Generation Z kauft wegen Corona mehr online ein

Der Corona-Lockdown hat auch unter der jungen Bevölkerung zu Verhaltensveränderungen geführt. So geben 43 % der „Generation Z“ (18- bis 24-Jährige) an, nun „viel mehr“ online einzukaufen als vorher. Im Vergleich dazu stimmen dem nur 18 % der Über-65-Jährigen zu.

Zu diesen Ergebnissen kommt eine Studie von Paysafe, die die Veränderungen im Einkaufsverhalten durch die Corona-Krise analysiert. Paysafe ist eine führende spezialisierte Zahlungsplattform und in Wien mit paysafecard (rund 250 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter) präsent.

Zugleich ist sich diese junge Zielgruppe der Risiken des digitalen Einkaufens und Bezahlens bewusst. Am liebsten wäre es der GenZ, wenn sie Bargeld im Internet verwenden könnte: 40 % wollen keine persönlichen Finanzdaten (wie Kreditkarten- oder Kontonummer) weitergeben, und sogar 43 % erwarten umfassenden Schutz vor Betrugsversuchen und anderen Angriffen. Kein Wunder, dass ein bargeldbasiertes Zahlungsmittel wie Prepaid-Karten bei fast der Hälfte der jungen Konsumenten (48 %) für ein deutlich besseres Sicherheitsgefühl sorgen als andere Zahlungsformen.

Der Hintergrund dafür ist die ungebrochene Bargeld-Affinität, die hierzulande auch für die junge Generation ohne Einschränkung gilt: So stimmten zuletzt 43 % der GenZ der Aussage zu, dass Bargeld gerade in unsicheren Zeiten die verlässlichste Zahlungsmethode darstellt.

Burda hält Umsatz stabil und kann Gewinn sogar steigern

Während andernorts die Umsätze wegbrachen und teils massive Verluste angehäuft wurden, hat der Burda-Konzern seinen Umsatz laut CEO Kallen im ersten Halbjahr in etwa auf Vorjahresniveau stabil halten können. „Es gab also keinen Einbruch, wir sind aber auch nicht wie geplant um 4,5 Prozent gewachsen. Im letzten Jahr lagen wir bei einem Plus von 4,8 Prozent auf rund 2,8 Milliarden Euro, haben 177 Millionen Euro investiert.“

Und mehr noch: Das Ergebnis sei sogar geringfügig besser ausgefallen als noch im vergangenen Jahr. Zum Einen sei das Investmentgeschäft noch vor Corona Anfang des Jahres sehr stark gelaufen, zum Anderen sei man mit einem „gewissen Kostenvorteil“ ins Jahr gestartet, weil man schon im letzten Jahr „aufgeräumt“ habe. „Wir hatten nirgendwo Rückenwind. Aber wir haben im Digitalgeschäft, etwa beim E-Commerce, und auch in der Druckerei den Umsatz steigern können“, so Kallen. Das klassische Anzeigengeschäft sei zwar auch bei Burda rückläufig, mache aber ohnehin nur drei bis vier Prozent des gesamten Konzernumsatzes aus. Zudem sei es auch weiterhin lukrativ, so Kallen.

„Wir haben im Unternehmen nur minimal Kurzarbeit eingesetzt, allerdings nicht in Kernbereichen. Wir versuchen, wie schon seit Jahren, ohne Denkverbote neue Erlösquellen zu finden. Mit einigen journalistischen Produkten gelingt uns das gut. Wir haben Reichweite in mehr Umsatz umwandeln können“, erläutert Kallen weiter, der aber auch nicht vergisst, gegen die großen US-Konzerne wie Google und Facebook zu wettern. „Deren Geschäftsmodell fußt darauf, nichts für Inhalte zu bezahlen. Sie diktieren die Spielregeln, und dadurch ist der Raum, der geblieben ist, um digital Erlöse zu erzielen, klein geworden.“ Groß genug allerdings offenbar, damit Burda auch in diesen Zeiten gutes Geld verdient.

Orange hält Umsatz und operativen Gewinn stabil

Gute Geschäfte mit Internetanbindungen haben beim französischen Telekommunikationskonzern Orange im zweiten Quartal die Belastungen durch die Coronakrise gemildert. So blieben viele Mobilfunkshops wegen des Lockdowns geschlossen und Konsumenten hielten sich mit Anschaffungen etwa von Smartphones eher zurück.

Gleichzeitig gewann der Konzern aber vor allem in Frankreich und Polen viele neue Internetkunden.

Stabiler Umsatz

Der Konzernumsatz blieb im zweiten Quartal im Jahres denn auch mit rund 10,4 Mrd. Euro nahezu stabil. Das um Sondereffekte bereinigte Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA) fiel leicht auf 3,3 Mrd. Euro. Von Bloomberg befragte Analysten hatten in etwas mit einem Gewinn in dieser Höhe gerechnet. Mit Blick auf das Gesamtjahr zieht sich Orange auf Kurs zu seinen Zielen. Dabei dürften in der Krise niedrigere Investitionen einen Rückgang des operativen Ergebnisses ausgleichen. Daher rechnet Orange mit einem Mittelzufluss aus eigener Kraft von mehr als 2,3 Mrd. Euro.

TV im Juli: Zuwächse für ORF und Servus TV, Minus für ATV

Die ORF-Sendergruppe hat im Juli einen Marktanteil von 32 Prozent erreicht und damit gegenüber dem Vergleichsmonat des Vorjahres (29,5 Prozent) etwas zugelegt. Sowohl ORF 1 als auch ORF 2 verzeichneten ein Plus. Die Angaben beziehen sich auf die Zielgruppe ab 12 Jahren.

ORF 1 erreichte einen Marktanteil von 7,3 Prozent (Juli 2019: 6,7 Prozent), ORF 2 von 21,4 Prozent (Juli 2019: 19,7 Prozent). Bei den Privaten legte der Salzburger Sender Servus TV zu, der seinen Marktanteil um 0,2 Prozentpunkte auf 3,3 Prozent steigerte. Auch oe24.tv verzeichnete einen Anstieg und zwar um 0,4 Prozentpunkte auf 0,8 Prozent.

ATV kam auf 3,1 Prozent (minus 0,4 Prozentpunkte) und Puls 4 stagnierte bei einem Marktanteil von 3,4 Prozent. Der Newssender Puls 24 kam auf 0,5 Prozent Marktanteil.

Trump gibt Microsoft 45 Tage für Tiktok-Verhandlungen

US-Präsident Donald Trump räumt Insidern zufolge dem chinesischen Internetgiganten Bytedance eine 45-tägige Frist ein, um einen Verkauf des US-Geschäfts der Kurzvideoplattform Tiktok an Microsoft auszuhandeln. Der US-Softwarekonzern hatte zuvor offiziell sein Interesse bekundet und Verhandlungen bestätigt. Die Gespräche sollen bis 15. September abgeschlossen werden, erklärte Microsoft.

Microsoft will nicht nur das US-Geschäft von Tiktok übernehmen, sondern auch das in Kanada, Australien und Neuseeland. Dabei sei der Konzern auch offen gegenüber anderen Investoren, die sich als Minderheitspartner beteiligen. Das Unternehmen fügte hinzu, dass keine Gewissheit bestehe, dass eine Einigung erzielt werden könne.

Tiktok ist eine international erfolgreiche Videoplattform, die in 65 Sprachen auf 175 Märkten angeboten wird. Nutzer können dort selbsterstellte Clips hochladen oder die von anderen ansehen. In Festland-China gibt es nur die zensierte Version Douyin. Tiktok versichert, es gehe der Plattform um kreative Inhalte, bei der „Privatsphäre und Sicherheit“ geschützt würden. Chinas Regierung habe keinen Zugriff auf Nutzerdaten und habe dies auch nie verlangt. Die Nutzerdaten würden in den USA gespeichert und verarbeitet.

Die US-Regierung hat dagegen Sicherheits- und Datenschutzbedenken gegen die vor allem bei jungen Menschen beliebte App, die weltweit etwa eine Milliarde Nutzer zählen soll – darunter rund 100 Millionen in den USA. Am Freitag hatte Trump angekündigt, er wolle TikTok in den USA verbieten.

ARD will die Preise für TV-Werbung stabil halten

Der ARD-Vermarkter AS&S hat angekündigt, ihre Preise in der kommenden TV-Saison unterm Strich konstant halten zu wollen. „Vor dem Hintergrund der aktuellen Herausforderungen für Wirtschaft und Gesellschaft durch die Corona-Pandemie ist es besonders wichtig, dass alle Player im Werbemarkt einen Code of Partnership pflegen“, erklärte Uwe Esser, der bei ARD-Werbung Sales & Services das TV-Geschäft verantwortet.

Die Rede ist von „einigen leistungsgerechten Modifikationen“, mit denen man insgesamt preisstabil in die neue TV-Saison gehe. „Mit diesem Signal der Verlässlichkeit wollen wir unseren Partnern im Werbemarkt Rückenwind für ihre werbliche Präsenz im TV, dem reichweitenstärjsten Medien, verschaffen“, sagte Esser.

Eigentlich wäre das Vermarktungsjahr 2020 für ARD und ZDF von der Fußball-EM und den Olympischen Sommerspielen geprägt gewesen. Diese sind nun Teil des Vermarktungsportfolios für 2021. Nach aktuellem Stand sollen die Preise hierfür stabil bleiben, kündigte AS&S an.

AT&S in der Verlustzone

Der steirische Leiterplattenherstellers AT&S hat es im ersten Quartal seines Geschäftsjahres 2020/21 (April bis Juni) wie erwartet nicht aus der Verlustzone geschafft: Der Nettoverlust stieg von 6,2 auf 7,5 Mio. Euro, wie das Unternehmen am Dienstag mitteilte. Operativ legte AT&S etwas zu, das Betriebsergebnis (EBIT) lag mit 0,2 Mio. Euro (nach -0,6 Mio. Euro) knapp über der Nulllinie.

Der Konzernumsatz erhöhte sich um 11,3 Prozent auf 247,9 Mio. Euro. Der Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA) legte um 13,1 Prozent auf 39,5 Mio. Euro zu. Die EBITDA-Marge lag bei 15,9 Prozent und war damit auf etwa dem Vorjahresniveau von 15,7 Prozent. Die EBIT-Marge lag bei 0,1 Prozent (Vorjahr: -0,3 Prozent).

Bei den Ausgaben für Basisinvestitionen (Instandhaltung und Technologie-Upgrades) wird abhängig von der Marktentwicklung ein reduziertes Budget von bis zu 80 Mio. Euro veranschlagt. Im Rahmen der strategischen Projekte sind für das Geschäftsjahr 2020/21 Investitionen bis zu 410 Mio. Euro plus 30 Mio. Euro aufgrund von Periodenverschiebungen zwischen den Geschäftsjahren geplant. Das Unternehmen hält an der Mittelfrist-Guidance fest, heißt es.

Covid-19 sorgt für Digitalisierungsschub

Von Online-Konferenzen bis Homeoffice: Die Covid-19-Pandemie sorgt einer Umfrage zufolge für einen Digitalisierungsschub in der deutschen Wirtschaft. 55 Prozent haben im Laufe der Krise den digitalen Wandel vorangetrieben, geht aus einer am Montag veröffentlichten Umfrage des Ifo-Instituts im Auftrag des Dienstleisters Randstad unter 800 Personalleitern hervor.

31 Prozent führten beispielsweise neue Computerprogramme zur Zusammenarbeit im Betrieb ein. Weitere 36 Prozent intensivierten die Nutzung bereits vorhandener digitaler Instrumente.

Auch nach der Pandemie wollen Unternehmen stärker digitale Werkzeuge einsetzen. 64 Prozent planen, häufiger Online-Konferenzen einzuberufen. 59 Prozent beabsichtigen, Konferenzen nicht mehr unbedingt persönlich zu veranstalten, 61 Prozent werden Dienstreisen dauerhaft einschränken.

Umstieg

Corona sorgt auch für einen Durchbruch für das Home-Office. 73 Prozent der Betriebe, die während Pandemie verstärkt auf das Arbeiten von zu Hause setzten, planen auch in Zukunft mehr davon anzubieten. Die Hälfte der Firmen, die ihr Homeoffice bisher nicht hochgefahren haben, wollen das künftig mehr einräumen. Selbst bei Unternehmen, die befürchten, dass Mitarbeiter im Home-Office weniger produktiv sind, planen 61 Prozent umfangreichere Möglichkeiten der Heimarbeit einzuräumen.

Marco Hellberg ab sofort neuer M7-Geschäftsführer

Marco Hellberg leitet das Unternehmen ab sofort, er war bereits seit fast zwei Jahren für M7 tätig.

M7 Deutschland hat einen neuen Geschäftsführer, seit dem 1. August leitet Marco Hellberg die Eviso Germany GmbH, dem M7 Business Partner in Deutschland. Er folgt damit auf Christian Heinkele, der sich nach einer familiären Auszeit als Unternehmensberater selbstständig macht. Hellberg ist seit Oktober 2018 Head of Channel Management bei M7 in Deutschland. Zuvor war er in verschiedenen Leitungsfunktionen in der Medienbranche tätig, unter anderem bei der Mediengruppe RTL Deutschland und Unitymedia Kabel BW. M7 ist ein Tochterunternehmen der Canal+ Group.

Blue Ocean erweitert Portfolio an Lego-Zeitschriften

Zuwachs für das Lego-Sortiment von Blue Ocean Entertainment: Am 18. August 2020 gibt die Stuttgarter Burda-Tochter ein eigenes Magazin zu Marvel Avengers heraus. Das 36-seitige Heft, das sich Helden und Schurken des Marvel-Universums widmet, erscheint zuerst in Deutschland, Österreich und der Schweiz, bevor in den nächsten Wochen und Monaten sprachadaptierte Ausgaben in 15 weiteren europäischen Ländern veröffentlicht werden.

Das zweimonatliche Magazin kommt im deutschsprachigen Raum mit einer Druckauflage von 110.000 Exemplare in den Handel. Die Gesamtproduktionsmenge für Europa liegt bei 385.000 Exemplaren. In Deutschland kostet das Magazin 3,99 Euro.

Rekordwert für den „Jedermann“ im ORF

Der Auftaktabend der Salzburger Festspiele 2020 wurde für ORF 2 zum vollen Erfolg. Im Schnitt sahen 411.000 Zuseherinnen und Zuseher die Aufzeichnung der „Jedermann“-Generalprobe ab 21.15 Uhr – Bestwert für eine Salzburg-Produktion im ORF seit 2005, wie der Sender am Sonntag mitteilte. Insgesamt erreichte man damit einen Marktanteil von 19 Prozent bei den Über-Zwölfjährigen.

Beate Thalbergs als Introduktion gezeigte Jubiläumsdoku „Das Große Welttheater – Salzburg und seine Festspiele“ hatte zuvor ab 20.15 Uhr im Schnitt 269.000 Menschen erreicht. Der Marktanteil lag hier bei 13 Prozent. „Hier ist nicht nur eine ganze Stadt Bühne, sondern ein ganzes Land Publikum!“, freute sich ORF-Generaldirektor Alexander Wrabetz in einer Aussendung.

„iPhone 12“ kommt angeblich in Etappen

Dass das „iPhone 12“ nicht wie üblich im September erscheinen wird, hat Apple bereits offiziell einräumen müssen. Die Verzögerung um mehrere Wochen ist aber offenbar noch nicht alles: Einem Bericht zufolge plant Apple die Verfügbarmachung der – vermutlich vier verschiedenen – Gerätevarianten zusätzlich auch noch in Etappen.

Erst zwei neue iPhones, dann die nächsten zwei

Wie es aus der asiatischen Lieferkette des Unternehmens heißt, erscheinen angeblich zunächst zwei Modelle mit 6,1 Zoll großem Bildschirm. Dies sind womöglich „iPhone 12 Max“ und „iPhone 12 Pro“. In einer zweiten Stufe seien dann ein 5,4-Zoll- und ein 6,7-Zoll-Gerät geplant – „iPhone 12“ und „iPhone 12 Pro Max“. Ersteres wäre das kompakteste iPhone seit langem, zweiteres ein von Apple bislang noch nicht genutzter großer Formfaktor.

Wichtigste Apple-Smartphones seit langem

Die 2020er iPhones sind für Apple ein Meilenstein in mehrfacher Hinsicht. Neben der Tatsache, dass wohl gleich vier neue Varianten erscheinen – 2011 waren es noch drei –, werden diese einen abgewandeten Formfaktor im Stil des iPad Pro haben sowie erstmals mit einer 5G-Funkunterstützung kommen, die es bei Android-Geräten schon seit längerem gibt.

Das ist die Werbebilanz der Autobauer im Corona-Halbjahr

Für die Autobranche lief das erste Halbjahr suboptimal. Durch den Lockdown und Covid-19 brachen die Neuwagenverkäufe um 34,5 Prozent gegenüber dem Vorjahr ein. Gleichzeitig gingen die Werbeinvestitionen um fast 30 Prozent auf brutto 559 Millionen Euro zurück. Der Sparkurs spiegelt sich auch bei den Top-15 der Autowerber wieder, wie eine exklusive Auswertung von Nielsen.

