorwürfe von einer Anwaltskanzlei untersuchen lassen.

Nach knapp zwei Wochen kehrte Reichelt damals zurück. Der Springer-Vorstand sprach ihn frei und stellte ihm eine Chefredakteurin zur Seite. Reichelt entschuldigte sich und gelobte Besserung.

Dieses Versprechen soll Reichelt gebrochen haben. Gegenüber der Bild-Belegschaft bestätigte Döpfner am Dienstag, dass der Ex-Bild-Chef auch nach dem Compliance-Verfahren weiter eine Beziehung zu einer Mitarbeiterin gehabt und dem Vorstand darüber die Unwahrheit gesagt habe. Reichelt habe Fehler gemacht und diese wiederholt, sagte Mathias Döpfner. Es habe keine andere Wahl gegeben, als ihn freizustellen, auch wenn das tragisch sei. Reichelt hat sich bislang nicht öffentlich geäußert.

Mit seiner Personalentscheidung musste Döpfner drei Probleme abräumen. Erstens: Ruhe in die aufgescheuchte Bild-Gruppe bringen. Zweitens: Dem US-amerikanischen Markt, auf dem Springer gerade groß investiert, signalisieren, dass die Firmenkultur bei Europas zeitweise größter Boulevardzeitung doch nicht so rückständig, vergiftet und sexistisch ist. Drittens: Jemanden installieren, der kontrollierbarer erscheint als der sehr unabhängig gewordene Reichelt und der sich wieder auf Springers vordringlichstes Ziel konzentriert: auf dem digitalen Markt zu wachsen.

All diese Punkte lassen sich vereinen unter dem Schlagwort Kulturwandel, den Döpfner besonders für die Bild ankündigt. Die Frage ist, ob Johannes Boie den reinbringen kann.

Die taz hat für diesen Text mit Mit­ar­bei­te­r*in­nen auf verschiedenen Hierarchiestufen aus den beiden großen Flaggschiffen von Springer gesprochen, der Bild- und der Welt-Gruppe. Die meisten Gespräche fanden im „Hintergrund“ statt, das bedeutet, dass daraus nicht zitiert werden darf.

Anders als seine Vorgänger Reichelt, Koch und Diekmann, ist Johannes Boie kein Springer-Gewächs. Volontiert hat er bei der Süddeutschen Zeitung, für die er knapp zehn Jahre gearbeitet hat. Dort schrieb er vor allem über Digitalthemen: Facebook sieht er schon lange kritisch, vor digitaler Überwachung hat er früh gewarnt. Das mag Linke begeistern, passt aber auch zur Linie des Springer-Verlags. Der versucht seit Jahren, die Digitalkonzerne dazu zu bringen, Medienunternehmen etwas von ihren Gewinnen abzugeben.

2017 wechselte Boie als persönlicher Referent des Vorstandsvorsitzenden Mathias Döpfner zu Springer – ein Job, der ein Sprungbrett für große Karrieren ist. 2019 wurde er Chefredakteur der Welt am Sonntag, nun also Bild.

Die Nachfolge werde von vielen in der Bild als gute Lösung wahrgenommen, sagte ein hochrangiger Mitarbeiter gegenüber der taz. „Boie steht für die Werte, die uns als Marke wichtig sind – klare Haltung gegen Antisemitismus jedweder Provenienz, Ablehnung von rechtem und linkem Extremismus, Bekenntnis zu Marktwirtschaft und transatlantischer Partnerschaft“.

Dass Boie mit seinen Positionen nah an denen der Bild ist, hat er auch in seinen Kommentaren in der Welt am Sonntag bewiesen. Dort arbeitete er sich zuletzt an den Grünen und an Annalena Baerbock ab („grüne Verbote!“), wetterte gegen Identitätspolitik („radikale Ideologie“). Politische Bündnisse mit der Linkspartei sind für ihn „geschichtsvergessen“, eine Meldeplattform für Steuersünder „Denunziantentum“.

Inhaltlich passt das. Aber passt er als Typ zur Bild?

Von außen wirkt Boie wie das krasse Gegenteil von Reichelt. Reichelt, das war Kette rauchen, Feldbett im Büro, Krawall-Journalismus. Einer, der sich mit einer Jüngerschaft von loyalen Re­dak­teu­r*in­nen umgab, der eine Macho­kultur pflegte, wie Mit­ar­bei­te­r*in­nen sagen.

Boie beschreiben Kol­le­g*in­nen als ruhigen Typ, kühl bis ins Roboterhafte, gut organisiert und nicht so auf Verbalrandale aus wie sein Kollege bei der Welt, Ulf Poschardt. Ein ehrgeiziger Machtstratege, der genau wisse, was und wen es brauche, um nach oben zu kommen. Dass so einer das Laute, Emotionale des Boulevard bedienen kann, ist erst einmal schwer vorstellbar.

Reichelt konnte das – nur hat er es anders gemacht als es klassischerweise funktioniert. Eigentlich ist es das Prinzip des Boulevards, die Emotionen der Le­se­r*in­nen aufzugreifen und zu verstärken. Reichelt hat vor allem seine eigenen Emotionen verstärkt: Nachdem er als Reporter aus dem Syrienkrieg zurückgekommen ist, hat er 2015 ­#refugeeswelcome auf die Bild drucken lassen. Aus seiner Geringschätzung der AfD hat er nie einen Hehl gemacht, obwohl Teile der Bild-Leser*innen das anders sehen dürften.

Boie könnte zurückkehren zum traditionellen Boulevard. „Etwas konzilianter im Ton – also konziliant für Boulevardverhältnisse“, darauf spekuliert ein Bild-Mitarbeiter.

Springer in den USA

Boie dürfte aber vor allem aus einem Grund für Döpfner der perfekte Chefredakteur sein: Er bringt Ruhe rein. „Moderne Führungskultur“, das ist bei Springer zum Schlagwort geworden. Boie griff das vor der Belegschaft gleich auf. Er würde sich freuen, wenn sich alle duzen würden, sagte er. Er möchte von der Redaktion lernen, das gehöre für ihn zu moderner Führungskultur.

Noch einen Skandal in der Bild-Chefetage kann Döpfner sich nicht leisten. In Amerika kommt das schlecht an. Und Amerika ist der Markt, der Döpfner derzeit am meisten interessiert. Der Axel-Springer-Verlag mit seinen 16.000 Mit­ar­bei­te­r*in­nen weltweit, einem Jahresumsatz von gut zwei Milliarden Euro im Jahr 2019, will international wachsen.

Rund 48 Prozent des Springer-Verlags gehören mittlerweile dem US-amerikanischen Investor KKR. Der hat viel Geld in Springer gepumpt, mit diesem kauft Springer US-Medien auf.

Springer besitzt bereits Insider und Morning Brew, in dieser Woche übernahm der Verlag noch die Nachrichtenseite Politico, mit ihren rund 700 Mit­ar­bei­te­r*in­nen in Nordamerika, angeblich für über eine Milliarde US-Dollar. Es ist der größte Kauf in der Geschichte Springers. Döpfner gilt in den USA als German Wunderboy, als der einzige deutsche Verleger, der verstanden hat, wie Medien im Internet Geld verdienen.

Dieses Image scheint nach dieser Woche mindestens angekratzt. Ben Smith, der Redakteur, der über Reichelts Affären für die New York Times berichtet hat, sagte im Interview mit der Zeit, die Redaktion von Politico habe sehr verunsichert auf die Berichte über ihren neuen deutschen Besitzer reagiert. Wäre Springer ein US-Unternehmen, wäre Julian Reichelt viel früher gekündigt worden, so Smith.

Für manche bei Springer ist der Versuch, in den USA Fuß zu fassen auch mit einem Kulturkampf verknüpft. Moderne Führungskultur, schön und gut. Aber der übertriebenen „Wokeness“ aus Amerika wolle man sich nicht hingeben. Dass die New York Times ihre Recherche über Julian Reichelts Affären in der Woche veröffentlichte, in der die US-Behörden dem Kauf von Politico zustimmen sollten, sehen Mit­ar­bei­te­r*in­nen von Springer und Politico als Versuch, ihrem neuen Wettbewerber zu schaden.

Konfrontiert mit diesem Vorwurf, schreibt eine Sprecherin der Zeitung lakonisch zurück: „Die New York Times hat ihren Artikel auf der Basis von Fakten veröffentlicht. Das ist das, was unabhängige Nachrichtenhäuser tun.“

Man kann die Mutmaßung natürlich auch als Ablenkungsmanöver lesen. Bild ist die prominenteste Marke des Verlages. Mathias Döpfner steht diesem Verlag seit 19 Jahren vor. Wenn es dort Probleme mit der Unternehmenskultur gibt, hat er versäumt, sie anzugehen. Auch für solche Versäumnisse steht der Fall Reichelt: Döpfner selbst war es, der Reichelt geschützt hat.

Am Mittwoch, kurz bevor Mathias Döpfner zur Politico-Redaktion nach Washington flog, wandte er sich mit einem Video an die Springer-Belegschaft. Ungewohnt leger und in schlechtem Licht verteidigte er sein Vorgehen im „Compliance-Fall Julian Reichelt“. Den Vorwurf, die Konzernspitze habe schon lange Details über Reichelts Beziehungen gewusst, stritt er ab. Ob man schneller hätte handeln müssen, im Frühjahr schon? „Hinterher ist man immer klüger.“

Hinter dem Fall Reichelts wittert Döpfner eine Verschwörung. „Im Hintergrund wirkten Männer, die erkennbar das Vorgehen organisierten“, sagte er im Video. Ehemalige Mitarbeiter von Bild hätten ein Interesse daran gehabt, Reichelt wegzubekommen. An die betroffenen Frauen: zunächst kein Wort. In einer weiteren Ansprache am Freitag entschuldigte Döpfner sich bei Betroffenen und Mitarbeitenden und sagte, man hätte Reichelt früher kündigen müssen.

