Ceská Televize unter Druck

Die öffentlich-rechtlichen Medienanstalten, die der Europäischen Rundfunkunion (EBU) angehörenden, sind sehr vielfältig und haben sich doch alle auf den gleichen Wertekanon und einen gemeinsamen Auftrag verpflichtet: die vielfältigen Meinungen, Kulturen und Gemeinschaften in ihren jeweiligen Ländern angemessen abzubilden. In einigen Ländern Europas gerät dieser Auftrag zunehmend unter Druck.

Jüngstes Beispiel ist die Tschechische Republik, wo der öffentlich-rechtliche Sender Ceská Televize (CT) zunehmend unter politischen Druck gerät. Wie Daten des Reuters Institute for the Study of Journalism in Oxford zeigen, ist CT der meistgenutzte Nachrichtenkanal in der Tschechischen Republik: Mehr als 60 Prozent der Tschechen nutzen den Dienst mindestens einmal pro Woche. Unter allen Nachrichtenkanälen genießt CT das größte Vertrauen. Dieses Vertrauen ist ein Beleg für die Unabhängigkeit, die Ceská Televize mit Blick auf seine Informationspflicht gezeigt hat. In den letzten Monaten ist allerdings erschreckend deutlich geworden, dass die tschechische Regierung versucht, genau diese Unabhängigkeit direkt und indirekt zu unterdrücken.

Ihr Ziel scheint zu sein, sich des allseits geschätzten Leiters des Fernsehsenders, Petr Dvorák, zu entledigen. Dvorák ist nicht nur Vizepräsident der EBU, sondern auch der erste Vertreter eines mittel- oder osteuropäischen Landes, der diese Position innehat. Ceská Televize hat sich in der Europäischen Rundfunkunion stets aktiv für deren Kernwerte eingesetzt, unter denen die Unabhängigkeit einen zentralen Stellenwert hat. Sie ist zudem in den Entschließungen des Europarates festgeschrieben. Der Rat empfiehlt dringend, Leitungsgremien zu wählen, die Sendeanstalten gegen politische Einflussnahme schützen.

Petr Dvorák musste sich dagegen erst kürzlich einem Misstrauensvotum stellen, das nur knapp zu seinen Gunsten ausfiel. Nach Ansicht der EBU ist dieser neuerliche Versuch, die Machtverhältnisse im tschechischen Fernsehrat zugunsten der Regierung zu verschieben, ein weiterer Versuch, Petr Dvorák aus dem Amt zu drängen und CT rechtzeitig vor Beginn der Kampagnen für die im Oktober anstehenden Abgeordnetenhauswahlen gefügig zu machen.

Über Einflussnahme besorgt

Auch das International Press Institute und andere Medienorganisationen haben ihre tiefe Besorgnis über die politische Einflussnahme und den wachsenden Druck auf Ceská Televize geäußert.

Mit den Anzeichen einer zunehmenden Politisierung des Leitungsgremiums von CT wächst jedoch auch der Widerstand des Rates gegen diese Einflussnahme in der Tschechischen Republik. Beim letzten Versuch der Regierung, ihren Willen gegenüber CT durchzusetzen, gingen die Menschen in Tschechien auf die Straßen. Angesichts der aktuell steigenden Covid-Zahlen lassen sich solche Proteste allerdings leicht auflösen.

Für die noch jungen Demokratien in Ländern, die ihrer Bevölkerung unter dem Einfluss der ehemaligen Sowjetunion über viele schwierige Jahre hinweg nicht die Wahrheit sagen durften, ist es überlebenswichtig, dass öffentlich-rechtliche Medienanstalten wie Ceská Televize unabhängig bleiben können. Diese Sender haben die Aufgabe, alle Menschen, die sich auf sie verlassen und ihnen vertrauen, zu informieren, zu bilden und zu unterhalten. Unsere Aufgabe ist es, sie dabei zu unterstützen.

Mehr als 1,2 Milliarden Streaming-Abos weltweit

Die Fachwelt geht nach jüngsten Zahlen von weltweit mehr als 1,2 Milliarden Nutzerkonten aus. So hat es der New Yorker Marktforscher LightShed Research errechnet. Darin sind allein die großen Anbieter mit Sitz in den USA eingerechnet, etwa Netflix, Amazon und Disney+. Regionale Streamingportale etwa in Deutschland kommen oben drauf.

Bereits Mitte März hatte der amerikanische Produzentenverband Motion Picture Association aus Washington gejubelt, dass 2020 die Milliardenmarke bei den Abos global erstmals überschritten worden sei. Das bedeutet ein Wachstum um 26 Prozent gegenüber dem Vorjahr.

Bei der wichtigsten Fernsehmesse der Welt, der MIPTV in Cannes, herrscht also Champagnerlaune. Die Geschäfte laufen besser denn je, auch wenn die MIPTV 2021 nur virtuell stattfindet.

Vor allem lokale Produktionen, die zugleich weltweit angeboten werden, boomen immer mehr. „Die Plattformen sind damit gestartet, aber die Fernsehsender und andere Markteilnehmer steigen ebenfalls mit ein“, betont Smith. Vor allem europäische Serien und Filme seien gefragt, darunter deutsche, französische, spanische und schwedische Produktionen: „Mit Inhalten, von denen man früher nicht gedacht hatte, dass sie international erfolgreich sein könnten.“

Wort & Bild Verlag erwirbt Fachzeitung ‚Pflege Management‘

Die Wort & Bild Verlagsgruppe aus Baierbrunn bei München übernimmt über ihre Tochtergesellschaft Isartal Health Media die Fachzeitung ‚Pflege Management‘. Der Titel ist nach eigener Aussage die auflagenstärkste Zeitung für Entscheider in der ambulanten und stationären Pflege. Verkäufer ist der Heider Verlag aus Bergisch Gladbach.

Im Rahmen eines Asset Deals gliedert sich der Titel in die Isartal Health Media ein, Druck und Distribution erfolgen weiterhin über den Heider Verlag. ‚Pflege Management‘ erscheint sechsmal pro Jahr in einer Druckauflage von 15.000 Exemplaren und berichtet über Entwicklungen im Pflegemarkt. Zielgruppe sind Entscheider in der ambulanten und stationären Pflege.

Ungarisches Staatsfernsehen greift „Profil“-Journalistin an

Das ungarische Staatsfernsehen hat in einem Beitrag seiner Hauptnachrichtensendung eine österreichische Journalistin namentlich attackiert. Franziska Tschinderle vom Wochenmagazin „Profil“ habe EU-Abgeordnete der ungarischen Regierungspartei Fidesz „mit Fragen provoziert“, hieß es.

In dem dreiminütigen Beitrag wurden mehrere Screenshots von E-Mails gezeigt, die die Journalistin an die Fidesz-Fraktion im Europaparlament geschickt hatte. Darin ging es unter anderem um das vor einer Woche erfolgte Treffen von Ungarns Ministerpräsident Viktor Orbán mit dem Chef der italienischen Partei Lega, Matteo Salvini, und Polens Regierungschef Mateusz Morawiecki bezüglich der Gründung einer neuen politischen Kooperation. Die rechtsnationale Fidesz hatte Anfang März nach längerer Suspendierung die Fraktion der Europäischen Volkspartei (EVP) verlassen.

Tschinderle hatte unter anderem gefragt, warum Vertreter des französischen Rassemblement National (RN) und der österreichischen FPÖ – die beide mit der Lega in der rechtspopulistischen ID-Fraktion des Europaparlaments sitzen – bei dem Treffen nicht anwesend waren. Der Moderator des TV-Beitrags kommentierte das mit den Worten: „Solche Fragen stellen nur Amateurjournalisten.“

Das ungarische Staatsfernsehen zitierte außerdem ungenannte Experten, „nach denen das Ziel ist, bereits im Voraus das sich formierende starke europäische christdemokratische Bündnis zu attackieren“. Die Fragen Tschinderles wurden von dem Moderator so interpretiert, dass wegen des Orbán-Salvini-Morawiecki-Treffens „die europäische linksliberale Presse eine beispiellose Attacke gestartet“ habe.

Netflix schließt Exklusivvertrag mit Sony Pictures

Der Flatrate-Videostreamingdienst Netflix und das Hollywoodstudio Sony Pictures haben eine Vereinbarung geschlossen, nach der Netflix in den USA ab 2022 die Filme von Sony Pictures als erster Videostreamingdienst zeigen darf – nach deren Auswertung im Kino und im Heimkino-Bereich (beispielsweise auf Blu-ray Disc und Ultra HD Blu-ray).

Für Filme, die Sony Pictures direkt als Streams anbieten will, soll Netflix ein Vorkaufsrecht eingeräumt bekommen haben. Greift der Dienst nicht zu, stünde es dem Studio allerdings frei, den Film anderweitig anzubieten. Die neue Vereinbarung löst einen Deal des Hollywoodstudios mit dem zu Lionsgate gehörenden US-Dienst „Starz“ aus dem Jahre 2005 ab.

Für Netflix ist die Vereinbarung nicht zuletzt deshalb wichtig, weil Hollywoodstudios wie Disney, Paramount und Warner mittlerweile in den USA – und teilweise weltweit – eigene Flatrate-Videostreamingdienste betreiben, über die sie ihre Filme jeweils exklusiv zeigen. In den vergangenen Jahren brachen Netflix damit mehr und mehr Lieferanten weg, was den Streamingdienst dazu zwang, den Anteil seiner Eigenproduktionen zu erhöhen.

Ex-US-Außenminister Pompeo wird Kommentator beim Sender Fox News

Der frühere US-Außenminister Mike Pompeo wird Kommentator bei dem konservativ geprägten Fernsehsender Fox News. Pompeo erklärte, er wolle den Zuschauern einen „offenen, sachlichen Blick“ auf die Geopolitik, die internationalen Beziehungen und die „America-First“-Politik geben, die zu beispiellosem Wohlstand und Sicherheit beigetragen hätten. Als Außenminister unter Präsident Donald Trump hatte sich Pompeo nach außen hin stets loyal zu dem 2020 abgewählten Präsidenten gezeigt und war einer der wenigen aus Trumps Ursprungsteam, der sich bis zum Schluss im Regierungsapparat hielt – erst als Direktor des Geheimdienstes CIA, dann als Chef-Diplomat.

Seit seinem Ausscheiden aus dem Außenamt hat Pompeo bei einer konservativen Denkfabrik, dem Hudson-Institut, angeheuert. Ihm werden Ambitionen nachgesagt, für die Republikaner als Präsidentschaftsbewerber bei der Wahl 2024 anzutreten.

Facebook testet Hotline

Die webbasierte Anwendung Hotline funktioniert wie eine Kombination aus Instagram Live und Clubhouse, da mit einem Publikum gesprochen wird und dann Fragen per Text oder Audio gestellt werden können. Im Gegensatz zu Clubhouse können Creator ihre Kameras jedoch für die Veranstaltung einschalten, anstatt nur Audio zu verwenden.

Fragen stellen per Chat

Der Vergleich zu Clubhouse liegt nahe, da seit dessen Veröffentlichung der Audio-Bereich boomt. Der entscheidende Unterschied ist aber, dass die Creator bzw. die Veranstalter auch ihre Videofunktion einschalten können. Außerdem ist es möglich, dass das Publikum Fragen per Chat oder Audio-Nachricht stellen können. Das Design von Hotline ähnelt ebenfalls bestehenden Plattformen, wie eben Clubhouse oder auch Twitter Spaces. Die aktivsten „Frager“ sind dann in der Liste der Teilnehmenden ganz oben, die Fragen können vom restlichen Publikum bewertet oder auch mit Emojis darauf reagiert werden. Die Veranstalter eines Rooms können unangebrachte Fragen auch löschen.

Mit einer Frage auf die Bühne

Die Anzahl an Teilnehmern in einem Raum sind nicht begrenzt. Ein weiterer wesentlicher Unterschied zu bestehenden Plattformen ist, dass die Frage-Steller auch auf die Bühne geholt werden können. Dies kann ein wesentlicher Beitrag sein, Diskussionen und Meinungsaustausch zu fördern. Ebenfalls neu ist bei Hotline, dass die Gespräche bzw. Diskussionen automatisch aufgezeichnet und am Ende an den Veranstalter übermittelt werden.

Journalist in Athen auf offener Straße erschossen

Ein griechischer Blogger und Journalist ist am 9.4. zu Mittag vor seinem Haus in Athen erschossen worden. Der in Griechenland als Polizeireporter bekannte Giorgos Karaivaz wurde mit sieben Schüssen niedergestreckt, wie griechische Medien unter Berufung auf Polizeikreise berichteten. Zwei Männer seien anschließend auf einem Motorrad geflüchtet, hieß es. Über die Hintergründe war zunächst nichts bekannt.

Gerätselt wird über die möglichen Hintergründe. Die „Vereinigung der Europajournalisten/Association of European Journalists“ (AEJ) verweist darauf, dass Karaivaz „ein Veteran der Kriminalberichterstattung“ gewesen sei, der für verschiedene griechische Zeitungen und Rundfunkanstalten gearbeitet hatte. Die Regierung habe eine Untersuchung der Tat angeordnet.

Die für Werte und Transparenz zuständige Vizepräsidentin der EU-Kommission, Vera Jourova, reagierte besorgt. Sie sei tief geschockt, schrieb die Tschechin auf Twitter. Ihre Gedanken seien bei Karaivaz‘ Familie und seinen Kollegen. Es müsse für Gerechtigkeit gesorgt und die Sicherheit von Journalisten garantiert werden.

Die Menschenrechtskommissarin des Europarats, Dunja Mijatović, forderte die Behörden auf, die Tat dringend und vollständig zu untersuchen und sicherzustellen, dass die Verantwortlichen zur Rechenschaft gezogen werden. Auf Twitter schrieb sie, die Tötung Karaivaz‘ sei eine tragische Erinnerung daran, dass Journalismus ein gefährlicher Beruf in Europa sei.

Die Ermordung des Journalisten am helllichten Tag in einer europäischen Stadt zeige, dass das Umfeld für investigative Journalisten in Europa aufgrund der zunehmenden Feindseligkeit gegenüber Medien gefährlicher geworden ist, betonte auch der AEJ. William Horsley, der Vertreter der AEJ für Medienfreiheit, forderte die griechischen Behörden dazu auf, „die Mörder von Giorgos Karaivaz vor Gericht zu stellen, um eine weitere Erosion des öffentlichen Vertrauens zu verhindern.“

„Herr der Ringe“-Verfilmung aus Russland wird Internet-Hit

Zur Freude von Fantasy-Fans hat das russische Fernsehen eine vor 30 Jahren ausgestrahlte und verloren geglaubte Verfilmung von John Tolkiens „Herr der Ringe“ veröffentlicht. Bei Youtube hatte der erste von zwei Teilen des Films „Chraniteli“ (Deutsch: „Beschützer“) am Samstag bereits mehr als 1,6 Millionen Aufrufe. Die am 13. und 14. April 1991 im sowjetischen TV gezeigte Fassung wurde im März wieder gefunden und digitalisiert, wie der Sender Pjaty Kanal (Kanal 5) mitteilte.

Die Autorin und Regisseurin der sowjetischen Fassung, Natalia Serebrjakowa, sagte russischen Medien zufolge, dass sie bereit sei, eine Fortsetzung zu drehen. Damals fand sie in Leningrader Theatern die Schauspieler, Kulissen und Kostüme für das weitgehend ohne Spezialeffekte, aber mit sichtlich großem Spaß verwirklichte Projekt. Andrej Romanow von der Rockgruppe Aquarium komponierte damals die Filmmusik und führte als Erzähler durch die Geschichte.

ZDF-Intendant gegen ARD-Fusion – „Kein markt- oder betriebswirtschaftlicher Sinn“

ZDF-Intendant Thomas Bellut hat Kritik an dem Vorschlag geäußert, die öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten in Deutschland zusammenzuführen. Dies sei wegen der unterschiedlichen Funktionen von ARD und ZDF gar nicht realisierbar, sagte Bellut. Das ZDF habe einen nationalen Auftrag, die ARD sei eine Arbeitsgemeinschaft aus wichtigen regionalen Sendern mit einem alle zwei Jahre wechselnden Vorsitz. Der Intendant sehe in einer Vereinigung „keinen markt- oder betriebswirtschaftlichen Sinn“.

Der Vorschlag, die Häuser von ARD und ZDF zusammenzulegen, wurde zuletzt immer wieder aufgegriffen, unlängst etwa von der Mittelstandsunion von CDU und CSU. Die Vereinigung von Mittelstandspolitikern hatte neben der Zusammenlegung von ARD und ZDF vorgeschlagen, das Unterhaltungs- und Sportprogrammangebot zu reduzieren und neue Leitungs- und Aufsichtsstrukturen zu etablieren.

Bellut befürchtet negative Auswirkungen auf die Mediendiversität infolge einer Fusion : „Ich bin ein klarer Befürworter eines Qualitätswettbewerbs der Hauptprogramme von ZDF und ARD“, so Bellut. Meinungsvielfalt müsse erhalten und dürfe nicht ohne Not beschränkt werden.

Der ZDF-Intendant nannte in dem Interview auch bestehende Kooperationen mit anderen Sendern. Sparen sei gut und wichtig, etwa durch eine Zusammenarbeit mit ARD-Anstalten wie beispielsweise dem Rundfunk Berlin-Brandenburg (RBB) bei der Produktion von „Morgenmagazin“ und „Mittagsmagazin“ in einem Studio.