Manchmal kommt die Hoffnung aus einer Ecke, aus der man sie gar nicht erwartet. „Wir verkaufen wie verrückt“, ist bei einem Mercedes-Händler im Osten von Deutschland zu hören. Vor ein paar Wochen herrschte hier noch Kurzarbeit und die Angst um den Arbeitsplatz. Covid-19 und der Lockdown hatte die Branche fest im Griff. Gestörte Lieferketten, ausbleibende Kunden, geschlossene Händler erhöhten den Druck in einer Industrie, die ohnehin mitten in einem umfassenden Wandel steckt. Transformation der Geschäftsmodelle, die Digitalisierung und die milliardenschweren Investitionen in die Elektromobilität fordern die Unternehmen an vielen Stellen. Da sollten wenigstens die Verkäufe laufen.

Doch die Spuren, die Corona allein auf dem deutschen Absatzmarkt hinterlässt, sind tief. Nach den Zahlen des Kraftfahrt-Bundesamtes in Flensburg sind die Verkäufe im ersten Halbjahr hierzulande um 34,5 Prozent auf 1,2 Millionen Einheiten zurückgegangen. Alle Hersteller – von Alfa Romeo bis VW – verzeichnen dabei teilweise sehr hohe Verluste. Lediglich DS kommt mit einem Minus von rund 9 Prozent noch relativ glimpflich davon. Vor allem die Kleinwagenmarke Smart leidet. Hier steht ein Rückgang von fast 89 Prozent in der KBA-Bilanz. Nicht viel besser sieht es aber bei den Marken Suzuki (-55,7 Prozent), Mazda (-51,5 Prozent), Dacia ( -50,5 Prozent) und Opel (-48,2 Prozent) aus. Immerhin. Für den Juni registriert das KBA bei drei Marken – Fiat (+1,5 Prozent), Subaru (+2,6 Prozent) und Mitsubishi (+11,2 Prozent) – zumindest wieder positive Werte.

Kuratorium für Journalistenausbildung schließt Salzburg-Standort

Die Ausbildungsstätte für Redakteure gibt ihr Büro in der Bergstraße auf, zwei Mitarbeiter verlieren ihren Job. Das KfJ wird aber dennoch weiter Kurse anbieten.

Das Aus hat auch Auswirkungen auf Arbeitsplätze. Zwei der drei Mitarbeiterinnen in Salzburg wurden gekündigt, die dritte werde bis zur Pensionierung 2021 weiter beschäftigt, schildert Grünberger. Den beiden gekündigten Mitarbeitern sei angeboten worden, an den KfJ-Zweitstandort nach Wien zu wechseln, dies hätten sie jedoch abgelehnt. Von Wien aus werde das Kuratorium auch weiterhin journalistische Fortbildung anbieten. Und zwar in den eigenen Räumlichkeiten – in Wien nutzt das KfJ Büros des VÖZ mit – sowie bei Medien vor Ort.

Schule in Mexiko: Unterricht per TV

Eine entsprechende Vereinbarung der Regierung mit vier privaten Sendergruppen wurde in der täglichen Pressekonferenz von Staatspräsident Andrés Manuel López Obrador in Mexiko-Stadt unterschrieben. Für die rund 30 Millionen Schüler des Landes sei es wegen der Coronavirus-Pandemie nicht sicher, zu Beginn des neuen Schuljahres ab dem 24. August in die Klassenzimmer zurückzukehren, sagte Bildungsminister Esteban Moctezuma. Das nordamerikanische Land hat weltweit die drittmeisten Todesfälle nach einer Covid-19-Erkrankung registriert.

In Mexiko haben nach offiziellen Angaben nur 56,4 Prozent der Haushalte Zugang zum Internet, 44,3 Prozent verfügen über einen Computer. Trotz der Armut, in der viele Mexikaner leben, hätten aber 95 Prozent der Haushalte einen Fernseher, sagte Moctezuma. Die Schüler sollen ihm zufolge durch 4550 Sendungen im Fernsehen und 640 im Radio – auch in 20 indigenen Sprachen – Unterricht für alle Stufen erhalten. Die Inhalte würden von der Regierung abgesegnet. Der Unterricht sei verpflichtend, es werde auch Prüfungen geben. Schulbücher sollen kostenlos verteilt werden. Nähere Informationen zu den Formaten der geplanten Sendungen gab es zunächst nicht.

Nickelodeon startet drei neue Kanäle bei PlutoTV

Drei neue Nickelodeon-Kanäle sind ab sofort auf PlutoTV verfügbar, das hat ViacomCBS nun bekanntgegeben. Sowohl der werbefinanzierte Streamingdienst als auch der Kindersender gehören zum internationalen Medienkonzern. Bei den neuen Channels handelt es sich um Nick Jr. Pluto TV, Nick Pluto TV und Nick Rewind.

Für Nick Pluto TV verspricht ViacomCBS „die ganze Bandbreite von Nickelodeon“. Hier finden die User Serien wie „Teenage Mutant Ninja Turtles“, „SpongeBob Schwammkopf“ und „Die Abenteuer von Kid Danger“. Aber auch Klassiker aus den 90ern wie etwa „Hey Arnold!“ oder „Rockos modernes Leben“ werden hier zu sehen sein. Pluto TV ist über Amazon Fire TV, Apple TV, Android TV, Sky Ticket und als mobile App im App Store und Google Play Store verfügbar.

„Black is King“: Beyoncé veröffentlicht Film auf Disney+

Das sogenannte visuelle Album sei ein „wichtiges Bekenntnis in üppiger visueller Darstellung, das die Widerstandsfähigkeit und Kultur der Schwarzen feiert“, hieß es auf der Website von Disney+. „Der Film unterstreicht die Schönheit der Tradition und Güte der Schwarzen.“

Die knapp eineinhalbstündige Produktion – eine Mischung aus Film und Musik – basiert auf Beyoncés Album „The Lion King: The Gift“ aus dem vergangenen Jahr. „Das Leben schwarzer Familien im Lauf der Zeit wird in einer Erzählung über die transzendente Reise eines jungen Königs durch Verrat, Liebe und Selbstidentität gewürdigt,“ hieß es. Beyoncé führte bei dem Film auch Regie.

Google macht das Pixel kleiner und noch günstiger

Google macht mit dem Pixel 4a einiges anders als beim 3a – und eine Menge richtig, unter anderem beim Preis. Im Herbst sollen eine 5G-Version und das Pixel 5 folgen.

Google hat nach einiger Verzögerung sein neues Mittelklasse-Smartphone Pixel 4a vorgestellt. Der Nachfolger des von der Presse gelobten Pixel 3a zielt wieder auf Nutzer, die nicht allzu viel für ein Smartphone ausgeben wollen, Wert auf gute Fotos legen und ein möglichst pures Google-Android mit all seinen Vorzügen haben wollen.

Im Test zeigt sich schnell, dass das Pixel 4a eine gute Sparversion des Pixel 4 ist: Google hat auf weniger notwendigen Schnickschnack verzichtet, in puncto Bildqualität und Softwarefunktionen aber nicht gespart. Frei von Kritik ist aber auch das Pixel 4a nicht, trotz eines angemessenen Preises von 350 Euro.

Im ersten Teil des Tests schauen wir uns die allgemeine Hardware des Pixel 4a an. Dank des neuen Designs konnte Google das Smartphone kleiner als das Pixel 3a machen, das Display ist allerdings größer.

Im zweiten Teil werfen wir einen genaueren Blick auf die Kamera. Das Pixel 4a macht gute Bilder, vielseitig ist die Kamera allerdings nicht.

Am Ende findet sich wie gewohnt unser Fazit.

Das Pixel 4a wird wie alle Pixel-Smartphones in einem unauffälligen Karton geliefert, bei dem Google erfreulicherweise auf Kunststoff verzichtet. Das Inlay ist aus Pappe, das Kabel wird durch eine Papierbanderole zusammengehalten. Plastik findet sich lediglich in Form einer Schutzfolie auf dem Pixel 4a selbst.

Xiao-i klagt Apple auf über eine Milliarde Dollar

Die auf künstliche Intelligenz spezialisierte chinesische Firma Xiao-i hat Apple wegen einer Patentrechtsverletzung geklagt. Apple habe mit seiner Spracherkennungssoftware Siri ein Patent der chinesischen Firma verletzt, teilte Intelligenz Shanghai Zhizhen Intelligent Network Technology, bekannt unter Xiao-i, über Social Media mit. Man fordert zehn Milliarden Yuan (1,2 Mrd. Euro) Entschädigung

Ferner solle Apple „Herstellung, Verwendung, Verkauf und Import“ von Produkten, die das Patent verletzen, unterlassen. Xiao-i hatte den iPhone-Hersteller erstmals 2012 wegen Patentverletzung im Zusammenhang mit seiner Spracherkennungstechnologie geklagt.

Apple drängt auf massive Mietpreissenkungen

Apple hat den Vermietern eines Teils seiner 38 Läden in Großbritannien mitgeteilt, dass man sich eine Senkung der Mieten um bis zu 50 Prozent und eine mietfreie Zeit wünscht, berichtet die britische Zeitung Sunday Times (Bezahlschranke). Im Gegenzug soll den Vermietern angeboten worden sein, die Mietverträge um einige Jahre zu verlängern.

Apple musste in Großbritannien wie in anderen Teilen der Welt aufgrund der Coronapandemie zeitweise seine Shops schließen.

Apple hatte in der vergangenen Woche die Quartalszahlen gemeldet, die auch den Shutdown abbilden. Demnach stiegen die Umsätze sogar um 11 Prozent auf 59,7 Milliarden US-Dollar. Das Unternehmen konnte zudem seinen Gewinn auf 11,25 Milliarden US-Dollar steigern. In einem Interview mit Reuters sagte Konzernchef Tim Cook, nach Unterbrechungen im April hätten die Verkäufe im Mai und Juni wieder anzogen.

Tilman Jens gestorben

Gemeinsam mit seinem Kollegen und Freund Heribert Schwan veröffentlichte Jens 2014 das Buch „Vermächtnis – Die Kohl-Protokolle“. Das Werk über die Lebenserinnerungen Helmut Kohls brachte einen langen justischen Streit mit sich. Als Fernsehautor arbeitete er regelmäßig für die ARD-Kultursendung „Titel, Thesen Temperamente“ des Hessischen Rundfunks. Nach Angaben seines Verlags verfasste er über 100 Fernsehfeatures, ob ein Porträt des Dirigenten Kurt Masur, eine kritische Dokumentation über christlichen Fundamentalismus oder die umstrittene Scientology-Organisation, die sich selbst als Kirche bezeichnet und von ihren Kritikern als gefährliche Sekte angesehen wird.

„Wie kaum ein anderer Kollege verstand es Tilman Jens, kulturpolitische Themen fernsehgerecht aufzubereiten. Besondere Bilder mit brillanter Sprache zu kombinieren, zeichnete ihn aus“, erklärte Schwan. Für ihn sei Jens „ein unbequemer Zeitgenosse, immer herausfordernd, aber mit viel Empathie. Bewundert habe ich seine charakterliche Geradlinigkeit und vor allem seine journalistische Leistungsfähigkeit und Qualität.“

Die Verlagsgruppe Random House in München, die seine Bücher veröffentlichte, erklärte am Montag: „Wir trauern um diesen umtriebigen Geist mit seinem wachen Bewusstsein für die Probleme unserer Zeit.“

Jens besuchte die Odenwaldschule in Südhessen und studierte danach in Konstanz. Über das vom Missbrauchskandal erschütterte Internat schrieb er später das Buch „Freiwild“. Der Sohn des Intellektuellen Walter Jens und der Schriftstellerin Inge Jens setzte sich in zwei seiner Bücher auch mit seinem berühmten, an Demenz erkrankten Vater auseinander.

Aufsehen erregte Jens, als er in den 1980er Jahren als Mitarbeiter einer Illustrierten zum Tod des Schriftstellers Uwe Johnson recherchierte. Um an Briefe und Tagebücher des Verstorbenen zu kommen, drang er damals in dessen leerstehende Wohnung ein. Einen Fehler, den er bereute, wie er später schrieb: „Das war Einbruch. Das war Diebstahl. Das war kriminell…Ich wurde gefeuert, zu Recht…Ich habe einen kapitalen Fehler gemacht…den größten, vielfach bereuten, doch unzweifelhaft begangenen Fehler meines Lebens.“

FIFA startet globale Partnerschaft mit Bertelsmann-Tochter

Die Bertelsmann-Tochterfirma BMG Production Music (BMGPM) und der Weltfußballverband FIFA haben eine weltweite Kooperation vereinbart. Durch den Vertrag wird BMGPM zum exklusiven Partner für alle internen und externen Videoinhalte, beispielsweise Imagefilme, Werbevideos oder Social-Media-Inhalte, die durch den Fußballverband und seine Dienstleister produziert werden. Gleichzeitig erhalten die Kreativteams der FIFA weltweit Zugriff auf den gesamten Musikkatalog von BMGPM.

BMGPM ist nach eigenen Angaben „das weltweit am schnellsten wachsende Unternehmen im Bereich Production Music“. Darunter versteht man eigens komponierte Musik, die in der Film-, Rundfunk-, Spiele- und Werbebranche eingesetzt wird.

Apple macht iPhone zum mobilen Bezahlterminal

Apple hat offenbar wieder ein Unternehmen zugekauft und zwar das kanadische Start-up Mobeewave, wie Bloomberg berichtet. Mobeewave hat auf Basis von NFC eine Payment-Technologie entwickelt, mit dem Smartphones Geld senden und auch empfangen können – ganz ohne zusätzliche Hardware wie etwa einen Dongle.

Damit könnte jedes iPhone zu einem mobilen Bezahlterminal werden. Um zu bezahlen, muss lediglich der Verkaufspreis in die Mobeewave-App eingegeben werden. Anschließend hält der Kunde seine Kreditkarte an das iPhone, um die Transaktion abzuschließen. Als Kaufpreis ist von 100 Millionen US-Dollar die Rede. Darin enthalten ist nicht nur die Technologie, sondern auch der Mitarbeiterstamm vom Mobeewave. Apple kommentiert den Zukauf wie gewohnt nicht.

Wettbewerber von Square

Wenn Apple die Technologie integriert, wird der Konzern zu einem Wettbewerber von Square Inc. Die Firma, geführt von Twitter-Chef Jack Dorsey, ermöglicht ebenfalls Kreditkartenzahlungen über Smartphones – allerdings über einen angestecktes Kartenlesegerät. Eine ähnliche Technologie bietet auch das britische Unternehmen SumUp an.

Weihnachtsgeschäft 2020: Konsumenten sehen Werbung als wichtige Inspirationsquelle

Verbraucher starten dieses Jahr besonders früh mit den Weihnachtsplanugen. Als wichtiger Ideengeber bei der Geschenkesuche fungiert dabei Werbung. Das ergab eine Studie des Marktforschungsinstituts Censuswide im Auftrag von eBay Advertising. Befragt wurden 2.008 deutsche Konsumenten.

Demnach hat sich jeder dritte Deutsche (33 %) 2020 vorgenommen, wesentlich früher mit dem Einkauf der Weihnachtsgeschenke zu beginnen. Weitere 34 Prozent wollen noch vor Dezember alle Weihnachtseinkäufe bis zum letzten Bogen Geschenkpapier erledigt haben. Knapp jeder Fünfte (16 Prozent) hat sogar schon jetzt die ersten Präsente für den Gabentisch gekauft.

Auf der Suche nach passenden Geschenken empfindet mehr als jeder vierte Deutsche (28 %) vor allem Werbung als wichtige Inspiration. Erwartet werden von Marken insbesondere realitätsnahe (36 %), informative (36 %) und humorvolle (29 %) Werbebotschaften, die dem Konsumenten in der Weihnachtsvorbereitung einen echten Mehrwert bieten.

Weiter zeigt die Studie, dass Covid-19 auch die Weihnachtsplanungen in diesem Jahr nicht unberührt lässt. Die Geschenkeauswahl wird 2020 stark durch die finanzielle (39 %) und wirtschaftliche (29 %) Situation der Konsumenten bestimmt. 30 Prozent der Deutschen planen in diesem Jahr weniger Geld für das Weihnachtsfest ein. Entsprechend durchdacht (49 %), kreativ (35 %) und funktional (34 %) sollen diesmal die Geschenke werden. Im Fokus der Geschenkejagd stehen nicht zuletzt die neuen Hobbies, die Konsumenten während des Lockdowns für sich entdeckt haben (58 %). Dazu gehören u. a. Sport (22 %), Backen (18 %), Gaming (17 %) und Gardening (17 %).

