Empörung über „Back to black“-Ausgabe von „Elle“

Bei den Star-Wars-Filmen war wahrscheinlich irgendwann mal einer der Verantwortlichen so sensibel, zu bemerken, dass es bei Teilen des Publikums schlecht ankommen könnte, wenn das Böse im Film mit dem Adjektiv „schwarz“ versehen würde. Die Antagonisten im Star-Wars-Universum sind also auf der „Dunklen Seite der Macht“. Selbst wenn Yoda von der „schwarzen“ Seite gesprochen hätte, hätte er mindestens geäußert, dass die Bedrohung nicht gleichzusetzen sei mit schwarzen Menschen. Yoda war weise. Diese Gedanken hat man sich bei der deutschen Ausgabe der Frauenzeitschrift Elle nicht gemacht.

Die Novemberausgabe trägt den Titel „Back to Black“, in der Unterzeile heißt es „Schwarz ist wieder da: Unwiderstehlich“. Damit sind nicht nur Pumps und Hüte gemeint: Auf Seite 82 des Heftes sind sechs „Models of Colour“ abgebildet. Darüber die Worte: „Black is back“. Die reichlich absurde Botschaft: Schwarz ist angesagt – bei Klamotten und Hautfarbe. In dieser Saison.

„Auf alle Arten und Weisen zutiefst beleidigend“

Als wäre das nicht befremdlich genug, war eines der abgebildeten Models Naomi Chin Wing – nicht, wie es die Bildbeschreibung vermeldet, deren Kollegin Janaye Furman.

Das Ganze hat nach der Veröffentlichung in den sozialen Netzwerken international gewaltig für Wirbel gesorgt und der deutschen Elle eine Aufmerksamkeit verschafft, die sie seit Jahren nicht mehr hatte. Supermodel Naomi Campbell adressierte die deutsche Chefredakteurin Sabine Nedelchev in einem Instagram-Post direkt. Wenn man beim Heft Hilfe in Sachen Diversität brauche, so Campbell, so helfe sie gerne, der Vorfall sei „auf alle Arten und Weisen zutiefst beleidigend“, der Titel irritierend und missverständlich. „Ich habe schon unzählige Male gesagt, wir sind kein Trend“, schreibt Campbell.

Chefredakteurin Nedelchev veröffentlichte am Mittwoch eine Art Entschuldigung. „Es war falsch, die Coverzeile ,Back to Black‘ zu verwenden, die so missverstanden werden könnte, als seien schwarze Individuen eine Art Fashion-Trend. Das war nicht unsere Absicht und wir bedauern es, nicht sensibler mit den möglichen Interpretationsweisen umgegangen zu sein.“ Auch die Verwechslung des Models bedauert die Chefredakteurin in ihrem Statement, das mit der Bemerkung schließt, dies sei eine „Lernerfahrung“ gewesen.

Abgesehen von der Wirkung in der internationalen Öffentlichkeit bleibt abzuwarten, wie sich das Debakel dieser Lernerfahrung auf den Anzeigenverkauf des Blattes auswirkt. Der Valentino-Designer Pierpaolo Piccioli jedenfalls hat Naomi Campbells kritischen Instagram-Post zum Thema schon mal mit einem Herz versehen.

Sabine Nedelchev, seit 2002 Chefredakteurin, wird sich beim Münchner Burda-Verlag, der die deutsche Elle herausgibt, unbequemen Fragen stellen müssen. Ebenso unangenehm dürfte ihre missglückte Novemberausgabe bei der Hearst-Mediengruppe in New York auffallen, die die Lizenzen für Elle vergibt.

Zudem häufen sich seit der Veröffentlichung im Internet Anekdoten, in denen Menschen verletzt bis wütend von Begegnungen mit Sabine Nedelchev erzählen, die sich von der Chefredakteurin diskriminiert oder niedergemacht fühlen. Auf irritierende Weise stellt sich Nedelchev unterdessen selbst in der aktuellen Ausgabe ihres Heftes dar. Sie führt in einem Artikel wortreich aus, dass das Erkunden der eigenen „dunklen Seite“ der Schlüssel zum Glück sei und liefert eine gleißende Selbstbeschreibung. Sie sei „gern ein guter Mensch, lese Buddha, übe Yoga, meditiere, versuche Menschen mit liebenden Augen zu sehen.“ Sie gebe sich „Mühe, möglichst eine Freude“ für ihre Umwelt zu sein. Ein Freund habe ihr gesagt, sie sei ihm „fast ein bisschen zu heilig“, schreibt sie über sich selbst. Auf die Titelseite des Heftes „Back to Black“ hat die Chefin das dänische und ziemlich weiße Covermodel Gertrud Hegelund gesetzt. Als Schwarz-Weiß-Fotografie.

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