Bemerkenswerte Verteidigungsstrategie

Der Verlagschef selbst fühlt sich hintergangen. Laut dem Bericht der New York Times hatte Döpfner in einer Textnachricht an seinen damaligen Freund, den Schriftsteller Benjamin von Stuckrad-Barre behauptet, Julian Reichelt sei „der letzte und einzige Journalist in Deutschland, der noch mutig gegen den neuen DDR-Obrigkeitsstaat aufbegehrt. Fast alle anderen sind zu Propaganda-Assistenten geworden.“

Döpfner sagte, die Nachricht sei aus dem Zusammenhang gerissen, rechtfertigte sie als Ironie. Außerdem sei die Nachricht privat gewesen. Sie zu veröffentlichen, sei eine „Grenzüberschreitung“.

Das ist eine bemerkenswerte Verteidigungsstrategie für einen Mann, der einem Verlag vorsteht, der sein Geld damit verdient, aus privaten Nachrichten von Menschen zu zitieren. Vor einem Jahr hatte die Bild Auszüge aus einem WhatsApp-Chat eines 11-Jährigen veröffentlicht, dessen Mutter kurz zuvor seine vier Geschwister ermordet hatte. Der Presserat hat die Bild dafür gerügt.

In seinen Reden und Kommentaren gibt sich Döpfner gern als der Mann von Welt, der sich sorgt um die globale Ordnung, der vor China und Russland warnt und vor den Digitalkonzernen, die uns zu Dienern machten. Man könnte meinen, Döpfner müsste sich zu fein sein für die Schmuddelmethoden der Bild-Zeitung. Aber die Textnachricht an Stuckrad-Barre ist nicht das erste Mal, dass Döpfner Tatsachen verdreht und in Schwurbelei verfällt. Was ihn umtreibt, ist die Angst vor einer angeblichen Islamisierung.

Die „schrankenlose“ Weltoffenheit von heute führe, schrieb er einmal, zu einer „Staatskrise und Ausschreitungen bis hin zum Bürgerkrieg“. Nach dem Anschlag in Halle, bei dem ein weißer deutscher Rechtsradikaler versucht hatte, Juden zu erschießen, schrieb Döpfner, Schuld an solchen Amokläufen seien „eine rechtsstaatlich sehr zweifelhafte Flüchtlingspolitik“ und „Deutschlands Politik- und Medieneliten“, die den „Schlaf der Selbstgerechten“ schliefen und den „Wunschtraum der Political Correctness“ träumten.

Oberster Lobbyist

Es wäre aber zu einfach zu glauben, Döpfner rede der AfD nach dem Mund. Viel mehr gefällt er sich in der Rolle des Kritikers, der unbequeme Wahrheiten ausspricht. Selbst die vermeintlichen Wahrheiten, die sonst vor allem in Telegram-Kanälen ausgetauscht werden. Heikel ist das vor allem deshalb, weil Döpfner nicht nur Springer-Boss ist, sondern auch Präsident des Branchenverbandes BDZV.

Er ist der oberste Lobbyist der Zeitungsverlage. Viele Ver­le­ge­r*in­nen schätzen ihn dafür, wie er es immer wieder schafft, der Bundesregierung Zugeständnisse für die Branche abzuringen. Nur stellt sich für einige die Frage, ob sie von einem Mann vertreten werden wollen, der sie für obrigkeitshörige Nachrichtenkellner hält. Der BDZV kommentiert Döpfners Aussage nicht.

Am Dienstag, nachdem Julian Reichelt freigestellt und Johannes Boie inthronisiert wurde, veröffentlichte der Springer-Verlag ein Werbevideo. In dem 30-minütigen Clip spielen zwei Schauspieler den 1985 verstorbenen Axel Springer und den 2002 verstorbenen Spiegel-Gründer Rudolf Augstein.

Sie kommen aus dem Jenseits zurück in den Springer-Verlag von heute, eine Welt, die sie kaum verstehen: junge, hippe Mitarbeiter*innen, die Englisch sprechen. Viele Frauen, die nicht nur gut aussehen, sondern auch Journalismus machen. Die live in ihr Handy berichten und Klicks statt Auflage zählen. Die alten Männer können es nicht fassen.

Das Video hat eine englische Sprecherin, deutsche Dialoge sind englisch untertitelt. Es ist für den internationalen Markt gedreht, damit man auch in Amerika versteht, wie fortschrittlich der Springer-Verlag ist.

Die beiden Alten, Springer und Augstein, treffen in dem Video auch auf die Gleichstellungsbeauftragte des heutigen Axel-Springer-Verlags. Sie gendert beim Sprechen, redet von der „Diversitäts-Dividende“ und Augstein glaubt, es gehe um Geld. „Heutzutage ist die Unternehmenskultur für den Erfolg genauso wichtig wie die Auflage“, sagt die Frau, als sei das bei Axel Springer eine Selbstverständlichkeit.

Exporteure erwarten kein schnelles Ende der Lieferengpässe

Der Außenhandelsverband BGA rechnet trotz Materialmangels und Störungen der globalen Lieferketten mit einem kräftigen Exportwachstum in diesem Jahr. „Wir sind sehr gut ins Jahr gestartet und sehen deshalb trotz einer Abschwächung derzeit keine Anzeichen, unsere Prognose eines nominalen Wachstums von 13 Prozent zu kassieren“, sagte der neue Präsident des Bundesverbandes Groß- und Außenhandel (BGA), Dirk Jandura, der Deutschen Presse-Agentur. Die Warenausfuhren würden damit das Niveau vor der Corona-Krise überschreiten.

Der Verband erwartet, dass die Lieferkettenprobleme bis Mitte kommenden Jahres anhalten. „Wir sehen steigende Containerpreise, steigende Frachtraten, Mangel an Vorprodukten wie Halbleiter und immer massivere Engpässe bei Lkw-Fahrern. Wir haben es mit einer Vielzahl von Problemen zu tun“, berichtete der promovierte Diplom-Kaufmann, der seit Anfang Oktober an der Spitze des BGA steht.

Von der künftigen Bundesregierung forderte Jandura eine „aktive Handelspolitik.“ Sie müsse in Brüssel auf einen „starken gemeinsamen europäischen Auftritt“ in Handelsfragen hinwirken. „Andernfalls gerät Europa zwischen die Mühlsteine USA und China“, warnte der 51-Jährige. Das europäisch-kanadische Wirtschafts- und Handelsabkommen (CETA) müsse endlich ratifiziert werden, ebenso das Freihandelsabkommen mit dem südamerikanischen Wirtschaftsbündnis Mercosur. „Wir müssen mehr Handel wagen“, sagte Jandura. „Wir hoffen sehr, dass es eine Koalition des Fortschritts wird. Deutschland muss an vielen Stellen modernisiert werden.“

Beim Klimaschutz sollte die künftige Bundesregierung eher auf Anreize für Innovationen als auf Verbote setzen, forderte Jandura. „Wir brauchen eine Balance zwischen Marktwirtschaft und Regulierungen und mehr Technologieoffenheit.“ Die bisherige Klimaschutzpolitik ist aus seiner Sicht „unausgegoren“. „Wie soll der wachsende Strombedarf gedeckt werden? Eigentlich müssten ein oder zwei Atomkraftwerke vorerst am Netz bleiben für die Grundlast.“

Google senkt Play-Store-Abgaben für Abonnements auf 15 Prozent

Google senkt nach Kritik von Software-Entwicklern und Politikern die Abgabe für Abonnements, die über die App-Plattform des Konzerns abgeschlossen werden. Bisher mussten App-Entwickler zunächst 30 Prozent vom Abopreis an Google abtreten, nach einem Jahr sank die Abgabe auf 15 Prozent. Jetzt werden es von Anfang an 15 Prozent sein, wie Google am 21.10. ankündigte.

Man habe von Entwicklern gehört, dass es für sie schwierig sei, im 15-Prozent-Bereich anzukommen, weil zum Teil Kunden vorher ihre Abonnements kündigten, begründete Google den Schritt. Die Änderung soll zum 1. Jänner 2022 greifen. In Apples App Store werden bei Abos aktuell ebenfalls zunächst 30 Prozent und nach einem Jahr 15 Prozent fällig.

Google steht hinter dem Smartphone-Betriebssystem Android, das einen Marktanteil von über 80 Prozent hat. Apple füllt mit seinen iPhones praktisch den gesamten Rest des Marktes aus. Auf Android-Smartphones kann man Apps nicht nur aus dem Play Store von Google laden. Die Nutzer greifen aber zumeist vor die vorinstalliert Google-Plattform zurück. Auf iPhones können Anwendungen nur aus dem hauseigenen App Store geladen werden.

In den vergangenen Jahren hatten sich diverse App-Entwickler beschwert, dass die Abgaben bei beiden Plattformen zu hoch seien. Politiker und Wettbewerbshüter sowohl in Europa als auch in den USA nehmen das App-Store-System ins Visier. Große Streamingdienste wie Netflix und Spotify verkaufen ihre Abos gar nicht erst über Apples App Store, sondern über die eigene Website, um die Abgabe zu vermeiden.

‚Kronen Zeitung‘ startet Hans-Dichand-Akademie

Benannt ist die Akademie nach „Kronen Zeitung“-Gründer Hans Dichand († 2010), der mit folgendem Satz zitiert wird: „Wer glaubt denn noch an Medien? Nicht mehr viele. Ich bin vielleicht einer der Letzten.“ Sohn Christoph, aktuell Herausgeber und Chefredakteur der „Krone“ sagt: „Gemeinsam wollen wir die herausfordernde Zukunft erfolgreich gestalten. Mit der Hans-Dichand-Akademie und einer fundierten Aus- und Weiterbildung, einer wichtigen Investition in unsere Mitarbeiter, wird das besser gelingen.“

Walmart stellt Bitcoin-Automaten in 200 Filialen auf

Klopapier, Milch und Brot einkaufen – und vor dem Rausgehen Bitcoin ziehen: Walmart hat ein Pilotprojekt in den USA gestartet und in 200 Filialen Automaten aufgestellt, an denen sich Kunden die Kryptowährung besorgen können.