Kulturelle Paranoia

TV-Sender in der Türkei unterliegen schon der Zensur: kein Alkohol, keine Zigaretten, keine Homosexualität. Jetzt sind Netflix und Social Media dran.

Erst Print und Fernsehen. Jetzt das Internet. Schritt für Schritt engt die türkische Regierung die medialen und kulturellen Freiräume ein. Der Großteil der herkömmlichen Medienunternehmen gehört mittlerweile regierungsnahen Konzernen. Nur noch ein paar kleine und mittelarme Publikationen versuchen dagegenzuhalten.

Dazu sind sie in der Lage, weil es das Internet gibt. Aber auch das Netz ist nicht unangreifbar. Das zeigen zwei aktuelle Ereignisse. Vor gut zwei Wochen wurde bekannt, dass die Produktion einer türkischen Netflix-Serie abgesagt worden war, nachdem türkische Behörden in das Drehbuch eingegriffen hatten. Diese Woche wurde im türkischen Parlament ein neues Internetgesetz verabschiedet, das bislang noch vorhandene Freiheiten in den sozialen Medien bedroht. Die Mächtigen wissen schon lange um den renitenten, globalisierten, schwer kontrollierbaren Charakter des Internets. Diesen letzten Raum für Widerspruch wollen sie nun beseitigen – mit allen seinen politischen, kreativen und kulturellen Ausdrucksformen.

Reed Hastings, Gründer und Geschäftsführer der Streaming-Plattform Netflix, sagte einmal: „Wir sind in Saudi-Arabien. Wir sind in Pakistan. Wenn es dort keine Probleme gibt, werden wir dann Probleme in der Türkei haben? Ich kann mir das nicht vorstellen.“

Eine mutige Aussage. Denn in der Türkei gibt es nach den niedergeschlagenen Geziprotesten im Sommer 2013 nichts, was nicht vorstellbar wäre. Seit August 2019 unterliegen Netflix und andere Streamingdienste offiziell der Kontrolle der türkischen Medienaufsichtsbehörde RTÜK und müssen sich bei ihr eine Linzenz einholen. Es dauerte nicht lange, bis diese Kontrolle Auswirkungen hatte. Ende April 2020 verschwand die siebte Folge der zweiten Staffel der Serie „Designated Survivor“ aus dem türkischen Angebot von Netflix. In der Folge streitet ein fiktiver amerikanischer Präsident mit einem aufmüpfigen fiktiven türkischen Präsidenten. Letzterer droht damit, die Nato zu verlassen.

Zu schwul fürs Ministerium

Vor Kurzem nun machte die Drehbuchautorin Ece Yörenç bekannt, dass sie für die türkische Netflix-Produktion „If Only“ (Türkisch: „Şimdiki Aklım Olsaydı“) keine Drehgenehmigung bekommen habe, weil einer der Charaktere schwul sei. Neben der Aufsicht durch die Behörde RTÜK, die Medienerzeugnisse nach Ausstrahlung kontrolliert und sanktioniert, müssen ausländische Produktionen eine solche Erlaubnis beim Ministerium für Kultur und Tourismus einholen.

Drehbuchautorin Yörenç sagte dem türkischen Kinomagazin Altyazı Fasikül, dass das Ministerium seine Entscheidung nicht begründet habe, das Team aber in dem Moment eine Genehmigung bekommen habe, wo sie den schwulen Charakter aus dem Drehbuch entfernt hätten. Jedoch habe sich Netflix nach einer Zusammenkunft mit der Medienaufsichtsbehörde RTÜK entschieden, die Produktion abzusagen.

Darauf folgten Gerüchte, Netflix wolle sich vom türkischen Markt zurückziehen. Schwer vorstellbar, da der Anbieter dort Ende letzten Jahres 1,5 Millionen Nutzer:innen zählte und die Türkei auch das für Netflix so wichtige Wachtumspotenzial hat.

Auf Nachfrage der taz jedenfalls verneint ein Sprecher des Unternehmens. „Netflix bleibt unseren türkischen Mitgliedern und der kreativen Gemeinschaft in der Türkei gegenüber zutiefst verpflichtet.“ Mehrere türkische Produktionen liefen derzeit, weitere würden bald starten. Das zuständige Ministerium derweil ließ eine Anfrage der taz bis zum Redaktionsschluss unbeantwortet. Der Eingriff überrascht nicht, es ist keineswegs neu, dass die Medienbehörde nach Ausstrahlung Geldstrafen und Sendeverbote verhängt. Aber bei „If only“ fand der Eingriff noch vor Produktionsbeginn statt.

Bilge Yesil ist Professorin für Medienkultur an der City University of New York. Sie überrascht weder die Zensur noch die Reaktion des Streaminganbieters: „Schließlich ist Net­flix ein profitorientiertes Unternehmen, das einen wachsenden Markt wie die Türkei nicht verlieren möchte.“ Yesil forscht zu internationaler medialer Repräsentation und globalen Medienstrategien der Türkei.

Laut Yesil ist Netflix in der Türkei vor allem für Jüngere eine Alternative zu den herkömmlichen TV-Sendern, die einer starken Zensur unterliegen, wo etwa kein Alkohol oder keine Zigaretten gezeigt werden dürfen. „Was man heute im türkischen Fernsehen nicht sehen kann, kann man bei Netflix sehen“, sagt sie.

Dass die türkische Regierung ein Problem mit LGBT-Per­sonen hat, ist kein Geheimnis. Seit Jahren werden Pride-De­mon­strationen verboten. Kon­servative Kommentatoren beklagen immer wieder, Net­flix-Serien würden zu Homosexualität animieren.

Die imaginierte Verschwörung

Aber es geht den Behörden um noch mehr, sagt Wissenschaftlerin Yesil: „Es gibt die Idee, es gehe internationalen Medien darum, der Türkei zu schaden; als ob Net­flix von irgendeiner höheren Kraft mit einer bestimmten Mission in die Türkei gebracht worden wäre.“ Yesil erinnert an konservative Ressentiments gegen Hollywood-Produktionen: „Oft hieß es, dass amerikanische Filme versteckte und subliminale Botschaften an junge Menschen sendeten und die Jugend so mit Darstellungen von Sex, Alkohol, Drogen oder Horror vergifteten.“ Die gegenwärtige Zensur erscheint so als Ausdruck eines paranoiden kulturellen Antiimperialismus.

Und Teil dieser imaginierten, globalen, vor allem westlichen Verschwörung gegen die Türkei sind auch soziale Medien wie Twitter, Facebook oder Instagram. Mittwochfrüh wurde nach stundenlanger Aussprache im Parlament noch vor der Sommerpause ein neues Internetgesetz verabschiedet.

Zensur im Netz gibt es in der Türkei zwar schon lange, aber das neue Gesetz erlaubt es Behörden, nicht mehr nur Inhalte zu sperren, sondern diese gleich zu entfernen. Außerdem sollen Twitter und Co. eine Vertretung in der Türkei eröffnen und die Daten von Nutzer:innen in der Türkei speichern. Wenn sie nicht kooperieren, drohen Geldstrafen und die Drosselung der Internetbandbreite um bis zu 90 Prozent.

Befürworter:innen des Gesetzes nennen dabei immer wieder ausgerechnet das deutsche Netzwerkdurchsetzungsgesetz von 2017 als Vorbild, allerdings ergänzt durch Aussagen wie denen von AKP-Fraktionsvize Cahit Özkan, der am Dienstag im Parlament sagte, „die gänzlich willkürlichen, nicht rechenschaftspflichtigen und viele Opfer fordernden sozialen Medien“ seien unter Kontrolle zu bringen. Saruhan Oluç, Fraktionsvize der oppositionellen HDP, kritisierte das Gesetz mit den Worten: „Das ist nicht das deutsche, sondern das chinesische Modell.“

Gülşah Deniz-Atalay, Expertin für Informationsrecht, sagt der taz, dass die türkische Regierung „ein sauberes Internet“ schaffen wolle, „in dem das Recht auf Vergessenwerden umgekehrt wird und die Regierung eigene Korruption und inkonsistente Äußerungen vergessen machen kann“. Netzexpert:innen in der Türkei zeigen sich skeptisch bei der Frage, ob sich die Netzdienste dem neuen Gesetz beugen werden. Twitter, Facebook und Co. haben schließlich einen Ruf zu verlieren. Und die Türkei ist nicht das einzige Land mit autoritären Tendenzen.

Warum kommt die Offensive gegen das Netz gerade jetzt? Möglicherweise weil die Regierung schwächelt. Wie auch die umstrittene Umwandlung der Hagia Sofia in eine Moschee wirkt das eilig beschlossene Internetgesetz wie eine Verzweiflungstat, eine überstürzte Botschaft an eine bröckelnde Basis. Viel zu gewinnen hat die Regierung Erdoğans nicht. Zu verlieren hat sie viele junge Wählerinnen und Wähler, die in der jungen Türkei kein unwichtiger Faktor sind.

Neue Logos bei Sky

Zwei Logos von Sky erstrahlen schon bald in neuem Glanz: Sky Sport News erhält ab Mittwoch, 5. August, ein überarbeitetes Logo, das Sky Hauptlogo folgt am Montag, 10. August. Das teilte Sky heute mit.

Die Logos, haben ein fluffigeres Design als die bisherigen Versionen und sehen etwas frischer aus.

Google blockiert dänische Musik auf Youtube

Nach gescheiterten Vertragsverhandlungen zwischen Google und dem dänischen Gema-Pendant Koda hat das Unternehmen offenbar damit begonnen, den Zugriff auf dänische Musik auf der Videoplattform Youtube in Dänemark zu sperren. Das berichtet unter anderem der öffentlich-rechtliche Rundfunk Dänemarks. Die Auseinandersetzung erinnert stark an den langjährigen Streit zwischen Youtube und der Gema in Deutschland.

Die Lizenzverhandlungen zwischen Googles Videoplattform und der deutschen Gema zogen sich von 2009 bis ins Jahr 2016. Satt der Videos mit Musik erschien in dieser Zeit auf Youtube nur ein betrübter roter Smiley mit dem Hinweis darauf, dass die Musik in Deutschland nicht verfügbar sei. So oder so ähnlich könnte dies nun in Dänemark passieren.

Laut dem Branchendienst Music Business Worldwide ist der bisherige Vertrag zwischen Google und Koda bereits im April dieses Jahres ausgelaufen. Seitdem galt zwar eine Übergangslösung, die nun aber ebenfalls beendet wurde. Laut Koda soll die Organisation unter neuen den Vertragsbedingungen, die Google vorgeschlagen hat, eine Reduzierung seiner Einnahmen um 70 Prozent hinnehmen, was die Verwertungsgesellschaft ablehnt.

Netflix bringt variable Abspielgeschwindigkeit für Android

In der Android-App von Netflix lässt sich künftig eine Funktion nutzen, mit der sich die Abspielgeschwindigkeit verändern lässt. Das berichtet das Magazin The Verge und beruft sich dabei auf den Videostreaminganbieter. Das Unternehmen führt erste Tests dazu bereits seit dem vergangenen Herbst durch.

Dem aktuellen Bericht zufolge soll es künftig möglich sein, die Abspielgeschwindigkeit eines einzelnen Stream auf das 0,5-Fache oder 0,75-Fache zu reduzieren beziehungsweise auch auf das 1,25-Fache oder 1,5-Fache zu beschleunigen. Viele unterschiedliche Software-Player bieten derartige Funktionen seit langem an. Auch der Videostreaminganbieter Youtube hat eine solche Möglichkeit.

Die Experimente von Netflix zu der Option stießen beim Bekanntwerden im Oktober auf teils harsche Kritik von Filmschaffenden. Judd Apatow, Regisseur, Drehbuchautor und Produzent, kritisierte Netflix etwa auf Twitter scharf für die Idee. Apatow schrieb: „Wir geben euch schöne Dinge. Lasst Sie so, wie sie gesehen werden sollten.“. Doch viele Nutzerinnen und Nutzer hören bereits Hörbücher oder Podcasts in höheren Geschwindigkeiten und auch Netflix bestätigt, dass die Funktion zum Ändern der Abspielgeschwindigkeit in Videos vielfach als Wunsch geäußert worden sei.

Chinesische Games zwingen Spieler zu Klarnamen

Die chinesische Regierung verpflichtet Anbieter von Online-Games dazu, den Klarnamen von Nutzern zu erfassen. Hierfür soll ein staatliches Authentifizierungssystem implementiert werden, die Regeln gelten für chinesische User. Die Regierung in Peking will seit Jahren verhindern, dass Kinder zu viele Games spielen. 2019 kündigte sie Limits für Jugendliche an – so dürfen Personen unter 18 Jahren nur 90 Minuten an Wochentagen und drei Stunden am Wochenende spielen. Mit dem neuen System will die Regierung diese Regeln technisch durchsetzen.

Verifikationssystem umgangen

Zuvor hatten Tencent und NetEase, zwei der größten Gaming-Konzerne im Land, ein eigenes Verifikationssystem eingeführt. Junge Chinesen versuchten, das zu umgehen, indem sie gefälschte Identitäten nutzten oder Smartphone-Arcades besuchten. Wie genau die staatliche Verifikation ablaufen wird, ist dem „South China Morning Post“-Ableger „Abacus“ zufolge noch unklar. Manche der privaten Systeme setzen auf Gesichtserkennung, um Nutzer zu identifizieren, etwa „Honour of Kings“, ein Spiel, das international als „Arena of Valor“ angeboten wird.

Medien: Trump will Medien von Nominierungsparteitag ausschließen

US-Präsident Donald Trump will Medienvertreter von der Parteiversammlung ausschließen, die ihn offiziell zum Kandidaten der Republikaner für die Präsidentenwahl am 3. November küren soll. Begründung sei die Coronakrise, berichteten die „Arkansas Democrat Gazette“, CNN und andere US-Medien unter Berufung auf Sprecher des Nominierungsparteitags am Samstagabend (Ortszeit).

Die Abstimmung soll am 24. August in Charlotte im US-Staat North Carolina erfolgen und CNN zufolge direkt im Internet übertragen werden. Trump werde in Charlotte keine offizielle Ansprache halten. Laut der „Arkansas Democrat Gazette“ wird Trump erst am 27. August in einer Rede, deren Umstände noch nicht geklärt seien, seine Nominierung annehmen.

Die Demokraten, die den früheren Vizepräsidenten Joe Biden auf den Schild heben wollen, gehen ähnlich vor. Sie verschoben ihren Nominierungsparteitag in Milwaukee wegen der Corona-Pandemie um gut einen Monat. Zu dem Kongress vom 17. bis 20. August werden der „New York Times“ zufolge nun nur 300 Delegierte und Journalisten erwartet.

Was TikTok in Europa plant

Das US-Geschäft von TikTok könnte bald Microsoft übernehmen. Der europäische Dienst ist davon unberührt – hier baut die Plattform ihr Angebot aus.
Die Zeit tickt für TikTok. Nach den angekündigten Plänen Microsofts, die Videoplattform des chinesischen Technik-Unternehmens ByteDance zu übernehmen, hat Präsident Donald Trump dem US-Konzern eine Frist von 45 Tagen gesetzt, um das Geschäft abzuwickeln. Auf diese Weise soll der vor allem bei Jugendlichen beliebte Dienst auch in den USA erhalten bleiben. Zuvor hatte Trump angekündigt, ihn in den USA verbieten zu wollen. „Alle sind sich einig, dass (die App) nicht so weiter existieren kann wie bisher“, sagte der US-Finanzminister Steven Mnuchin am Wochenende dem Fernsehsender ABC.

Vordergründig geht es bei dem Streit um Datenschutzbedenken. US-Behörden fürchten, dass das Netzwerk Nutzerdaten an die chinesische Regierung weitergibt. In den USA wurde TikTok zuletzt durch das Committee on Foreign Investment (CFIUS) überprüft, das Geschäfte untersucht, die die nationale Sicherheit der USA betreffen. TikTok wies bislang alle Vorwürfe über die Weitergabe von Nutzerdaten zurück.