„Wir sollten alle Möglichkeiten ausschöpfen, die Kosten in den Griff zu bekommen“, sagte Bellut, der im März 2022 als ZDF-Intendant aufhören und sich nicht für eine dritte Amtszeit bewerben wird.

Informationsfreiheit: APA lehnt staatliche Finanzkontrolle ab

Austria Presse Agentur warnt vor einer möglichen staatlichen Finanzkontrolle der Nachrichtenagentur und fordert im Begutachtungsverfahren zum Informationsfreiheitsgesetz deshalb eine Klarstellung durch die Regierung. Konkret geht es um die künftigen Prüfkompetenzen des Rechnungshofes. Unabhängige Medien, die mehrheitlich in privatem Besitz stehen, dürfen von einer Ausweitung der staatlichen Finanzkontrolle nicht betroffen sein, heißt es in der APA-Stellungnahme.

Die Prüfkompetenz des Rechnungshofes soll künftig bereits bei 25 Prozent Beteiligung von Bund, Land oder Gemeinden gelten. Bisher galt ein Schwellenwert von 50 Prozent. Dies könnte in der Praxis bedeuten, dass die seit 75 Jahren unabhängige Nachrichtenagentur APA aufgrund der Minderheitsbeteiligung des ORF unter staatliche Finanzaufsicht bzw. Finanzkontrolle gestellt wird. Eine solche Einbeziehung der APA in die Kontrolle des Rechnungshofes wäre „demokratie- und medienpolitisch äußerst bedenklich und systemwidrig sowie verfassungsrechtlich gar nicht zulässig“, so die APA-Geschäftsführer Clemens Pig und Karin Thiller.

Privatwirtschaftlich organisierte Genossenschaft

Die APA wurde am 1. September 1946 auf Initiative der Nachrichtenagenturen AP und Reuters als von Staat und Regierung unabhängige und privatwirtschaftlich organisierte Genossenschaft gegründet. AP und Reuters hatten sich nach dem Zweiten Weltkrieg dafür stark gemacht, dass in Deutschland, Österreich, Italien und Japan unabhängige Nachrichtenagenturen entstehen, die am „Free Flow of Information“ teilnehmen. Die APA befand sich zunächst im Eigentum der Tageszeitungen des Landes. Später kam der ORF mit Hörfunk (23 Prozent) und TV (22 Prozent) dazu. Der öffentlich-rechtliche Sender hält heute in Summe 45,6 Prozent der Anteile. Die Tageszeitungen besitzen mit rund 55 Prozent die Mehrheit der Anteile.

Die APA geht davon aus, dass eine Kontrolle der privaten Nachrichtenagentur durch den Rechnungshof nicht in der Absicht des Gesetzgebers liegt. Aus verfassungsrechtlicher Sicht wäre dies auch nicht begründet, halten Pig und Thiller unter Verweis auf ein für die APA erstelltes Gutachten des Salzburger Verfassungsrechtlers Walter Berka sowie die Rechtsexpertise des Anwalts Michael Pilz fest.

Zum einen würden durch eine staatliche Gebarungs- und Wirtschaftlichkeitskontrolle mehrheitlich privater Mediendienste grundrechtliche Garantien der Medienfreiheit verletzt. Zum anderen sei die in den 1980er-Jahren festgelegte Prüfung des ORF und seiner Beteiligungen ab 50 Prozent heute nicht einfach durch die Hintertür auf ORF-Minderheitsbeteiligungen erweiterbar, zumal der ORF kraft Verfassungsbestimmung einer Sonderzuständigkeit des Rechnungshofes unterliegt.

Mehrere Kaufnteressenten für RTL-Sendergruppe M6

Nach Informationen der Tageszeitung „Le Figaro“ stehen unter anderen die Bouygues-Gruppe mit dem Sender TF1 und der Vivendi-Konzern mit seinem Sender Canal+ auf der Kandidatenliste. De Tavernost versicherte, die Sendermarke M6 werde auch nach einer möglichen Veränderung im Besitzerkreis erhalten bleiben. „M6 wird nicht verschwinden“, sagte er.

M6 und Schwestersender wie W9 oder 6ter kommen laut „Le Figaro“ beim TV-Werbemarkt im Land zusammen auf einen Anteil von fast 27 Prozent. Zu der Gruppe gehört demnach auch der Radiosender RTL in Frankreich.

Neuer G+J-Chef Stephan Schäfer muss viele offene Fragen klären

Der Ausstieg von Julia Jäkel als CEO bei Gruner + Jahr kam überraschend. RTL-Inhaltechef Stephan Schäfer muss als neuer Chef beim Hamburger Magazinhaus jetzt rasch viele offene Punkte klären.

In der Belegschaft hinterlässt der abrupte Wechsel viele Fragen, vor allem bei der „Stern“-Redaktion. Nach den jüngsten Turbulenzen um die Berufung des „Capital“-Machers Horst von Buttlar in die Chefredaktion des „Stern“ sind die Mitarbeiter verunsichert, ob mit dem Rückzug von Julia Jäkel jetzt rasch auf der Verlags- und Redaktionsseite weitere Personalien folgen. Denn die 49-jährige Geschäftsfrau hatte Anfang 2019 ihren Kommunikationschef Frank Thomsen zum Verlagsgeschäftsführer des Wochenmagazins berufen. Zugleich ersetzte sie den langjährigen Chefredakteur Christian Krug durch eine Doppelspitze, Florian Gless und Anna-Beeke Gretemeier.

Daran soll sich aber nichts ändern. Der G+J-Chef Stephan Schäfer sei derzeit mit dem „Stern“-Führungsteam „sehr zufrieden“, erklärt eine G+J-Sprecherin. Dass er dem Verlagsgeschäftsführer Frank Thomsen und der Chefredaktion den Rücken stärkt, liegt offenbar an der wirtschaftlich guten Ertragslage der Blattes. „Der ‚Stern‘ ist wirtschaftlich stark durch das Corona-Jahr gekommen. Bei stabilem Umsatz legte das Ergebnis um 7,5 Prozent zu. Digital verzeichnete der ‚Stern‘ erneut ein Rekordjahr in Umsatz und Ergebnis. Und publizistisch hat der ‚Stern“ zuletzt mit verschiedenen größeren Aktionen Aufmerksamkeit erzielt, etwa der Pflegepetition“, sagt eine Verlagssprecherin.

Fusion von Redaktionsteilen

Fraglich ist aber, ob dies mehr ist als nur eine Momentaufnahme. Denn die Zukunft des Blattes bei G+J ist weiter ungewiss. Seit Wochen prüfen die Manager von RTL und G+J ergebnisoffen, ob beide Häuser verschmelzen sollen. Dabei machte Bertelsmann-Chef Thomas Rabe jüngst auf der Bilanzpressekonferenz deutlich, dass es RTL bei einer Übernahme vor allem auf die wachstumsstarken Teile des Hamburger Hauses abgesehen hat – wohl also auf den „Stern“ (MEEDIA berichtete). Der gebürtige Luxemburger hält es dabei auch theoretisch für denkbar, dass Redaktionen von RTL und G+J zusammengehen. „Das könnte ich mir in Einzelthemenbereichen sehr gut vorstellen.“ Käme es dazu, könnte sich aber auch die Führungsfrage des „Stern“ neu stellen.

Thomsen bleibt Kommunikationschef

Doch Schäfer hat derzeit noch weitere Punkte auf der Agenda. Dazu gehört, wer den Posten des Chief Digital Officer bekommen soll. Arne Wolter hatte sich entschieden, nach einer Übergabezeit im Laufe des Frühjahrs aus dem Unternehmen auszuscheiden. 20 Jahre hatte der Manager bei G+J gearbeitet und die digitale Transformation des Verlags maßgeblich vorangetrieben. Er führte auf den Portalen Bezahlmodelle für verschiedene Medienmarken ein, darunter dem „Stern“ und dem Wirtschaftsmagazin „Capital“. Auch den weltweiten Ausbau der AppLike-Gruppe trieb er voran.

Inzwischen bewegt sich der G+J-Digitalumsatz bei 37 Prozent, Tendenz weiter steigend. Wer auf Wolters Posten rücken soll, hat Schäfer aber noch nicht geklärt. „Nachfolgeregelungen werden wir dann rechtzeitig bekannt geben“, sagt eine G+J-Sprecherin.
Wer den wichtigen Job übernimmt, wird auch hier wohl die weitere Ausrichtung des Magazinhauses zeigen. Übernimmt RTL bestimmte Firmenteile oder Medienmarken des Hamburger Magazinhauses, könnte die Position auch von der Kölner Tochter RTL übernommen werden. Eins hat Stephan Schäfer als neuer G+J-CEO wohl schon entschieden. An Frank Thomsen als Kommunikationschef will der Geschäftsmann nicht rütteln.

Jäkel wird weiter im dpa-Aufsichtsrat aktiv sein

Ganz aus dem Mediengeschäft wird sich Julia Jäkel nicht zurückziehen. Sie wird weiterhin ihre Arbeit im Aufsichtsrat der Deutschen Presseagentur wahrnehmen: „Julia Jäkel ist als Person in den dpa-Aufsichtsrat aufgenommen worden“, sagt ein dpa-Sprecher auf MEEDIA-Anfrage. „Sie wird diese Funktion wahrnehmen. Dies ist mit dem Vorsitzenden des dpa-Aufsichtsrates David Brandstätter abgestimmt.“

Reporter ohne Grenzen setzt sich für Unabhängigkeit der APA ein

Die Austria Presse Agentur (APA) hat vor einer möglichen staatlichen Finanzkontrolle der Nachrichtenagentur gewarnt und im Begutachtungsverfahren zum Informationsfreiheitsgesetz eine Klarstellung durch die Regierung gefordert. Dabei geht es um mögliche, künftige Kompetenzen des Rechnungshofs. Unabhängige Medien dürfen von einer Ausweitung der staatlichen Finanzkontrolle nicht betroffen sein, fordert nun auch die Organisation Reporter ohne Grenzen (RSF). Österreich: „Die APA als Genossenschaft muss unabhängig bleiben. Auf keinen Fall darf es eine staatliche Kontrolle durch die Hintertür geben“, so RSF-Österreich-Präsidentin Rubina Möhring.

Bei einer Einbeziehung der APA in die Kontrolle des Rechnungshofs stehe zu befürchten, „dass damit die Politik ihre Einflusssphäre auf unabhängige Medien ausdehnt“. Möhring verweist dabei auf Ungarn: „Unter Ministerpräsident Orban wurde die nationale Nachrichtenagentur schließlich mit dem staatlich gewordenen Rundfunk und Fernsehen unter einem Dach fusioniert. Für Österreich gilt: Wehret den Anfängen!“

Egmont und Disney setzen Lizenzgeschäft fort

Die Verlage Egmont und Disney haben die seit 1948 bestehenden Disney-Lizenzrechte für Kindermagazine und Comics erneuert und erweitert. Das teilt Egmont Ehapa nun mit.

Zum Geschäft zählen unter anderem die sogenannten klassischen Standard Character-Comics aus der Welt von Entenhausen, einschließlich der Walt Disney-Taschenbücher sowie das „Micky Maus-Magazin“.

Der Vertrag enthält zudem die gedruckte und digitale Veröffentlichung der Disney-Franchise-Lizenzen für Kinderzeitschriften. Das Magazin-Portfolio umfasst weltweit führende Lizenzmarken wie „Die Eiskönigin“, „Disney Prinzessin“, „Winnie Puuh“, und „Disney Pixar Cars“.

Am Standort Berlin verlegt die Egmont Ehapa Media zahlreiche Disney Magazine und Comics für die Märkte Deutschland, Österreich und die Schweiz.

„Europäische Rundschau“ wurde digitalisiert

Die „Europäische Rundschau“, die 1973 gegründete und im Vorjahr aus Finanzgründen eingestellte Vierteljahreszeitschrift für Politik, Wirtschaft und Zeitgeschichte, ist ab sofort vollinhaltlich online in der Sammlung der historischen Zeitungen und Zeitschriften der Österreichischen Nationalbibliothek (Anno) verfügbar. Gründungschefredakteur Paul Lendvai begrüßt die Digitalisierung der Zeitschrift, die damit weiterhin von einem interessierten Publikum gelesen werden kann. Von 1990 bis 2006 war auch eine ungarische Ausgabe mit den wichtigsten Artikeln in Budapest erschienen.

Netflix stellt die TV-Branche Europas auf den Kopf

In „Lupin“ macht ein charmanter Meisterdieb das als Postkartenidyll inszenierte Paris unsicher. Die französische Netflix-Produktion avancierte in vielen Ländern schnell zur meistgesehene Serie des Streamingdienstes und in den USA immerhin zur erfolgreichsten französischsprachigen Produktion. Dieser Erfolg steht exemplarisch für die Strategie des US-Unternehmens – und dafür, wie es den europäischen TV-Sektor aufwirbelt, in den man enorme Summen investiert.

Nach Angaben des Unternehmens befinden sich in der EU derzeit rund hundert Filme und Serien in verschiedenen Produktionsstadien. Eigenständige Produktionsteams sind in Frankreich, Spanien, Deutschland und Italien angesiedelt. Allerdings hat das Unternehmen genau wie seine Konkurrenten Disney+ und Amazon Prime eigentlich keine Wahl: Seit 2018 schreibt eine EU-Richtlinie vor, dass die Plattformen ihren Abonnenten mindestens 30 Prozent europäische Inhalte anbieten und in lokale Produktionen investieren müssen.

Entstanden ist so ein Modell, das sich radikal vom alten Hollywood unterscheidet, dessen Produktionsfirmen ihre US-Blockbuster und -Serien ohne Interesse an lokalen Produktionen auf den Markt brachten. „Wir fragen uns wirklich ‚Okay, was ist eine Show, die in Frankreich riesig wird und die unsere französischen Kunden lieben werden? Oder in Deutschland?“, sagt Larry Tanz, der für die Originalprogramme von Netflix in Europa verantwortlich ist.

Tanz zufolge lassen sich die nicht englischsprachigen Filme und Serien dann häufig in zwei Kategorien einteilen: Solche mit hauptsächlich lokaler Reichweite wie im deutschsprachigen Raum etwa die Dramaserie „Dogs of Berlin“ – und solche, die international geschaut werden – zum Beispiel die mit dem Grimme-Preis ausgezeichnete deutsche Produktion „Dark“, das österreichische Format „Freud“ oder das spanische „Casa de Papel“.

Der belgischen Drehbuchautorin Sanne Nuyens bescherte diese Entwicklung einen Überraschungserfolg. Ihre Serie „Zimmer 108“, ein stimmungsvoller Fantasythriller produziert vom flämischen öffentlich-rechtlichen Sender VRT, erreichte bei Ausstrahlung auf Netflix international Millionen von Zuschauern. „Man schreibt eine Show für ein bestimmtes Publikum und wenn das Publikum größer wird, wenn es nicht nur Flandern oder Belgien ist, sondern auch Europa und die ganze Welt, dann ist das fantastisch“, erzählt sie.

Aber Qualitätsinhalte kosten Geld, was die Produktionsfirmen dazu zwingt, sich zusammenzuschließen. Elly Vervloet ist bei VRT verantwortlich für internationale Produktionen und damit an vorderster Front dieser neuen Dynamik. Im Rahmen des Verbandes Europäische Rundfunkunion hat sie eine Initiative geschaffen, die Gelder bündelt, um Sendern teure Projekte zu ermöglichen – und Netflix so die Stirn zu bieten.

Wenn die Koproduktion nicht klappt, sagt Vervloet, sei das US-Unternehmen dennoch ein „guter Partner“. „Aber man muss hart verhandeln“, etwa über Rechte und Branding. „Außerdem sind Inhalte, die an eine Plattform verkauft wurden, für andere öffentlich-rechtliche Sender weniger zugänglich, und das ist die Sorge auf europäischer Ebene.“

Hier bestehe dann doch eine Parallele zu Hollywood, sagt Jerome Dechesne vom Verband für europäische Filmschaffende (Cepi). „Netflix finanziert alles und behält am Ende den Löwenanteil.“ Allerdings lobt er das US-Unternehmen dafür, das „Oligopol“ der großen Sender wie der BBC oder Frankreichs TF1 gebrochen zu haben, die jahrzehntelang Europas Film- und TV-Sektor kontrollierten. Positiv sei auch, dass Netflix dem „Minderwertigkeitskomplex“ von Sendungen, die nicht auf Englisch produziert wurden, ein Ende gesetzt habe, sagt Dechesne.

Außerdem drängen die EU-Regeln die Plattformen dazu, nicht nur in eigene Inhalte, sondern auch kleine, unabhängige Produktionen zu investieren. Die Netflix-Blockbuster koexistieren also mit innovativen kleineren Inhalten – „das ist super interessant“, sagt Dechesne.

EU verurteilt „Schikanen“ gegen ausländische Journalisten in China

Die Europäische Union hat China der Schikane ausländischer Journalisten bezichtigt. Die EU habe den chinesischen Behörden „wiederholt ihre Besorgnis“ angesichts „unzulässiger Arbeitsbeschränkungen sowie berichteter Schikanen“ gegen ausländische Journalisten mitgeteilt, erklärte der EU-Außenbeauftragte Josep Borrell.

Auslandskorrespondenten spielten „eine wichtige Rolle“ bei der Vermittlung von Informationen über Grenzen hinweg und trügen zur „Stärkung des wechselseitigen Verständnisses zwischen der EU und China“ bei, betonte er.