Die grünen Maschinen sehen aus wie ein Mix aus Geldautomat und Leergutannahme. Die Walmart-Kunden stecken Geldscheine in die Maschine und bekommen einen Voucher über Bitcoin.

Mit der Kooperation mit Coinstar, der die Bitcoin-Automaten entwickelt hat, zeigt der größte Einzelhändler der Welt erneut, dass er bei neuen Technologien weiter vorne mitspielen will. Der einst angestaubte Billigheimer hat sich in den vergangenen Jahren zu einem digitalen und innovativen Spieler gemausert, den auch Amazon ernst nehmen muss: Goldman Sachs hat die Aktie erst diese Woche auf seine „Überzeugungsliste“ für vielversprechende Unternehmen gesetzt. In den vergangenen vier Jahren hat sich der Aktienkurs verdoppelt.

Dieses Jahr will Walmart, das schon heute auf Platz zwei der US-Onlinehändler steht und damit Ebay überholt hat, 75 Milliarden Dollar im E-Commerce umsetzen. Walmart hat sein Onlinegeschäft geschickt mit seinen physischen Läden kombiniert, seine Plattform auch für Dritte angeboten und mit Walmart+ erfolgreich ein Premiumprogramm mit schnellen Lieferzeiten eingeführt. Gerade in der Coronapandemie konnte Walmart sich damit bestens behaupten, als andere Konkurrenten ihr Online- und Liefergeschäft erst aufbauen mussten.

Der Einzelhändler prescht auch beim autonomen Fahren vor: So hat sich Walmart im Frühjahr an der GM-Robotaxi-Tochter Cruise beteiligt und lässt als Pilotversuch fahrerlose Autos Einkäufe ausliefern. Erst im September hat Walmart zudem angekündigt, dass es auch mit den selbstfahrenden Autos von Ford und Argo AI kooperiert und Kunden in Miami, Washington D. C. und Austin beliefern will.

„Friends“-Schauspieler James Michael Tyler ist tot

Der US-Schauspieler James Michael Tyler, der in der Erfolgsserie „Friends“ den Kellner Gunther spielte, ist nach US-Medienberichten an Prostatakrebs gestorben. Er sei am 24.10. in seinem Haus in Los Angeles im Alter von 59 Jahren verstorben, wie sein Manager Toni Benson demnach mitteilte.

„Warner Bors. Television trauert um James Michael Tyler, einen geliebten Schauspieler und wichtigen Bestandteil unserer Friends-Familie“, hieß es auf dem Twitter-Account der Serie, die das Studio Warner Bros. Television produziert hatte. „Unsere Gedanken sind bei seiner Familie, seinen Freunden, Kollegen und Fans.“

In der 90er-Jahre-Hitserie „Friends“, in der sich alles um das Leben einer Gruppe junger Freunde in New York drehte, spielte Tyler unter anderem an der Seite von Jennifer Aniston. Er wirkte auch in den Serien „Scrubs – Die Anfänger“ und „Sabrina – Total Verhext!“ mit.

Tyler hatte seine Krebserkrankung im Juni öffentlich gemacht. Bereits im September 2018 sei bei ihm Prostata-Krebs diagnostiziert worden, der auch auf seine Knochen übergegangen sei, sagte Tyler damals dem US-Sender NBC. „Seit fast drei Jahren muss ich mit dieser Diagnose umgehen. Es ist jetzt im Endstadium. Wahrscheinlich wird es mich irgendwann kriegen.“

Kritik an ARD und ZDF – „Darf bei Antisemitismus keinen kulturellen Rabatt geben“

„Kulturelle Konflikte gemeinsam durchlaufen“: Eine interne WDR-Mail zum Umgang mit den Antisemitismus-Vorwürfen gegen Journalistin Nemi El-Hassan löst Irritationen aus. FDP und CDU kritisieren den Umgang der Öffentlich-Rechtlichen mit Judenhass in den eigenen Reihen.

Valerie Weber, WDR-Programmdirektorin für die Ressorts Wissen, Wirtschaft und Kultur, wurde das Fahrrad gestohlen. Wie sie sich mit dieser Verlusterfahrung mitten in der „Weltwirtschafts- und Lieferkettenkrise“ fühlt, teilte sie ihren „Kolleg:innen“ in einer E-Mail am 8. Oktober mit.

Doch Webers Fahrrad ist nicht das Brisante an dieser internen Hauspost, über die zunächst „Tichys Einblick“ berichtet hatte. Heikel sind vielmehr die Einlassungen, die die Programmdirektorin zur Causa Nemi El-Hassan macht.

El-Hassan war ursprünglich als Moderatorin für die WDR-Wissenschaftssendung „Quarks“ vorgesehen gewesen – ein Magazin zu Themen wie Klimawandel, Cannabis-Konsum oder alternativer Mobilität. Nachdem bekannt wurde, dass El-Hassan 2014 am antisemitischen Al-Kuds-Marsch in Berlin teilgenommen, sich in islamistischen Milieus bewegt und sich mit Israel-feindlichen Bewegungen solidarisiert hatte, hatte der Sender ihre Berufung zunächst gestoppt, um die „schwerwiegenden Vorwürfe“ gegen sie sorgfältig zu prüfen. Die 28-Jährige distanzierte sich nur in Teilen von ihrer Vergangenheit.

Aus Webers Sicht scheint das ausreichend. „Hinter den Kulissen sind wir mit der Kollegin weiterhin im direkten Austausch“, schrieb die Programmdirektorin in ihrer Mail: „Wir werden für die Zusammenarbeit jetzt erstmal die Pausetaste drücken, solange jede wissenschaftliche Arbeit für Quarks derart politisiert wird.“ Und: „Wer Quereinsteiger:innen eine Chance geben will und Diversität fördert, hat dann als potenzieller Arbeitgeber eine gewisse Fürsorgepflicht, kulturelle Konflikte auch gemeinsam zu durchlaufen.“

In der Sache bleibe der WDR dabei, El-Hassan „derzeit“ nicht als Moderatorin einzusetzen; 2022 werde man sich mit ihr über eine mögliche Zusammenarbeit als Autorin abstimmen. Klar sei: „Der WDR duldet keinerlei Form von Antisemitismus.“

Nur bleibt eben angesichts der Meinung der Programmdirektorin die Frage offen, wie der WDR ihn bekämpft. Felix Schotland, Vorstand der Synagogengemeinde Köln und in dieser Funktion ab Dezember auch Mitglied im Rundfunkrat des WDR, findet Webers Standpunkt schwer erträglich: „Es geht nicht um einen ,kulturellen‘ Konflikt, es geht um Antisemitismus“, sagt Schotland. „Der WDR wird doch gewiss einen anderen Weg finden, um Diversität zu fördern, als durch die Einstellung einer Journalistin, die hochproblematische Aspekte ihrer Biografie nicht erklären kann oder erklären will.“

Benjamin Strasser, Antisemitismusbeauftragter der FDP-Bundestagsfraktion, hat ebenfalls kein Verständnis für den erkennbaren Versuch des Senders, in der Causa El-Hassan abzuwarten, bis Gras über die Sache gewachsen ist. „Wir haben in diesem Land ein massives Problem mit Antisemitismus, der im Gewande der Israel-Kritik daherkommt“, sagt Strasser. Gerade die öffentlich-rechtlichen Medien müssten zur Aufklärung über die verschiedenen antisemitischen Bedrohungen beitragen. „Im Fall El-Hassan tun sie das Gegenteil und geben sich bewusst naiv.“

Indes hat das ZDF Schwierigkeiten zu begründen, warum es indirekt, über eine Produktionsfirma, eine Autorin beschäftigt, die in der Vergangenheit durch antisemitische und Israel-feindliche Äußerungen aufgefallen ist: Feyza-Yasmin Ayhan, Künstlername „Yasmin Poesy“, schreibt Witze für die Comedy-Serie „Barry’s Barbershop“. Der Sender ließ auf WELT-Anfrage lediglich wissen, „alle vom ZDF beauftragten Produktionen“ würden „redaktionell geprüft und inhaltlich abgenommen“.

Dem Vorsitzenden der Kurdischen Gemeinde und Präsidenten der Arbeitsgemeinschaft der Immigrantenverbände, Ali Ertan Toprak, ist diese Haltung zu entspannt. „Ich habe eine eindeutige Position dazu“, sagt der CDU-Politiker, der die Interessen von Migranten im ZDF-Fernsehrat vertritt. „Antisemitische Aktivistinnen haben im deutschen Fernsehen nichts zu suchen. Ich werde das auch bei der nächsten Sitzung des Fernsehrats sicherlich thematisieren.“

Genauso wie man es nicht bei rechten Aktivisten akzeptieren würde, dass sie in einem Format des öffentlich-rechtlichen Rundfunks „Teil des demokratischen Diskurses sind, dürfen wir solche Aktivistinnen nicht als Mitarbeiterinnen beschäftigen“.

Auch Christoph de Vries (CDU), Berichterstatter der Unionsfraktion für Religionsfragen, ist irritiert über den beitragsfinanzierten Rundfunk: „Wenn ich bedenke, was für Anstrengungen wir politisch unternehmen, um den Antisemitismus – der in unserer Gesellschaft leider auf dem Vormarsch ist – zu bekämpfen, dann verstehe ich schlicht nicht, wie sorglos ARD und ZDF bei ihrer Personalauswahl sind. Es darf bei der Bekämpfung des Antisemitismus keinen kulturellen Rabatt geben.“

Felix Klein, der Antisemitismusbeauftragte der Regierung, äußerte sich bereits vor einer Woche zur besonderen Verantwortung der öffentlich-rechtlichen Sender, wenn es um Israel-bezogenen Judenhass geht: Sie müssten darauf achten, Personen, die damit aufgefallen seien, „nicht in Positionen zu bringen, die sie zur Verbreitung von Judenhass nutzen könnten“.