Gleichzeitig spielen womöglich aber auch geopolitische Überlegungen eine Rolle. Die USA führen seit geraumer Zeit einen Handelskrieg mit China. Seit dem Ausbruch der Corona-Pandemie haben sich die Fronten verhärtet. So könnten hinter der Drohung, TikTok im Zweifel zu verbieten, auch taktische Überlegungen stehen. Trump selbst sagte: „Es ist ein großes Unternehmen. Schauen Sie, was mit China mit diesem Virus geschehen ist, was sie diesem Land und der ganzen Welt angetan haben, ist eine Schande.“

Microsoft will zu anderen Netzwerken aufschließen

Ein Deal zwischen ByteDance und Microsoft könnte die Social-Media-Landschaft verändern. Sie wäre für für den amerikanischen Softwarekonzern eine rare Gelegenheit, zu Konkurrenten wie Facebook und Snap aufzuschließen. Zu Microsoft gehört bereits das Karrierenetzwerk LinkedIn. Womöglich deshalb ist der Konzern auch dazu bereit, die TikTok-App allen Sicherheitsbedenken zum Trotz zu übernehmen. „Microsoft ist sich der Bedenken des Präsidenten voll und ganz bewusst“, teilte der Softwarekonzern mit. „Wir wollen TikTok erwerben, sofern eine vollständige Sicherheitsüberprüfung durchgeführt wird und der Deal den Vereinigten Staaten – einschließlich des US-Finanzministeriums – angemessene wirtschaftliche Vorteile bietet.“

Interessiert ist Microsoft neben den US-Aktivitäten auch am Geschäft von TikTok in Kanada, Australien und Neuseeland. Für deutsche Nutzer der Videoplattform hätte der Deal hingegen keine Folgen. Gesteuert wird die App in Europa größtenteils von Dublin aus, weitere Büros hat TikTok in Berlin und London. Das Geschäft in Europa sei für das Unternehmen sehr wichtig, heißt es. Waren Anfang des Jahres dafür gerade einmal 250 Mitarbeiter aktiv, wird die Mannschaft nun auf 1000 Angestellte aufgestockt. In Berlin arbeiten 100 Kräfte für TikTok.

Auch in Europa gibt es Bedenken

Dabei steht der Umgang mit TikTok auch in Europa aus Gründen des Datenschutzes auf dem Prüfstand. So hat die Bundesregierung angekündigt, Sicherheitsbedenken gegen die Video-App zu prüfen. Aus dem Bundesinnenministerium (BMI) hieß auf Anfrage von Tagesspiegel Background, dass die Ergebnisse einer etwaigen solchen Prüfung durch das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) geheim seien, „da die Angaben, welche Apps wann und wie geprüft werden als auch was das Ergebnis der Prüfung ist, interne Informationen sind, die wir ausschließlich Bundesbehörden zur Verfügung stellen“.

Wie Tagesspiegel Background vor kurzem berichtet hatte, überdenken Politiker und Behörden in Deutschland zunehmend die Nutzung des Dienstes, der vor allem bei der jungen Zielgruppe genutzt wird. „Wir nehmen mögliche Gefahren durch TikTok sehr ernst und haben bereits eine Untersuchung des europäischen Datenschutzbeauftragten gegen TikTok angeregt“, sagte FDP-Fraktionsvize Michael Theurer am Wochenende der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“ (FAS).

Der europäische Datenschutzausschuss hatte bereits im Juni eine spezielle „Taskforce“ eingerichtet. Neben politischer Zensur „nach den Wünschen der Kommunistischen Partei“ in China bereite seiner Partei der Datenschutz bei TikTok die größten Bauchschmerzen, fügte Theurer hinzu. Es sei absehbar, dass die App deutlich nachgebessert werden müsse.

Für europäische Nutzerdaten ist Dublin zuständig

In der vergangenen Woche wurden auch einige Änderungen der Datenschutzbestimmungen der App wirksam, die TikTok Ende Juni angekündigt hatte und insbesondere europäische Nutzer betreffen. Demnach sind seit Mittwoch, 29. Juli, die Tochterfirma TikTok Technology Limited (TikTok Ireland) offiziell für die Verarbeitung von EU-Nutzerdaten verantwortlich, ebenso wie die Daten von Nutzern aus der Schweiz. Somit ist auch die irische Datenschutzaufsicht für die Ahndung möglicher Verstöße verantwortlich. TikTok Information Technologies Limited (TikTok UK) ist nun außerdem für die Nutzerdaten im Vereinigten Königreich zuständig.

Die Plattform selbst nimmt derzeit einiges an Geld in die Hand, um in Europa bekannter zu werden. Erst am Donnerstag vergangener Woche hat TikTok den Start eines Kreativitäts-Fonds angekündigt. Mit 60 Millionen Euro will die Videoplattform diejenigen fördern, die Inhalte produzieren. Innerhalb von drei Jahren soll der Fonds auf 255 Millionen Euro anwachsen.

Der Fonds wird für Nutzer in Deutschland, Frankreich, Italien, Großbritannien und Spanien verfügbar sein. Noch ist unklar, wieviel davon nach Deutschland gehen wird, da die Bewerbungsmodalitäten erst noch festgelegt werden sollen. Dabei versucht TikTok auch neue Trends zu nutzen. Bereits im Juni hat das Unternehmen angekündigt, über einen ähnlichen Fonds in Europa die Produktion von Lernvideos zu sponsern: Die Bandbreite reicht von Kochvideos bis hin zur Mathenachhilfe. In Lerninhalte dieser Art sollen die 4,5 Millionen Euro fließen.

Nach Stämmen, Städten und Nationen kommt nicht die «global community». Wir kehren zu den Stämmen zurück

Amerikanische Konservative wenden sich von den grossen Online-Plattformen wie Twitter ab. Wohin das führt, zeichnet sich bereits ab: Die umstrittene Öffentlichkeit wird zur gesitteten Geschlossenheit.

Facebook-Chef Mark Zuckerberg hegt die Vision, eine globale Gemeinschaft aufzubauen. In einem öffentlichen Beitrag entwickelte er 2017 die Utopie einer kulturübergreifenden Weltgemeinschaft, in der die Menschheit zusammenkommt. Nach Stämmen, Städten und Nationen, so sein geschichtlicher Abriss, sei nun die Zeit reif für die «global community».

Natürlich war klar, dass dieses idealistisch überzuckerte «Manifest» nicht viel mehr war als Eigen-PR. Und ebenso dass die Statik eines windschief konstruierten Hauses, unter dessen Dach über zwei Milliarden Menschen aus den verschiedensten Kulturen leben, unter Spannung geraten würde.

Zuckerberg, dessen Idealismus zuweilen etwas Doktrinäres hat, musste mittlerweile einsehen: Sein soziales Netzwerk wird von Personen bevölkert, die man nicht so gerne als Nachbarn hat. Auch Hetzer, Hassprediger, Rechtsextreme, Trolle, Terroristen tummeln sich auf Facebook.

Die Reaktionen der Plattformen

Nachdem namhafte Unternehmen mit der Kampagne «Stop Hate for Profit» zum Werbeboykott aufgerufen und Anzeigen bei Facebook ausgesetzt hatten, reagierte der Internetkonzern und sperrte 300 Konten der rechtsextremen Boogaloo-Bewegung, einer Truppe von Waffennarren im Hawaii-Hemd. Und Twitter hat jüngst Tausende Accounts der rechtsextremen Verschwörungsclique QAnon ausgesperrt.

Die sozialen Netzwerke sind einst mit dem Versprechen angetreten, geschlossene Diskussionsrunden zu öffnen und Hierarchien einzuebnen. Doch jetzt müssen sie angesichts von Verschwörungstheorien und Fakes feststellen, dass der herrschaftsfreie Diskurs womöglich eine Illusion war. Ganz ohne Hierarchie funktionieren Diskussionen eben doch nicht.

Ende Mai hat Twitter einen Tweet von US-Präsident Donald Trump mit einem Warnhinweis versehen. Jahrelang konnte Trump ungehindert Hassbotschaften und Verschwörungstheorien verbreiten – ohne dass der Kurznachrichtendienst interveniert hätte. Doch dann zog Twitter die Notbremse und unterzog Trump einem Faktencheck. Ein Affront. Trump feuerte postwendend zurück: Twitter, geiferte er, unterdrücke die Meinungsfreiheit und mische sich in den Wahlkampf ein.

Die Tech-Konzerne aus dem Silicon Valley sehen sich schon länger mit dem Vorwurf konfrontiert, sie hätten eine antikonservative Haltung – eine Kritik, die, zumindest was die eigene Belegschaft betrifft, nicht ganz unberechtigt ist und durch die Intervention neue Nahrung erhielt.

Aus Ärger über diese als belehrend empfundenen Hinweise wandern Konservative in Scharen zu alternativen Plattformen wie Parler ab. Renommierte Politiker wie der republikanische Senator Ted Cruz sowie der ehemalige Breitbart-Journalist und Blogger Milo Yiannopoulos, der von Twitter gesperrt wurde, haben dort Accounts eröffnet.

Cruz sagte in einem raunenden Video: «Twitter, Facebook, Google, Youtube – dies sind einige der meistbesuchten Seiten der Welt, geführt von linkslastigen Silicon-Valley-Milliardären. Sie haben eine beispiellose Fähigkeit zu formen, was Amerikaner sehen, hören und letztlich denken. (. . .) Lasst uns die Silicon-Valley-Zensur beenden!»

Der Konflikt wirft ein Schlaglicht auf eine digitale Debattenkultur, in der es längst nicht mehr um das Ringen um das beste Argument geht, sondern um die Legitimierung bzw. Delegitimierung von Sprecherpositionen, um Deutungshoheit über Wahrheit, Fakten und Geschichte.

Digitaler Stellungskrieg

Die politische Willensbildung im Netz ist zum Kulturkampf degeneriert: Klimaschützer und Klimaleugner stehen sich in den digitalen Schützengräben ebenso unversöhnlich gegenüber wie Feministen und Genderkritiker, Rassismusgegner und Identitäre. Es tobt ein zäher Abnutzungskrieg. Die Geländegewinne sind minimal, doch der stete Strom an Nachrichten sorgt zuverlässig für Munitionsnachschub.

Zuckerberg schreibt in seinem «Manifest»: «Wenn wir uns mit Menschen über das vernetzen, was wir gemeinsam haben – Sportteams, TV-Shows, Interessen –, dann ist es einfacher, einen Dialog darüber zu führen, worin wir nicht übereinstimmen.» Nichts illustriert den Konstruktionsfehler sozialer Netzwerke besser als dieser Satz. Denn die algorithmisch optimierte Gruppierung gleichgesinnter Menschen hat ja offensichtlich nicht die Dialogfähigkeit der digitalen Gesellschaft verstärkt. Im Gegenteil, sie hat zu einer zunehmenden Polarisierung und Fragmentierung geführt.

Zugegeben: Plattformen wie Facebook oder Twitter waren nie ein repräsentatives Abbild der Gesellschaft. Gemäss einer Studie des Meinungsforschungsinstituts Pew Research Center sind Twitter-Nutzer jünger, gebildeter und wohlhabender als der amerikanische Durchschnitt. Auch neigen sie mehr den Demokraten als den Republikanern zu.

Menschen mit geringem Einkommen, niedriger Bildung und weisser Hautfarbe sind in dem Kurznachrichtendienst unterrepräsentiert. Das heisst, die Themen, die auf Twitter verhandelt werden, sind auch tendenziell eher Themen, die in den liberaleren und wohlhabenderen sozialen Milieus diskutiert werden (zum Beispiel Genderthemen).

Das sorgt dafür, dass sich wertkonservative Milieus, die in dem Kurznachrichtendienst mitdiskutieren wollen, wenn nicht zahlenmässig, so doch habituell marginalisiert fühlen, weil sie bestimmte Codes nicht beherrschen. Und daher rührt auch das diffuse Gefühl, dass bestimmte Dinge im Netz nicht mehr sagbar sind, weil sie schlicht weniger rezipiert werden.

Man kann es sich wie in einem Fussballstadion vorstellen: Wenn die Anhänger der Heimmannschaft ihr Team anfeuern, müssen die Gästefans umso lauter brüllen, um sich im Stadionrund Gehör zu verschaffen. Genauso ist es in der politischen Arena der Netzöffentlichkeit: Die eher liberalen Akteure geben den Ton an, weshalb die Nutzer am rechten Rand immer lauter trommeln.

Blockieren ist noch Kommunikation

Doch zumindest findet noch Kommunikation zwischen den verfeindeten Lagern statt. Selbst wenn man einen Nutzer blockiert, ist das noch eine Form der sozialen Interaktion. Wenn nun aber immer mehr konservative Nutzer Plattformen wie Facebook oder Twitter den Rücken kehren und sich in alternativen Foren organisieren, droht die Öffentlichkeit in immer kleinteiligere Neben- und Scheinöffentlichkeiten zu zerfallen – in homogene «gated communities», in denen man gar nicht merkt, was auf der anderen Seite der Mauer stattfindet. Die Diskussionen verlaufen dann zwar gesitteter, sind aber auch tendenziell selbstreferenzieller.

Twitter und Facebook könnten zu Wohlfühlveranstaltungen verkommen, wo man sich in einem geschützten Bereich seiner Werte versichert und mit jedem Like die eigene Toleranz beklatscht: Drinnen dudelt der Gospel der Weltoffenheit, während draussen vor den Toren der Hass lodert. Ein Disneyland, perfekt inszeniert von Algorithmen. Nicht der Zugang zur Öffentlichkeit ist dann entscheidend, sondern die Zugehörigkeit zu einer Gruppe; die umstrittene Öffentlichkeit wird zur gesitteten Geschlossenheit.

Die Gefahr dieser Ghettoisierung der (Netz-)Öffentlichkeit besteht nicht nur in einer Tribalisierung und Ideologisierung von Gemeinschaften. Sie findet sich auch im schleichenden Bedeutungsverlust der Öffentlichkeit als Verhandlungsraum für Werte.

Wo man seine Truppen im eigenen Kasernenhof versammelt, braucht man den öffentlichen Raum allenfalls noch als erweiterte Kampfzone. Es scheint, als hätte Zuckerberg in seiner historischen Aufzählung lediglich die Reihenfolge verwechselt: Von den Nationen und Städten führt die Entwicklung zurück zu Stämmen.

TV-Kultfigur Pan Tau ist wieder da

In den 70er Jahren war Pan Tau einer der beliebtesten Helden im Kinderfernsehen, nun kehrt er mit neuen Gesichtern auf den Bildschirm zurück.

Der Start ist in diesem Herbst im Ersten geplant, wie die ARD heute mitteilte. Die Stelle des 1992 gestorbenen Hauptdarstellers Otto Simanek nimmt der englische Stand-up-Comedian und Zauberer Matt Edwards ein. „Die 14-teilige Serie wurde von Gabriele Walther mit viel Liebe zum Detail produziert und in englischer Sprache, mit britischen und deutschen Schauspielerinnen und Schauspielern in Deutschland gedreht“, hieß es in der Mitteilung.

Zu den bekannten neuen Gesichern aus Deutschland gehören Valerie Niehaus („Verbotene Liebe“), Armin Rohde („Der gute Bulle“), Bettina Lamprecht („Die Känguru-Chroniken“), Sophie von Kessel („Song für Mia“), Katharina Wackernagel („Das Adlon. Eine Familiensaga“), Helmfried von Lüttichau („Der Beischläfer“) und Tom Gerhardt („Hausmeister Krause – Ordnung muss sein“).

Es spielen aber auch mehr als 50 britische Schauspieler mit, darunter Richard Linnell („Hollyoaks“), Hannah Chinn („Five Minutes“), Natalie St. John Porther („SHHH!“), Megan Richards („Wanderlust“), Bethany Billy („Pinky“), Niamh McGrady („The Fall“), Jan Anderson („Prison Break“), Orlando Seale („Pride and Prejudice“) und Jacob Avery („Dark Heart“). Federführend bei der neuen „Pan Tau“-Staffel ist der Westdeutsche Rundfunk, ebenfalls beteiligt ist der Mitteldeutsche Rundfunk.

Deutsche Telekom und SAP sollen EU-Corona-Warn-Plattform bauen

Die Kooperation werde zunächst Staaten betreffen, die ähnliche dezentrale Lösungen einsetzen wie Deutschland – dazu gehören etwa die Niederlande, Österreich oder Dänemark.

Telekom und SAP hatten gemeinsam die deutsche Corona-Warn-App entwickelt. Zuletzt gab es Probleme, weil die App teilweise nicht ordnungsgemäß funktioniert hatte – diese sollen aber mittlerweile behoben sein. Bislang können die Apps der EU-Staaten jedoch noch nicht grenzüberschreitend kommunizieren und Warnungen ausgeben.

Facebook sperrt Profile radikaler Bolsonaro-Anhänger weltweit

Facebook hat die Profile radikaler Anhänger von Brasiliens Präsidenten Jair Bolsonaro nach eigenen Angaben, wie von einem Richter des Obersten Gerichtshofs verfügt, auch außerhalb des Landes gesperrt. Dies berichteten brasilianische Medien unter Berufung auf das weltgrößte Online-Netzwerk.

Der Richter Alexandre de Moraes hatte die Strafe für Facebook am Freitag wegen der Nichtbefolgung eines vorherigen Urteils auf 1,92 Millionen Reais, umgerechnet 312 000 Euro, am Tag erhöht und dabei nicht ausgeschlossen, den Präsidenten von Facebook-Brasil, Conrado Leister, persönlich zur Verantwortung zu ziehen.

Moraes sah es als erwiesen an, dass Facebook die Profile von radikalen Bolsonaro-Anhängern entgegen seiner Anweisung nur im Inland gesperrt hatte. Schon kurz darauf veröffentlichten diese ihre anti-demokratischen Parolen und persönlichen Angriffe mit veränderten Standort-Einstellungen, wie die Zeitung „Folha de S. Paulo“ zeigte.