Hintergrund von Borrells Äußerungen ist die Ausreise des BBC-Korrespondenten John Sudworth aus Festland-China. Sudworth und seine irische Frau, die ebenfalls als Journalistin arbeitet, waren nach eigenen Angaben nach einer „schonungslosen Propaganda-Attacke“ der chinesischen Behörden von Festland-China nach Taiwan gezogen. Sudworth, der neun Jahre lang aus Peking berichtet hatte, klagte über behördlichen Druck und einen drohenden Prozess wegen seiner Berichterstattung über Menschenrechtsverletzungen in der nordchinesischen Provinz Xinjiang.

„Dies ist der jüngste Fall eines ausländischen Korrespondenten, der als Ergebnis anhaltender Schikanen und Behinderung seiner Arbeit aus China vertrieben wurde“, erklärte Borrell, der auch an die Ausweisung von mindestens 18 ausländischen Korrespondenten aus der Volksrepublik im vergangenen Jahr erinnerte.

Chinesische Staatsmedien und Politiker hatten Sudworth wiederholt für seine Berichterstattung über Xinjiang angegriffen. Sudworth prangerte in seinen Artikeln vor allem Zwangsarbeit in der Baumwollindustrie in Xinjiang an. Menschenrechtsorganisationen kritisieren seit langem die Unterdrückung der muslimischen Uiguren in der Provinz.

Eine Sprecherin des chinesischen Außenministeriums warf der BBC vor, „von starker ideologischer Voreingenommenheit geprägte Falschnachrichten“ zu verbreiten. Sie bestritt jedoch, dass die Regierung in Peking die treibende Kraft hinter der juristischen Verfolgung Sudworths sei. Sudworth warf sie vor, das Land Hals über Kopf verlassen zu haben, statt seinen Namen reinzuwaschen.

Pressefreiheitsorganisationen beklagen zunehmend schwierige Arbeitsbedingungen für Journalisten in China. Demnach weiten die Behörden ihre Kontrolle über Journalisten immer weiter aus. Reporter geben an, dass ihnen auf der Straße gefolgt wird, sie im Internet belästigt werden oder die Behörden ihnen Visa verwehren.

10 Jahre Terra Mater: Mit Leonardo DiCaprio zum Welterfolg

In diesen Tagen feiert der kleine Privatsender ServusTV das Jubiläum seiner Senderreihe „Terra Mater“. Darin gibt es regelmäßig Natur- und Tierdokus zu sehen, die die Terra Mater Factual Studios, das Unternehmen hinter den Filmen, produzieren und in die ganze Welt verkaufen. Die Dokus haben lange maßgeblich dazu beigetragen, ServusTV ein gutes Image zu verschaffen. Die Filme sorgen aber auch für hohe Quoten, in Deutschland kam die Reihe im vergangenen Jahr auf durchschnittlich 0,6 Prozent Marktanteil beim Gesamtpublikum (14-49: 0,4 Prozent), in Österreich waren es sogar 3,9 Prozent (12-49: 2,4 Prozent). In allen Fällen liegt „Terra Mater“ damit weit über den Durchschnittswerten von ServusTV.

„Terra Mater“ ist aber mehr als nur eine visuell hochwertig produzierte Senderreihe mit Feelgood-Dokus über süße Eisbären, Katzen oder die Alpen. Die Terra Mater Factual Studios sind Anfang 2011 als 100-prozentige Tochter von Red Bull gegründet worden und produzieren auch Dokumentarfilme für das Kino. Dort geht es dann weniger friedlich zu. In „The Ivory Game“ etwa ist das Thema der Elfenbein-Schmuggel in Ostafrika. In „Sea of Shadows“ geht es darum, wie mexikanische Drogenkartelle und die chinesische Mafia einen seltenen Fisch im Golf von Kalifornien wildern und damit den kleinsten Wal der Welt ausrotten.

Man wolle bei diesen Kinofilmen von Anfang an für einen „politischen Impact“ sorgen, sagt Walter Köhler im Gespräch mit DWDL.de. Er ist Geschäftsführer der Terra Mater Factual Studios und hatte das Unternehmen 2011 unter dem Dach von Red Bull gegründet. In den beiden genannten Fällen ist ihm das auch gelungen: Der legale Markt für Elfenbein in China ist mittlerweile verboten worden – auch dank „The Ivory Game“. Und die Allianz zwischen mexikanischen Drogenkartellen und chinesischer Mafia sei durch den politischen Druck von „Sea of Shadows“ inzwischen weitgehend gebrochen, sagt Köhler.

„Ungefährlich ist es nicht“

Doch mit den investigativen Dokus macht sich das Unternehmen nicht nur Freunde. Für den Dreh in Mexiko habe man erstmals ein Risikotraining für die gesamte Mannschaft durchgeführt, den Dreh brach man dann aber doch vorzeitig ab. So musste man innerhalb von zwei Stunden das Land verlassen, weil die Drohungen der Kartelle zu stark wurden. „Das war nicht mehr zu verantworten“, sagt Köhler, der über die Dreharbeiten zu solchen Dokus auch folgenden Satz sagt: „Ungefährlich ist es nicht.“ Aktuell steht ein IMAX-Dokufilm über das Arctic National Wildlife Refuge vor der Weltpremiere. Die Trump-Administration wollte dort im letzten Moment große Ölreserven anbohren. Mit der Champion Foundation sammelte man daraufhin 6,5 Millionen Unterschriften gegen dieses Vorhaben, der aktuelle US-Präsident Joe Biden hat das Bohrprojekt mittlerweile gestoppt.

Im Verlauf der Zeit haben die Terra Mater Factual Studios viele Preise gewonnen. Von Emmys über den Sundance Audience Award bis hin zu den Jackson Wild Media Awards und den Goldenen Pandas von Wildscreen, die beide als Oscars des Naturfilms gelten, war alles dabei. Mit „The Ivory Game“ schaffte man es sogar auf die Shortlist des traditionellen Oscars. In der weltweiten Wahrnehmung der Filme hat sicherlich auch geholfen, dass Leonardo DiCaprio hier und da seine Finger mit im Spiel hatte. Bei „The Ivory Game“ etwa habe er im Marketing unterstützt, weil ihm das Thema am Herzen gelegen sei, sagt Walter Köhler gegenüber DWDL.de.

Und auch bei „Sea of Shadows“ saß der US-Schauspieler mit im Boot. Das Thema hatten Köhler und sein Team gar nicht auf dem Schirm, bis DiCaprio anrief und ihn darauf aufmerksam machte, sagt der Chef der Produktionsfirma. Köhler musste danach nicht lange überlegen. Er schickte ein Team los und die Dreharbeiten begannen. DiCaprio begleitete erneut das Marketing, insbesondere in den USA, sodass auch dieser Film ein weltweiter Erfolg wurde. Dass der US-Schauspieler aus Sicherheitsgründen wohl eher nicht mehr öffentlichkeitswirksam nach Mexiko reist, ist ebenfalls dem Film und seinen Auswirkungen geschuldet.

Vom ORF ging es rüber zu Red Bull

Dass die Terra Mater Factual Studios heute zu den Großen des Dokufilm-Business gehören, war vor zehn Jahren längst keine ausgemachte Sache. Köhler leitete damals die „Universum“-Redaktion im ORF und wollte schon zu dieser Zeit eine Subfirma für Naturfilme gründen, doch das gelang unter dem Dach der öffentlich-rechtlichen Anstalt aus mehreren Gründen nicht. Und so zog Köhler mit dem gesamten „Universum“-Team zu Red Bull und baute etwas völlig Neues auf. „Wir haben uns immer schon mehr als Produzenten gesehen und weniger als Fernsehredakteure“, sagt Köhler heute.

Bei Red Bull selbst habe er keine Bedenken gehabt, sagt Köhler. Nun ist das vor allem als Hersteller eines Energydrinks bekannte Unternehmen weder berühmt noch berüchtigt für sein Engagement in Sachen Natur- und Umweltschutz. So unterhält man unter anderem ja auch einen eigenen Formel-1-Rennstall. Er, sagt Köhler, habe aber schon früh gewusst, das Red Bull in Sachen Umwelt zumindest bei der Produktion der Getränke-Dose weit vorne mit dabei sei. „Mir war klar, dass der Markt bei der Meldung nicht ganz ruhig bleibt. Aber ich wusste auch, dass wir mit keinen Nachteilen zu rechnen hatten.“ Bleibt die Frage, wie viel Einfluss der Mutterkonzern auf die Terra Mater Factual Studios hat? Bei ServusTV soll Red-Bull-Boss Dietrich Mateschitz ja immer wieder mitreden, hört man. „Eine Einflussnahme gibt es nicht. Was es gibt, sind immer wieder Gespräche, die ich nicht missen will“, sagt Walter Köhler gegenüber DWDL.de.
Immer mehr fiktionale Stoffe

Seit dem Start vor zehn Jahren – in der Zeit ist das Unternehmen von 13 auf 40 feste Mitarbeiter angewachsen – gibt es aber auch immer vereinzelte Fiction-Projekte der Terra Mater Factual Studios. Vier solcher Produktionen habe man seither in die Kinos gebracht. Einige davon sind naturnah, andere weniger. Das 2016 erschienene Drama „Wie Brüder im Wind“ war der erfolgreichste österreichische Film im Jahr 2016. Aktuell arbeite man an einer Serie über Wildlife-Crime und an zwei Spielfilmen mit Naturthemen. Und dann hatte man zuletzt ja auch noch die Verfilmung des Bestsellers „Hummeldumm“ angekündigt (DWDL.de berichtete). In dem Buch von Tommy Jaud geht es um eine neunköpfige Reisegruppe, die eine vierzehntägige Rundreise durch Namibia unternimmt. „Das bietet eine große Möglichkeit, die Menschen über den Weg der Komödie für Naturschutz zu begeistern“, sagt Köhler im Hinblick auf die Verfilmung.

Die Ideen für fiktionale Stoffe dürften Köhler so schnell wohl nicht ausgehen. Man wisse durch die Recherchen zu den Dokus teilweise sehr vieles, das man nicht zeigen könne. Weil das Risiko groß sei, könne man diese Geschichten nur fiktional erzählen. „Und weil wir auf fiktionalem Weg auch Publikum für die Sache des Naturschutzes begeistern können, die nicht typische Doku-Konsumenten sind.“ Der Start der fiktionalen Projekte verlief vor einigen Jahren aber nicht ohne Probleme. Als das Unternehmen 2011 an den Start ging, war der DVD-Markt noch intakt – und damit eine wichtige Refinanzierungsquelle für viele Kinofilme. Heute sieht das durch die vielen Streaminganbieter ganz anders aus. Aber Terra Mater Factual Studios hat sich auch hier behauptet, natürlich immer mit einem finanzstarken Investor im Rücken.

Und dann wäre da ja auch noch dieses eine Thema, über das man heutzutage mit jedem Produzenten sprechen muss, denn es hat große Auswirkungen auf so ziemlich alles: Corona. Die Pandemie trifft Naturfilmer hart, die es ja gewohnt sind, das ganze Jahr zu reisen und überall auf der Welt zu drehen. Deshalb mache ihn Corona auch nicht sonderlich glücklich, sagt Köhler im Gespräch mit DWDL.de. Aber: „Glücklicherweise sind die Auswirkungen durch Corona auf unser Unternehmen nicht so groß, wie man annehmen könnte.“ So habe man schon früh damit begonnen, mit lokalen Crews vor Ort zu produzieren. Außerdem seien die Projekte des Unternehmens meist sowieso sehr langwierig in der Produktion. So habe es auch in der Vergangenheit Unterbrechungen gegeben, etwa durch Wetterumschwünge. Die Kundschaft ist Verzögerungen also eher gewohnt als ein Sender, der all seine Formate nur im Studio produziert.

Aber natürlich hat Corona auch bei Terra Mater Factual Studios seine Spuren hinterlassen. So musste man die Arbeiten an zwei großen Dokumentarfilmen vorübergehend einstellen, weil man beispielsweise nicht nach Russland reisen konnte. In einem anderen Fall musste Walter Köhler ein Team aus Indien evakuieren. Das Equipment kam erst ein halbes Jahr später zurück nach Wien, hier hat das Unternehmen seinen Hauptsitz. Mit „Corona, die Pandemie und das Pangolin“ hat man aber auch eine Doku aus dem Lockdown heraus umgesetzt. Genauso wie wöchentlich neue Videos für den Youtube Channel „Terra Mater“, der in den letzten Monaten auf mehr als 200.000 Abonnenten gewachsen ist und der laut Köhler bei zuletzt rund 20 Millionen Views im Monat lag. Dennoch sei die Pandemie „kein Geschäft“, sagt Köhler – übrigens ebenso wenig wie der Klimawandel.

„Wir profitieren nicht vom Klimawandel“, so Köhler. Er mache den Job seit 35 Jahren und der Klimawandel sei immer Thema gewesen. Dennoch seien die Unwägbarkeiten in den letzten Jahren größer geworden. Was er damit meint? Im Dezember ist man mit einer zweiteiligen Alpengeschichte fertig geworden – der Weg dorthin war aber äußerst mühsam. „Das war eine der schwierigsten Produktionen, die wir jemals hatten“, sagt Köhler. Zwei Jahre zuvor lag in den Alpen der Schnee zwölf Meter hoch, deshalb war ein Dreh nicht möglich. Ein Jahr später war der Schnee weg und kam auch nicht wieder – auch hier musste man die geplanten Drehs absagen.
Deutschland als wichtigster Markt der Welt

Den deutschen Markt bezeichnet der Naturfilm-Produzent übrigens als den „mit Abstand wichtigsten auf der Welt“. Ohne die USA oder Deutschland an Bord könne man einen großen Naturfilm „kaum umsetzen“. Köhler: „Meistens müssen beide Länder mit dabei sein.“ Doch warum ist Deutschland so wichtig? Walter Köhler führt das auf das hohe Interesse der deutschen Zuschauer an entsprechenden Inhalten zurück. Und dann muss es natürlich auch Abnehmer geben, die sich das „Schmuckstück“ Naturfilm leisten wollen und können. Mit Unwägbarkeiten und Drehzeiten zwischen 100 und 200 Tagen ist es eher eine der teureren Disziplinen in der Branche. Da zahlt es sich aus, dass es in Deutschland einen starken öffentlich-rechtlichen Rundfunk gibt.

Und so werden die Terra Mater Factual Studios auch in der Zukunft auf mehreren Hochzeiten tanzen. Im Fernsehen bedient man auch weiterhin den Wunsch der Zuschauer nach Eskapismus – und das gerne auch mit süßen Tieren und großen Landschaften in fernen Teilen der Welt. „Gerade in Corona-Zeiten kann das TV-Publikum auf der Couch hinaus in die Natur reisen“, sagt Köhler. Und im Kino-Bereich triggert man die Emotionen der Zuschauer durch investigative Recherchen, die aufrütteln. Oder wie es Walter Köhler formuliert: „Irgendwann muss man der Natur etwas zurückgeben, wenn man 30 Jahre lang gut von ihr gelebt hat.“

Playground TV startet deutschsprachigen Streaming-Kanal

Playground TV startet einen deutschsprachigen Streaming-Kanal mit Zeichentrickserien von Your Family Entertainment. Durch die Kooperation mit YFE kann die schwedische Streaming- und App-Platform ab sofort Kindern in ganz Europa Zugriff auf deutschsprachige Inhalte wie „Fix & Foxi“, „Die Drachenjäger“ oder „Sherm!“ anbieten.

Der Kanal auf Playground TV wird „Die Kleine Neun“ heißen. Die schwedische Streaming-Plattform richtet sich im Speziellen auf mehrsprachige Familien. Unternehmensziel sei es, Kindern Zeichentrick-Inhalte in ihrer Muttersprache zugänglich zu machen. Neben dem neuen deutschen Kanal enthält die Plattform Angebote unter anderem auf Englisch, Mandarin und Persisch. „Die deutsche Sprache ist eine der wichtigsten Sprachen und Muttersprache von fast 100 Millionen Menschen weltweit. Mit dem neuen Kanal „Die Kleine Neun“ auf Playground TV […] können wir deutschsprachigen Kindern in ganz Europa Animationsserien in ihrer Muttersprache bieten“, sagt Daniel Nordberg, CEO von Playground TV. Der deutschstämmige Chief Editor wuchs nach eigenen Angaben mit Fix & Foxi auf.

Die Your Family Entertainment AG, ursprünglich gestartet als Ravensburger TV, besitzt zahlreiche Lizenzen für beliebte Trickserien. Neben „Fix & Foxi“ zählen dazu auch das „Urmel“, „Cosmo & Wanda“. Das Unternehmen betreibt auch bereits den Sender „Fix & Foxi“, der sich laut Anbieter auf vier Kontinenten empfangen lässt.

Leipzig: Gastlandauftritt von Portugal auf 2022 verschoben

Aufgrund der pandemiebedingten Absage der Leipziger Buchmesse 2021 wird der für dieses Jahr geplante Gastlandauftritt von Portugal um ein Jahr auf 2022 verschoben, geben die Organisatoren bekannt.

Im Rahmen des diesjährigen Lesefestes Leipzig liest extra (27. Mai bis 30. Mai 2021) werde sich das Gastland aber bereits mit einigen digitalen und analogen Veranstaltungen präsentieren.