Mathias Döpfner entschuldigt sich und räumt Fehler ein

Mathias Döpfner hat sich erneut in einem Video an die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von Axel Springer gewandt und darin über die aktuellen Vorfälle im Verlag gesprochen. In dem Video, über das „Medieninsider“ (€) berichtet und im Wortlaut veröffentlicht hat, schlägt der Springer-CEO einen ganz anderen Ton an als noch in einem ersten Video Mitte der Woche. Es tue ihm leid, was in den letzten Monaten vorgefallen sei, so Döpfner. „Ich bedauere zutiefst, was ihr alle erleben müsst – zuallererst und in besonderer Form die direkt Betroffenen des Fehlverhaltens ihres ehemaligen Chefredakteurs.“

Nach einem Compliance-Verfahren und einer vorübergehenden Freistellung im Frühjahr holte Döpfner „Bild“-Chefredakteur Julian Reichelt wieder an Bord. Anfang der Woche trennte man sich von ihm, nachdem das Investigativ-Team von Ippen herausgefunden hatte, dass Reichelt auch nach dem Verfahren noch eine Beziehung zu einer Mitarbeiterin führte. „Aus heutiger Sicht mit all dem, was wir heute wissen und was heute zweifelsfrei feststeht, hätten wir uns schon vor einem halben Jahr von Julian Reichelt trennen müssen“, sagt Döpfner nun. „Er hat uns belogen und wir haben uns belügen lassen.“ Das werfe er auch sich selbst vor.

Man habe zwar nach dem Abschluss des Compliance-Verfahrens gehandelt, das sei aus heutiger Sicht aber „unzureichend“ gewesen, räumt der Springer-Chef ein. Döpfner bedankt sich in seiner neuen Video-Ansprache an „bei all denen, die mit ihren Hinweisen zur Aufklärung beigetragen haben“. Vor wenigen Tagen klang das noch ganz anders. Als man den Rauswurf von Julian Reichelt kommunizierte, teilte man auch mit, rechtliche Schritte einleiten zu wollen. Und das gegen die Personen, die „die Compliance-Untersuchung vom Frühjahr mit rechtswidrigen Mitteln zu beeinflussen und zu instrumentalisieren, offenbar mit dem Ziel, Julian Reichelt aus dem Amt zu entfernen und ‚Bild‘ sowie Axel Springer zu schädigen“. In seinem ersten Video am Mittwoch sprach Döpfner von „Männern, die erkennbar das Vorgehen organisiert“ hätten.

Es machte den Eindruck, dass Döpfner nicht das Fehlverhalten von Führungskräften im eigenen Haus für problematisch hält, sondern die Tatsache, dass es öffentlich geworden ist. Heute die Kehrtwende: „Whistleblower sind für die Aufklärung von Fehlverhalten unverzichtbar“, wird der Springer-Chef bei „Medieninsider“ zitiert. In dem Video spricht Döpfner auch noch einmal über seinen fragwürdigen DDR-Vergleich. Der, und die Aussage, viele Journalisten seien zu Propaganda-Assistenten geworden, sei „reine, schärfste Ironie“ gewesen. Er sei froh, in einem „kraftvollen Rechtsstaat“ zu leben. Dennoch liebe er es, öffentlich etwas und im Privaten manchmal „sehr zuzuspitzen“, so Döpfner. Er habe durch seine Aussagen keine Kolleginnen oder Kollegen kritisieren wollen.

RTL plant TV-Sechsteiler über Geschichte des FC Bayern

Wie der FC Bayern zum Dauer-Abonnent auf die deutsche Fußballmeisterschaft wurde, wird RTL bald in einer aufwändigen TV-Serie erzählen. Zusammen mit UFA Fiction arbeitet der Fernsehsender an einer sechsteiligen Serie, die die Geschichte des Vereins in den 60ern und 70ern erzählen soll. Dabei wird aus der Sicht bekannter Fußballer des Vereins erzählt, wie das „RedaktionsNetzwerk Deutschland“ berichtet. Gerd Müller, Sepp Maier, Franz Beckenbauer, Paul Breitner und Uli Hoeneß sind die Protagonisten, die die Zuschauerinnen und Zuschauer in der Serie begleiten. In ihrer Zeit wandelte sich der zuvor eher mäßig erfolgreiche Verein zum Spitzenclub.

Gedreht werden soll das derzeit unter dem Arbeitstitel „Gute Freunde“ laufende Projekt im Frühjahr 2022. „Es ist einerseits eine klar deutsche Geschichte, aber sie kann um die Welt reisen, weil der FC Bayern ja weltweit populär ist“, sagte Henning Tewes, Geschäftsführer RTL Television und Co-Geschäftsleiter von RTL+, dem „RND“. Die eingespielten Autoren Hanno Hackfort, Richard Kropf und Bob Konrad, die etwas flapsig auch als „HaRiBo“ bekannt sind und unter anderem für das Serienformat „4 Blocks“ verantwortlich zeichneten, kümmern sich um die Drehbücher. Grundlage der Serie wird ein Sachbuch sein: „Gute Freunde: Die wahre Geschichte des FC Bayern München“ von Thomas Hüetlin.

Snapchat-CEO Spiegel: „Haben definitiv die Folgen für unsere Werbepartner unterschätzt“

Das Werbegeschäft der populären Foto-App Snapchat ist von Apples Maßnahmen für mehr Privatsphäre auf dem iPhone hart erwischt worden. Werbekunden könnten schlechter den Erfolg ihrer Anzeigenkampagnen messen, beklagte die Betreiberfirma Snap nach verfehlten Umsatzprognosen im vergangenen Quartal. Anleger setzten daraufhin zur Flucht aus der Aktie an: Snap verlor im nachbörslichen US-Handel am 21.10. binnen Minuten ein Viertel seines Werts.

Apple hatte im Sommer die Regel eingeführt, dass App-Entwickler die Nutzer ausdrücklich um Erlaubnis bitten müssen, wenn sie ihr Verhalten über verschiedene Anwendungen und Dienste hinweg zu Werbezwecken nachverfolgen wollen. Umfragen zufolge lehnen die meisten Nutzer das ab, dadurch geraten einige bisherige Werbemodelle ins Wanken.

Snap setzte in den vergangenen Jahren stark auf kleine Anzeigen, die Nutzer sofort zum Klicken animieren sollen – zum Beispiel Werbung für Apps, die man gleich installieren kann. Doch nach Einführung der neuen iPhone-Regeln könnten Entwickler zum Beispiel nicht mehr erkennen, ob ein Nutzer ihre App bereits hat, sagte Snap-Managerin Jeremi Gorman. Auch könnten sie nicht messen, wie schnell Nutzer auf die Anzeigen reagierten und wie lange sie sich diese anschauten. Von Apple zur Verfügung gestellte alternative Software-Werkzeuge hätten sich als unzuverlässig erwiesen, kritisierte Gorman.

Das Werbegeschäft von Snap wird auch von einer zweiten Seite in die Zange genommen: Diversen Unternehmen machen Engpässe in Lieferketten und am Arbeitsmarkt zu schaffen. „In vielen Fällen haben Unternehmen nicht genug Lagerbestände oder Kapazitäten, um eine höhere Nachfrage zu bedienen», sagte Gorman. Entsprechend wenig Interesse haben sie, zum üblicherweise brummenden Weihnachtsgeschäft Werbung für ihre Produkte zu schalten.

Beide Faktoren würden auf das laufende Quartal durchschlagen, warnte Snap. Im vergangenen Vierteljahr steigerte Snap zwar die Erlöse im Jahresvergleich um 57 Prozent auf rund 1,067 Milliarden Dollar (920 Mio Euro). Am Markt waren aber eher 1,1 Milliarden Dollar erwartet worden. Das untere Ende der eigenen Prognose von 1,07 Milliarden Dollar verfehlte das Unternehmen nur um drei Millionen Dollar, wie Snap-Chef Evan Spiegel betonte. Das alles half wenig: Auch nach Erläuterungen des Managements notierte die Aktie noch um mehr als 21 Prozent im Minus.

Spiegel bekräftigte dennoch, dass Apples Maßnahmen aus Sicht von Snap der richtige Weg seien. „Auf lange Sicht sind diese Veränderungen wirklich wichtig für die Gesundheit des Ökosystems.» Snaps Werkzeuge, mit denen die Effizienz von Anzeigenkampagnen gemessen wurde, seien aber „erblindet», sagte er. „Wir haben definitiv die Folgen für unsere Werbepartner unterschätzt», räumte Spiegel ein.

Verizon nach Gewinnsprung zuversichtlicher – Mehr Vertragskunden

Der US-Mobilfunkriese hat nach Zuwächsen im dritten Quartal seine Ziele für 2021 angehoben. Der Umsatz soll im Gesamtjahr nun um vier Prozent steigen und läge damit am oberen Ende der Spannbreite. Beim bereinigten Ergebnis je Aktie peilt der Vorstand 5,35 bis 5,40 Dollar an statt wie bislang 5,25 bis 5,35 Dollar. Im vergangenen Quartal profitierte Verizon von einem überraschend starken Zustrom an Vertragskunden und einer hohen Nachfrage nach den neuen 5G-Diensten. Der Nettogewinn schnellte um 45,5 Prozent auf 6,6 Milliarden Dollar, der Gewinn je Aktie legte auf 1,55 Dollar je Anteilsschein zu nach 1,05 Dollar vor Jahresfrist. Der Umsatz kletterte um 4,3 Prozent auf 32,9 Milliarden Dollar.

Rekord beim Medienkonsum: 13 Stunden pro Tag

Die Menschen in Deutschland chatten, mailen und schauen auch im zweiten Corona-Jahr so viel fern wie nie zuvor. Nach dem Rekord 2020 gibt es nun einen neuen Höchstwert, wie am Donnerstag aus einer Forsa-Umfrage unter 3000 Personen hervorgeht. Demnach verbringen die 14- bis 69-Jährigen rund 10,5 Stunden am Tag mit Massenmedien wie TV, Internet und Radio. Mit der Individualkommunikation – Telefonie, E-Mails und Messengers oder SMS – kommt man sogar auf 13 Stunden.