Bei Alphabet bricht der Gewinn im zweiten Quartal ein

Höhere Kosten und sinkende Werbeeinnahmen während der Corona-Pandemie haben den Google-Mutterkonzern Alphabet im zweiten Quartal belastet. Der Gewinn brach im Jahresvergleich von 9,95 Mrd. auf 6,96 Mrd. Dollar (5,87 Mrd. Euro) ein, wie der Internetriese am Donnerstag nach US-Börsenschluss mitteilte.

Alphabets Geldmaschine – das Anzeigengeschäft von Google – erhielt in der Krise einen seltenen Dämpfer. Zum ersten Mal in der 22-jährigen Geschichte des Unternehmens gingen die Erlöse zurück – und zwar auf 29,9 Mrd. Dollar. Das sind acht Prozent weniger als im Vorjahr.

Gesamtkosten nehmen trotz Einsparungen zu

Insgesamt schrumpften die Erlöse des Konzerns um rund zwei Prozent auf 38,3 Mrd. Dollar. Die Bilanz wies allerdings durchaus auch einige Stärken auf. So wuchsen die Werbeerlöse der Video-Tochter Youtube um deutliche sechs Prozent auf 3,8 Mrd. Dollar.

Googles Cloud-Geschäft steigerte den Umsatz sogar um 43 Prozent auf 3,0 Mrd. Dollar. Die gesamten Kosten und Ausgaben des Alphabet-Konzerns nahmen von 29,8 Mrd. auf 31,9 Mrd. Dollar zu, obwohl in einigen Bereichen stark gespart wurde.

Wirtschaftliche Lage laut Finanzchefin weiter fragil

Finanzchefin Ruth Porat zeigte sich in einer Konferenzschalte mit Analysten nach der Bilanzvorlage zufrieden mit den Zahlen, das Anzeigengeschäft habe sich zum Ende des Quartals hin schon wieder erholt. Allerdings bleibe die wirtschaftliche Lage fragil. Obwohl Alphabet die Markterwartungen übertraf, fiel die erste Reaktion der Anleger nachbörslich verhalten aus. Die Aktie verbuchte zunächst nur einen leichten Anstieg. Im bisherigen Jahresverlauf hat der Kurs aber auch schon um 14,5 Prozent zugelegt.

Neben Alphabet haben auch die anderen großen US-Tech-Firmen ihre Quartalszahlen präsentiert, einen Tag nach einer Anhörung im US-Repräsentantenhaus, bei der Abgeordnete den Unternehmen einen Missbrauch von Marktdominanz vorwarfen und schärfere Regulierung in Aussicht stellten. Die Zahlen beweisen, wie widerstandsfähig deren Geschäfte in der Krise sind.

Trump kündigt Verbot von TikTok in den USA an

US-Präsident Donald Trump hat angekündigt, die beliebte Videoplattform TikTok in den USA zu verbieten. „Was TikTok betrifft, so verbannen wir sie aus den Vereinigten Staaten“, sagte Trump. US-Behörden hatten Bedenken geäußert, dass das Onlinenetzwerk Nutzerdaten an die chinesische Regierung weitergibt.

Insidern zufolge stehen potenzielle Käufer bereits in den Startlöchern, darunter Microsoft. Wie die Trennung jedoch vor sich gehen sollte, und was der Internetriese ByteDance mit dem Rest von TikTok vorhaben könnte, blieb am Freitag zunächst unklar. Die Unternehmen lehnten eine Stellungnahme ab.

Das in China ansässige Unternehmen bemüht sich wegen des Argwohns aus dem Ausland seit langem, seine internationale Plattform von der chinesischen Version zu trennen. TikTok beteuert, zu keinem Zeitpunkt Nutzerdaten an die Regierung in Peking weitergegeben zu haben und dies auch nicht zu tun, sollte das Unternehmen dazu aufgefordert werden. Jüngst war TikTok auch wegen der Verbreitung von rechtsextremen und antisemitischen Inhalten in die Kritik geraten.

In den USA wurde TikTok zuletzt durch das Committee on Foreign Investment (CFIUS) überprüft. Trump hatte zuvor bereits angedeutet, dass er sich den Onlinedienst anschauen und möglicherweise verbieten werde. „Vielleicht tun wir auch andere Dinge“, sagte der US-Präsident weiter. Es gebe viele Optionen.

Corona-Krise macht Huawei zur neuen Nummer eins

Der umstrittene chinesische Konzern Huawei ist überraschend zum größten Anbieter von Smartphones weltweit aufgestiegen: Huawei habe die bisherige Nummer eins, Samsung aus Südkorea, im zweiten Quartal überholt, erklärte das Marktforschungsunternehmen Canalys. Huawei habe 55,8 Millionen Geräte ausgeliefert, Samsung 53,7 Millionen.

Die Spitzenposition dürfte Huawei aber nicht halten können. „Ohne Covid-19 wäre das nicht passiert“, sagte Canalys-Analyst Ben Stanton zu dem Wechsel an der Spitze.

Bei Samsung fiel der weltweite Absatz nach Berechnungen von Canalys im Jahresvergleich um 30 Prozent auf die genannten 53,7 Millionen Geräte. Für Huawei ermittelten die Marktforscher dagegen einen Rückgang von nur fünf Prozent – die Chinesen verkauften damit noch 55,8 Millionen Smartphones.

Den Ausschlag dafür gab die Entwicklung im chinesischen Markt, der sich bereits deutlich von der Corona-Krise erhole. Bei Huawei sackten laut Canalys die Verkäufe außerhalb Chinas zwar um 27 Prozent ab – im Heimatmarkt wurden dagegen 8 Prozent mehr Computertelefone abgesetzt.

Huawei verdient sein Geld auch als Netzwerkausrüster. Die USA verdächtigen den chinesischen Konzern der Spionage, was Huawei zurückweist.

Die US-Regierung hat Huawei fast vollständig verbannt und setzt andere Staaten unter Druck, dies ebenfalls zu tun. Die Smartphones von Huawei laufen bislang mit dem Betriebssystem Android des US-Konzerns Google. Eigentlich dürfen US-Unternehmen nicht mehr mit Huawei zusammenarbeiten – es gelten aber Ausnahmen, um die Schäden für US-Firmen zu begrenzen. Bei seinen neuen Modellen kann Huawei jedoch keine Google-Dienste vorinstallieren, was die Verkaufschancen außerhalb Chinas verschlechtert.

ORF 1 und ORF 2 legen im Juli zu

Formel 1 aus Spielberg und Bundesliga schoben im Juli die Quoten von ORF 1 an. ORF1 konnte in diesem Monat gegenüber Juli 2019 beim Gesamtpublikum und beim Publikum unter 50 Jahren zulegen. Auch ORF 2 konnte in beiden Zielgruppen im Juli zulegen

Alle vier ORF-Sender kommen nun auf 32 Prozent Marktanteil nach 29,5 im Juli 2019, ORF 1 und ORF 2 steigerten sich gemeinsam von 26,4 auf 28,8 Prozent.

Wolfgang Fellners 2016 gestartetes Oe24 TV konnte seine Marktanteile verdoppeln – von 0,4 auf 0,8 im Gesamtpublikum und 0,9 beim Publikum unter 50.

Infosender Puls 24, im September 2019 gestartet, kommt auf 0,5 beziehungsweise 0,6 Prozent.

Servus TV steigerte sich von 3,1 auf 3,3 Prozent.

Rücktritt: James Murdoch verlässt News Corp. im Streit

Wie das Medienunternehmen mitteilte, ist James Murdoch als Vorstand aus dem Board of Directors zurückgetreten. „Mein Rücktritt ist auf Meinungsverschiedenheiten über bestimmte redaktionelle Inhalte zurückzuführen, die von den Nachrichtenagenturen des Unternehmens veröffentlicht wurden, sowie auf bestimmte andere strategische Entscheidungen“, teilte Murdoch mit.

Der Schritt trennt endgültig Murdochs formale Verbindung zum Medienimperium, das sein Vater Rupert Murdoch einst geschaffen hat. Er gilt als liberaler als sein älterer Bruder Lachlan, der die Fox Corporation leitet und bereits als Nachfolger seines Vaters als Vorstandsvorsitzender von News Corp. gehandelt wird.

Was genau der Auslöser für die Entscheidung war, ist nicht bekannt. Allerdings hatte sich James Murdoch schon in der Vergangenheit an der Ausrichtung des konservativen Nachrichtensenders Fox News gerieben. „Es gibt Ansichten, mit denen ich bei Fox wirklich nicht einverstanden bin“, sagte er im vorigen Jahr dem „New Yorker“. Auch dass Murdochs australische Zeitungen zu Jahresbeginn einen Zusammenhang zwischen der Klimaerwärmung und den massiven Buschfeuern leugneten, gefiel ihm und seiner Ehefrau nicht.

Facebooks Umsatz wächst weniger stark

Facebook erzielte im zweiten Quartal einen Umsatz von 18,7 Milliarden US-Dollar, nach 16,9 Milliarden US-Dollar im gleichen Vorjahreszeitraum. Damit übertraf der Konzern die Erwartungen der Analysten von 17,34 Milliarden US-Dollar. Das Wachstum von 11 Prozent bedeutet einen Rückgang gegenüber den durchschnittlichen Zuwächsen um fast 25 Prozent pro Jahr, die das Unternehmen in den vergangenen vier Quartalen verzeichnet hatte.

Der Gewinn stieg auf 5,18 Milliarden US-Dollar oder 1,80 US-Dollar pro Aktie. Die Analysten hatten 3,96 Milliarden US-Dollar oder 1,39 US-Dollar pro Aktie erwartet. Die Facebook-Aktie legte im nachbörslichen Handel um mehr als 7 Prozent zu.

Das Nichtanzeigengeschäft von Facebook, zu dem Virtual-Reality Oculus sowie der Heimvideobereich Portal gehören, zeigte keinen Wachstumsrückgang. Der Umsatz stieg hier um 40 Prozent. Werbung macht aber immer noch 98 Prozent des Umsatzes von Facebook aus.

Microsoft will nach drohendem US-Verbot Tiktok kaufen

Microsoft ist in Gesprächen für die Übernahme der chinesischen Video-App Tiktok.

Einige Investoren der Tiktok-Muttergesellschaft Bytedance, die die beliebte Social-Media-App übernehmen möchten, schätzen laut einem früheren Bericht von Reuters den Wert von Tiktok auf rund 50 Milliarden US-Dollar, deutlich mehr als vergleichbare Unternehmen wie Snap.

Pro Sieben Sat 1 schreibt rote Zahlen

Fehlende TV-Werbeerlöse in der Coronakrise haben das Ergebnis des Medienkonzerns ProSiebenSat.1 in die Verlustzone gedrückt. Wie bei anderen TV-Sendern in Deutschland stieg zwar das Interesse der Zuschauer an Programminhalten – aber die wichtige Ertragssäule Fernsehwerbung knickte ein.

Die Folge: Der Gesamtumsatz des Konzerns verringerte sich im zweiten Quartal um 25 Prozent auf 709 Millionen Euro. Unter dem Strich blieb ein Verlust von 61 Millionen Euro, wie das Unternehmen in Unterföhring bei München am Freitag mitteilte. Im zweiten Quartal 2019 war noch ein Gewinn von 94 Millionen Euro ausgewiesen worden. Auch der Blick auf das Halbjahr macht den Unterschied deutlich: Jetzt gab es einen Verlust von 30 Millionen Euro, im Halbjahr 2019 noch einen Gewinn von 215 Millionen Euro.

Man rechnete mit dieser Entwicklung, wie Vorstandssprecher Rainer Beaujean erläuterte. Er sah zugleich ein wenig Licht am Ende des Tunnels: Im Juli seien die Werbeerlöse nur noch um 20 Prozent niedriger als im Vorjahr, und „im August zeichnet sich aktuell mit einem Minus von rund 10 Prozent eine weitere Verbesserung ab“, sagte er.

Allerdings werde es nicht möglich sein, die bis Herbst entstandenen Rückgänge bis Jahresende aufzuholen. In normalen Jahren erwirtschafte ProSiebenSat.1 zwar etwa die Hälfte seines Betriebsgewinns zwischen September und Dezember. Aber angesichts der Unsicherheit über den Fortgang der Corona-Pandemie könne der Vorstand keine Jahresprognose geben. Beaujean sagte der Deutschen Presse-Agentur, dass der September der erste relevante Monat und eine gute Basis für die letzten drei Monate sein werde.

Der Quartalsumsatz im Kerngeschäft Unterhaltung und im Produktionsgeschäft brach um ein Drittel ein. Nur die Konzerntochter Nucom – also das Commerce-Geschäft – konnte ihren Umsatz dank der Partnervermittlung Parship Group und der Online-Parfümerie Flaconi leicht steigern. Während der Beauty- und Lifestylebereich profitierte, war der Bereich Mietwagen innerhalb der Gruppe zugleich schwächer.
Weniger Geld fürs Programm

Die Krise führt auch dazu, dass der Konzern die TV-Programmkosten um 50 Millionen Euro senkt, das meiste davon im zweiten Halbjahr. Ursprünglich wollte man genau das Gegenteil tun – 50 Millionen Euro obendrauf packen. Das Unternehmen setzt zugleich weiter auf starke Marken wie die Musikformate „The Voice of Germany“ oder „The Masked Singer“.

„Das Bedürfnis der Zuschauer nach mehr Unterhaltung und Information ist nach wie vor stark“, sagte Beaujean bei der Vorstellung der Zahlen. Insgesamt nimmt der Konzern 2020 rund eine Milliarde Euro für Programmkosten in die Hand, also etwa soviel wie im vergangenen Jahr. Ab 2021 erhofft man sich auch mit Fußball-Bundesliga-Spielen auf Sat.1 Zuschauerbindung.

Seit gut einem Jahr ist der Konzern zudem mit der Streaming-Plattform Joyn, also einer Art Mediathek, auf dem Markt. Streaming boomt in Deutschland. Bei Joyn gibt es einen offenen Bereich und einen für Abonnenten. Der Abo-Teil sei noch vergleichsweise klein, sagte Beaujean der dpa. Zahlen kommunizierte der Konzern nicht. Beaujean stellte in Aussicht, dass es auf der Plattform immer zwei Bereiche geben wird.

In der Pandemie greift die Gruppe weiter auf Kurzarbeit zurück. Im Juli waren den Angaben zufolge grob 1000 Mitarbeiter betroffen. Die Tendenz war zuletzt rückläufig. Stellenabbau wegen Corona ist Beaujean zufolge nicht geplant. Bei der Gruppe waren 2019 mehr als 7200 Mitarbeiter beschäftigt. Mit 1,2 Milliarden Euro in bar ist die Liquidität des Unternehmens nach eigenen Angaben gut. Kosteneinsparungen seien teilweise bereits im zweiten Quartal sichtbar, sollten aber vor allem in der zweiten Jahreshälfte wirken.

Radiotest: ORF dominiert

Insgesamt ist die Tagesreichweite aller erhobenen Radios im Vergleich zur vorjährigen Erhebung mit 76,2 Prozent stabil geblieben (Radiotest 2019/2: 76,9 Prozent). Gleichzeitig ist aber die durchschnittliche Hördauer von 195 auf 200 Minuten gestiegen.

Kalt-warm gibt es für den ORF: Bei den Radios des öffentlich-rechtlichen Rundfunks steigerte sich Ö1 von 9 Prozent signifikant auf 10 Prozent Tagesreichweite (+ 1 Prozentpunkt). Die nationale Reichweite von Ö3 sank hingegen signifikant von 32,9 auf 31,9 Prozent fiel (-1 Prozentpunkt). Damit steht der Sender nicht allein da, mussten sowohl die RMS-Top-Kombi (26,6 Prozent) als auch Kronehit (9,6 Prozent) bei der nationalen Tagesreichweite Federn lassen. Die signifikanten Verluste ändern freilich nichts daran, dass Ö3 weiterhin der meistgehörte Radiosender des Landes bleibt. Selbst die traditionell starken ORF-Regionalsender kommen mit 29,7 Prozent nationaler Tagesreichweite nicht an jene des Erfolgssenders heran. Nur beim Marktanteil muss sich Ö3 (31 Prozent MA) seinen regionalen Schwestern (35 Prozent MA) geschlagen geben.

Stabile Tagesreichweiten in der Altersgruppe 10+ haben die heimischen Radiosender vor allem älteren Semestern zu verdanken, denn die 14- bis 49-Jährigen scheinen etwas weniger radiobegeistert zu sein. Die Tagesreichweite der Radios fiel in dieser Zielgruppe von 72,7 um 2,1 Prozentpunkte signifikant auf 70,6 Prozent. Auch die durchschnittliche Hördauer sank von 179 auf 177 Minuten. Das traf vor allem die Privatsender: Während die Tagesreichweite der ORF-Radios bei den 14- bis 49-Jährigen stabil blieb, verloren die Privatradios insgesamt 1,9 Prozentpunkte, die RMS-Top-Kombi 2,2 Prozentpunkte – mit immer noch 33,5 Prozent Tagesreichweite.