„Die Entscheidung Portugals, den Gastlandauftritt im Jahr 2022 nachzuholen, freut uns sehr“, erklärt Oliver Zille, Direktor der Leipziger Buchmesse. Die Zeiten seien extrem schwierig, um Literatur Sichtbarkeit zu verleihen. Mit der Verschiebung habe man nun die Möglichkeit, schon in diesem Jahr einen Vorgeschmack auf die vielfältige portugiesisch-sprachige Literatur zu geben.

Bei dem Gastlandauftritt mit dem Motto „Unerwartete Begegnungen“ stehe nicht nur die Literatur eines einzelnen Landes im Fokus, sondern vor allem die Literatur in portugiesischer Sprache.

  • Bereits in diesem Jahr erscheinen rund 50 neue Bücher aus Portugal sowie weiteren portugiesisch-sprachigen Ländern in deutscher Sprache.
  • Mit dabei sind Klassiker aber auch Newcomer, darunter Afonso Reis Cabral, Patrícia Portela, Ondjaki, José Luís Peixoto, Margarida Vale de Gato oder Gonçalo M. Tavares sowie bekannte Stimmen wie Isabela Figueiredo, Dulce Maria Cardoso oder die Camões-Preisträger Mia Couto und Germano de Almeida.

„Wir werden in diesem Jahr diese neuen Bücher durch verschiedene Maßnahmen in den Fokus stellen und hoffen, im kommenden Jahr dann einige der Autorinnen und Autoren persönlich in Leipzig vor Ort begrüßen zu können“, sagt Patricia Severino, die Kuratorin des Gastlandauftrittes.

Live-Schalte: „Querdenker“ greifen „Tagesschau“-Team an

Als sich an Karsamstag in Stuttgart mehrere tausend Menschen versammelt haben, um gegen die aktuellen Corona-Beschränkungen zu protestieren, ist nicht nur gegen geltende Hygiene- und Abstandsregeln verstoßen worden, es wurden zudem auch Menschen tätlich angegriffen. Betroffen war unter anderem Thomas Denzel, der für ARD-aktuell von vor Ort berichtet hat und in Folge der Angriffe sogar eine Live-Schalte zu Tagesschau24 abbrechen musste. „Jetzt werden hier Steine geworfen, ich glaube wir müssen die Live-Schalte abbrechen“, unterbrach der Reporter seine Ausführungen. Schon während der Schalte waren „Lügenpresse“-Rufe aus der Menge zu hören. Im Internet kursieren zudem Videos, in denen das ARD-Team als „Dreck“ bezeichnet wurde. Sie zeigen auch, wie ein Stein nur knapp über dem Kamerateam hinweg fliegt.

Marcus Bornheim, Erster Chefredakteur von ARD-aktuell, erklärte dazu: „Wir verurteilen die Angriffe auf unseren Reporter. Es ist ein Armutszeugnis, wenn solche Veranstaltungen genutzt werden, um die Pressefreiheit zu attackieren. Wir verlangen von der Polizei eine Aufklärung zu diesen Vorfällen.“ Ein Journalist sei bei der Veranstaltung am Samstag sogar geschlagen worden, die Polizei habe in Folge einen 37-Jährigen vorläufig festgenommen.

Frank Überall, Bundesvorsitzender des Deutschen Journalisten Verbandes, zeigt sich besorgt: „Wieder einmal kennen die selbsternannten Querdenker keine Hemmungen, Berichterstatter als Ziel ihrer Wut anzugreifen.“

BR sorgt mit „Blackfacing“-Satire für Empörung

Es macht den Betrachter einigermaßen fassungslos. Das öffentlich-rechtliche Fernsehen hat es wieder einmal geschafft, sich unter Rassismus-Verdacht zu stellen. Konkret geht es um die Satiresendung „SchleichFernsehen“ des Bayerischen Rundfunks (BR).

In der Ausgabe vom Donnerstag spielt der Satiriker Helmut Schleich einen schwarzen Despoten, der Deutschland Tipps im Umgang mit der Coronapandemie gibt. Er empfiehlt unter anderem, neben Shutdowns auch die Praxis des „Shut up“ für Kritiker zu entwickeln – sie sollen „das Maul halten“, wird entsprechend untertitelt.

Schleich trägt die Fantasieuniform eines Diktators und wedelt mit einem ausgestopften Babykrokodil. Sein Gesicht ist schwarz angemalt. Sein Diktator Maxwell Strauß sei eine Karikatur auf Franz Josef Strauß.

Diese Praxis, „Blackfacing“ genannt, bedeutet, dass weiße Schauspieler in der Rolle von Schwarzen auftreten. Sie hat einen rassistischen Ursprung, weiße Darsteller nutzten die Aufmachung in den „Minstrel Shows“ des 18. und 19. Jahrhunderts, um sich über Schwarze lustig zu machen. „Blackfacing“ gilt heutzutage als No-Go.

Der „Spiegel“ berichtet, dass die Satire-Nummer am Karfreitag im Netz empörte Reaktionen ausgelöst hat. So schreibe der Journalist Malcolm Ohanwe schreibe, er sei „fassungslos“: „Bevor im Bayerischen Fernsehen ein Schwarzer Mann eine Sendung moderiert, malt sich die Redaktion lieber Schwarz an und verarscht afrikanische Staaten. Muss man das verstehen?“

Der Marburger SPD-Politiker Liban Farah sagte, er wünsche sich, mal eine Sendung des öffentlich-rechtlichen Fernsehens zu sehen, „ohne Angst zu haben, dass meine Vorfahren und ich rassistisch beleidigt werden“. Die Rapperin Lady Bitch Ray fragte ebenfalls auf Twitter, ob das Fernsehen es „nie lerne“ und „Blackfacing-Bullshit“ weiterhin ausstrahle.
BR und Schleich verteidigen sich

Eine Sprecherin des BR teilte mit, die Diskussionen zum Thema „Blackfacing“ und der damit verbundenen Problematik seien der Redaktion bewusst gewesen und im Vorfeld der Sendung intensiv mit Helmut Schleich diskutiert worden. „In einem Satireformat muss dem Künstler aber auch ein bestimmter Freiraum für satirische Überhöhungen zugebilligt werden. Die künstlerische Freiheit ist ein hohes Gut, lotet aber manchmal auch Grenzen aus.“

ServusTV holt sich die UEFA Europameisterschaft

ServusTV, der Sender von Red-Bull-Chef Dietrich Mateschitz, sichert sich die exklusiven TV-Rechte an der UEFA Europameisterschaft 2024 als auch 2028, dazu zeigt der Sender die Qualifikationsspiele dazu sowie auch jene zur FIFA Weltmeisterschaft 2026. Die UEFA EURO 2024 wird in Deutschland ausgetragen und von 24 Nationen in 51 Spielen bestritten, die Quali-Spiele dazu starten im März 2023. ServusTV zeigt im Rahmen der „European Qualifiers to UEFA EURO 2024“ mit die Top-Spiele des ÖFB-Teams live. Dabei hat der Sender das Erstauswahlrecht erstanden, wie man in einer Aussendung kommunizierte.

Der Sender setzt seine Einkaufstour in Sachen Sportrechte damit fort, neben diversen Tennis-Rechten und der Moto GP läuft seit dieser Saison auch die Formel 1 beim Sender. Diese teilt man sich mit dem ORF. Der ORF zeigt die auf heuer verschobene UEFA Europameisterschaft 2020 als auch die FIFA Weltmeisterschaft 2022 und bleibt mit aktuellen Spielen des ÖFB-Teams, des ÖFB-Cups als auch der Frauennationalmannschaft exklusiver Medien- und Kooperationspartner des ÖFB, wie man dort betont.

„Der ORF hat sich die von der UEFA zentral vermarkteten Rechte für mehr als zwei Drittel aller ÖFB-Länderspiele im Zeitraum von Juni 2022 bis Juni 2028 gesichert“, heißt es beim öffentlich-rechtlichen Rundfunk.

Handelsblatt-Verleger Dieter von Holtzbrinck beteiligt Michael Grabner

Die Holding DvH Medien erweitert zum 1. April ihren Gesellschafterkreis. Verleger Dieter von Holtzbrinck veräußert als Alleingesellschafter jeweils fünf Prozent der Anteile an den Aufsichtsratsvorsitzenden Michael Grabner und an Geschäftsführer Oliver Finsterwalder.

Die beiden Top-Führungskräfte der Mediengruppe seien Garanten für eine langfristige erfolgreiche Weiterverfolgung der publizistischen und strategischen Ziele, teilte die DvH Medien mit.

„Michael Grabner hat seit fast drei Jahrzehnten die Zeitungsverlage meiner ehemaligen und heutigen Mediengruppe maßgeblich und mit großem Erfolg zu im digitalen Zeitalter zukunftssicheren Medienhäusern entwickelt“, begründete von Holtzbrinck die Veränderung im Gesellschafterkreis.

„Oliver Finsterwalder erwies sich in seiner zehnjährigen Zugehörigkeit zur Mediengruppe nicht nur als exzellenter CFO, er erwarb sich auch höchste Anerkennung als fachkundiger, fairer Sparringspartner und als kluger Stratege.“ Die Gesellschafterbenennung sei ein Ausdruck von großer Anerkennung und großem Dank.

Die von Dieter von Holtzbrinck 2009 gegründete DvH Medien ist die Dachgesellschaft für die Tochterfirmen Handelsblatt Media Group in Düsseldorf (unter anderem Handelsblatt, „Wirtschaftswoche“, Handelsblatt Research Institute, Ada und Euroforum) und die Berliner Tagesspiegel-Gruppe („Der Tagesspiegel“, „Potsdamer Neueste Nachrichten“).

Darüber hinaus hält DvH Medien eine unternehmerische 50-Prozent-Beteiligung am Hamburger Zeit-Verlag („Die Zeit“). Insgesamt beschäftigt die Holding rund 2600 Mitarbeiter.

„Wiener Zeitung“: Geschäftsführer rechnet nicht mit Fortbestand der Tageszeitung in heutiger Form

Der Geschäftsführer der republikseigenen „Wiener Zeitung“, Martin Fleischhacker, hat sich nach einer Betriebsversammlung zur Zukunft der Zeitung mit einer Mail an die Belegschaft gewandt. Darin heißt es: „Es ist davon auszugehen, dass die finanziellen Rahmenbedingungen die Fortführung einer Tageszeitung in der heutigen Form nicht mehr möglich machen.“ Die Journalistengewerkschaft mahnt in einer Aussendung Konzepte für den Fortbestand ein und forderte „Konsequenzen“ für Fleischhacker.

Die „Wiener Zeitung“ wird wesentlich finanziert aus Pflichtveröffentlichungen von Unternehmen im Amtsblatt in der republikseigenen Zeitung. Das Justizministerium plante – in Umsetzung einer EU-Richtlinie –, die Pflicht für große Aktiengesellschaften zu streichen, ihre Jahresabschlüsse im Amtsblatt zu veröffentlichen. Das hätte rund sieben von 18 Millionen Jahresbudget gekostet. Die Streichung wurde vorerst vertagt. Das Koalitionsabkommen von ÖVP und Grünen sieht aber die Abschaffung der Pflichtveröffentlichungen vor.

In der Betriebsversammlung soll es eine Diskussion über Konzepte für den Fortbestand der Tageszeitung gegeben haben – und ob die Geschäftsführung solche Konzepte überhaupt habe.

Fleischhacker schreibt nun der Belegschaft: „Wir haben in den letzten Jahren sehr viele Konzepte entwickelt, auch für die Zeitung mit unterschiedlichen Schwerpunkten. Darunter waren natürlich auch Konzepte für die Fortführung einer Tageszeitung unter geänderten Rahmenbedingungen, aber auch alternative Konzepte für ein Medium.“ Diese Konzepte habe er schon vor zwei Jahren dem Aufsichtsrat präsentiert und seither „weiterentwickelt“.

Fleischhacker erklärt jedoch: „Fakt ist aber, dass die Situation heikel ist. Es ist davon auszugehen, dass die finanziellen Rahmenbedingungen die Fortführung einer Tageszeitung in der heutigen Form nicht mehr möglich machen. Es ist daher jetzt wichtig, die Konzepte, die einer geringeren Finanzierung bedürfen, weiter auszuarbeiten. Diese Produktentwicklung werden wir mit den bestmöglichen Ressourcen ausstatten, Näheres dazu folgt noch diese Woche.“

„Klar“ sei das Ziel, „das bestmögliche Ergebnis für das gesamte Unternehmen zu erreichen“, schreibt Geschäftsführer Fleischhacker.

Joko und Klaas zeigen sieben Stunden lang die Schicht einer Pflegekraft

Unter dem Motto „Nicht selbstverständlich“ hat der Privatsender ProSieben bis in den frühen Donnerstagmorgen sein Programm freigeräumt, um werbefrei den Alltag einer Pflegekraft in Deutschland zu zeigen. Zahlreiche Frauen und Männer aus Krankenhäusern und Altenheimen kamen außerdem zu Wort, um auf die Probleme in der Pflege hinzuweisen. Begleitet wurde in Echtzeit per kleiner Kamera eine ganze Schicht der gewissenhaften und stets freundlichen Gesundheits- und Krankenpflegerin Meike Ista im Knochenmark- und Transplantationszentrum der Uniklinik Münster. Die Sendung wird auch von Puls 4 übernommen.

Drew Barrymore startet eigenes Lifestyle-Magazin

Das Magazin soll sich um klassische Themen wie Schönheit, Essen, Reisen, Leute und Nachrichten drehen. Sie sei ein wenig altmodisch und bringe statt einer digitalen Ausgabe eine Zeitschrift aus Papier heraus, sagte Barrymore. Die Mutter der Töchter Olive (8) und Frankie (6) will das Magazin vierteljährlich publizieren.

Neue Amy-Winehouse-Doku zum zehnten Todestag angekündigt

Zum zehnten Todestag diesen Sommer widmet sich eine neue Dokumentation dem Leben und Werk der britischen Soul- und Popsängerin Amy Winehouse.

Darin soll auch ihre Mutter zu Wort kommen, wie die für die Produktion zuständige BBC mitteilte. Winehouse war am 23. Juli 2011 im Alter von 27 Jahren an einer Alkoholvergiftung verstorben. Mit dem Album „Back to Black“ sowie dem Song „Rehab“ hatte sie weltweite Erfolge gefeiert.

„Amy Winehouse: 10 Years On“, so der Titel des Projekts, wurde von BBC Two und BBC Music in Auftrag gegeben und soll aus der Sicht von Janis Winehouse, der Mutter der Künstlerin, erzählt werden. Diese leidet an Multipler Sklerose und wollte der BBC zufolge ihre Erinnerungen teilen. So wird sie als Person beschrieben, „die Amy sehr nahe stand, von der wir noch viel zu hören haben und deren Version von Ereignissen sich oft unterscheidet von den Narrativen, die wir bereits kennen“.

„FAZ“ startet Morgen-Newsletter nur für Abonnenten

Die „FAZ“ erweitert ihr Angebot an Newslettern um einen täglichen Morgen-Letter für Digitalabonnenten. Das neue Format heißt „FAZ Frühdenker – Der Newsletter für Deutschland“ und soll werktäglich gegen 6.30 Uhr verschickt werden.

Der neue Letter ist Teil der Paid-Strategie der Frankfurter. Der in Konzept und Gestaltung komplett überarbeitete vormalige „Newsletter für Deutschland“ wird nunmehr exklusiver Bestandteil der Digitalabonnements. Zum Testen kann man den Letter drei Monate kostenlos bekommen, wer ihn danach weiter lesen will, muss ein Abo abschließen. Damit „durchbricht die ‚FAZ‘ das Paradigma, dass Nachrichten-Newsletter grundsätzlich kostenlos sind“, heißt es in der Verlagsmitteilung.

Knives Out: Netflix zahlt für Fortsetzungen 450 Millionen US-Dollar

Die erfolgreiche Detektivverfilmung Knives Out erhält zwei Fortsetzungen und Netflix hat sich die Rechte daran gesichert. Das berichten die Branchenmagazine Deadline und Variety übereinstimmend mit Verweis auf Quellen aus dem Umfeld der Verhandlungen. Offiziell wurde das Geschäft noch nicht bekanntgegeben.

Die Quellen von Deadline geben an, dass Netflix für die Filmrechte von zwei Fortsetzungen von Knives Out 400 Millionen US-Dollar zahlen wird. Laut Variety liegt die Summe sogar bei 450 Millionen US-Dollar. Beide Magazine gehen davon aus, dass dieses Geschäft zu einem der größten gehört, die im Streaminggeschäft abgeschlossen wurden.

An den beiden Fortsetzungen sollen auch Amazon und Apple interessiert gewesen sein, beide unterlagen dann aber im Bieterwettstreit gegen Netflix. Nähere Details liegen dazu nicht vor.

Das Drehbuch und die Regie für den ersten Teil hat Rian Johnson übernommen. Für das Drehbuch gab es eine Oscar-Nominierung. Johnson soll auch in den Fortsetzungen von Knives Out wieder das Drehbuch schreiben und die Regie übernehmen. Zudem hat er unter anderem bei den Kinofilmen Brick, Looper sowie Star Wars – Die letzten Jedi die Regie geführt und das Drehbuch geschrieben.

Mit den Rechten an den Fortsetzungen von Knives Out könnte sich Netflix den Zugriff auf eine erfolgreiche Filmreihe sichern, wenn die Fortsetzungen ähnlich erfolgreich sein werden. Die Dreharbeiten für den zweiten Teil von Knives Out sollen am 28. Juni 2021 in Griechenland beginnen.