Das sind jeweils rund 20 Minuten mehr als vor einem Jahr, wie aus dem Media Activity Guide 2021 von der ProSiebenSat.1-Tochter Seven.One Entertainment und Discovery Deutschland hervorgeht. Nach wie vor entfällt der Großteil (37 Prozent) des Medienkonsums mit knapp vier Stunden auf das Fernsehen. Dieser Anteil blieb den Angaben zufolge stabil. Fernsehen dominiert somit weiter den Videomarkt und verzeichnet die größten Reichweiten. Mit großem Abstand folgt die Internetnutzung mit 2,5 Stunden, die erneut aufgrund von Onlinevideos steigt. Die durchschnittliche Nutzungsdauer beim Radio liegt bei 100 Minuten.

Trump will mit „Truth Social“ eigenes Online-Netzwerk aufbauen

Der ehemalige US-Präsident Donald Trump hat Pläne für ein eigenes Online-Netzwerk vorgestellt. Die Plattform „Truth Social“ werde im November als Testversion an den Start gehen, „um der Tyrannei von Big Tech die Stirn zu bieten“, erklärte Trump. Anfang nächsten Jahres werde dann die Vollversion der breiten Öffentlichkeit zur Verfügung stehen. Große Online-Netzwerke wie Twitter und Facebook hatten den Ex-Präsidenten Anfang des Jahres von ihren Plattformen verbannt.

„Wir leben in einer Welt, in der die Taliban eine große Präsenz auf Twitter haben, aber euer amerikanischer Lieblingspräsident wurde zum Schweigen gebracht“, führte Trump in einem Statement aus. „Das ist inakzeptabel.“

Er habe deshalb das Unternehmen Trump Media & Technology Group (TMTG) gegründet. Im ersten Quartal 2022 soll der Beta-Launch des Netzwerks vonstatten gehen. Im Apple Store könne man die App bereits vorbestellen. Trumps Sohn, Donald Trump Junior, sagte zu Fox News: „Die großen Technologiefirmen haben konservative Stimmen so lange unterdrückt.“ Sein Vater hätte diesen Schritt getan, damit alle auf der Plattform ihre Gefühle ausdrücken können.

Neben dem Online-Netzwerk soll TMTG auch einen Videodienst an den Start bringen. Trump will dort Unterhaltung, Nachrichten und Podcasts anbieten, alles „non woke“, wie es im Statement heißt. Von konservativen und rechtsextremen Gruppen wird „woke“ oft verwendet, um sarkastisch Ziele ihrer politischen Gegner abzuwerten. Ursprünglich wurde „woke“ als Begriff für ein ausgeprägtes politisches Bewusstsein zu etwa sozialer Ungleichheit verwendet.

Überraschung: BR-Programmdirektor Reinhard Scolik geht

Über die Gründe des Abgangs herrscht Unklarheit. Scolik kam 2016 zum Unternehmen, damals noch als Fernsehdirektor. Sein Vertrag war im vergangenen Jahr sogar noch verlängert worden. Damals hieß es, er soll bis 2024 in der Position tätig sein. Dann wäre er in den Ruhestand gegangen. Nun kommt doch alles ganz anders. Der BR wollte sich zu den Gründen des Abgangs nicht äußern. Es sei Stillschweigen vereinbart worden, erklärt ein Sprecher.

RTL und Amobee planen gemeinsames Werbe-Unternehmen

Für Deutschland erwartet RTL, dass die sogenannte Addressable-TV-Werbung bis 2025 auf mehr als 500 Millionen Euro Umsatz wächst – 200 Millionen will RTL beanspruchen.

Zur Stärkung des Geschäfts mit zielgerichteter Werbung im europäischen Fernsehen will die RTL Gruppe mit dem US-Werbespezialisten Amobee eine Gemeinschaftsfirma gründen. Die neue Gesellschaft mit dem Namen Techalliance solle das Angebot von Amobee und der RTL-Tochter Smartclip vereinen. Wenn die Behörden dem Vorhaben zustimmen, startet die Vermarktungs- und Servicegesellschaft im ersten Quartal 2022.

Die Techalliance will europäischen Fernsehsendern und Streamingdiensten die Möglichkeit geben, Werbung zielgerichteter an Zuschauer auszustrahlen. RTL-Chef Thomas Rabe verspricht laut Mitteilung eine hohe Reichweite und die Möglichkeit, das lineare Fernsehen mit digitaler Werbung zu kombinieren.

Den Angaben zufolge wird allein für Deutschland erwartet, dass die sogenannte Addressable-TV-Werbung bis 2025 auf mehr als 500 Millionen Euro Umsatz wächst. Davon will RTL Deutschland mehr als 200 Millionen Euro für sich beanspruchen, wobei das Unternehmen im vergangenen Jahr noch bei unter 15 Millionen Euro lag.

Flixbus übernimmt Greyhound

Flixmobility übernimmt den bekannten US-Busdienstleister Greyhound. Damit wird die Tochter Flixbus, die seit 2018 in den USA aktiv ist, auf einen Schlag zur Nummer eins im amerikanischen Fernbus-Markt. Flixmobility-CEO André Schwämmlein führt im Handelsblatt-Interview den „einzigartigen Markt“ sowie die Marke Greyhound, die bei Fahrgästen einen guten Ruf genieße, als Gründe für die Übernahme an.

Schwämmlein will potenzielle Kunden ansprechen, die bisher noch nie Bus gefahren sind: „Bus ist ein Wachstumsmarkt, davon sind wir überzeugt“. Für einen Börsengang sieht er aktuell jedoch „keine Notwendigkeit“ – auch wenn der Zukauf nun entsprechende Spekulationen befeuert.

Herr Schwämmlein, was interessiert Sie an Greyhound besonders: die bekannte Marke, die Flotte oder der Markt?

Der Charme des Deals liegt für uns in dem einzigartigen Markt, den Greyhound bedient und der unser Angebot in den USA gut ergänzt. Flixbus bedient die großen Hauptrouten, Greyhound fährt quer durch das ganze Land. Für viele Menschen in den USA sind die Busse von Greyhound häufig die einzige Möglichkeit zu reisen. Dazu kommt die Marke. Greyhound ist das Synonym für Bus und genießt bei den Fahrgästen einen guten Ruf.

Wie wollen Sie es schaffen, aus dem US-Fernbusgeschäft wieder eine Wachstumsstory zu machen?

Es geht darum, unsere Technologie smart zu nutzen. Wir können zum Beispiel potenzielle Kunden ansprechen, die bisher noch nie Bus gefahren sind. Das können wir, das haben wir in der Türkei gezeigt. Und auch in den USA sind fast die Hälfte unserer Kunden Menschen, die vorher noch nie Bus gefahren sind. Wir erschließen also Neukunden. Bus ist ein Wachstumsmarkt, davon sind wir überzeugt.

Was haben Sie mit der Marke Greyhound vor?

Greyhound ist die global bekannte Marke schlechthin in unserem Portfolio. Auch Flixbus ist mittlerweile eine starke Marke. Beide haben ihre Stärken, die müssen wir nutzen. Wir glauben, dass wir beide Marken für unsere Pläne brauchen werden.

Apropos Pläne: Werden Sie jetzt, wo Sie in den USA die Nummer eins sind, doch bald an die Börse gehen? Der Zukauf befeuert jedenfalls entsprechende Spekulationen.

Wir sind gut finanziert, das habe ich immer gesagt. Und wir haben ja jetzt gezeigt, dass wir das Geld der Investoren gut einsetzen. Es gibt für einen Börsengang aktuell also keine Notwendigkeit. Natürlich kann so eine Transaktion gut für die eigene Equity-Story sein. Aber dazu muss man nach so einer Übernahme auch erst einmal liefern. Und hier beginnt die Arbeit jetzt erst.

„Bild“ zurück im Abwärtstrend, „Zeit“ wieder mit Rekord

„Die Zeit“ und „Der Spiegel“ blieben wie schon bei den letzten IVW-Erhebungen auch im 3. Quartal wieder die großen Gewinner: Die Gesamt-Auflage der „Zeit“ lag 10,4 Prozent über dem Vorjahreswert bei rund 588.000, der „Spiegel“ legte um 6,3 Prozent auf knapp 696.000 zu. Bei beiden ist es aber nicht so, dass die Print-Auflage durch die Decke gehen würde, es sind die Digital-Abos, die hier voll in die Auflage mit eingerechnet werden. Bei der „Zeit“ liegt die Zahl der Digital-Abos um 46,7 Prozent über dem Vorjahr, beim „Spiegel“ um 51,7 Prozent. Insgesamt machen die Digital-Abos beim „Spiegel“ nun schon 30 Prozent der Gesamt-Abos aus.

Neben diesen beiden Titeln finden sich ansonsten nur zwei weitere Gewinner: Die „Landlust“, die ihre Auflage um 3,1 Prozent steigern konnte, sowie das Konglomerat aus Programmie-Billigheimern, zusammengefasst als „Nur TV Plus“. Dahinter verbergen sich neben „nur TV“ auch noch „TV Sudoku“ und „TV Clever“. Zusammen bringen sie es inzwischen auf die sehr stattliche Auflage von knapp 830.000 Exemplaren. Marktführer im Programmie-Bereich bleibt „TV 14“, dessen Auflage allerdings um 6,6 Prozent auf 1,66 Millionen sinkt. „TV Digital“ ist inzwischen kein Auflagen-Millionär mehr und liegt 7,8 Prozent im Minus bei rund 982.000 verkauften Exemplaren. Besondes stark ist der Abwärtstrend unter den größeren Titeln bei „TV Movie“ mit -10 Prozent.

„Bild“ konnte im 2. Quartal noch eine annähernd stabile Auflage vermelden, nachdem dort die Verkaufszahlen ja lange im freien Fall war. Zu verdanken war das aber auch einem Corona-Effekt: Im Jahr war das Minus überdurchschnittlich groß ausgefallen, weil im Lockdown deutlich weniger Leute am Kiosk eine „Bild“ mitnahmen, etwa auf dem Weg zur Arbeit. Diesmal ist das Auflagen-Minus bei „Bild“ mit -5,7 Prozent schon wieder spürbar, wenn auch noch nicht wieder so groß wie man das vor dem Corona-Effekt schon gewohnt war. Betrachtet man nur die harte Auflage, dann liegt das Minus sogar bei 8,5 Prozent, hier wackelt inzwischen die Millionen-Marke.

