Der Smartphone-Boom ist passé – faltbare Smartphones dürften daran wenig ändern

Das Geschäft war scheinbar rund eine Dekade lang ein Selbstläufer. Mit der Einführung des iPhones durch Apple hatte 2007 eine vermeintlich ewig währende Smartphone-Bonanza eingesetzt; Jahr für Jahr konnten die Hersteller in der Folge den weltweiten Absatz ihrer Geräte steigern. Daraus auf paradiesische Zustände für die einzelnen Produzenten zu schliessen, wäre indessen ein Irrtum. Denn gerade das rasante Wachstum des Marktes machte diesen attraktiv für Newcomer.

Vor allem chinesische Anbieter wie Huawei, Xiaomi oder Oppo konnten sich mittlerweile beachtliche Stücke des Kuchens sichern. Sie profitieren zum einen von der gestiegenen Kaufkraft der technologie-affinen Bevölkerung in ihrem Heimmarkt. Zum anderen gelingt es ihnen, sich in wohlhabenden Ländern durch ein vorteilhaftes Preis-Leistungs-Verhältnis als Alternativen zu Apple, Samsung und Co. positionieren.
Kaum wahrgenommene Innovation

Der zunehmende Konkurrenzdruck befeuerte zwar stets den Innovationswettlauf unter den Anbietern. Doch zumindest aus der Perspektive der Smartphone-Nutzer hatten die Neuerungen lange zumeist inkrementellen Charakter. Das heisst: Grosse Würfe mag es auf technologischer Ebene zwar durchaus gegeben haben. Doch diese waren für die Konsumenten kaum als solche zu erkennen. Das war offenbar auch nicht unbedingt nötig: Die allermeisten Smartphones meisterten und meistern alltägliche Aufgaben zur Zufriedenheit der Kunden – und viel mehr scheint man gar nicht von ihnen zu verlangen.

Solange der Zustrom von Smartphone-Erstkäufern unter dem Strich für eine steigende Nachfrage sorgte, war die Genügsamkeit der Nutzer kein allzu grosse Problem für die Hersteller. Doch mittlerweile hat der Wind gedreht: Der Anteil der Smartphone-Neulinge unter den Käufern geht zurück; und jener der Käufer, die ihr altes durch eine neues Smartphone ersetzen, nimmt zu. Der Markt weist deutliche Anzeichen der Sättigung auf. So konnten 2018 erstmals weniger Smartphones abgesetzt werden als im Jahr zuvor.

Noch mehr Megapixel genügen nicht

Die Hersteller erscheinen dagegen etwas hilflos. Um die Konsumenten dazu zu bewegen, sich ein neues Smartphone zuzulegen, genügt eine Kamera mit noch mehr Megapixeln und etwas mehr Speicherplatz nicht aus. Gefragt ist eine stärkere Differenzierung. Und genau diese Überlegung dürfte hinter der Renaissance des Klapp-Handys stecken.

Anfang des Jahres sorgte Samsung mit dem «Galaxy Fold» für Aufsehen, das sich dank dem faltbaren Display zu einem Tablet aufklappen lässt. Fast zeitgleich hat auch Huawei ein Falt-Handy angekündigt. Das «Mate X» hat in zusammengefalteten Zustand einen Bildschirm auf der Vorder- sowie auf der Rückseite und wird nach aussen aufgeklappt.

Bei ersten Praxistests kam es beim Gerät von Samsung binnen weniger Tage zu schweren Defekten, weshalb die Markteinführung verschoben werden musste. Und das «Mate X» von Huawei wird entgegen den ursprünglichen Plänen zunächst nur in China verfügbar sein. Der Grund dafür ist, dass die US-Regierung Huawei auf eine schwarze Liste gesetzt hat. Seither dürfen auf den Geräten der chinesischen Firma keine Google-Dienste mehr vorinstalliert werden. Offenbar hält es Huawei unter diesen Umständen nicht für sinnvoll, sein Vorzeigemodell ausserhalb Chinas auf den Markt zu bringen.
Zu teuer für den Massenmarkt

Die Frage stellt sich, wie grosse das Potenzial abgesehen von solchen Schwierigkeiten ist. Die Marktforscher der amerikanischen Firma Gartner sind diesbezüglich wenig euphorisch. Sie gehen davon aus, dass 2023 weltweit nur rund 30 Millionen faltbare Geräte verkauft werden dürften. Zum Vergleich: Im gleichen Jahr sollen etwa 2 Milliarden Smartphones ausgeliefert werden. Der Marktanteil der Klapp-Handys läge demnach bei etwa 1,5%. Dass eine solche Stückzahl nicht ausreicht, um die mittlere Nutzungsdauer der Geräte wahrnehmbar zu drücken, liegt auf der Hand. Gartner geht im Gegenteil davon aus, dass diese sich im oberen Preissegment von derzeit 2,6 auf 2,8 Jahr verlängern wird.

Dass die Nachfrage nach faltbaren Smartphones in den kommenden fünf Jahren bescheiden bleiben dürfte, hat mehrere Gründe. Der offensichtlichste davon ist der Preis: Das «Galaxy Fold» von Samsung wird offenbar rund 2000 Franken kosten. Für das «Mate X» von Huawei müssen gar 2500 Franken auf den Tisch gelegt werden. Der Massenmarkt lässt sich mit solchen Preisen nicht erobern. Denn mit mit der gleichen Summe könnte man sich ein – nicht klappbares, aber leistungsfähigeres – Smartphone und ein Tablet zulegen.

Gleiche Wette aus verschiedenen Gründen

Die beiden Flaggschiffe von Samsung und Huawei dürften folglich Nischenprodukte bleiben. Mögliche Abnehmer könnten nebst technologie-begeisterten «early adopters» etwa zahlungskräftige Pendler sein, die nicht mehrere Geräte mitschleppen möchten – und nebenbei mit ihrem faltbaren Smartphones ihren sozialen Satus signalisieren können. Erst wenn die Preise fallen und sich die Technik im Alltag bewährt hat, ist mit einer breiten Nachfrage zu rechnen.

Ob die Hersteller mit ihren Falt-Smartphones auf das richtige Pferd gesetzt haben, wird sich erst in ein paar Jahren weisen. Auch wenn ein Erfolg alles andere als garantiert ist, hat es durchaus seine Logik, dass einige die Wette eingehen. Den einen Produzenten geht es wie Samsung: Sie müssen etwas riskieren, um nicht ins Hintertreffen zu geraten. Den anderen geht es wie Huawei vor der Eskalation des Konflikts mit den USA: Sie können etwas wagen, weil sie die finanziellen Mittel dafür haben.

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