MDR startet trimediale Themenwoche für Inklusion und Vielfalt

Zum 30. Geburtstag der MDR-Sendung „Selbstbestimmt“ für Menschen mit Behinderung startet der MDR eine trimediale Themenwoche zu Inklusion und Vielfalt.

Die Patenschaft für die MDR-Themenwoche übernimmt die ehemalige Bahnradsportlerin Kristina Vogel. Sie ist auch am 9. April bei einem Live-Gespräch zu sehen, an dem MDR-Intendantin Karola Wille teilnimmt. Die Sendung „Selbstbestimmt – Leben mit Behinderung“ schaut auf 30 ereignisreiche Jahre zurück und zieht Bilanz. Sie war 1991 die erste Sendung, bei der Menschen mit unterschiedlichen Behinderungen im Mittelpunkt standen, und auch heute ist die Sendung in der ARD in dieser Art einzigartig.

Weitere Formate zu dem Thema sind Dokus, Podcasts, eine Podiumsrunde, eine Portraitreihe sowie ein inklusives Schülerkonzert, wie der Programmankündigung zu entnehmen ist. Alle Angebote im Rahmen der Aktionswoche finden sich barrierefrei unter www.mdr.de/selbstbestimmt zum Nachlesen und in der ARD Mediathek.

„faktenfinder“: Tagesschau startet Podcast gegen Falschmeldungen

Anja Reschke von „Panorama“ (NDR) und Tagesschau-Moderator Michael Paweletz präsentieren im Wechsel den Podcast, in dem sie Desinformationen aufdecken und mit Fachleuten dahinterliegende Mechanismen und Motive analysieren. Dabei sollen auch die Fragen, wer Interesse daran hätte, solche „Fake News“ zu verbreiten, wie es gelänge, sie zu verbreiten, und wie sie wirkten.

Die erste Ausgabe beschäftigt sich mit Impfskepsis im Wandel der Zeit.

Der „faktenfinder“-Podcast wird seit 1. April bis zur Bundestagswahl Ende September jeden zweiten Donnerstag auf tagesschau.de und in der ARD Mediathek verfügbar erscheinen. Im Radio wird die Sendung jeden zweiten Sonntag um 13.30 Uhr auf NDR Info laufen.

„Kurier“ sieht keinen internen „Aufstand“ um politischen Einfluss

Die Chefredakteurin der Tageszeitung „Kurier“, Martina Salomon, und der Redakteursausschuss orten keinen internen „Aufstand“ gegen politische Einflussnahme in der Redaktion.

Ein entsprechender Bericht der Onlineplattform des Ex-Politikers Peter Pilz hatte für Aufregung gesorgt. Darin wurde aus einer bei der Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft (WKStA) eingegangenen anonymen Anzeige zitiert.

Laut zackzack.at berichten Journalisten in der Anzeige von einer Einflussnahme durch Bundeskanzler und ÖVP-Chef Sebastian Kurz und dessen Umfeld beim „Kurier“. Verwiesen werde unter anderem auf die Ablöse von Helmut Brandstätter, der mittlerweile für die NEOS im Nationalrat vertreten ist, durch Martina Salomon als Chefredakteurin. Kurz sagte im Ibiza-Ausschuss, dass er sich nicht vorstellen könne, dass sein Umfeld unleidliche Journalisten entfernt habe. Für die anonymen Anzeiger stelle dies eine Falschaussage dar, hieß es in dem Portal weiter.

„Ich sitze jeden Tag mitten im Newsroom. Wenn es einen Aufstand gegeben hätte, hätte ich es bemerkt“, sagte Salomon. Es handle sich um eine externe Debatte, die intern nicht stattfinde. Glaubwürdiger als ihre Einschätzung sei aber ohnehin jene des „Kurier“-Redakteursausschusses, meinte Salomon.

Dieser nahm „mit einigem Erstaunen“ zur Kenntnis, dass sich in der Redaktion ein „Aufstand“ formiert haben soll. „Fakt ist, dass Chefredakteurin Dr. Martina Salomon vor zweieinhalb Jahren von der Belegschaft gewählt wurde und das Ausscheiden von Dr. Helmut Brandstätter kein Thema bei uns ist.

Neues Onlinemedium „oekoreich“ startet zu Ostern

Ein neues Onlinemedium namens „oekoreich“ startet zu Ostern. Es versteht sich als Magazin und Plattform der gleichnamigen Öko-Bürgerbewegung, die sich aus dem im Jänner beendeten Tierschutzvolksbegehren heraus entwickelt hat.

Es widmet sich monatlich Themen wie Klima, Umwelt, Ernährung oder auch Landwirtschaft. Sebastian Bohrn Mena ist der Herausgeber des Mediums. Es wird von der Common Affairs GmbH, einer 100-prozentigen Tochter der Gemeinwohlstiftung Común getragen.

Das Magazin umfasst fixe monatliche Kolumnen, die etwa von den Journalistinnen und Autorinnen Kathrin Hartmann („Die grüne Lüge“), Tanja Paar (u. a. für „Der Standard“ tätig) oder auch der „Fridays For Future“-Aktivistin Paula Dorten geschrieben werden. Auch widmet sich jede Ausgabe einem anderen Themenschwerpunkt, für den weitere Autoren und Autorinnen wie die Journalistin Christina Höfferer (ORF und 3Sat), Heike Hausensteiner (etwa „Die Presse“) oder Paul Lohberger (Ö1) mitarbeiten.

Musical über Diana vorab auf Netflix

Dass die englische Königsfamilie ein Quotenbringer ist, weiß nicht nur Oprah Winfrey, das weiß auch Netflix seit der beliebten Serie „The Crown“. Das wird wohl eine Rolle gespielt haben bei dieser Entscheidung: Ein geplantes Musical über Prinzessin Diana, das im Winter am New Yorker Broadway Premiere feiern soll, wird voraussichtlich davor bereits auf dem Streamingdienst zu sehen sein. Damit wollen die Produzenten das Projekt bewerben, wie sie am Dienstag mitteilten. „Diana: The Musical“ ist eine der ersten neuen Broadwayshows, für die während der Coronapandemie ein konkretes Startdatum verkündet wurde. Die Premiere soll am 16. Dezember stattfinden.

Auf Netflix soll das Musical wiederum bereits am 1. Oktober abrufbar sein. Den Produzentenangaben zufolge es ist das erste derartige Vorgehen für eine Broadwayshow. Die Theater am Broadway sind seit Mitte März 2020 im Lockdown, aktuell ist dieser zumindest bis zum Juni geplant. Die Theaterszene rechnet allerdings mit einer möglichen Öffnung der Häuser ab September.

BR kündigt interaktiven „Tatort“ an

Die beliebte deutsche Krimireihe wagt ein weiteres Experiment und lädt ihre Fans dazu ein, selbst in einem Fall zu ermitteln. Das teilte der Bayerische Rundfunk diese Woche mit. Beim „Tatort – Das interaktive Hörspiel“ für die Sprachassistenten Google Home und Amazon Alexa wird die Hauptfigur über Sprachbefehle gesteuert. Die Hörerinnen und Hörer können so aus zahlreichen Handlungssträngen und Entscheidungsmöglichkeiten auswählen und die Geschichte immer wieder anders erleben, erklärt der BR. Dadurch soll der interaktive Tatort je nach Spieldurchgang zwischen 15 und 90 Minuten lang sein.

„Der Brutkasten“ übernimmt „VentureCapital Magazin“ von GoingPublic Media

Das österreichische Innovationsmedium „Der Brutkasten“ übernimmt den Geschäftsbereich „VentureCapital Magazin“ von GoingPublic Media. Nach Übernahme von „StartingUp“ und „gründerberater.de“ sowie „starkem Wachstum im vergangenen Jahr“ setze „Der Brutkasten“ seinen Expansionskurs in Deutschland fort und intensiviere seine Tätigkeit vor Ort. Die Plattform „VentureCapital Magazin“ werde eigenständig weiterbetrieben.

Das „VentureCapital Magazin“ informiert seit Mai 2000 InvestorInnen, innovative UnternehmerInnen und Intermediäre über Trends, Transaktionen und Hintergründe rund um privates Beteiligungskapital, Entrepreneurship und Technologien. Das Magazin sei „die perfekte thematische Ergänzung in unserem Medienportfolio“, so „Brutkasten“-CEO Dejan Jovicevic.

Bertelsmann erzielt operativen Rekordgewinn im Corona-Jahr

Der deutsche Medien- und Dienstleistungskonzern Bertelsmann hat trotz Viruskrise operativ einen Rekordgewinn erzielt. „2020 war ein Ausnahmejahr, das wir trotz der Coronapandemie mit starken Ergebnissen abgeschlossen haben“, sagte Konzernchef Thomas Rabe. Während werbefinanzierte Geschäfte und die Printsparte Einbußen im Zuge des Lockdowns im Frühjahr wegstecken mussten, wuchsen die Buchverlags- und Dienstleistungsgeschäfte.

„Im zweiten Halbjahr hingegen legten nahezu alle Geschäfte wieder zu.“ Der Betriebsgewinn (Operating EBITDA) kletterte 2020 erstmals auf 3,1 Milliarden Euro. Der Umsatz fiel dagegen um rund 4 Prozent auf 17,3 Milliarden Euro und damit etwa auf das Niveau von 2017.

Für 2021 rechnet Bertelsmann weiter mit Unsicherheiten wegen der Viruspandemie und einem Konzernergebnis von mehr als einer Milliarde Euro. Im Vorjahr lag das Ergebnis unter dem Strich mit 1,5 Milliarden Euro ein Drittel über 2019. „Jetzt werden wir den nächsten Schritt machen und in den nächsten fünf Jahren noch stärker auf Wachstum setzen“ sagte Rabe und definierte fünf strategische Ziele: „Nationale Media-Champions, Globale Inhalte, Globale Dienstleistungen, Onlinebildung und Beteiligungen.“

Um einen nationalen Medienchampion in Deutschland zu schaffen, prüft Bertelsmann eine engere Kooperation bis zu einem Zusammengehen von RTL Deutschland und der Verlagssparte Gruner+Jahr („Stern“, „Brigitte“). Im Sommer soll eine Entscheidung dazu fallen. Bei der europäischen RTL Group war der operative Gewinn 2020 um fast 23 Prozent eingebrochen und bei Gruner+Jahr um gut 16 Prozent. Bertelsmann will 2021 rund 250 Millionen Euro in die Streaming-Dienste der RTL Group und in den konzernweiten Ausbau der Technologie- und Datenstruktur investieren.

DAZN greift TV-Konzerne mit Champions League an

Die Deutschland-Zentrale eines milliardenschweren Medien-Unternehmens würde man nicht unbedingt in einem Kreuzberger Hinterhof erwarten. Etwas versteckt in der Nähe der alten Grenze hat DAZN seine spärlich möblierten Räume im Start-up-Stil. Von dort aus promotet der Streamingdienst sein Geschäft, das in dieser Woche mit den Übertragungen der Fußball-Champions-League in der ersten Liga des deutschen Medienmarktes angekommen ist.

An DAZN, dem Internetanbieter mit dem sperrigen Namen, kommen Sportfans kaum mehr vorbei. „Die Champions League bringt uns von der Nische in den Mainstream, da wir damit ein viel breiteres Publikum als bisher erreichen“, sagte Deutschland-Chef Thomas de Buhr der Deutschen Presse-Agentur. DAZN will im Sportsegment an die Erfolge anknüpfen, die Netflix mit Serien und Filmen hat. Das Unternehmen sei „auf dem Weg, der weltweit führende Sport-Sender zu werden“, glaubt der Vorstandsvorsitzende James Rushton.

Sky verkauft Sub-Lizenz an Konkurrent DAZN

In Deutschland gibt es von Dienstag an die Spiele des wichtigsten europäischen Club-Wettbewerbs nur noch beim Pay-TV-Sender Sky und bei dem ebenfalls kostenpflichtigen Streamingdienst. Dafür haben DAZN und Sky eine kurios anmutende Konstruktion gefunden: Der etablierte Bezahlsender hat einen Vertrag mit dem europäischen Fußball-Verband UEFA – und dem Branchen-Neuling eine Sub-Lizenz verkauft.

Dabei sind die beiden Partner auch Konkurrenten. Sie buhlen um die gleichen sportinteressierten Kunden. Und sie bieten dafür um die gleichen Sportrechte. So schaffte DAZN den Einstieg in den deutschen Markt mit Übertragungen der englischen Premier League. Die Rechte dafür hatte der Newcomer dem etablierten Pay-TV-Anbieter abgejagt. Auch in der Europa League mischt DAZN mit und überträgt als einziger Anbieter alle Partien für seine Abonnenten.

Fußball, NBA, NFL – Kampfsport soll folgen

Fußball ist das wichtigste Kaufargument für das 9,99 Euro teure Monats-Abonnement. „Das zweite große Feld ist der US-Sport mit NBA und NFL“, erklärte de Buhr mit Blick auf die dortigen Basketball- und Football-Profiligen: „Da haben wir eine klare Fan-Basis.“ Das dritte große Feld soll der Kampfsport werden. Schon jetzt hat DAZN nach eigenen Angaben 8000 Live-Events pro Jahr im Angebot.

Und wie viele Kunden? Eisernes Schweigen ist hier die Antwort. „Wir sind mit unseren Ergebnissen über unseren Plänen“, sagte de Buhr nur. Genug Geld ist nach Angaben des englischen Chefs James Rushton in der Kasse: „Keine Sorge. Wir sind sehr gut finanziert.“ Zahlen zum Umsatz und Gewinn gibt es auch nicht. Nur, dass rund 300 feste und freie Mitarbeiter für den deutschsprachigen Raum tätig sind, wird verraten.

DAZN bereit für die Bundesliga

Hinter DAZN steht die Perform-Group, die dem in der Ukraine geborenen US-Milliardär Leonard Blavatnik gehört. Die Investitionen sind riesig. In Japan kaufte DAZN für zwei Milliarden Euro das exklusive Rechte-Paket der J-League. Es folgten der deutsche Markt mit teuren Rechten und jüngst ein Coup in Italien: Die Perform-Tochter stieg in den für sie neuen Markt mit dem Erwerb von 114 Exklusiv-Übertragungen der Serie A ein – mit Superstar Cristiano Ronaldo als Zugpferd.

Wie geht es in Deutschland weiter? Mit Live-Spielen der Bundesliga schon bei der nächsten Ausschreibung? „Ja, absolut“, betonte de Buhr. „Wir sind bereit für die großen Rechte.“ Der 50 Jahre alte Manager geht sogar noch weiter: „Durch unser großes Portfolio an Fußballrechten würde auch eine EM oder WM Sinn machen.“ Ein Event wie die Olympischen Spiele hingegen wäre nur dann denkbar, „wenn wir die dort dominierenden Sportarten auf DAZN haben“.

Jeder Inhalt, egal wo, jederzeit verfügbar

De Buhr ist überzeugt, dass das Modell DAZN sich langfristig durchsetzen kann. „Wir sehen eine große Änderung im Konsumentenverhalten. Und dieser Trend geht weiter: jeder Inhalt, egal wo, jederzeit verfügbar. Wir sind fest davon überzeugt, dass die Art und Weise, wie wir Sport übertragen, auf Dauer gewinnen wird.“

ARD eröffnet großen Klassik-Bereich in der Mediathek

Mit der Themenwelt „ARD-Klassik“ präsentiert die ARD ab Karfreitag 2021 ein neues Klassik-Angebot in der Mediathek.

Dieses bündelt unter ard-klassik.de erstmals Aufnahmen aller Landesrundfunkanstalten sowie deren Orchester und Chöre auf einer Plattform und verspricht Klassikfans das Eintauchen in musikalische Welten von Barock bis zur Filmmusik.

Im Startangebot, das laut ARD sukzessiv ergänzt werden soll, finden sich aktuelle Höhepunkte mit Dirigenten wie Teodor Currentzis, Alan Gilbert, Bernard Haitink, Mariss Jansons, Zubin Mehta, Esa-Pekka Salonen und Solisten wie Lang Lang, Martha Argerich, Giora Feidman, Julia Fischer, Igor Levit oder Anna Netrebko. Unter den historischen Aufnahmen können sich Klassikfreunde wohl auf Interpreten wie Maria Callas, Wilhelm Furtwängler, Otto Klemperer, Georges Prêtre und Günter Wand freuen.

Passend zur Jahreszeit präsentiert ARD-Klassik zum Start einen Schwerpunkt mit Musik von Bach, Händel und Haydn, den Passionen, dem „Messias“ und der „Schöpfung“.

Platziert wird dieses Angebot als neue Themenwelt innerhalb der Mediathek der Öffentlich-Rechtlichen, die im Januar mit 170 Millionen Abrufen einen neuen Nutzungsrekord erzielte und sich im Hinblick auf aktive Nutzer laut ARD erfolgreichste Streaming-Plattform deutscher Fernsehsender etabliert hat.

GeraNova Bruckmann erweitert Zeitschriften-Portfolio

Der Zeitschriftenverlag GeraNova Bruckmann aus München baut sein Portfolio aus und bringt am 7. April 2021 ein neues Magazin in den Handel. Mit ‚Selbst gehäkelt‘ erscheint ein Heft, dass auf den Do-it-Yourself-Trend setzt. GeraNova Bruckmann bedient diesen Trend bereits seit 2014 mit dem Magazin ‚Selbst gemacht‘ sowie seit Ende 2020 mit der Line-Extention ‚Selbst gestrickt‘. ‚Selbst gehäkelt‘ ist nun eine weitere Markenerweiterung.