PayPal: Nettogewinn steigt um 86 Prozent auf 1,5 Milliarden US-Dollar

Boomende Ausgaben im Internet haben dem Online-Bezahldienst PayPal inmitten der Corona-Krise starke Geschäftszahlen beschert. Im zweiten Quartal schoss der Nettogewinn verglichen mit dem Vorjahreswert um 86 Prozent auf 1,5 Milliarden US-Dollar (1,3 Milliarden Euro) nach oben.

Zudem gab das Unternehmen einen Umsatzanstieg um 22 Prozent auf 5,3 Milliarden US-Dollar bekannt. Das gesamte abgewickelte Zahlungsvolumen kletterte um 29 Prozent auf 222 Milliarden US-Dollar.

Der kräftige Anstieg zeigt, dass sich die Verbraucherausgaben aufgrund von Ausgehbeschränkungen während der Pandemie stark ins Internet verlagert haben. Die Quartalszahlen übertrafen die Markterwartungen klar, die Aktie verbuchte nachbörslich deutliche Kursgewinne.

Amazon verdoppelt Gewinn in der Coronakrise

Amazons Gewinn hat sich auf den Rekordwert von 5,2 Milliarden US-Dollar verdoppelt, obwohl der Onlineversandhändler mehr als 4 Milliarden US-Dollar für Kosten im Zusammenhang mit dem Coronavirus ausgab, Hunderttausende Beschäftigte anstellte und die Bezahlung erhöhte. Das gab das Unternehmen am 30. Juli 2020 nach Handelsschluss an der Börse in New York bekannt. Amazon beschäftigt derzeit mehr als 1 Million Menschen und ist der zweitgrößte Arbeitgeber in den USA.

Der Nettoumsatz stieg im zweiten Quartal zum 30. Juni um 40 Prozent von 63,40 Milliarden US-Dollar auf 88,91 Milliarden US-Dollar und übertraf damit die Börsenschätzungen von 81,56 Milliarden US-Dollar.

Der Umsatz von AWS, der Cloud-Computing-Einheit des Unternehmens, stieg von 8,38 Milliarden US-Dollar auf 10,8 Milliarden US-Dollar und lag damit leicht unter der Analystenschätzung.

Ex-„Berliner Zeitung“-Chef Arntz geht zur Bertelsmann Stiftung

Der frühere Chefredakteur der „Berliner Zeitung“, Jochen Arntz, wird Pressechef der Bertelsmann Stiftung. Der 55-Jährige beginnt zum 1. August und verantwortet die externe und interne Kommunikation, wie die Stiftung in Gütersloh mitteilte.

Arntz war seit 2016 Chefredakteur der „Berliner Zeitung“. Der Journalist, der auch Preisträger des renommierten Theodor-Wolff-Preises ist, war davor seit Ende 2014 Chefredakteur der damaligen DuMont-Hauptstadtredaktion. Zu seinen beruflichen Stationen zählte auch die „Süddeutsche Zeitung“.

Die gemeinnützige Bertelsmann Stiftung setzt sich für gesellschaftliche Teilhabe ein und beleuchtet Themen wie Bildung, Demokratie, Europa und Gesundheit. Bei der 1977 von Unternehmer Reinhard Mohn gegründeten Stiftung arbeiten rund 380 Mitarbeiter. Stammsitz ist Gütersloh in Nordrhein-Westfalen.

IRT muss schließen

Es ist eine knappe Pressemitteilung, die das Institut für Rundfunktechnik (IRT) verschickte. In vier nüchternen Sätzen wird erklärt, was die rund 100 Angestellten befürchtet haben: Zum Jahresende wird das IRT aufgelöst. In einer weiteren Sondersitzung hätten die Gesellschafter ARD, ZDF, Deutschlandradio, Deutscher Welle, ORF und SRG kein tragfähiges Modell für eine Fortführung des Instituts gefunden.

Das Institut war vor wenigen Jahren von einem Patentrechtsstreit erschüttert worden, der sich als großer Betrugsskandal entpuppte, bei dem es um entgangene Einnahmen von bis zu 200 Millionen Euro geht. Bis heute gilt der Fall als einer der größten Betrugsfälle im System der öffentlich-rechtlichen Medien.

Corona trifft Sky mit voller Breitseite

So erzielte Sky zwischen April und Juni dieses Jahres in seinen verschiedenen Märkten 4,08 Milliarden Dollar Umsatz, das ist im Vergleich zum Vorjahresquartal ein Minus von 15,5 Prozent. Am größten war der Einbruch im Bereich der Werbeeinnahmen, hier betrug das Minus satte 43,0 Prozent. Sky hat im zweiten Quartal aber auch Kunden verloren, 214.000 an der Zahl. Damit kam man Ende Juni aber immer noch auf insgesamt 23,72 Millionen zahlende Kunden – der Verlust hielt sich also noch in Grenzen. Dennoch fiel der Umsatz im Bereich Direct-to-Consumer um 9,4 Prozent.

Blickt man auf den Zeitraum zwischen Januar und Juni, liegt Sky derzeit bei einem Umsatz-Minus in Höhe von 10,7 Prozent. Das bereinigte EBITDA liegt aber noch immer bei 1,3 Milliarden Dollar – auch wenn das einem Minus in Höhe von 9,4 Prozent entspricht. Zahlen für einzelne Märkte veröffentlicht Sky bzw. Comcast übrigens nicht. So ist unklar, wie sehr Sky Deutschland durch Corona in Mitleidenschaft gezogen wurde. Hart getroffen von Corona wurde in jedem Fall NBCUniversal, das im zweiten Quartal weltweit 25,4 Prozent weniger Umsatz verzeichnete als ein Jahr zuvor, auf 6,12 Milliarden Dollar brachte es das Unternehmen.

Da half es Comcast dann auch wenig, dass das US-Kabelgeschäft mit einem Umsatzminus in Höhe von 0,2 Prozent sehr robust lief. Für den Gesamtkonzern kommuniziert hat man einen Umsatz in Höhe von 23,72 Milliarden Dollar für das zweite Quartal – das entspricht einem Minus in Höhe von 11,7 Prozent. Das bereinigte EBITDA ging um 9,1 Prozent auf 7,93 Milliarden Dollar zurück.

Nokia: Gewinnanstieg trotz Corona

Der Quartalsumsatz fiel im Quartal um 11 Prozent auf 5,09 Mrd. Euro und verfehlte damit Analystenschätzungen von 5,28 Mrd. Euro. Laut Vorstandschef Rajeev Suri sei der Umsatzeinbruch auf die Auswirkungen der Coronavirus-Pandemie und die Geschäftslage in China zurückzuführen.

„Wir gehen davon aus, dass sich der Großteil der Umsätze, die aufgrund von Covid-19 im vergangenen Quartal ausblieben, auf später verschieben wird“, sagte Suri an seinem letzten Tag als Nokia-Chef. Nachfolger wird Pekka Lundmark, der zuvor den finnischen Versorger Fortum geführt hatte.

Harry Potter wird 40 Jahre alt

1997 startete die Buchreihe rund um „Harry Potter” mit einer Auflage von 500 Stück. Ihr Protagonist Harry wurde am 31. Juli 2020, 40 Jahre alt und löst damit ein breites Medienecho aus.

Der Geburtstag des fiktiven Zauberlehrlings lässt sich aus den Beschreibungen der Autorin J. K. Rowling errechnen, die am selben Tag Geburtstag hat und heute 55 wird. Die Bücher wurden über 500 Mio Mal verkauft und in über 80 Sprachen übersetzt. Die 8 Filme spielten 7,7 Mrd Dollar ein. 1998 erschien der erste Band auf Deutsch bei Carlsen.

Apple mit Rekordgewinn, aber iPhone 12 verzögert sich

Entgegen aller Analysten-Erwartungen hat die Corona-Krise bei Apple kaum Spuren hinterlassen. Der Umsatz kletterte im vergangenen Quartal um elf Prozent auf 59,7 Milliarden Dollar. Alle Produktbereiche legten zu. Vor allem die Verkäufe von Macs, aber auch iPads und der Apple Watch stiegen stark an. Der Gewinn erhöhte sich um zwölf Prozent auf 11,25 Milliarden Dollar.

Unter anderem das iPhone-Geschäft lief deutlich besser als von vielen Marktbeobachtern erwartet. Apple steigerte den Umsatz mit seinem wichtigsten Produkt um fast 1,7 Prozent auf 26,4 Milliarden Dollar. Analysten hatten zum Teil mit einem iPhone-Umsatz bei nur 21 Milliarden Dollar gerechnet.

iPhone 12 kommt erst im Oktober

Ungeachtet all dieser positiven Neuigkeiten gab es auch eine kleine Hiobsbotschaft für die Apple-Community. So wird sich das neue iPhone in diesem Jahr verzögern. Statt des traditionellen Septembertermins wird das iPhone 12, das 5G-fähig sein soll, „um einige Wochen verzögern“, wie Finanzchef Luca Maestri bestätigte.

Österreichische Ministerien kommunizieren verständlicher als deutsche

Die Universität Hohenheim und clavis Kommunikationsberatung analysierten die Pressearbeit der österreichischen und deutschen Ministerien auf formale Verständlichkeit und Sprache in der Corona-Zeit.

Was die meisten Presseaussendungen gemeinsam haben: Schachtelsätze mit bis zu 80 Wörtern und sperrige Fachbegriffe wie E-Card-Foto-Registrierungs-Stellen oder Künstler-Sozialversicherungsfonds-Gesetz machen die Texte oft unverständlich. Das ist das Ergebnis einer Analyse von Kommunikationswissenschaftern der Universität Hohenheim in Stuttgart und der clavis Kommunikationsberatung mit Standorten in Wien, Innsbruck und Bregenz.

Mithilfe einer Analyse-Software suchten die Wissenschaftler nach überlangen Sätzen, Fachbegriffen und Fremdwörtern. Anhand dieser und weiterer Merkmale bilden sie den „Hohenheimer Verständlichkeitsindex“ (HIX). Er reicht von 0 (schwer verständlich) bis 20 (leicht verständlich).

Gesundheitsministerium auf Platz eins

Die Pressemitteilungen der deutschen Ministerien kommen im Schnitt auf einen Wert von 7,05 Punkten. Den besten Wert erzielt in Österreich das Bundesministerium für Soziales, Gesundheit, Pflege und Konsumentenschutz (9,75 Punkte). Auf Platz zwei landete das Bundesministerium für Justiz mit 9,45 Punkten. In Deutschland kommunizierte das Bundesfinanzministerium (9,95 Punkte) am verständlichsten.

Die Experten haben außerdem die vier Themengebiete „Gesundheit“, „Arbeit und Wirtschaft“, „Soziales und Alltag“ sowie „Kindergarten, Schule und Uni“ analysiert. Die Pressetexte zum Themenbereich Gesundheit erreichten in Österreich mit 9,45 Punkten den höchsten Wert. Aussendungen zu „Kindergarten, Schule und Uni“ schafften nur 6,65 Punkte. Auch in Deutschland kamen die Gesundheits-Texte auf den besten Wert (8,15 Punkte), ex aequo mit Pressemeldungen zu „Kindergarten, Schule und Uni“. Medieninformationen zum Bereich „Soziales und Alltag“ waren besonders unverständlich formuliert.

Sooner tritt mit Arthouse-Kino gegen Netflix und Co an

Sooner will mit Arthouse- und Independent-Filmen punkten. Man wolle „jenseits des Mainstreams eine große Auswahl an preisgekrönten Filmen, exklusiven Serien und Creative Documentaries“ bieten, wie das deutsch-französische Betreiberunternehmen ContentScope mitteilte. Sooner will sich als Alternative zu den etablierten Streamingdiensten etablieren.

Die Betreiber bezeichnen Sooner als „europäisches Gegengewicht zu Netflix“. Viele Produktionen seien bisher nur auf den Festivals wie etwa in Cannes, auf der Berlinale, dem Sundance Film Festival oder dem Séries Mania gezeigt worden. „Sooner bringt sie zum ersten Mal und exklusiv auf die Screens.“

Das Angebot kostet 7,95 Euro im Monat. Wer sich gleich für ein Jahr anmeldet, zahlt 4,99 Euro pro Monat. Das Abo kann von mehreren Personen benutzt werden. Man richte sich an User in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Die Leadagentur für PR und die Social-Media-Kommunikation von Sooner ist die Looping Group.

Electronic Arts erhöht Umsatz-Prognose

Der für seine Fifa- und Star Wars-Videospiele bekannte Unterhaltungssoftwarekonzern Electronic Arts schraubt seine Umsatzprognose für das Gesamtjahr nach oben. Bereinigt rechnet das Unternehmen jetzt mit Erlösen in Höhe von ungefähr 5,95 Milliarden Dollar (5,07 Mrd. Euro) statt wie bisher etwa 5,55 Milliarden Dollar, wie es nach US-Börseschluss mitteilte.

Electronic Arts profitiert davon, dass angesichts der Corona-Einschränkungen Videospiele hoch im Kurs stehen. In dem am 30. Juni zu Ende gegangenen ersten Geschäftsquartal stieg der bereinigte Umsatz auf 1,39 Milliarden Dollar. Analysten hatten weniger erwartet.

EU beschloss Sanktionen gegen Hacker aus Russland und China

Die Europäische Union hat Sanktionen gegen Hacker aus Russland und China verhängt. So richten sich die Strafmaßnahmen gegen insgesamt sechs Einzelpersonen und drei Organisationen. Dazu gehören Einreiseverbote. Zudem kann die EU Vermögenswerte einfrieren.

Gezielte Angriffe

Betroffen sind vier russische Agenten, denen die EU einen versuchten Cyberangriff gegen die Organisation für das Verbot von Chemiewaffen (OPCW) in Den Haag vorwirft. Zudem sind das Hauptzentrum für Spezialtechnologien des russischen Militärgeheimdiensts GRU gelistet sowie zwei mutmaßliche Mitglieder der chinesischen Hackergruppe APT10, die bei einer Aktion mit dem Namen „Cloud Hopper“ IT-Dienstleister in aller Welt angegriffen haben sollen.

Formel 1 überträgt erstmals live auf YouTube

Der Grand Prix der Eifel 2020 auf dem Nürburgring im Herbst soll erstmals auch kostenlos auf YouTube gestreamt werden können. Das Portal zeigt den Grand Prix in sieben europäischen Ländern live, darunter Deutschland, die Schweiz und die Niederlande. Österreich werde in diesem Zusammenhang zumindest bisher nicht explizit aufgezählt.

Die User in anderen Ländern sollen geogeblockt werden und somit keinen Zugriff auf die Weltpremiere haben. Der Deal umfasst weiters auch Vorberichte, eine Analyse und Highlights. Wer den YouTube-Broadcast kommentieren wird und in welcher Sprache, gibt die Formel 1 zunächst noch nicht bekannt. YouTube solle aber laut dem Bericht dabei helfen, neue Fangruppen zu erschließen. 70 Prozent der YouTube-User, die Formel-1-Videos schauen, sind unter 35.

Französischer Online-Kiosk Cafeyn kauft Blendle auf

Der niederländische Online-Kiosk Blendle wurde vom französischen Konkurrenten Cafeyn aufgekauft. Der bisherige Blendle-CEO wird seinen Posten in diesem Zuge abgeben.

Über 1,5 Millionen aktive Nutzer, rund 2500 Titel (darunter L’Équipe und The Guardian) und fast ein Dutzend Länder wie Deutschland, Frankreich, den Niederlanden, Irland und Spanien, in denen die zusammengelegten Angebote verfügbar gemacht werden. Der französische Online-Kiosk Cafeyn übernimmt das Pendant Blendle. Cafeyn hält künftig 100 Prozent am niederländischen Unternehmen, in das in der Vergangenheit bereits die japanische Mediengruppe Nikkei, die New York Times und Axel Springer investiert hatten. Über die Höhe der Verkaufssumme haben beide Seiten Stillschweigen vereinbart.

Der bisherige Blendle-Chef Alexander Klöpping wird seinen Posten abgeben und dafür in den Vorstand des französischen Unternehmens wechseln, wo er für die „journalistische Vision“ von Cafeyn verantwortlich sein wird. Dessen Gründer Ari Assuied wird die gesamte neu formierte Unternehmensgruppe mit etwa 150 Mitarbeitern leiten. Das tägliche Geschäft von Blendle steuert der aktuelle CCO Willem-Jan Lems im Hauptsitz in Utrecht.

ORF-Magazinchefin Langer will mehr Angebote für „Mobilseher“ schaffen

Waltraud Langer, Chefredakteurin der ORF-TV-Magazine und Servicesendungen, will mehr Angebote für „Mobilseher“ schaffen. Ab Herbst soll sich eine Arbeitsgruppe damit auseinandersetzen.