Einen Sondereffekt gibt es bei „Welt“ und „Welt am Sonntag“. Springer hatte hier ja das Angebot umgestellt, die „Welt“ ist nun dünner und erscheint nur noch montags bis freitags, die „Welt am Sonntag“ dafür zusätzlich schon samstags und sonntags nochmal mit einer aktualisierten Ausgabe. Bei der „WamS“ sorgt der zusätzliche Tag wie erwartet für eine steigende Auflage. Das Plus der verkauften Auflage liegt zwar bei überschaubaren 2,5 Prozent im Vergleich zum Vorjahr, betrachtet man nur die harte Auflage aus Abo und Einzelverkauf, dann ging’s aber sogar um 16,8 Prozent nach oben. Dabei sind es vor allem die Abos, die hier zulegten. „Die Welt“ verlor im Gegenzug deutlich im Abo-Bereich, was zu einem Rückgang bei der harten Auflage um 17 Prozent im Jahresvergleich führte, obwohl die Einzelverkäufe sogar deutlich anzogen – sie fallen mit 7.334 aber weiter kaum ins Gewicht. Die Gesamt-Auflage lag minimal über dem Vorjahreswert.

Während sich die „Landlust“ wieder auf Wachstumskurs befindet, gab es für das nur zweimonatlich erscheinende „Liebes Land“ aus dem Klambt-Verlag einen erstaunlichen Auflagen-Einbruch von 67,8 Prozent. Auch die „Land Idee“ verlor 8,1 Prozent ihrer Auflage, „Mein schöner Garten“, „Mein schönes Land“, „Wohnen & Garten“ oder „Schöner Wohnen“ verzeichneten größere Abschläge. Nachdem die Deutschen Lockdown-bedingt ja lange vor allem auf die eigenen vier Wände starrten, herrscht nun vielleicht auch einfach wieder etwas mehr Fernweh. Auch Boulevard-Titel wie „Freizeitwoche“, „Freizeit Revue“ und „Freizeitspass“ müssen diesmal größere Auflagen-Rückgänge hinnehmen.

SAP-Kerngeschäft verlagert sich in die Cloud

Der Softwareriese hat das Tempo bei der Verlagerung seines Kerngeschäfts in die Cloud erhöht. Die für die kommenden zwölf Monate vertraglich zugesicherten Clouderlöse mit dem Flaggschiffprodukt S/4Hana Cloud seien im dritten Quartal um währungsbereinigt 58 Prozent auf 1,28 Milliarden Euro gestiegen, wie der Walldorfer Dax-Konzern am Donnerstag mitteilte.

SAP bestätigte die am 12. Oktober veröffentlichten Quartalszahlen wie auch den an diesem Tag bereits zum dritten Mal in diesem Jahr angehobenen Ausblick.

10 Jahre ORF 3: Kultur- und Infospartensender soll weiter wachsen, Spezialprogramm zum Geburtstag

Am 26. Oktober 2011 um 14 Uhr startete der Kultur- und Informationsspartenkanal mit „ORF 3 – Ein Sender entsteht“ durch. Im Lauf der Zeit baute der von ORF-Generaldirektor Alexander Wrabetz in Auftrag gegebene und von ORF 3-Programmgeschäftsführer Peter Schöber konzipierte Kanal Eigenproduktionen als auch Kultur-Kooperationsvereinbarungen aus. Heute verfolgen täglich rund 900.000 Personen das Programm.

Der Auftrag an Schöber zur Konzipierung des Senders erging bereits 2009 und fiel damit in eine „besondere Zeit“, wie sich Wrabetz mit Verweis auf die Weltwirtschaftskrise und ein EU-Verfahren, das sich mit der Finanzierung des ORF beschäftigte, erinnerte. „Ich habe trotzdem gesagt, dass wir unser Programmangebot erweitern und einen 24-Stunden-Kultur- und Informationskanal etablieren. Es war nämlich klar, dass es der ORF mit nur zwei Vollprogrammen in einer immer heterogeneren Umgebung schwer haben wird.“

Ziel war es mit den vier Programmsäulen Lebens- und Volkskultur, Zeitgeschichte, Information sowie Kunst und Kultur einen Marktanteil von 1,5 Prozent zu erreichen. Mit 2,6 Prozent im Jahr 2020 und bisher 2,8 Prozent im laufenden Jahr habe man dies „deutlich übertroffen“, zeigte sich Wrabetz zufrieden. Dabei soll der Sender noch weiter wachsen: „Eine tägliche durchschnittliche Reichweite von einer Million Zuseherinnen und Zusehern ist in den nächsten ein bis zwei Jahren gut möglich. Beim Marktanteil sind demnächst drei Prozent realistisch.“

Der designierte ORF-Generaldirektor Roland Weißmann habe bereits zugesichert, dass auch er den Sender bei sich angesiedelt lassen will und der finanzielle Spielraum von ORF 3 graduell weiterentwickelt werde. Das ORF 3-Programmbudget wurde erst heuer um ein Drittel erhöht.

Als Konkurrenz zu Nachrichtensendern der Privaten solle ORF 3 nicht verstanden werden, setze man doch bewusst auf einen Mix aus Info und Kultur. „Wir haben eine Vormittagsschiene mit aktueller Information, und anschließend bieten wir Nachrichten, wenn wirklich was los ist“, so der ORF-Chef. Mit Besiedelung des neuen multimedialen Newsrooms am Küniglberg werde es noch einfacher, aktuelle Informationen für ORF 3 zuzuliefern, prophezeite Wrabetz. Derzeit setzt ORF 3 etwa auf die 2017 etablierte dreieinhalbstündige Live-Infostrecke „ORF 3 Aktuell“ sowie die Bundesland-Nachrichten „Österreich heute“.

Für den Nationalfeiertag am 26. Oktober und damit 10. Geburtstag von ORF 3 ist ein Spezialprogramm geplant. Um 20.15 Uhr richten ORF 3-Moderator Peter Fässlacher und Schauspieler und Regisseur Michael Schottenberg „Die perfekte Geburtstagsgala“ aus. Was im Anschluss um 21.05 Uhr gezeigt wird, entscheidet das Publikum. Denn dieses kann schon seit mehreren Tagen unter tv.orf.at/orf3 abstimmen, welche drei „ORF 3 Sternstunden“ es zum Wiedersehen geben soll. Bereits am Sonntag um 20.15 Uhr lässt auch „Erlebnis Bühne“ erinnerungswürdige Produktionen und Gespräche mit Künstlerinnen und Künstlern der Klassikwelt Revue passieren. Das ORF III-Magazin „Kultur Heute“ blickt noch bis Freitag auf zehn Jahre Senderbestehen zurück.

Für Herbst und Winter 2021 wurde ein Zusatzprogrammpaket realisiert, das Konzerthöhepunkte, mehr Kleinkunst-Produktionen oder auch Dokumentationen über regionale Lebenskultur und die (Zeit-)Geschichte Österreichs beinhaltet. Der neue Konzertfilm „The Great American Songbook mit Camilla Nylund“ feiert am 5. Dezember Premiere. Ende des Jahres porträtiert „Erbe Österreich“ in einem neuen Doku-Vierteiler „Habsburgs heimliche Herrscherinnen“. Bereits im November wird die diesjährige Nestroy-Preisverleihung live-zeitversetzt aus dem Theater an der Wien übertragen.

Höhepunkte für 2022 sind etwa das „Herbstgold“-Festival mit Stargeiger Julian Rachlin als neuem künstlerischen Leiter, von dem ORF 3 erstmals übertragen wird. Im Frühsommer steht der neue Doku-Zweiteiler „Rolando Villazón und Mozarts Menschen“ anlässlich des 50. Geburtstags Villazóns an. Im Kleinkunst- und Kabarettbereich warten etwa bis zu 20 Neuproduktionen aus dem Orpheum Graz auf das ORF III-Publikum.

Kaufinteresse von Paypal an Pinterest

Aktien der Fotoplattform Pinterest haben nach Berichten über das Kaufinteresse des Bezahldienstes Paypal einen Sprung nach oben gemacht. Zum US-Handelsschluss am Mittwoch gab es ein Plus von knapp 13 Prozent, im nachbörslichen Handel kamen weitere rund 0,7 Prozent hinzu.

Es sei derzeit offen, ob es zu einem Abschluss komme, auch könnten sich die Bedingungen noch ändern, hieß es einschränkend in den Berichten.

Pinterest fing an als Ort, an dem Nutzer Fotos aus dem Netz auf sogenannten Pinboards zu bestimmten Themen speichern können – zum Beispiel, wenn sie einen Urlaub planen oder ihr Zuhause umgestalten wollen. Inzwischen versteht sich Pinterest zudem als eine visuelle Suchmaschine, in der Software ähnliche Objekte identifizieren kann. Auf Basis dieser Fähigkeit will der Dienst auch verstärkt eine Rolle im Onlinehandel spielen – so dass man die Dinge, die man sieht, auch gleich kaufen könnte. Hier könnte ein Ansatzpunkt für Paypal liegen.

Zwei Gewinner der Pandemie

Paypal kommt derzeit auch durch den Boom beim Online-Shopping in der Corona-Pandemie auf eine Marktkapitalisierung von 320 Milliarden Dollar. Der Dienst war einst Teil der Online-Handelsplattform Ebay.

Pinterest gehörte im vergangenen Jahr zu den Gewinnern der Corona-Pandemie: Mehr Menschen nutzten die Lockdown-Zeit für die App. Mit dem Abbau der Corona-Beschränkungen sank die Nutzerzahl zu Beginn des Sommers wieder. Das Geschäft mit Werbung lief dennoch besser. Anfang des Jahres hatte es Übernahmegespräche mit Microsoft gegeben.