Hape Kerkeling kehrt zurück zu RTL

Bereits ab diesen Herbst wird Hape Kerkeling für RTL vor der Kamera stehen. Ausgestrahlt werden soll die neue Serie mit dem Komiker und Moderator dann im kommenden Jahr. Hape Kerkeling: „Ich freue mich sehr auf die Zusammenarbeit mit RTL, TV Now und Vox. Wir haben da ein paar richtig schöne Ideen auf der Pfanne!“

Henning Tewes, Geschäftsführer RTL Television und Co-Geschäftsleiter TV Now: „Wir erneuern RTL und entwickeln uns als Programm und Marke immer weiter: Umso mehr freue ich mich, dass wir mit Hape Kerkeling einen TV-Star und Entertainer zurückholen, den viele Millionen Fans schon seit Jahren vermisst haben. Wir sind stolz, mit Hape Kerkeling Projekte in verschiedenen Genres für unseren Streamingservice TV Now und unsere Sender RTL und Vox realisieren zu können.“

Neben der Serie sind konkret zwei weitere Projekte mit Kerkeling geplant über die bislang aber noch nichts bekannt ist. Der beliebte Moderator zog sich 2014 zu seinem 50. Geburtstag weitgehend aus der Öffentlichkeit zurück. Er schrieb dann mit „Ich bin dann mal weg“ (über seine Erlebnisse auf dem Jakobsweg) und „Der Junge muss an die frische Luft“ (ein autobiografisches Buch) zwei Bestseller, die auch verfilmt wurden. Kerkeling galt lange als absoluter Wunschkandidat für eine Nachfolge von Thomas Gottschalk bei „Wetten dass..?“, erteilte dem ZDF aber eine Absage.

Für ihn ist das Engagement bei RTL eine Rückkehr. Kerkeling moderierte die ersten beiden Staffeln von „Let’s dance!“ für die Kölner an der Seite der späteren Kandidatin Nazan Eckes. Außerdem führte er für RTL durch die Sendung „Hape trifft!“, in der er die Idole seiner Jugend befragte, und wurde für die „70er Show“ mit dem Fernsehpreis ausgezeichnet.

Chat-News-App „Resi“ hört auf

Mit „Resi“ können Nutzer Nachrichten im Chat-Format auf dem Handy konsumieren. Zweieinhalb Jahre nach dem Start des Projekts stellt Journalist Martin Hoffmann die News-App nun ein. Am Ende hätten die Gründer nicht mehr „die hundertprozentige Motivation“ gehabt, um das Projekt weiterlaufen zu lassen. In den nächsten Tagen werde das Programm daher aus dem App Store verschwinden.

Die wichtigsten Nachrichten des Tages, geliefert auf eine unterhaltsame Art im Häppchen-Format, „wie es eine gute Freundin machen würde“ – das war die Idee hinter „Resi“. Zehntausende haben die App nach eigenen Angaben regelmäßig genutzt, um sich morgens und abends auf dem Laufenden zu halten. 2017 erhielt das Team um Gründer Martin Hoffmann sogar den „Grimme Online Award„.
Nun wird „Resi“ eingestellt. Das Team habe es trotz aller Erfolge nicht geschafft, die News-App „zu einem wirtschaftlich erfolgreichen Produkt zu machen“, schreibt der ehemalige Social-Media-Beauftragte der Welt in einem Beitrag auf der Plattform Medium. Über die Gründe kann er nur spekulieren: „Vielleicht sind wir einfach zu blauäugig gewesen, vielleicht war das Timing falsch, vielleicht fehlte uns einfach das notwendige Quäntchen Glück.“

„Trump Slump“: US-Nachrichtenmedien brechen ein

Ein Überraschung ist es nicht: Donald Trump ist seit zwei Monaten kein US-Präsident mehr – und die amerikanischen Medien spüren umgehend den Effekt. Bei CNN halbieren sich die Einschaltquoten, bei der Washington Post bricht der Traffic ein.

Wenn es ein Musterbeispiel für Hassliebe gibt, dann das: Donald Trump und die US-Medien. Die gegenseitige Abneigung wurde an so ziemlich jedem Tag seiner Präsidentschaft hinreichend gepflegt: Mal giftete Trump gegen die „Fake News-Medien“, mal schossen die liberalen Medien CNN, New York Times oder die Washington Post in bissigen Kommentaren, messerscharfen Reportagen oder beißenden Editorials wieder zurück.

Allein: Profitiert haben beide Seiten jahrelang von der Wechselbeziehung, denn Trump garantierte eines: das perfekte Chaos, das für Quote und Auflage sorgt. Entsprechend warnte der frühere Reality-TV-Star schon zu Beginn seiner Amtszeit: „Zeitungen, das Fernsehen, Medien aller Form werden einbrechen, wenn ich nicht mehr da bin. Ohne mich gehen ihre Quoten den Bach runter“, orakelte Trump 2017.

Fox News Krisengewinner der Quoten-Einbrüche

Die Einschätzung dürfte als eine der besten Prognosen seiner Präsidentschaft durchgehen. Wie Marktforscher Nielsen herausgefunden hat, sind die Einschaltquoten zur Hauptsendezeit beim Nachrichtensender CNN in den vergangenen fünf Wochen um enorme 45 Prozent eingebrochen. Bei MSNBC, dem Nachrichten-Joint-Venture von NBC und Microsoft, belief sich der Rückgang zur Primetime seit Anfang Februar auf 26 Prozent.

Zum Krisengewinner unter den amerikanischen Nachrichtensendern avancierte unterdessen das erzkonservative Fox News. Der zum Murdoch-Imperium gehörende Sender verzeichnete gegenüber dem Jahresbeginn lediglich Einbußen in den Einschaltquoten von sechs Prozent. „Fox News hat den Spitzenplatz unter den drei Nachrichtensender übernommen – allein dadurch, dass sie stillstehen“, resümiert Nielsen.

Auch WaPo und NYT verliert Traffic

Der „Trump-Slump“ setzt sich unterdessen in den Online-Nachrichtenangeboten fort. Wie die „Washington Post“ selbst einräumt, hat die Hauptstadtzeitung im Februar sowohl im Vergleich zum Jahresbeginn als auch im Jahresvergleich einen deutlichen Reichweitenrückgang hinnehmen müssen. So brach die Zahl der Unique Visitors im Februar gegenüber dem Januar um gleich 26 Prozent ein; im Vergleich zum Februar 2020 riefen 7 Prozent weniger Nutzer die „WaPo“ auf.

Das gleiche Bild liefert der Branchenprimus ab. So habe die „New York Times“ im Februar im Vergleich zum Vormonat 17 Prozent ihrer eindeutigen Nutzer verloren, berichtet die „WaPo“mit Verweis auf den Marktforscher Comscore. Auch der Vorjahresvergleich fällt für die NYT schlecht aus: Die Zahl der Unique Visitors liegt um 16 Prozent unter dem Niveau des Februars 2020.

New York Times-Aktie zuletzt unter Druck

Nun ist die Traffic-Entwicklung der Online-Angebote von NYT und WaPo kein eindeutiger Indikator – beide Vorzeigeangebote legen viel Wert auf den Zuwachs ihrer Digitalabonnenten, bieten aber gleichzeitig im geringen Umfang auch kostenlose Nachrichten an („Metered Model“).

Der Fingerzeig indes ist auch der Wall Street nicht entgangen. Die Aktie der New York Times Company notiert bei aktuell 47 Dollar auf dem tiefsten Stand seit drei Monaten bzw. bereits 20 Prozent unter den erst Ende Januar aufgestellten Allzeithochs.

Ob sich der massive Abonnentenzuwachs, der dem Platzhirsch in den vier Jahren der Trump-Präsidentschaft viereinhalb Millionen neue zahlende Leser beschert hat, damit in der Biden-Ära abschwächt, wird die neue CEO Kopit Levien auf der nächsten Quartalsbilanz im Mai beantworten müssen.

Bayard Mediengruppe verkauft Verlagsbeteiligungen in mehreren Ländern

Die französische Bayard Mediengruppe zieht sich ein Stück weit aus mehreren nordeuropäischen Märkten zurück. In Deutschland, den Niederlanden und Belgien hat der Verlag bislang Zeitschriften über Joint Venture mit der belgischen Roularta Media Group (RMG) herausgegeben. Roularta übernimmt nun die Bayard-Anteile (jeweils 50 Prozent) an Bayard Media in Deutschland, Senior Publications Nederland (SPN) und Belgomedia.

Bayard Media in Deutschland ist Herausgeber der Frauenzeitschrift ‚Frau im Leben‘, der deutschen Ausgabe des Best-Ager-Magazins ‚Plus‘ und des Wissensmagazins ‚G – Geschichte‘. Alle drei Titel erscheinen monatlich. ‚Frau im Leben‘ hatte der Verlag 2008 zusammen mit mehr als 20 weiteren Titeln von der Verlagsgruppe Weltbild übernommen.

SPN gibt die niederländische Ausgabe des ‚Plus‘-Magazin heraus (Verkaufsauflage mehr als 217.000 Exemplare), Belgomedia die TV-Zeitschrift ‚Telepro‘ (Verkaufsauflage mehr als 100.000 Exemplare). Außerdem übernimmt RMG 100 Prozent der Anteile der Bayard-Tochter Press Partner, die in den Niederlanden die Website gezondheidsnet.nl betreibt. Die Website ist laut Unternehmensangaben das größte Gesundheits-Portal der Niederlande (monatlich rund 2,5 Mio. Unique User, 190.000 Newsletter-Abonnenten).

In Deutschland verbleibt Bayard mit dem Sailer Verlag in Nürnberg aktiv, der eine Reihe von Kinderzeitschriften herausgibt (u.a. ‚Stafette‘, ‚Tierfreund‘, ‚Benni‘, ‚Wapiti‘, ‚Olli‘ und ‚Molli‘).

Der Roularta Media Group gehörten bisher schon 50 Prozent der Anteile an der deutschen Tochter von Bayard sowie an Senior Publications Nederland und Belgomedia. Laut Aussage von CEO Xavier Bouckaert will die Mediengruppe mit dem Zukauf ihre internationalen Ambitionen vorantreiben. Das 1954 gegründete Unternehmen ist auch im TV-Sektor aktiv, beschäftigt über 1.300 Mitarbeiter und erwirtschaftet einen Jahresumsatz von rund 300 Mio. Euro.

Bietergefecht um französische RTL-Tochter Groupe M6

In Frankreich geht der Verkauf der TV-Sendergruppe M6 offenbar auf die Zielgerade. Der Haupteigner RTL Group mit Hauptsitz in Luxemburg, der eine Trennung von seinem 48-Prozent-Anteil prüft, erhielt laut französischen Quellen am 11. März 2021 erste Angebote und veranstaltete am 23. März eine zweite Gebotsrunde. Über ein halbes Dutzend Bieter wurden von Insidern genannt, darunter der Vivendi-Konzern, NRJ, Patrick Drahis Altice-Gruppe, Italiens Mediaset, der tschechische Unternehmer Daniel Kretinsky und ein Konsortium mit Xavier Niel, Mathieu Pigasse und Pierre-Antoine Capton. Das beste Angebot habe bislang der TV-Anbieter TF1 mit seiner Muttergesellschaft Bouygues vorgelegt, berichten der ‚Canard enchaîné‘ und ‚Lettre A‘.

TF1 und Bouygues sollen angeblich versuchen, weitere Investoren zusammenzubringen, um ein Konsortium für den Kauf des RTL Group-Anteils zu bilden. Auch ein vorläufiger Verbleib der Bertelsmann-Tochter als Minderheitsgesellschafter sei denkbar.

Eine Übernahme der TV-Gruppe durch den Konkurrenten TF1 würde allerdings erhebliche kartellrechtliche Fragen aufwerfen. Darauf weist die französische Ausgabe des Wirtschaftsmagazins ‚Capital‘ hin. Die Zeitschrift wird in Paris von der Gruner + Jahr-Tochter Prisma Media herausgegeben. Sie gehört damit ebenfalls zum Bertelsmann-Imperium, allerdings steht derzeit ein Verkauf von Prisma Media an Vivendi bevor.

‚Profil‘ startet digitales Faktenchecker-Projekt

Das Nachrichtenmagazin profil plant wohl noch fürs Frühjahr den Start eines „innovativen, digitalen Faktenchecker-Projektes“. Gesucht wird ein/e Online-Redakteur/in in Vollzeit und befristet für ein Jahr, der/die schon entsprechende Erfahrung vorweisen kann. Im bewusst jung gehaltenen Anforderungsprofil genannt: journalistische Erfahrung, datenjournalistische und investigative Kompetenzen, „ein paar Telefonnummern von relevanten innenpolitischen Akteur/innen“, dazu Unbestehlichkeit und Detailverliebtheit. Plus: Skepsis, „wenn die Regierung behauptet, sie hätte die Corona-Krise wunderbar gemeistert“.

Geboten wird eine Anstellung nach Journalisten-Kollektivvertrag für 38 Wochenstunden für 2.399 bis 2.693 brutto pro Monat, bei Bereitschaft zur Überzahlung bei entsprechender Qualifikation. Arbeitsbeginn: bevorzugt ab 1. Mai.

Bertelsmann: Aus für die Podcast-App Audio Now in Frankreich

Der Medien-Konzern Bertelsmann mit Stammsitz im westfälischen Gütersloh zieht bei seinem Digital-Projekt Audio Now in Frankreich nach einem halben Jahr schon den Stecker: Die kostenlose Podcast-App, die erst im September 2020 von den französischen Bertelsmann-Tochterfirmen Prisma Media und Groupe M6 gestartet wurde, ist seit einigen Tagen nicht mehr aktiv und bleibt nun dauerhaft geschlossen. Auf ’new business‘-Anfrage erklärten die Betreiber der App: „In gegenseitigem Einvernehmen haben Prisma Media und Groupe M6 beschlossen, Audio Now einzustellen, nachdem sich die strategischen Prioritäten in Bezug auf Audio-Inhalte verschoben haben.“ Die beiden Unternehmen wollen sich künftig auf die Erstellung und Produktion von eigenen Inhalten konzentrieren und nicht mehr auf die Aggregation von fremdem Content über Audio Now.

Die Hör-Plattform verfügte neben Podcasts aus den Katalogen der M6-Gruppe und Prisma Media auch über zahlreiche Angebote verschiedener Partner (u.a. Groupe Figaro, Les Echos-Le Parisien und L’Équipe).

Rechtschreibrat warnt vor Unterstrich und Gender-Sternchen

Der Rat für deutsche Rechtschreibung bleibt nicht nur bei seiner bisherigen Haltung, keine bestimmte Form der geschlechtergerechten Schreibung zu empfehlen. Er warnt vielmehr sogar vor mancher Ausprägung des Genderns. Nach einer teils virtuell abgehaltenen Sitzung am Freitag in Mannheim betonte der Rat, dass geschlechtergerechte Schreibung nicht das Erlernen der geschriebenen Sprache erschweren dürfe.

Die Nutzung von Gender-Stern (Asterisk), Gender-Gap (Unterstrich), Doppelpunkt oder anderen verkürzten Formen zur Kennzeichnung mehrgeschlechtlicher Bezeichnungen im Wortinneren beeinträchtige aber die Verständlichkeit, Vorlesbarkeit und automatische Übersetzbarkeit sowie vielfach auch die Eindeutigkeit und Rechtssicherheit von Begriffen und Texten. Eine Aufnahme ins Amtliche Regelwerk der deutschen Rechtschreibung könne daher derzeit nicht empfohlen werden.

Geringe Schreibkompetenz bei vielen Erwachsenen

Wie der Rechtschreibrat ferner betont, ist die geschriebene Sprache nicht nur von Schülerinnen und Schülern zu lernen, die noch schriftsprachliche Kompetenzen erwerben und deren Leistungen in international vergleichenden Studien immer wieder für Diskussionen sorgen. Vielmehr müsse auch auf Erwachsene mit geringer Literalität Rücksicht genommen werden, die einen Anteil von mehr als zwölf Prozent ausmachten: Sie seien nicht in der Lage, auch nur einfache Texte zu lesen und zu schreiben. Auch Menschen mit Deutsch als Zweit- oder Fremdsprache sollte der Sprach- und Schrifterwerb nicht erschwert werden.

Diese Kriterien werden Vorgaben für die Schreibung, wie sie in den letzten Jahren von vielen Kommunen und Hochschulen vorgegeben worden sind, nicht gerecht. „Das gilt vor allem für die Nutzung von Asterisk, Unterstrich, Doppelpunkt und anderen verkürzten Zeichen, die innerhalb von Wörtern eine ,geschlechtergerechte‘ Bedeutung zur Kennzeichnung verschiedener Geschlechtsidentitäten signalisieren sollen“, führt der Rat aus. Die verwendeten Zeichen hätten zudem in der geschriebenen Sprache auch andere Bedeutungen, etwa als Satzzeichen, typografische Zeichen oder Informatik- und kommunikationstechnische Zeichen.