„Wir sind extrem erfolgreich über all die Jahre, obwohl wir sehr viel weniger Budget zur Verfügung haben als damals. Das ist definitiv jedes Jahr weniger geworden, das heißt, der Spielraum ist sehr klein geworden. Wir können es uns nicht leisten, irgendetwas wegzuwerfen, sondern wir müssen immer sehr genau planen, was wir drehen“, berichtete sie. Dennoch seien die Reichweiten aller Sendungen gestiegen. Das erste Halbjahr 2020 sei nicht zuletzt aufgrund der Coronakrise ein besonders starkes gewesen.

Große Änderungen bei den einzelnen Formaten sind nicht geplant. „Viel wichtiger ist, dass das, was funktioniert, frisch bleibt.“ Für neue Sendungen gebe es auch gar nicht das Geld. Sanft erneuert, so dass es für das Publikum „kein Schock“ ist, würden die Sendungen aber natürlich stetig.

Ein großes Anliegen ist Langer die Frauenförderung. „Das Eine ist die Sichtbarkeit von Frauen als Moderatorinnen – ja, Frauen müssen sichtbar sein, aber für mich ist es auch sehr wichtig, dass Frauen Macht haben, Macht im Sinne von Führungsverantwortung.“ Beim Nachwuchs müsse sie bei einem rund 60-prozentigen Frauenanteil dagegen schon darauf achten, dass es ausreichend Männer gibt – „weil ich ein Fan davon bin, dass die Verhältnisse ausgewogen sind“.

Trotz des Sparpakets in Höhe von 75 Mio. Euro, das sich der ORF wegen der Coronakrise für kommendes Jahr verordnet hat, muss Langer nicht um ihre Sendungen fürchten: „Wir konnten, so wie es ausschaut, alle unsere regelmäßigen Formate erhalten, darüber bin ich sehr froh.“

Künftig will sie daran arbeiten, mehr Angebote für unterschiedliche Plattformen zu schaffen. „Man muss sich immer neue Ziele setzen“, sagte Langer. „Wir brauchen mehr Angebote für die Mobilseher – also die, die uns nicht im klassischen Fernsehen anschauen. Daran werden wie ab Herbst intensiv arbeiten. Erste Ideen gibt es bereits.“ Im September soll eine Arbeitsgruppe zum Thema Magazine und ORF-Player starten.

Michael Spreng ist tot

Spreng hatte im Bundestagswahlkampf 2002 den CSU-Politiker und Kanzlerkandidaten Edmund Stoiber beraten. Im Jahr 2004 war er im Landtagswahlkampf in Nordrhein-Westfalen als Medienberater für den CDU-Kandidaten Jürgen Rüttgers aktiv. Später hatte er auch als Redaktionsleiter von Sandra Maischbergers Talkshow „Menschen bei Maischberger“ gewirkt. Im Februar 2009 startete er seinen eigenen Blog Sprengsatz.

Omar Radi in Untersuchungshaft

Der marokkanische Investigativ-Journalist Omar Radi befindet sich in Untersuchungshaft. Das berichten die staatliche Nachrichtenagentur MAP sowie Radis Arbeitgeber, die Nachrichtenseite Le Desk. Demzufolge teilte der Generalstaatsanwalt des königlichen Berufungsgerichts in Casablanca mit, der Untersuchungsrichter habe die vorläufige Inhaftierung Radis angeordnet.

Dem 33-Jährigen wird zum einen vorgeworfen, mit ausländischen Akteuren zur Destabilisierung des Staates kooperiert zu haben. Zum anderen liege eine Beschwerde wegen Vergewaltigung vor. Radi wird von den marokkanischen Behörden schon länger drangsaliert. Zuletzt hatten sie Radi Anfang Juli vorübergehend festgenommen. Das Komitee zum Schutz von Journalisten (CPJ) fordert die unverzügliche Freilassung Radis.

Zeitungsverlage in Stuttgart und Mainz intensivieren Zusammenarbeit

Zwei regionale Zeitungsgruppen bauen ihre Zusammenarbeit im redaktionellen Bereich aus. Die Medienholding Süd (MHS) mit Sitz in Stuttgart und die VRM mit Sitz in Mainz kooperieren bereits seit 2017, wobei die zur MHS gehörenden Titel ‚Stuttgarter Nachrichten‘ und ‚Sonntag Aktuell‘ einzelne Artikel für die VRM-Titel bereitstellt. Nun sollen die Stuttgarter Redaktionen ab 1. August 2020 ganze Seiten für die Wochenend-Produkte der VRM druckfertig produzieren.

Die Seiten sollen dann auch in die Digital-Produkte der VRM-Titel übernommen werden. Zu dem Regionalverlag gehören unter anderem das ‚Darmstädter Echo‘, der ‚Gießener Anzeiger‘ und die ‚Allgemeine Zeitung‘.

UFA Fiction plant auch eine Serie über Wirecard

Nun hat die UFA nun aber auch angekündigt, eine Serie rund um Wirecard drehen zu wollen. Diese soll im Anschluss an die Geschehnisse anknüpfen, mehr Details hat man bislang noch nicht verraten. Es ist davon auszugehen, dass dieses Projekt noch nicht Anfang des kommenden Jahres zu sehen sein wird. Sechs Folgen mit jeweils 45 Minuten will man produzieren. Wo diese Serie künftig zu sehen sein wird, ist aber noch unklar. Weder Bertelsmann noch UFA Fiction nennen einen Senderpartner.

Derweil will die Audio Alliance einen True-Crime-Podcast rund um den Fall Wirecard produzieren, auch hier geht es um die Geschichte und die Hintergründe des Skandals. Zu hören gibt es den Podcast dann exklusiv bei Audio Now.

US-Genehmigung für Amazons mehr als 3000 Internet-Satelliten

Die Spitze der US-Telekommunikationsaufsicht FCC hat einstimmig Amazons Plan genehmigt, mehr als 3000 Satelliten in einen niedrigen Erdorbit zu platzieren, um abgelegene Orte auf dem Boden einen Internetzugang zu ermöglichen.

Amazons Project Kuiper verfolgt damit das gleiche Ziel wie Starlink des Konkurrenten SpaceX, von dem bereits die ersten Satelliten in der Umlaufbahn sind. Amazon will insgesamt mehr als 10 Milliarden US-Dollar in sein Projekt investieren und verspricht nicht nur „schnelles und zuverlässiges Breitbandinternet in Regionen rund um die Welt“, sondern auch Arbeitsplätze und Infrastruktur in den USA.

Amazon hatte „Project Kuiper“ im Frühjahr 2019 öffentlich vorgestellt und die nötigen Unterlagen bei der FCC (Federal Communications Commission) eingereicht. Es soll Dutzenden Millionen Menschen in aller Welt einen Hochgeschwindigkeits-Zugang zum Internet mit niedrigen Latenzen bieten. Der US-Konzern argumentiert nun auch mit jenen Menschen, die in der Corona-Pandemie ins Homeoffice wechseln mussten und unter langsamem beziehungsweise unzuverlässigem Internet gelitten haben. Das sollen die angebotenen Internetzugänge ändern – zu „einem Preis, der für Verbraucher Sinn ergibt“.

Aus der Genehmigung der FCC geht nun hervor, dass Amazon 784 Satelliten in 28 Ebenen in einer Höhe von 590 Kilometern, 1296 Satelliten in 42 Ebenen in 610 Kilometern Höhe und 1156 Satelliten in 34 Ebenen in 630 Kilometern Höhe platzieren will. Insgesamt sind das 3236 Satelliten. Die Hälfte davon muss bis zum 30. Juli 2026 im Einsatz sein, damit die Genehmigung bestehen bleibt, die restlichen müssen bis zum 30. Juli 2029 folgen. Außerdem muss Amazon noch einen finalen Plan für die Beseitigung inaktiver Satelliten nachreichen, der auch auf Kollisionsrisiken eingeht. Der Konzern plant, Satelliten spätestens 355 Tage nach dem Ende ihrer Aktivität aus dem Orbit zu entfernen und nicht erst 25 Jahre, wie die NASA aktuell fordert.

Wie China mit Offline- und Online-Medien Nachrichten steuert

Das Verhältnis zwischen westlichen Ländern und dem kommunistisch-kapitalistischen China ist zwiespältig. Erst als billiger Produktionsstandort und zunehmend auch als Basis für Verkauf wie Entwicklung erfreut sich die Volksrepublik seit vielen Jahren großer Beliebtheit als Wirtschaftspartner, obwohl dort keine bürgerlichen Freiheitsrechte garantiert werden und das Land nicht nur ein Konkurrent ist, sondern politisch gesehen sogar ein Gegner. Der zweite Aspekt gerät gern in Vergessenheit – aber eine Studie des Stanford Internet Observatory über systematische chinesische Propaganda in klassischen wie digitalen Medien erinnert jetzt sehr deutlich daran.

„Die Kommunistische Partei China priorisiert sei langem Desinformation, um ihr Macht-Monopol im Inland, ihren Anspruch auf globale Führung und ihre irredentistischen Ambitionen zu stärken“, heißt es gleich im Vorwort der Studie, die vergangene Woche vom Cyber Policy Center der Stanford-Beobachtungsstelle und dem Think-Tank Hoover Institution veröffentlicht wurde. Dazu werde, zuhause wie im Ausland, eine gut ausgebaute Infrastruktur zur Manipulation von Informationen und zur Verbreitung bevorzugter Narrativen genutzt. Und neue Technologien würde die lange gepflegten Propaganda-Möglichkeiten Chinas noch vergrößern.

Die Hoffnung, die transparente Kraft des Internets würde auch den chinesischen Staat zu echter Öffnung zwingen, kann also einstweilen wohl zu den Akten gelegt werden. Mit genügend Entschlossenheit, so zeigt die jüngere Geschichte, kann eine Regierung sowohl die Medien im Inland unter Kontrolle halten als auch fremde Stimmen aus dem Netz weitgehend aussperren – und neue Online-Plattformen sogar für eigene Zwecke einsetzen. Im Vergleich zu Russland geht China trotz deutlich mehr Ressourcen weniger effektiv und aggressiv vor, heißt es in der Stanford-Studie. Doch zuletzt gebe es Anzeichen dafür, dass sich beides ändern könnte.

Studie: China hat paralleles Informationsumfeld geschaffen

Das wichtigste Ziel der chinesischen Regierung ist laut der Studie einstweilen, der Welt ein selbstbewusstes und inspirierendes Bild des Landes und seines Präsidenten Xi Jinping zu vermitteln. Die dafür nötigen Botschaften würden über staatseigene oder staatlich gelenkte Print- und Rundfunk-Medien vermittelt, aber auch über direkte Kontakte und Netzwerke. Darüber hinaus habe China im Internet ein „beispielloses paralleles Informationsumfeld“ geschaffen, das internationales Publikum über beliebte globale Plattformen wie Twitter und YouTube anspreche und die eigenen Bürger fast exklusiv über staatlich zugelassene wie Weibo und Wechat.

All diese Aktivitäten werden zudem mehr oder weniger zentral koordiniert, berichten die Forscher weiter. Ihre Mischung aus offener Propaganda und versteckten Taktiken betreibe die Kommunistische Partei schon seit fast einem Jahrhundert. Die obersten offiziellen Institutionen dafür sind die zentrale Propaganda-Abteilung der Partei, deren „P“ heute als „Publizistik“ verstanden werden soll, und die Vereinigte Arbeitsfront. Die Front wird ebenfalls von der Partei gesteuert, hat aber laut der Studie die Aufgabe, Stimmen von außerhalb des Apparats zu beeinflussen. Mao soll sie als eine der drei „Zauberwaffen“ in seiner Revolution bezeichnet haben.

Schon während des Korea-Kriegs hat China laut den Forschern von Stanford und Hoover im Jahr 1952, also lange vor Internet und sozialen Medien, in einer koordinierten Propaganda-Kampagne auch im Ausland behauptet, die USA seien für den Ausbruch von verschiedenen Infektionskrankheiten im Land verantwortlich. Und auch in der aktuellen Coronavirus-Pandemie spielte die systematische Beeinflussung eigener und fremder Medien online wie offline und offen ebenso wie versteckt eine bedeutende Rolle.

Propaganda-Herausforderung Corona

Zunächst einmal ließ China laut der Studie klassisch-totalitär Journalisten, Aktivisten und Mediziner verschwinden oder zum Schweigen bringen, die früh auf die Verbreitung des neuartigen Coronavirus hinwiesen. Später vermittelten chinesische Medien den Eindruck, die Herkunft des Virus sei noch nicht geklärt, und verbreiteten bald zusammen mit prominenten Influencern die Verschwörungstheorie, laut der das Virus von US-Militärs nach China gebracht worden sei.

Trotzdem erwies sich die Pandemie als propagandistische Herausforderung für China, schreiben die Forscher in ihrer Untersuchung der Vorgänge weiter – und das Land habe „alle traditionellen und digitalen Medien-Kompetenzen“ aufgefahren, um sie zu beherrschen. So hätten die englischsprachigen Facebook-Seiten chinesischer Staatsmedien nicht nur weiterhin die offizielle Darstellung weitergetragen, sondern sogar Anzeigen geschaltet, um mehr Leser zu diesen Beiträgen zu locken.

Apps, über die Corona-Videos verteilt worden waren, wurden verboten, Journalisten großer US-Medien ausgewiesen. Gleichzeitig veröffentlichten chinesische Diplomaten und Botschaften zunehmend feindselige Nachrichten über andere Länder und unterstützten Aussagen der eigenen Regierung, so die Studie.

„Randalierer“ in Hongkong

Doch das war nur der offene Teil dieser Medien-Operation. Dreimal nacheinander fanden westliche Organisationen ab Ende März 2020 Belege dafür, dass chinesische Kräfte massenhaft falsche Konten bei Twitter und anderen sozialen Medien eingerichtet oder bestehende übernommen hätten. Ein großer Teil der Beiträge dort wurde laut der Studie auf Chinesisch verfasst, was dafür spreche, dass ihr Ziel vor allem Auslandschinesen waren.

Ähnlich konzertiert steuerte China auch Berichterstattung und Online-Kommentare über die Proteste in Hongkong ab Juni 2019, berichten die Forscher von Stanford University und Hoover Institution. In staatlichen Medien mitsamt ihren englischen Online-Präsenzen wurden die Demonstranten als Randalierer dargestellt und Informationen falsch wiedergegeben. Laut Berichten aus dieser Zeit tauchten plötzlich tausende neue Twitter-Nutzer auf (angeblich lebten sie in Hongkong, was aber anderen Angaben widersprach) und äußerten sich im Sinne der chinesischen Regierung.

Als diese Taktiken erkannt waren, reagierten Facebook, Twitter und YouTube, indem sie Zugänge der unechten Nutzer sperrten. Twitter erklärte, sie seien genutzt worden, um gezielt Unruhen in Hongkong zu schüren. Laut der Studie war dies das erste Mal, dass eine versteckte Propaganda-Kampagne in sozialen Medien öffentlich China zugeschrieben wurde. Doch wie das weitere Vorgehen in Bezug auf Hongkong und dann die Corona-Pandemie gezeigt hat, ließ sich die gut geölte Medien-Maschine des Landes davon nicht nachhaltig beeindrucken.

TikTok will Creator in Europa mit 60 Millionen Euro unterstützen

Als führende Kurzvideo-Plattform zieht TikTok auch in Europa zunehmend mehr Creator an und will diese nun auch stärker finanziell fördern. Der dafür eingerichtete Fonds hat ein Startvolumen von 60 Millionen Euro und soll innerhalb von drei Jahren auf insgesamt 300 Millionen US Dollar (circa 255 Millionen Euro) anwachsen.

TikTok sieht die eigene Community und ihre authentischen Inhalte als sein Erfolgsgeheimnis. Über Performances und Challenges würden dort zahlreiche neue Trends geboren. Laut Angabe der Social-Media-Plattform haben sich während des Corona-Lockdowns über eine Milliarde Menschen unter dem Hashtag #UnterhalteUns auf TikTok inspirieren lassen.

Deutschland zählt zu den Kernmärkten von TikTok. „Wir sind stolz auf das große Wachstum in Deutschland und Europa. Deshalb haben wir den lokalen Teams von Anfang an eine tragende Rolle gegeben, da unsere Teams ein differenziertes Verständnis der jeweiligen Märkte besitzen“, sagt Rich Waterworth, General Manager TikTok UK und Europa.

Auto1 macht seinen wichtigsten Kunden Konkurrenz

Die Auto1-Gruppe ist mit einer simplen Idee zu einem der höchstbewerteten deutschen Start-ups geworden: Das Team um die beiden Gründer Hakan Koç und Christian Bertermann kauft online im großen Stil Gebrauchtwagen von Privatleuten auf und verkauft sie an Autohändler weiter. Künftig wollen die beiden Gründer verstärkt genau diesen Gebrauchtwagenhändlern Konkurrenz machen, indem sie ihren eigenen Auto-Onlineshop stark ausbauen.