Snap-Aktien sacken ab

57 Prozent mehr Umsatz und zwei Drittel weniger Nettoverlust hat Snap im dritten Quartal 2021 erreicht. Erstmals setzt Snapchat mehr als eine Milliarde US-Dollar in einem Quartal um und hat über 300 Millionen tägliche Nutzer (DAUs). Ein schönes Geschenk zum zehnten Geburtstag des Kommunikationsdienstes?

Doch seit dem Frühjahr geht Apple gegen heimliches Nutzer-Tracking in Apps vor. Ab Version 14 gibt das Betriebssystem für iPhones (iOS) und iPads (iPadOS) den „Advertising Identifier“, der App-übergreifendes Tracking ermöglicht, nicht mehr so einfach heraus: Programme müssen eine Erlaubnis des Nutzers für das Tracking einholen, bevor sie den Advertising Identifier auslesen dürfen.

Nutzer können sich außerdem entscheiden, künftig nicht mehr ihren exakten Standort für Apps freizugeben, sondern nur eine grobe Angabe. Zudem lassen sich für Apps dann einzelne Fotos freigeben, statt diesen den Zugriff auf die gesamte Fotobibliothek einräumen zu müssen. Auch die heimliche Abfrage der Zwischenablage ist nun schwieriger. Benutzer werden ab iOS 14 auf das Auslesen hingewiesen. Neu ist außerdem, dass Apps auch für den Zugriff auf das lokale Netzwerk das Einverständnis der User einholen müssen.

Menschen wollen weniger Überwachung

Wie sich zeigt, sind immer weniger Nutzer bereit, sich für die kostengebührenfreie Nutzung eines Dienstes auf diese Weise überwachen zu lassen. Damit können Werbevermittler wie Snap bisweilen nicht mehr so genau nachvollziehen, welche Reklame welchen Verbraucher zu welcher Kaufentscheidung bewogen hat. Also fällt ein Teil der zuvor erhofften Werbeeinnahmen weg.

Snap-CEO Evan Spiegel versuchte Donnerstagabend, die Situation rosig darzustellen: Snapchat sei nun groß genug, um durch „signifikante Gegenwinde zu steuern, darunter Änderungen an der iOS-Plattform, die beeinträchtigen, wie Werbung adressiert, gemessen und optimiert wird.“ Auch für die weltweiten Probleme in Lieferketten und Arbeitskräftemangel bei Werbetreibenden sieht er Snap gerüstet.

Markus Wibmer laut „Kurier“ Büroleiter von Roland Weißmann

Ab 1. Jänner übernimmt Roland Weißmann die Führung des ORF. Seine engsten Mitarbeiterkreis stellt er offenbar gerade zusammen. Wie der „Kurier“ berichtet, übernimmt der bisherige Leiter der Pressestelle Fernsehen, Markus Wibmer den Job von Weißmanns Büroleiter zusammen mit Andreas Rechberg, der schon im Büro des scheidenden Generaldirektors, Alexander Wrabetz tätig war.

Buchmesse 21: Auftritt rechtsgerichteter Verlage erneut in der Diskussion

Rund um die Frankfurter Buchmesse 2021 ist es erneut zu Diskussionen um die Anwesenheit von rechtsgerichteten Verlagen gekommen: Die schwarze Autorin Jasmina Kuhnke hat ihre Teilnahme an der Messe abgesagt, eine Diskussionsrunde mit ihr sollte direkt neben dem Stand des Verlags Jungeuropa stattfinden. Jungeuropa-Verleger Philip Stein habe Kuhnke in der Vergangenheit mehrfach verbal angegriffen und deren Abschiebung gefordert, so Kuhnke in einem Statement auf Twitter. Daraufhin sagten auch andere Autorinnen und Autoren ihre Teilnahme ab.

Jetzt äußern sich auch die Frankfurter Buchmesse und der Börsenverein in einer gemeinsamen Pressemitteilung zu dem Thema: „Wir bedauern, dass einzelne Autor*innen ihre Auftritte auf der Frankfurter Buchmesse 2021 abgesagt haben. Ihre Stimmen gegen Rassismus und ihr Eintreten für Diversität werden auf der Frankfurter Buchmesse fehlen.“ Man grenze sich mit der eigenen Programmgestaltung deutlich von extremen Positionen ab, Meinungs- und Publikationsfreiheit stehe an erster Stelle.

Verlage, die sich im Rahmen der Rechtsordnung bewegen, dürften daher auch auf der Buchmesse ausstellen, „auch wenn [die Frankfurter Buchmesse und der Börsenverein] ihre Ansichten nicht teilen“. Das Verbot von Verlagen oder Verlagserzeugnissen obliege in Deutschland den Gerichten, und nicht einzelnen Akteuren wie der Frankfurter Buchmesse.

Abschließend berufen sich Messe und Börsenverein auf ihre „umfassendes Sicherheitskonzept“: „Die Sicherheit der Messe-Teilnehmer*innen hat für uns höchste Priorität.“

Telekomgesetz besiegelt Ende der Telefonzellen

Die kürzlich beschlossene Novelle des Telekomgesetzes bringt das endgültige Ende der Telefonzellen, berichtet der „Kurier“. In der Novelle kämen die Telefonhüttln schlicht nicht mehr vor. In den vergangenen zehn Jahren, also schon mitten im Handyboom, sei die Nutzung noch einmal um 97 Prozent zurückgegangen. Noch gibt es 11.000 Telefonzellen in Österreich, betrieben werden sie von A1.

Rückbau

„Es ist zu erwarten, dass die Telefonzellen nach und nach zurückgebaut werden. Viele stehen ungenutzt in ländlichen Gebieten, zwischen Kirche und Bank“, sagte Klaus Steinmaurer, Geschäftsführer der Rundfunk und Telekom Regulierungs-GmbH (RTR).

Genutzt werden sie laut A1 noch von Jugendlichen (wenn das Handyguthaben aufgebraucht ist), Handybesitzern mit leerem Akku, Menschen mit geringem Einkommen und sehr häufig von Touristen.

Netflix wächst wieder und vermeldet 214 Millionen Abos

Dank Serienhits wie „Money Heist“, „Sex Education“ und „Squid Game“ hat der Streaming-Marktführer Netflix im Sommer wieder ein verstärktes Nutzerwachstum verbucht. Im dritten Quartal legte die weltweite Anzahl der Abonnenten um 4,4 Millionen auf knapp 214 Millionen zu, wie das Unternehmen am Dienstag nach US-Börsenschluss im kalifornischen Los Gatos mitteilte. Damit übertraf Netflix die eigene Prognose von 3,5 Millionen neuen Kunden klar und lag auch über den Erwartungen der meisten Experten.

Auch die Finanzergebnisse konnten sich sehen lassen. Der Nettogewinn stieg in den drei Monaten bis Ende September verglichen mit dem Vorjahreswert um über 80 Prozent auf 1,45 Milliarden US-Dollar (1,25 Mrd Euro). Die Erlöse wuchsen um 16 Prozent auf 7,5 Milliarden US-Dollar. Nachdem die Pandemie die Produktion und das Nutzerwachstum in den Vorquartalen lahmgelegt hatte, verspricht Netflix zum Jahresende sein bislang stärkstes Angebot an Filmen und Serien. Der Streamingriese geht im Schlussquartal von rund 8,5 Millionen neuen Kunden aus.

Vor allem mit der südkoreanischen Serie „Squid Game“, die erst am 17. September anlief, hält Netflix derzeit einen großen Trumpf. Bereits vergangene Woche hatte das Unternehmen bekanntgegeben, dass das makabere und brutale Überlebensdrama die britische Serie „Bridgerton“ als bislang erfolgreichste Netflix-Produktion abgelöst habe. Nun verkündete der Streaming-Dienst, dass „Squid Game“ vier Wochen nach dem Start bereits von „unfassbaren“ 142 Millionen Nutzerkonten aus angeschaut worden und damit „unsere größte TV-Show jemals“ sei.

US-Repräsentantenhaus stimmt für Anklage gegen Steve Bannon

Das US-Repräsentantenhaus hat dafür gestimmt, den langjährigen Verbündeten von Ex-Präsident Donald Trump, Steve Bannon, anzuklagen. Bannon hatte sich zuvor geweigert, an der Aufarbeitung des Angriffs auf das US-Kapitol am 6. Januar mitzuwirken. Zu einer Vorladung des ermittelnden Ausschusses erschien er nicht. Die Abgeordneten wollen nun strafrechtliche Schritte wegen Missachtung des Parlaments einleiten.

Steve Bannon war bis 2017 Trumps Chefstratege. Ihm wurde in Zusammenhang mit einer Spendenaktion für den Bau der von Trump vorangetriebenen Grenzmauer zu Mexiko vorgeworfen, Geld abgezweigt zu haben. Der Ex-Präsident entließ Bannon daraufhin, begnadigte ihn allerdings im Januar 2021 wenige Stunden vor seinem Ausscheiden aus dem Amt. Bannon gehört zu den einflussreichsten Stimmen im ultrakonservativen Lager der US-Politik. Er ist Mitgründer der Internetplattform Breitbart.

Nach Meinung von Beobachtern dürfte eine strafrechtliche Verfolgung Bannons wegen Missachtung des Kongresses eher keine schwerwiegenden Folgen haben. Zwar drohen Haft und Geldstrafe – ein solches Verfahren dürfte sich aber über Jahre hinziehen und könnte aufgrund von Berufungen oder Freispruch ins Leere laufen.

Alec Baldwin erschießt Kamerafrau

Bei den Dreharbeiten für einen Western hat der Hauptdarsteller und Koproduzent Alec Baldwin eine Kamerafrau tödlich und den Regisseur und Drehbuchautor schwer verletzt. Sie „wurden angeschossen und verwundet, als Alec Baldwin eine Schusswaffe abfeuerte, die bei den Dreharbeiten zu dem Film ‚Rust‘ verwendet wurde“, erklärte die Polizei.