Freiheit der Wissenschaft und Lehre

Daneben bringt der Rechtschreibrat die Freiheit der Wissenschaft und Lehre ins Spiel. Er bezweifelt, dass die gerade im Hochschulbereich verbreitete Forderung einer „gegenderten Schreibung“ in systematischer Abweichung vom Amtlichen Regelwerk der deutschen Rechtschreibung damit vereinbar ist. „Hochschulen und Lehrende haben die Freiheit des Studiums nicht nur bei der Wahl von Lehrveranstaltungen, sondern auch bei der Erarbeitung und Äußerung wissenschaftlicher Meinungen der Studierenden zu beachten und zu schützen.“ Abzüge bei der Bewertung schriftlicher Leistungen, die nicht gegendert sind, könnten damit in Widerspruch stehen.

Der Rat bekennt sich erneut zum Ziel, allen Menschen mit geschlechtergerechter Sprache zu begegnen und sie sensibel anzusprechen. Dies sei allerdings eine gesellschaftliche und gesellschaftspolitische Aufgabe, die nicht allein mit orthografischen Regeln und Änderungen in der Rechtschreibung gelöst werden könne. Er hält an einen 2018 in Passau beschlossenen Kriterien geschlechtersensibler Schreibung neben der erwähnten Lernbarkeit fest.

Kriterien geschlechtersensibler Schreibung

Geschlechtergerechte Texte sollen demnach

  • sachlich korrekt sein,
  • verständlich und lesbar sein,
  • vorlesbar sein,
  • Rechtssicherheit und Eindeutigkeit gewährleisten,
  • übertragbar sein im Hinblick auf deutschsprachige Länder mit mehreren Amts- und Minderheitensprachen (wie Schweiz, Südtirol, Ostbelgien),
  • für die Lesenden bzw. Hörenden die Möglichkeit zur Konzentration auf die wesentlichen Sachverhalte und Kerninformationen sicherstellen.

Der Rat für deutsche Rechtschreibung hat die Aufgabe, die Einheitlichkeit der Rechtschreibung im deutschen Sprachraum zu bewahren und die Rechtschreibung auf der Grundlage des orthografischen Regelwerks im unerlässlichen Umfang weiterzuentwickeln. Dazu dienen vor allem die ständige Beobachtung de Schreibentwicklung und die Klärung von Zweifelsfällen der Rechtschreibung. Der Rat wird getragen von Deutschland, Österreich, der Schweiz, der Autonomen Provinz Bozen-Südtirol, der Deutschsprachigen Gemeinschaft Belgiens und dem Fürstentum Liechtenstein.

Springer Nature kooperiert mit Bibliothek der UC Berkeley

Springer Nature baut sein Open-Access-Netzwerk weiter aus. Der Wissenschaftsverlag hat nun eine Partnerschaft mit der Bibliothek der University of California geschlossen. Es ist das erste Abkommen mit einer wissenschaftlichen Einrichtung zur Veröffentlichung von Open Access-Büchern, wie Springer mitteilt.

Die Vereinbarung umfasst Buchtitel aus allen Fachgebieten – von den Geistes- und Sozialwissenschaften bis hin zu Naturwissenschaften, Technik und Medizin. Die Vereinbarung gilt zunächst für drei Jahre und wird Fördermittel für Open Access-Bücher bereitstellen. Die Bücher werden bei den Verlagsmarken Springer, Palgrave und Apress erscheinen; die Veröffentlichung die ersten Titel ist noch in diesem Jahr geplant.

Die Zusammenarbeit zur Veröffentlichung von Open Access-Büchern folgt auf ein transformatives Abkommen zwischen Springer Nature und dem bundesstaatlichen Verbund der University of California, das bereits im verfangenen Jahr abgeschlossen wurde. Durch das transformative Abkommen können Forscher aus diesen Universitäten ihre Forschungsarbeiten in über 2.700 Zeitschriften von Springer Nature Open Access veröffentlichen. In einigen wissenschaftlichen Disziplinen gelten Bücher nach wie vor als das bevorzugte Format. Um dem gerecht zu werden, möchte die Bibliothek der UC Berkeley auch Buchautoren eine Möglichkeit für Open Access bieten.

Die Bücher werden unter einer CC BY-Lizenz veröffentlicht, sodass die Buchtitel weltweit auf SpringerLink, der Plattform von Springer Nature, frei verfügbar sind. Dadurch wird nachweislich eine bessere Reichweite und Sichtbarkeit der Bücher erreicht, da Open Access-Titel zehn Mal häufiger heruntergeladen und 2,4-mal häufiger zitiert werden als Publikationen, die nicht als Open Access-Titel veröffentlicht wurden.

APA setzt im Jubiläumsjahr auf Stärkung der Digital-Strategie

Die APA – Austria Presse Agentur arbeitet an der Stärkung ihrer Digital-Strategie. Die Nachrichtenagentur entwickelt derzeit einen Prototypen für eine Log-in-Allianz der österreichischen Medien, führt die Funktion eines Chief Digital Officers ein und hat einen konzerninternen Innovationsfonds ins Leben gerufen, mit dem das Medium wie ein eigenes Start-up im Unternehmen agieren kann. Zentraler Eckpfeiler der neuen Digital-Strategie: vertrauenswürdige Information.

Neben dem im Vorjahr gestarteten PR-Desk für die Kommunikationsbranche werde man den APA Online Manager als zentrale Kundenplattform zu einer modernen News-Plattform für den professionellen Medien- und Informationsmarkt entwickeln, die alle Inhalte der APA umfasst und mobil optimiert ausspielt. Gemeinsam mit Österreichs Medien entwickelt die Nachrichtenagentur derzeit auch eine Log-in-Allianz. „Idee und Zielsetzung dahinter ist, dass man die Inhalte der verschiedenen Medien mit einer User-ID medienübergreifend nutzen kann“, erklärte Pig.

Qualitätsvoller Agenturjournalismus bleibe wichtig, zeigte sich der APA-Chef überzeugt. „Zuverlässiger, faktenbasierter und ausgewogener Nachrichtenjournalismus ist ein Alleinstellungsmerkmal der APA-Redaktion. In den polarisierten und überhitzten Online-Welten gewinnt dieser Qualitätsagenturjournalismus laufend an Bedeutung. Es geht darum, die Stärken der APA im Rahmen von neuen Formaten nach draußen zu bringen.“ Als Beispiel nannte Pig etwa die APA-Faktenchecks, die gerade vom International Fact Checking Network (IFCN) des Poynter Institute zertifiziert wurden.

Das Geschäftsjahr 2020 konnte trotz Wirtschaftskrise stabil abgeschlossen werden, der Start ins Jahr 2021 erfolgte laut Pig ebenso stabil, auch wenn Corona die Rahmenbedingungen im Mediengeschäft verschärft habe. „Als rein privatwirtschaftlich geführtes Unternehmen, das mehrheitlich im privaten Eigentum steht, verfolgen wir die Strategie, dass wir nicht nur politisch, sondern auch wirtschaftlich unabhängig sind. Wir beziehen keine staatlichen Subventionen und keine staatlichen Förderungen.“

Vor allem staatliche Nachrichtenagenturen stünden unter Druck. Die APA zähle zur leider viel zu kleinen Gruppe von 20 unabhängigen von 140 Nachrichtenagenturen weltweit. „Nur wirtschaftliche Unabhängigkeit sichert unsere redaktionelle Unabhängigkeit. Wir erfüllen als unabhängige Nachrichtenagentur zwar einen Public Value, erfüllen diesen Public Value aber in privatem Auftrag, weil uns niemand von staatlicher Seite die Kosten zur Erstellung dieses Public Value ersetzt, und wir wollen das auch gar nicht.“

RTL prüft Verkauf des Belgien-Geschäfts

Die RTL Group erwägt einem Medienbericht zufolge den Verkauf des Belgien-Geschäfts. Die Investmentbank JPMorgan sei beauftragt worden, einen solchen Schritt zu prüfen, schreibt die belgische Wirtschaftszeitung L’Echo unter Berufung auf mit der Sache vertraute Personen. Der Wert für die belgische Tochter könnte dem Bericht zufolge bei rund 300 Millionen Euro liegen.

Zuletzt stand für die RTL-Gruppe bereits eine mögliche Veränderung im zweitwichtigsten Markt Frankreich im Raum: RTL hält an der börsennotierten TV-Gruppe M6 gut 48 Prozent. Medien hatten über einen möglichen Verkauf spekuliert. RTL-Gruppen-Chef Thomas Rabe hatte bei der Vorstellung der Jahreszahlen für 2020 Mitte März dazu dann lediglich erneut betont, man prüfe Optionen für den Kontrollanteil „mit dem Ziel, Werte für unsere Aktionäre zu schaffen“. „Derzeit kann es keine Gewissheit geben, dass dies zu einer Vereinbarung oder Transaktion führen wird“, ergänzte er. Einen Zeitpunkt für eine Entscheidung hatte er offen gelassen.

Servus TV weitet digitales Angebot mit neuem Sportportal aus

Servus TV weitet nach der Intensivierung seiner Sportberichterstattung auch seine Digitalkanäle aus. Beim neuen Sportportal unter servustv.com/sport, via neue SmartTV- und Mobile Apps sollen Sportfans ein vielfältiges Angebot an exklusiven Live-Streams, aktuellen Sportnachrichten, Highlight-Clips oder On-Demand-Inhalten erhalten.

Mit der Formel 1, der MotoGP, Live-Tennis mit Dominic Thiem, dem DFB Pokal, der UEFA Champions League, der UEFA Europa League und der UEFA Conference League (UEFA Bewerbe ab Herbst 2021) hat der Sender von Dietrich Mateschitz sein Live-Sport-Angebot in den vergangenen Jahren sukzessive ausgebaut.

ServusTV ist ab sofort als Smart-TV-App z.B. über Android TV, Amazon Fire Stick, Apple TV und Chromecast verfügbar und hat zudem in der Mobile-Version (iOS & Android) einen Refresh erhalten. Sowohl Smart-TV- als auch Mobile-App können entsprechend den Nutzer-Vorlieben personalisiert werden. So ist es beispielsweise möglich, bestimmten Sendungen zu folgen.

„DSDS“: Gottschalk springt für Bohlen ein

RTL hat schnell Ersatz gefunden für Dieter Bohlen: Wie der Sender überraschend mitteilte, wird Thomas Gottschalk an diesem und dem kommenden Wochenende in der Jury von „Deutschland sucht den Superstar“ sitzen. Bohlen hatte am Tag zuvor kurzfristig abgesagt – „krankheitsbedingt“, wie es heißt. Erst zwei Wochen zuvor war bekannt geworden, dass RTL in den künftigen Staffeln von „DSDS“ und „Das Supertalent“ nicht mehr auf Bohlen setzen wird.

Ute Biernat, Geschäftsführerin von UFA Show & Factual, die mit Gottschalk einst schon bei dessen erfolglosen Ausflug in den ARD-Vorabend zusammenarbeitete, zeigte sich ebenfalls zufrieden. „Thomas ist DER Entertainer des deutschen Fernsehens und wird die Jury aus Maite Kelly und Mike Singer, die durch ihre musikalische Expertise glänzen, perfekt mit seinem Humor, Charme und Star-Appeal ergänzen“, sagte die Produzentin.

RTL will neue Nachrichtensendung mit Jan Hofer starten

RTL hat heute überraschend ein neues News-Format für die Zukunft angekündigt, bei dem Jan Hofer mit an Bord sein soll.

Der ehemalige Chefsprecher der „Tagesschau“ soll dabei der Anchorman des geplanten Formats werden. Zu den genauen Sendeplänen hält sich RTL derzeit allerdings noch bedeckt. Genaue Details wolle man im Sommer bekanntgeben, heißt es in der heutigen Ankündigung.

Bei dem Format soll es sich jedoch um eine neue wochentägliche Nachrichtensendung im Hauptabendprogramm von RTL handeln. Der Sender will damit laut eigenen Aussagen sein Newsangebot rund um das Flaggschiff „RTL Aktuell“ weiter ausbauen. Unter der Verantwortung von Gerhard Kohlenbach, Chefredakteur Nachrichten bei RTL News, entwickelt man derzeit die neue Sendung.

Discovery baut Stellen ab, starke „Line of Duty“-Rückkehr

Schlechte Nachrichten kommen von Discovery: Der Medienkonzern hat angekündigt, 10 Prozent seiner Stellen in Großbritannien zu streichen. Grund dafür sind Umstrukturierungen, die im Zuge des Starts von Discovery+ erfolgen. Die Streamingplattform soll mehr in den Mittelpunkt der Geschäftsaktivitäten rücken – dafür braucht man nun weniger Angestellte, die in UK sitzen. Derzeit arbeiten auf der Insel rund 100 Personen für Discovery. „Wir organisieren das Geschäft in Großbritannien neu, um es für den anhaltenden Erfolg in der sich schnell entwickelnden TV- und Streaming-Welt zu positionieren“, erklärte eine Unternehmenssprecherin.

Verwaltungsgericht bestätigt Wiener Radiolizenz für Welle 1, Lounge FM wechselt auf 93,6

Wer ab 25.03. in Wien LoungeFM hören will, muss den Sendersuchlauf in Gang setzen: Seit Mitternacht funkt das Radioprogramm von Florian Novak nicht mehr auf 102,1 MHz in Wien. Nach sechs Jahren Vergabevfahren hat das Bundesverwaltungsgericht bestätigt, dass diese Frequenz an Welle 1 Salzburg von Stephan Prähauser geht.

Lounge FM sendet nun auf 93,6 Megahertz. Diese Frequenz – vom Raiffeisengebäude am Donaukanal – hat Lounge-Macher Florian Novak als frei identifiziert. Die Medienbehörde KommAustria hat sie wie berichtet Ende Oktober 2020 ausgeschrieben. Novak hat sich darum beworben – neben einer Reihe anderer Interessenten.

Der Radiomacher bemühte sich in den vergangenen Jahren mehrfach um eine Lizenz in Wien, bisher funkt er mangels Erfolg bei diesen Lizenzverfahren auf zeitlich befristetet Eventlizenzen in der Hauptstadt.

Die Medienbehörde KommAustria erteilte – ebenfalls auf der Basis eines technischen Konzepts von Novaks Sender – die Lizenz zum Senden auf 102,1 im April 2017 der Welle 1. Novak beschwerte sich gegen die Vergabe beim Bundesverwaltungsgericht, das nun am 19. März 2021 seine Entscheidung ausfertigte.

Novak hat – so referiert das Bundesverwaltungsgericht in seiner Entscheidung – gegen die Vergabe argumentiert: In diesem Fall wären nicht, wie bei vorangegangenen Lizenzen in Wien, Spartensender ohne vergleichbares Angebot in Wien zum Zug gekommen, sondern „trotz der im Verbreitungsgebiet empfangbaren Programme mit weitgehend übereinstimmendem Musikformat und vergleichbarer inhaltlicher Ausrichtung in Abkehr zur bisherigen Judikatur ein kommerzielles Mainstream-Programm ohne erkennbaren Mehrwert“.

Das Bundesverwaltungsgericht kann indes „keinen Mangel in der Begründung der getroffenen Auswahlentscheidung der belangten Behörde erkennen. Die belangte Behörde hat die für die Auswahlentscheidung im Gesetz festgelegten maßgeblichen Auswahlkriterien in vertretbarer Weise gegeneinander abgewogen und ist deshalb ihr Entschluss (…) nicht zu beanstanden.“

Das Gericht argumentiert: Die Auswahl sei „eine Ermessensentscheidung“, die Medienbehörde habe „ihr Ermessen im Sinne des Gesetzes ausgeübt“.

Urheberrecht: Schriftstellerverband will einbezogen werden

Der Verband deutscher Schriftstellerinnen und Schriftsteller (VS in ver.di) fordert die Einbindung der Urheber in die Anhörungen des Bundestags und den weiteren Gesetzgebungsprozess.

Am 12. April 2021 findet die wesentliche öffentliche Anhörung für die Umsetzung der Urheberrechtsrichtlinie im Bundestag statt, in der die 24 Artikel der Richtlinie diskutiert werden. Als Sachverständige seien bisher ausschließlich Vertreter der Verwerter, der Internetznutzer sowie ein Medienanwalt eingeladen, heißt es.

„Die Anhörung für die Umsetzung der Urheberrechtsrichtlinie in deutsches Recht betrifft die Belange der Schriftsteller (und Urheber im Allgemeinen) direkt. Sie darf nicht ohne eine Vertretung der Urheber geführt werden“, sp die VS-Vorsitzende Lena Falkenhagen. „Umgekehrt entspräche eine Anhörung allein derer, die Geld mit unseren Inhalten verdienen oder deren freie Verfügbarkeit fordern, weder grunddemokratischen Prinzipien noch dem Geist der EU-Richtlinie, die sich der Stärkung des Urheberrechts verpflichte.“

Unmittelbarer finanzieller Verlust für „Wiener Zeitung“ abgewendet

Das Justizministerium hat einen neuen Entwurf für die Umsetzung einer EU-Richtlinie, die sich mit dem „Einsatz digitaler Werkzeuge und Verfahren im Gesellschaftsrecht“ befasst, erarbeitet. Damit sei ein „unmittelbarer finanzieller Verlust“ für die „Wiener Zeitung“ abgewendet, teilte die Tageszeitung in einer Aussendung mit. Dennoch erfordere der geplante Wegfall der Veröffentlichungspflicht im Amtsblatt in Papierform eine „grundlegende Änderung des Geschäftsmodells“.

