Amazon bleibt wertvollste Marke

Unternehmen, die den Menschen durch die Coronakrise geholfen haben, haben den Wert ihrer Marke deutlich gesteigert. Die diesjährige Markenrangliste BrandZ, die das Marktforschungsunternehmen Kantar zusammen mit dem britischen Werbekonzern WPP regelmäßig erstellt und die dem Handelsblatt vorab vorliegt, spiegelt diese Entwicklung wider: Es sind vor allem Techkonzerne, die mit ihren Produkten und Dienstleistungen an Wert zugelegt haben. Denn die Coronazeit ist vor allem eines: eine Zeit des virtuellen Lebens.

Spitzenreiter bei BrandZ ist erneut der US-Konzern Amazon, dessen Markenwert binnen eines Jahres um 32 Prozent auf 415,9 Milliarden Dollar gestiegen ist. Der Onlinehändler aus Seattle hat in der Coronakrise nicht nur den Kunden Rekordmengen an Paketen nach Hause geliefert. Als Kundenbindungsinstrument dient auch der hauseigene Streamingdienst Amazon Prime Video, der vielen Haushalten über die Pandemie geholfen hat.

BrandZ misst seit 15 Jahren die 100 weltweit wertvollsten Marken. Dabei wertet Kantar einerseits Finanzdaten zum Geschäftserfolg aus und greift außerdem auf Daten aus der Markt- und Verbraucherforschung zurück. Ein Schlüsselkriterium, um den Marktwert einer Marke zu bestimmen, ist die künftige Einschätzung der Marke durch den Verbraucher. Zu diesem Zweck werden mehr als 3,8 Millionen Menschen befragt.

Virtuelle Meetings statt Präsenzkonferenzen: Nach dem Lockdown in diesem März haben viele Mitarbeiter von zu Hause aus gearbeitet und dabei ihre Zusammenkünfte unter anderem mit Microsoft Teams organisiert. Insofern ist es nur folgerichtig, dass auch der US-Konzern Microsoft seinen Markenwert um 30 Prozent auf nunmehr 326,5 Milliarden US-Dollar erhöht hat. Damit verdrängte der IT-Konzern den Datenkonzern Google von dessen drittem Platz bei BrandZ.

Apple und Google, die beiden großen Techkonzerne, die in früheren Jahren die stärksten Wachstumszahlen vorgewiesen haben, legten dagegen weniger stark zu: Apple steigerte den Markenwert um 14 Prozent auf 352,2 Milliarden US-Dollar und landete damit auf dem zweiten Platz, und Google legte um fünf Prozent auf 323,6 Milliarden US-Dollar zu und geriet auf den vierten Platz.

Ein Viertel der weltweit 100 wertvollsten Marken stammt mittlerweile aus Asien – davon allein 17 aus China. Onlinehändler Alibaba wuchs um 16 Prozent und ist mit einem Wert von 152,5 Milliarden US-Dollar die wertvollste chinesische Marke auf Platz sechs, gefolgt vom Internetkonzern Tencent mit einem Plus von 15 Prozent auf 151 Milliarden US-Dollar, der im Gesamtranking auf dem siebten Platz landete.

Der höchste Neueinsteiger in die Top 100 kommt ebenfalls aus China: Das Videoportal und soziale Netzwerk Tiktok steigt auf Platz 79 ein – mit einem Markenwert von 16,9 Milliarden US-Dollar. Gerade junge Menschen haben die Plattform, die für ihre kurzweiligen Filme bekannt ist, in der Coronakrise als Ablenkung genutzt. Und Ablenkung ist etwas, das die jungen Menschen in Zeiten des Social Distancing dringend brauchten.

Drucken