Per Notruf sei die Polizei zu dem Set gerufen worden. Die 42-jährige Halyna Hutchins wurde ins Krankenhaus geflogen, erlag jedoch ihren Verletzungen. Der 48-jährige Joel Souza, dessen Alter zunächst mit 42 Jahren angegeben worden war, sei im Krankenwagen zu einem anderen Krankenhaus gebracht worden, so die Polizei der Stadt Santa Fe im US-Bundesstaat New Mexico. Die Dreharbeiten fanden auf der Bonanza-Creek-Ranch statt.

Die Requisitenwaffe, die am Set verwendet wurde, hätte mit Platzpatronen geladen sein sollen. Die Ermittlungen wurden am Donnerstagabend mit der Befragung von Augenzeuginnen und -zeugen fortgesetzt. Unter anderem werde die Waffe untersucht und wie das Geschoß abgegeben wurde.

Nach Angaben der Polizei wurde noch keine strafrechtliche Untersuchung angeordnet. Das Sprecherteam von Baldwin reagierte nicht auf eine Anfrage. Der Schauspieler hatte am Tag vor dem Vorfall ein Foto von sich in Westernkleidung und mit grauem Bart auf Instagram gestellt.

Der 63-Jährige ist unter anderem für seine Hauptrolle in der Literaturverfilmung „Jagd auf Roter Oktober“ von 1990 und Auftritte in der Filmreihe „Mission: Impossible“ bekannt. Während der Amtszeit des früheren US-Präsidenten Donald Trump imitierte er den mittlerweile ehemaligen US-Präsidenten regelmäßig in der Sendung „Saturday Night Live“. Seit 2012 ist der Schauspieler mit Hilaria Baldwin verheiratet, sie haben sechs Kinder. Aus seiner Ehe mit der Schauspielerin Kim Basinger hat Baldwin Tochter Ireland.

Methodenstreit um ‚Sonntagsfrage‘

Ein Methodenstreit um die ‚Sonntagsfrage‘ hat zu einem Konflikt unter Meinungsforschern geführt. Der Branchenverband VdMI hat das OGM-Institut ausgeschlossen, weil es eine rein online durchgeführte Wahlumfrage (ohne zusätzliche telefonische Befragung) veröffentlicht hat. Während Präsidentin Edith Jaksch auf die 2019 erstellten Qualitätskriterien für Wahlumfragen pocht, zitiert OGM-Chef Wolfgang Bachmayer methodische Gründe für sein Vorgehen. Die Branche ist gespalten.

Die jüngsten Enthüllungen über mutmaßlich zugunsten der ÖVP manipulierte Meinungsumfragen haben die Aufmerksamkeit für das Zustandekommen von Wahlumfragen zuletzt wieder erhöht. Ein Thema ist das aber schon länger. Der Verband der Markt- und Meinungsforschungsunternehmen (VdMI) – einer von zwei Branchenverbänden – hatte sich schon 2017 Kriterien für Wahlumfragen gegeben. Sie sehen (neben Transparenz über Auftraggeber, Untersuchungszeitraum und Schwankungsbreite) auch eine Mindestanzahl von 800 Befragten und der Verzicht auf reine Onlinebefragungen vor. „Eine reine Onlinestichprobe kann kein repräsentatives Abbild der Wählerschaft geben“, heißt es in dem Kriterienkatalog.

Dennoch hat OGM am Wochenende im „Kurier“ eine ausschließlich online durchgeführte Wahlumfrage veröffentlicht. Wie mehrere Medien am Donnerstag berichteten, hat der VdMI-Vorstand das Institut daraufhin aus dem Verband ausgeschlossen. Ein Branchenverband müsse seine eigenen Standards ernst nehmen und bei Nichteinhaltung Konsequenzen ziehen. „Die Kriterien des Methoden-Mix beziehen sich auf eine Fragestellung, nämlich die Sonntagsfrage. Die Erhebung der Sonntagsfrage ist für kein Institut ein wirtschaftlicher Faktor. Aber die Sonntagsfrage steht bei den Qualitätskriterien zu Recht im Fokus“, betont Jaksch.

Institutschef Wolfgang Bachmayer verteidigt sein Vorgehen dagegen mit methodischen Gründen. „Wir haben auch ein eigenes Telefonstudio im Haus, wir haben keinen Grund zu sagen, Telefon ist schlecht“, betont Bachmayer gegenüber der APA. Telefonische Befragungen brächten aber ebenfalls Probleme mit sich – etwa die bei Handybefragungen nicht bekannte regionale Verteilung oder rechtliche Probleme bei der automatisierten Wahl von Zufallsnummern. Er habe den Methodenmix vor 16 Jahren selbst vorgeschlagen. Mittlerweile gebe es aber viele gute qualitative Gründe dafür, auf „online only“ umzusteigen. Zumal die OGM-Wahlumfrage 2017 die genaueste jemals von der Plattform Neuwal registrierte Prognose gewesen sei, und 2019 sei OGM ähnlich treffsicher gelegen.

IBM enttäuscht mit Quartalszahlen

IBM hat die Anleger mit seinen jüngsten Quartalszahlen enttäuscht. Die Aktie verlor im nachbörslichen Handel am Mittwoch zeitweise rund fünf Prozent. IBM meldete einen nur um 0,3 Prozent gestiegenen Umsatz bei 17,6 Milliarden Dollar. Zugleich betonte der Konzern, dass es ein Plus von 2,5 Prozent wäre, wenn man die Zahlen eines auf Infrastruktur fokussierten Teilbereichs rausrechnet, der im November unter dem Namen Kyndryl abgestoßen werden soll.

Unterm Strich fiel der Gewinn im Jahresvergleich um ein Drittel auf 1,1 Milliarden Dollar (940 Millionen Euro). Hier schlugen die Kosten der Trennung von Kyndryl mit 500 Millionen Dollar zu Buche.

In der Dienstleistungs- und Beratungssparte stieg der Umsatz im vergangenen Quartal um 11,6 Prozent auf 4,4 Milliarden Dollar. Der Bereich mit Cloud-Diensten und künstlicher Intelligenz steigerte die Erlöse um 2,5 Prozent auf 5,7 Milliarden Dollar. In der Sparte, zu der Hardware wie Server gehören, fiel der Umsatz um knapp zwölf Prozent auf 1,1 Milliarden Dollar.

Adobe prognostiziert Rekord-Online-Umsatz im Weihnachtsgeschäft

Die im Rahmen des Digital Economy Index aufgestellte Online-Shopping-Prognose von Adobe bietet einen Einblick in den US-amerikanischen und globalen E-Commerce durch die Analyse direkter Verbrauchertransaktionen im Internet. Die Daten lassen vermuten, dass der Umsatz der Weihnachtssaison 2021 in den USA die Rekordhöhe von 207 Milliarden US-Dollar erreichen wird, was einem Wachstum von 10 Prozent im Vergleich zu 2020 entspricht.

Weltweit werden die Online-Ausgaben voraussichtlich 910 Milliarden US-Dollar erreichen, womit ein Anstieg von 11 Prozent im Vergleich zum Vorjahr verzeichnet werden könnte.

Cyber Monday wichtigster Tag

Es wird erwartet, dass in der Cyber Week Online-Ausgaben in Höhe von 36 Milliarden US-Dollar getätigt werden – was 17 Prozent der gesamten Weihnachtssaison entspricht. Adobe geht davon aus, dass der Cyber Monday mit 11,3 Milliarden US-Dollar (+4 Prozent im Vergleich zum Vorjahr) der wichtigste Tag der Saison bleiben wird, während der Black Friday mit 9,5 Milliarden US-Dollar (+5 Prozent im Vergleich zum Vorjahr) und Thanksgiving mit 5,4 Milliarden US-Dollar (+6 Prozent im Vergleich zum Vorjahr) zu Buche schlagen werden.

Basierend auf den Daten von Adobe Analytics deckt die Analyse mehr als eine Milliarde Besuche auf US-Einzelhandelswebsites, 100 Millionen SKUs und 18 Produktkategorien ab, wobei die globalen Erkenntnisse auf Transaktionen in über 100 Ländern in drei Regionen basieren. Die globalen Views basieren auf Transaktionen in über 100 Ländern in Nord- und Südamerika, APAC und EMEA. Die Ergebnisse der begleitenden Umfrage basieren auf den Antworten von 1.012 US-Verbrauchern (über 18 Jahre), die zwischen dem 23. September und dem 1. Oktober befragt wurden.

MMC übernimmt Postproduktions-Spezialist Magic Eye

Die MMC Group Cologne übernimmt die ebenfalls in Köln beheimatete Magic Eye GmbH. Florian Peters übernimmt die Leitung der gesamten Post-Produktion der MMC-Gruppe.

Ein Stellenabbau ist mit der Übernahme nicht verbunden: Die MMC Group will alle Mitarbeiter von Magic Eye übernehmen und hält auch am bisherigen Büro am Kölner Neumarkt fest. „Der zentrale Standort der Magic Eye in der Innenstadt ist äußerst attraktiv und wir freuen uns, dass wir künftig neben unserem bekannten Gelände in Ossendorf auch ein zentrales Büro in bester City-Lage haben werden“, so Wolf, der von nun an gemeinsam mit MMC-Geschäftsführer Ilya Piontek die Geschäftsführung der Magic Eye verstärkt.

Software AG wächst beim Umsatz in Digitalsparte zweistellig

Die Software AG hat im dritten Quartal den Umsatz mit den eigenen Produkten klar steigern können und den operativen Gewinn nahezu stabil gehalten. Der Konzernumsatz inklusive Service-Dienstleistungen kletterte insgesamt um sieben Prozent auf 198 Millionen Euro.

Die wichtige Sparte Digital Business mit Software zur Integration von IT-Systemen konnte darunter um zehn Prozent auf 113,6 Millionen Euro zulegen. Weil aber wie bereits bekannt die Auftragseingänge in der Sparte nicht so stark ausgefallen waren wie erwartet, hatte das Unternehmen zu Wochenanfang seine Prognose für den erklärten Wachstumsbereich senken müssen, was die Aktie stark abrutschen ließ.