Die noch heuer umzusetzende EU-Richtlinie verlangt eine zentrale Stelle für die Dokumentation von Unternehmensinformationen. Bisher werden Informationen wie Jahresabschlüsse großer Aktiengesellschaften in Amtsblatt der republikseigenen „Wiener Zeitung“ publiziert. Das Firmenbuch wird dagegen von österreichischen Landesgerichten geführt. Fiele die Veröffentlichungspflicht in der ältesten noch erscheinenden Tageszeitung der Welt weg, wäre deren Existenz ohne neue alternative Finanzierungsquellen zumindest in gedruckter Form gefährdet.

Die im Regierungsprogramm vorgesehene Abschaffung der Veröffentlichungspflicht in Papierform dürfte jedoch weiterhin nicht vom Tisch sein. Der geplante Wegfall erfordere jedenfalls Reformen und „eine grundlegende Änderung des Geschäftsmodells“, wurde Martin Fleischhacker, Geschäftsführer der „Wiener Zeitung“, in der Aussendung zitiert. „Es ist mir wichtig, den Transformationsprozess der ‚Wiener Zeitung‘, so wie es im Regierungsprogramm vorgesehen ist, mit großer Sorgfalt umzusetzen“, so Fleischhacker.

Die Zukunft der Tageszeitung in gedruckter Form ist weiterhin in der Schwebe. Auf Nachfrage der APA wollte man sich bei der „Wiener Zeitung“ nicht festlegen, ob der Fortbestand als Printtitel gesichert ist. Gemeinsam mit der Bundesregierung wolle man nun die vorliegenden Konzepte diskutieren.

Das Unternehmen trieb in den vergangenen zwei Jahren seine Digitalisierung stark voran. Es arbeitet an einer zentralen und digitalen Veröffentlichungsplattform. Auch wurde in der Redaktion ein digitaler Newsroom aufgebaut. Darüber hinaus sind laut der Aussendung neue Geschäftsfelder entstanden – etwa durch die Gründung der Content Agentur Austria, mit der Content-Leistungen an den Bund als auch die Wirtschaft erweitert wurden.

„Falter“ gründet Ressort „Natur“ und baut Newsletter aus

Die Wiener Wochenzeitung „Falter“ startet das neue Ressort „Natur“ unter der Leitung von „Falter“-Umweltredakteur Benedikt Narodoslawsky, der erst kürzlich ein Buch über die Fridays for Future Bewegung vorlegte. Thematisch soll es beispielsweise um die Themen Nachhaltigkeit, Klimawandel, Landwirtschaft, Bodenversiegelung sowie Tiere und Pflanzen in allen Facetten gehen.

Zusätzlich zum neuen Ressort verschickt der „Falter“ ab Freitag einen wöchentlichen Natur-Newsletter, der kostenlos unter falter.at/natur abonniert werden kann. „Mit dieser journalistischen Offensive reagiert der ‚Falter‘ auf die drängendsten Probleme unserer Zeit, der Biodiversitäts- und Klimakrise. Sie finden tagtäglich statt und entziehen sich deshalb der medialen Logik“, so Ressortleiter Benedikt Narodoslawsky in einer Aussendung, „wir wollen diese Logik brechen und diesen Themen nun regelmäßig jenen redaktionellen Platz geben, den sie verdienen.“

Mit im Team ist neben Narodoslawsky noch Gerlinde Pölsler, die seit Jahren über Tierwohl und Landwirtschaft berichtet. Als Kolumnist wird der Zoologe und Publizist Peter Iwaniewicz fungieren.

ORF begleitet mit „Formel 1 Motorhome“ alle Grands Prix

Mit dem „Formel 1 Motorhome“ widmet sich der ORF ab 28.03. sämtlichen 23 Formel-1-Grands-Prix der bevorstehenden Saison. Das Duo Ernst Hausleitner und Alexander Wurz analysiert dabei im Anschluss an die Rennen die wichtigsten Szenen. Auch Servus TV etabliert ein neues sonntägliches Sendeformat, das Formel 1 sowie MotoGP in einem Magazin vereint.

Am kommenden Sonntag findet der erste Grand Prix der Saison in Bahrain statt. Diesen überträgt Servus TV. Das zweite Rennen am 18. April in Italien zeigt wiederum der ORF. Die beiden Sender teilen sich die Free-TV-Rechte an der Motorsport-„Königsklasse“ und zeigen je zwölf Rennen, wobei der Große Preis von Österreich am 4. Juli in Spielberg sowohl vom ORF als auch von Servus TV übertragen wird. Beide Sender haben nun zusätzliche Formate etabliert, um auch an übertragungsfreien Wochenenden den Zusehern Infos zu liefern.

Chefanalytiker Alexander Wurz

In ORF 1 werden im „Formel 1 Motorhome“ im Anschluss an alle Rennen die wichtigsten Szenen analysiert. Ernst Hausleitner fungiert als Anchor, der in jeder Sendung von mindestens drei Expertinnen und Experten unterstützt wird, teilte der ORF in einer Aussendung mit. Alexander Wurz ist der Chefanalytiker.

„Datum“: Zach und Aczél steigen aus, Loudon übernimmt ihre Anteile

Die Satzbau GmbH, die das Monatsmagazin „Datum“ herausgibt, hat eine neue Eigentümerstruktur. Der bisherige Haupteigentümer, die AZH der Wiener Lobbyisten und Geschäftsleute Alexander Zach und Zoltán Aczél, verkauft alle ihre Anteile (52,5 Prozent) an den Herausgeber und bisherigen Minderheitseigentümer (25 Prozent) Sebastian Loudon. Ex-„Datum“-Chefredakteur Stefan Apfl, bisher mit 22,5 Prozent am Unternehmen beteiligt, verkauft 12,5 Prozent an Loudon.

Somit lägen künftig 90 Prozent der Anteile der Satzbau GmbH bei Loudon und 10 Prozent bei Apfl, informierte das Magazin in einer Aussendung. Loudon übernimmt im Zuge dessen auch die Geschäftsführung der Satzbau GmbH von Zach, der diese Funktion seit dem Neustart von „Datum“ im Jahr 2016 wahrgenommen hat. Ex-„Horizont“-Chefredakteur Loudon bleibt Repräsentant der „Zeit“ in Österreich.

Im Oktober 2015 übernahm Stefan Apfl die „Datum“-Chefredaktion und gründete „Datum“ 2016 neu. An Bord waren auch Miteigentümer Alexander Zach, Ex-Chef des Liberalen Forums, und die Monopol Medien GmbH. Ex-„Horizont“-Chefredakteur Sebastian Loudon stieg 2018 ein und Apfl 2020 aus. Er gründete – wie berichtet – den Digitalverlag Hashtag.

Inserate in rechten Hetzmedien in Slowenien

Im Februar 2021 berichtet das Nachrichtenmagazin „Profil“, dass Zoltán Aczél und Alexander Zach mit ihrem Bauunternehmen, der Belfry Holding GmbH, prominent in rechten Hetzmedien in Slowenien werben würden. Konkret handelte es sich um die Boulevardzeitung „Škandal 24“ und den Fernsehsender Nova24TV. Die Medien sollen rechte und antisemitische Verschwörungstheorien verbreiten.

„Škandal 24“ und Nova24TV sollen im Einflussbereich des ungarischen Premiers Viktor Orbán stehen. In Ungarn trete Belfry auch als Sponsor von Orbáns liebstem Fußballverein auf, dem Puskás Akadémia FC in Orbáns Heimatdorf Felcsút, so „Profil“.

NDR distanziert sich: Preisgekrönte Doku über Sexarbeit gefälscht

Der Dokumentarfilm „Lovemobil“ hat in den vergangenen Monaten durchaus Wellen geschlagen. Coronabedingt lief er nur kurz im Kino, er war aber auch auf Festivals auf der ganzen Welt zu sehen. Die Free-TV-Ausstrahlung im NDR erfolgte am 8. Dezember. Viele deutschen Medien berichteten über die Prämisse des Films, im Juli 2020 gab es einen Deutschen Dokumentarfilmpreis. Aktuell ist die Produktion für einen Grimme Preis nominiert. Doch nun hat sich der NDR von dem Dokumentarfilm distanziert.

Der Film von Autorin Elke Margarete Lehrenkrauss zeige „in weiten Strecken Szenen, die nicht authentisch sind“, heißt es vom Sender. Eine langjährige Recherche hat es wohl tatsächlich gegeben, im Film sind dann aber offenbar viele ProtagonistInnen zu sehen gewesen, die gar nicht ihre eigenen, persönlichen Erfahrungen geschildert haben. Sie haben Rollen gespielt, Szenen sollen inszeniert worden sein.

In „Lovemobil“ geht es um das Leben von Prostituierten, die unter entwürdigenden Umständen in Wohnmobilen am Rande von Bundesstraßen in Niedersachsen arbeiten. Elke Margarete Lehrenkrauss hat eingeräumt, dass sie Darsteller eingesetzt habe, darunter auch Bekannte aus ihrem Umfeld. So ist die Prostituierte Rita aus dem Film gar keine Prostituierte, die Figur soll vielmehr Geschichten von anderen Frauen nachgespielt haben – die soll es aber tatsächlich so gegeben haben. Auch die angebliche Prostituierte Milena arbeitet nicht, wie im Film behauptet, in einem Wohnmobil an der B188/B4 – sie soll nur für die Dreharbeiten nach Niedersachsen gekommen sein. Bei einem der gezeigten Freier soll es sich um einen Bekannten der Autorin handeln.

„MicroMega“ vor dem Out?

Wäre es nach dem bisherigen Verleger gegangen, dann wäre die aktuelle Ausgabe der linken italienischen Debattenzeitschrift MicroMega die letzte. Das Magazin, das seit 35 Jahren alle zwei Monate erscheint, sollte sang- und klanglos vom Markt verschwinden. Ob es doch anders kommt, hängt jetzt an den Leser*innen.

MicroMega sei das Forum der „aufklärerischen Linken“, so beschreibt Paolo Flores d’Arcais, der Chefredakteur, sein gut 200 Seiten starkes Magazin. Das Heft ist seit jeher dafür bekannt, dass es immer dezidiert Position bezog: gegen den Berlusconismus genauso wie für einen radikalen Laizismus. Man kreuzte die Klinge mit katholischen Positionen, wenn es zum Beispiel um die Sterbehilfe ging – legte sich aber auch mit islamischen Standpunkten an, etwa in der Schleierdebatte.

Jahrzehntelang genoss die Redaktion dabei völlige Freiheit, unter dem Schirm eines der größten Zeitungsverlage des Landes, der Gruppe L’Espresso-Repubblica. Dann fusionierte deren Eigner zunächst mit dem Verlag der Fiat-Familie Agnelli-Elkann (er gibt unter anderem die Turiner Tageszeitung La Stampa heraus) zur Gedi-Verlagsgruppe. Und trat schließlich alle Anteile 2020 komplett an den Fiat-Clan ab.

In einem mehr als knappen Kommuniqué gab die Gedi-Gruppe im Dezember trocken bekannt: MicroMega werde zum Jahresende eingestellt. Die Zeitschrift passe nicht in „die unternehmerische und verlegerische Planung“.

„MicroMega“ muss es alleine schaffen

Gewiss, das Magazin war keine Geldmaschine, doch es war andererseits auch kein Millionengrab. Deshalb drängt sich der Verdacht auf, dass der Agnelli-Clan da einfach eine linke Stimme zum Schweigen bringen wollen könnte. Erst einmal jedoch macht MicroMega weiter. Seit Donnerstag liegt wieder eine aktuelle Ausgabe an italienischen Kiosken, mit der Kommunistischen Partei als Titelthema. Diese Ausgabe lag offenbar schon fast fertig bereit.

Wie es aber weitergeht, hängt nun von den Le­se­r*in­nen ab. Flores d’Arcais hat die Rechte am Titel erworben und einen neuen Verlag gegründet, mit derselben vierköpfigen Redaktion. Gedi sichert für ein Jahr zu, die Zeitschrift weiter zu drucken und zu vertreiben, unter der Bedingung aber, dass für vier Jahre keine andere Verlagsgruppe als Partner an Bord kommt, sprich: dass MicroMega auf sich gestellt bleibt.

Le­se­r*in­nen sollen nun mit Abos oder mit großzügigen Spenden das Überleben sichern. Für Mai ist ein Doppelheft geplant über 35 Jahre MicroMega. Wie viele Jahre folgen, ist derzeit mehr als ungewiss.

Austria-Kiosk um 44 Magazine des Gruner + Jahr-Verlags erweitert

Das von der APA betriebene Online-Zeitungsportal Austria-Kiosk wächst um 44 Magazintitel des Hamburger Verlags Gruner + Jahr. Unter den Neuzugängen finden sich etwa die „GEO“-Reihe, das „P.M.“-Magazin, „Stern“ oder auch „Schöner Wohnen“. „Durch die Kooperation mit Gruner + Jahr können unsere Kiosk-Leserinnen und -Leser noch mehr reichweitenstarke Magazine jederzeit von der Couch oder dem Frühstückstisch aus abrufen“, freute sich APA-DeFacto-Geschäftsführer Klemens Ganner.

Insgesamt können laut einer Aussendung nun 32.000 registrierte Leser mehr als 450 Zeitungen und Zeitschriften im Austria-Kiosk lesen. Darüber hinaus bieten Hotels, Firmen, Bibliotheken, Universitäten und andere Institutionen an mehr als 150 Standorten mit der sogenannten Austria-Kiosk-FreeLounge ihren Besuchern und Mitarbeitern kostenlosen Zugriff auf das Medienangebot an.

Neos für Erhalt der „Wiener Zeitung“ – aber ohne den Staat als Eigentümer

Das drohende Aus der „Wiener Zeitung“ als Tageszeitung, beschäftigt auch die Opposition. Wenn es nach den Vorstellungen von Neos-Mediensprecherin Henrike Brandstötter geht, dann solle das Medium weiter existieren, allerdings ohne den Staat als Eigentümerin. „Ich kann mir sehr gut vorstellen, dass die ‚Wiener Zeitung‘ mit Jahresende nicht zugesperrt, sondern weitergeführt wird – jedoch nicht mehr als Amtsblatt der Republik, sondern als unabhängiges Medienprojekt“, schreibt Brandstötter in einem Mail an die Redakteursvertretung der „Wiener Zeitung“, die sich an die Politik mit der Bitte gewandt hat, sich für den Erhalt des Mediums in gedruckter Form einzusetzen.

Die Neos-Mediensprecherin plädiert jedenfalls für den Erhalt: „Ob dies in Form einer Genossenschaft geschieht, ähnlich der deutschen Tageszeitung taz oder des Schweizer Onlinemagazins Republik, oder eine gänzlich andere Form gefunden wird, muss ebenso diskutiert werden, wie die Überbrückungsfinanzierung.“ Sie schlägt eine Finanzierung über fünf Jahre mittels degressiven Modells vor. Was das konkret bedeutet? „Um diese Finanzierung zu erhalten, muss die ‚Wiener Zeitung‘ im Gegenzug für den Bund für diese fünf Jahre ein Projekt umsetzen, etwa – als zeitgemäße Fortführung und Erweiterung des Amtsblatts – die Open Data-Aktivitäten der Regierung gebündelt mit journalistischem Know-how voranzutreiben und auf einer Plattform darstellen.“

DuMont bündelt Weiterbildungsangebote zur Reguvis Akademie

Die Kölner DuMont Mediengruppe bündelt ihre drei Weiterbildungsmarken im Fachmediensektor unter dem gemeinsamen Dach. Die drei Marken Reguvis Fachmedien, Bremer Außenwirtschafts- und Verkehrsseminare (bav) und Zoll- und Außenwirtschafts-Kolleg (ZAK) aus Köln treten künftig zusammen als Reguvis Akademie auf. Ziel der Neupositionierung ist es, Marktführer für die Vermittlung von Wissen und Vernetzung in ihren Fachgebieten zu werden – vor allem im Bereich der Außenwirtschaft.

Geschäftsführerin der Reguvis Akademie wird Stefanie Pracht. DuMont hatte sie im Dezember 2020 zunächst zur Leiterin des Veranstaltungsbereichs der Reguvis Fachmedien ernannt. Davor hatte sie den Kongress- und Weiterbildungsbereich bei GS1 Germany in Köln verantwortet. Davor war sie im Eventbereich der Düsseldorfer Handelsblatt Media Group tätig.

Sportdigital Fußball nimmt die „Kickers“ ins Programm

Sportdigital Fußball zeigt schon bald den Anime-Klassiker „Kickers“, das hat der Sender jetzt angekündigt. Die Serie ist beim Kanal ab dem 1. April immer donnerstags ab 18:20 Uhr mit Doppelfolgen zu sehen. Der Sender spricht von „neuen Folgen“, die man ausstrahle. Das ist letztlich wohl Definitionssache: Die Serie lief in Japan schon zwischen 1986 und 1987, in den 90er und 00er Jahren waren die insgesamt nur 26 Folgen auch auf vielen deutschen Sendern beheimatet – unter anderem bei Tele5, RTLzwei und tm3.

Online gibt es die Serie übrigens schon jetzt zu sehen, in den Mediatheken der Plattform-Partner Vodafone, Telekom und Amazon sowie auf dem eigenen Online-Portal sind bereits ab sofort alle 26 Folgen verfügbar. Inhaltlich dreht sich in „Kickers“ alles rund um den Fußballer Gregor und seine Freunde. Der talentierte Schüler zieht in eine neue Stadt und schließt sich dort den bis dato erfolglosen „Kickers“ an. Mithilfe seiner Freunde haucht Gregor der Mannschaft neues Leben ein und die Schüler werden zu einem echten Team, dass einige Achtungserfolge feiern kann.