Frankreich holt Fußball ins Staatsfernsehen zurück

Frankreichs Fußballfans sind frustriert. Drei, vom kommenden Jahr an vier Rechteinhaber verkaufen ihnen die Spiele der französischen und europäischen Meisterschaften sowie der Champions League. Das kommt sie teuer zu stehen und ist kompliziert: Der führende Telekomanbieter Orange etwa weigert sich, die Programme des Rivalen „sfr“ aufzuschalten. Nur die Länderspiele werden im frei empfangbaren Privatfernsehen übertragen. Wenn Paris Saint-Germain gegen die europäischen Spitzenmannschaften antritt, sind in Frankreich manchmal weniger als eine Million Zuschauer vor dem Bildschirm dabei. In den öffentlich-rechtlichen Anstalten kommt Spitzenfußball nicht mehr vor: Ihnen war gerade noch der Liga-Cup verblieben, der eingestellt wird.

Diesen Notstand will der von Napoleon begründete Conseil d’Etat beheben. Seine Aufgabe ist es, die Regierung zu beraten, die ihn ihrerseits bei neuen Gesetzen konsultieren muss. Macron und sein Kulturminister Franck Riester sind dabei, die öffentlich-rechtlichen Sender zu reformieren. Der Präsident hatte sie nach Amtsantritt als „Schande der Republik“ bezeichnet, Riester sprach sich für ein komplettes Werbeverbot aus – seit Sarkozy dürfen sie nach zwanzig Uhr keine Spots mehr senden. Sparen müssen sie jetzt schon. Sie haben zwar die Rechte für die Olympischen Spiele 2024 in Paris erworben, sind aber kaum in der Lage, sie zu finanzieren. Verblieben sind ihnen die Tour de France und das Tennistournier Roland-Garros – für das sich Amazon interessiert.

In diesem Kontext muss man die eher überraschende Initiative des Conseil d’Etat verstehen. In einem Bericht „für eine ehrgeizige staatliche Sportpolitik“ macht er 21 Vorschläge. Zum Beispiel erwägt er die Aufhebung des Werbeverbots nach zwanzig Uhr rund um Sportübertragungen. Budgetminister Gérard Darmanin möchte das Werbeverbot ganz aufheben, auch wenn er deshalb mit dem Kollegen von der Kultur in Konflikt kommt: Zu Riesters Entsetzen hat Darmanin die Abschaffung der Gebühren versprochen, in einem ersten Schritt senkt er sie um einen Euro – pro Jahr.

Werbung für Sport soll es dem staatlichen Sender „France 2“ ermöglichen, die Rechte für die Nationalmannschaft zu bekommen. Die Übertragungen auf Europas größtem Privatsender „tf1“ sind nicht sehr bekömmlich, weil es zu viel Werbung gibt. So wird der Sport zur Speerspitze der Reform von France Télévision, mit der die Regierung die Quadratur des Kreises anstrebt: den Staat entlasten, den Wählern die Gebühren erlassen und ihnen gleichzeitig attraktivere Programme mit Spitzenfußball offerieren – auf Kosten der privaten Sender.

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