Chatbot statt Museumsführer

Chatbots dienten bislang vor allem Unternehmen zur Beantwortung von Kundenanfragen oder zum Beschwerdemanagement. Doch da die Sprachgeneratoren inzwischen auch auf Methoden der Künstlichen Intelligenz basieren, eröffnen sich weitere Anwendungsfelder. Aktuell wird Chim zum dialogorientierten Begleiter für Besuche des Städel Museums in Frankfurt ausgebildet.

„Wer war die junge Frau auf dem Gemälde? Kannte der Maler sie persönlich? Waren die Frisuren der Frauen seiner Zeit tatsächlich so aufwendig?“ Das sind Fragen, mit denen Chim im Rahmen eines Forschungsprojektes gefüttert wird. Das Städel Museum fungiert dabei als Bildungspartner und bietet dem Projektleiter Linon Medien KG das Umfeld, in dem der Chatbot für seinen späteren Einsatz vorbereitet wird. Linon hat sich darauf spezialisiert, Museen bei der Entwicklung technischer Anwendungen zu unterstützten und das Forschungsprojekt beim Bundesministerium für Wissenschaft und Forschung eingeworben. Als Projektpartner hat die Agentur das Deutsche Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI) ins Boot geholt.

Der virtuelle Assistent soll lernen, die Fragen zu verstehen und zu beantworten, die den Besucherinnen und Besuchern beim Betrachten der Gemälde in den Sinn kommen. Das ist neu. Bisher spulen digitale Museums-Guides eher das Wissen der Kunstexperten ab. Auf einer eigens eingerichteten öffentlichen Website kann aktuell jeder 14 ausgewählte Werke betrachten und dazu seine Fragen eingeben. „Derzeit sind rund 1.800 sinnvolle Fragen eingegangen, die genutzt werden können“, sagt Oliver Gustke von Linon. Daneben erhält dieser Chatbot für seinen Lernprozess Infos aus den Audioguides und Katalogen des Museums sowie aus wissenschaftlichen Abhandlungen zu den Werken.

Das Städel-Museum hat den Vorteil, dass die digitale Sammlung schon gut verschlagwortet ist. Aus den vorhandenen Daten, die neben Titel, Künstler, Material, Maßen umfangreiche Informationen zur Objektgeschichte enthalten, generiert der Chatbot laut Stefan Schaffer vom DFKI selbstständig Antworten auf Fragen. Er nutzt dafür annotierte Inhalte, die verschlagwortet und kategorisiert wurden. „Bei den geschlossenen Fragen wird das vermutlich noch ganz gut klappen“, vermutet Schaffer. Schwieriger werde es bei offenen Fragen, wie zum Beispiel „Warum ist der Hund gelb?“

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