„Der eigene Verkauf an Endkunden ist eine natürliche Erweiterung unseres bisherigen Geschäftsmodells als größter Gebrauchtwagengroßhändler Europas“, sagte Bertermann dem Handelsblatt. Für den deutlichen Ausbau des eigenen Onlineshops Autohero hat er bereits neue Geldgeber gefunden: Zwei Hedgefonds aus Großbritannien und den USA geben 255 Millionen Euro als Wandeldarlehen. Das ist ein Kredit, der bei einer künftigen Finanzierungsrunde in Firmenanteile umgetauscht werden kann.

Bei der letzten großen Finanzierungsrunde 2018 hatte Softbank 460 Millionen Euro in das Berliner Unternehmen gesteckt und es damit rechnerisch mit 2,9 Milliarden Euro bewertet. Auto1 gehört damit zu den sogenannten Einhörnern mit einer Bewertung von mehr als einer Milliarde Euro.

Mit dem Geld ist aus Auto1 ein großer Spieler auf dem europäischen Gebrauchtwagenmarkt geworden. Unter der einprägsamen Web-Adresse wirkaufendeinauto.de verspricht das Unternehmen seit 2012, jeden Gebrauchtwagen anzukaufen. Nach einer Online-Registrierung mit erster Preisabschätzung folgt ein konkretes Angebot in einer Filiale.

Im Hintergrund steht dabei ein Datenschatz, der die Preisabschätzung erleichtert. Die Autos verkauft Auto1 bislang an Händler weiter. Zudem organisiert die Gruppe den Verkauf von Händlern untereinander. 3,5 Milliarden Euro Umsatz seien so im vergangenen Jahr zusammengekommen – ein Plus von 21 Prozent gegenüber 2018, sagte Bertermann.

Autos kaufen vom Sofa aus

Auch beim neuen Projekt Autohero will er die Privatkunden bei der Bequemlichkeit packen. Sie können Gebrauchtwagen im Onlineshop aussuchen und nach Anzahlung nach Hause bestellen. Nach Anlieferung per Transporter können die Käufer die Autos prüfen und erst dann die endgültige Zahlung freigeben – bei 14 Tagen Rückgaberecht.

Ärger mit den Autohäusern als große Stammkunden von Auto1 fürchte er nicht, sagte Bertermann. Selbst will er über Autohero bevorzugt Autos vermarkten, die bei den Händlern weniger gefragt sind. Zudem sei der Automarkt so groß und fragmentiert, dass für einen weiteren Spieler Platz sei. Dabei will er auch Werbung bei den etablierten Onlineplattformen wie Mobile.de schalten.

Bislang ist Autohero im Vergleich zu diesen Börsen klein: 2000 Fahrzeuge habe Autohero bislang in neun europäischen Ländern im Bestand, sagt Bertermann. 8000 bis 10.000 Stück will er im laufenden Jahr verkaufen. Das ist wenig im Vergleich zu den 620.000 Gebrauchtwagen, die die Gruppe 2020 insgesamt bewegen will. „Ich glaube aber, Autohero kann genauso groß werden. Das wird aber noch eine Weile dauern“, sagte Bertermann.

Der Wandelkredit, den vor allem die beiden Fondsgesellschaften Farallon Capital Management und The Baupost Group an die Auto1 Group SE vergeben, soll zum größten Teil in Autohero fließen. Zum einen geht es darum, die Plattform über Werbung und Marketing bekannt zu machen. Zum anderen muss Auto1 in Infrastruktur für den Service investieren – etwa in Werkstätten zum Flottmachen der Wagen. Bertermann will zudem die Technik hinter dem Onlineshop ausbauen. Bislang müssen die Interessenten mit wenigen Fotos von den Autos auskommen, künftig sollen sie deutlich mehr sehen.

Ärger mit dem eigenen Fintech

Ein Selbstläufer ist das neue Zukunftsprojekt von Auto1 nicht – schließlich gibt es bereits etliche Gebrauchtwagenplattformen im Netz, der Preiswettbewerb ist hoch. Zum anderen funktioniert nicht jedes Projekt, das sich die Berliner vornehmen. Ein groß angekündigtes Vorhaben etwa liegt auf Eis. Den Plan, einen eigenen Finanzierungsarm namens Auto1-Fintech aufzubauen, hat Bertermann aufgegeben – trotz Partnern wie Allianz und Deutsche Bank. Offenbar sind die Autohändler ihren Banken, deren Kundenkredite sie verkaufen, zu treu.

Übrig geblieben ist eine Menge Ärger: Der Hauptinvestor bei Auto1-Fintech, der Dubaier Geschäftsmann Bensen Safa, will sich mit dem Rückzug der Autoplattform nicht abfinden. Er hofft auf eine Fortsetzung der Partnerschaft, damit das Finanzunternehmen im Geschäft bleibt. Zudem vermutet er offenbar Unregelmäßigkeiten, über die er Verhandlungsdruck aufbauen könnte.

Ein von seiner Seite beauftragter Prüfbericht von Deloitte, der dem Handelsblatt in Auszügen vorliegt, listet kritische Punkte auf. So seien die Teilhaber schlecht informiert worden. Die Prüfer vermuten auch unzulässige Zahlungen an Berater und überhöhte Rechnungen von Auto1 an die Finanztochter. Solche Verdächtigungen bekommen zusätzliche Brisanz, da ausgerechnet der frühere Chef der Corporate-Governance-Kommission, der Ex-Stahlmanager Gerhard Cromme, Aufsichtsratsvorsitzender von Auto1 ist.

Bertermann wiegelt ab. „Wir nehmen jeden Vorwurf sehr ernst und prüfen im Detail. Wir konnten jedoch bei keinem der Punkte Fehlverhalten feststellen“, sagte er. Die Gesellschafter wollen sich am heutigen Donnerstag treffen, um über die Zukunft von Auto1-Fintech zu beraten. Bertermann verweist darauf, dass im Zweifel Gerichte die Rechtmäßigkeit der Trennung klären müssten.

Auto1 spürt zudem immer noch deutlich die Coronakrise. Im Frühjahr schickte das Unternehmen einen großen Teil seiner Mitarbeiter in Kurzarbeit, da kaum Autos verkauft wurden und auch die Anmeldestellen geschlossen waren. Das Kraftfahrt-Bundesamt meldete für das erste Halbjahr einen Rückgang der Gebrauchtwagen-Anmeldungen von 11,4 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum auf 3,2 Millionen Autos.

Die meisten der 4200 Mitarbeiter von Auto1 seien inzwischen aus der Kurzarbeit zurück, aber noch nicht alle, sagte Bertermann. Das Geschäft laufe noch nicht wieder voll. Immerhin: Die aktuelle Finanzierung brachten die Auto1-Gründer noch Ende Februar unter Dach und Fach – also gerade noch vor der Coronakrise.

Redaktionsnetzwerk Deutschland konzipiert neue Digital-Formate

Das Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND), das zur Madsack Mediengruppe aus Hannover gehört, bereitet eine Digital-Offensive vor

Das Team um Geschäftsführer und Chefredakteur Marco Fenske hat bereits den Newsletter Der Tag gestartet, mit dem die Redaktion täglich um 7:00 Uhr ein News-Update sowie Lese- und Hörempfehlungen versendet. Ab dem 4. August soll der USA-Newsletter dazukommen, in dem einmal wöchentlich Korrespondentenberichte und Hintergrundreportagen über die im November anstehende Präsidentschaftswahl in den Vereinigten Staaten gesammelt werden.

Im Audio-Bereich soll es zum einen ein stündlich ausgestrahltes, zweiminütiges Nachrichtenformat geben, genannt RND Update. Zum anderen sind neue Podcasts geplant, darunter das Format Unsere Story, mit dem die das RND Einblicke in die Redaktionsarbeit gibt.

Die Digital-Offensive baut auf den bisherigen Bemühungen auf, zu denen die 2019 gestartete Nachrichten-Website RND.de sowie eine Reihe weiterer Podcast zählen.

AGAF: Die Tech-Götterdämmerung fand noch nicht statt

Eine Anhörung der mächtigsten Techbosse vor US-Abgeordneten sollte klären, ob die Machtfülle von Amazon, Google, Facebook und Apple zu groß geworden ist. Leider löste sich das Gipfeltreffen im Parteiengezänk auf.

Die Symbolkraft dieser denkwürdigen Anhörung war kaum zu überbieten: Die Chefs der gern als „Big Four“ abgekürzten vier großen Techfirmen Apple, Facebook, Google und Amazon mussten sich am Mittwoch gemeinsam stundenlang den kritischen Fragen des Justizausschusses des US-Repräsentantenhauses stellen.

Es sollte um die ganz großen Dinge gehen: um die wirtschaftliche Dominanz der Techgiganten, sei es im Bereich von Online-Werbung, Suchmaschinen oder App Stores, um wettbewerbsfeindliche Geschäftspraktiken, um fragwürdige Firmenzukäufe, um die Verbreitung von Falschinformationen und Hass, um Wirtschaftsspionage, um Überwachung, um Datenmissbrauch, um Gefahren für die Demokratie. Um alle Übel der Digitalwelt.

Wegen der Corona-Pandemie mussten Sundar Pichai (Alphabet/Google), Mark Zuckerberg (Facebook), Tim Cook (Apple) und Jeff Bezos (Amazon) nicht nach Washington anreisen, wie bei solchen Veranstaltungen üblich, sondern wurden per Videokonferenz zugeschaltet. Es war ein surreales digitales Stelldichein, ausgerichtet mithilfe von Ciscos Konferenzdienst Webex. Die Zuschauer zu Hause sahen teilweise alle vier als „Zeugen“ geladenen Wirtschaftslenker simultan auf dem Screen. Auf die Weltpolitik gemünzt ist das ungefähr so, als würden Donald Trump, Xi Jinping, Wladimir Putin und Angela Merkel gleichzeitig auf einem Zoom-Bildschirm auftauchen.

Der virtuelle Auftritt erlöste die Techbosse von einem besonders qualvollen Teil der Tortur, dem der öffentlichen Vorführung, dem Bußgang in die Hauptstadt, dem Fotografengewitter. Alle vier saßen sie wohlgeschützt in nichtssagenden Büroräumen vor fast antiseptisch neutralen Hintergründen. Da und dort war eine Vase oder eine erschöpfte Zimmerpflanze zu sehen, mehr nicht.

Umso bedeutsamer klangen die Worte, die der Vorsitzende des Justizausschusses, David Cicilline von den Demokraten, in seiner Eröffnungsrede wählte: „Unsere Gründerväter haben sich keinem König gebeugt, und wir sollten uns nicht den Kaisern der Online-Wirtschaft beugen.“ Das Gremium war angeblich gut vorbereitet, mehr als ein Jahr hatten die Ermittlungen zu den kartellrechtlichen Problemen gedauert, laut Medienberichten hatte der Ausschuss Hunderte Stunden Interviews geführt und über eine Million Dokumente angesammelt. Das Wort „historisch“ war oft gefallen in den Vorberichten zu diesem Termin: Es sollte der Tag werden, an dem die Politik endlich der Techwirtschaft die Stirn bietet. Der Tag, an dem die Zähmung des Silicon Valley beginnt.

Allerdings hatten die republikanischen Mitglieder des Ausschusses einen anderen Plan. Sie konzentrierten sich mehrheitlich auf den Vorwurf, dass Plattformen wie Facebook rechtskonservative Meinungen und Medien unterdrücken würden, dass sie Zensur übten. Hitzige Tiraden von Trump-treuen republikanischen Scharfmachern wie Jim Jordan aus Ohio und Matt Gaetz aus Florida nahmen der Veranstaltung ihre klare Richtung und damit die Sprengkraft.

Ein böser Zirkel schließt sich

Die Polarisierung der amerikanischen Politik und Gesellschaft zeigte sich in einander diametral entgegengesetzten Richtungen der Befragung: Während Demokraten mit Blick auf Facebook beklagten, dass die Plattform zum Beispiel Videoclips mit offensichtlichen Fehlinformationen zum Coronavirus an ein Millionenpublikum verbreitet, regten sich die Republikaner darüber auf, dass Facebook solche Inhalte manchmal vom Netz nimmt. Die einen pochen auf Grenzen der Meinungsfreiheit, die anderen auf ein Recht zur Lüge.

Hier schließt sich ein böser Zirkel: Dass sich Amerika auf keine geteilten Wahrheiten, auf keinen gesellschaftlichen Konsens mehr einigen kann, geht auch auf die polarisierenden Kräfte sozialer Medien zurück, auf Fake News, Hate Speech, Filterblasen, Desinformation. Und der Ausschuss, der dagegen vorgehen will, ist zu polarisiert, um das Problem wirksam anzupacken.

Das zeigte sich in Szenen wie diesen: Ein Republikaner, Jim Jordan, verhörte also Sundar Pichai über angebliche antirepublikanische Bestrebungen bei dessen Konzern Google, worauf der Republikaner von einer Demokratin, Mary Scanlon aus Pennsylvania, der Verbreitung von „abwegigen Verschwörungstheorien“ beschuldigt wurde, worauf der Republikaner die Demokratin niederzuschreien versuchte, bis ein Dritter Jordan mit „Ziehen Sie ihre Maske auf!“ zur Ordnung rief – nur, wer gerade Rederecht hatte, durfte die Maske absetzen. So verging die Zeit.

Natürlich, Anhörungen vor dem US-Kongress sind immer und in erster Linie politisches Spektakel. Weil die Befragten oft ohnehin ausweichende oder nichtssagende Antworten geben, haben sich die Abgeordneten angewöhnt, ihren eigentlichen Fragen meist ellenlange, donnernde Statements vorangehen zu lassen, in denen sie ihre politischen Botschaften versenden. Und wenn der Furor irgendwann doch noch in eine Frage mündet, werden die Antworten der Anzuhörenden häufig brutal nach ein paar Sekunden abgewürgt. Die befragten Zeugen, im Grunde nur Statisten bei diesem Schauspiel, könnten einem fast leidtun, würde es sich nicht, wie in diesem Fall, um einige der mächtigsten und reichsten Männer der Welt handeln.

Es gab auch Lichtblicke, ernsthafte Versuche, Fragwürdigkeiten tatsächlich zu ergründen. Der Auftritt von Jeff Bezos war im Vorfeld wohl mit der größten Spannung erwartet worden, da der Amazon-Chef anders als seine Kollegen zum ersten Mal zu einer Kongressanhörung erschien. Zunächst schien alles sehr glimpflich zu laufen für den reichsten Menschen der Welt – die ersten zwei Stunden der fast sechsstündigen Veranstaltung wurde er überhaupt nicht befragt. Dann aber sprach ihn die Demokratin und Amazon-Kritikerin Pramila Jayapal auf den Umgang des Konzerns mit Drittanbietern auf seiner Handelsplattform Marketplace an.

Das „Wall Street Journal“ hatte im April berichtet, dass Amazon-Mitarbeiter Daten von erfolgreichen Händlern auf seiner Plattform nutzten, um konkurrierende Eigenmarken zu lancieren – ein Verstoß gegen eine interne Richtlinie des Konzerns, der den Vorfall noch untersucht. „Ich kann nicht garantieren“, räumte Bezos ein, „dass nie gegen diese Richtlinie verstoßen wurde.“ Es war ein seltener Moment der Anerkennung eines möglichen Fehlverhaltens, während die Firmenchefs ansonsten die meiste Zeit damit verbrachten, Vorwürfe pauschal abzulehnen und ihre Erfolge herauszustreichen.

Einen brenzligen Moment zu überstehen hatte Mark Zuckerberg, als ihn der demokratische Abgeordnete Jerry Nadler mit aufgetauchten E-Mails aus dem Jahr 2012 konfrontierte. Darin diskutiert der Facebook-Chef mit seinem damaligen Finanzchef die möglichen Gründe für einen Kauf von Instagram, der dann im April jenes Jahres tatsächlich erfolgte. Die Akquisition der Foto- und Videosharing-Plattform durch Facebook ist einer der zentralen Angriffspunkte von amerikanischen Wettbewerbsrechtlern. Nadler zitierte aus den E-Mails, in denen es unter anderem darum ging, ob Zuckerberg mit dem Zukauf „einen Konkurrenten neutralisieren“ wollte. „Fusionen und Übernahmen, die potenzielle Wettbewerber aufkaufen, verstoßen gegen die Kartellgesetze“, sagte Nadler und fragte schließlich: „Warum sollte Instagram nicht abgespalten werden?“

Bis dahin allerdings ist es noch weit. Doch auch wenn dieser große Tech-Showdown nicht hielt, was er versprach, muss das nicht bedeuten, dass die Anhörung gescheitert ist. Hinter den Kulissen wird nun weitergearbeitet. Es wird darauf ankommen, welche Schritte der Ausschuss dem Kongress empfehlen wird, um die kartellrechtlichen Probleme anzugehen und die Machtfülle der Internetgiganten einzuhegen.