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11. Dez -

Lesen statt Zeitunglesen?

Die Deutschen Zeitungen starten - wieder einmal - eine Kampagne für das gedruckte Blatt. Sie wollen unter Nutzung von TV, Plakaten und Print als Werbeträger die Menschen „über das Lesen zur Zeitung“ führen und vor allem Nichtleser ansprechen.
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Zeit für Lesen

So wie ein Kind, das sich nach Ruhe sehnt
und schon am Bettrand still, geruhsam gähnt
und dich anfleht: ”Geh noch nicht fort, erzähle” -
(daß es, das Dunkel, etwas später käme)
und während dann sein Herzchen bange schlägt,
weiß es selbst nicht, welcher Wunsch es bewegt:
will es das Märchen, will es deine Nähe? -
nun, so bitten wir: Setz dich und erzähle.
Sag Tagtägliches: wir vergessens nicht -
zeig auf unsere gemeinsame Sicht,
sag: wir sind hier zusammen im Entlegnen,
doch in der Sorge einig, im Begegnen...
Du weisst wohl selbst, die Dichter meiden es
zu lügen: Sag uns Wahres, nicht nur Wirkliches,
schaff Licht: Hirn haben wir nur in der Helle -
ohneinander treten wir auf der Stelle.
Heute wollen wir uns durchschaun, - so nah,
wie Hans Castorp tat mit Madame Chauchat.
Kein Lärm dringt durch deine verhangnen Worte...
Erzähl uns schön, und nenn des Elends Orte,
lass uns hoffen, lass uns vergessen unsre Not.
Wir beklagen grad Kosztolányi´s Tod -
die Menschheit wird, wie er, vom Krebs zerrüttet,
und bald von Monsterstaaten zugeschüttet
sein, und wir fragen erschrocken: was noch?
was zerstört uns, welches neue Ideenjoch?
wer kocht uns Gifte neu, wer will uns fangen?
wie lang kannst äußern noch deine Gedanken?...
Solang du sprichst, sind wir wie angespornt -
wir Männer bleiben Männer auch hinfort,
und die Frauen Frauen, noch wunderbarer -
Jeder: ein Mensch, - weil der ist immer rarer...
Setz dich. Und fang das Märchen ruhig an.
Wir lauschen, - einige werden dich dann und wann
nur anblicken, doch froh: sie sehn von näher,
unter Weissen, heute, hier, einen Europäer.

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